First Time Namibia - Teil 1

  • Wir haben ja Wochenende - ihr habt ja Zeit - oder? ;) Auf geht´s.

    .

    .

    .


    Prolog


    Rings um mich herum knisternde Stille. Nur vereinzelt sind noch Stimmen zu hören. Grau umgibt uns, Tropfen rinnen von den kleinen Scheiben. Ich beobachte die Halsschlagader einer Dame unweit von mir, die versucht betont gleichgültig zu gucken und die Augen geschlossen hält. Ihre den Puls versteckende Haarsträhne wippt jedoch in hoher Frequenz... Es fühlt sich an, als ob der Flieger wieder höher steigt, ich beobachte die regelmäßig auftauchende Höhenanzeige der Bildschirme in den Sitzen und finde zum Fluggefühl widersprüchliche Angaben. 1315m. Passt doch, knapp Brauneckhöhe – so gut wie geschafft! Aber es zieht sich. Wie Kaugummi. Ich rechne jeden Moment damit, dass es heißt, wir könnten aufgrund der Witterung nicht landen. Nach 20 Minuten und gefühlt drei Richtungswechseln endlich ein starkes Rucken. Blick nach draußen: Nur über die Tragflächen gleitende Wolken. Immer noch 600 Höhenmeter. Ein Geräusch, als würden entweder die Fahrgestelle ausgefahren oder eine Tragflächenlamelle geklappt. Im trüben Grau das Gefühl, das Flugzeug würde leicht beschleunigen...bald darauf: RUCK! Tatsächlich die Landung. Die im trüben Nass verhangene Skyline Frankfurts wird durch die Fenster sichtbar... geschafft.


    Milde Luft umströmt mich, mein verschwommener Blick geht durch Palmen, auf einen bläulichen Himmel. Ich recke mich. Wo bin ich??


    Rechts von mir ein vom Sofa gepurzeltes Kissen und ein geöffneter Koffer. Meine Desorientierung weicht der Gewissheit – ich bin zu Hause und sehe die Palmen meines Balkons, vor vom Regen freigewaschenem Himmel. Trotz koffeinhaltigem Food-Drink hat´s mich die letzten 3 Stunden offensichtlich nun doch zerlegt – urplötzlich.


    Nun sitze ich auf dem Balkon, Laptop auf dem Schoss, Mauersegler pfeifen um die Kurven, ausgehendes Amselgezwitscher, Frösche quaken. 18 Seiten sind während des Urlaubs bereits verfasst und wollen ergänzt sowie ins Reine gebracht werden.


    Dies ist mein Bericht: 14 Tage und Nächte Namibia.




    Erster Teil: 20.05.25 – 23.05.25

    (Zwei weitere Teile sind geplant, je nachdem,  wie es sich mit dem Tippen ergibt... )




    Ortswechsel. Tivoli, 14 Tage zuvor.


    Rechts neben mir mein 12“Dobson, ich selbst gemütlich unter der dicken Bettdecke, links der Blick durchs Fenster auf wogendes Gras und eine Palme. Das Säuseln des Windes präsentiert sich mal selbstverliebt dominant, mal gewährt es den vielen verschiedene Vogelstimmen Gelegenheit, ein sanftes Konzert darzubieten. Die Natur ist insgesamt gerade noch angenehm still, entsprechend der noch vorhandenen Restmüdigkeit, die noch etwas Ruhe durchaus angenehm macht.


    Es ist auch noch etwas frisch. Der vermutlich kälteste Tag der nächsten zwei Wochen ist angebrochen und bis zum Frühstück um 11 Uhr ist noch eine gute Stunde Zeit, der ersten Eindrücke der jüngsten Vergangenheit festzuhalten.


    Namibia.


    Es war zu erwarten, das unzählige Eindrücke auf einen einprasseln. Wie soll man das alles festhalten – erst zwei Wochen nach dem Urlaub...? Nein, ich möchte soviel mitnehmen wie es geht, und deshalb ruht nun mein neuer Laptop auf meinem Schoß, der mit auf Reisen ging.


    Die erste Nacht war gnädig mit dem Schlafmangel der Anreise und bescherte gegen 1 Uhr bereits den Mond. Abgewartet hatten wir ihn nicht mehr, aber er war in den Startlöchern. Und wir: müde und kalt. Wer ist wir? Oliver, Mathias und ich. Ich habe die Reise über die Ehre und Freude, für René einspringen zu dürfen, der leider verhindert war. Mit Oliver und Mathias habe ich absolute Namibiakenner an meiner Seite.

    Oliver machte in der ersten Nacht noch etwas länger, aber er hatte im Gegensatz zu Mathias und mir auch im Flugzeug schlafen können, sowie auf Tivoli eine weitere Mütze Schlaf eingeheimst. Ich hingegen – trotz keiner Stunde Schlaf – war ähnlich wie Mathias nach dem Flug einfach wach.


    Ein Vogel der aussieht wie eine Mischung aus Taube und Kakadu ruft auch genauso, während ich hier tippe. Die Bewegung entspricht ein bisl dem Wiedehopf von der Kopfbewegung her. Die Tierwelt. Alleine diese – ist hier so facettenreich, dass allein dies eine separate Abhandlung wert wäre...


    Vorbereitungen und Anreise


    Sonntag Abend sitze ich vor meinem Koffer und stelle fest, dass ein einfacher Reissverschluss und dünner Stoff für einen Dobson vielleicht nicht die sicherste Transportvariante ist. Mit Reisverschlüssen stehe ich letzte Zeit auf Kriegsfuß – bei 4 meiner Jacken sind die mittlerweile hinüber, eine davon erst ein Jahr alt. Völlig irre. Und der flache Frontverschluss des Koffers hat sich kürzlich da eingereiht und der Zipper schließt den Verschluss einfach nicht mehr.


    Super Voraussetzungen, um 12 h Schweissausbrüche genießen zu dürfen, es sei denn, man findet irgendeine Lösung, die einem eine Explosionszeichnung des Kofferinhalts live und in 3D erspart.


    Nun habe ich nur noch Montag Vormittag zur Verfügung, um mich um Kofferbänder zu kümmern. Hat mein Städtchen sowas überhaupt?

    Und warme Einlegesohlen wären auch nicht schlecht... aber vorher muss das Handgepäck noch gepackt werden. Und davor noch, der Hauptspiegel sicher verpackt werden.


    Genau am Abreisetag der ganze Spaß. Die Arbeitswoche vorher ließ nix anderes zu.

    Aber ein Glück, eine knappe Stunde vor Abfahrt meines Zuges nach Berlin hatte mein heimisches Lädchen tatsächlich Kofferbänder! Größe jedoch undefinierbar, ich musste hoffen. Mathias war mir mit dem Ranpfriemeln am Flughafen behilflich. Juhu, zumindest auf die kurze Seite passten sie, ich war nicht unerheblich erleichtert.


    Ein Schwarm einer Art von Kiebitzen fliegt gerade an meinem Fenster vorbei und macht Radau. Der "Taubenkakaduwiedehopf" ruft.


    Ja - Brote schnell geschmiert, Radieschen und Paprika in den Baumwollbeutel geworfen, alles an Gerödel gegriffen und ein fünfminütiger Baustellenslalom führte mich zum Bahnhof, natürlich ohne Lift – das ganze die Treppen hochwuchten – insgesamt ca. 40kg.


    Nanu, ein hühnergroßer alpenstrandläuferartiger Piepmatz tapselt entlang der ockerfarbenen Piste draußen. Könnte genauso gut ein Fisch am Fenster vorbeifliegen, das wäre eine ähnlich logische Kombination.


    Gut, die Anreise verlief bis Frankfurt völlig easy. Die Umsteigezeit in den Flughafenzug war dann etwas knapp, ein schweissperlenbesetzter Mathias kam genau die Sekunde hinter mir in den Eingang des Zuges gehechtet. Cooles Timing!


    Am Flughafen war Zittern angesagt – natürlich hielt ich das Gewicht des Handgepäcks nicht ein. Der Koffer war eine Punktlandung mit 23kg – auf100g genau. Aber Handgepäck locker 12kg vs. 8 erlaubten. Das Personal Item rettete mich vor exorbitantem Handgepäck – hier gab es keine Gewichtsangaben, nur Maße. Also: Okularkoffer mit seinen 4kg und Fernglas waren in einem Beutel dann mein PI.


    Als ich endlich im Flugzeug saß, hatte sich die Spannung mittlerweile gelegt, das Zerfleddern der Blisterfolie um meinen Hauptspiegel konnte ich dem bewaffneten Handgepäckspersonal noch mit Erläuterungen und gutem Zureden ausreden, hat mich aber Nerven gekostet.


    Obwohl deutschsprachig, war den Leuten schwierig beizubringen, was die da vor sich haben.Beim Nachtflug verfolge ich interessiert, wie das Flugzeug auf der Karte vorankommt. Erst werden die Alpen überquert, Korsika nähert sich, dann auf einmal die Küste Afrikas. Wow. Ich überfliege Afrika! Ich BIN in Afrika! In Küstennähe tauchen natürlich die Siedlungen auf, jedoch ungewöhnlich stark begrenzt. Mir fällt spontan ein: wie ausgestochene Kekse. Keine beleuchteten extra Straßen oder Splittersiedlungen wo Licht wäre. Einfach eine Form, dicht. Dahinter: Schwarz. ALLLES Schwarz. Wow. Die aufgehende Sonne schält sich durch die unter uns liegende Wolkendecke. Praktisch zu Sonnenaufgang naht Windhoek – nur noch eine Stunde!

    Beim Einchecken hab ich auf die Sitzplatzwahl nicht richtig geachtet, hatte aber Glück – ich saß genau auf der Seite wo die Sonne aufgeht. Toll!



    Die letzte Woche war anstrengend und ich hatte kaum Raum, Vorfreude zu entwickeln. Entsprechend gespannt war ich selber, wie ich emotional auf der Reise reagieren würde.





    Es kam urplötzlich... als das Flugzeug zur Landung ansetzte und die weite steppenartige Landschaft mit den markanten ungewohnten Hügeln im Fenster sichtbar wurde, die Landebahn auftauchte...Meine Sicht wurde verschwommen und ich musste mich zusammenreißen...es ereilte mich einfach. Damit hatte ich nicht gerechnet. Unter dem Himmel später? Vielleicht bis ziemlich sicher – aber bei der Landung?

    Es war einfach schön. Blauer Himmel, warm, ein aromatischer Duft lag in der Luft als wir die Treppe aus dem Flugzeug stiegen.


    Unfassbar, ich bin in Namibia !


