GPU Komakorrektor mit 600mm F/4 - falscher Arbeitsabstand oder Astigmatismus?

  • Die Kollimation meines F/4 Skywatchers PDS 150 mit 600 mm Brennweite habe ich nach einigen Kämpfen einigermassen zufriedenstellend geschafft.
    Angemerkt sei, dass ich wegen Umbau der Fangspinne und Schwärzen des Tubus die Spiegel und auch den Auszug ausgebaut hatte. Ausserdem benutze ich jetzt ein Filterrad.
    Siehe hierzu mein Thema
    RE: Kollimation von F/4 Newton nach Umbau nicht gelungen - Hilfe!

    Nun ringe ich um runde Sterne bis in die Ecken.
    Hat jemand den TS-Optics Newton Koma Korrektor 1,0x Superflat 4-Element - 2" Anschluss ("GPU") und kennt bereits den Arbeitsabstand für F/4 600 mm Brennweite?

    Diese Bilder sind mit einem Arbeitsabstand von 54,3  und 53 mm entstanden.
    Wer kann mir sagen, welche Abbildungsfehler hier erkennbar sind?

    - Radial verzerrte Sterne in den Ecken und somit zuviel Arbeitsabstand?
    - Astigmatismus?
    - Verkippung?
    - ungenügende Kollimation?
    - ...

    54,3 mm Arbeitsabstand


    53 mm Arbeitsabstand


    Messung mit ASTAP bei 53 mm Arbeitsabstand


    Messung mit Siril bei 53 mm Arbeitsabstand.


    Ecke oben links


    Ecke unten rechts


    defokussierte Sterne

  • Hallo Andreas

    So wie ich das sehe muss der Abstand noch vergrößert werden.

    Solange die Sterne in den Ecken sich etwas gelängt zur Bildmitte zeigen ist der Abstand noch zu gering.

    Wenn er zu groß wird ziehen die Sterne kreisförmige Bögen um die Bildmitte.

    Ein bisschen Verkippung...ja kommt auch dazu.

    Aber ich denke das Hauptthema ist noch der Abstand.

    Geh doch mal ans Eingemachte und erhöhe auf 55,5 mm.

    Dann hast du einen Eindruck wie es ausschaut wenn es zuviel wird.

    Dein Ziel liegt dann irgendwo zwischen 54,3 und 55,5....

    Gutes Gelingen

    Bis dann

    Andreas

  • Hallo,


    solche Probleme geht man pragmatisch an. Der erste Schritt ist bei einem Spiegelteleskop die möglichst genaue Justage der Optik (ist laut deiner Aussage schon erfolgt, ich sage es aber nochmals). Am besten macht man das über ein Okular mit steigernder Vergrößerung am Stern, damit man sich wirklich ausschließlich auf die Justage konzentrieren kann und man nicht abgelenkt wird. Dann geht es an die Überprüfung der restlichen möglichen Fehlerursachen.


    f/4 ist auch bei der Justage schon etwas kritisch...

    Deinen Informationen entnommen können folgende Probleme noch zu lösen sein:


    - Tilt am Filterrad

    - Tilt am Sensor

    - Nicht richtig getroffener Fokus bei f/4

    - falscher Arbeitsabstand zum Korrektor

    - unwahrscheinliche Dinge wie fehlerhafter Korrektor oder sehr schlechte Optik (trotzdem eine Option)


    Der erste Test ist, richtig gut zu fokussieren und dann 4 Bilder zu schießen, jeweils immer mit 90 Grad gedrehter Kamera. Drehen die Fehler sich mit? Das Problem liegt bei der Optik. Also Justage prüfen, Fokus prüfen usw. Bleiben die Fehler an Ort und Stelle? Dann ist Tilt im Spiel.

    Eine Kombination aller dieser Faktoren ist beliebig möglich, deswegen sollte man Schritt für Schritt vorgehen.


    Fehler die sich mit drehen, liegen meist an der Justage (einen f/4 Newton für die Fotografie zu justieren ist gar nicht so einfach, wie es oftmals von erfahrenen Fotografen beschrieben wird, aber auch kein Ding der Unmöglichkeit). Diese sind auch am leichtesten auszumachen, da sich eine Veränderung sofort auf den 4 Bildern bemerkbar macht.

