von Noctutec zu ChrisMaiTech: Komplettumbau eines 12" BinokularTeleskops

  • Hallo,


    wie einige schon mitbekommen haben, nutze ich seit 2020 einen 12" Doppeldobson der Firma Noctutec. Da dieser etliche Unzulänglichkeiten hatte, entschlossen Christian und ich uns, auch auf Anregung hier Forum, das Gerät komplett

    neu zu bauen.


    Was wir erreichen wollten:


    1) das Wesentlichste: Die Bilder sollen in jeder Position am Himmel weitestgehend überlagert bleiben, dies hat zuvor gar nicht stattgefunden

    2) in jeder Lage soll das Gerät in Balance sein

    3) es soll 2" Okulare gut ausleuchten, vorher war dies unmöglich



    Diese Punkte konnten wir erfolgreich umsetzen. Hier im Thread Starter zeige ich im Groben die Schritte, im Verlauf kommen dann Details, auch auf Nachfrage.


    Wir haben uns am ATM Jerry Oltion und seinem 12,5" Doppeldobson orientiert. Siehe hier: https://www.jerryoltion.com/binoscope.htm


    Die Ursprungsversion:


    Doppeldobson 300/1800 mit Orion UK Hauptspiegeln.



    Zuerst haben wir eine neue Spiegelbox mit neuen Hauptspiegelzellen gefertigt.



    hier mit Spiegelzellen, Lateralverstellung, HS auf 6 Punkt Wippenlagern.



    Wir haben den Hüten nach Jerry eine Hutbox spendiert. Sie sind rotierbar für einfachen IPD-Wechsel ohne Fokusverlust. Wodurch der Lichtweg in den OAZ massiv kürzer wird, die FS nach oben wandern und Vignette massiv reduziert wird.



    ach ja, man muss ja den Fokus neu bestimmen. Trockenaufbau mit weit entferntem Mast. Spoiler: Hat gut geklappt.



    Wir haben "Besenstiele" als Stangen verwendet, war ein ganz schöner Akt, die Boxen exakt parallel zu positionieren, um die Positionen der Stangen zu markieren. Die Adaption an die Boxen hat Christian clever gelöst:




    Und fast forward: Der fertige ChrisMaiTech. Die Mischung aus Berechnung und Messen des Schwerpunktes für die anzufertigenden Sicheln war tricky.


    im Feld beim Firstlight, mit HS Abdeckung und Mond


    wir hatten gestern 2nd light, das Gerät funktioniert sehr gut. Dass die Überlagerung erhalten bleibt, ist im Betrieb für mich neben der Balance am wertvollsten.

    Es gibt natürlich immer was zu tun. Und Auf und Abbau-Routine brauchen noch ein paar Einsätze, damit alles flüssig geht.

    Mittelfristig braucht es eine andere Plattform (wegen höherer Masse und Hebel) , bzw mototrisierten GOTO-Anschluss.

    Großer Dank geht an Christian, der dieses Wahnsinnsprojekt mit meinen Ansprüchen durchgezogen hat. Best Astro buddy alive!


    Freu mich auf weitere Beobachtungen mit dem nun gut zu nutzenden Bino.


    CS,


    Maiko

  • Hallo,


    wir sind noch am kennen lernen und ausprobieren. Hierbei stellen wir interessantes fest: Nach Kollimierung sind die Bilder weiter auseinander, als gedacht.

    1) Der Laser justiert einen Newton, kein Newton mit drittem Spiegel (TS).

    2) Darum müssen beide TS genau auf die Schnittstelle zwischen FS und optischer Achse fallen. Dies ist wichtig, da ein Off Set von ca 3mm bewirkt, dass die geometrische Mitte vom FS NICHT Referenz für den Laser ist.

    3) Die OAZ sind umgebaut, siehe oben. Mit übernommen haben wir einen kleinen Tilt, das horizontale Rohr und der Fokussiermechanismus (roter Tubus und rechteckiger Block mit Fokusrad) sind NICHT genau senkrecht. Schätzungsweise um 0.25°, siehe Bild unten. Die Kamera verzerrt etwas, mach später Fotos aus der Distanz... vielleicht können einige anhand des Bildes die Neigung der roten Tuben zueinander beziffern. Die inneren Linien der roten Tuben scheinen mir recht unverzerrt wiedergegeben. Die konischen, vertikalen Tuben, schwarz, sind entkoppelt vom Fokussiermechanismus, daher irrelevant.



    das wussten wir von der alten Konstruktion. Die Alternative für 2" Ausleuchtung wären EZM Umlenker gewesen, ggf T2 Baader Spiegel, wo die Mittel für fehlten...