    High-Five mit Mathias, Oliver war schon irgendwo hingeprescht, der alte Fuchs. Wir waren mit Visum in der Tasche eigentlich alle gut vorbereitet, aber es half alles nix, irgendwie haben wir dann doch eine Stunde gebraucht, und waren die allerletzten. Ich war natürlich der einzige, bei dem in den Koffer geguckt wurde nach der erneuten Durchleuchtung. Vor der Durchleuchtung haben wir uns erst durch die Massen gekämpft, die aus Vordränglern und zu unrecht bevorteilten bestand, etwa Typen die extra zur Jagd angereist sind, die die allerletzten in der Schlange waren, dann aber vor allen drankamen, wir vermuteten, damit die ihre Gewehre möglichst schnell vom Flughafen entfernen. Unfassbares Gesocks in meinen Augen. Schon beim Boarding unmögliches Verhalten. Zu dumm Abstand zu halten, dass ständig was von hinten an meinen Rucksack bufft, völlig ohne Not, dafür an anderer Stelle direkt unten an der Rolltreppe erstmal stehen bleiben im Pulk und sich unterhalten -und die nachkommenden von der Rolltreppe haben effektiv keinen Zentimeter übrig und prallen auf diese Deppen.

    Breit grinsend verlassen die beige gekleideten Clowns das Areal und freuten sich, ein paar Tiere töten zu dürfen.


    Schnell weiter im Text, da hatte ich schon deutlich bessere Laune, als ich einer Dame mit dem Ausfüllen des Einreiseformulars half, kurz bevor ich dachte, Mathias und ich könnten jetzt endlich nach eigenem Ausfüllen zum Schalter ziehen. Genau in der Sekunde kam die Dame. Aber: Alles fürs Karma und das gute Wetter und die Jungs!


    Unter den amüsierten Augen vom Flughafenpersonal, einer gab mir einen Daumen nach oben, machte ich ein paar Kniebeugen zur Entspannung nach dem Flug.

    Kurz hinter der Station zur Durchleuchtung des Gepäcks sahen wir Oliver hektisch winkend.


    Ja aber da mussten wir erstmal durch. Vermutlich hatte ich einfach das schönste Teleskop von allen, und die wollten es einfach mal ausgepackt bewundern. Die Dame meinte zu mir, ich solle mal mit dem Koffer um die Ecke – wo ca. 4-5 Jungs warteten, wo ich nichmal wusste, ob ich bei denen jetzt richtig bin zum Check. Die waren zum Glück entspannt drauf und fingen Gespräche zum Thema Schokolade an und wie gesund diese ist. Lustige Truppe.


    Es haben sich mittlerweile einige Opfer angesammelt, beginnend mit einer partiellen Zerstörung der Beschichtung vom Hauptspiegel durch Mister Duschkopfschlauch. Nächxtes Opfer - ich wr der einzhige, bei dem unbedingt noch in den Koffer geguckt werden musste, während alle draußen auf glühenden Kohlen saßen und los wollten. Stattdessen wurde ich in ein wirres Gespräch über die Gesundheitswirkungen von Schokolade verwickelt, während ich den Kofferinhalt vor dem dennoch netten Personal präsentieren musste.


    Nun nahm uns Kirsten von Tivoli super nett und freudig in Empfang, eine Stunde musste sie warten auf uns, vor allem auf mich am Ende.


    Der Weg zur Farm stand nun an. Bald öffnete sich eine weite Straße, gesäumt von Bäumen mit Nestern von Webervögeln, wie ich es bisher nur aus dem Fernsehen kenne. Eine Affenbande flitzte an der Straße lang, einen haben wie später fast mit dem Auto erwischt, blieb laut Video aber unversehrt. Wir steuerten die fast leere und weite Straße entlang, etwas wellig und den Blick in den Weiten Süden alternierend versteckend und freigebend. Links und rechts stets weite, Hügel, Grass. Lange hat es hier nicht so grün ausgesehen, selbst Kirsten zeigte sich begeistert, sonst ist alles einfarbig grau-beige. Hier aber waren die Büsche und Bäume grün und im schönen Kontrast zum Hohen Gras.

    Ich durfte als Newbie des Südens vorn sitzen und unterhielt mich mit Kirsten über die Natur.

    Eine Arte Wiesel flitzte über die Straße, 2 Geier kreisten, ein von mir sehnlich erhofftes Erdhörnchen habe ich verpasst zu sehen, aber Kirsten hat es trotz der Fahrt sofort aus dem Bau heraus guckend entdeckt, genauso wie einige leider zerfahrene Schlangen am Straßenrand.


    Die anderthalb Stunden Fahrt zur Farm waren sehr kurzweilig und ich gar nicht müde. Seltsam. Auf der Farm wähnt ich mich sofort im Paradies. Palmen, wunderschöne ausgebaute Farm mit Liebe zum Detail. Da ich nicht genau trennen kann, was da eher privat gehalten werden sollte, gibts hier jetzt mal diesbezüglich nicht allzuviele Bilder.



    Bin ich wirklich hier? Reinhold fragte mich, wo ich beobachten wolle, an welchem der Plätze, signalisierte aber sofort Verständnis als ich meinte „Ich muss erstmal euer Paradies hier auf mich wirken lassen...“ Und das war es wirklich. Palmen, Üppe, Blüten gefühlt überall, eine wunderschöne hölzerne Essecken-Lodge, wo wir zunächst einmal Platz nahmen. Wie aus dem Katalog.




    20.05./21.05. - Ersterkundungen mit Fernglas und bloßem Auge


    Die erste Nacht war eher so angekündigt, dass Wolken kommen sollten oder bestenfalls durchwachsene Bedingungen wären.



    Zum Abendbrot sah es auch eher wolkig aus. Also alles entspannt. Die erste Nacht müsste ich auch nix unbedingt machen, ordentlich ausschlafen wäre mir auch recht. Immerhin sollte der Mond auch ab 1 Uhr herum aufgehen, dass eh keine volle Nacht drin wäre. Allerdings wäre es ab 19.30 Uhr dunkel zum beobachten. Genau bis zu dieser zeit aßen wir auch entspannt, dann ging es raus aus dem schönen Ess-Areal. Wenige Schritte draußen, blitzte mich durch die Palmen und Bäume dann ein großes silbriges Etwas an. SHIT! Ich beschleunigte meine Schritte um Klarheit zu gewinnen. Tatsächlich – die große Magellansche Wolke! Es war für meine Begriffe glasklar. Ich rief nur irgendwas wie – shit – what the heck- ohmann – sucht euch was aus...Mathias meinte, da wäre noch alles verschmiert und versifft. HÄÄÄ? Ich glaubte dem Namibia-Kenner kein Wort, will der mich veräppeln? Ich brach in Hektik aus. Plan war bei Tisch, erstmal gemütlich allesamt, wir drei, mit den Ferngläsern loszulegen, alles um die Öffnung von 42-50mm. Sollte ja eh nicht sooo der Himmel werden. Dachten wir. Stühle und Liegestühle standen schon an einem der Beobachtungsplätze für uns bereit, wo wir uns dann einfanden. Ich hatte für die erste Nacht ohnehin vor, erstmal nur gucken, was bei den Magellanschen Woken so los ist. Extra anderes Stativ mitgenommen als sonst auf Reisen, das kleinere wäre sonst nur für die Kamera gewesen. So wollte ich gemütlich mit dem Fernglas auf Stativ gucken, meinem 12x42. Und siehe da – die Magellansche Wolke (GMC), die große, passt da gerade gut rein. Was ein interessanter Schmadder. Toll. Ich war glücklich, dass es doch gleich in der ersten Nacht klappte. Es waren verschiedene Verklumpungen zu sehen, auffällig eine X-förmige Struktur etwas an die GMC angelagert, sicher dazugehörig denke ich. Ich wähnte mich einen fetten Kugelhaufen direkt an der GMC zu sehen, da lag ich sowas von falsch und beweist, dass ich schlicht keine Zeit für Vorbereitungen hatte -es handelte sich hier laut Mathias um den Tarantelnebel! Ein übelst helles kondensiertes Dingens, nur bei 12fach im Fernglas für mich noch in Kugelform als ebensolcher Haufen erscheinend. Wir verglichen mit den Ferngläsern mit Austrittspupillen und Gesichtsfeldern und hatten einfach Spaß. Frappierend, was am Südhimmel mit dem Fernglas schon alles geht. Und nicht nur geht...sondern dafür prädestiniert ist! Das kann man sich kaum vorstellen, wenn man vom Nordhimmel herkommt. Es reihen sich so viele Objekte , drängeln sich in direkter Nähe zueinander, dass ein Fernglas ein MUSS ist. Der gesamte Kohlensack passt super in ein Fernglas und teilt sich in diverse Schwaden auf. Mittendrin ein klitzekleiner Sternhaufen, der das ganze noch dekorativer macht. Brutal: der Eta Carinae-Nebel in Kombination mit diversen anderen Sternhaufen im Sehfeld. Überhaupt scheint es Eigenschaft vom Südhimmel zu sein, dass ein Sternhaufen nicht ohne einen weiteren im Sehfeld auskommt, der unbedingt gleich noch einen ganz anderen Charakter haben muss, damits nicht langweilig wird. Sowieso ein Muss- es muss immer eine Dunkelwolke mit im Sehfeld sein, um einen schönen Kontrast zu den Haufen zu bilden. Das scheint hier Gesetz zu sein. Die kleine Magellansche Wolke – leider noch etwas im tatsächlichen Horizontschmadder, aber dennoch interessant mit Tucane Kugelhaufen im Schlepptau.



    Mittlerweile sitze ich mit der Sonne im Gesicht, und tippe gemütlich auf der Farm, während Oliver Photos macht und gerade Vögeln hinterherhechtet. Cool, find ich gut, vielseitig! Auch ich habe das Fernglas neben mir liegen während ich tippe und es rundherum düdelt.


    Ich entdeckte für mich einen Haufen - NGC 3114 - , der mit Krümelmonster betitelt werden muss. Irgendwo in der Nähe/ unterhalb vom Eta-Carinae Nebel. Die Jungs bestätigten das Gesicht und den offen stehenden Mund. Man will ja anscheinend überall Gesichter sehen, aber hier war es wirklich so. Nur dass hier nicht wie am Nordhimmel irgendwelche Sterne die Augen bilden, sondern hier sind es oftmals kleine Sternhaufen! Bestes Beispiel beim Kohensack: Der offene Haufen NGC 4852 bildet dabei zusammen mit dem Stern Mimosa das Augenpaar, während das Schmuckkästchen NGC 4755 die gnubbelige kleine Nase bildet. Der Kohlensack-Dunkelnebel darunter bildet einen riesigen Schmollmund.

    Eine weitere Kombi sah für mich aus wie ein Räupchen, an dessen Ende sich ein leuchtender Kopf in Form eines Sternhaufens befand. Man könnte auch den Vergleich mit „Zini“ ziehen, einer älteren Trickfigur aus Kindertagen, ein großes lustiges Leuchtwürmchen. Der den Kopf bildende Haufen müsste NGC 3766 gewesen sein.


