Hallo Freunde des OdM,
es liegt schon eine Zeitlang zurück, dass wir hier einen Kugelsternhaufen zum Thema hatten. Daher habe ich als März – OdM den KH NGC 2419 im Luchs ausgewählt. Er findet sich unter den folgenden Koordinaten:
RA (2000.0) 07h 38m 08s
DE (2000.0) 38° 52' 54''
Seine visuelle Helligkeit wird mit ca. 9 mag angegeben, seine Winkelausdehnung mit ca. 4' bis 6'.
Aufsuchen:
Zum Aufsuchen des Objekts hat Sternfreund Andreas Schnabel auf seiner Webseite die nachfolgende Karte veröffentlicht:
https://astrofan80.de/docs/pdf/Map_NGC2419.pdf
Als Ausgangspunkt wählt man den Stern Castor in den Zwillingen und schwenkt ca. 7 Grad nach Norden in eine sehr sternarme Gegend. Wie auf der Detailkarte von Andreas erkennbar liegen unmittelbar neben dem Haufen der 7 mag – Stern HD 60771 und ein etwas schwächerer Doppelstern, die zur Orientierung herangezogen werden können, da sie etwa in einer Linie mit dem KH liegen.
Einige Infos:
Entdeckt wurde NGC 2419 im Dezember des Jahres 1788 von Wilhelm Herschel, der den KH jedoch nicht als solchen einstufen konnte, da ihm die Auflösung in Einzelsterne versagt blieb. Erst im zwanzigsten Jahrhundert wurde seine wahre Natur spektroskopisch bzw. fotografisch nachgewiesen.
Es hat so lange gedauert, bis der Haufencharakter feststand, weil es sich um einen der am weitesten von uns entfernten KH handelt, weiter als unsere Begleitgalaxie, die große Magellansche Wolke. Er befindet sich im äußeren galaktischen Halo und zählt zu den massereichsten KH. Es wird vermutet, dass es sich um den Kern einer einstmals von unserer Galaxie eingefangenen Zwerggalaxie handeln könnte. Für eine Umrundung des Milchstraßenzentrums braucht er geschätzt 3 Milliarden Jahre.
Wegen seiner großen Entfernung wird der KH gerne als „intergalaktischer Wanderer“ bezeichnet, weil man früher nicht sicher war, ob das Objekt überhaupt zur Milchstraße gehört. Während der prächtige KH Messier 13 „nur“ ca. 25000 Lichtjahre von uns entfernt ist, beträgt die Entfernung von NGC 2419 ca. 275.000 Lichtjahre. Dass wir ihn überhaupt sehen, verdankt der Haufen seiner enormen Leuchtkraft. Wenn man ihn im Okular erspäht, hat man die Photonen eines der am weitesten entfernten Kugelsternhaufen unserer Galaxie im Auge.
Verwendete Geräte:
Mit einem Fernglas lässt sich der Haufen nicht erblicken. Unter dunklem Landhimmel wird unter 8 Zoll Öffnung evtl. mit indirektem Sehen die Detektion möglich sein. Ab ca. 8 bis 10 Zoll sollte ein schwach leuchtendes Nebelbällchen sichtbar sein. Doch auch mit noch größeren Instrumenten dürfte eine teilweise Auflösung in Einzelsterne schwierig sein.
Fotografisch sollte sich der Haufen gut erfassen lassen, da er recht hoch am Himmel steht. Es ist zwar kein spektakuläres Objekt, hat aber vor allem für mittlere bis größere Brennweiten durchaus seinen Reiz. Hier kann auch eine Kamera mit kleinerem Sensor zum Einsatz gelangen. Da sich in unmittelbarer Nähe zum KH die beiden o.a. Aufsuchsterne befinden, ergibt sich ein interessantes kleines Ensemble.
Der folgende Bildausschnitt ist entnommen aus WikiSky.org:
Viel Freude beim Beobachten!
Beste Grüße
Heinz