    Falscher Abstand zum Korrektor erzeugt einen Linseneffekt. Zu weit sorgt für rundlich verzogene Sterne um das Bildfeld herum, ähnlich wie der Blick durch ein sehr einfaches, altes Fernglas. Zu nah erzeugt in die Länge gezogene Sterne zur Bildmitte hin, ähnlich wie die Lichtgeschwindigkeit bei Star Wars.


    Tilt macht sich durch in allen Orientierungen gleich verzogene Sterne bemerkbar, die keiner wirklichen Richtung zu folgen scheinen. Hierbei ist es extrem wichtig, die BLZ der Testbilder so zu wählen, dass Nachführfehler der Montierung praktisch ausgeschlossen sind. 1-2 Sekunden ergeben hier Sinn.

    Den Tilt einstellen geht sehr leicht, viele trauen sich das nicht, aber wenn man es einmal gemacht hat, ist es sehr sehr einfach. Du lässt einen Autofokus laufen oder stellst manuell auf die Mitte des Bildes scharf. Sobald das Bild scharf ist und du alle anderen Bildfehler behoben hast, ist nur mehr ein Tilt vorhanden. Du schaust dir nach einem 1-2 Sekunden BLZ Bild die Ecken an und wirst sofort die Ecken bzw. Bereich erkennen können, die noch von Unschärfe betroffen sind. Nun drehst du an einer einzigen beliebigen Schraube des Tilt Adapters deiner Wahl. Eine halbe Umdrehung der Schrauben reicht. Weiteres Bild schießen und du wirst sofort erkennen, was im Bild passiert ist. Wurde eine Ecke schärfer, was es die richtige Richtung. Wurde die selbe Ecke unschärfer, war es die falsche Richtung. Dies so lange wiederholen, bis du in allen Ecken des Bildes eine gleichbleibende Schärfe hast. Dazu hast du die üblicherweise dreieckig angeordnetem 3 Schrauben eines Tilt Adapters. Wenn man geübt ist, dauert das etwa 15 Minuten und man muss es nur ein einziges Mal machen (außer man wechselt die Kamera oder sonst wie den Image Train), es gibt also absolut keinen Grund, einen elektronischen vollautomatischen Tilter für 1000€ zu kaufen ;)


    Viel Erfolg und wähle dafür eine Vollmondnacht! Das tut nicht so weh.

  • Solange die Sterne in den Ecken sich etwas gelängt zur Bildmitte zeigen ist der Abstand noch zu gering.

    Wenn er zu groß wird ziehen die Sterne kreisförmige Bögen um die Bildmitte.

    Sorry für Doppelpost, hab übersehen, dass mein Vorschreiber eine Sache, die ich doppelt nenne, schon richtig dargestellt hat. Also Credits to him.

  • Die Messungen mit ASTAP und Siril weisen aber nur ein sehr gerüngfügige Verkippung aus, beide nur 5%, wie passt das?

    F4 ist da sagen wir es Ma so ne zicke . Das ist tilt , wie gesagt hatte das gleiche Problem . Versuche doch mal die Kamera zu drehen , wandert der Fehler mit ist es tilt am Sensor , bleibt er weg oder verändert sich Asti. Abstand passt so wie ich das sehe .

  • Hallo FPV_Operator, Andreas (woddy), Drehn!
    Danke für eure Tips! Ihr seht in den Bildern sowohl Tilt als auch fehlerhaften Arbeitsabstand des Korrektors.
    Nur für alle Klarheit:
    Fehler, die sich "mitdrehen", befinden sich auf den 4 jeweils um 90° gedrehten Fotos jedesmal eine Ecke weiter, müssen von der Justage kommen.
    Fehler, die an derselben Stelle auf dem Foto bleiben, folgen quasi der Position der Kamera, dann handelt sich um Verkippung.
    Richtig?

  • Ich hab hier von vergangener Nacht zufällig zwei Bilder, allerdings beim 2. Bild die Kamera nur ca 45° gegen den Uhrzeigersinn gedreht.
    Erkennt das geübte Auge da dennoch was?

    Die Messung stammt aus dem ASIFits-Viewer. Die grüne Linie habe ich zur Orientierung eingezeichnet.
    Der Arbeitsabstand für den Komakorrektor betrug 51,6 mm, also laut Spezifikation in jedem Fall zu kurz.

