Beobachtungen vom Großstadtbalkon

  • Hallo Wolfram,

    danke für die nette Rückmeldung. Man muss sich das vielleicht immer mal wieder in Erinnerung rufen, dass es nicht immer der lange Beobachtungsabend sein muss, der die ganze Nacht geht und ein Highlight nach dem anderen ergibt, sondern dass auch eine schnelle Planetenbeobachtung, ein offener Sternhaufen oder ein kleiner Mondspaziergang immer ein guter Grund sind, das Teleskop rauszuholen.

    Viele Grüße

    Christian

    Neuer Benutzername; vorher "Yorick"

    "In den Sternbildern kommt derart viel poetische Kraft und Phantasie zum Vorschein, dass einem dies fast wieder den Glauben an das Schöne und Gute des Menschen zurückgibt."

    (Raoul Schrott: "Atlas der Sternenbilder und Schöpfungsmythen der Menschheit"; 2024)

  • Das mit dem Dreieck aus 63 Gem UND 61 (!) mit dem Eskimonebel ist vielleicht der Teil, der mir gefehlt hat. Ich habe mich nur an 63 Gem orientiert und in der Stellarium Okularansicht geschaut, wo der im Okular stehen muss, damit der Eskimonebel zentriert ist. Und ich habe sogar daran gedacht, dass die Ansicht umgedreht ist ;)

    Nur um es - vorsichtshalber - nochmal klar zu sagen:


    Die Ansicht im Okular ist nicht nur 180° gedreht (kopfstehend) sondern hat oft einen weiteren Drehwinkel (bei mir oft 40-70°, also NICHT vernachlässigbar) der abh. ist von der Position am Himmel und von der Montagerichtung des OAZ.

    D.h. man MUSS das an der Realität 'eichen' = aufeinander abstimmen - also Karte versus Okularansicht !


    Daher:

    - eine Karte muss die Sterne zeigen die ich sehe (Grenzgrösse)

    - die Karte muss so gedreht werden, dass sie GENAUSO (+-5°) orientiert = gedreht ist wie der Anblick im Okular.

    - dies alles muss ich bereits AM AUSGANGSPUNKT meiner Suche machen, wo ich noch weiss WO GENAU ich bin.

    - je mehr GF ich habe, desto leichter ist es (optimal finde ich ca 3-4°, 1° ist oft viel zu wenig !!!)


    NUR DANN kann man die Karte verwenden um weiter in die Gegend zu hoppen. NATÜRLICH sind NUR DANN die Richtungen in die ich hoppe richtig...

    Welche Sternchen man verwendet ist letztlich egal. Aber die Orientierung der Karte muss - AM AUSGANGSPUNKT - 100% verifiziert sein !!!


    Siehe https://eyes4skies.de/v2/art/art017_curr_starhopping.htm


    Good luck,

    Peter

  • Moin!


    ChristianFfm


    > Das mit Eskimo treibt mich ein wenig um. Ich bin mir sehr sicher, dass ich von 63 Gem ausgehend die richtige Orientierung hatte.


    Ich habe hier noch die passende Aufsuchkarte, die ich selbst benutzt habe, mit einigen Hilfslinien zu kleinen Asterismen auf dem Weg zu NGC 2392. Die Tour geht von Delta Gem aus los.



    Ich wohne ja nun auch mitten in der Stadt und beutze visuell auch azimutale Montierungen (u.a. Vixen Porta und SW AZ-4). Wenn ich damit Objekte suche, die ich im Zielgebiet nicht gleich finden kann (ich benutze hier kaum Sucher oder Peiler), nehme ich eine digitale Wasserwaage. Die "Bevelbox" ist 5x5x3 cm groß und hat auf der Unterseite drei Magnete, womit man sie an einen Stahltubus pappen kann. Die Höhe stelle ich also mit dieser Box ein, der Azimut muß nur so gerade eeben stimmen. Dann gehe ich mit der Rasenmäher-Methode an die Sache heran und fahre das Zielgebiet in überlappenden horizontalen Streifen mit Aufsuchvergrößerung ab. O findet man nicht nur schwache DSO, sondern auch bspw. Kometen. Ich mache das ziemlich oft so, eben weil ich an meinen Optiken bis 1 m Brennweite kaum mal einen Sucher montiere.

