Beobachtungen vom Großstadtbalkon

  • Das Jahr 2025 meint es astronomisch gesehen bisher sehr gut mit mir. Nach dem für mich sehr erfolgreichen Jahresausklang im Schwarzwald (siehe mein anderer Thread) war heute bereits die vierte Gelegenheit, an der ich von meinem städtischen Balkon aus beobachten konnte. Das liegt natürlich vor allen an der guten Sichtbarkeit der Planeten zur Zeit, die meinen Bedingungen sehr entgegen kommt. Entsprechend ging es bei den anderen der eher kurz gehaltenen Gelegenheiten immer nur um Mond oder Planeten oder ihre Stellung zueinander (Venus, Mars, Vollmond und Mars, Saturn, Saturn mit Venus).


    Aber heute war einiges mehr möglich. Wochenende, klarer Himmel und gar nicht mal so kalt. Also habe ich bereits am Nachmittag den 100/400 Newton auf den Balkon gestellt, damit er gut auskühlt, und gegen 18.30 Uhr ging es dann los. Das war der Zeitpunkt, an dem die Venus endlich in das schmale, dreieckförmige Stück Himmel gewandert ist, das gut von meinem Balkon einsehbar ist. Zuerst war das Seeing für das 6mm Goldkante noch zu schlecht, aber im 13mm Baader Hyperion war die „Halbmondform“ schön erkennbar.


    Ich habe also die Venus genossen, bis auch der Saturn in ihrem Schlepptau endlich weit genug in mein Himmelstück gekommen ist. Zuerst das Zusammenspiel der beiden im 8x40 Nikon Action EX. Ich mag solche Konstellationen und die letzten Wochen waren ja wirklich voll davon. An dieser Stelle vielen Dank an Gerd K. , der hier immer darauf hinweist, das hat mir inzwischen einige schöne Beobachtungsmomente beschert. Dann auf den Saturn, und plötzlich ging es auch mit dem 6mm Goldkante. Strukturen waren keine zu erkennen, aber der Ring in seiner Kantstellung als schmaler Strich quer über das Planetenscheibchen in seinem satten Ockerton. Auch wieder ein schöner Anblick. Da der Saturn so ruhig im 6mm Okular stand, dachte ich mir, ich probiere es doch nochmal mit 6mm an der Venus. Und tatsächlich, für ein paar Minuten stand auch hier der Halbkreis klar und ruhig im Gesichtsfeld. Ein voller Erfolg also.

    Zwischendrin konnte ich noch die ISS bei ihrem Überflug von 18.48 Uhr bis 18.52 Uhr im Fernglas verfolgen. Das ACS3 Sonnensegel der NASA, das eine knappe halbe Stunde später auch kommen sollte, habe ich mal wieder nicht gesehen Na ja, egal. Zum Abschluss nochmal beide Planeten zusammen im Fernglas, dann war es Zeit für eine Pause zum Aufwärmen. Außerdem hatte ich nicht mit so guten Bedingungen gerechnet, so dass ich erstmal planen musste, was ich vielleicht später noch beobachten könnte. Auf dem Programm stand sonst nämlich nur noch für später der Jupiter und noch später der Orion-Nebel, um meinen neuen UHC-E Filter zu testen.


