Bodenhaftung ...

  • Moin ...


    ja manchmal denkt man sich doch: es macht Sinn, mal in seine/ihre Anfangszeiten der Sternguckerei zurückzugehen ... denn heutzutage kann man schon schnell mal die Bodenhaftung verlieren vor lauter "x-tuplett Hyper-Apos" oder "meiner-ist-der-Dickste-MegaDobsons".


    Vor lauter Öffnung, Strehl, Farbreinheit und all dem wird die eigentliche Zweck unseres Hobbys - die Schönheit des Sternhimmels häufig dochmal zur Nebensache. Da ist es manchmal schon eine Art Herumposen, wie man es eher vom intellektuellen Prekariat z.B. in Sachen "Auto" kennt. Statt Praxis - Posen. Statt Nutzen - "Astro-Dicke-Hose"... vielleicht nur diskreter verkauft als bei den KFZ-Bauzis.


    Man selbst gerät ja auch gerne in den "och so ein bischen Besser geht es noch"-Sog. Klar. Aber meist: wozu? Der Himmel hierzulande lässt ja ohnehin - durch Lichtverschmutzung, Flugzeugterror und karzinomartige Bausgeschwüre in der Landschaft gepaart mit neuen "schönen" Beleuchtungen - immer mehr nach ... und das Wetter ist ja nun meist auch kein guter Compagnon.


    Ich "beame" mich dann auch gerne mal wieder runter ... und packe meinen Einstiegler aus. Jenen kleinen Refraktor Towa´ischer Produktion, der 1977 unter dem Namen "Tasco 66-T" firmierte und meine Teleskop-Tür nach da oben wurde. 50mm Öffnung, 600er Brennweite, klapprige azimutale Montierung und Okulare (H-20, 12.5 und 5mm), mit denen man heute wohl eher seine Weitwurf-Fähigkeit testen würde ...







    Und: dies Equipment hat mir mit die schönsten Astromomente meines nun bald ein halbes Jahrhundert währenden "Teleskop-Astro-Lebens" geschenkt. Wenngleich es manchmal auch wirklich "harter Stoff" war *lach*: so ein chromatischer 5x24er Sucher ist nichts für Weicheier beim Aufsuchen. Und diese 30° Sichtfeld-Okulare zwischen 5 und 9mm Brennweite für die höheren Vergrößerungen - ja die mit mit dem verschwommenen Gesichtsfeldrand --- das war schon mal eine pikante Herausforderung. Und natürlich .. der unvermeidliche Okularsonnenfilter, der maximal bis 30mm Öffnung (wenn überhaupt und das auch nur kurz) genutzt werden kann.






    Klappte aber alles. Und hat unvergessliche (Erst)Anblicke serviert.




    Vor lauter Immer-mehr-Größer-"Besser" ... vielleicht mal innehalten, die Bodenhaftung wiederherstellen und zu schätzen wissen, was es heute so gibt. Denn .. *lach* - das war nicht immer so.



    Grüßles Hannes

  • Ein gutes Thema, was klar zeigt:


    Früher war nicht alles besser. Früher konnte man beim Gebrauch eines ganz normal im Handel verkäuflichen Teleskopes mittels unsicherem Sonnenfilter noch sofort erblinden. Nichts für Weicheier. ^^

    (Sorry der musste sein)

    Da ist es manchmal schon eine Art Herumposen, wie man es eher vom intellektuellen Prekariat z.B. in Sachen "Auto" kennt. Statt Praxis - Posen. Statt Nutzen - "Astro-Dicke-Hose"... vielleicht nur diskreter verkauft als bei den KFZ-Bauzis.

    Ich halte mich bei solchen Diskussionen auch im realen Leben ohne Forum immer sehr zurück. Wenn es den Leuten Spaß macht, lass sie doch. Die Menschen, die grün anlaufen, wenn jemand mit nem Ferrari vorbeifährt (oder eben die EM400 mit 4 Hochwertapos drauf daheim stehen hat), fand ich noch nie sonderlich sympathisch. Das Leben wird deutlich besser, wenn man sich auch für Dinge interessieren kann, die man sich nicht leisten kann. Dies muss man sich selbst erlauben. Sobald man es tut, wird man massiv zufriedener mit dem, was man sich leisten kann. Denn auch ohne sich Takahashis leisten zu können, kann man sich damit beschäftigen. Und dann stellt man in den aller meisten Fällen fest:


    He Moment mal, son Ferrari is auch nurn Auto. Und nen Tak ist auch nurn Apo. Die kochen auch alle nur mit Wasser.


    Dies übrigens auch der Grund, warum ich von Takahashi wieder weg bin, da ich einfach den Mehrwert dieser Teleskope nicht sehe - für mich persönlich. Meine SkyWatcher zeigen mir (aaaaaaaaachtung) das Gleiche. Meistens können die sogenannten Edelhersteller nur noch mit Historie und Marketing glänzen. Die Zeit, in der nur ein paar Hersteller gutes Zeug produziert haben, ist lange vorbei. Da werden die Taks dann mit Karton und Zertifikaten verkauft, der Karton ist in unversehrtem Zustand besonders wichtig! ;)


    Ich habe diese Entwicklung schon oft beobachtet in gewissen Kreisen, dass da erst massivst Geld rausgekloppt wird für das Tollste und Beste. Und wenn der Gig dann kommt, gibts als Antwort: "Spinnst du, ich nehm doch keine 12000€ Gitarre mit auf die Bühne!" ;) Da wird es dann doch das Arbeitstier, um die edlen Geräte nicht zu beanspruchen... ich wollte schon fast sagen, der 8" Dobson? ^^ ^^ Da ist der so hochgelobte "Killerultramegasound" den die Edelklampfe macht dann doch nicht mehr so wichtig 8)


    Meinen Beitrag bitte mit einer Prise Salz lesen :)

  • Hallo Hannes,


    ist das wirklich dein Erstes aus dem Jahr 77, sieht aus wie neu.