    Bye 4 now, Micha. (lebt ohne Smartphone)


    Bresser 120/1000 R, SVBONY 105/1400 Mak, SVBONY 102/660 R, SVBONY 80/1000 Mak, Solomark 80/700 R, Hetekan 70/700 R, INTEY 70/400 R, Vixen 60/700 R.

    FG: TS 20x80, TASCO 12x80, Porst 9x63, Tento 10x50, Asahi-PENTAX 10x50, Sotem 7x50, Beroflex 10x40, TASCO 8x40 WA, TASCO 8x30 WA.

  • Hi Christian,


    ich ziehe zunächst den Hut. Bei mir ist der Schweinehund viel viel stärker ausgeprägt bei gleichen Randbedingungen. Für alle: in fst ist hier bei uns kaum was über 3,4mag drin. Da hilft kein Peilsucher mehr, man braucht einen optischen Sucher (6x30 bei mir). Kleines Fernglas daneben hilft den einen 4mag Referenzstern vorzufinden der halbwegs als Ausgangspunkt zum Starhopping taugt. Aber - gestern war einer der Tage mit glasklarem Himmel wo die Grenzgröße auch mal bis 3,8mag gehen sollte.


    Mein Schweinehund taugt nur noch für Exkursionen mit dem Auto. Und da tat sich auch nix mehr seit meinem Südafrika Aufenthalt 2025, daher steht schon der nächste an, so die elende Kriegstreiberei und die Folgen für Flüge es erlauben.


    Das aber nebenbei, wie gesagt: Hut ab!


    Was den Eskimo angeht, hab ihn nie unter Balkon Bedingungen ausprobiert, aber als ich ihn noch unter 4,5mag Himmel auf dem Feld "nebenan" und mit dem 100mm Refraktor besucht habe - der ist bei Finden nicht leicht und im Übersichtsokular (38mm bei 1000mm Brennweite) noch punktförmig und nicht von Sternen zu unterscheiden. Selbst Filterblink (hatte damals einen OIII in 1,25" der ging nur im 25mm Okular) ist das Elfenbeinturm Theorie, denn funktionieren tut das wirklich nur mit Filterschieber oder photographischen Gedächtnis (Oku raus, Filter schraub, Oku rein, Teleskop NICHT verstellt, vergleiche Erinnerung und jetzige Sicht).


    Meine methode war akribisches Aufsuchen dieses Sterns, der der PN sein sollte. Der ist gut sichtbar wenn man weiß welcher es ist. Michas Bild ist ideal dazu!

    Ich suche erst mal auch dieses charakteristische "C" um 63 Gem. und dann suche ich die 2 Sternchen davor. Ich weiß einer davon ist der PN. Das C passte glaub ich gut ins 25mm Okular, Das Feld reicht leider nicht bis zum 2392, ist knapp außerhalb. Aber dieses gleich helle Doppelstern System ist gut zu erkennen beim zweiten mal und danach. Dann auf 100x gehen oder mehr und der PN ist klar ausgedehnt und flauschig. Ein OIII hilft enorm bei unserem Frankfurter Himmel. Dann sieht man auch eine gewisse Flauschigkeit schon im Übersichtsokular. Das geht ohne OII im Lichtsumf gnadenlos unter.


    Eine lokale Dunkeladaption von 5min hilft schon. Dunkles Tuch verwenden und schön weiter beobachten über 5+ Minuten.


