Planetarischer Nebel / Kugelsternhaufen gesucht

  • Liebe Sternenfreunde,

    im Februar werde ich mit ein paar Freunden ein Wochenende in ländlicher Umgebung in Ostdeutschland verbringen. Ich werde mein Teleskop mitnehmen, weil sie sich gewünscht haben "auch mal was zu sehen". Also ein outreach Projekt, sozusagen.


    Ich plane, neben den dann noch sichtbaren Planeten, eine kleine "Choreographie", die sich entlang des Lebens eines Sternes orientiert:

    "Sternenfabrik" M42 -> Sternenhaufen mit jungen Sternen M42 -> Galaxie M31 -> ja, und dann wären ein Planetarischer Nebel als Schlusspunkt und/oder ein Kugelsternhaufen noch gut.


    Laut Stellarium sind die Klassiker, M57, M27, M13, dann nicht gut zu sehen, zumindest nicht zu Zeiten, zu denen "normale Menschen" (= nicht mit Astrovirus infiziert) einer Abendbeschäftigung nachgehen. Ich denke so an eine Planetenrunde kurz nach Sonnenuntergang bzw. zu Beginn der astronomischen Dunkelheit und dann noch DSO, sofern überhaupt möglich, gegen 22 Uhr.

    Hat vielleicht jemand einen Tipp?


    Die Rahmenbedingungen:

    100/400 Newton

    Laut Stellarium Bortle 2, was ich nicht ganz glauben mag. Auf der Light Pollution Map scheint der Ort so ungefähr bei SQM 21 mag/arcsec2 zu sein, was mir leider nicht allzu viel sagt.

    Leider wird der Mond schon zu ca. 2/3 voll sein, was auch schon die geplanten Objekte etwas schwierig machen wird.


    Einfache Auffindbarkeit spielt weniger eine Rolle. Damit meine Freunde nicht immer ewig warten müssen, bis ich etwas gefunden habe, werde ich bei dieser Gelegenheit mit dem GoTo der Skywatcher AZ Gti "schummeln".

    Aber es wäre halt schön, wenn man zumindest einen verwischten Nebelfleck deutlich sehen könnte.

    Im Idealfall gehen sie dann irgendwann schlafen und ich kann schon mal ein wenig für mich das Star Hopping üben, vielleicht an den beiden offenen Sternenhaufen in Cassiopeia, die mir jetzt am Wochenende Schwierigkeiten bereitet haben.


    Für Tipps wäre ich sehr dankbar.

    Viele Grüße

    Christian

    Neuer Benutzername; vorher "Yorick"

    "In den Sternbildern kommt derart viel poetische Kraft und Phantasie zum Vorschein, dass einem dies fast wieder den Glauben an das Schöne und Gute des Menschen zurückgibt."

    (Raoul Schrott: "Atlas der Sternenbilder und Schöpfungsmythen der Menschheit"; 2024)

  • Hallo Christian,

    hast du etwas Beobachtungsliteratur? Für solche Fälle sind Einsteiger Bücher sehr hilfreich, wo die hellsten Objekte gelistet sind. Dann einfach eine kleine drehbare Sternkarte schnappen und schon kann man sich jederzeit einen Überblick verschaffen was so geht zu einem bestimmten Zeitpunkt.


    Ansonsten auf die Schnelle:


    Eskimo Nebula - Wikipedia
    en.m.wikipedia.org


    Messier 79 - Wikipedia
    en.m.wikipedia.org


    Der PN ist sehr hell, verträgt richtig viel Vergrößerung, nimm alles an Vergrößerung mit was geht.


    Der Kugelhaufen ist leider recht schwach,aber soweit mir einfällt der einzige der im Winter am Abend vernünftig geht...(M 15 ist im Februar nicht mehr wirklich drin). Bei Mond ist M79...nunja: Nicht der Brüller bis schwierig in 4".


    Weiche lieber auf offene Sternhaufen aus.

    Bortle 2 kannst tatsächlich vergessen;-)


    Schöne Grüße

    Norman

  • Hallo Norman,

    vielen Dank für die schnelle Antwort. Der Eskimonebel klingt in jedem Fall schon mal sehr interessant.

    Ich hatte tatsächlich als erstes im Deep Sky Reiseatlas nachgesehen, aber alle PN, die dort am Anfang, bei der Darstellung der verschiedenen DSO aufgelistet waren, schienen nicht geeignet.