    Mit 50-600 Refraktor habe ich anfang der 80ziger auch angefangen. Schöne Zeitreise.


    cs

    Lothar

  • Moin Hannes!


    Ach - hast du jetzt bei diesem Angebot zugeschlagen?! - Ich war da vor ein paar Wochen auch dran, aber mir war der Verkäufer etwas zu suspekt. Deshalb hatte ich die Pfoten von dem Angebot gelassen...

    Wie dem auch sei:


    > klapprige azimutale Montierung


    ...kann ich ja nun ganz und gar nicht bestätigen. Ich besitze das nächstgrößere, ansonsten zum 66-T baugleiche Modell 9-TE5 (60/700 mm). Das Stativ mit Gabel sind noch richtig massiv ausgeführt. ich hatte das letztes mal gewogen, das sind zusammen über 4 Kilo. Für so einen kleinen Spargel ist das ein ordentliches Gewicht. Da sind diverse gleichgroße Rohre auf ihren Holzgestellen aber deutlich wackeliger!


       


    Mein 66T sah im Juni 2007 übrigens so aus - leider existert das Gerät nicht mehr in meinem Bestand.



    Hier auch noch die mitglieferten Okulare sowie 1,5fach Aufrichtlinse und 2fach Barlow.


        


    Okay, ich hatte es andernorts bereits angedroht - ich warte auf die Zusendung eines TASCO 6-T in den nächsten ein, zwei Tagen. (Das Paket kommt heute schon, wie ich gerade gesehen habe... ;) ) Es ist praktisch der gleiche 50er Refraktor, nur auf einer kleinen Tischmontierung. Hier isser schon mal als Foto vorneweg:


    Vintage Tasco Astronomical Teleskop 6T 50/600 Japan  Verkauf als Bastlerobjekt  - Bild 1 von 3


    Leider ist der Zustand hier nicht mehr ganz neuwertig und einige Teile fehlen auch, aber das Wesentliche am Gerät ist vorhanden - und darauf kommt es an.

    Ich konnte den Verkäufer auch noch gut runterhandeln. Vorstellen wollte ich das Scope hier in den nächsten Tagen.

    Bye 4 now, Micha. (lebt ohne Smartphone)


    Skyoptikst 150/750 N, Bresser 120/1000 R, Bresser 114/900 N, Bresser 114/500 N, SVBONY 105/1400 Mak, SvBONY 102/660 R,
    Bresser 90/500 R, SVBONY 80/1000 Mak, Solomark 80/700 R, Hetekan 70/700 R, INTEY 70/400 R, Vixen 60/700 R, Vixen 50/800 R.

    FG: TS 20x80, TASCO 12x80, Porst 9x63, Tento 10x50, Asahi-PENTAX 10x50, Sotem 7x50, Beroflex 10x40, TASCO 8x40 WA, TASCO 8x30 WA.

    Edited once, last by winnie ().

  • ........... Da ist es manchmal schon eine Art Herumposen, wie man es eher vom intellektuellen Prekariat z.B. in Sachen "Auto" kennt. Statt Praxis - Posen. Statt Nutzen - "Astro-Dicke-Hose"... vielleicht nur diskreter verkauft als bei den KFZ-Bauzis..................



    Hallo Hannes,


    da hast Du ein sehr schönes, altes Schätzchen 8) ........und auch Dein Beitrag ist "Posing" pur.

    ;)

    Gruß

    Günther

    Jeder macht sich die Probleme die er haben möchte,

    sei es um sie zu lösen oder um sie zu pflegen.

  • Hallo Hannes,


    0 Trigger, nur die Feststellung, dass nicht nur mit dicken Muckies, Autos, pp Posing betrieben wird, sondern auch mit dem Gegenteil oder auch Oldtimeren.

    Nicht nur ein aktueller Porsche, sondern z.B. auch ein Citroen 2 CV aus den 1950/1960er Jahren zieht jede Menge Schaulustige und Nostalgiker an, wenn er gut und am richten Platz zur Schau gestellt wird.

    Und.....nur dass das ganz klar ist....da ist für mich nichts Schlimmes oder Verwerfliches dran, so lange man mir meinen Mittelklasse SUV nicht madig macht.

    ;)

    Gruß

    Günther

    Jeder macht sich die Probleme die er haben möchte,

    sei es um sie zu lösen oder um sie zu pflegen.

  • Schöner Thread, danke für die Erinnerungen.

    Und: dies Equipment hat mir mit die schönsten Astromomente meines nun bald ein halbes Jahrhundert währenden "Teleskop-Astro-Lebens" geschenkt. Wenngleich es manchmal auch wirklich "harter Stoff" war *lach*

    Ohne Wertung: Ich nehme es immer interessiert zur Kenntnis, dass einerseits Einsteiger, die Kaufberatung wollen, immer massiv vor "Hobbykillern" und "Aussteigermodelle" gewarnt werden, und dass es andererseits immer wieder solche Nostalgiethreads gibt, in denen langjährige Beobachter ihre Einsteigermodelle rausholen, die objektiv betrachtet genau solche "Hobbykiller" sind, und dann in Erinnerungen schwelgen, wie viel Spaß sie damit gehabt haben.

    Wie gesagt, ich meine das ohne Wertung, denn natürlich macht es Sinn, Neueinsteigern direkt zu etwas Brauchbarem zu raten, aber eine gewisse kognitive Dissonanz erkenne ich da schon ;)

    (Mein Einsteigermodell war ein 50mm Plastikrefraktor aus dem Kaufhaus, den ich geschenkt bekommen hätte. Auch wenn ich es nur bis zum 5" Flextube geschafft habe, behaupte ich, ohne den Plastikrefraktor hätte ich bis heute kein Teleskop.)

    "In den Sternbildern kommt derart viel poetische Kraft und Phantasie zum Vorschein, dass einem dies fast wieder den Glauben an das Schöne und Gute des Menschen zurückgibt."

