OdM Juni 2026: NGC 5466 - Der Geisterhaufen im Bärenhüter

  • Noch ist ja Galaxiensaison. Was wäre also naheliegender als einen... Kugelsternhaufen aufzusuchen ;)


    Der Juni bringt uns wieder mondlose, wenn auch leider kürzer werdende Nächte und ein Sternbild, das oft nur wegen eines einzigen Objekts Beachtung findet: M3.

    Doch nur 9° nordöstlich davon liegt ein Kugelsternhaufen, der völlig zu Unrecht in dessen Schatten steht: NGC 5466 - auch "Snowglobe Cluster" oder "Ghost Globular Cluster".


    Wer ihn zum ersten Mal sucht, versteht sofort, warum er selten beobachtet wird: Er ist groß, locker, extrem flächenlichtschwach und wirkt im Okular eher wie ein zarter Nebelschimmer als ein typischer Kugelsternhaufen. Genau das macht ihn mMn zu einem idealen Objekt des Monats: ungewöhnlich, herausfordernd und lohnend. Naja und außerdem bin ich persönlich großer Fan von Sternhaufen und gerade Kugelsternhaufen.


    Objektbeschreibung


    NGC 5466 ist ein sehr alter, metallarmer Kugelsternhaufen in rund 52.000 Lichtjahren Entfernung. Mit einer Gesamthelligkeit von ca. 9,1 mag klingt er harmlos – doch seine Sterne sind weit verteilt, und die Flächenhelligkeit ist entsprechend gering.


    Im Gegensatz zu kompakten Vertretern wie M3 oder M13 zeigt NGC 5466 keine dichte Kernregion. Stattdessen präsentiert er sich als diffuse, unregelmäßig wirkende Aufhellung, die erst mit zunehmender Vergrößerung Struktur gewinnt. Einzelsterne lassen sich ab etwa 25–30 cm Öffnung erahnen, bei sehr guten Bedingungen auch schon etwas früher.


    Seine Lage im Bärenhüter (Bootes) macht ihn auch noch im Juni hervorragend sichtbar: Er kulminiert hoch im Süden und profitiert von der klaren Frühlingsluft.


    Beobachtungshinweise


    Auffinden


    Starte bei M3 und wandere etwa 9° nach Nordosten. Ein markantes Sternmuster gibt es nicht – der Weg führt durch eher sternarme Felder. Eine gute Karte ist hilfreich.

    Beobachtung


    Kleine Öffnungen (8–10 Zoll):


    Der Haufen erscheint als sehr schwache, diffuse Wolke, die sich nur durch indirektes Sehen stabil zeigt. Der Rand wirkt weich, der Kern kaum ausgeprägt.


    Mittlere Öffnungen (12–14 Zoll):


    Die Form wird klarer, der Haufen wirkt leicht oval. Erste Granulation und vereinzelte Sternpunkte blitzen auf.


    Große Öffnungen (16 Zoll und mehr):


    Der Haufen beginnt sich in Einzelsterne aufzulösen, besonders am Rand. Der Kern bleibt jedoch locker und wirkt fast „verwaschen“.


    Vergrößerung:


    80–150× funktionieren am besten. Zu kleine Vergrößerungen lassen ihn im Hintergrundrauschen verschwinden, zu große machen ihn zu dunkel.


    Himmel:

    Dunkler Landhimmel ist fast Pflicht. Unter aufgehelltem Stadthimmel ist NGC 5466 ein echter Prüfstein.

    Dies gilt zumindest für visuelle Beobachtung. Fotografisch ist NGC 5466 auch aus der Stadt kein Problem. Der Münchner Sumpf stellte für mich bisher kein Problem dar.


    Warum dieses Objekt?

    • selten beobachtet
    • ungewöhnlich für einen Kugelsternhaufen
    • ideal für visuelle Beobachter, die etwas Abseits der Klassiker suchen
    • im Juni perfekt positioniert
    • sowohl für kleine als auch große Teleskope interessant – aber nie trivial


    Beobachtungschallenge Juni 2026


    Level 1 – „Ich sehe was, was du kaum siehst“


    Kannst du NGC 5466 mit 8–10 Zoll sicher halten? Beschreibe Form, Helligkeit und ob du eine Kernregion wahrnimmst.


    Level 2 – „Granulation oder Einbildung?“


    Versuche, erste Einzelsterne zu erkennen. Wo erscheinen sie zuerst – am Rand oder im Zentrum?


    Level 3 – „Der Hauch von Struktur“


    Beobachte den Haufen bei verschiedenen Vergrößerungen und notiere, wie sich seine Wirkung verändert.