    Und irgendwie schien mir das leicht orientierunglose Blättern zwischen den Sternbildern nicht so zielführend. Aber vielleicht gehört das einfach auch dazu ;)

    Und, klar, wenn meine Freunde nach diesen ersten Objekten noch Lust haben, habe ich auch noch ein paar Sternhaufen in Planung, Collinder 69 hat es mir ja angetan, auch M35 hab ich schon auf dem Schirm.

    Vielen Dank.
    Christian

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  • Gerne!

    Ich habe noch ein nettes älteres Buch mit einer Tabelle zwischen all dem Text und Bildern, mit den besten Objekten nach Kategorie und Koordinaten.

    Das hat mir am Anfang enorm geholfen. Tatsächlich sind die heutigen Bücher anders aufgebaut und didaktisch nicht unbedingt so gut wie manch ältere.

    Mal so mein Eindruck, kann auch täuschen:-)


    Schöne Grüße

    Norman

  • Hallo Chrisrian,


    So wie du los legst, wie wäre es mit Abell 30 oder Abell 31 leicht zu finden im Krebs. Dann können deine Leute mal sehen, was richtig Deeeèep Sky ist 8o < ---- kleiner Scherz, die Dinger sind nur was für Deep Sky Extremisten mit OIII- Filter unter wirklich gutem Himmel.


    O.k. etwas ensthafter:

    Eulennebel M97 leicht zu finden vom rechten unteren Kastenstern des Großen Wagens mit Galaxie M108 gleich nebenan.

    Oder den Eskimonebel NGC 2392: Sehr hell, aber auch sehr klein, wird bei kleiner Vergrößerung als Stern übersehen.

    Oder den Krebsnebel M1, kein Planetary, sondern Supernovaüberrest quasi das plötzliche gewaltsame Ende eines Sternendaseins.


    21 mag/arcsec^2 ist ca. Bortle 4, ordentlicher Landhimmel, Wintermilchstraße deutlich sichtbar, aber noch nicht wild zerklüftet. Das gilt jedoch nur bei ohne Mond und gutem klaren Himmel.

  • Im Februar steht doch h+x ganz gut am Himmel, der Orionnebel solte zwar schon tiefstehend, aber doch noch sichtbar sein

    Ja, der Orionnebel steht ja schon fest auf dem Programm. Wie gesagt, ein paar offene Sternenhaufen habe ich auch auf dem Schirm, wobei ich an h+x gar nicht gedacht habe, danke.

    Ich habe vor allem nach Planetarischen Nebeln gesucht, um den Freunden auch das Ende eines Sterns zeigen zu können. Der Eskimonebel, den Norman vorschlägt, scheint ganz gut geeignet zu sein.

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  • Hi,


    Zum Thema Helligkeit des Himmels in mag/sq.arcsec lies:

    eyes4skies - article


    Hier (m)ein bisschen Brainstorm zu Objekten:


    Wie Stathis schon sagte wäre auf jeden Fall M1 in Tau zu empfehlen. Ein Supernova Überrest (SNR) einer SN aus dem Jahr 1054, also auch das 'Ende eines Sterns'.

    eyes4skies - report

    Du wirst nicht viel mehr sehen als ein Wölkchen. Dennoch, das Bewusstsein, was man hier sieht ist (wie auch sonst sehr oft) das entscheidende. Die Strahlung von M1 ist AUCH keine Linienstrahlung, sondern kontinuierlich (sog. Synchrotronstrahlung, kontinuierliches Spektrum). Filter helfen also auch hier (wie M42) wieder nix.


    Ausserdem zu M1 (SNR) dazu noch die interessante Story erzählen, dass derzeit von Beteigeuze = alpha Ori erwartet wird, dass er 'bald' in einer Supernova explodiert...! (Und dann später sowas wie den M1 Nebel erzeugt evtl.).