    Die Szenerie. Geil. Was willst da beschreiben, zum Glück wurde die Kamera erfunden und Oliver hat´s Dank Expertise und Equipment besser hinbekommen als ich es aktuell könnte.

    Dennoch – ich flitzte irgendwann schnell zurück in meine Bude um die Kamera zu holen.

    Beim Bücken nach irgendwas rutscht mir meine Brille aus der Brusttasche. Diese war offen gewesen – Klack – mit den Gläsern voran auf die Fliesen... Shit. Erster Blick offenbarte irgendwelche Kratzerchen, ich ignorierte sie erstmal und legte die Brille weg. Spoiler - es stellte sich am Morgen heraus, es war zum Glück nichts Ernstes passiert. Ich bin zurück am Platz mit der Kamera und habe sie montiert. KLACK! Das Geräusch eines fallenden elektronischen Kleingeräts auf Steinboden einer Beobachtungsplattform. Herrschaftszeiten Sakrement und Scheissdreckhimmelarschundzwirn!!!

    Ich wollte doch Zeitraffer machen! Und noch nicht ein einziges Bild geschossen, da fällt die Kamera am ersten Abend herunter. Klaus von den Photographen bestätigte mir dieses Phänomen der ersten Nacht, da fällt alles runter rund geht alles kaputt. Danke an Mathias, der mich davon abhielt, vor dem Abendbrot meinen Hauptspiegel auszupacken... Das gibt’s doch nicht. Wegen dem ungewohnten Stativ habe ich nicht gemerkt, die Kamera nicht richtig geklemmt zu haben. Toll: das Stellrad für den Fokus ließ sich nicht mehr richtig drehen. Ich probierte mit manuellem Fokus und automatischem Hin und Her und war der Meinung, die Sterne werden irgendwie nicht mehr scharf. Einbildung? Wäre noch zu prüfen. Oliver meinte mit Blick auf die Bilder, es würde schon passen und scharf sein, er hat die gleiche Kamera. Ich bin mittlerweile etwas beruhigt, immerhin weiß ich, ich hab definitiv schon unschärfere Bilder gemacht ;-)...


    Hier einfach mal stumpf nach oben mit der Sony RX 100 III, anscheinend alles okay mirt der Schärfe - puh!:





    Ich unterbreche gerade mein Tippen, weil ich einen Vogel sehen wollte, der interessante Geräusche macht und sehe nach ein paar Schritten anderswo eine Eidechse, die ich mit dem Fernglas beäuge. Das erinnert mich an den gestrigen Nachmittag, wo ich vor dem Kaffee mit Mathias eine Runde spazieren ging. Da sahen wir andere kleine Eidechsen, wo ich mir einbildete, dass eine gewunken hatte. Ja, gewunken! Sie kam zurück um es Mathias zu beweisen, blieb stehen, hob ein Ärmchen, hat damit gewunken und zack, ab ins Gras zurück. :)) Natürlich hat diese Bewegung irgendwo ihren Ursprung in dem Schutz vor dem heißen Boden, der soweit ich es beurteilen kann noch nicht so heiß gewesen sein kann. Vielleicht war´s stattdessen Gymnastik um sich aufzuwärmen ;)


    Ein Vogel klingt gerade wie jemand, der lautmalerisch die Zunge rausstreckt: „Bäh!“


    Auf dem nachmittäglichen Spaziergang begegneten wir vor dem Tor der Farm einer recht dicken Spinne, die ich erst für eine Maulwurfsgrillenart hielt. Tatsächlich war es aber eine Spinne, die drauflosbuddelte , als gäb es kein Morgen mehr. Als sie uns wahrnahm, hielt sie inne. Ich gebe zu, so ein bisl Schiss hatte ich schon! Eine kleine Gottesanbeterinnenart haben wir noch gesehen, mit kurzem dicken Leib und diversen Heuschrecken. Einige Ödlandschrecken, die wir auch in Deutschland haben. Sicher nicht genau die Art, aber die Familie allemal, mit bunten Flügelunterseiten, welche dann die Fressfeinde ablenken und irritieren – denn wenn sie auf dem Boden landen, sind sie wieder grau/ braun und faktisch unsichtbar. Manches hat Ähnlichkeit mit Vögeln bei uns – nur bunter und größer. So sehe ich eine Art Star, der aber deutlich blau schimmerte. Eine Art Spatz, der größer ist und markanter gefärbt. Wo war ich?


    Ahja...Deepsky, .. M 6 und M 7 kamen raus wie nie zuvor. Während M 7 in einer Sternwolke sitzt, ist M 6 in einem dunklen Areal . Ich kann mich nicht entsinnen, dass von Deutschland aus die Haufen so eingebettet zu sehen gewesen wären bisher. Zu selten auch eine gute Horizontsicht. Diese Kombi ist in D schon attraktiv, wenns denn mal hochkommt, aber hier durch die Sgternwolken und Dunkelstrunkturen dazwischen ein ganz anderes Level. Absolutes Fernglas-Highlight.


    Omega Centauri. Ich hatte keinen Plan, wo der sein sollte, war auch überhaupt nicht (!) vorbereitet für die Nächte, abgesehen von schnell abfotografierten Seiten des neuen PN-Buchs von Oculum, wortwörtlich 5 Minuten bevor ich zur Bahn musste. Zum Glück hatte ich von diesen PN immerhin eine kleine Liste zusammengestellt, mit Ausrufezeichen und Seitenzahl hinter dem jeweiligen Objekt, um eben noch schnell die Daten zusammenzufotografieren damit ich die Objekte finde.


    Ja. Omega Centauri. Hatte ich noch von La Palma schon sehr schön und eindrücklich in Erinnerung. Aber nach mittlerweile 11 Jahren was dies zurückliegt, bist du nicht drauf vorbereitet, wenn Du das Ding einstellst... Mathias beschrieb es treffend, im Fernglas sieht das Teil schon so groß aus wie M 13 bei niedriger Vergrößerung im 8“ Dobson... Brutal. Schon mit bloßem Auge nicht einfach sichtbar – sondern HELL und auffällig. Centaurus A war im Fernglas natürlich auch bereits sichtbar, etwas länglich, aber ohne Dunkelstruktur. Hab mich allerdings nicht drauf versteift, vielleicht ginge das sogar wenn man es richtig drauf anlegt, keine Ahnung.


    Eines der ersten Bilder, wo der Südhimmel m.E. super rüberkommt, es glitzert und funkelt in allen möglichen Farben:



    Wir starteten mit relativ wenig Kleidung und zumindest ich musste nach einiger Zeit etwas nachrüsten. Es war allerdings so gut wie windstill im Gegensatz zum Tage, sodass es insgesamt mit trotz über 0 Grad am Ende schon angenehm war.


    Irgendwann nach 1 Uhr ging der Mond auf und es war Zeit fürs Bettchen. Frühstück ist regelmäßig die Tage 11 Uhr. So lässt´s sich aushalten! Wo ich diesen Absatz tippe, ist die erste Nacht und der erste Tag schon 24 h alt und ich merke wie mir die Details ein wenig entschwinden – gute Entscheidung also, den Laptop mitzunehmen um alles schnellstmöglich festzuhalten. Müdigkeit ist auch nicht eben förderlich für die Gedächtnisleistung. Ich sehe es zudem an den vielen Tippfehlern, die ich zu gerne auf den neuen Laptop schieben würde ;)

    Jetzt hocke ich wieder im Bettchen und wärme mich beim Tippen auf, es ist heute tags wieder recht frisch abseits der Sonne – während man in der Sonne sich vielleicht zu sicher wähnt und mancher Sternfreund gerade oberkörperfrei in der Mittagssonne hockt. Ich weiiiiiß nicht – ich probiere das lieber nicht aus, tiefer Sonnenstand hin oder her. Zu hause bräunte ich mich auf dem Balkon bereits etwas vor, bin aber lieber noch vorsichtig und schaue mal. Verbrennen kann ich mich am Ende immer noch, das muss nicht zu Urlaubsanfang sein.


    Die Nacht war kurz – ca. 6 Uhr war ich wieder wach, aber recht ausgeruht. Perfekt getimed, um den Sonnenaufgang über den Gräsern zu erhaschen und festzuhalten. Leider hat sich aber eine Wolkenfront breitgemacht, welche die zaghaften Sonnenstrahlen abwürgte. Also doch wieder reingegangen und getippt – das war vor 24 Stunden. Zum gestrigen Frühstück war aber wieder alles freigezogen und wir waren uns alle einige, die Nacht würde krass.



    21.05./22.05. - Der Dobson bekommt sein erstes Licht südlich des Äquators.



    Letztes Bild der Reihe - Panorama vom Nachmittag:


    Mein Plan war, alles +/- von der Vornacht im Dobson nachzuempfinden. 16.30 Uhr ist immer Kaffee und Kuchen, 18.30 Uhr Abendbrot, 19.30 Uhr ruft die Milchstraße. Alles eng getaktet! Nach dem Frühstück hatte ich mich gestern noch mal 1,5h hingelegt und habe wirklich geschlafen. Vor dem Frühstück Dobson im Zimmer aufgebaut...Zeit ist kostbar. Das will man nicht erst nach dem Abendbrot machen.

    Generell hatte ich noch ein paar Kleinarbeiten nachzuschrauben, wo ich mir erst einen Schra-bendreher ausleihen musste und meine Anti-Astigmatismus Linsen für die Okulare wollten auch noch in die Augenmuscheln geklebt werden. Aus Sicherheitsgründen nicht schon vor dem Transport gemacht sondern erst vor Ort.


    Kurzum: alles hat geklappt und kurz vor 20 Uhr bewegte sich ein riesiger. Riesiger. Rieeeeesiger Sternenball in das Sehfeld meines 25mm Okulars, welches mir Dank der arretierten Anti-Asti-Linse ohne Brille ein kompaktes durchgehend scharfes Sternenmeer präsentierte wo man sich fragt – ist das computergeneriert? Wer hat mir das Dia in den Auszug geschoben? Dieser Anblick ist mit keinem Photo vergleichbar. Man liest ja immer davon, wie M 13 dagegen abstinkt. Und man kann den Unterschied wirklich kaum beschreiben. Man kann M 13 hier getrost als Fliegenschiss bezeichnen, um mal Mathias´ Worte zu klauen.

    Tatsächlich sieht man in Omega Centauri einen Art Gesicht, am unteren Ende wie einen gebogenen Mund und ein paar Augen. Kommt bei großer AP so meinte ich gestern, am besten.


    Primärobjekt letzte Nacht war zu Beginn der Nacht jedoch die Magellansche Wolke, weil die da am höchsten steht und bald absinkt. Im Dobson habe ich es mir direkt gleich abgeschminkt, da in der Kürze beim ersten Anblick irgendwas zu notieren oder akribisch festzuhalten. Einfach Eindrücke wirken lassen, drübersurfen, hier und da eine andere Vergrößerung ausprobieren.