    (Raoul Schrott: "Atlas der Sternenbilder und Schöpfungsmythen der Menschheit"; 2024)

  • Guter Beitrag, glaube aber das liegt daran, dass es einfach nichts besseres zu kaufen gab.


    In die Gibson Les Pauls hätten sie damals auch die aktiven entstörten Humbucker eingebaut, wenn es sie denn gegeben hätte, da kannste dir sicher sein.


    Heute hat man eben die Möglichkeit gleich was gescheites zu kaufen. Wenn man ganz ganz ehrlich ist, reicht der 8“ Dobson durch das ganze rein visuelle Astro Leben. Aber einmal was kaufen und das für immer benutzen, das können nur ganz wenige.

  • ChristianFfm


    > in denen langjährige Beobachter ihre Einsteigermodelle rausholen, die objektiv betrachtet genau solche "Hobbykiller" sind


    Ich denke, die "echten" Hobbykiller tauchen erst zu dem Zeitpunkt auf, als die japanischen Hersteller den Meallgehalt ihrer Teleskope immer mehr senkten. Bem Importeur TASCO sieht man das ganz deutlich: die weißen Tuben konnte man in den 1960ern und frühen 1970ern nach kaufen. Dnach wurden die Tuben rot (ein deutlies Warnsignal! =O) und später schwarz. Von diesen Ausführungen sollte man im Vornherein die Finger lassen.

    Ich hatte mir damals (ca. 1983) auch tatsächlich einmal einen 50/600er Refraktor von Bresser neu gekauft, Modell "Hercules" (gibt es AFAIR heute noch). Aber das war ein Plastikschrott ohne Gleichen (und teuer!). Dennoch konnte ich mit der Optik auch gute Beobachtungen machen und hatte das Gerät 25 Jahre im Gebrauch, bis sich der Plaste-OAZ wegen Materialermüdung zersetzte. Auch solche Fehlkäufe kann man durchaus so pimpen, daß sie zu gebrauchen sind. Hier mit Beschlägen aus dem Baumarkt und etwas Restholz gezimmert:



    (Foto von 2002)

    Bye 4 now, Micha. (lebt ohne Smartphone)


    Skyoptikst 150/750 N, Bresser 120/1000 R, Bresser 114/900 N, Bresser 114/500 N, SVBONY 105/1400 Mak, SvBONY 102/660 R,
    Bresser 90/500 R, SVBONY 80/1000 Mak, Solomark 80/700 R, Hetekan 70/700 R, INTEY 70/400 R, Vixen 60/700 R, Vixen 50/800 R.

    FG: TS 20x80, TASCO 12x80, Porst 9x63, Tento 10x50, Asahi-PENTAX 10x50, Sotem 7x50, Beroflex 10x40, TASCO 8x40 WA, TASCO 8x30 WA.

  • Servus Hannes,


    zunächst mal finde ich Deine Ansätze für Deine Threads bereichernd, mag Deine Beiträge und lese gerne mit.


    Du hast hier etwas, wie ich finde, Grundsätzliches angeschnitten, welche Haltung Menschen zu materiellen Gütern einnehmen. Sehr spannend.

    Da drüber kann man mindestens abend- oder seitenfüllend diskutieren und schreiben.


    Posen, Angeben, mit voller Hose gut stinken, usw. ist wohl so alt wie die Menschheit.

    Die Möglichkeiten dafür sind in unserer konsumgewohnten und -verwöhnten Gesellschaft ungleich mehr geworden. Die Motive dafür sind vielfältig.

    Wenn ich merke, daß jemand viel Geld ausgibt und Aufwand betreibt, für etwas, was er leidenschaftlich für sich selbst betreibt, habe ich dafür Verständnis und wertschätze das gerne, vor allem wenn das Wissen noch leidenschaftlich geteilt wird.

    Wenn so etwas nur zur Kompensation für was weiß ich gemacht wird, ist es mir egal, solange der Betreffende damit nicht meine persönliche Sphäre mißachtet, wie z.B. im Straßenverkehr mit gefährlichen Fahrmanövern und 500 PS im Rücken.


    Aber zurück zum Thema:

    Ich zitiere mal Michael Aaron M in einem anderen Thread:


    „…..ich denke, dass ist so ein Generationen-Ding. Jetzt mit Ü50 kann sich "unsere" Generation die Dinge leisten, von denen wir als Jugendliche meist nur träumen konnten. In der Regel hat man da halt noch die Traum-Teleskope vor Augen, die man damals als unerreichbar in den Katalogen "anhimmelte"……..


    ……..Irgendwann fing dann sogar die "Sammelei" an und begehrenswerte Objekte waren dann naturgemäß die Fernrohre aus den Träumen der Jugendzeit !

    Die Verwendung von Klassikern ist also immer eine eher sentimentale Sache ,…….“


    Meiner Meinung nach gut auf den Punkt gebracht.


    Ob höher, schneller, weiter zufriedener macht, sei dahingestellt.

    Als ich jung bzw. noch jünger war, hat das irgendwie schon eine Rolle gespielt. Irgendwann habe ich dann begriffen, daß mich das nicht mehr wirklich weiterbringt. Mein Leben ist damit deutlich entspannter geworden.

    Der zufriedene Blick in die Vergangenheit bringt dann das eine oder andere nostalgische, sentimentale Interesse an Dingen hervor, die früher niemals gut genug waren.

    Mich beeindruckt Deine Leidenschaft für die alten und einfachen Fernrohrschätzchen und daß Du dies hier teilst. Ich freue mich vor allem, das die altgedienten Geräte damit ihre Wertschätzung (wieder) erfahren.


    Zum Thema Takahashi noch meine persönliche Sicht:

    Nach Jahren des Probierens und im doppelten Wortsinn leidenschaftlichen Lehrgeldverlusten habe ich mir vor 18 Jahren nach reiflicher Überlegung einen TOA gekauft. Zu der Zeit waren Takahashi, Christen, Zeiss,… Referenzqualität. Das heutige Riesenangebot an Apos war zu der Zeit erst noch am Kommen. Mittlerweile gibt es richtig gute Alternativen zu Tak & Co. Da stimme ich Dir zu.