    Beteigeuze – Wikipedia
    de.m.wikipedia.org


    Als HII Gebiet (Sternentstehung) wäre noch Ngc281 PacMan Nebel in Cas anzuraten.

    eyes4skies - report


    Sternhaufen: M67 und diese Story hier dazu :

    eyes4skies - report


    Eine Interessante Geschichte ist auch die Auflösung offener Sternhaufen (Hyaden in Tau), siehe insbesondere dieser helle Cas Stern:

    eyes4skies - report

    oder dieser in Gem:

    eyes4skies - report


    Man könnte auch den Polarstern der Erde zeigen (Polaris, nur zufällig an dieser Stelle zur Zeit, Präzession dreht ihn in ein paar 1000Jahren weg...) und dann die Stelle am Himmel zeigen wo der 'Polarstern der Galaxis' ist ungefähr, im Sternbild Coma, guxtu hier:

    eyes4skies - Astro / BeobachtungsReports


    Man könnte auch einen hellen Asteroiden suchen, schau wie man die in CdC findet, ein bisschen Background hier: (Text war ausgelegt auf 2023 allerdings):

    eyes4skies - articles

    Aktuell hellste:

    Bright asteroids | astro.vanbuitenen.nl


    Für Dich selber solltest auch unbedingt M51 in UMa / CVn versuchen. Sie ist unter den Gx eine der am besten wahrnehmbaren am Himmel, weil klein und relativ dicht. Als ich soweit war wie Du heute, hab ich sie sogar mit 2" f/18 Refraktor gesehen =O ^^ ...

    eyes4skies - report


    Falls nötig zu alldem hier noch das passende Grundsatzfutter zur Astrophysik: ;)

    eyes4skies - edu


    Good luck, :thumbup:

    Peter

  • Hallo Christian,


    ja, schade dass der Mond da schon so groß ist, ich kann mir dann schon denken welches Februar-Wochenende das ist. Und leider steht der Mond dann auch recht nah an den drei Fuhrmann-Sternhaufen M37, M36 und M38, die wären sonst im 4-Zöller immer sehr lohnend.


    Ja, h+Chi und den Eskimonebel kann ich auch nur empfehlen. Und auch den hellen Farbkontrast-Doppelstern (orange zu bläulich) Alamak (Gamma And) bei 50-fach +, da erkennen die Besucher bei der VSW-Abendführung die Farben meist auch gut. Als Sternhaufen vielleicht noch M41 knapp unterhalb von Sirius, oder M47, oder M44 -

    die heben sich auch bei Mondlicht gut ab, am besten bei kleiner Vergrößerung.


    M3 wäre der erste richtig helle Kugelhaufen, der steht gegen 22:00 allerdings noch recht tief im ONO. Solltet ihr es noch ein bisserl länger aushalten, er gewinnt stetig an Höhe ... ;)


    Servus

    Ben

  • Oh, die Antwort von Stathis hatte ich glatt übersehen, weil sie sich mit meiner Antwort auf stefan-h überschnitten hatte.

    So wie du los legst, wie wäre es mit Abell 30 oder Abell 31 leicht zu finden im Krebs. Dann können deine Leute mal sehen, was richtig Deeeèep Sky ist 8o < ---- kleiner Scherz, die Dinger sind nur was für Deep Sky Extremisten mit OIII- Filter unter wirklich gutem Himmel.

    Okay, die beiden Objekte sind fest vorgemerkt - für die Zeit, wenn mich der Astrovirus so sehr gepackt hat, dass ich auf eine abgelegene Nordseeinsel umsiedle, mit eigener Kuppel im Garten auf der Warft ;)

    Und, ja, der Krebsnebel, das ist ein guter Tipp, der hat mich sowieso schon länger mal gereizt. Danke! Den Eulennebel kannt ich noch gar nicht, klingt aber auf jeden Fall auch sehr interessant. Vor allem wenn der Eskimonebel so leicht zu übersehen ist, klingt der nach einer echten Alternative. Auch dafür danke!

    Das sind auch tolle Tipps, vor allem mit den "narrativen Links" dazu. NGC281 halte ich auf jeden Fall als Ergänzung zu M42 in der Hinterhand. Falls die Freunde nach den ersten paar Objekten genug haben, ist das vielleicht für mich auch ein schönes Ziel mit einfachem, kurzen Star Hopping.

    Das mit dem Polarstern und dem galaktischen Zentrum gefällt mir aucb richtug gut, solche Zusammenhänge finde ich sehr spannend. Schade, dass die Lyra so früh untergeht, sonst könnte ich noch Vega zeigen, als "früherer Polarstern".

    Man könnte auch einen hellen Asteroiden suchen, schau wie man die in CdC findet, ein bisschen Background hier: (Text war ausgelegt auf 2023 allerdings):

    eyes4skies - articles

    Das klingt super spannend, ist aber wohl eher ein Projekt für meinen geplanten Astrourlaub allein, im Herbst in der Rhön. Das sieht nach einer größeren Baustelle aus ;)

    Und auch den hellen Farbkontrast-Doppelstern (blau zu orange) Alamak (Gamma And) bei 50-fach +, da erkennen die Besucher bei der VSW-Abendführung die Farben meist auch gut.