    Hier mein erstes Bild der beiden Wolken... eingebettet in Airglow, dennoch visuell sehr eindrucksvolle Kulisse:






    Es ist ein wortwörtliches Silbertablett. Die Objektdichte ist naturgemäß krass, weil man ja eine ganze Galaxie vor sich hat, auf einem engen Raum von vielleicht so 5 Grad. Krass. Hauptobjekt war natürlich der Tarantelnebel. Was für ein faszinierendes Objekt. Diese geschwungenen hellen Tentakeln! Gleichzeitig im Sehfeld bei niedriger Vergrößerung mit dem 25mm Okular ist noch ein Sternhaufen zu sehen und diverse andere Schwaden, Strukturen, Sterne, die ich gar nicht beschreiben kann sondern zumindest einmal skizzieren muss. Mal sehen, wie ich dies schaffe die kommenden Nächte.


    Erstmal Genussbeobachten, den Himmel kennenlernen. Dies alles, während ein Zeitraffer läuft, der auf mich und meinen Beobachtungsplatz gerichtet ist. Ich suche derzeit noch nach einer guten Perspektive, aber eigentlich kann man überall hinhalten, die Milchstraße ist nahezu allgegenwärtig und dreht sich früher oder später ins Sehfeld. Aber wie! Was will man da schreiben, dafür gibt’s ja Bilder...



    Weiter ging es profan erscheinend mit ein paar Sternhaufen. In Deutschland würde man da meistens gähnen, sofern man nicht gerade ein expliziter Liebhaber dieser Objekte ist. Hier am Südhimmel gibt es aber wie selbstverständlich viele Exemplare, die auf engstem Raum fast schon plejadenhelle Mitlieder haben, die in UNTERSCHIEDLICHEN FARBEN LEUCHTEN !. Das muss man echt mal in Fettdruck hinschreiben. Abartig. Ich kannte es ansatzweise von La Palma am Beispiel des sogenannten Baby-Skorpion am Ende des Stachels vom Skorpion, einen Bereich den Mathias als „False Comet“ kennt bzw. beschreibt. Bevor ich diesen Haufen noch einmal mit Dobson besuchte, probierte ich mich an einem kleinen Häufchen, ohne zu wissen was es ist, einfach um den Pfad des Fernglases der Vornacht nachzuspüren. Insofern ist keine Planung genial. Man bewahrt sich Überraschungsmomente. Und nun steuere ich auf diesen kleinen Haufen zu und es wird sofort klar, um was es sich handeln musste – das Schmuckkästchen. Wie schön kann ein Haufen sein? Allerdings irrte ich, es handelte sich hier um NGC 3293, dem "Gem-Gluster"! Dieses Objekt ist in diesem Moment für mich der Inbegriff einer völlig neuen Welt des Sternenhimmels. Ein Himmel, der nichts aber auch gar nichts mit grau zu tun hat. Deepsky und grau? Hier nicht könnte man meinen. Hier sind die Mistkäfer und die Stare grün, mich würde es nicht wundern, wenn die Galaxien hier auch grün wären.

    Der Tarantelnebel war leider nicht grün, das wäre noch brutal gewesen. Wo wir bei großen Nebeln sind, wird Kennern klar was jetzt kommt. Eta Carinae. Schon im Fernglas ein wunderschönes Ziel.

    Mit OIII Filter nochmal deutlich kräftiger zu sehen aber insgesamt gefällt mir der Anblick ohne Filter glaube ich besser, weil einfach mehr Sterne zu sehen sind.

    Garniert wird das Teil in der Mitte von einem orangen unscharfen Stern. Wenn man den Stern vergrößert, um so 200fach rum, denkt man vollends man ist auf einem andren Planeten. Eine orangene Schleife! Von dem Homununkulus-Nebel hatte ich natürlich schon gehört und Zeichnungen gesehen, aber sorry an die – durchaus excellenten – Zeichner, auf diesen Anblick war ich nicht vorbereitet. Das kann man vermutlich gar nicht richtig wiedergeben, ich werde es aber einmal selbst versuchen in einer der kommenden Nächte.


    Ich spazierte zwischendurch mal zur Ecke von Oliver und Mathias und stellte meine Kamera mit frischer Batterie an eine andere Stelle zwecks Zeitraffer. Meldung der Kamera: „No Card!“. Hä??? Ausgeschalten, eingeschalten, gleiche Meldung erneut. Blick in das Kartenfach der Kamera: tatsächlich – keine Karte! Aber ich hatte doch eben noch Aufnahmen gemacht?! Es gab nur eine Lösung – denn ein Uwe Glahn der gerne Scherze treibt war nicht zugegen: ich muss die Karte aus Versehen beim Batteriewechsel verloren haben. Ich war aber entspannt. Die konnte eigentlich nur auf dem Tisch legen, auf dem ich den Batteriewechsel vorgenommen hatte, und so war es auch. Mechanisch/motorisch ist´s mir völlig unklar wie das passieren konnte – aber merke, wir sind hier in einer anderen Welt, hier muss man wohl mit allem rechnen. Olli ist auch so ein Scherzkeks, bombt einfach meinen Zeitraffer und setzt sich die Magellansche Wolke als Mütze auf. Erstaunlich viele Sternschnuppen, auch helle, warfen diese Nacht zu sehen wie ich vorgreifend schonmal schreiben kann, die Nacht ist ja noch nicht um. Ein weiterer Sternhaufen mit mehren roten und gelben Sternen warteten auf halber Strecke zwischen Baby-Skorpion NGC 6231 und Schmuckkästchen (NGC 4755), und das nahe dem Eta-Carinae-Nebel gelegene Häufchen NGC 3293,. Den dreisten Drei. Ich gebe zu, hier bin ich irgendwie durcheinandergekommen -gab es etwa noch einen dichten Haufen mit bunten Sternen? Der Baby-Skorpion scheint mir gerade zu weit weg...

    Ganz erstaunlich auch ein tiefroter Stern direkt bei dem linken Stern (Mimosa) des Kreuz des Südens. Der Spike meines Dobsons geht bis zu dem Sternchen, hochinteressanter schöner Anblick. Spoileralarm... man warte auf den letzten Teil des Berichts ;) M22 kommt ganz ungewohnt brillant daher, als hätte man den noch nie gesehen. Zwei Kugelhaufen rechts der Teekanne schwimmen im brillanten Sternenmeer – das hat nix mit Nebligkeit aufgrund der Milchstraße zu tun, sondern hier kann man getrost von einem silbrigen Sternenmeer reden, wo die Kugelhaufen drin herumschwimmen. Trifidnebel einfach stark. Lagunennebel hat mich komischerweise wohl in Anbetracht zu hoher Erwartungen enttäuscht. Ungefähr genauso seltsam, wie dass ich M 24 am heimischen Himmel im Fernglas besser fand als hier in Namibia. Manches bleibt unerklärlich. Im Dobson jedoch sieht das wieder anders aus, da zeigt M24 innerhalb seiner großen Wolke den innenwohnenden NGC superschön, hab ich so noch nie gesehen.


    Ich murxte mir gegen Ende der Nacht einen an der Südhimmel-Paradegalaxie ESO 510-13 ab, da ich mir diese Galaxie viiiiel zu groß vorgestellt und in Erinnerung hatte. Denn ich habe diese schon einmal in einem Bergeinschnitt vom Alpenrand aus gesehen. Dachte ich zumindest. Nach diesem Anblick bekomme ich Zweifel, was ich da gesehen habe. Denn hier war diese Galaxie zwar deutlich, aber viel kleiner als ich in Erinnerung hatte. Vom Staubband für mich leider keine Spur. Mathias meinte tatsächlich, eine Art durchgehende Linie zu sehen, auch Oliver beschrieb Details, wo ich dachte – die beiden sind entweder Außerirdische oder ich habe ne ganz schlechte persönliche Nacht erwischt. Ich hatte auch versäumt, mir ein Sandwich mitgeben zu lassen , welches man sich beim Abendbrot bestellen kann. So hatte ich nun Hunger und war auf dem absteigenden Ast. Vielleicht war dies der Grund? Ich sah nur einen länglichen Schmadder mit einem Sternchen unten dran. Da muss ich nochmal ran. Wir beobachteten gemeinsam noch einen Dunkelnebel mit Olivers 14“er, die Schlange, Barnard 72, und einen weiteren kleinen Dunkelnebel der die kleine Maus darstellen könnte, welche die Schlange jagt. Zwar eher dezent denn allzu einfach im Vergleich zu Bildern aber: Nett! Tintenklecks B86 auch genial, für mich am schönsten mit 25mm Okular. Ich dachte, wo kommt da denn diese Lichtglocke her... bis ich feststellte – der Mond! Eigentlich wollte ich es Oliver und Mathias gleich tun und ins Bett, aber die angeleuchtete Landschaft unter der Milchstraße wollte ich noch festhalten...

    Es ist 14 Uhr herum, Ich werde nach einer Stunde tippen schon gut müde... gute Nacht bis zum nächsten Absatz...


    Nun sitze ich wieder in der Sonne vor dem anstehenden Kaffeegedeck, während der Graulärmvogel (so heißt dieser laut Reinhold, unserem Herbergspapa) mich „anbäht“ von oben aus der Zierpalme. Ich lege kurz den Kopf zurück und genieße die 15 Uhr-Sonne im Gesicht. Trotz dem Tiefstand von im Moment ca. 25 Grad durchdringt die Sonne die Haut. Der Himmel ist wunderbar blau. Das liebe Personal richtet gerade alles her für die Urlauber, damit sie ihren Kaffee genießen können. Abends geben sie uns ihrer Landessprache eine Kostprobe ihrer schönen alten Sprache, die ich nur aus dem Fernsehen kenne – mit Klicklauten. Ich schätze das letzte mal haben sie den Springbock gewürdigt, dass er sein Leben für uns geopfert hat – so stelle ich mir dies vor- ähnlich den Indianern oder Aboriginis soweit ich weiß, weil diese sich noch bewusst sind, dass sie ein Leben nehmen, damit sie selbst überleben und dies zu schätzen wissen und dem anderen Leben respektvoll dafür danken. So fröhlich die Ansprache auch war, ich denke, dies könnte gut einer der Inhalte gewesen sein. Es weiß wohl niemand so genau - nicht einmal Reinhold, der hier aufgewachsen ist, versteht die Sprache richtig wurde mir gesagt.


    Letzte Nacht war ich gegen halb 4 im Bett und 8 Uhr wieder wach. Schlafen funktioniert hier anscheinend nur nach dem Prinzip, zwischendurch Powernap, sonst tot. So geschehen nach dem Frühstück, von 13-14 Uhr getippt, dann bis halb 3 Powernap. Dementsprechend durcheinander wird und ist hier auch der Bericht, aber so kann ich mich besser erinnern und vielleicht wirkt es auch authentischer, wenn ich genauso schreibe, wie es mir in den Sinn kommt und einfällt.

