optische Vergrösserung vs optischer Eindruck

  • Hallo zusammen,


    Klasse Forum, aber die Suchfunktion hilft grad nicht weiter.


    Ist mir ein bisschen peinlich die Basics nicht zu verstehen, aber: Gibt es einen Unterschied zwischen der optischen Vergrösserung und dem optischen Eindruck?


    Nach googeln und Literatur ist Vergrösserung das Verhältnis von
    V = tan(Sehwinkel)/tan(objektwinkel)
    In erster Näherung für kleine Objekte und damit kleine Winkel sollte das auch für das Verhältnis der Winkel selbst gelten.


    Ich habe ein Fernglas 8x56 und irgendwie nicht das Gefühl, das ich die Objekte tatsächlich 8fach grösser sehe.
    Erliege ich einer optischen Illusion? Ist das nur der visuelle Eindruck meines Gehirns? Oder weil ich Brillenträger bin?


    Wenn ich mir auf DinA4 Schriften verschiedener Grösse ausdrucke und betrachte, habe ich nicht den Eindruck das die 10er Schrift durchs Fernglas aussieht wie 80ger - eher wie 30er.
    Ok, die Hersteller beschreiben das mit "8 mal näher dran am Objekt", aber das ist doch auch 8fach grösserer Sehwinkel und damit auch 8fach grösseres Objekt !?
    (Für grosse Objekte ganz nah mal abgesehen, für die Sehwinkel und tan dann nicht mehr linear sind)


    Auch die Beispiele die dort gezeigt werden entsprechen einer normalen Bildvergrösserung - Ich habe nicht das Gefühl das ich das sehen kann, Trugschluss?


    Und, JA, das Fernglas vergrössert tatsächlich 8fach wie ein Bild mit und ohne Fernglas an der Digicam gezeigt hat.


    Für die Aufklärung meines Veständnisses oder jedes Stichwort unter dem ich mehr erfahren kann dankbar,


    Frank

  • Moin Frank!


    Nun, ich denke, die optischen Grundlagen stehen fest und an den theoretischen Gegebenheiten läßt sich nicht rütteln. Die zweite Frage ist nur: Was macht das Gehirn aus diser Information...?


    Ich hab' vor einiger Zeit mal einen Bericht gelesen, daß Versuche mit einer genau "1-fach" vergrößernden Optik das Abbild tatsächlich kleiner erscheinen lassen als mit dem bloßen Auge betrachtet. Das ist sicher ein psychologischer Effekt - man mußte die Optik-Vergrößerung tatsächlich auf ca. 1,5fach steigern (genauen Wert weiß ich nicht mehr), um den gleichen "Seh-Eindruck" wie mit bloßem Auge zu erreichen. Genauso wird öfters berichtet, daß bei identischer Vergrößerung ein Abbild bei binokularer Abbildung (also mit beiden Augen) größer erscheint, als wenn man nur mit einem Auge durchs Okular schaut.


    Daß die Kombination Auge-Hirn so einige Überraschungen bereithält, sieht jeder, der den Mond am Horizont gesehen hat. Das ist eben eine opt. Täuschung.

    Bye 4 now, Micha. (lebt ohne Smartphone)


    Skyoptikst 150/750 N, Bresser 120/1000 R, Bresser 114/900 N, Bresser 114/500 N, SVBONY 105/1400 Mak, NACATIN 102/900 R, SVBONY102/660 R, Bresser 90/500 R,
    Solomark 80/700 R, Bresser 70/900 R, Hetekan 70/700 R, INTEY 70/400 R, Vixen 60/700 R, Vixen 50/800 R, Vixen 40/800 R, TASCO 50/600 R.

    FG: TS 20x80, TASCO 12x80, Porst 9x63, Tento 10x50, Asahi-PENTAX 10x50, Sotem 7x50, Beroflex 10x40, TASCO 8x40 WA, TASCO 8x30 WA.