    Ich finde aber gar nicht, dass die Sterne zur Mitte hin verzogen aus sehen (also radial verzerrt):
    .

  • Hallo Andreas


    Ich weiß nicht wo alle hingucken, aber unten rechts zeigt sich deutlich eine Verschiebung zwischen Rot und Blau.

    Da führt der Korrektor Farbfehler ein, kannst du dich ja dran totjustieren.

    Pick dir doch mal nur den Grünkanal raus und guck deine Testbilder noch mal durch,

    Die Verschiebung, unterschiedliche Verzerrung muss dann eben jede Farbe einzeln auf Referenz ausgerichtet und entfernt werden.

    Die unterschiedliche Anzeige in Astap? Ja das bestimmt auch die Verzerrungen des Bildfeldes, läuft mit Astrometrie, beim Komakorrektor sind ja kleine runde Sterne erwünscht, Verzerrungen werden oft in Kauf genommen , wenn du mal ein Mosaik machst müssen die Sternfelder vom Stackingprogramm über Astrometrie nach Sternenkarte entzerrt werden, geht alles.


    Gruß Frank

  • Ich finde aber gar nicht, dass die Sterne zur Mitte hin verzogen aus sehen (also radial verzerrt):

    Ich finde man sieht bei dem Bild doch sehr deutlich, dass du noch Koma hast.

    Siehst du nicht besonders im linken oberen Quadrat und im linken unteren Quadrat die Koma Schweife? Ich finde die sind deutlich zu erkennen.


    Stell doch erstmal den Arbeitsabstand auf 55 mm ein. Dann können wir weiter reden. Mit per se vorher schon um mehrere Millimeter falschem Arbeitsabstand über die Justage und Tilt zu sprechen macht doch null Sinn. Der Bereich um den Fokus bei einer f/4 Optik liegt bei etwa 18 mü (grünes Licht). Wenn du also mehrere Millimeter daneben liegst, hast du entsprechende Fehler.

    Es gibt Toleranzen, die bei jedem Teleskop individuell eingerichtet werden müssen. Aber zu sagen, ich fange mal an zu justieren und den Tilt zu beheben, wenn der Backfokus von vorneherein um 3,4 mm daneben liegt, wird denke ich nix.


    EDIT: Noch ein Nachtrag.

    Du hast viele verschiedene Freiheitsgrade in diesem System, wie du gerade feststellst. Die Justage, der Abstand zum Korrektor, der Fokus und der Tilt müssen alle sehr genau eingestellt sein und dies muss mit größerem Öffnungsverhältnis (schnellere Optik) auch immer genauer werden, da die Fehlertoleranzen immer geringer ausfallen. Dies ist auch der Grund, warum ich Anfängern, die fotografieren wollen, zu einem kleinen, moderat schnellen Refraktor rate.

    Allein die Justage eines f/4 Newton ist wie ich bereits anmerkte manchmal etwas tricky, da so ein f/4 Newton schon zu den schnelleren Kalibern gehört. Es ist wie gesagt aber auch kein Ding der Unmöglichkeit.


    100% sind schön, aber auch nicht realistisch! Das ist auch so eine Sache. Kennste den aus Unnerbuggelsbach, der sich totjustiert hat?

    Stelle bitte den Arbeitsabstand korrekt ein und du wirst schon mal eine deutliche Verbesserung der Abbildung wahrnehmen. Stell dann hier wieder ein Bild ein bitte!

  • Hallo Leute, hallo Drehn und FPV_Operator!

    Danke, dass ihr mich noch bei diesem Thema begleitet.

    Die Tabelle mit den Brennweiten-bezogenen Arbeitsabständen kenne ich, danach habe ich mich auch bisher zu richten versucht. Allerdings hab ich mich zuletzt verwirren lassen.

    Denn ich habe nochmals einen Aufnahme-Versuch gemacht, nochmal absichtlich mit einem wie ich meine zu grossen Arbeitsabstand von 53,8 mm.

    Ich konnte im Ergebnis keine nennenswerte Veränderung feststellen, hier eine Einzelaufnahme und ein Stack:


    Ich werde nun nochmals die Kollimation prüfen und dann einen Versuch mit dem in der Spezifikation angegebenen Arbeitsabstand von 51,7 + 0,5 für den Glasweg der Filter machen, also 52,2 mm.