    Ich weiß nicht, warum ich nie an Doppelsterne denke. Ich finde die richtig spannend, aber irgendwie habe ich sie nie auf dem Radar. Danke, das ist auf jeden Fall etwas, vor allem mit Farbkontrasten. Die drei offenen Sternhaufen sehen auch gut aus, vor allem M47 sieht spannend aus. Die kommen auch auf die "Sekundärliste".


    Vielen Dank an alle für die guten Tipps!

    Christian

    Neuer Benutzername; vorher "Yorick"

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  • Hallo Christian,

    Die drei offenen Sternhaufen sehen auch gut aus, vor allem M47 sieht spannend aus. Die kommen auch auf die "Sekundärliste".

    Ja, die sind alle sehr gut für deinen 4-Zoll Newton geeignet, mein einziger Vorbehalt gilt nur dem schon sehr hellen Mond an dem Wochenende mit deinen Freunden. Sonst hätte ich z.B. neben M47 auch gleich den benachbarten M46 genannt - so hab ich den in meinem 4-Zoll Spektiv (ohne Mond) am Alpenrand gesehen:


    "Großartig der Sternhaufen M46, locker aber kompakt mit vielen ähnlich hellen und gleichmäßig verteilten Sternchen; den eingebetteten, aber räumlich vorgelagerten Planetarischen Nebel NGC 2438 konnte ich bei 70x gut erkennen."


    Aber gerade den Doppelsternen macht der Mond noch vergleichsweise wenig aus, Alamak geht da wunderbar. Oder auch Iota Cancri im Krebs, ein Kontrast gelborange zu weißlich, schon bei kleiner Vergrößerung leicht getrennt.


    Servus

    Ben

  • Moin,


    Vielleicht noch M76 als PN? Wird aber mit Mond wenig beeindrucken…


    Ansonsten für Astrotouristen immer wieder ein Hingucker ist das Muskelmännchen, Stock 2 und derr Eulenhaufen NGC 457, das geht auch bei aufgehellten Himmel mit 4“.


    Grüße,

    Rainer

  • Hi Christian,


    neben den ganzen Super-Objektvorschlaegen, die Du bekommen hast:


    Sag Deinen Freunden, dass sie ihr Fernglas mitbrngen sollen, falls sie eins haben. Dann können Sie sich auch selber auf die Suche nach Objekten/Sternmustern machen. Viele der Sternhaufen in der WIntermilchstraße sind ja auch prima Fernglasobjekte, M42 sowieso.


    Viele Grüße

    Axel


    P.S. nur damits nicht vergessen wird: Sag ihnen Bescheid, dass sie sich für mindestens 10 Grad kaelter als vorhergesagt kleiden sollen. Und kocht euch ein paar Kannen Tee. Sonst ist der Abend für die meisten ganz schnell vorbei ...

  • Ich glaub, wir haben ein ganz besonders eindrucksvolles Objekt bisher gar nicht empfohlen - den Mond selber .

    Witzig, das scheint so offensichtlich und tatsächlich habe ich dennoch gar nicht bewusst daran gedacht.

    Sicherlich wären wir vor Ort auch auf die Idee gekommen, wenn er dann so hell über uns steht, aber es schadet sicherlich nicht, sich im Vorfeld damit zu beschäftigen, was am Terminator an dem Wochenende so los ist. Zum Beispiel hat eine schnelle Recherche bei der-mond.de ergeben, dass an dem Wochenende der Goldene Henkel zu sehen sein wird. Das ist ja schon mal was.

    Danke für die Erinnerung!


    axels

    Ich schätze meine Freunde eher so ein, dass sie sowieso nicht so schrecklich lange aushalten werden. Mein 8x40 und mein 2x54 werde ich sowieso dabei haben, dazu das Teleskop, da sollten sie gut durchwechseln können. Und die lange Unterwäsche packe ich selber ein, für den Fall, dass ich mich später am Abend nochmal alleine raussschleichen kann ;)

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  • Hallo zusammen,

    das Wochenende auf dem Land bei Leibzig war bereits letzte Woche und nachdem hier so viele gute Tipps gekommen sind, bin ich euch einen kurzen Beobachtungsbericht schuldig.