    Wann wirkt er am deutlichsten? Wann am strukturiertesten?


    Level 4 – „Vergleich mit dem Giganten“


    Vergleiche NGC 5466 direkt mit M3.

    Was fällt dir im direkten Wechsel auf?

    Wie unterscheiden sich Flächenhelligkeit, Kompaktheit und Gesamteindruck?


    Fazit


    ich hoffe, ihr habt Freude an diesem Objekt! Und meiner ersten Auswahl für ein OdM.

  • Guten Morgen und Danke AstroPingu für das ODM!


    Beitragen kann ich fotografisch leider nur ein mageres Stellina-Bildchen.

    Den GC hatte ich vor 3 Jahren in der Nacht vom 12. auf den 13.05.2023 besucht.


    8791-ngc5466-mel-124-kugelsternhaufen-mit-der-vaonis-stellina


    Aufnahmedaten:
    Datum: 12./13.05.2023

    Teleskop: Vaonis Stellina | Belichtung: 290x10s = 48 Minuten



    CS, Jochen

  • Danke für das interessante ODM.


    Meine erste Beobachtung des Kugelsternhaufens NGC 5466 ist vom Juni 1995, als ich mit meinem 6 Zoll f/5,6 Reisedobson auf dem Olymp bei herrlicher Bergtransparenz auf 2.100 m Höhe stand:

    Im 24 mm TeleVue WideField (36-fach) bereits recht groß und kräftig durchgezeichnet. Im 7 mm Nagler (125-fach) verliert er etwas an Brillanz, dafür erscheint er im indirekten Sehen schwer gemottelt, ab und zu scheinen sogar Einzelsterne aufzublitzen(?) Ungewöhnliche Gesamterscheinung, da fast gar keine Konzentration zur Mitte.


    Gestern klarte es auf, wenn auch einen Tag nach Vollmond und mit durchziehenden Wolkenschleiern und ich habe den nunmehr geschärften Sharpstar Hypergraphen 150/420 mm f/2,8 aktiviert, um neben dem Kugelhaufen auch den Bootes Galaxienhaufen Abell 1831 mit ins Feld (rechts unterhalb der Bildmitte) zu bekommen:



    Der helle Stern unten rechts im Bild ist der orange 5 mag helle 9 Boo, oben rechts die 11,5 mag helle Balkenspirale NGC 5375.


    Ein Ausschnitt mit dem Kugelsternhaufen NGC 5466:



    Ein Ausschnitt mit dem Galaxienhaufen Abell 1831 mit seiner 15,5 mag hellen Hauptgalaxie CGCG 162-41 = PGC 49780, die weiteren Mücken drumherum haben Helligkeiten von 16,5-18 mag:


  • Servus Astropingu,


    ein cooles Objekt, danke dir für die Auswahl! Ich hoffe, dass das Wetter auch mal wieder bei Neumond eine Beobachtungsnacht zulässt. ;) Ich habe den Geisterhaufen noch nicht live angeschaut. Das muss unbedingt geändert werden!


    Josef – es ist kein "OC" (open cluster), sondern ein Kugelsternhaufen. Dein Foto ist sehr gut geworden, man sieht herrlich die Roten Riesen hervortreten. (Die anderen Fotos, die geziegt wurden, gefallen mir natürlich auch)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Mein Verein: Astronomische Gesellschaft Buchloe e.V.

    Meine Ausrüstung:

    Teleskope: "Dino" 22" (560 mm)  f/3.5 Dobson (Martini / Oldham Optical)  –  Omegon Ritchey-Chretien Pro RC 203/1624; Montierung: iOptron CEM40G  –  Ferngläser (9 x 42, 20 x 60)

    Kamera: Canon EOS 6D Mark II (Vollformat, unmodifiziert); Kameraobjektiv: meist Canon EF-200 mm f/2.8 Teleobjektiv

  • Hallo zusammen,


    ich komme gerade von einer kompakten Beobachtungssession zurück und möchte nun auch meinen Beitrag zum OdM Juni 2026 – NGC 5466 beisteuern. Beobachtet wurde mit einem 16‑Zoll Dobson und den Houdini‑Okularen 20 mm und 12 mm, parallel lief ein Seestar S50, das bereits während der Dämmerung erste Daten gesammelt hat.


    Seeing: leichte Unruhe, mit längeren Ruhephasen (II) und SQM: 18,7–19,5 → Bortle 6–5 (gemessen mit Pi-Finder). Standort: Terrasse, im Schatten der Straßenlampen.