    Ich meine, es bleibt natürlich schwierig. Auch bei guten Bedingungen ist es halt immer noch ein Großstadtbalkon, eingerahmt von Mehrfamilienhäusern und nahe wachsenden Bäumen. Aber Cassiopia, die ist ja immer zu sehen – dazu brauche ich nicht mal mein kleines Stück Himmel, da sie fast im Zenit über den Nachbarhäusern thront. Also habe ich mir die mal vorgenommen. Das Buch „Hidden Treasuers“ von Stephen O’Meara , das mir Saabo freundlicherweise geschenkt hat, beginnt direkt mit zwei offenen Sternenhaufen, NGC 189 und NGC225. Im Deep Sky Reiseführer und bei Burnham werden beide Objekte gar nicht erwähnt. Also ein echter verborgener Schatz, im Sinne des Buches. Die Auswahl der Objekte und die Beschreibungen in „Hidden Treasure“ sind hervorragend, allerdings sind die abgedruckten Sternenkarten nicht ideal. Ich habe es deshalb erstmal sehr vergeblich gesucht, als ich so gegen 21.30 Uhr meinen ersten Versuch gestartet habe. Also Dunkeladaption aufgegeben, wieder rein und Stellarium an. NGC189 sollte einfach genug zu finden sein, wenn man sich an Navi, Caph und Shedar orientiert und auch NGC225 sollte kein Hexenwerk sein. Ich glaube, ich war dann bei NGC189 mit dem 13mm Hyperion erfolgreich, allerdings bei NGC225 nicht. Was mich ein wenig verunsichert, ist dass O’Meara schreibt „[T]he best way to find NGC189 is to first locate brighter and larger NGC22.” Wieso finde ich dann das schwerere Objekt, scheitere aber am einfacheren? Hab ich da etwas durcheinander gebracht? Keine Ahnung. Ich werde da also nochmal ran müssen. Überhaupt war hier die „Jagd“ das Hervorstechende, denn im Stadthimmel war der Sternhaufen nett anzusehen, aber eben auch nichts Besonderes. Und es waren auch nicht genügend sichtbare Sterne zu erkennen, dass ich meine Beobachtung später bei Stellarium sicher verifizieren konnte. Aber immerhin, ein neues Objekt, an dem mich abarbeiten kann und, so wie immer, wird die Sicherheit, ob ich es gefunden habe, und die Detailfülle mit jeder Beobachtung zunehmen.

    Vor dem Versuch an den Sternenhaufen in der Cassiopeia hatte ich noch einen Klassiker ins Visier genommen, die Plejaden M45. Immer wieder schön, sogar von der Stadt aus. Und so schön einfach zu finden. Ein erster Versuch mit dem UHC-E Filter hat erwartungsgemäß nichts gebracht, die Nebel um die Sterne herum, die man von den Fotos kennt, sind halt auch keine Emissionsnebel. Aber manchmal versucht man halt etwas, auch wenn man es eigentlich besser weiß.

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    "In den Sternbildern kommt derart viel poetische Kraft und Phantasie zum Vorschein, dass einem dies fast wieder den Glauben an das Schöne und Gute des Menschen zurückgibt."

    (Raoul Schrott: "Atlas der Sternenbilder und Schöpfungsmythen der Menschheit"; 2024)

  • Aber inzwischen war der Jupiter von links langsam in mein Himmelsstückchen gewandert. Also, Teleskop inklusive des 13mm Hyperion wieder Richtung SW geschwenkt; hier gibt es keine Unsicherheit, das ist er, ganz klar. Na ja, ein wenig Unsicherheit vielleicht schon, nicht bezüglich des Jupiters, aber der Monde. Drei Monde stehen in der charakteristischen Reihe, ein Mond steht senkrecht dazu. Kann das sein? Ja, wahrscheinlich schon, im Schwarzwald hatte ich ja eine noch seltsamere Stellung der galileischen Monde beobachtet. Später, beim Rekapitulieren in Stellarium, stellt sich für heute aber heraus, dass der vierte Mond, Io, zu nah am Planeten stand, als dass mein Teleskop es auflösen hätte können. Was ich für einen vierten Mond gehalten hatte, war nur ein heller Stern, der zufällig gerade in der Gegend war. Oops. Aber erstmal Jupiter. Während ich so in Ruhe durch das Okular auf die gelbliche Planetenscheibe sehe, traue ich meinen Augen kaum. Könnte das ein Wolkenband sein? Eigentlich kaum vorstellbar, die Wolkenbänder am Jupiter hatte ich bisher nur in Sternwarten gesehen, nie mit meinem eigenen Setup. Ich war eigentlich inzwischen davon ausgegangen, dass meine Optik dafür zu klein ist. Aber da war, klar erkennbar, ein Wolkenband, das sich ziemlich mittig einmal quer über die Planetenscheibe erstreckt. Unglaublich. Ich habe irgendwann mal bei AstroShop auf dem virtuellen Grabbeltisch drei schrottige Farbfilter für je €1 mitgenommen: #56 Dunkelgrün, #23 Rot und #12 Gelb. Angeblich sollen alle drei bei Jupiter zu besseren Ergebnissen führen, also die perfekte Gelegenheit, das mal auszuprobieren. Gelb und Rot haben gar nichts gebracht, was will man auch für €1 erwarten; bei Grün war aber leicht, und trotzdem ohne Zweifel, noch ein zweites Wolkenband zu erkennen. Allerdings gefiel mir die grüne Farbe nicht. Also habe ich den Filter wieder entfernt und so durch das Okular gesehen, inzwischen durch das 6mm Goldkante. Ja, jetzt, da ich wusste, worauf ich achten muss, war das zweite Wolkenband gut zu sehen. Das Seeing blieb nicht lange konstant genug für das 6mm, aber auch im 13mm Hyperion konnte ich beide Bänder jetzt erkennen, wenn auch das eine nur schwach. Was für ein Beobachtungserfolg! Inzwischen war wieder Zeit für eine Pause zum Aufwärmen. Bis M42 in Sicht rückt, war es noch eine gute Stunde.


