?Gelber Hyperriese? WOH G64 (163.000LJ) 1.540 Sonnen groß in der Großen Magellanschen Wolke (LMC)

  • Der Stern mit 28facher Sonnenmasse ist 282.000-mal so hell, wurde in den 1970er-Jahren entdeckt und entwickelt sich wahrscheinlich zu einer Supernova.

    Astronomen beobachten eine Farbveränderung des Sterns, die mit einem entsprechenden Anstieg seiner Oberflächentemperatur einhergeht. Sie schlussfolgern, daß es sich hier um die Umwandlung eines roten Überriesen in einen seltenen gelben Hyperriesen handelt, was auch bedeuten könnte, daß Astronomen Zeugen des Sterbeprozesses eines Sterns in Echtzeit werden.


    "Das Schicksal von Sternen mit einer Anfangsmasse zwischen 23 und 30 Sonnenmassen nach ihrer Entwicklung zu Roten Überriesen ist noch immer ungewiss. WOH G64 war der extremste bekannte Rote Überriese mit einer geschätzten Masse von rund 28 Sonnenmassen. Es ist weiterhin unklar, ob solche Sterne als Supernovae explodieren, direkt zu Schwarzen Löchern kollabieren oder sich von der Roten-Überriesen-Phase in das Stadium des Gelben Hyperriesen entwickeln, bevor sie ihr Leben beenden. WOH G64 könnte die Lösung für diese Frage sein." laut Muñoz-Sanchez von der National Observatory of Athens.


    Die Ergebnisse des Teams liefern den ersten Beweis dafür, daß ein extremes Sternobjekt seine Temperatur ändern und sich innerhalb eines Jahres von Rot zu Gelb entwickeln kann – und das auf eine sanfte und unmerkliche Weise. "Dies ist besonders überraschend, da schnelle Veränderungen bei Sternen typischerweise mit heftigen oder abrupten Prozessen in Verbindung gebracht werden" laut Muñoz-Sanchez.


    WOH G64, 5 Millionen Jahre alt, soll außerdem kein Einzelfall sein. Nicht alle Roten Überriesen stoßen ihre äußeren Schichten ab, wenn sich ihr Kern zu Gelben Hyperriesen zusammenzieht. "Gelbe Hyperriesen sind extrem selten, da sie eine kurzlebige Übergangsphase zwischen dem Stadium des Roten Überriesen und der letztendlichen Supernova-Explosion darstellen. Folglich sind derzeit nur wenige bestätigte gelbe Hyperriesen bekannt, nämlich nur einige Dutzend."


    Damit eine Umwandlung zu einem gelben Hyperriesen stattfinden kann, benötigt ein massereicher Stern einen ausreichend starken Sternwind, um eine äußere Hülle aus zuvor abgestoßenem Sternenmaterial abzustreifen – ein Prozess, der seine Temperatur in die Höhe treibt. Allerdings können nur die hellsten roten Überriesen Materialausflüsse erzeugen, die stark genug sind, um diese Übergangsphase auszulösen, die schließlich zum Tod des Sterns führt.


    Weiter handelt es sich hier um ein Doppelsternsystem, was wiederum die Erklärung der möglichen Ursachen seiner Transformation erschwert, weil der Hauptstern Materie von seinem Begleiter anzieht.

    "Wechselwirkungen in Doppelsternsystemen könnten auch eine entscheidende Rolle bei der Entstehung gelber Hyperriesen spielen" laut Muñoz-Sanchez. "Wenn in einem Doppelsternsystem Massentransfer oder das Abstreifen der Hülle stattfindet, kann die Hülle eines roten Überriesen teilweise entfernt werden, was möglicherweise seine Entwicklung hin zu gelben Temperaturen vorantreibt. Alternativ könnte der Übergang, obwohl es sich um ein Doppelsternsystem handelt, durch intrinsische Sternprozesse ausgelöst worden sein. In diesem Fall könnte der Stern eine außergewöhnliche, über 30 Jahre andauernde Eruptionsphase durchlaufen haben und kehrt nun in einen gelben, ruhigen Zustand zurück. Beide Möglichkeiten sind extrem selten, und die Beobachtung eines solchen Phänomens innerhalb eines für den Menschen relevanten Zeitraums ist nahezu beispiellos.

    Jüngste Beobachtungen deuten darauf hin, dass sich einige der anderen extremen roten Überriesen ebenfalls in Doppelsternsystemen befinden könnten. Das Verständnis, ob die extremen Eigenschaften dieser Sterne auf ihre intrinsische Natur oder auf Wechselwirkungen innerhalb eines Doppelsternsystems zurückzuführen sind, ist entscheidend für die Erforschung der Populationen entwickelter massereicher Sterne, die Vorhersage ihres Todes und die Interpretation der von ihnen erzeugten Supernovae – Phänomene, die noch immer nicht vollständig verstanden sind."


    "Astronomisch gesehen scheint WOH G64 ein hoch entwickeltes System zu sein, und es ist möglich, dass es ‚bald‘ einen Kernkollaps erleidet. In diesem Zusammenhang entspricht ‚bald‘ einem Zeitraum von hundert bis einigen tausend Jahren" laut Muñoz-Sanchez. "Ein solches Ereignis wäre außergewöhnlich, und es ist nach wie vor höchst unwahrscheinlich, dass es zu unseren Lebzeiten eintritt. Wobei wir natürlich nicht einmal sicher sind, ob dieser Stern überhaupt als Supernova explodieren wird."


    Mehr hier:


    The dramatic transition of the extreme red supergiant WOH G64 to a yellow hypergiant | Nature Astronomy


    https://www.astrotreff.de/forum/index.php?thread/295546

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