    In diesem Sinne eine kurze Nachreichung der Bedingungen letzter Nacht: absolut wolkenlos, morgens bis Minus 3 herunter, SQM lag je nach Quelle bei 21m8 oder gar über 22. Morgens war die Milchstraße einfach quer über dem Kopf, von einer Seite des Himmels zur anderen – und einfach nur am Funkeln. Morgens wurde es etwas feucht, bis ca. 75% herum, sodass teils die Okulare beschlugen, mir jedenfalls, mit den müden Augen, was immer verstärkt für Beschlag sorgt bei mir. Aber egal, es war einfach wunderbar. Ich bin noch etwas in der Gewöhnungsphase und bin froh, dass der Urlaub nach 2 Nächten noch 12 weitere Gelegenheiten bieten wird, sodass keinerlei Hektik nötig ist. EIIINFach traumhaft und entspannend.


    Hervorzuheben ist für mich auch noch der Wiederbesuch von Palomar 9 seit Jahren, wo ich ihn das erste mal auf dem Wendelstein in toller Brillanz gesehen habe. Hier nun, schlägt der Wiederbesuch natürlich alles. Ein irreguläres Gnubbelchen nahe einem hellen Stern mit mehreren Kondensierungen. Was für ein ungewöhnlicher Kugelhaufen! Und nun – gibt’s einen Haufen Kuchen!


    Am Morgen nach der Nacht stieg der Mond gegen 2 Uhr empor und erleuchtete die Gräser und Palmen. Also leider doch noch nicht ins Bett, sondern Stimmungen festhalten.



        




    Gegen halb vier ging es dann ins Bett, der Dobson blieb aufgebaut am Platz, lediglich Kleinzeug und Okularkoffer gingen zurück ins Zimmer. Schlafenszeit.




    22./23.05.25 - Südliche Superthins und Kugelhaufen in wirren Formen


    Der Tag vor der Nacht ist schnell beschrieben: Schlafen, essen, schlafen. Neues tierisches Element war eine riesige Heuschrecke, welche unser Domizil umlagerte. Man könnte meinen, diese sei eine Figur aus Metall, jedoch bewegte sie sich.


    Dann ging alles ganz schnell. Den Dobson hatte ich zum Schutz vor Staub etc. nach dem Frühstück bereits in unsere Unterkunft getragen. Vor dem Abendbrot ging er wieder zurück an den Platz. Einfach unten an den Höhenrädern greifen und der Turm geht auf Wanderschaft.

    Ich muss gestehen, die 10kg fühlten sich deutlich mehr an, der Rücken ist von viel Gesitze und Schlafmangel bereits gebeutelt. Aber sicher ist sicher, vielleicht sehe ich das in ein paar Tagen anders und der Dobs bleibt einfach am Platz stehen die letzte Woche.


    Ich hatte mir am Vortag von Reinhold einen Schraubendreher ausgeliehen, blöderweise hab ich vergessen den zum Abendbrot mitzubringen. Irgendwo im Gelände am Abend, wo die Milchstraße frohlockte, hallte mein Name über die von Teleskopen gespickte Graslandschaft. Mathias rief. Später wurde mir klar, tatsächlich fiel mein Name, an meinem Platz angekommen war klar: der Kreuzschlitz wurde gesucht. Verflixt! Gerade jetzt, wo ich mich in die Nacht und südlichen Superthins stürzen wollte und zeit knapp war. Also wieder zurück in unsere Unterkunft, Werkzeug geholt und Reinhold gesucht. Mir gelang es ohne irgendwo in einer Kuppel ausfindig zu machen, Sherlock Holmes wäre stolz auf mich.

    Nun konnte es viertel nach 8 endlich losgehen. Ich nutzte meine Vorbereitung von vor gut 8 Jahren, wo ich einen Vortrag über Superthins hielt und dabei einen Exkurs und Ausblick für entsprechende Südhimmel-Exemplare hielt. Diese griff ich nun selber auf und hatte gleich ein Beobachtungsprogramm. Tags checkte ich grob, welche tatsächlich zu sehen wären und wann am besten. Schonmal in Skysafari gesucht, damit sie in der Suchliste gespeichert werden und ich bei Bedarf zum Auffinden nur noch die Timeline aufrufen musste. Fertig der Plan!


    Die Dinger waren überwiegend schwieriger als gedacht, eine fand ich gar nicht, die beste war PGC 22338, welche dekorativ in der Nähe eines hellen Doppelsternchens oder scheinbaren Doppelsternchens lag. Schönes langes Teil mit ein paar Vordergrundsternchen, welche es erschwerten, die exakte Form und Lage des Kernbereichs festzumachen. Ein schönes Exemplar! Erstaunlich einfach zu sehen, während sie auf dem DSS-Bildchen vergleichsweise dezent durchzeichnet.


    Mathias und Oliver fanden die Galaxie auch toll – ich rief sie herbei, weil mir das schon irgendwo klar war :)

    Unsere Plätze lagen ca. 200 m voneinander entfernt. Zusammen beobachten ist auch mal toll, aber für das konzentrierte Arbeiten ist´s zumindest für mich durchaus besser, wenn man sein eigenen Eckchen hat. Denn ich trutschel schon so genug rum, Ablenkungen kosten da wertvolle Südhimmel-Zeit. Zum Glück haben Oliver und Mathias bereits so viel Südhimmel intus in den letzten Jahren, dass ich meinerseits jedoch immer kommen kann und offene Augen und Ohren bekomme – danke Männer! :) So macht´s Spaß. Denn das muss man hervorheben, die beiden sind akribische Beobachter - da mal eben was unterbrechen ist eigentlich Käse, aber die Jungs sind cool drauf.



    PGC 21338, welche auf prominenten Photos von "Gottes Hand" verschluckt zu werden droht, war nicht ganz einfach, weder im 12,5mm noch 8mm-Okular. Das Sternfeld stört die klare Erkennung der Form, wie Oliver nachvollziehbar mutmaßte, wirkte jedoch irgendwie unregelmäßig geformt und eher breit als dünn. An "Gottes Hand" war laut Oliver mit 12" nicht zu denken, er hatte es bereits bei sehr guten Bedingungen mit größerer Öffnung probiert. Also hab ich mir die Zeit mal gespart mir da die Augen zu verleiern. Eigentlich untypisch fürmich ;)


    Die PGC 28909...(IC 2531) lag mir besonders am Herzen zu probieren, zeigt sie auf Bildern doch ein prominentes Staubband. Ich machte mir zwar keinen Hoffnungen, dieses sichten zu können, allerdings durchaus auf eine recht deutliche lange Spindel. Pustekuchen! Eher schwierig offenbarte sie sich im Vergleich zu dem was ich erwartete. Ein nur zarter Hauch, gar nicht mal so dünn und schmal vom Eindruck her. Funfact- erst hinterher fiel mir ein, dass ich die bereits in den Alpen gemacht hatte, dort in meiner Erinnerung vergleichsweise einfach zu sehen gewesen.


    Bei PGC 47847...war heut´ nichts zu machen. Sehr schade. Allerdings muss man sagen, die Bedingungen waren nicht perfekt. Es war mit ca. 50% Feuchte so gesehen schlechter als was ich aus den Bergen gewöhnt bin, zum Morgen hin waren es sogar 95% Feuchte. Ich meinte es auch an der Milchstraße zu sehen, wobei man sagen muss, für 95% Feuchte sah das noch sehr sehr gut aus. Würde ich mit dem Eindruck in den Bergen bei 50% Feuchte gleichsetzen. Aber das nur ganz grob im Apfel-/ Birne-Style beschrieben. In der Vornacht knallte die Milchstraße nochmal anders fand ich.


    Ich unterbreche das Tippen für eine wichtige Sondermeldung: Ich blicke auf den Boden und sehe eine seltsam flauschige, blaugraue Wanze über den Boden krabbeln. WOW! –  ist die cool!

    Ich riskiere es gerade etwas Sonne zu tanken und habe eine Fluse aus dem Bauchnabel geschnipst (ja, ich habe gestern geduscht). Irgendwie sind die Dinger nach wenigen Stunden wieder da;) Nun gucke ich näher auf die vermeintliche Wanze: nein man, das ist ein AMEISE, die meine Fluse über die schönen roten Gehwegsteine zottelt!


    Weiter mit Deepsky. Die Superthins nahmen mich schon etwas in Anspruch und irgendwann war mal Zeit für was helles Schönes. Mathias empfahl mir den Bug-Nebula und den Spiral-PN NGC 5189 ...letzteren beobachten wir drei dann zusammen an meinem Teleskop, ein wirklich cooles Objekt, welches man hoch vergrößern kann. Selbst mit Filter und 300fach noch sehr gut zu beobachten. Mit OIII-Filter kam der „Brezel“-Effekt am besten raus, da die schwachen Teile besser sichtbar wurden. Richtig Nice! So ein irregulärer PN ist was Feines. Spektakulär und sehr ungewöhnlich. Etwas vergleichbar mit dem Fötusnebel N GC7009 (?). Der Bugnebel ist brüllend hell und zeigt coole Strukturen, für eine Zeichnung hatte ich aber keine Ambitionen, ich wollte erstmal grundsätzlich Durchsatz haben und gezeichnet wurde mir das Ding auch schon oft genug von anderen.


    Zwischendurch guckte ich immer wieder mit dem bereit liegenden Fernglas in die südliche Milchstraße, und erfreute mich am Gesamteindruck der Objekte. Bisher habe ich mir nichts richtig zu den Objekten notiert, aber langsam geht es in die strukturiertere Phase, man will ja was Nachhaltiges mitnehmen.

    Auf jeden Fall hatte ich den Cheerio-PN auf dem Plan. Überraschend einfach fast! Es zeigte sich ein deutlicher Ring ohne Filter. Ntürlich wollt eich die Sterne darin sehen und verzichtete daher auf einen Filtereinsatz. Es zeigten sich 2 Sterne an den Rändern sowie einer in der Mitte, unten eine längliche Aufhellung des Rings. Die beiden Namibia-Veteranen wähnten eine Linie mittendurch, also eine Sternkette. Ich musste da passen.


    Was sich abseits von jeder Planung mal anbot, war einfach mal eine Seite aus dem Atlas zu nehmen und strukturiert abzuarbeiten. So wählte ich die Seite mit dem Sternbild Skorpion/

    südliche Krone und nahm mir mal alle darauf befindlichen Kugelhaufen vor. Es stellte sich als eine ausgezeichnete Idee heraus, die Vielfalt der Haufen dort ist unfassbar:...


