Servus beinand,
diesmal gibt es ein etwas kniffeliges Objekt, sowohl visuell als auch zum Fotografieren. Mich hat es aber visuell so fasziniert, dass ich es einfach als OdM nehmen musste. Zumindest ist des Objekt sehr einfach zu finden. Sheratan ist auch als Beta Arietis bekannt und mit 2m64 für jeden mit bloßem Auge leicht zu finden. Er ist schließlich der zweithellste Stern des Widders. Sheratan – der Name stammt aus dem Arabischen: Al Sheratain bzw. الشرطان oder aš-šaraṭān (aus Wikipedia) und soll sowas wie "die zwei Zeichen" bedeuten (Widder und Fische sollen laut Wikipedia gemeint sein). Nun gut, für uns ist er Teil eines Sternbilds oder -zeichens, nämlich des Widders. Sheratan ist 60 Lichtjahre entfernt und leuchtet als Stern der Spektralklasse A5 V für uns weiß.
Südlich von Sheratan liegt er, der Geist des Sheratan. Dort findet sich nämlich mit NGC 722 eine Galaxie. Den Namen habe ich kreiert, wobei dazu nicht viel Phatasie gehört, denn bei anderen Galaxien neben hellen Sternen benennt man es ja auch so (z.B. Mirachs Geist). NGC 722 ist eine Spiralgalaxie vom Typ Sbc, was aber im Teleskop nicht erkennbar ist. Mit 223 Millionen Lichtjahren ist diese Galaxie natürlich sehr weit hinter Sheratan, der in unserer Nachbarschaft vor sich hin leuchtet. Daher ist NGC 722 auch nur 13m6 hell (im Visuellen). Mit 1,7 × 0,5 Bogenminuten ist es ein kleiner Wattebausch. Die 1,7 Bogenminuten sind real immerhin 110.000 Lichtjahre.
Die Schwierigkeit ist, neben dem gleißenden Licht Sheratans die Galaxie sehen oder fotografieren zu können. Immerhin ist Sheratan 11 Größenklassen heller, also ca 25.000× heller (!) in Bezug auf die scheinbare Helligkeit! Auf Astrobin habe ich (wohl auch daher) kein Foto finden können, wohl aber durch normales Googeln. Ich habe Sheratans Geist mit meinem Dino aufgesucht und sehen können, da unser Auge logarithmisch wahrnimmt und ein Helligkeitsunterschied von 25.000× immer noch greifbar bleibt:
Mit 22 Zoll gesehen? Kein Kunststück! Aber die Entdeckung dieses Nebelflecks machte Heinrich Louis d’Arrest am 2. Dezember 1861. Er hatte dafür einen Refraktor mit 37,5 cm Öffnung – und er wusste nicht, dass da ein Nebelchen zu sehen ist, er musste den Fleck entdecken! Das soll die Leistung hervorheben, diese Galaxie zu entdecken. Wenn es mit einem minimal mehr als 14-Zoll-Refraktor zur Entdeckung reichte. sollte es mit 16 Zoll auch mit einem obstruierten Spiegel klappen!?! Zumal man ja weiß, wo man auf eine Aufhellung achten soll. Oder doch auch mit 14 Zoll? Nun, nur Versuch macht klug. Die gezeichneten Sterne sind zwischen 12m5 und 14 mag hell und können bei der Suche helfen. Ich fand den Anblick grandios, neben dem hellen Scheinwerfer so ein zartes Wattebäuschchen.
Also empfehle ich: ran an den Speck! Aufsuchkarten braucht es diesmal nicht. Sheratan findet man auch so, wenn man den Widder als Sternbild kennt, was hier ja auf alle zutrifft.
Interessant wäre natürlich, bis zu welcher Öffnung man den kleinen Geist denn visuell erkennen kann. Und die Technik – es lohnt sich, Sheratan aus dem Gesichtsfeld zu nehmen und dafür am passenden Ort hochzuvergrößern.
Für die Astrofotografinnen und -grafen ist es vielleicht auch eine kleine Herausforderung. Auch mit den Smarties sollte es gehen. Und auf den Fotos werden sich noch weitere, schwächere Geister des LEDA-Katalogs zeigen, die aber nochmal ein paar wenige Größenklassen schwächer sind. Schafft ihr es, neben Sheratan dasNebelfleckchen sauber abzubilden? Vielleicht sogar mit Feinstrukturen?
Wie auch immer ihr herangeht, ich freue mich auf Rückmeldungen. Ich hoffe, euch fasziniert der Gegensatz auch so wie mich. Die Koordinaten sind +20° 41′ 54″ und 01h 54m 46,9s. Die Deklination ist groß genug, dass das Objekt über einen längeren Zeitraum beobachtbar ist. Jetzt muss nur der Mond wegwandern und dann die Wolken den Blick freigeben (aktuell habe ich besten Himmel, aber der Mond...).
Viel Spaß!
Liebe Grüße,
Christoph