    Christian, hast Du es schon ein mal mit der NormanG Methode versucht. Dein Teleskop Set scheint noch tragbar? Jedenfalls als Dobson? Ich meine mit der S-Bahn so weit raus wie es geht, Richtung Kronberg? Bad Soden? Bad Vilbel? Bad Homburg Und dann eine kleine Wanderung (kann ja auch eine kleinere Station vor Endstation sein. GGf. mit dem Bus noch weiter, falls er auch später zurück fährt. S-Bahnen gehen ja auch bis 1:00?


    Viele Grüße,

    Walter

  • Okay, jetzt habt ihr's geschafft... dann versuch ich es heute Abend gleich nochmal! Jetzt will ich es wissen.


    Peter

    Danke für den Hinweis. Dass das Feld nochmal ein paar Grad gedreht ist, ist mir natürlich auch schon aufgefallen, aber ich muss das beim Kartenlesen noch mehr berücksichtigen, das stimmt schon.


    Micha

    Das ist natürlich echt clever. Auf die Idee mit dem Bevel bin ich ganz abstrakt schon mal gekommen, habe es aber noch nie praktisch ausprobiert. Aber klar, wenn die Altitude erstmal passt, ist natürlich eine Hürde schon genommen.

    Die Karte hilft auch; ich habe mir eben auch nochmal bei CdC genauere Detailkarten gedruckt. Das wäre ja gelacht.



    Walter

    Danke für die Ermutigung. Du hast die Himmelssituation nochmal schön mit Zahlen dargestellt; und ja, es kann manchmal echt frustrierend sein, aber andererseits hilft es ja nichts. Ich sag ja immer, dass mir nicht viel Wahl bleibt, weil ich kein Auto habe, aber die Wahrheit ist natürlich auch, dass es viel bequemer ist, vom eigenen Balkon aus zu beobachten, mit Tisch und Stuhl, Kühlschrank und Computer sind nur ein paar Schritte entfernt und wenn man etwas vergessen hat, holt man es halt schnell aus dem Arbeitszimmer. Tatsächlich neige ich sogar bei meinen (Astro-)Urlauben eher dazu, vom Balkon bzw. der Terrasse aus zu beobachten, das scheint einfach meine Komfortzone zu sein. Mit anderen Worten: Selbst ein Auto würde ich vermutlich nur selten mal zum Beobachten nutzen,

    Ich werde auch deine Tipps heute Abend berücksichtigen und gut an Vergrößerung reingeben, wenn ich glaube, ihn im GF zu haben. Nachdem ich mir Michas Karte nochmal angesehen habe, bin ich mir eigentlich noch sicherer, dass ich ihn gestern schon erwischt habe, aber nicht genug vergrößert habe, denn an das Sternendoppel kann ich mich noch erinnern.


    Mal sehen, wie es heute Abend klappt. Der Himmel scheint auf jeden Fall wieder klar zu sein! Vielen Dank für alle Tipps und Hilfestellungen.
    Christian

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    "In den Sternbildern kommt derart viel poetische Kraft und Phantasie zum Vorschein, dass einem dies fast wieder den Glauben an das Schöne und Gute des Menschen zurückgibt."

    (Raoul Schrott: "Atlas der Sternenbilder und Schöpfungsmythen der Menschheit"; 2024)

  • Hallo,


    ich habe mal eine Aufsuchkarte für den Eskimonebel gemacht (Grenzgröße 7mag). Das kleine Drachenviereck aus delta Gem, 56, 61 und 63 ist im Fernglas/optischem Sucher auffällig:


    Aufsuchkarte Eskimonebel (Grafik: Specht)


    Für die meisten Objekte benutze ich aber Karten aus der alten Uranometria 2000.0 (blauer und roter Band, Grenzgröße 9mag). Die Bände gibt es immer wieder auch mal gebraucht in gutem Zustand zu kaufen. Die alten Bände der Uranometria 2000.0 benutze ich lieber als die All Sky Edition, leider gibt es diese Bände wohl nicht mehr neu.


    lg volker :hot_beverage:

