OdM Oktober 2026 – Sheratans Geist, NGC 722

  • Servus beinand,


    diesmal gibt es ein etwas kniffeliges Objekt, sowohl visuell als auch zum Fotografieren. Mich hat es aber visuell so fasziniert, dass ich es einfach als OdM nehmen musste. Zumindest ist des Objekt sehr einfach zu finden. Sheratan ist auch als Beta Arietis bekannt und mit 2m64 für jeden mit bloßem Auge leicht zu finden. Er ist schließlich der zweithellste Stern des Widders. Sheratan – der Name stammt aus dem Arabischen: Al Sheratain bzw. الشرطان oder aš-šaraṭān (aus Wikipedia) und soll sowas wie "die zwei Zeichen" bedeuten (Widder und Fische sollen laut Wikipedia gemeint sein). Nun gut, für uns ist er Teil eines Sternbilds oder -zeichens, nämlich des Widders. Sheratan ist 60 Lichtjahre entfernt und leuchtet als Stern der Spektralklasse A5 V für uns weiß.


    Südlich von Sheratan liegt er, der Geist des Sheratan. Dort findet sich nämlich mit NGC 722 eine Galaxie. Den Namen habe ich kreiert, wobei dazu nicht viel Phatasie gehört, denn bei anderen Galaxien neben hellen Sternen benennt man es ja auch so (z.B. Mirachs Geist). NGC 722 ist eine Spiralgalaxie vom Typ Sbc, was aber im Teleskop nicht erkennbar ist. Mit 223 Millionen Lichtjahren ist diese Galaxie natürlich sehr weit hinter Sheratan, der in unserer Nachbarschaft vor sich hin leuchtet. Daher ist NGC 722 auch nur 13m6 hell (im Visuellen). Mit 1,7 × 0,5 Bogenminuten ist es ein kleiner Wattebausch. Die 1,7 Bogenminuten sind real immerhin 110.000 Lichtjahre.


    Die Schwierigkeit ist, neben dem gleißenden Licht Sheratans die Galaxie sehen oder fotografieren zu können. Immerhin ist Sheratan 11 Größenklassen heller, also ca 25.000× heller (!) in Bezug auf die scheinbare Helligkeit! Auf Astrobin habe ich (wohl auch daher) kein Foto finden können, wohl aber durch normales Googeln. Ich habe Sheratans Geist mit meinem Dino aufgesucht und sehen können, da unser Auge logarithmisch wahrnimmt und ein Helligkeitsunterschied von 25.000× immer noch greifbar bleibt:



    Mit 22 Zoll gesehen? Kein Kunststück! Aber die Entdeckung dieses Nebelflecks machte Heinrich Louis d’Arrest am 2. Dezember 1861. Er hatte dafür einen Refraktor mit 37,5 cm Öffnung – und er wusste nicht, dass da ein Nebelchen zu sehen ist, er musste den Fleck entdecken! Das soll die Leistung hervorheben, diese Galaxie zu entdecken. Wenn es mit einem minimal mehr als 14-Zoll-Refraktor zur Entdeckung reichte. sollte es mit 16 Zoll auch mit einem obstruierten Spiegel klappen!?! Zumal man ja weiß, wo man auf eine Aufhellung achten soll. Oder doch auch mit 14 Zoll? Nun, nur Versuch macht klug. Die gezeichneten Sterne sind zwischen 12m5 und 14 mag hell und können bei der Suche helfen. Ich fand den Anblick grandios, neben dem hellen Scheinwerfer so ein zartes Wattebäuschchen.


    Also empfehle ich: ran an den Speck! Aufsuchkarten braucht es diesmal nicht. Sheratan findet man auch so, wenn man den Widder als Sternbild kennt, was hier ja auf alle zutrifft.


    Interessant wäre natürlich, bis zu welcher Öffnung man den kleinen Geist denn visuell erkennen kann. Und die Technik – es lohnt sich, Sheratan aus dem Gesichtsfeld zu nehmen und dafür am passenden Ort hochzuvergrößern.


    Für die Astrofotografinnen und -grafen ist es vielleicht auch eine kleine Herausforderung. Auch mit den Smarties sollte es gehen. Und auf den Fotos werden sich noch weitere, schwächere Geister des LEDA-Katalogs zeigen, die aber nochmal ein paar wenige Größenklassen schwächer sind. Schafft ihr es, neben Sheratan dasNebelfleckchen sauber abzubilden? Vielleicht sogar mit Feinstrukturen?


    Wie auch immer ihr herangeht, ich freue mich auf Rückmeldungen. Ich hoffe, euch fasziniert der Gegensatz auch so wie mich. Die Koordinaten sind +20° 41′ 54″ und 01h 54m 46,9s. Die Deklination ist groß genug, dass das Objekt über einen längeren Zeitraum beobachtbar ist. Jetzt muss nur der Mond wegwandern und dann die Wolken den Blick freigeben (aktuell habe ich besten Himmel, aber der Mond...).


    Viel Spaß!


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Mein Verein: Astronomische Gesellschaft Buchloe e.V.

    Meine Ausrüstung:

    Teleskope: "Dino" 22" (560 mm)  f/3.5 Dobson (Martini / Oldham Optical)  –  Omegon Ritchey-Chretien Pro RC 203/1624; Montierung: iOptron CEM40G  –  Ferngläser (9 x 42, 20 x 60)

    Kamera: Canon EOS 6D Mark II (Vollformat, unmodifiziert); Kameraobjektiv: meist Canon EF-200 mm f/2.8 Teleobjektiv

  • Servus Lothar,


    du meinst aber vermutlich meinen Beobachtungsbericht, in dem ich Sheratans Geist bereits erwähnt hatte und nicht die OdM-Vorstellung?! Der Mond müsste doch extrem stören, der im Moment vor sich hin strahlt...


