Mein "astronomischer" Sonntag

  • Hallo liebe Sternfreunde,


    ich glaube zu Recht sagen zu können, deß gestern mein astronomischer Sonntag war denn schon seit längerer Zeit habe ich nicht mehr so viele unterschiedliche Objekte beobachtet.


    Los ging es gegen 16.00 Uhr als die Wolkendecke stärker aufriß und teilweise der Sonne Platz machte. Ich habe meinen Celestron 6" f/8 Refraktor aufgebaut um die Sonne zu beobachten, ohne vorher nachzusehen ob überhaupt da oben was los ist. Mein erster Blick durch das Teleskop: und ob da was los war... zwei große Fleckengruppen mit zum Teil riesigen Flecken. Sagenhafter Anblick bei 67x mit Vixen
    Ortho 18mm (mein Lieblingsokular bei diesem Teleskop für die Sonne denn die Sonne füllt fast das gesamte Gesichtsfeld aus und der Kontrast ist super). Sehr schön war die Granulation über die gesamte Sonne zu sehen, die Flecken mit feinen Details in Umbra und Penumbra sowie Flackergebiete am äußersten rechten Rand. Ganze 2 Stunden hatte ich das Teleskop aufgebaut und immer wieder wenn die Sonne rauskam, durch das Teleskop geschaut. Zwischendurch hatte ich Olaf Kolbrück angerufen ob er nicht vorbeikommen möchte um auch zu beobachten. Er war leider anderweitig beschäftigt, hat aber dann schon mal für die Nacht zugesagt wenn das Wetter stimmt. Olaf, ich muß sagen, am Nachmittag da hast du was verpaßt.


    Der zweite Teil der Beobachtung begann gegen 21.00 Uhr. Objekt war der Mond, als Instrument das Vixen Bino 30x125. Ein wunderschöner Anblick. Ist schon Wahnsinn was binokulares Sehen ausmacht obwohl nur 30x Vergrößerung. Der Mond erscheint total als 3D-Objekt. Eine tolle plastische Ansicht. Eine schöne Besonderheit gestern Abend war ein
    recht heller Stern rechts unten neben dem Mond. Man konnte über längere Zeit (etwa nach einer halben Stunde) sogar sehen wie sich der Abstand zwischen Mond und Stern vergrößerte. Als ich dann mit der Mondbeobachtung fertig war ging ich nochmal rein und setzte mich vor die Glotze damit die Zeit bis es richtig dunkel wurde schneller
    verging.


    Kurz nach 22.00 Uhr erschien dann Olaf mit seinem Astro Dobson 8" f/5. Die Spechtelnacht konnte beginnen. Mittlerweile waren die Wolken komplett verschwunden und ein klarer Himmel lachte uns an. Das hätten wir bei dem Wetter tagsüber gar nicht gedacht, daß der Himmel so toll werden sollte in der Nacht. Los ging es mit dem Mond denn für Deep
    Sky schien der Mond einfach zu hell. Olaf experimentierte ein wenig herum mit Beobachtung bei Gebläse an/Gebläse aus. Ich meinerseits verglich die Ansichten 6" Refraktor vs. 8" Dobson. Also im Dobson schien mir das Bild besser zu sein schon allein weil im Refraktor das Bild einen ziemlichen Gelbstich hatte. Das Seeing war sogar recht gut und man konnte bis 200x bzw. 240x vergrößern (mit Okular Pentax 5mm).


    Aber der schönste Teil der Nacht sollte noch kommen als der Mond untergegangen war. Dann wurde es richtig dunkel mit guter Durchsicht und geschätzter Grenzgröße von 5m7 im Zenit, in Richtung Süden etwas weniger wegen der Lichter der umliegenden Ortschaften. Ich hatte mittlerweile wieder mein Vixen Bino rausgeholt um die Zeit zu überbrücken bis Mars am Himmel erschien. Für mich sollte sich dann
    die Binobeobachtung als Highlight in dieser Nacht herausstellen. Warum: Cirrusnebel!!! Ohne jeglichen Filter in direktem Sehen im Bino. Wow, was für ein Anblick, einfach zum genießen. Aber auch die Milchstraße hat Spaß gemacht. Die zahlreichen Sternhaufen von Cassiopeia bis in die Schildwolke, bei denen ich gar nicht auf die Benennung geachtet habe, waren wunderschön. M13 im Sternenfeld,
    beinahe Aufgelöst am Rand, M31 mit beiden Begleitgalaxien, M22, M8 die Lagune, M17, ha und chi Persei, M27, M101, M51, später M33! alles Objekte zum genießen im Vixen 30x125. So, und dann kam noch der große Auftritt von Mars. Vergrößert habe ich im Refraktor bis 240x mit Vixen Ortho 5mm. Je später die Nacht wurde desto besser traten die Details auf dem roten Planeten hervor: Polkappe, darunter ein dunkler
    Bereich und der Rest rötlich. Ich glaube auch einen kleinen Ausläufer aus den dunklen Bereich in das große rötliche Feld gesehen zu haben. Der Anblick in Olaf's Dobson schien mir ein Tick besser zu sein als in meinem 6" Refraktor. Wir haben beide nicht viel geredet, zu schön war das was wir gesehen haben. Da war fast jedes Wort überflüssig.
    Zischendurch haben wir einfach nur den Sternenhimmel mit bloßem Auge genossen denn der Anblick war sagenhaft.