    Gegen 0.40 Uhr war dann der Orion von meinem Balkon aus zu sehen. Zeit für den Test meines neuen UHC-E Filters. Der Himmel war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr so richtig transparent, durch das Okular eher ein wenig milchig. Den Orionnebel M42 konnte man mit bloßem Auge gar nicht erkennen. Im 13mm Hyperion war er trotzdem leicht zu finden, wenn auch wenig eindrucksvoll. Drei Sternchen in einem diffusen Nebelfleckchen, mehr nicht. Den hatte ich sogar von meinem Balkon aus schon schöner gesehen. Aber deutlich genug für den Test des UHC-E Filters. Auch mit Filter war das jetzt nicht gerade die umwerfendste Beobachtung, aber ich weiß ja auch, dass kein Filter einen dunklen Himmel ersetzen kann. Immerhin hat man den Nebelfleck deutlich kontrastreicher erkennen können. Ich bin sehr gespannt auf den ersten Einsatz unter dunklerem Himmel.

    In meinem Schwarzwald-Thread hatte mir Lucifugus noch das, Zitat, „Sterngewusel rund um Alnilam“ ans Herz gelegt, also Collinder 70. Sehr schön anzusehen. Ich fange an, offene Sternenhaufen immer mehr zu mögen und ich muss wirklich mal anfangen, mich am Zeichen zu versuchen. Auch den Kohlewagenhaufen, NGC 1981, habe ich mir noch angesehen, wobei mir Collinder 70 schon besser gefallen hat.


    Ja, und dann hieß es wieder Warten auf Mars. Als sich der Zwilling so langsam hinter der Häuserwand hervorgeschoben hat, habe ich die Gelegenheit genutzt, mal auf Castor zu halten. Im 6mm Goldkante konnte ich zwei Sterne klar getrennt wahrnehmen, was immerhin schon mal mehr ist als im Schwarzwald. Da habe ich den Doppelstern eher so 8-förmig gesehen.

    Und dann war auch der Mars da. Ich gebe zu, nach dem Erfolg mit den Wolkenbändern am Jupiter hatte ich die Hoffnung, vielleicht hier auch ein wenig Struktur wahrnehmen zu können. Vor allem, da ich am vergangenen Dienstag, als ich extra morgens aufgestanden bin, um den Mars gemeinsam mit dem (fast) Vollmond zu sehen, durchaus dachte, dass ich vielleicht ganz schwach etwas erkennen konnte, aber das kann auch Einbildung gewesen sein. Oder einfach Schlafmangel.

    Jedenfalls konnte ich weder mit 13mm noch mit 6mm irgendwelche Strukturen erkennen. Der Mars war auch nochmal heller und eher gelblich als rötlich-orange, was vielleicht an der Oppositionsstellung liegt? In jedem Fall war ich froh, dass ich den Mars noch mitgenommen habe und so meine kleine Planetenparade vervollständigen konnte.


    Und inzwischen ist es drei Uhr, ich war seit 18.30 Uhr am Beobachten, wenn auch mit längeren Pausen, wenn ich darauf gewartet habe, dass das nächste Objekt in meine Beobachtungszone gerückt ist. Aber ich bin sehr zufrieden, wenn es mal passt, geht auch von einem Stadtbalkon mit sehr kleiner Optik doch so einiges.


    Ich hoffe, bei euch haben die Bedingungen auch gepasst und ihr hattet auch schöne Beobachtungsnächte.


    Clear Skies


    Christian

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  • Hallo Christian,


    Meinem Glückwunsch zu den Beobachtungsnächten und danke für das Veröffentlichen der interessanten Berichte.


    NGC 225 sollte eigentlich schon gut sichtbar sein. Durch seine Größe und der geringen Sterndichte kann es durchaus sein das er im Feld nicht sehr auffällt. Von der Stadt aus beobachtet mit ihrer Lichtverschmutzung ist es doch recht schwierig den zu sehen. Der wird sicher im aufgehellten Hintergrund untergehen.