    Ich begeistere mich für ästhetisch bestmögliche Abbildung und bin und bleibe Fan der Linsensysteme 😃😃😃.

    Refraktoren sind im weiteren Sinn für mich der Inbegriff des klassischen Fernrohres, vor allem die langen FH‘s.

    Damals war die Entscheidung, in eine Optik zu investieren, die mich mein restliches Leben begleiten soll. Das bewahrheitet sich nun. Von daher bin ich seit langem tief entspannt.

    Ich bin deswegen von ein paar wenigen angeneidet worden und habe mir neulich in unserem Verein wieder einen blöden Spruch angehört. Diesbezügliche Probleme Anderer jucken mich nicht mehr.

    Meine Hauptlinse macht mir viel Freude, die ich gerne mit Gleichgesinnten teile.


    Ich hoffe, daß sich dieses „Längenthema“ hier noch länger hält.😉


    In diesem Sinne Dir und allen Anderen weiter viel Freude beim Sammeln, Schauen und Teilen👍🏻


    CS Wolfram

  • Hallo Christian,


    Schöner Thread, danke für die Erinnerungen.

    Ohne Wertung: Ich nehme es immer interessiert zur Kenntnis, dass einerseits Einsteiger, die Kaufberatung wollen, immer massiv vor "Hobbykillern" und "Aussteigermodelle" gewarnt werden, und dass es andererseits immer wieder solche Nostalgiethreads gibt, in denen langjährige Beobachter ihre Einsteigermodelle rausholen, die objektiv betrachtet genau solche "Hobbykiller" sind, und dann in Erinnerungen schwelgen, wie viel Spaß sie damit gehabt haben...........


    Das ist m.E. sehr einfach zu erklären.

    Damals war nichts Besseres verfügbar, zumindest nicht für ein Hobbybudget von "Otto Normal" und das waren schon teleskope auf die man/ich sparen musste, es gab Schlechteres.

    Heute kann man ähnliche Teile auch noch kaufen, aber es gibt durchaus leistungsfähigere Teleskope in der gleiche Preisregion.

    Wobei z.B. bei dem alten 50/600er Fraunhofer schon mal das Öffnungsverhältnis so klein ist, das er sehr farbrein abbildet, was heute gerne mal mit mehr Öffnung und deutlich kürzerer Brennweite ignoriert wird.

    Immer noch bringt allein der Austausch der Beilage Okulare oder auch des Plastikprismas einen sehr deutlichen Leistungssprung.


    Bei aller Nostalgie würden also die Wenigsten von den "Alten" als Einsteiger, aus dem heutigen Angebot in der heutigen Zeit, das auswählen, was sie früher wählen mussten.


    Wir sind früher auch schön und ohne Gangschaltung Fahrrad gefahren und haben herrliche, unvergessliche Ausflüge gemacht......tolle Erinnerungen!

    Heute nehme ich halt doch das Rennrad mit 24 Gängen oder inzwischen noch lieber das E-Bike, was nicht heißt, dass ich so einen alten schwarzen Drahtesel nicht noch mal bewegen würde, wenn sich die Gelegenheit ergibt.


    Gruß

    Günther


    PS: Und außerdem glaube ich nicht, dass Du ausgestiegen wärst, wenn anstelle des "50er Plastikrefraktors aus dem Kaufhaus" gleich ein 130er Flextube als Geschenk gekommen wäre.

    ;)

    Jeder macht sich die Probleme die er haben möchte,

    sei es um sie zu lösen oder um sie zu pflegen.

    Edited 2 times, last by Cateye ().

  • Hallo ,


    1979 kauft ich mein erstes Teleskop von Wachter für 1000DM, ein 60/1000mm Refraktor mit Montierung, Stativ und den den tollen Huygens/Ramsden Okularen. Davor hatte ich nur ein 40mm Spektiv. Mit den winzigen Gesichtsfeldern etwas zu finden war nicht einfach, auch nicht mit dem Geradsichtsucher.

    Aber die Freude war riesig damit Mizar deutlich als Doppelstern zu sehen, ich fühlte mich den Sternen damit auf einmal sehr nahe, es war als stünde ich auf einmal genau zwischen den Wundern des Universums.

    Heute kann mit den Mitteln des Amateurs in einer ganz anderen Liga spielen. Aber die Freude war damals über das Beobachten war damals deswegen nicht kleiner. Denn merke: Ein Doppelstern mit 0,9“ Bogensekunden Abstand im 10“er sieht nicht toller aus, als Mizar in 60mm… ;)


    Vielleicht brauchten wir damals etwas mehr Fanatasie, weil das Fernrohr nicht soviel zeigte, aber hey, ich konnte M13 im Fernrohr sehen! Die Heimat der Arkoniden!


    Der super alte Spruch: „Jedes Fernrohr hat seinen Himmel“ ist immer noch gültig und keine abgedroschene Floskel. Ob man sich für die Wunder des Universums begeistern kann, hängt nicht von der Größe des Fernrohrs ab.


    Viele Grüße

    Jürgen

  • Wunderschöner Beitrag, Hannes!

    Der bringt genau auf den Punkt, was ich manchmal so denke, wenn ich mal wieder auf so einen Alles-unter-95%-Strehl-ist-Ka**e-Threat stolpere. Da frage ich mich immer, wann habt ihr das letzte Mal fasziniert gestaunt beim Durchschauen? Und das geht am besten mit den alten Röhrchen aus vergangenen Tagen...


    Vielen Dank dafür!

  • Ich hatte auch mal diese Phase, dass ich mehr durch Teleskope intra- und extrafokal geschaut habe, als im Fokus ;)


    Ich denke jeder durchlebt diese Phase des Hobbys mal. Kenne jedenfalls einige, bei denen es auch so war.


    Was geht da noch, war da immer die Frage.

  • Hmm...