    Kurz gesagt, ich hatte massiv unterschätzt, wie sehr der Mond alles überstrahlt. Natürlich wusste ich das irgendwie, aber da hier in der Großstadt der Effekt nicht so extrem zum Tragen kommt, weil man ja sowieso nicht so viel sehen kann, war es fast schon eindrucksvoll zu sehen, wie das Mondlicht den gesamten Nachthimmel dominiert.

    Aber der Reihe nach:


    Das Ferienhaus war in Löbnitz bei Delitzsch, direkt am künstlich angelegten Mühlfeldsee gelegen. Freier Blick nach Süden über den See, eine Terrasse, auf der man das Teleskop aufbauen kann und nur sehr wenig Lichtverschmutzung, zumindest wenn man aus Bortle 9 Gegenden kommt. Aber eben: der Mond, der am 10. Tag nach Neumond schon sehr voll war.

    Enttäuschend war, dass die Freunde, die mich ja gebeten hatten, mein Setup in der Bahn mitzuschleppen, dann plötzlich doch keine rechtes Interesse mehr hatten. Vielleicht war es zu kalt oder sie waren einfach zu träge, keine Ahnung. Aber wenn ich nun schon mal in ländlicher Umgebung war und mein Teleskop dabei hatte, dann wollte ich mich von dem Desinteresse um mich herum, von der Kälte und, ja, auch vom Mond nicht abhalten lassen. Apropos Mond, meine Vorbereitung hatte ja ergeben, dass der 10. Tag nach Neumond einen eigenen Reiz haben kann: den goldenen Henkel.

    Den Mond konnte man schon am späten Nachmittag gut vor dem etwas dunkelblau gewordenen Himmel sehen. Ich mag den Tagmond, also habe ich das 100/400 Newton bereits am Nachmittag aufgebaut, auch zum Auskühlen, und ein wenig im 24mm und 13mm Hyperion beobachtet, um noch genug von dem blauen Hintergrund im Gesichtsfeld zu haben. Die Regenbogenbucht und das Juragebirge waren gut zu erkennen, auch der Kraterrand, der den goldenen Henkel zeigt, hat sich deutlich abgehoben. Natürlich war der Kontrast später, nach Einbruch der astronomischen Dunkelheit nochmal deutlicher, so dass ich erst dann, so gegen 18 Uhr, ernsthaft beobachtet habe. Der goldene Henkel war nicht so "golden", wie ich ihn erwartet hatte, aber deutlich zu erkennen. Ich habe dann mit dem Svbony 215 Zoomokular eine kleine Wanderung entlang des Terminators gemacht, immer mal die Okularbrennweite ändernd, meistens so zwischen 6mm und 3mm. Dabei habe ich mir Copernicus und Tycho genauer vorgenommen und immer wieder die Regenbogenbucht. Mondbeobachtungen muss ich wirklich noch zielstrebiger verfolgen, immerhin kann ich das von zu Hause aus auch gut tun.


    Dann ging es weiter. Erstmal die Planeten. Die Venus war natürlich schon am Abendhimmel deutlich zu erkennen, der Saturn erst später, als es schon wirklich dunkel war, und auch dann nur schwach und klein. Im Svbony Zoom konnte ich bei der Venus wieder auf 3mm/133x hochvergrößern und die Andeutung der Sichelform war sehr deutlich zu erkennen. Der Saturn war an diesem Abend hingegen wenig beeindruckend und hat mich nicht lange gefangen gehalten. Aber der Jupiter stand ebenfalls bereits hoch über mir, also habe ich auch im Svboby Zoom darauf gehalten. Die Luft war immer noch gerade so ruhig genug, dass ich im Zoom wieder auf 3mm gehen konnte und ich habe die zwei großen Wolkenbänder und die Wolkenmasse am Nordpol gut erkennen können. Die vier galileischen Monde, drei davon in einer Reihe und Callisto so knapp oberhalb (im Oklularanblick) über den Jupiter geschoben. Es ist schon interessant, wenn man mal angefangen hat, Details zu erkennen, erkennt man sie wirklich immer wieder. Jahrelang habe ich Jupiter im eigenen Teleskop nur als gelbliche Scheibe wahrgenommen und jetzt springen mich die Wolkenbänder geradezu an und ich erkenne immer mehr Details.