    23:00 Uhr: NGC 5466 ist im 16‑Zöller noch nicht sichtbar (V=90fach). Die Hintergrundhelligkeit ist noch zu hoch, der Kontrast zu gering.

    23:15 Uhr: Ein erstes verwaschenes Nebelfleckchen wird erkennbar. Stabil wahrnehmbar, aber sehr schwach.

    23:30 Uhr: Der Haufen zeigt nun mehr Struktur: Nebelkomponente klar sichtbar, erste Einzelsterne beginnen aufzublitzen, unter dem Beobachtungstuch verbessert sich der Kontrast deutlich. Die Himmelshelligkeit bleibt grenzwertig, aber ausreichend für eine sichere Identifikation.

    Zwischendurch: Zum Vergleich wurde kurz M3 eingestellt. Dieser erscheint deutlich heller, granularer und mit klarer Zentrumsverdichtung. Der strukturelle Unterschied beider Haufen ist unmittelbar sichtbar.

    00:20 Uhr +: Mit dem 12er (V=150fach) zeigt NGC 5466 eine granularere Struktur, ist aber weiterhin gleichmäßig flächenschwach, einige Einzelsterne sind klar erfassbar, ich erkenne kein helleres Zentrum.


    Parallelbetrieb: Seestar S50

    Das S50 hat bereits ab 22:50 Uhr, noch in der Dämmerung mit der Aufnahme begonnen. Ich lasse es bis 2 Uhr laufen und reiche das Bild nach. Die ersten Stacks zeigen den Haufen bereits viel klarer, als es visuell um diese Uhrzeit möglich war.


    Es hat gut getan, sich einmal intensiver mit einem einzelnen Objekt zu beschäftigen. Neben der visuellen Beobachtung und den parallelen Aufnahmen mit dem S50 habe ich versucht, die Umgebung des Haufens zeichnerisch zu erfassen. Durch die Kombination aus Beobachten, Aufnehmen und Zeichnen hatte ich das Gefühl, dem Objekt näherzukommen, als es ein kurzer Blick erlaubt.


    @AstroPingu: Danke für das ODM, hat Spaß gemacht!


    VG und CS, Thomas





    Nachtrag: Aufnahme am 05.06.2026 mit dem Seestar S50

    # 772 Subs zu 10 sec (ca. 128 min)

    # Bearbeitet mit PI: WBPP (Drizzle 2x), BXT (Correct only)_DBE_SPCC_BXT (schärfen)_MAS_SCNR_NXT_Curves


  • Hallo zusammen,

    gestern Abend bei etwas feuchter Luft aber sehr guter Durchsicht mit einem sicheren fst von 6,1mag in der Krone:

    NGC 5466 C8: Aufsuchokular 40mm-Wide-Field-Erfle; recht lichtschwaches, großes aber noch direkt wahrnehmbares Nebelbällchen. Praktisch keine Helligkeitszunahme zum Zentrum hin festzustellen. ("DC 1-2" etwa im Vergleich zu einer Kometenbeobachtung). Der Anblick ändert sich nun dramatisch nach einem Okularwechsel: Im 9mm-XWA zeigt sich nun ein sehr deutlicher "grießig-körniger Hintergrund" aus dem ganz klar immer wieder sehr viele (!) sehr schwache und schwächste Sterne aufblitzen. Die hellsten Sterne dürften so um die 13,9/14,0mag aufweisen schätze ich mal. Der Nebelball den das Aufsuchokular bietet, verschwindet im 9mm-Okular praktisch fast völlig und der Anblick erinnert mich eher an einen sehr eng gedrängten offenen Sternhaufen.

    Ein intensive Beobachtung dieses spannenden Objekts bei wirklich sehr guten Bedingungen die Spaß machte! - im C8 waren bei späteren Beobachtungen an veränderlichen Sternen noch deutlich Sterne mit 14,4mag zu erkennen. Die "echte Grenzgröße" im C8 dürfte gestern Abend wohl bei etwa 14,6/14,7mag gelegen haben.


    Am Wegesrand steht noch die Galaxie NGC 5396 (NGC 5375) C8: bei höherer Vergrößerung noch direkt schwach wahrnehmbar. Form undefinierbar, vielleicht leicht elongiert, mittig aber schon heller werdend.


    Viele Grüße + CS,

    Wolfgang

  • Hallo zusammen,


    und danke für die Vorstellung dieses schönen und interessanten Objektes, AstroPingu :)


    Letzte Nacht ist es hier in Bonn nochmal für ein paar Stunden aufgeklart; also die Gelegenheit, mein Seestar S50 auf den Balkon zu stellen. Auf meinem Balkon funktioniert visuell und fotografisch leider nicht zusammen, wg. 1. Platz und 2. Holzbeplankung (vibriert, wenn man sich bewegt).


