ODM September 2026 – Perseushaufen AGC 426

  • ODM September 2026 – Perseushaufen AGC 426


    Astrophysikalisch:


    Der Perseushaufen (Abell 426) ist ein Galaxienhaufen im Sternbild Perseus. Er ist etwa 240 Millionen Lichtjahre entfernt. Seine mittlere Radialgeschwindigkeit beträgt rund 5400 Kilometer pro Sekunde. Er ist einer der nächsten reichen Galaxienhaufen und umfasst etwa 500 bis 1000 Galaxien, die sich am Himmel über ein Gebiet mit einem Durchmesser von etwa 15° verteilen. Er besteht vor allem aus gelblichen elliptischen und linsenförmigen Galaxien und hat eine geschätzte Gesamtmasse von 2 · 1015 Sonnenmassen.[1] Nach dem Schema von Rood und Sastry (RS-Schema) wird der Haufen aufgrund seiner langgestreckten Form als Typ L klassifiziert.

    Röntgenaufnahme der Zentralregion des Perseushaufens durch das Chandra-Teleskop


    Der Perseushaufen enthält unter anderem die starke Radioquelle Perseus A (3C 84), die mit der riesigen cD-Galaxie NGC 1275 im Zentrum des Haufens assoziiert ist. Das Plasma im Zentrum des Haufens um NGC 1275 ist so heiß, dass die mittleren Geschwindigkeiten der Ionen mit der Lichtgeschwindigkeit vergleichbar sind; man nennt dies ein relativistisches Plasma. Das intergalaktische Gas im Kern des Perseushaufens wird auf zehn Millionen Kelvin[2] bis hundert Millionen Kelvin geschätzt.[3] Es ist auch die Quelle starker Röntgenstrahlung, die den Perseushaufen zum hellsten Galaxienhaufen in diesem Spektralbereich macht.[4]


    Eigene Beobachtung:


    Im Buch Galaxien von Wolfgang Steinicke steht am Ende eine Liste mit Abell Galaxienhaufen. Hier wird beschrieben, dass der AGC 426 237 Millionen LJ entfernt ist, er am Himmel 190‘ misst und aus 88 Galaxien besteht von den 4 mit 8 Zoll und 17 mit 16 Zoll zu sehen sind. Der Durchschnitt der 10 hellsten Galaxien beträgt visuell 12m7. Diese Angaben sind deutlich geringer als aus [1] und dürften wohl eher den Anblick mit Amateurmitteln entsprechen.


    Als Jemand, der gerne Galaxien beobachtet, wollte ich mal sehen wie viele Galaxien man mit 14“ unter durchschnittlichen Himmel (20.5 -21.0 mag/arcsec^2) erkennen kann. Außerdem ist es glaube ich das erste ODM, das sich mit einem Galaxienhaufen beschäftigt.


    Der Perseushaufen lässt sich am besten vom September bis Februar beobachten. Aber die Monate August und März gehen auch noch. Er steht recht hoch am Himmel. Von Deutschland aus gesehen erreicht er über 80° Höhe und ist zirkumpolar. Seine Koordinaten lauten: 3h 19m 48.1s, +41° 30′ 42″ (J2000)


    Los ging das Projekt im Januar 2026. Eigentlich schon vorher im Jahr 2011 als ich damals mit dem 12,5“ Martini Dobson im Odenwald zum ersten Mal NGC 1275 und AGC 426 besuchte. Damals unter guten Bortle 4 Himmel, konnte ich schon zahlreiche (über 10) Galaxien erkennen. AGC 426 wollte ich dann eigentlich 2025 zu Leibe rücken, aber das Wetter spiele im Herbst nicht mehr mit.


    The Digitized Sky Survey copyright © 1994 Bildgröße: 60“x60“



    Aufsuchen:


    Von Algol, β Persei, geht es ca. 2° nach Osten. Im 7x50 Sucher ist ein auffälliges Dreieck von Sternen 8m – 9m sichtbar, dort den östliche der 3 Sternen einstellen und man gelangt via starhop zum Abell 426.


