Hallo Sternfreunde,
bei der Durchsicht der bisherigen ODM – Objekte ist mir aufgefallen, daß in dem flächenmäßig recht umfangreichen Sternbild des großen Bären (bzw. große Bärin) erst vier Objekte im Laufe der Jahre ausgewählt wurden. Dort tummeln sich ja Unmengen an Galaxien, die zur Beobachtung im Winter einladen. Ausgesucht habe ich die Galaxie NGC 3079, die mit ihren eng nebenstehenden Galaxien NGC 3073 und PGC 28990 zusammen sehr unterschiedliche Herausforderungen an den Beobachter stellen.
Herkunft des folgenden Bildes: Bildausschnitt aus WikiSky.org
Aufsuchen:
Die Galaxiengruppe findet man laut SkySafari bei den Koordinaten RA 10h 02m und Dek. +55 Grad 41 Min. Das Aufsuchen gelingt auch unter Zuhilfenahme der benachbarten hellen Sterne Ypsilon Ursae Majoris (29 Uma) und Phi Ursae Majoris (30 Uma) im westlichen Teil des Sternbilds. Von Erstgenanntem fährt man etwa 2/3 der Strecke zu Letztgenanntem ab und von dort lediglich ca. 10 Minuten in östlicher Richtung.
Herkunft des folgenden Bildes: Bildausschnitt aus Wikimedia mit GNU – Lizenz für freie Dokumentation als Aufsuchhilfe:
Objektbeschreibung:
NGC 3079 wurde von Wilhelm Herschel am 01.04.1790 entdeckt. Es handelt sich um eine Balkenspirale, die aus unserer Sicht mit über 80 Grad stark geneigt erscheint. Man kann sie noch als der Milchstraße relativ benachbart bezeichnen, da sie sich in „nur“ 54 Mio. Lichtjahren Entfernung befindet. Sie erscheint unter einem Winkel von 8,2 x 1,3 Bogenminuten, woraus sich ein etwaiger Durchmesser von 128.000 Lichtjahren ergibt.
Wie auch M 87 beherbergt sie in ihrem Inneren ein supermassereiches schwarzes Loch. Wie auch bei M 87 werden hier große Mengen an Gas mit enormer Energie in den umgebenden Raum befördert. Es ist eine aktive Starburst Galaxie mit vielen Sternentstehungsregionen in den Spiralarmen. Die Typ-Ic-Supernova SN 2001ci wurde hier beobachtet.
Die beiden kleineren Begleitgalaxien sind zum einen NGC 3073, eine elliptische Zwerggalaxie mit einem aktiven Kern, die sich mit einer runden Form zeigt. Zum anderen PGC 28990, eine Spiralgalaxie mit leicht elongierter Form. Beide erscheinen optisch wesentlich schwächer und dürften im Gegensatz zu NGC 3079 keine Details offenbaren.
Bezüglich der visuellen Helligkeit findet man zu NGC 3079 10,6 Mag, zu NGC 3073 13,5 Mag und zu PGC 28990 14,8 Mag. Laut Deep-Sky-Atlas sollte sich die Hauptgalaxie bereits im 4 – Zöller zeigen, während für NGC 3073 mindestens 8 Zoll Öffnung angegeben werden. Die PGC – Galaxie wird Öffnungen über 12 Zoll zur Sichtung erfordern.
Mögliche Aufgaben:
Ab welcher Öffnung und unter welchen Bedingungen zeigen sich die Galaxien?
Können die Sternfreunde mit größeren Geräten Details in der Hauptgalaxie ausmachen? Laut BAfK läßt sich beispielsweise im 12 – Zöller die asymmetrische Form mit der Ausbuchtung des Galaxienkerns in östlicher Richtung erkennen. Außerdem sollen sich mit noch größerer Öffnung ein zentrales Staubband bzw. verschiedene HII – Regionen lokalisieren lassen.
Wer die Gruppe fotografieren möchte, kann auch mit größerer Brennweite von beispielsweise 1200 mm alle drei Objekte auf einem Chip mit 13 mm Durchmesser bequem unterbringen.
Hoffen wir, daß die aktuelle Hochdruckwetterlage uns einen klaren Himmel beschert. Viel Spaß beim Beobachten und Fotografieren!
Viele Grüße und CS
Heinz