    Eine Karte, mit Cartes du Ciel erstellt:





    Der Jupitermond Io hatte gegen 21 Uhr einen Durchgang vor Jupiter. Deshalb war der nicht mehr zu sehen. Den Stern über Jupiter habe ich ebenfalls gesehen. Ab 22 Uhr gab es noch den Schattendurchgang von Io.

    Wenn abzusehen ist, das es in der Nacht klar wird, nehme ich Stellarium und sehe mir an ob es z.B. bei Jupiter Mond- oder Schattendurchgänge gibt. Am Montag Abend gibt es einen Durchgang von Ganymed. Ab circa Mitternacht folgt dann der Schattendurchgang von Ganymed.





    Viele Grüße und viel Erfolg beim Beobachten

    Gerd


    Grafiken erstellt mit:


    en:start [Skychart]


    Stellarium Astronomy Software

  • Hallo Christian,


    es ist grandios, was Du aus dem kleinen Teleskop unter den schwierigen Bedingungen rausholst.

    Das liegt ganz einfach daran, dass Du Geduld hast, die Chancen wahrnimmst und nicht aufgibst, also ein Objekt auch mal länger und mit verschiedenen Okularen, Filtern beobachtest.

    Das zeigt, dass es eben nicht so sinnlos ist, aus der Stadt heraus zu beobachten, wie viele Leute glauben und auch oft genug zu lesen ist.

    Solche Berichte in einem Forum sind sehr hilfreich, danke dafür.


    Mars kann durchaus auch mal gerade so stehen, dass wenige dunkle Strukturen zu sehen sind und ich selbst schwöre auf meinen Orangefilter, damit bekomme ich oft erst den nötigen Kontrast zwischen den dunklen und hellen Gebieten.

    Und ja, hat man mit Farbfiltern erst mal eine Struktur, wie Du z.B. das zweite Band auf Jupiter erkannt, kann man das hinterher auch ohne Filter und ohne eine eventuell nicht so angenehme Einfärbung halten.

    Auf meiner Seite habe ich im Artikel zum Binoansatz ganz am Schluss mal gelistet, für welche Beobachtungen die verschiedenen Farbfilter taugen sollen. Das gibts auch anderswo zu lesen, da finde ich es halt schnell und die meisten angaben kann ich auch bestätigen.

    Für die ganz kräftigen Filter ist halt Deine Öffnung zu klein.


    Überhaupt hast du ja mal angedacht, eventuell für gewisse Gelegenheiten etwa mehr Öffnung zu holen.

    So wie du es angehst, würde es sich allein für den Balkon m.E. schon lohnen, auf dem Gebrauchtmarkt zu schauen, wann mal ein günstiger Skywatcher 130/650 Heritage zu schießen ist.

    Das ist, bezüglich Auflösung und Licht, gerade für Mond, Planeten schon ein ordentlicher Sprung.


    Gruß

    Günther

    Jeder macht sich die Probleme die er haben möchte,

    sei es um sie zu lösen oder um sie zu pflegen.

  • Hallo Christian,


    toll was und wie Du beobachtest! Ich lese diese Berichte mit Bgeisterung.


    In der Zeit, wo Du auf Mars gewartet hast, hättest Du Dir auch noch Uranus anschauen können. Der steht nämlich prachtvoll und hell deutlich rechts oberhalb von Jupiter!


    Man kann derzeit mit Venus, Mars, Jupiter, Saturn und Uranus gleich 5 Planeten abends bequem beobachten!


    Vielleicht heute Abend? Bei uns soll es in Köln wieder klar werden.


    Guido

  • Hallo Christian,


    vielen Dank für Deine Berichte - selber bin ich ja meist zu "bequem" um das Beobachtete zu beschreiben - oder denke meine einfachen Objekte interessieren eh keinen - aber jeder Bericht motiviert zum Gucken und selber beschreiben motiviert zum genaueren Beobachten - denke ich muss da "dran bleiben"

    Und Respekt: von 18:30 bis 3 Uhr - so lange halte ich nie durch :see_no_evil_monkey:

    viele Grüße, Martin

  • Das stimmt!