  • ......Was den Eskimo angeht, hab ihn nie unter Balkon Bedingungen ausprobiert, aber als ich ihn noch unter 4,5mag Himmel auf dem Feld "nebenan" und mit dem 100mm Refraktor besucht habe - der ist bei Finden nicht leicht und im Übersichtsokular (38mm bei 1000mm Brennweite) noch punktförmig und nicht von Sternen zu unterscheiden. Selbst Filterblink (hatte damals einen OIII in 1,25" der ging nur im 25mm Okular) ist das Elfenbeinturm Theorie, denn funktionieren tut das wirklich nur mit Filterschieber oder photographischen Gedächtnis (Oku raus, Filter schraub, Oku rein, Teleskop NICHT verstellt, vergleiche Erinnerung und jetzige Sicht).......



    Nunja, Elfenbeiturm und Theorie bei mir nun gerade nicht, eher praktische Erfahrung, auch wenn mir im Beispiel aus Beitrag #48 am 16-Zöller der Filterschieber bei 120fach schon zugute kam und bei 450fach erst recht.

    Es geht auch ohne, nur Mut.


    Also Christian, für Deine weiteren Versuche:

    Mit 650 mm Brennweite kommst du mit Deinem 13er Hyperion im Versuch auf 50fach und hat rund 1,5 Grad Feld zur Verfügung. Das ist recht viel, bleibt aber doch recht überschauber. Bei zu vielen Sternen hilft es, wenn du dich an Sternmustern orientierst.

    Der Eskimo ist über doppelt so groß wie der Beispiel-PN und den kann man, auch wenn er noch sternförmig bleibt, so mit einem 5 Zöller rausblinken. Das geht, wenn man die Augen dafür hat und Störlicht ausschließt, sogar mit vor die Augenlinse gehaltenem Filter, also Filter zwischen Auge und Okular. Bei Hyperions kann man 1 1/4 Zoll Filter in die Augenmuschel legen, beim Ebony Zoom auf 8 mm (immer noch 1,5 Vollmonddurchmesser Feld), müsste Auflegen auch gehen.

    Zum Filterblink reicht das, wenn man ein wenig Fieldsweeping betreibt, denn bei sehr schräg einfallenden Lichtstrahlen vom Rand des Feldes lässt die Filterwirkung nach.


    Gruß

    Günther


    PS: Ich sehe gerad die Grafik von Specht und daran kann ich meine (für mich!!!) ziemlich sichereStarhoppingmethode kurz erklären.

    Ich bilde ein flaches Dreieck aus den Sternen Kappa Gem und Zeta Gem als Grundlinie. Die Spitze des Dreiecks liegt knapp über 63 Gem. und da finde ich den Eskimo.

    Jeder macht sich die Probleme die er haben möchte,

    sei es um sie zu lösen oder um sie zu pflegen.

    Edited 5 times, last by Cateye ().

  • Jo, das war dann mal nix.

    Vielen Dank für die weiteren Tipps, Specht und Cateye - ich war voll des guten Willens, hab mein Teleskop am frühen Abend zum Runterkühlen rausgestellt, meine Okulare und Filter zusammengesucht und dann... doch wieder Schleierwolken.

    Schon die Venus hab ich erst dann gefunden, als sie schon fast hinter den Häusern verschwunden war - und zu dem Zeitpunkt war sie so durch Äste fragmentiert, dass mit dem Teleskop gar nichts ging.

    Jupiter und Castor gingen erst noch, aber schon da war klar, dass die Bedingungen deutlich schlechter sind. Und dann war plötzlich fast gar kein Stern mehr zu sehen, schwach noch Castor und Pollux, der Jupiter im milchigen Glanz. Der Orion, den ich gestern um die gleiche Zeit noch schon vor mir hatte, war überhaupt nicht zu erkennen.


    Na ja, mal sehen. Vielleicht habe ich ja nochmal Glück in den nächsten Tagen, dass Wetter, Zeitmanagement und Himmelsmechanik günstig zusammenfallen, so dass ich zu meinem zweiten Versuch komme.

    Neuer Benutzername; vorher "Yorick"

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