    Weiter zum Mars. Auch hier mit 3mm im Zoomokular. Beim Mars geht es mir ein wenig wie lange mit dem Jupiter. So richtig habe ich noch keine Strukturen wahrgenommen, aber zur Opposition im Januar habe ich mir eingebildet, schwach eine dunkle Falte zu sehen. Ich bin inzwischen, auch nach Kontrolle mit Stellarium, davon überzeugt, dass es die Große Syrte war. Am vergangenen Samstag habe ich eher ganz kleine, kaum erkennbare Strukturen ausgemacht und obwohl ich mir nicht sicher sein kann, denke ich doch, dass es sich um Albedostrukturen handelt. Ich werde das im Auge behalten.


    So weit also der erfolgreiche Teil des Abends. Der Rest war eher, na ja, mäßig beeindruckend. Die Andromedagalaxie M31 war noch gut zu finden, aber diesmal wirklich "eine Enttäuschung wert". Ein heller nebliger Fleck und man hat kaum Helligkeitsunterschiede zwischen dem hellen Kern und einem dunkleren Rand wahrnehmen können. Ich habe trotzdem mal zwischen dem 13mm und dem 24mm Hyperion gewechelst, um zu sehen, ob die unterschiedliche AP hier einen Unterschied macht. Viel hat es nicht gebracht, aber ich werde den Versuch bei dunklerem Himmel mal wiederholen. Die Dreiecksgalaxie M33 war unter diesen Bedingungen ein Versuch, der natürlich von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Ich habe es natürlich trotzdem versucht, aber natürlich ohne Ergebnis.

    Spätestens als ich dann auf den Orionnebel M42 mit und ohne UHC-E Filter und auf die Plejaden M45 gehalten habe, wurde mir klar, dass DSO bei diesem Mond nicht viel bringen wird. Beide Objekte, M42 im 13mm Hyperion und M45 im 13mm und 24mm Hyperion, waren deutlich weniger eindrucksvoll als schon von meinem Stadtbalkon aus.

    Auch den Krebsnebel M1 im Stier, der mir hier ja für meine "Leben-eines-Sterns-Choreographie" empfohlen worden war, war natürlich wenig erfolgsversprechend, mit und ohne UHC-E. Ich habe dann noch ein wenig im und um den Gürtel des Orion herumgesucht, aber auch da war nichts zu holen. Nachdem ich ja eigentlich das Wochenende mit Freunden verbringen wollte, habe ich an dieser Stelle auch abgebrochen, aber nicht ohne nochmal den Mond anzupeilen, und bin wieder ins Ferienhaus.


    Man könnte jetzt sagen, dass ich mir die Aktion hätte sparen können, weil ich nichts beobachtet habe, was ich nicht auch von meinem Stadtbalkon aus sehen konnte. Aber ich sehe das gar nicht so. Erstens war das Seeing schon deutlich besser als zwischen den vielen Wohnhäusern daheim, so dass ich wirklich das Maximum aus meiner Okularauswahl herausholen konnte, und zweitens war es auch mal schön, einfach den ganzen Himmel so vor und über mir liegen zu haben und einfach von Objekt zu Objekt wechseln zu können, ohne genau zu planen, wann welches Objekt in den schmalen Himmelsausschnitt wandert, den ich von zu Hause aus einsehen kann, und ohne die ständigen Wartezeiten dazwischen.

    Die nächsten Gelegenheiten werden am Tag der partiellen Sonnenfinsternis sein, wenn ich mich mit anderen Freunden für eine dedizierte SoFi- und Sternenparty im Haus von einem Freund in der Nähe der Rhön treffen werde, der Sommerurlaub auf den Kanaren und der eigene Astrokurzurlaub in der Rhön im Herbst. 2025 hat ja gerade erst angefangen und ist jetzt schon sehr vielversprechend. Ich komme für 2025 jetzt schon auf halb so viele Beobachtungsnächte wie im Jahr 2024 insgesamt.


    Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und CS,

    Christian

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  • Hallo Christian,


    Ein schön geschriebener Bericht von dir. Es ist schade, das deine Freunde doch kein rechtes Interesse hatten.


    Jahrelang habe ich Jupiter im eigenen Teleskop nur als gelbliche Scheibe wahrgenommen und jetzt springen mich die Wolkenbänder geradezu an und ich erkenne immer mehr Details.

    Meiner Meinung und Erfahrung nach ist gerade bei der Planetenbeobachtung ein entspanntes Beobachten zielführend.