  • Upsi, ich entschuldige mich, dass ich fälschlicherweise einen Arbeitsabstand von den üblichen 55 mm annahm.


    War doof von mir, nicht vorher in der Tabelle zu gucken :zany_face:


    Wenn du jetzt halt mal vier Bilder gemacht hättest, jeweils um 90 Grad verdreht, hätte man die Fehler bewerten können.

  • Ja mach ruhig wieder in die falsche Richtung, wenn du deiner Tabelle mehr glaubst frag doch nicht.


    Gruß Frank

  • Hallo Andreas,

    in Post 16, das Bild rechts unten, sagt mir, dass die rechte Seite gut ist. Links müsstest du den Abstand etwas vergrößern, denn du hast radial verzogene Sterne. Als Erstes würde man jetzt auf eine Bildfeldverkippung tippen.

    Aber:

    Das Bildfeld ist nicht exakt gleich ausgeleuchtet. Das Helligkeitszentrum befindet sich ebenfalls auf der rechten Seite, leicht unten. Bild 1 Post 16.

    Wenn du exakt mit Offset 1 und 2 justiert hättest, dann sollte das aber nicht der Fall sein. Deshalb glaube ich, dass du links ganz einfach etwas aus dem Bereich herausgekommen bist, den der Korrektor noch korrigieren kann. Die längliche Form würde in dem Fall nicht automatisch dafür sprechen, dass der Abstand vergrößert werden müsste.

    In beiden Fällen (Verkippung/Korrektorrand) müsstest du noch besser kollimieren. Schon beim jetzigen Bild wäre es ja so, dass du rechts (offensichtlich) noch Luft hast und links die Sterne schlechter werden. Rückt man sozusagen das Bildfeld des Korrektors in die Mitte, dann wärst du ja vermutlich schon am Ziel. Erst wenn alle Ecken die gleiche Verzerrung zeigen, kannst du den Abstand vergrößern oder verkleinern.

    So würde ich das beurteilen.

    VG ralf

  • hallo


    na wenn es noch verkippt ist kann auch einfach der Korrektor schief geklemmt sein,

    müsste man mal probieren was passiert wenn man die Klemmung mal löst und alles anders gedreht wieder festzieht um rauszufinden ob die Verkippung schon am Korrektor ist oder erst zwischen Korrektor und Kamera.


    Gruß Frank

  • Ach so, ein interessantes Detail möchte ich noch erwähnen:
    Wenn ich in Siril die Aufnahmen platesolve, dann wird die errechnete Brennweite mit 584,9 mm angegeben.

    Vor meinem Umbau bzw. der Neu-Kollimation waren es in Siril 604 mm.
    Das Teleskop ist ein 600-mm-Teleskop, F/4.

    Lässt das auf etwas Bestimmtes schliessen?!!

  • Hallo


    Die Focustoleranz bei F/4 ist 0.12mm , da ist die Chance groß das eine geringe Verkippung reinpasst.

    Ist auch sehr warscheinlich das es bei Teleskop auf Ostseite ander wie auf Westseite ist.

    Wenn du den Abstand so lange änderst is die Sterne links oben rund sind und dann sind sie Rechts unten quer hast du ein Problem mit Verkippung.

    Ich glaub du bist da zu zaghaft.


    Gruß Frank

  • ich melde mich mit entsprechenden Aufnahmen zurück.

    Danke, denn ohne diese Aufnahmen kann man das eine Bild nur bewerten mit:


    "Ja, es sind verzogene Sterne und du hast Handlungsbedarf."


    Das weißt du vermutlich aber selbst schon... Und immer dran denken, die BLZ so kurz wählen, dass Nachführfehler der Montierung ausgeschlossen sind! Selbst wenn du Guidest usw. einfach Guiding aus, bspw. Polaris anfahren, und die vier Aufnahmen machen mit 1-2 Sekunden BLZ aber sehr hohem Gain / ISO, damit man natürlich etwas erkennen kann.


    EDIT:

    Und bitte OHNE Filter! Wenn es ein Mono Chip ist mit L, wenn es eine OSC Kamera ist ohne Filter.

    Klaren Himmel, gutes Seeing und ausgekühlte Optik!

    Beste Grüße

    Edited once, last by Drehn ().

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