    Ausschnitt aus Guide 9.1 mit 0,5°, 2° und 4° großen Teilkreisen.


    Und nun bin ich auf eure Beobachtunsberichte, Erlebnisse, Zeichnungen und Bilder gespannt.


    cs

    Lothar


    Einzelnachweise


    [1] Detaillierte Informationen der NASA/IPAC EXTRAGALACTIC DATABASE zum Perseushaufen.


    [2] Das stille Intraclustermedium im Kern des Perseus-Clusters. In: vsda.de. Abgerufen am 6. Mai 2019 (deutsch).


    [3] Robert Gendler: A Year in the Life of the Universe: A Seasonal Guide to Viewing the Cosmos. Voyageur Press, 2006, ISBN 978-0-7603-2642-8, S. 47 (books.google.de).


    [4] Die astrophysikalischen Angaben stammen aus Wikipedia.

  • Hallo Lothar,


    eine sehr schöne Wahl !


    Der Perseushaufen gehört für mich zu den klassischen Fernrohr-Objekten am ITT, dem jährlichen Teleskoptreffen in Kärnten, das ja meist zwischen Mitte September und Anfang Oktober liegt. Ich erinnere mich da an zahlreiche Beobachtungen mit Fernrohren im Bereich von 10-, 16- oder 20-Zoll. Bei dem guten Berghimmel konnte ich im 10-Zöller neben dem zentralen Bereich auch meist etliche Objekte aus der Galaxienkette ausmachen, die weit nach West-Südwest heraus bis IC 310 reicht. Die Kette kommt auf deinem zweiten Bild gut heraus, wie auch auf der Sonderkarte "D20" des Interstellarum-Deep Sky Atlas. Und im 16-Zöller springt eine Fülle von Fleckchen ins Auge, ich schaue da auch gerne auf das Paar NGC 1267 / 1268.


    Bei weniger gutem Himmel gingen die schwächeren Galaxien in meinem alten 10-Zöller schnell mal verloren: Am ehesten war dann das Zentrum um die hellen NGC 1275 / NGC 1272 zu erkennen, das fiel schon bei kleinerer Vergrößerung als "neblige Region" ins Auge.



    Bei sehr guten Bedingungen in den Bayerischen Alpen habe ich den Haufen im Oktober 2023 mit dem 99mm Spektiv probiert, in zenitnaher Position - ich zitiere aus meinem Bericht:


    '... Der Himmel hatte sich noch weiter verbessert, die Durchsicht war jetzt hervorragend: Eine gute Gelegenheit mal die Grenzen des Spektivs ein bisserl auszutesten. ... Schließlich ging es zum "Perseus-Galaxienhaufen" (Abell 426) um die wissenschaftlich gut untersuchte, 11,9 mag helle NGC 1275, die auch als Radioquelle "Perseus A" bekannt ist. Der Ausschnitt zeigt ein Muster im Spektiv gut erkennbarer Feldsterne anhand derer ich mich orientierte:



    Dabei blitzte NGC 1275 selber indirekt mehrmals als diffuses Fleckchen an der richtigen Stelle auf. Das werte ich als gesehen, während ich mir bei NGC 1272 trotz immerhin 11,8 mag Helligkeit gar nicht sicher bin: Ich meine da ist indirekt schonmal etwas aufgetaucht, aber meist nicht. Von der 12,4 mag hellen Galaxie NGC 1278 habe ich nichts ausmachen können. ...


    Also ein bisserl was konnte ich bei diesen weit entfernten Galaxien mit dem Spektiv ausmachen. Und dabei eher die etwas größeren Objekte, obwohl diese dann eine geringere Flächenhelligkeit haben. Bei den relativ geringen Vergrößerungen des Spektivs (hier im Zoombereich meist um 70-100x) dürfte eine gewisse Größe des Fleckchens von Vorteil sein um wahrgenommen zu werden, vorausgesetzt die Flächenhelligkeit ist nicht zu niedrig.'