    Also: 14 Zoll bei Stadthimmel... das bedeutet 12 Zoll oder gar 10 Zoll bei dunklem Himmel?!


    Liebe Grüße,

    Christoph

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    Kamera: Canon EOS 6D Mark II (Vollformat, unmodifiziert); Kameraobjektiv: meist Canon EF-200 mm f/2.8 Teleobjektiv

  • Das ist ja mal ein lustiges Objekt, danke für's aufbereiten.


    Gestern habe ich fast 4 Stunden mit dem 10" f/4 + ToupTek2600C Kamera fotografisch draufgehalten. NGC 722 steht ja nur 7 Bogenminuten neben Sheratan, gestern auch noch direkt 16 Grad neben den 86% fetten Mond. ASTAP gibt in den Bildern eine Himmelsqualität von SQM= 17,2 mag/arcsec^2 heraus, Mond, Sheratan, Laternen, Stadtlichtglocke, ab und zu Wolkenschleier, pfff, es musste trotzdem sein, weil einfach kann ja jeder.


    Ein 17'x13' Crop, der in etwa dem Feld von Christophs Zeichnung entspricht. Man sieht den fast stellaren Kern mit der inneren Scheibe, die inneren Spiralarme sind nur angedeutet. Die schwächeren Außenpartien sind dem Lichtsmog zum Opfer gefallen:



    Das komplette 1,3°x0,8° Feld, das vielleicht zur Orientierung für eure Beobachtungen dienen kann. Die Sterngrenzgröße im Rohstack beträgt laut ASTAP 19,3 mag:


  • Hallo,


    ich habe gestern abend auch mit 3x135mm f/4.8 ca. 3x eine Stunde unter sehr ungünstigen Bedingungen(Mond/Wolken) LRGB fotografiert. Erwartungsgemäß sind bei dieser Brennweite keine Details auszumachen. Immerhin ist NGC722 aber zu erkennen. (Bearbeitet mit PixInsight)


  • Servus Stathis, servus Neubi,


    coole Aufnahmen! Nur kurz, da ich am Handy bin: die Publikation geht um NGC 772, nicht um NGC 722. Erstere ist sehr bekannt, letztere geisterhaft unbekannt.


    Liebe Grüße,

    Christoph

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  • Servus Christoph,


    da hast Du Dir eine visuell harte Nuss rausgesucht. Aber: es geht !

    Meine Sichtung der Galaxie vor einigen Jahren ist erfolgreich gewesen, wenn auch die Beschreibung nicht zu üppig ausgefallen ist:

    "schwach, klein, rund, leicht länglich, Beta Ari steht 5' nördlich".


    Immerhin konnte ich erkennen, dass die Galaxie leicht länglich war (im Gegensatz zur Original--Beschreibung im NGC - die sagte "rund".

    Und schwierig war die Beobachtung auch nicht, sonst hätte ich mir nicht "schwach" aufgeschrieben.

    Ich weiß aber noch, dass es eine höhere Vergrößerung brauchte.


    Gerät: 14.5" Dobson f/4.7

    Okular: 6mm Ethos = 286x vergrößert

    Der Himmel dürfte so meinem Standard-Wert von 21.25 mag/"^2 entsprochen haben.


    CDS

    Stefan

  • Servus beinand,


    so, jetzt kann ich die ersten Rückmeldungen besser würdigen. Ich schreibe lieber am PC.


    Stathis – das Foto ist richtig gut geworden, vor allem bei den Bedingungen! Man sieht auch die kleine Hintergrundgalaxie im Spike von Sheratan sehr gut. Und ja, man erkennt ansatzweise die Ärmchen. Schön ist, wie Sheratan im Bildausschnitt strahlt. Visuell wirkt der Kontrast noch extremer, aber das Foto zeigt es sehr schön. Coole Sache!


    neubi – mit der kleinen Brennweite sind Details natürlich schwierig. Den helleren Kern erkennt man aber gut und auch die Form der Galaxie. Super!


    Galaxien-Spechtler – mit 14,5 Zoll nicht schwierig bei 21m25 als SQM-L-Wert. Klingt vielversprechend für kleinere Öffnungen.


    Danke für eure Beiträge!


    Liebe Grüße,

    Christoph

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    Kamera: Canon EOS 6D Mark II (Vollformat, unmodifiziert); Kameraobjektiv: meist Canon EF-200 mm f/2.8 Teleobjektiv

  • Hi,


    heute Moregn um ca. 2 Uhr nochmal NGC722 eingestellt. Bei Großstadtbedigungen schon eine Challenge. Aber indirekt, wenn man Sheratan bei 256x außerhalb des GF hält, gerade so erkennbar.


    cs

    Lothar

  • Hallo... :)

    Ich habe mich heute Nacht auch mal an Sheratans Geist probiert...

    Aufgenommen am 6.10.26

    10" RC f/6.4

    10Micron 1000 HPS

    Canon EOS Ra

    62x60s

    ISO 1600

    Siril ,Pixinsight , Affinity Photo 2

    Ein einfach zu findendes Objekt aber auch schwierig Beobachten / fotografieren... ähnlich Mirachs Geist...

    Gruß Thomas

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