    Ich habe gestern gegen 17:00 Uhr angefangen (Beobachtung von Venus und Saturn im ersten Dämmern) und um 21:00 Uhr aufgehört. Da war mir dann dauerhaft trotz guter Kleidung zu kalt und es hätte länger gedauert, bis Stier, Zwillinge, Orion, große Hund usw. in mein bevorzugtes Beobachtungsfenster Süd - Südwest gewandert wären...


    Guido

  • Vielen Dank für die vielen netten Rückmeldungen! Und auch für die Tipps, die sind immer sehr hilfreich für mich, "nächste Schritte" zu planen!

    NGC 225 sollte eigentlich schon gut sichtbar sein. Durch seine Größe und der geringen Sterndichte kann es durchaus sein das er im Feld nicht sehr auffällt. Von der Stadt aus beobachtet mit ihrer Lichtverschmutzung ist es doch recht schwierig den zu sehen. Der wird sicher im aufgehellten Hintergrund untergehen.

    Ja, ich nehme auch an, dass ich vielleicht sogar richtig draufgehalten habe, ihn aber einfach nicht als Sternenhaufen erkannt habe. Ich habe ihn definitv weiter auf der Liste, für weitere Beobachtungen vom Balkon aus, aber vor allem auch für Gelegenheiten unter dunklerem Himmel.

    Wenn abzusehen ist, das es in der Nacht klar wird, nehme ich Stellarium und sehe mir an ob es z.B. bei Jupiter Mond- oder Schattendurchgänge gibt. Am Montag Abend gibt es einen Durchgang von Ganymed. Ab circa Mitternacht folgt dann der Schattendurchgang von Ganymed.

    Nachdem bisher an den Planeten überhaupt keine Strukturen erkannt habe, habe ich die Schattendurchgänge zwar immer interessiert zur Kenntnis genommen, aber für meine Bedingungen (Ort/Setup) als utopisch verworfen. Aber wenn es gerade so läuft, kann ich am Montag natürlich mal ausprobieren, ob ich beim Durchgang von Ganymed etwas erkennen kann, wenn die Bedingungen passen. Das wäre natürlich phänomenal. Vielen Dank für den Tipp!

    Und ja, hat man mit Farbfiltern erst mal eine Struktur, wie Du z.B. das zweite Band auf Jupiter erkannt, kann man das hinterher auch ohne Filter und ohne eine eventuell nicht so angenehme Einfärbung halten.

    Auf meiner Seite habe ich im Artikel zum Binoansatz ganz am Schluss mal gelistet, für welche Beobachtungen die verschiedenen Farbfilter taugen sollen. Das gibts auch anderswo zu lesen, da finde ich es halt schnell und die meisten angaben kann ich auch bestätigen.

    Für die ganz kräftigen Filter ist halt Deine Öffnung zu klein.

    Danke für deine Ermutigungen! Farbfilter hatte ich bisher nur sehr vage auf dem Radar, bis eben auf die drei Billigsteile, dich halt mal schnell mit in den Warenkorb geworfen habe, weil ich irgendetwas anderes bestellt habe und bei dreimal €1 nicht lange nachgedacht habe. Dass gestern sogar der billige grüne Filter geholfen hat, war eine echte Überraschung. Wenn ich deine Filterliste so durchgehe, scheint ein guter Gelbfilter möglicherweise eine sinnvolle Anschaffung. Gelb war zwar bei den Billigstdingern dabei, aber dass ich damit außer eine gelbe Sonne im Weißlicht noch keine Ergebnisse hatte, liegt sicherlich an der Qualität.

    Und, ach ja, ein Binoansatz. Das würde mich ja wirklich reizen, da habe ich mich auch schon ein wenig eingelesen. Für mein f/4 Newton ist das wohl leider keine Option.

    Überhaupt hast du ja mal angedacht, eventuell für gewisse Gelegenheiten etwa mehr Öffnung zu holen.

    So wie du es angehst, würde es sich allein für den Balkon m.E. schon lohnen, auf dem Gebrauchtmarkt zu schauen, wann mal ein günstiger Skywatcher 130/650 Heritage zu schießen ist.

    Das ist, bezüglich Auflösung und Licht, gerade für Mond, Planeten schon ein ordentlicher Sprung.

    Du kannst wohl Gedanken lesen ;) Ich hatte die Vergrößerung schon wieder verworfen, aufgrund meiner eigenen Komfortzone beim Transport. Aber gestern auf dem Balkon hatte ich schon den Gedanken, dass sich ein größeres Teleskop vielleicht auch nur für zu Hause und für die sehr seltenen Gelegenheiten, zu denen ich ein Auto zur Verfügung habe, lohnen könnte. Ich meine, mit etwas Glück habe noch gut 30 Beobachtungsjahre vor mir und so ein Teleskop wird ja nicht schlecht.