    Servus

    Ben

  • Hi,


    Prima Objekt und super präsentiert den Perseus Cluster, lots !!! :thumbup: ;)


    Meine erste visuelle Beobachtung (20") hatte ich 2007. Vor allem ein zentrales Parallelogramm (ca 5' lange Seite) an Galaxien (incl. NGC1275) ist relativ auffällig. Ich weiss noch, dass ich damals sehr beeindruckt war, in einem Feld erstmals so viele Gx als Cluster beeinander zu sehen. Den grossen Dob hatte ich damals erst ganz kurz...


    Später hatte ich den Cluster mal exemplarisch einem Freund gezeigt für seine tiefere Intro ins DS Beobachten, 2023.


    Der Cluster ist mit 5400km/sec Fluchtgeschwindigkeit fast 5x so weit entfernt wie Virgo (ca 1150km/sec). Dementsprechend sind seine Galaxien also von der Integralhelligkeit her 25x (3.5mag) schwächer und 5x kleiner. Das ist kein Pappenstiel beim Beobachten, aber einfach mal probieren... Man braucht also grosse Tüten und etwas höhere Vergrösserung. NGC1275 (ein AGN mit 12.5mag in V) ist noch 'relativ leicht' als Gx, das ist aber auch eine Gx an der oberen Grenze für Gx Masse und absoluter Leuchtkraft, ein cD Monster.


    (Insofern Ben, mit Deinem Spektiv ist das natürlich 'very very brave', wow ! ;))


    Röntgenkoronen haben praktisch alle Cluster, das ist nichts ungewöhnliches in diesem Business. Temperatur, Dichte und Zusammensetzung dieses Gases (auch im Röntgen gibt es Emissionslinien, z.B. von hoch-ionisiertem Eisen) kann man benutzen, um Cluster besser zu verstehen. Aus der Temperatur kann man - unabhängig von den sichtbaren Galaxien - die CL Masse bestimmen. Und damit auch, wieviel DM in einem CL vorhanden sein muss. Tatsächlich ist ein Grossteil der CL-Masse in Form von Dark Matter (85%) ! Ausserdem die RöntgenGasverteilung (10+% der Masse) sagt einem wo die Masse ist, ob hier evtl. zwei Subcluster verschmelzen gerade o.ä., weil: Cluster sind in der Abfolge der kosmologischen Strukturbildung (ΛCDM Standard-Modell) die jüngsten Objekte (sie kollabieren ≈ heute), d.h. Sub-Teile können ggf. gerade mergen. Die für uns im Optischen sichtbaren Galaxien mit ihren Sternen machen nur wenige % der Gesamtmasse aus, die berühmte 'Spitze des Eisbergs'.


    Lg,

    Peter

  • Hallo Peter,

    Man braucht also grosse Tüten und etwas höhere Vergrösserung ...

    NGC1275 ist aber noch relativ leicht als Gx. ...

    (Insofern Ben, mit Deinem Spektiv ist das natürlich 'very very brave', wow ! ;) )

    Hat geklappt, ja - danke dir. Das war halt auch eine für Geitau ausgezeichnete Nacht ! Ein weiteres Indiz für die Himmelsqualität dieser Nacht: " ... Die Galaxie M33 konnte ich mit bloßen Augen indirekt als Fleckchen ausmachen".


    Servus

    Ben

  • Hallo Lothar,


    den Perseushaufen habe ich auf meinen Balkon mit 11" schon mehrmals beobachtet.

    Meine erste Kurzbeobachtung war im Januar 2016, da hatte ich nur NGC 1275, 1278 und 1272 gesehen.


    Ein Jahr später hatte ich mit mehr Geduld den ganzen länglichen Bereich von IC 310 bis NGC 1294 nach schwachen Funzeln abgegrast und dabei über 20 Galaxien gefunden.

