Astronomisches Transsylvanien - ein kleiner Reisebericht aus Rumänien

  • Moin Forum,


    gerade sind wir aus Rumänien zurückgekommen - genauer gesagt aus Transsylvanien (aka Siebenbürgen) und wieder habe ich dazu einen kleinen Bericht verfasst.

    Wir waren schon mehrfach in Rumänien und haben uns diesmal das wunderschöne Sibiu als Basis ausgesucht.

    Auch in Sibiu waren wir vorher schon 2x, normalerweise immer auf "eigener Achse".

    Aus verschiedenen Gründen sind wir diesmal geflogen (Sibiu hat einen winzigen Flughafen und ist gut erreichbar via Wien) und haben uns vor Ort einen Mietwagen besorgt,

    mit dem wir die Umgebung unsicher gemacht haben.


    Neben den vielen Dingen, die es in Transsylvanien zu entdecken gibt, habe ich mich wie immer auf die Suche nach "Spuren der Astronomie" begeben und darum soll es in diesem Bericht auch

    hauptsächlich gehen - das ist hier ja schließlich ein Astroforum! ;)

    Weil unsere Basis diesmal ein Hotel in der Stadt war, hatte ich aber kein Teleskop dabei - die Entscheidung zwischen abgelegenem Ferienhaus in dunkler Umgebung und "Frühstück nicht selber machen müssen"

    ist diesmal zu Gunsten des Frühstücks ausgefallen. ^^


    Fangen wir also an mit der "astronomischen Schnitzeljagd".

    In der Altstadt von Sibiu gibt es die ikonische, blumengeschmückte "Lügenbrücke". Der Name hat sich allerdings verselbstständigt - 1859 wurde die bis dahin hölzerne Brücke durch eine gußeiserne ersetzt.

    Die Brücke ruht nicht auf Pfeilern und wurde daher "Liegebrücke" genannt. Daraus wurde dann schnell "Lügenbrücke" und es entstanden so Legenden wie "die Brücke wird einstürzen, wenn jemand darauf eine Lüge erzählt".


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    Direkt vor dieser Brücke fällt dem geneigten Spurensucher zuerst das "Casa Astronomului" auf. Im Gebäude wurden bei Renovierungsarbeiten aufwändige Wandfresken aus dem 17. Jahrhundert entdeckt,

    ein Fresko zeigt die Darstellung eines Astronomen, der scheinbar Koordinaten auf einem Globus verzeichnet. Leider ist das Fresko nicht öffentlich zugänglich, man muss dort schon das entsprechende Zimmer buchen.

    Da auch ein Bild des Freskos nicht anderweitig und frei verfügbar im Internet zu finden ist, verweise ich mal auf die booking.com Seite der Unterkunft. Dort gibt es eine Bilderstrecke - das Fresko mit dem Astronomen ist Bild 16 von 38.


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    Weiter geht es durch die Stadt. Das nächste Ziel unserer Schnitzeljagd ist das alte Postgebäude in der Strada Mitropoliei 14. Am 1904 errichteten Gebäude findet sich eine verwitterte Sonnenuhr:


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    Die ansonsten sehr schönen Museen der Stadt bieten wenig astronomisches. Immerhin gibt es im Keller des "Historischen Museums im Altemberger Haus" ein römisches Lapidarium,

    dort gibt es einen Raum mit einem Sternenhimmel: ;)


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    Auf jeden Fall Zu empfehlen ist das Immersive Kunstmuseum.

    Hier gibt es u.a. eine Art "Holodeck" - sicher mit wechselnden Projektionen. Als wir da waren, hatten wir das Glück, direkt an der Mondlandung und an einer Marsmission teilnehmen

    zu können:


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    Auch die ISS fliegt hier durch den Raum:


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    Generell ist es hübsch in Sibiu:


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    Außerhalb von Sibui gibt es auch ein paar astronomie-bezogene "Schmankerl". Das kleine, malerische Örtchen Rășinari (etwa 45 Autominuten von Sibiu entfernt) hat einen Planetenpfad.

    Der Pfad ist insgesamt 4,6km lang und führt durch den Ort und die umgebende Natur. Auf Schautafeln werden die Planeten unseres Sonnensystems erklärt:


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    Das Städtchen ist aber auch ansonsten wunderschön...


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    In Cluj-Napoca (ca.180km von Sibiu entfernt und über eine gut ausgebaute Autobahn schnell erreichbar) betreibt die örtliche Universität ein Observatorium.