    • NGC 6441 - "Silver-Nugget": cool! an orangenem Stern. Laum aufzulösen mit 12,5mm, daher auf 8mm verzichtet.
    • NGC 6380: schwierig, wenn man Kugelhaufen erwartet. Dicht an Stern schwacher silbriger Fleck - Beobachtung mit 170x. Interessant!
    • NGC 6388: konisch spitzes kondensiertes Zentrum, kaum Einzelsterne erkennbar
    • NGC 6541: ein Raubtier-/ Löwengesicht! Zwei Sterne stechen wie Augen heraus. Allgemeine Form wie eine Löwenmähne wirkend. In allen Vergrößerungen nett an- bzw. aufgelöst, schönes Umfeld. Mathias und Oliver können die Gestalt leider nicht so recht nachempfinden
    • NGC 6496: faszinierend: länglich, silbrig wirkend wegen Sternreihe im Vordergrund. Keine Einzelsterne. Nicht als Kugelhaufen erkennbar, eher wie eine irreguläre Galaxie wirkend. Form wie Zipfelmütze. 170x.
    • NGC 6352: recht locker und mittelhell
    • NGC 6584: ungewöhnlicher Kugelhaufen! Ein aus dem Haufen herausragender Sporn! +/-pyramidal wirkend.
    • NGC 6397: ebenso ungewöhnlich! Riesig, sehr locker, innen dichter, wie Spinnennetz mit Spinne. Mit 90fach am besten.


    Das war eine richtig geniale überraschende, ganz wunderbare Kugelhaufenrunde! Ich war begeistert.


    Während alledem lief meine kleine Kamera, welche eine Timelapse aufnahm, wo ich alle 2 h ungefähr mal nach einem Batteriewechsel schauen musste. Für Powerbanks sah ich bisher nicht die Notwendigkeit, mit Timelapse fange ich ja gerade erst bisl an. Dank Oliver lege ich mir aber eine zu sowie ich zu Hause bin.



    Die Palmen rauschen und wogen. Die Sonne blitzt durch die länglichen Blätter, die Vögel zwitschern hier und da. Zwitschern ist nicht ganz korrekt, eher verhaltenes zeitweiliges Piepsen und Rufen. Keine Ahnung, was hier im namibischen Frühling los sein muss, wenn die Balzzeit allgegenwärtig ist... So ist es ein ruhiges entspanntes Minikonzert. Einfach entspannend, so seine Eindrücke niederzuschreiben.


    In der Nacht ging keinerlei Wind, sehr angenehm. Es waren dann Minus 2 Grad, was ich nicht gedacht hätte – jedoch hatte ich mich im Laufe der Nacht auf Skihose und lange Winterjacke umgerüstet. Handschuhe waren so gut wie gar nicht notwendig, was vor allem mit der Abwesenheit des Windes zu tun gehabt haben dürfte.


    Ich tippe so entspannt, gucke währenddessen n der Gegend herum, so produziere ich natürlich unfassbar viele Tippfehler aber die Mehrarbeit ist mir egal. Zu entspannend ist das, auf diese Weise zu tippen. Hauptsache, ich kann es später bei der Korrektur entziffern. Klappt erstaunlich gut, Schreibkurs vor, ohgott, 30 Jahren sei dank. Warum bin ich auf einmal so alt? Oliver meinte gestern mit verweis auf einen supernetten Italiener der kürzlich in einer Truppe angekommen ist, "hey, schaut mal, der Alessandro ist 72 Jahre alt und sieht aus wie wir Alter!"

    Und verdammt, er hat – fast- recht. Die italienische Lebensfreuede und positive Energie hält ganz offenbar jung, da kann man sich als Deutscher ne ganze Salami von abschneiden.


    Vorhin war ich nach dem Frühstück im Souvenir-Raum von Tivoli. Verflixt, da gibt’s leider viel zu viel was ich gern mitnehmen würde. Allem voran ein gebastelter Wiedehopf, einem meiner Lieblingsvögel, der offenbar hier auch zugegen ist? Ich höre die Tage schon immer etwas so ähnlich rufen, konnte aber noch nichts entdecken außer einer Taube, die bisl wie ein Wiedehopf klingt.


    Ja deepsky – Kugelhaufen... Mathias meinte zum Morgen hin, ich solle mal Tucane 47 machen. Aber die kleine Magellansche Wolke wo er dranhing hockte zu dem Zeitpunkt im Siff bzw. wie sich herausstellte später, im Airglow... 2.30 Uhr allerdings nahm ich mal mein Fernglas und hielt auf die Ecke mit der SMC. Verdammt, ist Tucane hell. Also doch mal mit Dobson drauf hoch genug stand sie ja allemal. Wow. Was für ein Teil. Das Sehfeld vom 17mm Okular ist gut ausgefüllt, mit nur etwas übrigem Rand von je Seite einem Drittel Durchmesser vielleicht. Das Zentrum! Was ist denn DA los? GELB-OrANGE ??? :exploding_head: Und irgendwie wirkte das Zentrum 3D-mäßig , irgendwie flächig. Da muss ich nochmal genauer draufhalten die kommenden Nächte. Trotz niedriger AP hatte ich mit meinem Asti ein scharfes Bild dank der aufliegenden vor kurzem beim Optiker besorgten maßgeschneiderten Korrekturlinse. So kann ich ohne Brille das volle Sehfeld bequem genießen. Das richtige Hindrehen der Linse ist kein Problem, an den Kanten sind Markierungen gesetzt und damit ich es im Dunkeln sehe, reicht die bewusst gesetzte Position des fixierenden Powertapes an diesen Positionen, was ich im Dunklen gut sehen kann.


    Eine tolle, ergiebige Nacht! Gegen 3.15 Uhr kam der Mond und setzte ihr ein Ende.


    Heute bin ich recht fit und kann gegen 14 Uhr entspannt tippen, es kommt Rhythmus rein, der Schlafmangel ist etwas eingedämmt. Nachher wird ein Powernap vor dem Abendessen reichen. Mathias wird in einer Stunde aus dem Domizil stürmen um sich die Beine zu vertreten, ich hoffe ich schaffe es dieses mal mitzukommen. Als versierter Namibia-Reisender weiß er längst worauf es ankommt und um die straffe Zeitplanung. Bewegung und gewisse Zeitplanung ist wichtig, um alles unter einen Hut zu bekommen und die zeit über hinreichend fit zu bleiben fürs Beobachten.

    Gerade ein paar Showpieces vom Südhimmel im WLAN recherchiert – die meisten Kollegen hier scheinen zu schlafen und das Netz nicht zu malträtieren.

    Und so isses gerade soweit – 14.40 Uhr – Mathias kommt bald rausgestürmt und ich werd mich mal wieder dranhängen, um was von der Umgebung zu sehen. Muss ich nur mal gucken, wie ich meinen soeben festgestellten Sonnenbrand am unteren Hals schütze... Aller Vorsicht zum trotz, irgendwo erwischt´s einen dann doch, wo man meinte, da muss keine Sonnencreme hin...


    Der Spaziergang war sehr wohltuend nach dem ganzen Gesitze, immer das Fernglas an der Seite baumelnd. Einmal um die halbe eingezäunte Farm, da waren wir schon 1,5h unterwegs. Zu sehen gab es an Erdhörnchen, welches sich den Schwanz putzte. Wortwörtlich in einem Augenschlag ist es weg und wieder da, das bekommt man gar nicht mit, wenn es sich einen Kaffeee holt. Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob es auch ein Fernglas hielte, das war putzig. Nur nich auf uns gerichtet sondern in die Landschaft. Desweiteren gab´s eine Falkenart zu sehen, im Prinzip weiß mit ein bisl rot um die Augen und pinken Füßen. Ich denke das entspricht so unserem Turmfalken, der recht häufig bei uns zu hause ist. Mit Cafe und Kuchen war dann leider nix mehr. Ich bin zwar nicht so der Kuchentyp, aber das stärkt einen zwischendurch dann doch, so dass das ein willkomenes Ritual auf der Farm ist. Danach gings fix – Dobson wieder zum Platz tragen (Bild) und das wunderbare Abendessen genießen. Jeden Tags gibt’s etwas anderes bisher, immer wirklich sehr sehr gut, der Nachtisch ist da keine Ausnahme und eine ausgewogene Mischung aus lecker, und bisl frisch und nicht so pappsüß.


    23.05./24.05. - Katastrophennacht und erste Zeichnung


    Erstmal wie gewohnt, vor dem Abendbrot den Dobson wieder zum Plätzchen bringen...



    ...und die Abendstimmung genießen:



    ...und ja - die Farben sind genauuuu so! :)




    Die Nacht.


    Kann man kurz zusammenfassen mit: Zeichnung von Fleischerhakengalaxie NGC 2442, danach über weite Strecken eine ziemliche Katastrophe: Meine Zusatzlinsen fielen auf einmal doch von den Okularen, das beidseitige Montagetape bzw. meine Technik wie ich es verwendet habe, waren nicht hinreichend, so vielen die Dinger entweder direkt gleich auf den steinigen Boden oder wurden zwischen Mathias´ Atlas und dem rauhen Metalltisch gequetscht. Die Austarierung fiel mir sehr schwer, das Fernglas baumelte mit seinem 1kg hinten dran, wenn das ES Okular von einem guten Kilogramm im Auszug steckte, aber selbst dies reichte natürlich nicht in den niedrigeren Höhen. Also machte der Dobson den Strauß, zum Glück mit der Isomattenblende voran auf den Boden, sodass da nix passiert ist. Sowie ich das Ferngals mal brauchte, hing es hinten am Dobson... Es kam Frust auf, es wollte nichts so richtig klappen, zum Aufsuchen war ich irgendwie auch nicht in der Lage, das Sternfeld irritierte mich ständig, ich stellte mich irgendwie an. Und irgendwie zusätzlich noch dämlich ganz tief nen Fingernagel eingerissen. Mimimi ;) Ich lieh mir vorhin Mathias´ Atlas aus und just wo ich endlich was nachschlagen wollte, brauchte er diesen wieder. Auf seine Frage ob ich ihn gerade noch brauchte, log ich für mich untypischerweise, weil die Nacht eh schon irgendwie zerhunzt war und ich nicht noch Mathias da reinziehn wollt.




    Dennoch hat die Nacht ja ca. 8 Stunden, da ging natürlich bisl was, was mir gerade mit den Notizen dann auch klar wurde...Im Ersten Teil der Nacht verbrachte ich ca. 2 h am Fleischerhaken, also an der Zeichnung ne ;) Das vorstehende Bild zeigt mich in Aktion am Fleischerhaken.






    Der obere Teil der Galaxie wirkte nach "oben-rechts" flächig-zerwuschelt, der bogige obere Anteil kam nur phasenweise zum Vorschein. Das untere Drittel des Arms war einfach, der Rest erst mit einiger Zeit sichtbaar, sich fast bis zum sternchen erstreckend. Allerdings im Feld vom Winkel her in Relation zum Stern falsch erwischt, warum auch immer. Bleibt so in der Zeichnung :) Unterer Spiralarmansatz deutlich heller. Insgesamt im Vergleich zum DSS erstaunlich schwächlich daherkommend.