    Jahre später hatte ich dann auch mal in der Umgebung einige weitere, etwas abgelegenere Galaxien beobachtet.


    ... 4 mit 8 Zoll und 17 mit 16 Zoll zu sehen ...

    Laut BAfK sollen 9 Galaxien mit 8 Zoll und knapp 30 mit 12 Zoll sichtbar sein.

    Diese Zahlen finde ich etwas realistischer, da ich mit 11" inzwischen schon über 40 Galaxien sehen konnte.


    Bis zum Durchmesser von 190‘ habe ich noch gar nicht alle potenziell machbaren Galaxien probiert, mit AGC 426 kann man sich visuell jahrelang beschäftigen. :)


    Gruß Ronny

  • Hallo Ronny,


    danke für die Rückmeldung. Du bist auch ein eifriger Visueller.

    Ich habe inzwischen auch schon knapp 30 Galaxien in AGC426 identifizieren können. Die Angaben im Buch Galaxien von Steinicke sehe ich auch als konservativ an, da geht unter denklem Himmel viel mehr. Der Haufen benötigt hat eien dunklen Himmel, gute Transparenz und das Seeing sollte auch gut sein, damit die kleinen Fuzzeln nicht im Hintergrund verschwimmen. Auf so eine "geile" Nacht im Herbst warte ich noch.


    cs

    Lothar

  • Hallo ODM-Freunde und Danke, Lothar für das schöne ODM! :thumbup:


    Den Perseushaufen habe ich bisher nur "remote" aufgesucht (bei Telescope Live).

    Die Aufnahme ist mit einem C14 und einer ASI2600MC Pro OSC in Hyperstar-Konfiguration mit f/1,8 (!) entstanden.

    Aufnahmeort ist das Las Campanas Robotic Observatory (LCRO) in Chile.

    Die Gesamt-Integrationszeit beträgt 375x60s = 6,25 Stunden.


    Ich habe den Hintergrund ordentlich gestreckt, um den galaktischen Zirrus herauszuarbeiten.


    :right_arrow: Ansicht im Astrotreff-Viewer - Taste "a" oder das Stiftsymbol schaltet die Annotation an/aus :left_arrow:


    :right_arrow: Galeriebild in voller Auflösung :left_arrow:



    PerseusCluster_23052026_1200.jpg


    Aufnahmedaten:

    Rohdaten / credits: Image processed by Jochen Vollstedt, original data from Telescope Live / Lee Maisel

    Teleskop: Celestron C14 | Kamera ASI2600MC Hyperstar|Belichtung: 375x60s = 6,25h |gestackt mit APP, bearbeitet mit PI und PS


    PerseusCluster_23052026_1200_Annotated.jpg


    Wenn man den PGC-Katalog in die Annotation einfliessen lässt wird es wuselig:


    PerseusCluster_23052026_1200_Annotated2.jpg


    ... und mit dem Siril Galaxien-Annotationsscript habe ich auch wieder ein wenig herumgespielt.


    PerseusCluster_23052026_Galaxy_Annotation_1200.jpg



    :right_arrow: Hier gibt es die zoombare Vollauflösung der Galaxien-Thumbnails im Astrotreff-Viewer :left_arrow:



    Allen viel Erfolg bei der ODM-Jagd und CS,


    Jochen

  • Hallo Lothar,


    ein tolles OdM und oben prima beschrieben.

    Nach Jochens remote-Aufnahme habe ich gestern einfach mal den Seestar S50 eine Stunde aufnehmen lassen und zeige hier einen Crop auf das Zentrum des Perseus-Galaxienhaufens.

    Die vier hellen Mitglieder sind in der Mitte von links nach rechts: NGC 1278, NGC 1275/Perseus A, NGC 1273 und NGC 1272, alle um die 14m.

    Desweiteren sind gut 60-70 kleinere Galaxien zu erfassen.


    HG und CS

    Markus


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