IC1848, Seelennebel mit DSLR und L-extreme

  • Irgendwie passend zu der für viele von uns nachdenklichen und reflektierenden Jahreswende

    hier meine Bildbearbeitungs-Variationen zum "Seelen"-Nebel IC 1848


    ich habe in den letzten Tagen in mehreren Nächten von meinem Garten in Mecklenburg-Vorpommern aus den Seelennebel fotographiert.


    EQ6-R mobil im Garten (Linie 2) , guiding 60/240 mm, ZwoASi 120mm, PHD2

    Teleskop: William Triple Apo Megrez 80/480

    Kamera: Canon 6D, iso 3200

    2'' Astronomik L2-Filter (90*180s), L-extreme (131*300s), gesamt 15.4 h

    Kamera: Canon 6D, iso 3200,

    APP, PI, Affinity V3


    Aufnahmedatum: 15., 18., 23. 24. u. 25.12.2025


    Mit der Brennweite von 480 nm und dem Vollformatsensor bekommt man den Seelenebel komplett und den (oberen) Rand vom Herznebel mit ins Bild. diese Einstellung war eigentlich nur als Test/Platzhalter gedacht, hat mir dann aber zunehmend gefallen. Geplant war ein RGB Teil für die Sternfarben und dann Dualschmalband-Teil (Optolong L-extreme) für den vorwiegend Ha Nebel.


    Überraschend war für mich etwas das reine RGB Bild mit einem Astronomik L2-Filter







    Bei diesem Nebel ist offenbar viel Kontinuumslicht vorhanden, sodass man mir RGB schon durchaus ein schönes Bild hinbekommt. Im Nachhinein wünsche ich mir hier noch mehr RGB-Frames.

    Durch Schmalband wir letzlich besonders der Rand des Herznebels mächtiger und der Kontrast für Säulen etwas gestärkt.

    Für den Schmalbandbereich habe ich jeweils die sternfreien Hintergründe der L-extreme-frames mit den getrennten Ha - (rot) und OIII (blau+grün) Extrakten aus den L-extreme-Frames verglichen (s.u.).

    Die "Extrakte" wurden mit dem Programm Astro Pixel Prozessor aus den L-extreme-Filter Frames gewonnen und als Graubild-Stacks im fits format gespeichert und dann später dann nach Aufarbeitung und Stretchung in Pixinsight jeweils in Affinity V3 als Hintergrundebenen Ha rot bzw. OIII blau eingefärbt und auf die sternlose RGB-Ebene gelegt (neg. multipliziert). Alternativ wurden die L-extreme Frames gestackt und als Dualschmalband-Farben aufgleiche Weise auf die RGB-Ebene gelegt. In allen Fällen sind die RGB-Sterne immer als oberste Ebene eingefügt.


    Hier die sternlosen Hintergründe im Vergleich:


    L-extreme Farbebene (oben), Ha-extrakt Mitte, OIII Extrakt unten:






    Damit ergeben sich dann folgende "Endbilder"




    Mit diesen Variationen kann man sich gefühlt ewig beschäftigen und meine vorläufig "finale" Version wird erst in einem 2. Anlauf gewonnen.

    Am variabelsten ist sicher die Extraktionsmethode, bei der man zwei unterschiedliche Ebenen auf die RGB Ebene drauflegt. Üblicherweise kann man dabei auch die eingefärbte OIII Ebene nochmal oben (über die Ha-Ebene) kopieren, und als Ha = also rot umfärben, ca. 30 % wichten, und unter Mischmodus "Differenz" vom unteren Bild (RG+Ha) abziehen. Dadurch zieht man etwas vom stets dominanten rot ab und macht den blauen OIII Anteil etwas sichtbarer. Mit dieser Technik kann man sicher blau aus Dualschmalbandfiltern besser reinbringen, allerdings mit der Gefahr, dass man das leicht "überwichtet".


    Was haltet Ihr von den verschiedenen Varianten?


    CS Peter







    _________________________________________________________________________________________________________________

    EQ6-R Pro in Gartensternwarte;TsOptics Photon 10'' f4 (254/1016 mm), Skywatcher Quattro 8'' f4 (200/800mm), GSO 6'' Newton (150/600 mm), RC GSO 8'' Ritchey Chretien (203/1624 mm), William Megrez Triple Apo 80/480 mm; :Canon 6Da, Zwo ASI 1600 MM Pro, Touptek 2600kpm, ZWO EFW 7*2'' mit Baader 2'' CCD LRGB Ha,OIII;SII,  ZwoOAG mit ZwoASI 220mini; www.astro-besitz.de

    Edited 6 times, last by PeterBez ().