    Bei klarem Himmel ist das Observatorium Freitags Abends für Besucher geöffnet.

    Wir waren natürlich tagsüber da und haben einfach mal an der verschlossen Pforte geklingelt. 8)

    Wir hatten Glück und wurden eingelassen - eine sehr nette Astrophysikerin hat uns eine kleine Privatführung gegeben.


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    Blick auf den Coudé-Zeiss-Refraktor. Auf dem Zeiss-Refraktor sitzt ein Vixen VMC260L:


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    Das war auf jeden Fall toll - da kann man nur sagen:


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    Unter den vielen schönen Städtchen Rumäniens ist mit Sicherheit Sighișoara eines der schönsten. Nebenbei ist es die Geburtsstadt von Vlad Tepesch (aka "Graf Dracula" :bat: :man_vampire_medium_skin_tone: ).

    Das Uhrwerk im Stundturm zeigt je nach Wochentag eine anderen Himmelskörper bzw. die entsprechende Gottheit an:


    Wochentag Figur / Gottheit Himmelskörper
    Montag Diana Mond
    Dienstag Mars Mars
    Mittwoch Merkur Merkur
    Donnerstag Jupiter Jupiter
    Freitag Venus Venus
    Samstag Saturn Saturn
    Sonntag Sol Sonne


    Jetzt die Quizfrage: an welchem Wochentag waren wir da? ;)


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    Ein paar Impressionen aus Sighișoara:


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    Unterwegs finden sich viele historische Kirchenburgen aus dem 12. bis 16. Jahrhundert. Einige haben wir besucht und sogar dort findet sich "astronomisches" - wenn auch sicher nicht ganz so alt: ^^


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    Insgesamt haben wir also schon ein paar "astronomie-bezogene" Schnipsel entdeckt. ^^


    Abgesehen davon noch ein paar kleine (Bild-)Ausflüge:


    Die Transfăgărășan (DN7C) durch das Făgăraș-Gebirge:


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    Der Bâlea-See:


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    Die Saline von Turda - ein ehemaliges Salzbergwerk, das heute als Kurort für Lungenerkrankungen dient. Der Aufenthalt in der salzhaltigen Luft soll einen positiven Effekt haben und

    damit es nicht so langweilig wird, hat es hier in einer gigantischen Kaverne in 112m Tiefe ein Riesenrad, ein Amphitheater, einen Minigolfplatz, einen Bootsverleih am unterirdischen See, Tischtennisplatten,...


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    Da in Rumänien gerade Ferienzeit und zudem Wochenende war, war die Saline leider ziemlich überfüllt.


    Castelul Corvinilo in Hunedoara:


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    War sonst noch was? Ach ja, zwei wichtige Hinweise: ;)


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    Ich hoffe, diese kleine Bilderflut hat Euch nicht allzu sehr überfordert und ich hoffe auch, dass der kleine Ausflug Euch gefallen hat.

    Falls ja - hier gibt es weitere Berichte aus meiner kleinen Reisedoku-Reihe mit (mal mehr, mal weniger) Astro-Bezug:


    Aurora-Hunt am Polarkreis bei -35°C

    Astronomisches Kopenhagen

    Astronomisches Stettin

    Astronomisches Malta

    Eine knappe Woche La Palma - ein kleiner Reisebericht mit etwas Smartie-Deepsky

    Ein kleiner Reisebericht: Madeira mit dem S30Pro


    CS, Jochen

  • Hallo Jochen,


    vielen Dank für Deinen tollen Reisebericht - und die schönen Erinnerungen, die Du damit in mir geweckt hast! :upside_down_face:


    Wir, meine Frau und ich, waren 2019 auf ganz ähnlichen Pfaden in Rumänien unterwegs. Sind einen großen Teil der Karpaten mit Auto und Wohnwagen abgefahren, u. a. auch auf der Transfăgărășan :smiling_face_with_heart_eyes: :upside_down_face: , stets wild campend, wofür die Rumänen zum Glück sehr offen sind.


    Auch Sibiu und Sighișoara :smiling_face_with_heart_eyes: sind Stationen gewesen; in Sighișoara leben Bekannte von uns, weshalb wir vor allem dieses schöne Städtchen etwas länger besuchten.