    Olaf verabschiedete sich dann gegen 2.00 Uhr, merklich ungern, aber wenn man am Morgen zur Arbeit muß hat man keine andere Wahl. Ich selbst entschied mich noch ein wenig draußen zu bleiben um Mars weiterhin zu beobachten. Aber nur ein halbe Stunden später packte ich auch meinen Krempel zusammen und ging rein. Was für ein toller Sonntag!


    Macht's gut,
    Klaus.

  • Sehr schön geschriebener Bericht, schien ja eine Klasse Nacht gewesen zu sein... Bei uns war das ganze Wochenende Wolken und Regen...


    Tja man kann nicht alles haben...


    Gruss Andy

  • Klaus,


    ein schoener bericht. danke.


    da werde ich ein bischen wehmuetig, wenn ich lese, dass es in meiner 'alten heimat' 5.7mag LVM gibt. DONNERWETTER!


    weiterhin viel freude bei der sache
    stefan


    PS: hier mein Mars von heute morgen, ca. 4:00 MESZ:

    kannst du irgendwelche details identifizieren, die du visuell gesehen hast?

  • Ja Stefan, draußen auf dem Bauernhof, ringsherum nur Kornfelder, hat mein einen echt schönen Himmel. Nur im Süden stören die Lichter von Obbernhofen und Bellersheim. Dennoch sind der Schütze und Skorpion recht gut zu sehen.


    Ach ja, einen Boliden haben wir letzte Nacht auch gesehen. Hab ich in meinem Bericht total vergessen zu erwähnen. Die genaue Uhrzeit weiß ich nicht mehr, aber ich glaube es war so zwischen 0.00 und 1.00 Uhr. Die Helligkeit kann ich auch schlecht abschätzen aber es war einer der hellsten den ich je gesehen habe und zwar flog der "über unsere Köpfe hinweg" angefangen oberhalb vom Kasten des kleinen Wagens bis oberhalb von Cepheus/Anfang von Cygnus. Sehr auffällig war die helle orange Leuchtspur und seine recht "langsame" Geschwindigkeit.


    Klaus.


    P.S. Danke für das Marsfoto der letzten Nacht. Meine Marsbeobachtung deckt sich sehr gut mit dem Foto, Stefan. Eindeutig gesehen habe ich die Polkappe,das dunkle Gebiet darüber und rechts die Stelle wo das dunkle Gebiet etwas breiter ist. Klasse!

  • > die Lichter von Obbernhofen und Bellersheim


    was? die gehen doch alle um 22:00 uhr ins bett!


    [:D]


    was mich wundert ist, dass mein marsbild so gar nicht mit den simulationen von http://www.calsky.de und Mars Previewer II uebereinstimmt. entweder sind die karten falsch oder meine optik hat einen knick. aber ich habe die dunklen albedo-strukturen meines bildes auch visuell so gesehen. und ich habe mehrere AVIs 'gedreht' die uebereinstimmend das gleiche zeigen.


    ... seltsam ding ...

  • Hallo Klaus, Hallo zusammen


    ...dem ist nichts hinzuzufügen. Echt ein sehr schöner Bericht.


    Trotzdem meine 2cent:


    ---Olaf experimentierte ein wenig herum mit Beobachtung bei Gebläse an/Gebläse aus. ---
    Ja, ja. die Blaserei, ich glaube, jetzt habe ich’s allmählich raus - wann und wie herum.
    Das nervige ist nur der Lärm. In der Stille finde ich den Himmel noch schöner.


    -----Also im Dobson schien mir das Bild besser zu sein schon allein weil im Refraktor das
    Bild einen ziemlichen Gelbstich hatte.----


    Also ich weiss es einfach nicht: Allmächlich verstehe ich den alten ideologischen Streit der Reflekt. versus Refrakt. Ich fand das Bild im gut und lange ausgekühlten Dob auch einen Tick besser, ich glaube die Farbe beim Refrakt. schluckt doch etwas Kontrast. Dafür fand ich das Bild im 6er ruhiger. Das bringt dann wieder vorteile für den Refrakt. Der Dob ist einfach seeinganfälliger. Trotz aller Blaserei. Zumal die Temperatur schätzungsweise jede halbe Stunde wieder um 1 Grad sackte. Und feucht wars! Leute holte eure Taukappen wieder heraus.



    -----Cirrusnebel!!! Ohne jeglichen Filter in direktem Sehen im Bino. Wow, was für ein Anblick, einfach zum genießen. ----


    Drei Ausrufezeichen sind dafür einfach zu wenig. Das Bild im Vixen-Bino ist Gigantisch (4 Ausrufezeichen). Sofortiger Haben-Wollen-Reflex. Außerdem weiss ich erst seit dem Bino, was an offenen Sternhaufen so schön ist.


    ----Polkappe, darunter ein dunkler Bereich und der Rest rötlich. Ich glaube auch einen kleinen Ausläufer
    aus den dunklen Bereich in das große rötliche Feld gesehen zu haben. ----


    Den Ausläufer habe ich einige Male auch gesehen, wenn das Bild ruhig stand.


    Hat wie immer Spass gemacht.


    Clear skies olaf

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