  • Hallo Peter,

    Variante 1 ist von der Bearbeitung definitiv mein Favorit.

    Die anderen Varianten sind übersaturiert. Sowas ist momentan überall Mode, um aus der Masse überhaupt noch herausstechen zu können. Sowas bekommt von mir keine Likes mehr. Das akzeptiere ich nur noch, wenn die Falschfarben dazu dienen etwas "wissenschaftlich" hervorzuheben. Ist nur meine Persönliche Meinung.

    CS & VG

    Stefan

    :star: Deep Sky: Sky-Watcher QUATTRO 150P | ASKAR FRA300 Pro 60mm f/5 | Samyang 135mm F2.0 ED UMC :ringed_planet: Mond, Planeten (,Sonne): Sky-Watcher Skymax Mak-Cas 150/1800 | Sky-Watcher Skymax Mak-Cas 102/1300 :sun_with_face: Sonne: Lunt LS60MT Ha B1200 :camera: Kameras: ZWO ASI533MC Pro, ZWO ASI178MM/MC, ZWO ASI585MM/MC, QHY 5III 715C :magnet: Autoguiding: Svbony SV106 | QHY 5III 178c :telescope: Montierung: iOptron CEM26 :high_voltage: Powerbank: FOX HALO 96K :robot: Smartscopes: ZWO Seestar S30/S50 :globe_showing_Europe_Africa: Webseite: https://www.junger.net/

  • Hallo Peter, Hallo zusammen,


    wenn hier von "Variante1" geschrieben wird, meint Ihr dann "Variante 1 des finalen Bildes" oder das erste Bild (die reine RGB-Variante) ? :/

    Persönlich gefällt mir die RGB-Variante am besten (auch wenn der Rand des Herznebel da schwächer ausfällt). :thumbup:


    CS, Jochen

  • Sehr schöne Aufnahmen. Mir gefällt zum einen die oberste, erste RGB-Variante, weil sie sehr filigran wirkt. Das andere Extrem ganz unten ist die zweite Variante. Gefällt mir weit besser, als der Halpha-Einheitsbrei. In den meisten Halphavorkommen ist auch Hbeta dabei, welches oft im Halaphahype untergeht. Die echten Farben sind das sicher noch nicht, aber zumindest schon näher dran.

  • Hallo Deep-Sky-Freunde,

    vielen Dank für den Response.

    Ja, die schlichte RGB Version hat hier offenbar eindeutig gewonnen. Ich sehe das genauso, frage mich aber etwas, warum das hier so ist? Schaut man in der Literatur, so wird der Einsatz von Schmalbandfiltern für den Selennebel eigentlich empfohlen. Irgendwie wirken die beiden anderen Aufnahmen "zu doll aufgetragen".


    Eine Kritik war generell gegen solch "Übersaturiertes". Da ist was dran. Auf Astrobin findet man viele > 50 h Aufnahmen, die wie Ölgemälde aussehen, aber mega viele Likes kriegen. Es muss also irgendwie die richtige Mischung zwischen RGB und Schmalband sein, die ein Bild schön aussehen lässt. Hier mal ein (negativ-?) Beispiel aus Spektrum der Wissenschaft https://www.spektrum.de/alias/…elennebel-ic-1848/1819757


    Grundsätzlich kann man den Nutzen und Schönheit von Schmalbandfilteraufnahmen wohl kaum in Frage stellen.


    Ach ja, wer es mal mit dem Material selbst probieren will , hier ein Link zu den 4 Stacks: RGB, L-extreme, Ha bzw OIII Extrakt aus L-extreme. Sorry, die Idee kommt etwas spät.

    Microsoft OneDrive


    CS Peter







    _________________________________________________________________________________________________________________

    EQ6-R Pro in Gartensternwarte;TsOptics Photon 10'' f4 (254/1016 mm), Skywatcher Quattro 8'' f4 (200/800mm), GSO 6'' Newton (150/600 mm), RC GSO 8'' Ritchey Chretien (203/1624 mm), William Megrez Triple Apo 80/480 mm; :Canon 6Da, Zwo ASI 1600 MM Pro, Touptek 2600kpm, ZWO EFW 7*2'' mit Baader 2'' CCD LRGB Ha,OIII;SII,  ZwoOAG mit ZwoASI 220mini; www.astro-besitz.de

    Edited once, last by PeterBez ().