    Sehr in Erinnerung geblieben sind mir neben den vielen wild - wunderschönen Natureindrücken die vielen Schlaglöcher in den Straßen, die vielen Schotterpisten, sobald man etwas außerhalb unterwegs ist, die vielen Hunde, die zwar oft etwas baufälligen, aber dennoch wunderschönen Städte, in den Städten die vielen abenteuerlichen Stromkabelführungen, aber, vor allem, die große Ruhe und Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Rumänen. :slightly_smiling_face:


    Wie ich sehe, ist Rumänien immer noch sehr abenteuerlich und immer noch absolut eine Reise wert!


    Viele Grüße, Gerd

  • Wie ich sehe, ist Rumänien immer noch sehr abenteuerlich und immer noch absolut eine Reise wert!

    Moin Gerd,


    ja - mit Rumänien verbinde ich auch tolle Erinnerungen. Als Jungspund habe ich mit zwei Kumpels alte Schrottautos zusammengeschweisst.

    Das erste Mal war ich daher 1991 in Rumänien, da sind wir mit einem "selbst restaurierten" 34PS Suzuki "Super Carry" (so sah das Ding aus, Bild von Wikipedia)

    von Norddeutschland bis nach Kairo vor die Pyramiden gefahren. Die Kiste war so eng, dass immer abwechselnd einer von uns im Schlafsack auf dem Dachgepäckträger pennen

    musste... ^^


    Später war ich dann noch oft in Rumänien, eine der schönsten Reisen war die mit unserem "Engelchen" - das war ein zum "Womo" umgebauter Nissan Patrol.

    Mit diesem Panzer haben wir (meine Frau und ich) die Karpaten auf (illegalen) Forstwegen überquert:


    bild%20%282%29.jpg


    :right_arrow:  hier  :left_arrow: gibt es einen kleinen Reisebericht dazu.


    Zwischen dem Rumänien von 1991 und dem von 2026 liegen allerdings Welten. 1991 war der Sturz von Ceaușescu gerade mal 2 Jahre her,

    ich kann mich gut an die Häuser erinnern, die Plastikfolien statt Scheiben in die Fenstern hatten und an die Kinder, die in Bukarest an den Ampeln nach Geld oder Lebensmitteln gebettelt haben.


    An die vielen Hunde kann ich mich auch gut erinnern. Eines Nachts sind wir versehentlich in einem Industriegebiet bei Bukarest gestrandet - das fühlte sich an wie die Übernachtung

    in einem Wolfsrudel. Aber wie gesagt - da hat sich unglaublich viel getan. Schon ein paar Besuche später hatten die wilden Hunde Ohrmarken (Kastrationsprogramm).

    Man sieht heute immer noch einige, aber längst nicht mehr so viele. Meist sind sie sehr freundlich, ich bin aber wegen diverser Reisen vorsichtshalber Tollwut-geimpft.


    Heute sind die Schlaglöcher aus den Straßen verschwunden und es gibt hervorragend ausgebaute Autobahnen.

    Die rostigen Industrieanlagen wurden weitgehend zurückgebaut, die Städte und die kleinen Dörfer haben sich mit frisch gestrichenen Häusern und Blumen an den Straßen herausgeputzt.

    Insgesamt hat das Land mit dem der 1990er wenig zu tun. Auch wenn hier und da noch der Putz bröckelt - es erinnert schon irgendwie mehr an die besseren Gegenden von Frankreich.

    Mein Eindruck ist sogar, dass die auf dem Digitalsektor (Zahlungsverkehr, Netzausbau,...) inzwischen weiter sind als wir. Aber das ist sicher auch kein Kunststück... ^^


    Was über die ganze Zeit geblieben ist, ist die Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen. Ich mag das Land sehr und es war bestimmt nicht unser letzter Besuch.

    Die Natur in Kombi mit den historischen Städten ist unschlagbar.


    Gruß, Jochen

  • Hi Jochen,


    auch von mir ein großes Kompliment ... wunderbarer Bericht :thumbup: :thumbup: :thumbup:


    :waving_hand_medium_light_skin_tone: Peter

    Teleskop:        Celestron C8 Edge HD mit Celestron Finder Scope für's visuelle, ein Origin für die Bilder

    Montierung:   Celestron AVX auf Eigenbau-Säule für das C8

    Kamera:          Nikon D5300a mit Samyang 135mm f/2

    Behausung:    Pulsar 2m Dome

  • Danke Euch für die netten Kommentare! :smiling_face_with_smiling_eyes:


    Gruß, Jochen

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