    Da ist es manchmal schon eine Art Herumposen, wie man es eher vom intellektuellen Prekariat z.B. in Sachen "Auto" kennt. Statt Praxis - Posen. Statt Nutzen - "Astro-Dicke-Hose"... vielleicht nur diskreter verkauft als bei den KFZ-Bauzis.

    Mir fehlt bei dieser These der technische Aspekt.

    Bei unserem Hobby geht es darum, ein sehr schwaches Signal (das auch noch durch diverse Widrigkeiten auf dem Weg zu uns abgeschwächt wird) bestmöglich zu empfangen.

    Da geht es also um (sinnvolle) Technik zur Erlangung dieses Ziels. Diese Technik ist mit den Jahren immer besser geworden (besonders im fotografischen Bereich) und somit haben

    sich auch die erreichbaren Ziele verschoben.


    Ein schönes Beispiel hatte ich vor 4 Jahren mal beschrieben - da ging es um den GC NGC2419 im Luchs.

    William Herschel hat den Sternhaufen 1788 noch als runden Fleck beschrieben - erst im Jahr 1850 konnte Lord Rosse mit dem gigantischen Leviathan-Telekop die Einzelsterne auflösen.

    Bereits im Jahr 2022 steht die (deutlich kleinere) Steillina auf dem Rasen vor meiner Haustür und erledigt das Gleiche - vermutlich in besserer Qualität.

    Und über dieses Bild von 2022 können 2026 nur lachen - die aktuelle Technik kann noch viel mehr.


    Die Technik ist heute halt erreichbar - und wer das Geld für die "Hardware Akquise" übrig hat, der soll doch machen. Ich verurteile niemanden dafür, dass er eine 10Micron-Montierung

    hat und ich persönlich käme nicht auf den Gedanken, dass jemand "Posen" will, der mit dem 16" Dobson fantastische Mondbilder zaubert. Oder wenn jemand sich die Mühe macht, mit dem

    24"er auf einen Alpenpass zu fahren und dort die Nacht durchzufrieren, um dort Planeten zu fotografieren. Oder wenn jemand den Mega-Bino auf einem Doppelachs-Anhänger schiebt

    um ein fantastisches Erlebnis zu haben. Solche Leute bringen Ihr erlebtes in Form von Bildern, Zeichnungen und Berichten zu uns - das kann ich nur begrüßen.


    Ich kann da kein "Posing" erkennen - eigentlich ist die "Quintessenz" des Hobbys der Amateurastronomie doch eher der Ehrgeiz, die Grenzen des Möglichen zu verschieben.

    Der Ehrgeiz das Beste aus einem Signal herauszubekommen - visuell wie fotografisch.


    Um beim Vergleich zu bleiben:

    Der Ferrari- (oder Manta-) Fahrer vor der Eisdiele hat dieses Ziel nicht - die verbaute Technik (PS) wird ein Ferrari-Fahrer allerhöchstens auf der Nordschleife ausfahren können,

    der Heckspoiler beim Manta hat keinerlei technische Relevanz und macht nicht, dass das Auto "mehr kann". Da geht es in der Regel nur um "Optik" (jahaa... bei uns auch, aber anders! ^^ ) und ausschließlich um Aufmerksamkeit.


    Und da sehe ich persönlich den Unterschied.

    Meine persönliche Meinung: niemand hat die Bodenhaftung verloren, der heute mit Amateurmitteln das Einsteinkreuz auflöst.

    Na klar, dafür gibt es sicher auch Applaus vom Fachpublikum (weniger aus der Eisdiele heraus). Dieser Applaus fußt aber mehr auf einem (naturwissenschaftlichen) Staunen,

    denn neben der Technik steckt dahinter eine Leistung. Und es bleibt eine Natur(...wissenschaftliche) Beobachtung.


    Vor lauter Öffnung, Strehl, Farbreinheit und all dem wird die eigentliche Zweck unseres Hobbys - die Schönheit des Sternhimmels häufig dochmal zur Nebensache.

    Der Himmel hierzulande lässt ja ohnehin - durch Lichtverschmutzung, Flugzeugterror und karzinomartige Bausgeschwüre in der Landschaft gepaart mit neuen "schönen" Beleuchtungen - immer mehr nach ... und das Wetter ist ja nun meist auch kein guter Compagnon.

    Wenn ich diese beiden Zitate untereinander stelle, sehe ich einen direkten Zusammenhang.

    U.a. WEIL der Himmel immer schlechter wird, wird auf der Teleskopseite aufgerüstet (z.B. teure Filter).


    Ich denke auch nicht, dass einem durch "technische Aufrüstung" die Schönheit des Himmels verloren geht. Im Gegenteil: es ist inzwischen möglich, sich auch in lichtverschmutzen Gegenden

    am Sternenhimmel zu erfreuen und in dunklen Gegenden kann man heute viel weiter in den Himmel vordringen, als es noch vor 30 Jahren möglich war.


    Just my 2 cents...


    Viele Grüße, Jochen

  • Moin Jochen,


    nun, klar soll jede/r machen, was er/sie will. Und auch Deine technischen Argumente - durchaus okay.


    Aber wenn ich manchmal auf Teleskoptreffen mitbekomme, wie manche da um und mit ihren Geräten herumstolzieren, wie hier und da auchverächtlich über eben nicht "so dülle" Geräte gelästert wird ... wenn ich da mal mitbekomme, das jemand Junges tiefenttäuscht vor einigen Jahren auf dem ITV bei uns am MASH vorbeigekommen ist und erzählt hat, das "gewisse Leute" ihm seinen 114/900er "Kaufhausnewton" als "Schrott" madig geredet haben, erinnert mich das genau an dieses KFZ-Geistes-Prekariat, denen die Karre nicht laut genug sein kann, die "Schlappen" nicht breit genug und die auf der Bahn den dicken Larry machen.


    Und diese Leute meine ich.