  • Hallo Peter,


    vielen Dank für das Bereitstellen der Daten. Da musste ich mich doch gleich mal dran versuchen... ^^ :thumbup:


    Ich habe zunächst im Pixinsight das RGB-Bild mit dem ChannelExtraction-Prozess in R,G und B aufgeteilt.

    Dann habe ich die extrahierten Kanäle in Pixelmath wie folgt eingemischt:


    R = 0.7*R + 0.3*Ha

    G = 0.7*G + 0.3*OIII

    B = 0.7*B + 0.3*OIII


    Die daraus resultierende Kombi habe ich im linearen Zustand mit BXT behandelt.

    Dann habe ich mit "Bills_Stretch_Unlinked" Pixelmath-Script vorgestreckt.

    Als nächstes habe ich das Bild gecroppt (etwas stärker als im Original, weil ich meinte eine leichte Vignettierung zu sehen).

    Dann bin ich zu Photoshop gewechselt und habe 1x den GradientXTerminator angewendet.

    Als nächstes habe ich das Bild mit dem StarXTerminator entsternt.

    Die entsternte Version habe ich dann nochmal mit GHS gestreckt - das mache ich neuerdings im SIRIL, da geht es mir irgendwie besser von der Hand als im PI... ;)

    Die Helligkeit der Version mit den Sternen habe ich dann auf ca. 15% reduziert und im Modus "negativ Multipilizieren" mit einer Tonwertkorrektur auf die starless-Version

    gelegt. Das habe ich 2x wiederholt.

    Die helligkeitsreduzierte Version habe ich zusätzlich im Modus "Luminanz" mit 4% Deckung auf das Bild gelegt.

    Zwischendurch habe ich entrauscht (mit NoiseXTerminator) , etwas geschärft, Kontrast, Helligkeit und Farbe angepasst.

    Eine photometrische Kalibrierung habe ich nicht angewendet (u.A. wegen der Schmalband-Anteile)

    Zum Schluss habe ich noch eine leichte Unscharfmaske appliziert um die Sterne ein wenig mehr in den Vordergrund zu bringen.


    Und so sieht dann mein Versuch aus:


    IC1848_Peter.jpg


    Also: nochmal vielen Dank nochmal f.d. Rohdaten - hat Spaß gemacht! :thumbup:


    CS, Jochen

  • Hallo Jochen,

    sieht gut aus. Interessante Variante. Danke für die Anregung.

    Das mit der Vignetierung kännte stimmen. Ich wundere mich eh, wie der Williams Apo mit seinem Super OAZ mit der Vollformatkamera so relativ gut zurecht kommt.


    Diese Mischungsmathematik ist aber auch etwas willkürlich, weil das Verhältnis so ja fix ist. Da könnte man ja viele Varianten durchspielen. Da finde ich die klassiche Ebenenarbeit doch besser, weil man da ja jede Mischung nach dem optischen Eindruck herstellen kann. Bisher ist mir das nicht gut gelungen. Ich werde das nochmal für mich hoffentlich besser bearbeiten.


    Ich habe an diesem Forumsbeitrag insgesamt wieder was gelernt.


    Guß Peter







    _________________________________________________________________________________________________________________

    EQ6-R Pro in Gartensternwarte;TsOptics Photon 10'' f4 (254/1016 mm), Skywatcher Quattro 8'' f4 (200/800mm), GSO 6'' Newton (150/600 mm), RC GSO 8'' Ritchey Chretien (203/1624 mm), William Megrez Triple Apo 80/480 mm; :Canon 6Da, Zwo ASI 1600 MM Pro, Touptek 2600kpm, ZWO EFW 7*2'' mit Baader 2'' CCD LRGB Ha,OIII;SII,  ZwoOAG mit ZwoASI 220mini; www.astro-besitz.de

  • Hallo Peter,

    Das mit der Vignetierung kännte stimmen. Ich wundere mich eh, wie der Williams Apo mit seinem Super OAZ mit der Vollformatkamera so relativ gut zurecht kommt.

    man sieht das vor allem, wenn man sehr stark streckt. Außerdem sehe ich einen dunklen Fleck links vom Nebel. Ich hatte das zuerst für einen Dunkelnebel gehalten,

    ich kann den aber nirgendwo finden - auch nicht in ALADIN oder auf Referenzbildern. Evt. weiss jemand mehr? Wenn es kein Dunkelnebel ist, dann ist es ein Fleck -

    das wäre dann (auch wegen der Vignettierung) evt. ein Hinweis, dass die Flats nicht ganz gepasst haben (?).