    Anmerkung: der Gradient in der Zeichnung war mir jetzt wurst, ich wollte fertig werden ;)


    Die Pavo-Galaxie zeigte einiges an Struktur, aber nicht so dass ich etwas Greifbares sagen konnte. Der Kugelhaufen in Ara ist nett: NGC 6362. Zu M 83 nahe dem Zenit notiere ich "cool, viele Spiralwindungen, bisl wirr". Ich erfreue mich zudem an europäisch erreichbren Objekten wie den beiden Kugelhaufen an der Tülle vom Teapot., M 8 und M 20 mit/ ohne Filter und dem Tintenklecks B86. Das Häufchen NGC 6520 nahe dem Tintenklecks wirkte auf mich wie eine Eule, welche in ihr Loch fliegt. Hey man, ich glaube ich vertrete hier René inpunkto Assoziationen gar nicht so schlecht ;)


    Tucane 47 am Morgenhimmel genoss ich ausgiebig - großartig! Der Haufen ist am besten mit 25mm Brennweite für mich, sonst sprengt er das Sehfeld bzw. wäre mit 17mm zu eng gefasst. Der Propellernebel in der kleinen Magellanschen Wolke ist außergewöhnlich, sieht wie eine Spiral-Galaxie aus.

    Der Himmel ist so gut, dass ich extra nochmal in die Unterkunft gehe, um meine Brille zu holen - für das pure Glotzen mit bloßem Auge in die Milchstraße. Zur Entspannung machte ich ein paar Rumpfbeuge, beim jeweiligen Hochkommen mit Blick in die untergehende südliche Milchstraße, welche sich senkrecht an den Palmen entlangschob.

    M 104 nahm ich aufs Korn, enttäuschte mich aber aus unerfindlichen Gründen - kannte ich besser von La Palma. Vielleicht airglow?


    Hervorzuheben ist auf jeden Fall noch eine Beobachtung vom Eta-Carina-Nebel-Komplex durch Mathias´8x42 mit Nebelfiltern. Notiz hierzu: "Geil."


    Irgendwann surfte ich dann eher mit dem eigenen Fernglas ein bisl rum, der Dobson war in den Schlafmodus versetzt für die letzten Minuten oder Stunden (?) der Nacht., um M6 und 7, m4 und M8/M20 - Gerade letzteres Duo in brutal-fantastischer Hell-Dunkel-Kulisse durch die Sterrnwolken. So machte ich zum Morgen hin meinen Frieden mit der Nacht.


    untere Schicht ist Airglow, welches immer weiter aufstieg...


    Kleinigkeiten/ Lücken/ Objektbezeichnungen ergänze ich hier noch, bevor mir die Kiste abstürzt... und Abfahrt :)



    to be continued...

  • Toller Bericht, schön zu lesen ... in der Hoffnung auf mehr!

    Erinnerungen kommen hoch ... vielen Dank dafür ! ;)


    Gruß

    Peter

    Teleskop:        Celestron C8 Edge HD mit Celestron Finder Scope für's visuelle, ein Origin für die Bilder

    Montierung:   Celestron AVX auf Eigenbau-Säule für das C8

    Kamera:          Nikon D5300a mit Samyang 135mm f/2

    Behausung:    Pulsar 2m Dome

  • Ach Norman..., was für ein toller erster Teil. Sehr lebendig geschrieben, macht echt freude das zu lesen. Für mich war es sehr spannend dich als Südhimmel- Neuling zu erleben. Legendär wie du die ersten Nächte erstmal langweilige Striche bzw. Superthins hinterhergehechtet bist anstatt die Perlen des Südhimmels zu erleben. ^^


    Ich war ja dieses mal nur mit 8x42 Fernglas und meinem Stativ angereist. Am ende ging mein plan komplett auf, man kann mit dem kleinen Fernglas eine Menge schöne und ungewöhnliche Motive festhalten. Auch mein Plan war es, nebenbei bei euren Teleskop durchzuschauen. Ich war ja stationär bei Olivers Platz ( mein gewohnter Platz wenn ich mit dem 14 Zoll angereist war). Mit Norman war ich die ganze Nacht über Buschfunk nur 200m weiter weg verbunden. Das verlief meistens so : ein brüllen in die Nacht "Norman - was guckst du ?" War die Antwort irgend ein schönes Objekt, lief ich zügig zu ihm und schaute durch sein 12er Dobson. Danke Norman das du das ohne zickerei mitgemacht hast. Ohne diese Anblicke hätte mir doch was gefehlt.


    Klasse Zeichnung vom Fleischerhaken. Du hast den Eindruck perfekt wiedergegeben wie ich ihn in deinem 12 Zöller auch gesehen habe. Den einen Spiralarm hast du sogar länger gesehen wie ich im 14er, was wohl auch der wirklichkeit entspricht. Ich hatte wohl zu wenig vergrößert damals.


    Freue mich auf die anderen Teile, da könnte ihr euch auf einiges gefasst machen Leute.


    Liebe Grüße

    Mathias

  • Hallo Norman,

    superklasse, toll geschrieben ! Ich habe Deinen Bericht "verschlungen" und freue mich schon auf "Teil 2".


    CS, Jochen

  • Moin Norman,



    wo andere ein Buch draus machen, das ist für Norman ein üblicher Beobachtungsbericht. Immer wieder Wahnsinn deine Ausdauer beim Schreiben.

    Vielen Dank dafür, gewohnt kurzweilig und sehr gut zu lesen. Auch ich freue mich auf den nächsten Teil.


    CS, Michael

  • Lieben Dank Jörg, Peter, Andreas, Peter, Mathias, Thomas, Jochen und Michael! Freut mich:-)


    Ja Andreas, so ungefähr jede Woche einen weiteren Teil wird wohl der Rhythmus werden, ggf. auch etwas länger. In die Zeichnungen wird nämlich eine Menge Nacharbeit fließen müssen, so "huschhusch" wie bei der Fleischerhaken-Galaxie, speziell die Sterndarstellung betreffend, soll es da nicht werden. Bei einigen der kommenden Objekten wird die wichtig :)


    Jo Mathias, Special thanks natürlich an dich:-) Denke auch,haben wir super hinbekommen mit dem gegenseitigen Durchgucken:-)

    Ja die superthins waren unausweichliches Programm;-) Kann nur empfehlen,dass die mal gegoogelt oder in wikisky eingegeben werden, tolle Teile. Vielleicht ergänze ich noch DSS Bildchen, mal sehen.


    Freu mich selbst auf den/die folgenden Bericht(e), das zieht den Urlaub gefühlt noch etwas in die Länge:-)


    Den ersten wollte ich unbedingt noch am WE raushauen, bevor die Arbeit beginnt...


    Schöne Grüße

    Norman

  • Hallo Norman,


    vorab ein kurzer Rückblick auf November 2018, ich antworte auf einen Kommentar von dir zu meinem Südafrika-Bericht:


    " ... aber irgendwann wirst du [diese Superthin] sicher selber sehen; jemand, der mit soviel Herzblut bei unserem Hobby dabei ist, kommt früher oder später nicht um den Südhimmel herum ..."

    Und deine Antwort: " ... klar, der Südhimmel ist mit Sicherheit irgendwann dran. Ist ja nicht so, dass ich mich dagegen wehren würde ;)"


    Und jetzt war es soweit, gratuliere :). Ein wieder sehr lebendiger & informativer Bericht, und wie gewohnt mit viel buntem Drumherum 8) :thumbup: .

    Ich freu mich schon auf die nächsten Teile ! Da kommt natürlich noch viel Arbeit auf dich zu, ich hatte meinen Südafrika-Bericht damals erst nach gut zwei Monaten fertig.


    Ja, wir kennen Objekte wie die Sternhaufen M6, M7 oder NGC 6520 & Tintenklecks B86 von Zuhause nur in horizontnaher Position, und auch da kommen sie oft schon gut rüber, aber in Zenitnähe ist das freilich nochmal ganz was Anderes ! Den hellen & kompakten Haufen NGC 3293 (bei Eta Carinae) finde ich auch ganz famos.

    Und zum Kugelhaufen 47 Tuc ...


    ... Verdammt, ist Tucane hell. Also doch mal mit Dobson drauf hoch genug stand sie ja allemal. Wow. Was für ein Teil. Das Sehfeld vom 17mm Okular ist gut ausgefüllt, mit nur etwas übrigem Rand von je Seite einem Drittel Durchmesser vielleicht. Das Zentrum! Was ist denn DA los? GELB-OrANGE ??? :exploding_head: Und irgendwie wirkte das Zentrum 3D-mäßig , irgendwie flächig.

    ... gebe ich gern nochmal Haley das Wort: ' ... Für den Fünfling (2. Nacht): "Dort prangt ein obszön gleißender, tiefst aufgelöster 47 Tuc. Der dicht gepackte Kern erscheint in mattem gelb." Und dann für den 20-Zöller (12. Nacht): "Ein letztes Mal gehen wir zum 47 Tuc und ergötzen uns an dem bombastischen Sternreichtum. Das Ding ist so ungeheuer hell und terafeist, man kann den Blick einfach nicht abwenden." Oder hier: "47 Tuc erschlägt einen wieder mal fast. Natürlich tiefst aufgelöst, Kern mattgelb, geil!" '


    Servus

    Ben

  • Servus Ben,

    Danke dir sehr! Cool welchen Bezug du wieder herzauberst:-)


    Oha, 2 Monate Nachbereitung... Ja wenn ich meine Zeichnungen so sehe könnt ich das auch problemlos so strecken ;)


    Ja deshalb hatte ich den Laptop dabei, das half schon enorm. Mehr als Hälfte vom Text steht auf diese Weise schon. Und alleine beim Rückflugtag beim Warten auf den Flieger 2 h einfach Fehler im Text bereinigt, pure stumpfe Arbeit, wo die Zeit direkt dafür genutzt werden konnte. Diese 2 h muss man im Alltag auch erstmal frei machen...

    Tatsächlich ist so ein Bericht schon enorm aufwändig. Trotz aller Vorarbeit hab ich gestern 7 h gesessen...


    Mal sehen wie lange es mit der Nachbereitung der Zeichnungen dauert, das wird der entscheidende Zeitfaktor sein, der bei diesem Bericht hier noch überschaubar war... Zwei Wochen wird am realistischsten sein für die jeweiligen nächsten Teile :)

    Zum Glück ist gerade schlechtes Wetter und noch anderthalb Tage frei ;)

    Allerdings meint der Körper derzeit, Schlaf aus den letzten 2 Wochen nachholen zu müssen 😁


    Schöne Grüße und CS

    Norman

  • Hi Norman,


    Vielen Dank für Deinen Wahnsinns-Bericht im Joyce'schen Stream of conciousness Style !!! :thumbup::thumbup::thumbup:  8| Bereitet mich exzellent vor auf mein First Light in Namibia, ich hoffe 2026, spätestens 2027... tolle Foto- und Nebenbei-Detail-Eindrücke auch, wow !