    Grüßles Hannes


    PS: wir haben dem Jungen seinen 114er Newton dann richtig frisch gemacht, Spiegel justiert, das Stativ stabiler gemacht und dann war die Welt für den wieder in Ordnung und er hat Spass an seinem Teleskop gehabt. So sollte es dann sein.

  • Moin Lothar,


    ne mein orginaler 1977er Erstling ist es nicht, ich hab den vor drei Jahren als "Remineszenz" sozusagen aus dem Netz gezogen. Wobei ... vielleicht war es ja der, den ich dann - also ich den Quantensprung zum 112/900er Tasco-11-T-Newton 1981 machte, in diesem Zuge verkauft habe und der nun über viele "Billard-Bande" und Jahre wieder den Weg "nach Hause :) " gefunden hat.


    Who knows? ;)


    Grüßles Hannes

  • Bei unserem Hobby geht es darum, ein sehr schwaches Signal (das auch noch durch diverse Widrigkeiten auf dem Weg zu uns abgeschwächt wird) bestmöglich zu empfangen.

    Da geht es also um (sinnvolle) Technik zur Erlangung dieses Ziels.

    Das ist nur eine Sichtweise, die man als mögliches Ziel in der Astronomie verfolgen kann. Muss man aber nicht. Wenn es um die Faszination geht, wäre es wirklich schade, wenn man das immer nur durch "größer, besser, schneller, effizienter, tiefer" usw. erreichen kann.

    Wenn ich duch meinen alten KD schaue (60/700mm Refraktor von KD - mein erstes Teleskop, verloren und endlich wiedergefunden) und ich damit den Saturn so erkennen kann, wie damals, dann kommt die damals erlebte Faszination über den ersten Anblick des Ringplaneten wieder hervor.
    Und das ist dann eben nicht tiefer, schneller, größer usw. sondern genau das, was Hannes hier sehr schön beschrieben hat. Bodenhaftung durch "back to the roots" sozusagen.

    Aber bitte nicht falsch verstehen. Jeder kann, soll und darf seine Astronomie aus- und erleben, wie er möchte. Nur überkommt mich manchmal das Gefühl, dass z.B. bei den ganzen Diskussionen über die Sterne in der äußersten Bildecke niemand auf das schöne Objekt in der Bildmitte geschaut hat, obwohl natürlich alle Diskussionen zum Erreichen des technischen Optimums einer Ausrüstungebenso dazu gehören. Aber das ist nur eine(!) Art, sich mit Astronomie zu beschäftigen - um die Brücke zum ersten Satz zu schlagen.

  • Ich hatte auch mal diese Phase, dass ich mehr durch Teleskope intra- und extrafokal geschaut habe, als im Fokus ;)

    Das mach ich heute noch mit jedem "neuen" Teleskop, das mir zwischen die Finger kommt, und das sogar gerne und ausführlich ;)! Man lernt eine Menge dabei und wer "Star testing..." von Suiter gelesen hat, kann so einiges über die Optik in Erfahrung bringen. Bin die Tage auch wieder dran und star-teste einen alten Klassiker (Vixen R-200S im Bresser-Mäntelchen, aber das wird eine extra Story geben...)
    Danach wird aber im Fokus bobachtet und gestaunt :saint:
    Wichtig ist nur, Spaß an der Astronomie zu haben - völlig Wurscht, wie...!

  • Ohne Wertung: Ich nehme es immer interessiert zur Kenntnis, dass einerseits Einsteiger, die Kaufberatung wollen, immer massiv vor "Hobbykillern" und "Aussteigermodelle" gewarnt werden, und dass es andererseits immer wieder solche Nostalgiethreads gibt, in denen langjährige Beobachter ihre Einsteigermodelle rausholen, die objektiv betrachtet genau solche "Hobbykiller" sind, und dann in Erinnerungen schwelgen, wie viel Spaß sie damit gehabt haben.


    Moinsen Christian,


    nun, das ist der Vorteile von "Heutztage": man hat natürlich die größere Auswahl. Was - viellicht münzt Du damit auch auf einige meiner Beiträge - die Warnungen vor "Aussteigermodellen" betrifft ... nun da gibt es dann doch einen qualtativen Unterschied: das sind nunmal meist wirklich auch technisch hochproblematische Gerätschaften mit viel zu schwachen Montierungen, Plastik-Optiken und einem Gezitter und Gewackel, gegen die selbst der ja nicht besonders stabile "112/900er Kaufhausnewton" noch fasst dasteht wie eine Säule.

    Und eines kann man den alten Gerätschaften ja nicht nachsagen: i.d.R. haben die anständige Optiken gehabt. Sei es der kleine Refraktor, sei es besagter Newton.

    Wenn ich dann heute in dem Segment unterwegs bin, sieht das deutlich anders aus: da sind die Bilder auf den Karton erstklassig oder die bunten Webseiten mit häufig irealen Zuschreibungen zu diesen Gerätschaften. Da werden dann Erwartungen bei den EinsteigerInnen geweckt, die aufgrund des Gelieferten schlicht nicht zu realisieren sind. Und genau davor rate ich ab.


    Ich würde - gäbe es diese Geräte so in der Qualität (mit allen Fehlern) noch - heute keinem von einem Tasco11-T oder Revue-4013 abraten. Vielleicht ein paar Anmerkungen, wie man diese Geräte noch kostenneutral oder -günstig verbessern kann.


    Aber zu all diese "Seben", "TS" etc. als "Einsteigsgeräten"abgefeierten raten? Never. Da hätte ich schlicht ein schlechtes Gewissen.


    Grüßles Hannes

  • Hi,


    zunächst mal - ich habe natürlich genauso angefangen in den 1970ern: einige Jahre lang nur ein 2" f/18 und (aus heutiger Sicht) miese Okulare - dennoch hab ich damit beobachtet was das Zeug hielt. Auch Galaxien, Kleinplaneten, Kometen, Veränderliche, Mond (nee, oder ? ;) als DeepSky'ler...), die hellsten Gasnebel... Ich bin in Hinsicht auf einen 'einfachen Anfang' völlig bei Hannes' Eingangspost soweit. :thumbup:


    Aber genau *beim Beobachten* - sehe ich dann eigentlich die Crux 'heutzutage'

    (beim in riesiger Fülle verfügbaren Eqipment und bei den von Hannes ungebliebten 'breite Schlappen-Leuten'):


    Technik-Verliebtheit anstatt (Verliebtheit ins) Beobachten am Himmel !