    Das PI-Annotationsscript erkennt an der Stelle auch nichts.


    Was mir auf jeden Fall bei starker Streckung Deines detailreichen Bildes auffällt ist, dass der Kopf des kosmischen Krümelmonsters scheinbar durch eine Dunkelwolke abgegrenzt

    ist. Das sehe ich so zum ersten Mal, auf anderen Bildern (auch auf eigenen) ist mir das bisher nicht ins Auge gesprungen. Liegt aber evt. auch an meinen Augen... :nerd_face:

    Ich war davon ausgegangen, dass der Nebel einfach in den "leeren" Weltraum übergeht.

    Ich kann mich täuschen, aber die Dunkelwolke halte ich für real.

    Ich kann dazu aber auch wenig finden - evt. kann mich jemand aufklären. Das Annotationsscript verortet am rechten Ende der Wolke den LDN1375.



    Diese Mischungsmathematik ist aber auch etwas willkürlich, weil das Verhältnis so ja fix ist. Da könnte man ja viele Varianten durchspielen. Da finde ich die klassiche Ebenenarbeit doch besser, weil man da ja jede Mischung nach dem optischen Eindruck herstellen kann.

    Bei der Pixelmath-Schmalbandkombi lasse ich mich in der Regel von der KI beraten - so auch diesmal. Ich habe mich für eine sanfte "HOO-ähnliche" Variante entschieden.

    Das tolle bei Pixelmath ja, dass Du die Wichtung der Kanäle einstellen kannst (indem Du die Multiplikatoren änderst) - das Ergebnis ist der Ebenentechnik vermutlich ganz ähnlich.


    Gruß, Jochen

  • Hallo Jochen,

    dieser Fleck oben links ist offenbar ein neuer Fussel, der durch die Flats nicht abgedeckt ist. Die großen Dunkelwolken oberhalb halte ich aber für echt. Ist eben ein gutes Bild mit super Telekop und super Kamera. s.auch https://www.reddit.com/r/astro…o1/the_soul_nebula/?tl=de

    Ja mit Pixelmath hast Du ja nur 30 % reingemischt und das Bild ist damit weniger dicht.

    Aber das kann man doch mit Ebenenarbeit auch so machen, wenn man weiß, wo man hin will nur noch viel filigraner.


    Die KI sagt einem auch mit Seelenenebel ==> volles Rohr mit Dualschamlband, was auch nicht so ganz stimmt.

    Oft sind auch die Filtermischtipps der KI bei verschiedenen Zielen auch schlicht falsch, was ja irgendwie auch beruhigt. Sonst kann man ja bald alles mit Seestar machen.

    CS Peter







    _________________________________________________________________________________________________________________

    EQ6-R Pro in Gartensternwarte;TsOptics Photon 10'' f4 (254/1016 mm), Skywatcher Quattro 8'' f4 (200/800mm), GSO 6'' Newton (150/600 mm), RC GSO 8'' Ritchey Chretien (203/1624 mm), William Megrez Triple Apo 80/480 mm; :Canon 6Da, Zwo ASI 1600 MM Pro, Touptek 2600kpm, ZWO EFW 7*2'' mit Baader 2'' CCD LRGB Ha,OIII;SII,  ZwoOAG mit ZwoASI 220mini; www.astro-besitz.de

    Edited 2 times, last by PeterBez ().

  • Ist eben ein gutes Bild mit super Telekop und super Kamera.

    Definitiv ! :) :thumbup:

  • Ich sage immer, weniger ist mehr. Ich beobachte das schon seit Beginn der sensorischen Beobachtung: Mond/Planeten werden fast immer gnadenlos überschärft, jeder will noch mehr Schärfe und Detail als der Andere und bei DSO tief, tiefer, bis hinter dem Urknall am besten, weil man nur mit der allertiefstmöglichen Aufnahme akzeptiert zu werden glaubt. Die Ästhetik und Natürlichkeit bleibt da meistens auf der Bildverarbeitungsstrecke irgendwo abseits liegen. Jochens Variaten liegt zwischen beiden und gefällt mir auch. Das ist am Ende auch Geschmackssache und künstlerische (hier interpretatorische) Freiheit, wo man seinen Schwerpunkt legen will. In ein paar Jahren mit neueren Sensoren und weiter entwickelten Algorithmen steht die Frage immer noch im Raum, aber schon wieder mit ganz anderen Ergebnissen. Hier ist wohl eher der Weg das Ziel. So haben wir hier drei schöne Ansichten auf dem Weg. :)

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!