    Wir haben Schablonen für die FS designed, um die Off Set korrigierte Mitte zu markieren. Das wird die Laserjustage optimieren. Der Laser ist übrigens zentriert, getestet


    @ Holger, Andreas: Könntet ihr/ einer von euch hier an der Stelle noch mal detailliert eure Justage- Überlagerungsanleitung darstellen? Das wäre prima!



    4) Sind die Bilder überlagert, bleiben sie von Zenit bis Horizont innerhalb eines Abstandes von ca 2 bis 3 Bogenminuten (statt bis zu über 60 Bogenminuten im Noctutec)

    Ein Hauptziel ist erreicht!


    5) Leider passt die EQ Plattform nicht mehr gut. Wegen der höheren Masse und dem Hebel. Wir werden sie wieder gängig bekommen (Schleifmittel hat sich durch die Kräfte im neuen Gerät verschoben).


    Aber die starken Schwingungen werden wir kaum unterbinden können.



    Hat jemand von euch Erfahrung mit GOTO-Systemen am Dobson?


    Servo Cat/ Stellar Cat scheint Geschichte zu sein, Nexus ist wohl ein Anbieter, auch Hubble Optics hat da was...



    CS,


    Maiko

  • Spätestens nach der zweiten Beobachtungsnacht ist man mit dem Cedar schneller als "echtes Goto". Nachführen mach ich inzwischen automatisch/unbewußt per Hand. Wieviel Beobachtungsrunden ich dafür brauchte weiß ich gar nicht, ging irgendwann. Ich lege aber auch sehr viel Wert auf eine leichtgängige und ruckelfreie Mechanik.

  • ich werd die nächsten Einsätze ohne Plattform machen, da schau ich mal, wie das Feeling ist. Im alten System fand ich tracking wertvoll und wichtig ab 150 fach, wobei da halt auch bei jedem manuellen Bewegen die Überlagerung der Bilder futsch war. Das haben wir komplett abgestellt. Spannend wird's am Planeten bei über 250 fach... werd ich mal am Saturn testen...


    CS, Maiko

  • Huhu Maiko,


    ob nun Doppeldobson, oder ein einzelnes Großgerät, das Problem ist das gleiche. Bei hohen Vergrösserungen steigt der Wunsch nach einer guten Nachführung.

    Eine für das Gewicht gut ausgelegte EQ Plattform ist da bestimmt die einfachste Lösung. Wobei ich aber auch sehe, dass eine azimutale Montierung, also quasi ein motorisierter Dobson, mechanisch stabiler ist. Man sieht das ja an den modernen Profigeräten, die arbeiten alle nach diesem Prinzip.

    Was es da inzwischen an Lösungen für die Steuerung gibt? Da bin ich auch noch am überlegen und suchen.

    Auf jeden Fall freue ich mich für dich, dass du nun eine stabile Basis hast, auf der du weiter aufbauen kannst. Und 250 fach, das ist für 12" noch nicht mal 1AP. Da sollte bei guten Bedingungen ungefähr das Doppelte gehen. Dabei gebe ich gerne zu, dass ich nur einäugig 12" kenne, und keine Ahnung habe wie sich hohe Vergrösserungen auf die Bildfeldüberlagerung auswirken.

    Aber es war schon immer so, es braucht mutige Meschen, die sich auch mal ins Neuland wagen. Dazu dann die, die nicht beim ersten Misserfolg aufgeben.


    LG Tilly

  • Vielen Dank, Tilly,


    im Grunde ist es ja, wie das motorisieren von Monodobsons. Plattform hat tatsächlich die Stabilitätsthematik. Mit meiner alten EQP ist der ChrisMaiTech paar mal umgekippt... größerer Hebel, größere Masse, zudem höherer Schwerpunkt... ist halt ein neues Gerät jetzt. Außerdem bewirkt die EQP besonders an den Endpositionen eines Durchgangs, einen schiefen Einblick. Mono ist das egal, bei bino musst du dann halt mit schief gehaltenem Kopf gucken...


    Früher gab es zum motorisieren + GoTo ja servo cat. Mittlerweile scheint es SiTech zu geben, hier von Hubble Optics: https://www.hubble-optics.com/GoTo

    kann aber nicht an alle Dobsons adaptiert werden. Astro Devices startet anscheinend ebenfalls Goto, aber auch eher für Anbieter, statt für individuelle Anpassung/ Privatkunden.


    LG,


    Maiko

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