    Es wird gekauft was das Zeug hält, das teuerste vom Teuren (bei denen die die Kohle gut aufbringen können) und das Neueste vom Neuen (bei eigentlich allen). Ich nenne das oft GAS = Gear Acquisition Syndrome. D.h. zwanghaft immer vorn mitmischen müssen vom Equipment her - alles andere KANN ja nix (mehr) sein, oder ?! Egal, ob ich mein letztes/gegenwärtiges Equipment überhaupt schon irgendwann mal tatsächlich umfänglich benutzt (im vielzitierten Auto-Speak mal gesagt: ausgefahren) hatte...


    Da spielt eben verfügbares Geld eine Rolle, auch allgemeine Verfügbarkeit von und massives Marketing auf teurem Equipment heutzutage. Beim 'Guck mal was der da hat' auf einem TT will man nicht bei der Gruppe der Bemitleideten stehen, sondern mit dabei bei der Cutting Edge (schneller höher, weiter). Das hat eben wenig mit Astronomie zu tun, sondern viel mit (verallgemeinertem) 'Ego-Shooting'.


    IMHO führt DIESE ORIENTIERUNG ins Nirvana (= permanente Unzufriedenheit). Die eigentliche Befriedigung kommt nie aus dem 'Haben', sondern aus dem Benutzen (selber 'Sein'): was erlebe ich, was sehe ich, was hat mich erstaunt, was interessiert mich als nächstes (an Objekten)...


    Andererseits hat Jogi natürlich sicher doch einen wichtigen + richtigen Punkt:

    Die sichtbaren Objekte sind eben schwach und NATÜRLICH will man ein Objekt so gut wie mögliche sehen (maulendes ja: auch fotografieren ;) ^^ ). Da kommt Technik ganz einfach notwendigerweise mit rein, lässt sich gar nicht vermeiden. Insofern ist IMMER ein Teil Technik mit dabei. Daher eben die ewige Versuchung 'Equipment'... (man muss sich tatsächlich schon AKTIV zurückhalten diesbezüglich).


    Daher rate ich Einsteigern zwar (und das erscheint ganz sicher manchem hier abgehoben erstmal): kauf Dir die (bis zum Rand Deines Budgets, ggf. sogar leicht drüber) bestmöglichen UWW/XWW Okulare (am besten in der 200 Euro Kampfklasse =O ). Aber dann sage ich doch dazu: und dann VERGISS das Equipment !  NICHT dauernd optimieren ! Weil: gutes Equipment ist wichtig (lohnt sich einfach auf die lange Frist von 10+ Jahren). Aber dann eben: Maß halten + Fokus auf Beobachtung (und auch die Kenntnis von 'theoretischen', astronomischen Themen) nicht auf den (wie gross auch immer) Apparillo, der letztlich doch nur das Mittel zum Zweck ist. (Ja zugegeben, ich meine hier keine Einsteiger, die für 150 Euro ein komplettes Teleskop wollen und das natürlich das möglichst 'Beste'... :S )


    Für meinen Geschmack würde man sich - auch im Forum - weniger Equipment-Manie wünschen und etwas mehr vom eigentlichen Doing + Knowing. So würde ich dann die ganz bestimmt wünschenswerte 'Bodenhaftung' für mich umdefinieren. Oben hat's schon jemand gesagt: grosses Equipment ist eigentlich nicht so sehr das Kriterium (es ist halt prominent 'sichtbar' ! wie der Mercedes-Benz auf der Strasse), sondern ob ich es auch in der Praxis wirklich benutze (oder nur meinen GAS-Instinkten folge und unser BIP in die Höhe treibe).


    lg, Peter

  • Und diese Leute meine ich.

    Hallo Hannes,

    danke für die Klarstellung, ich sah irgendwie die Gruppe der Großdobson-Liebhaber diskreditiert. ;)

    Das ist nur eine Sichtweise, die man als mögliches Ziel in der Astronomie verfolgen kann. Muss man aber nicht. Wenn es um die Faszination geht, wäre es wirklich schade, wenn man das immer nur durch "größer, besser, schneller, effizienter, tiefer" usw. erreichen kann.

    Ich persönlich denke, dass bei den Allermeisten die Faszination des "alten Equipments" gar nicht nachlässt. Neues wird aber trotzdem angeschafft. Der einer möchte eine größere Öffnung,

    der Fotograf eine Kamera mit empfindlicheren Chip, der nächste möchte ein weiteres Feld abbilden, usw.

    Alles nach persönlichem Gusto - aber das hat doch eher etwas mit dem persönlichen Verschieben der Grenzen des Machbaren zu tun als mit "Posing".

    Na klar, wenn man mit dem Status Quo zufrieden ist, kann auch das Kaufhaus-Gerät aus den 70ern nutzen und dabei bleiben. Da spricht m.E. absolut nichts dagegen.

    Technik-Verliebtheit anstatt (Verliebtheit ins) Beobachten am Himmel !

    Da bin ich der Meinung, dass das eine das Andere nicht ausschließen muss.

    Bei mir war meine Technik-Affinität, gepaart mit einer gewissen "naturwissenschaftlichen Neugier" ein Grund, mich mit dem Hobby zu beschäftigen.

    In den paar Jahren, in denen ich das jetzt betreibe habe ich viel über diese Technik und den Himmel gelernt.


    Die Möglichkeiten sind heutzutage nun mal andere und durch die bessere Technik verschieben sich auch die Grenzen der erzielbaren Ergebnisse.