    Die Durchsicht war klasse und SQM-L stieg von 18,9 mag zum Ende der nautischen Dämmerung auf 19,8 mag gegen 0:30 Uhr. Start der Aufnahmesession war gegen 0:50 ; kurz vor drei holte ich es rein. Da zog auch schon wieder Bewölkung auf.


    - Seestar S50

    - 376 x 10s ; ca. 62 Minuten

    - Bearbeitung mit Siril, GraXPert, RawTherapee und Gimp


    Viele Grüße,

    Klaus


  • N'abend zusammen,


    gestern Abend/heute Nacht hat's nach längerer Wolkenperiode mal wieder für ein paar Stunden funktioniert ...

    ich konnte das Origin auch mal wieder auspacken und auf das OdM NGC 5466 zielen.


    Zum Objekt brauche ich nichts weiter zu sagen ... alles weiter oben schon sehr gut erläutert !

    Danke nochmal an AstroPingu für das schöne OdM :thumbup:


    Bedingungen:

    Aufnahmedatum 06.06.2026 ca. 0.00 Uhr bis 02.00 Uhr

    Temperatur ~12°C

    Seeing nach Meteoblue 4/3 mit 1,96 ArcSec

    kaum Wind


    Aufnahmen

    ~860 Lights a 10sec bei ISO 200

    verwendet wurden ~720 lights

    Belichtungszeit ~ 2h

    Origin mit UV/IR-Cut ... und trotzdem gab's 'ne fette Halo ( hab mir aber nicht die Arbeit gemacht und die

    weggebügelt )



    Bearbeitung

    SIRIL (Filterung, Stacking, Platesolving, SPCC, Schärfung mit Cosmic Clarity Sharpen, Stretch mit VeraLux,

    entrauscht und BGE mit GraXpert ), wenig Kosmetik in Lightroom, ziemlicher Crop wegen der Bildfelddrehung,

    insgesamt waren dann nach Mitternacht die Aufnahmebedingungen besser als die Meteoblue-Daten eigentlich

    vermuten ließen



    Viele Grüße, schönes Wochenende und CS ( wo's geht )

    :waving_hand_medium_skin_tone: Peter

    Teleskop:        Celestron C8 Edge HD mit Celestron Finder Scope für's visuelle, ein Origin für die Bilder

    Montierung:   Celestron AVX auf Eigenbau-Säule für das C8

    Kamera:          Nikon D5300a mit Samyang 135mm f/2

    Behausung:    Pulsar 2m Dome

  • Hallo zusammen.

    Auch ich habe vorgestern Abend den 5.6. die Chance auf klaren Himmel genutzt, den 12 Zoll Stier ins Auto gepackt und mich kurzfristig auf die Suche nach dem Kugelsternhaufen begeben. Es hat tatsächlich sehr lange gedauert, bis die Bedingungen gut waren und es einigermaßen dunkel wurde. Über M3 habe ich den Einstieg gesucht. Ein beeindruckende Stück Kosmos, dass sich hier zeigt. Ich sortiere alle meine Ocular durch, den schönsten Eindruck habe ich mit dem 9mm Millimeter Morpheus. Nach längerer Beobachtungsabstinenz habe ich immer wieder anfängliche Schwierigkeiten bei der Orientierung am Himmel bzw. im Okular beim Aufsuchen und Starhopping, so auch heute und bis ich tatsächlich den Geisterhaufen im Ocular zentriert habe, vergeht eine Weile. Dieser zeigt sich zu meiner Freude jedoch schon im Übersichsokular als recht deutlicher nebeliger Fleck. Wiederum sortiere ich mein Ocularangebot durch. Schon im 17,5 mm Ocular werden erste einzelne Sterne sichtbar. Diesmal habe ich den besten Eindruck im 12,5 Millimeter Okular

    was einer 120 fach Vergrößerung entspricht. Aus dem nebeligen Fleck ist plötzlich ein deutlicher Kugelsternhaufen geworden mit einer Vielzahl an Sternen, die sich direkt, noch mehr sind es indirekt; zu erkennen geben. Ein sehr schönes Objekt des Monats - Danke dafür.

  • hi,


    ja ein KS, den ich schon lange nicht mehr besucht habe. Aber nun gestern konnte ich ihn bei SQM-L 19,7 nur schemenhaft erkennen, während er bei 20,4 nur von dutzenden Sternen sprudelte. Alles mit 14" bei V=256x.


    cs

    Lothar

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