Frühling ist Galaxienzeit! Deshalb habe ich diesmal ein besonderes Objekt herausgesucht, das etwas Öffnung benötigt oder fotografisch festgehalten werden möchte (auch für Smarties gut geeignet). Sieben auf einen Streich! Ich rede von Copelands Septett im Löwen, auch als Hickson 57 bekannt.
Auf Fotos sieht man natürlich mehr als sieben Galaxien, aber die hellsten in der Gegend sind genau sieben: NGC 3745 (15m2), NGC 3746 (14m0), NGC 3748 (14m8), NGC 3750 (13m9), NGC 3751 (14m3), NGC 3753 (13m7) und NGC 3754 (14m3). Alle sieben sind zwischen 388 und 421 Millionen Lichtjahre von uns entfernt (also schon ein gutes Stück weit weg), es interagieren also nicht alle Galaxien, denn es ist eine Mischung aus direkter Interaktion und Platzierung auf der Sichtlinie.
NGC 3753 ist der größte und hellste Wattebausch, aber mit 13m7 kein Scheinwerfer.
Das Auffinden ist ziemlich einfach: Start ist 92 Leonis (oder 93 Leonis, wenn man 92 Leonis nicht gut mit bloßem Auge sehen sollte).
Sternbild Löwe mit den beiden Sternen Ta Tsze und Chong Kwan (aka 93 und 92 Leonis). Bild aus wikisky.org (SDSS) mit eigenen Ergänzungen
Wer bei 93 Leonis das Sternhoppeln beginnt, kann natürlich auch erstmal (oder danach) Abell 1367 bewundern. Da sind so viele Galaxien zu sehen, dass die Beobachtung und Analyse richtig Zeit beansprucht. Da ist Hickson 57 weniger komplex. Man will ja nicht übertreiben. Jedenfalls kann man die Verbindungslinie von 93 Leonis zu 92 Leonis nach Nordwesten um ca. 1/3 der Strecke verlängern und kommt so bei drei auffälligen Sternen achter bis neunter Größenklasse an:
Bild aus wikisky.org (SDSS) mit eigenen Ergänzungen
Von hier aus geht es jetzt ganz leicht zum Galaxienhaufen:
Bild aus wikisky.org (SDSS) mit eigenen Ergänzungen – aber Vorsicht! Der "kleine Stern", der den Pfeil unterbricht, ist eine LEDA-Galaxie, ein faint fuzzie, den man im Teleskop so nicht sehen kann. Man kann aber anhand der drei Sterne den Winkel abschätzen, unter dem man abzweigen muss (ist ja kein weiter Weg).
Bei Hickson 57 angekommen, geht es erstmal darum, überhaupt etwas zu erkennen. Westlich der Galaxiengruppe ist ein kleines Sternmuster aus 5 Sternen zwischen 12m5 und 14m5, das hilfreich bei der Orientierung ist:
Bild aus wikisky.org (SDSS) mit eigenen Ergänzungen – Der kleine Wattebausch unterhalb der langen Seite des Trapezes ist auch eine LEDA-Galaxie (LEDA 1661085), die wie ein Sternchen mit knapp über 16 mag im Teleskop erscheint (jedenfalls ging es mir so). Das ist das Problem mit den SDSS-Aufnahmen, denn die Galaxien wirken oft wie Sterne und dann wundert man sich am Teleskop, warum man ein anderes Muster sieht. Jedenfalls kann man auf das gelb eingezeichnete Muster achten. Östlich davon findet sich ein Stern mit 12m3 (siehe Beschriftung) – und wenn man den als Ausgangspunkt erkannt hat, muss man „nur noch“ nördlich und südlich davon nach den Wattebauschen schauen.
Je nach Öffnung sieht man gar nichts oder vermutlich nur zwei bis drei schwache Wattebausche (NGC 3746, NGC 3753 und NGC 3751). Vielleicht kommen dann noch die beiden Kleckse direkt an NGC 3753 zum Vorschein. NGC 3748 ist schwierig und NGC 3745 extrem schwierig (finde ich). Mit der Kamera ist es aber ein Kinderspiel – und da kommen noch weitere LEDA-Galaxien im Hintergrund, die sich auf dem Chip zeigen werden.
Ich habe das Septett am 5.3.2025 intensiv beobachtet und auch gezeichnet. Es war ein echtes Abenteuer, alle sieben Galaxien herauszukitzeln:
Vielleicht hilft die Skizze beim Aufsuchen des Septetts. LEDA 1661085 ist als "grauer Stern" eingezeichnet, aber nicht beschriftet (ich habe jetzt erst im Nachhinein bemerkt, dass ich da noch eine Galaxie gezeichnet hatte).
Was kann man mit der eigenen Optik visuell erkunden? Eigentlich ist es recht klar:
- Ab welcher Öffnung (und bei welchem Himmel) kann man überhaupt etwas wattebauschartiges wahrnehmen/erkennen? Also mit allen Tricks, indirektem Sehen, „Field Sweeping“ etc.
- Und ab welcher Öffnung ist NGC 3753 mehr als ein Strich, also breiter als Mischung von drei Galaxien?
- Und ab welcher Öffnung kann man die drei Galaxien in Bezug auf ihre Kerne trennen?
- Und ab welcher Öffnung sieht man alle sieben?
Bei sehr gutem Himmel sollte NGC 3753 wohl mit 12 oder 14 Zoll machbar sein?! Oder schafft das jemand mit 10 Zoll?
Falls gar nichts geht, dann empfehle ich wie vorne geschrieben Abell 1367 (bzw. AGC 1367 wie es offiziell heißt, um keine Verwechslung mit den Abell-PNs zu ermöglichen, auch wenn vierstellig da eindeutig die Galaxienhaufen meint). Hier fangen die hellsten Galaxien bei 12m7 an, sind also deutlich einfacher zu erreichen. Das OdM soll im April aber zur Abwechslung eine echt harte Nuss werden.
Also ran an die Teleskope und/oder ran an die Kameras. Die hohe Deklination ermöglicht die Beobachtung bis Ende April. Und wenn’s sich wettertechnisch nicht ausgeht, dann eben im nächsten Jahr.
Ich wünsche viel Erfolg und viel Freude mit diesem spektakulären Septett.
Liebe Grüße,
Christoph