    Wenn ich bei der Planetenbeobachtung mit meiner Alt/Azimutmontierung immer wieder nachführen muss, sehe ich deutlich weniger Details als wenn ich das gleiche Teleskop auf eine parallaktische Montierung aufbaue die dauerhaft auf dem Planet nachführt. Bei der parallaktischen, nachgeführten Montierung kann ich mich komplett auf dem Planet konzentrieren und werde nicht immer wieder durch das nachführen abgelenkt.

    Weiter profitieren Planeten sehr (!) von einer ruhigen Luft. Unruhige Luft verschmiert die feinen Details auf den Planeten. Wenn ich weit draußen in der Natur beobachte und dort gute Bedingungen habe, kann ich deutlich mehr sehen als wenn ich innerorts beobachte und über Häuser beobachte.


    Am vergangenen Samstag habe ich eher ganz kleine, kaum erkennbare Strukturen ausgemacht und obwohl ich mir nicht sicher sein kann, denke ich doch, dass es sich um Albedostrukturen handelt. Ich werde das im Auge behalten.

    Am Samstag den 8. Februar 2024 sind im Laufe der Nacht die Gebiete "Mare Acidalium" "Chryse Planitia" und "Thaumasia" aus dem Mars "hinausrotiert" und die und die "Tharsis" Region sowie "Amazonis Planitia" "hereinrotiert" Diese Regionen habe keine ausgeprägten Albedostrukturen.

    Mars schrumpft nach seiner Opposition deutlich und hat nur noch eine scheinbare Größe von 13" was das erkennen von Strukturen erschwert.


    dass DSO bei diesem Mond nicht viel bringen wird

    DSO und der Mond passen kaum zusammen.

    Sternhaufen und Doppelsterne gehen bei Mondlicht noch, alles andere ertrinkt am aufgehellten Himmel. Messier 33 und die Reflektionsnebel vor Messier 45 benötigen einen dunklen Himmel damit diese gesehen werden können.

    NGC 224 (Messier 31) habe ich bisher nur mit einem großen Teleskop (12") und damit die Staubbänder sehen können. Ich werde auch mal versuchen, ob ich diese mit meinem 110mm Refraktor unter dunklem Himmel sehen kann.


    Man könnte jetzt sagen, dass ich mir die Aktion hätte sparen können

    Die Aktion war sicher erfolgreich. Das ist schon ein großer und schöner Unterschied zwischen den Beobachten aus der Stadt heraus und in der freien Natur. Wenn ich an meinem dunklen Platz bin, setze ich mich oft auf meinem Stuhl um dem Himmel nur mit dem freien Auge zu beobachten. Das Teleskop steht öfters nur daneben.


    Viele Grüße

    Gerd

    Beobachtung der Sonne im Weißlicht und der H-alpha Linie. Beobachtungen am Nachthimmel mit verschiedenen Teleskopen.

    Rational orientiert, wissenschaftlich interessiert.

  • Hallo Gerd,

    vielen Dank für die nette Rückmeldung.

    Ja, was du über den Mars und DSO bei hellem Mond schreibst, macht schon sehr viel Sinn. Aber ich fand es auch schön. einfach mal in der Natur beobachten zu können, so gesehen war auch alles okay.

    Tatsächlich finde ich es auch gar nicht so wild, dass meine Freunde dann gar nicht so viel Interesse haben. Natürlich hätte ich ihnen gerne gezeigt, was mich so begeistert, ich finde es aber auch sehr angenehm, dass wir in einem Alter sind, in dem es keinen Gruppenzwang mehr gibt und auch einfach mal jeder eine Weile das tun kann, worauf er Lust hat, wenn man gemeinsam unterwegs ist.

    Und ich hatte ja meinen Spaß.

    Das, was du über das Beobachten mit freiem Auge schreibst, wenn das Teleskop "nur" daneben steht, kenne ich auch. Ich finde es auch schön, nicht immer nur einzelnen Objekten nachzujagen, sondern auch das Ganze wirken zu lassen. Das war es ja auch, was mich ursprünglich zur Hobbyastronimie gebracht hat.

    Viele Grüße und schönen Sonntag,
    Christian

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    "In den Sternbildern kommt derart viel poetische Kraft und Phantasie zum Vorschein, dass einem dies fast wieder den Glauben an das Schöne und Gute des Menschen zurückgibt."

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