  • Hi Frank,
    sicher erschwerend kommt hinzu, das man einmal mit freiem Auge ein anderes Feld hat, das sich doch deutlich unterscheidet vom Einblick in ein FG oder Scope. Würdest Du das was Du im Scope als Feld hast so aufblasen das es sich nahtlos in den Anblick ohen Hilfsmittel einfügen läßt, würdest Du die Vergrößerung auch sehen.
    Im Scope oder FG betrachtest Du aber ein wenig mm großes Bild - Brennebene.
    Die verschiedenen Ausgangspunkte sind es die das m.E. so erscheinen lassen.
    CS

  • Hallo Frank,


    wilkommen im Forum.
    Wenn du den Feldstecher nur vor ein Auge hälst, kannst du mit etwas Übung das vergrösserte und unvergrösserte Bild direkt vergleichen. Dann siehst du, dass der Feldstecher tatsächlich 8-fach vergrössert.
    Auch das scheinbare Gesichtsfeld spielt eine Rolle. Beim Blick in ein Weitwinkelokular scheint die Vergrösserung durch das grössere Gesichtsfeld kleiner zu sein als bei einem Okular mit gleicher Brennweite und Tunnelblick.


    CS Heinz

  • Danke für die Antworten,


    Hm, so richtig glücklich macht das nicht. Den Trick mit dem Binokucken kann ich nur schwer nachvollziehen, weil ich als gering-schielender Brillenträger auch nicht ganz Stereo schaue, sondern eher mit Nummer zwei fehlende Rauminformationen ergänze.


    Ich hab nochmal weiter gesucht und zum Thema optische Wahrnehmung u.a. das gefunden:
    URL: http://vts.uni-ulm.de/doc.asp?id=589
    URN: urn:nbn:de:bsz:289-vts-5899
    Ist so ziemlich was vollständigste was ich zu dem Thema gefunden habe.


    Sieht so aus als würde, wie ihr schon meintet, das Auge bei der Bildverarbeitung vergrössern wenn Entfernungsinformationen vorliegen. Teilweise wird sogar von Faktoren über 2 gesprochen.
    Was ich noch nicht ganz verstanden habe: optischer Eindruck hin oder her, aber wenn ich etwas erst ab gewisser Grösse lesen kann sollte das ein Fakt sein, keine Täuschung.
    Aber vielleicht täusche ich mich auch hier. :)


    Danke und einen wolkenlosen Himmel für alle
    Frank

  • Hallo Frank,

    Quote
    <i>Original erstellt von: diggerman</i>
    <br />Was ich noch nicht ganz verstanden habe: optischer Eindruck hin oder her, aber wenn ich etwas erst ab gewisser Grösse lesen kann sollte das ein Fakt sein, keine Täuschung.
    Das ist nicht unbedingt so, da die Erkennbarkeit nicht ausschliesslich von der Abbildungsgrösse abhangt. Ich sehe da 3 Faktoren, die sich negativ auswirken können:
    - Bewegungen werden entsprechend der Vergrösserung verstärkt. Dies kann aus freier Hand die Erkennbarkeit im Fernglas erheblich beeinträchtigen.
    - Die Optik taugt nicht, ist einfach unscharf.
    - Die Optik taugt nicht, hat einen schlechten Kontrast, ist evtl. empfindlich für Streulicht.


    CS Heinz

  • Hallo Heinz,


    zur Beobachtung:
    DinA4 Blatt, verschiedene Schriftgrössen 10 bis 80, Distanz ca. 8m, gute Beleuchtung, abgestützt auf Tisch, FG Steiner 8x56XP.
    Es mag unterschiedliche Ansichten über die Qualität der Optik geben, aber für so eine Feststellung dürfte sie allemal ausreichen. Ich würde höchstens sagen das Aufgrund von positivem Kontrast, Lichtstärke und Schärfeeindruck meine Schätzung etwas gedrückt wurde um das zu kompensieren.


    Ich hatte schon befürchtet das wäre nur mein persönlicher Eindruck, aber verschiedene Leute konnten das bestätigen, auch mit anderen Ferngläsern. (Gut, sechs Leute machen noch keine Statistik...) Aber vielleicht gibt es ja persöhnliche Untschiede, oder mit Erfahrung nimmt man das anders war?


    Seltsamerweise: Durch einen 2xTelekonverter für die Videokamera erziele ich einen Vergrösserungseindruck der hinter dem 8x des FG nicht weit hinterhinkt. Was meine Schätzung eher bestätigt.


    Auch eine Lupe vergrössert so wie es draufsteht, warum also das FG nicht? (Zumindest kann ich es an der Lupe sehen)


    CS Frank

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