    Für mich persönlich (ich schreibe das absichtlich ganz oft, denn das erhebt keine Allgemeingültigkeit) gilt, dass ich alle meine Geräte immer wieder nutze.

    Ich habe ja auch ein paar Smarties in meinem mittlerweile ganz ordentlichen "GAS-Fundus" und auch mit denen macht es mir immer wieder Freude, die grenzen des Machbaren

    auszuloten. Ich glaube, ich habe mittlerweile den Nordhimmel mit den Möglichkeiten meines Equipments mehrfach "durchbesucht" und ich freue mich immer wieder über Details,

    die ich beim letzten Besuch evt. nicht beobachten konnte. Dazu Gemeinschaftsprojekte, Diskussionen über technisch Machbares mit anderen Forenteilnehmen usw.

    Ich werde ganz sicher auch bei der nächsten Smartie-Generation wieder auf den Bestell-Knopf drücken - da überwiegt einfach die Neugier. Die vorhandenen Teleskope liegen dabei

    niemals in der Ecke, sie werden halt nach aktueller "Sinnhaftigkeit" eingesetzt. Die Faszination für den Sternenhimmel kommt dabei sicher nicht zu kurz, ganz im Gegenteil.


    wenn ich da mal mitbekomme, das jemand Junges tiefenttäuscht vor einigen Jahren auf dem ITV bei uns am MASH vorbeigekommen ist und erzählt hat, das "gewisse Leute" ihm seinen 114/900er "Kaufhausnewton" als "Schrott" madig geredet haben,

    Genau das finde ich auch schlimm - übrigens auch in Bezug auf die Smarties. Da gab es auch ganz viel "taugt nix, Spielzeug, Fotoroboter" - mittlerweile hat sogar der VdS eine eigene Fachgruppe. ;)

    Wichtig ist nur, Spaß an der Astronomie zu haben - völlig Wurscht, wie...!

    Exakt!


    Gruß, Jochen

  • Hmmmm,


    irgendwie trifft bei mir und für mich so Vieles was hier geschrieben wird zu und dann wieder auch nicht.

    Da ist mir Vieles zu einseitig beleuchtet und zu eindimensional ausgedrückt.


    Mein erstes Teleskop, ein 60er Refraktor war so erbärmlich azimutal montiert, dass er sehr schnell einem der damals sehr üblichen, aber auch schon wesentlich teureren 114/900er auf EQ 3 ,mit Stativupgrade weichen musste und den hatte ich seher sehr lange.....auch dann Zug um Zug mit besseren Okularen und Filtern ausgestattet.

    Hätte der Refraktor funktioniert, wer weiß wie es gelaufen wäre, aber es lief halt so.

    Dann kam ein 8 Zoll Dobson hinzu, später ein 12 Zöller, ein 16er steht zur Verfügung, dann 16 Zoll, auch auf La Palma und in Südafrika und....ach ja, immer dabei und häufig gentzt, Handferngläser bis 10x56, auch mal auf Einbeistativ.. Das war schon lange vor dem ersten Fernrohr mein eigentlicher Einstieg und ich besitze neben den Newtons und Dobsons auch drei kleine Refraktoren.


    In Summe wäre der 114/900er wohl am ehesten als meine "Erdung" im Threadsinne anzusehen und das Teleskop für die einsame Insel wäre ein guter 8 Zoll f/6 Dobson.


    Nostalgische Gefühle kamen z.B. auf, als ich nach langer Pause wieder mal mit einem 114er beobachtete und erstaunt war, wie viele der Standardobjelte für 8-Zöller + X doch zu sehen waren und nein, dass das nur kleine Fussel waren, störte absolut nicht, ich war eher fasziniert davon, denn die kleinen fussel kennen die größeren Teleskope auch, sehen sie auch oft, nur heißen die dann nicht nach Herrn Messier, sondern eher NGC oder UGC pp.

    Es reifte dabeir auch die Erkenntnis, dass ich früher wohl so einige Objekte schlicht nicht wahrgenommen hatte, die mein jetzt geschulteres Auge nun locker sah.....und dann waren da noch diverse Störfaktoren an diesem Teleskop, die vorhandenes oder mögliches Potenzial versteckten.


    So was mündet dann bei mir regelmäßig in Träumereien, was alles gehen könnte, wenn.........und dann setze ich das um.

    Mancher Beitrag hier liest sich so, als sei das zu kritisieren!?

    Resultat der Nostalgie ist bei mir dann schon mal der Umbau oder Bau eines Teleskops, in dem Fall meine Machbarkeitsstudie zu einem moderenen 114/660er Newton/Dobson mit Parabolspiegel und 2 Zoll Okularauszug,.


    Es ist also nicht so, dass ein verfügbarer 16 Zöller bei Jedem alles Kleinere verdrängt.

    Nein, das sehe ich eigentlich nur bei sehr wenigen Leuten und ich weiß auch nicht, wo mein Hang, die technische Seite auf den Prüfstand zu stellen und mögliche Verbesserungen umsetzen zu wollen, meine Freude an den Beobachtungen beeinträchtigen könnte.

    Das ist eher ein Teil der Freude, gerade dann, wenn sich ein Teleskop mit einfachsten Mitteln sichtbar verbessern lässt.


    Bei mir wird vom Fernglas bis zum 16 Zoll Dobson genutzt, was gerade Sinn macht, zum Beobachtungsziel, zum machbaren Standort und zum zeitlichen Ansatz passt.


    Gruß

    Günther

    Jeder macht sich die Probleme die er haben möchte,

    sei es um sie zu lösen oder um sie zu pflegen.

  • Hallo,

    ein bischen Senf von m.W.: denke auch gern an die Anfangszeit zurück: von Quelle der 60/700 mit Holzstativ. War bei max. Vergrößerung 105fach Ende, und brachte hier bis 11.4mag als Grenzgröße.


    Der 114-Spiegel brachte nur bis 45fach vernünftige Bilder, das reichte auch zum "Spazierensehen".


    Gruß

    Guenther

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