    Ja, sicher anstrengend das alles einzutippen, aber später ist man froh die Eindrücke alle aufgesammelt zu haben. Beim eigenen lesen erlebt man es richtig wieder... Fotos helfen auch, aber erst der eigene Text macht die ganze Stimmung von ehedem wieder wach. Finde ich immer wieder eindrucksvoll...


    Also: Super + Gratulation zu diesem tollen Erlebnis am grandiosen, dunklen Südhimmel !!! :thumbup:


    Lg, Peter

  • Hallo Norman,


    dass du einiges zum Thema Müdigkeit und Powernap schreibst ...

    Letzte Nacht war ich gegen halb 4 im Bett und 8 Uhr wieder wach. Schlafen funktioniert hier anscheinend nur nach dem Prinzip, zwischendurch Powernap, sonst tot. So geschehen nach dem Frühstück, von 13-14 Uhr getippt, dann bis halb 3 Powernap.

    ... der Schlafmangel ist etwas eingedämmt. Nachher wird ein Powernap vor dem Abendessen reichen. ...

    Allerdings meint der Körper derzeit, Schlaf aus den letzten 2 Wochen nachholen zu müssen 😁

    ... ist ja ein gutes Zeichen, dann hattet ihr viel klaren Himmel ^^8).


    In Südafrika hatten wir damals auch fast durchgehend klare Nächte, so eine "Schönwetter-Katastrophe" ist schon echt anstrengend ;). Wenn das am ITT der Fall war, hab ich auch schonmal eine halbe Nacht verzichtet, aber in Südafrika war die Beobachtungszeit halt besonders kostbar. Ich grab dazu nochmal zwei Powernap-Stories von Haley und mir aus:


    Haley (9. Nacht): 'Dann kommt eine unerwartet große Schlafpause. Eigentlich wollte ich Gabi ins Bett schaffen und den Kameraakku holen. Der ist aber noch nicht geladen. Die Idee, das Ladeende auf dem Sofa im Zimmer abzuwarten endet mit einer mehrstündigen Schlafung, nach dessen Ende die Lust auf weiteres Spechteln nahe dem Nullpunkt abgesunken ist. Schlaftrunken wanke ich auf das Beobachtungsgelände, Ben ist immer noch fleißig am Eierchen suchen ...'


    Bei mir: ' ... ich habe mich gleichfalls auf abendliche Schlafpausen verlegt; zumal in der zweiten Woche auch der Mond abends immer mehr ins Geschäft kam: Einmal wohl gut zwei Stunden in den Sessel gelümmelt am warmen Kamin, und den Abend darauf dasselbe ohne warmes Feuer. Da wurde es irgendwann kalt, und ich bin aufs Bett gekrochen; durchaus im halbwachen Bewusstsein, dass das "gefährlich" sein könnte - vielleicht schlaf ich ja durch, und verpasse die Nacht. Halb zwölf wurde ich wach, und sah mich inneren Widerständen gegenüber: "So schön im warmen Zimmer, und jetzt hinaus in die Kälte ?" Ich konnte mich aber zum Glück aufraffen, und draußen erwartete mich der gleiche tolle Sternenhimmel, den wir in der zweiten Woche fast durchgehend hatten. Das fasziniert mich immer aufs neue, und schon auf dem Weg durch das "Stargate" zum Spechtelplatz kehrte meine Energie zurück. Der Schlaf hatte gut getan, und so habe ich die ganze zweite Hälfte dieser tollen 10. Nacht intensiv am Fernrohr beobachtet, vor allem Galaxien in Eridanus und Fornax.'


    Servus

    Ben

  • Hi Peter,

    Lieben Dank:-)

    Absolut, mit Schreiben prägt sich das alles nochmal ein und wird wieder wach später. Genau deshalb mach ich das auch so.


    Aber wer ist Joyce?:-)

    Wenn du es nicht eilig hast, empfehle ich eher 2027, da hat sich das Airglow vielleicht schon etwas beruhigt. Sofern man das mit der Sonnenaktivität so korrelieren darf, keine Ahnung. Das kann bei Horizont Objekten jedenfalls schon stören. Gefühlt jede zweite Nacht war das der Fall. Ist aber nicht dramatisch am Anfang, wo eh alles neu ist :)


    Schöne Grüße und CS

    Norman

  • Hi Norman,


    Dann 2027 also !? Mal sehen... ;) Kämst Du wieder mit !? :D Aber der Gedanke ist natürlich fair, wenn die Sonnenaktivität dann mal wieder etwas runtergeht. Airglow sieht man halt erst so richtig am dunklen Himmel. Guter Punkt.


    Na der James J. !

    Stream of consciousness - Wikipedia


    Das mit dem SoC mach ich ja auch ein bisschen so in meinen (oft epischen) Reports, aber spätestens JETZT nach diesem Namibia-Bericht bist eindeutig DU der SchlAnzBerSchrei*...


    Lg, Peter


    * Schlimmster Anzunehmender Berichte Schreiber

    (der seinen Lesern alles, aber auch alles 'zumutet' **;) :D )

    ** was natürlich positiv gemeint ist ! :thumbup:

  • Hi Peter,

    ah, na das triffts ja :)


    "SchlAnzBerSchrei" ... Lol ^^

    Ich bin ja fast erschüttert, dass du den Titel freiwillig mir überlässt ;)


    Weiss noch nicht wann es wieder runtergeht, aber es juckt schon ziemlich, das ganze halbwegs zeitnah mit meinem 82mm Bino zu wiederholen...


    LG

    Norman

  • Wow Norman,


    hast Du es endlich realisiert! Welch eine Überraschung heute beim Öffnen des Astrotreffs! Das freut mich, das freut mich wirklich sehr!

    Der Bericht - nun, wie man es erwarten würde bei einem Norman und bei so einem Novum. Brillant!


    Vieles kann ich fast physisch nachvollziehen und der Witz ist, ich packe gerade den Koffer (naja, schmeiss immer was rein, was mir durch den Kopf geht) für einen Südhimmel Astrourlaub, wie bei mir gewohnt, nach Südafrika zu Hottie - in einer Woche geht es los. Ich war jetzt fast 6 Jahre lang nicht mehr da und ich kann Dir versichern: es lässt einen nicht mehr los. 2018 sollte es eigentlich auch ein "ein mal ...sehen, und dann sterben" Erlebnis werden und da steh ich nun und hau wieder einen guten Teil des Ersparten auf den Tresen.


    Interessant, daß Du Deinem Dobson gar ein Fernflug zutraust und das mit Standard Fluggepäckbedingungen (klingt nach Lufthansa?) organisiert bekommen hast. Aber auch das ist eigentlich "ein Norman".


    Vielen Dank für Deinen tiefsinnigen, lebendigen, akribischen Bericht und Bilder. Ich werde das Ganze vermutlich viel unsystematischer und frei-nach-Schnauze machen - den Aufenthalt meine ich und Beobachtungen, mir fehlt da Deine Organisation, muss ich eingestehen. Aber - wird eh schön.


    Was ich Dir ankündigen kann, ob Deiner Anfangszeilen. Es werden Dich wirre/abstrakt abgefälschte Träume immer wieder verfolgen. So geht es zumindest mir, speziell nach dem ersten Aufenthalt. Es prägt einen tiefer und langfristiger als man denkt.


    Ich freu mich auf die nächsten Berichtsteile, obgleich ich das vermutlich erst nach meiner eigenen Reise lesen werde.


    CS,

    Walter

  • Vielen Dank für deine lieben Zeilen Walter, freut mich meinerseits sehr :)


    Ja, was ein Reisedobson ist, muss auch auf Reisen gehen, ganz einfach :) Mittlerweile bin ich da auch einigermaßen schmerzfrei. Soviel wie ich da selber dran rumgebastelt habe, weiß ich, dass ich das allermeiste alleine repariert bekommen würde. Ja, Discover ist irgendwie eine Lufthansa-Tochter.


    In Sachen Vorbereitung zu viel der Blumen ;) Ich bin ganz stumpf hin. Ich wusste nur grob was ich sehen wollte und der Rest war einfach eine Entdeckungsreise. Mit zu viel Vorbereitung nimmt man sich auch den Entdeckerspirit finde ich. Wenn man schon öfter da war, wird man natürlich strukturierter agieren, um die Zeit gut zu nutzen. Aber anfangs, wo vieles neu ist, gibt es einfach genug zu entdecken und zu genießen, ohne Leerlauf. Daher bin ich das Thema Vorbereitung sehr blauäugig angegangen und bin super damit gefahren ;)


    Eben, nur einmal hinfliegen wird man vermutlich eh nicht. Sich von vornherein so einzuschränken wäre vermutlich nicht empfehlenswert, damit macht man sich zu viel Stress, irgendwas zu verpassen. Den hab ich mir überhaupt nicht gemacht.


    Ich wünsch dir angenehme Vorbeireitungen - toll ,dass es bald wieder losgeht bei Dir und freue mich meinerseits schon, da wieder was von zu lesen wenn du magst :)


    Beste Grüße und CS

    Norman

  • Hi,Norman

    Nun hab ich all deine drei Namibia Traumreise Teile grob durchgeschaut 8) :love: Danke fürs Mitnehmen und mitfühlen

    zwei Bilder_zwei fragen Bild 15 Teil 1 Mond geht hinter savannenbau auf- was ist der helle Lichtpunkt nebst Baum rechts ?

    Bild xy Magellansche Wolken über Palmen -davon rechts weiter oben der helle flächige Lichtpunkt? Beides jupiter oder Venus ?

    Wieviel Gepäck ist erlaubt maximal pro Person pro Flug ? würde ein 5 " Apo mitbringen wollen ~8,5 kg + 2 kg zubehör +Laptop=1 Koffer

    ein anderer Youtuber(Mitgestalter einer Astrofarm )meinte minimum 2700 -3000 € ; Extra Ausflüge per Sporttflugzeug ,Tier - Safari , Landschaft erkunden freilich extra kosten

    Ich sag mal ~1500 +/- 200 € Kontinental Flüge und dann nur 10 Tage dableiben 8| ? ned sehr effizient :S

    Gruss Marc

  • Hallo Marc,

    Bild xy Magellansche Wolken über Palmen -davon rechts weiter oben der helle flächige Lichtpunkt? Beides jupiter oder Venus ?

    Das ist Canopus, der mit -0,7 mag zweithellste Stern des Himmels. Ja, der erinnert schon an einen helleren Planeten.

    Auf 33 ° N in Arizona konnten wir ihn bereits erkennen, auf dem Bild das horizontnahe Sternchen tief unter dem Großen Hund :



    Servus

    Ben

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!