    Dass schon 130mm eine deutlich bemerkbare Verbesserung bringen, ist dabei eine wichtige Info. Du hattest mir ja im anderen Thread uneingschränkt zu den 150mm geraten, da war ich mir nicht sicher, ob das eine Zoll im Vergleich zu jetzt so viel bringt. Ich habe jedenfalls eine dauerhafte Suchanfrage für 130 und 150 bei Kleinanzeigen und werde mal sehen, was da so reinfliegt.

    Alternativ hatte ich gestern auch darüber nachgedacht, ob für den Balkon nicht evtl. ein größeres Maksutov ideal wäre, da ja vor allem Planeten und eigentlich Doppelsterne, die ich noch zu wenig auf dem Radar habe, gut gehen. Andererseits reizt es mich natürlich gerade, auch ein wenig die beschränkt mögliche Vielfalt auszureizen. Ich lass das mal in Ruhe sacken, hat ja keine Eile.

    In der Zeit, wo Du auf Mars gewartet hast, hättest Du Dir auch noch Uranus anschauen können. Der steht nämlich prachtvoll und hell deutlich rechts oberhalb von Jupiter!

    Ich hatte vage auf dem Schirm, dass Uranus auch gerade gut steht, hab es aber gar nicht erst versucht, bzw. mich gar nicht erst orientiert, wo er genau steht, weil ich immer lese, dass man für Uranus (und Neptun) einen dunkleren Himmel und eigentlich auch eine größere Öffnung braucht. Aber eigentlich doof, manchmal muss man sowas einfach mal probieren. Im Moment ist der Himmel klar, wenn das so bleibt, gehe ich das heute Abend vielleicht mal an, danke für den Tipp.

    selber bin ich ja meist zu "bequem" um das Beobachtete zu beschreiben - oder denke meine einfachen Objekte interessieren eh keinen - aber jeder Bericht motiviert zum Gucken und selber beschreiben motiviert zum genaueren Beobachten - denke ich muss da "dran bleiben"

    Mir ging das auch so, dass ich dachte, meine einfachen Beobachtungen interessieren keinen. Was soll schon interessant daran sein, wenn ich M42 und M45 beobachte, so wie jeder andere auch. Aber andererseits lese ich auch immer gerne, wie und unter welchen Bedingungen andere diese Standards sehen, weil es mir hilft, meine eigenen Möglichkeiten abzuschätzen. Und immer wieder komme ich bei solchen Berichten auch auf neue interessante Objekte, an die ich sonst nie gedacht hätte. Kemble' Cascade ist so durch einen Post hier im Forum auf meine Liste gerutscht - leider war die Giraffe gestern gar nicht zu erkennen. Aber ein anderes Mal.

    Und: Die Community im Astrotreff ist einfach klasse, die netten Rückmeldungen und Tipps zu den Berichten alleine sind schon eine Bestärkung, am Ball zu bleiben. Alleine dafür lohnt es sich, die Berichte zu schreiben. Mir persönlich hilft es auch, das Beobachtete noch besser in meinen Erinnerungen zu verankern, wenn ich sie ausführlich beschreibe. Vielleicht meine verbale Version des Zeichnens ;)

    Und Respekt: von 18:30 bis 3 Uhr - so lange halte ich nie durch

    Da war mir dann dauerhaft trotz guter Kleidung zu kalt und es hätte länger gedauert, bis Stier, Zwillinge, Orion, große Hund usw. in mein bevorzugtes Beobachtungsfenster Süd - Südwest gewandert wären...

    Das muss man natürlich relativ sehen. Der große Vorteil an den Balkonbeobachtungen ist ja der, dass ich in den "Wartepausen", die sich zwangsläufig ergeben, in die warme Wohnung gehen und meine nächsten Beobachtungen planen kann. Heißt zwar immer wieder Dunkeladaption aufs Neue, aber solange man jede "Runde" mit Planetenbeobachtung beginnen kann, geht das auch wieder.

    Das ist natürlich deutlich komfortabler als vier Stunden nonstop auf dem Acker.


    Ich wünsche euch einen schönen Sonntag. Ich muss jetzt mehrere Dinge erledigen, habe mir aber als Motivation gesetzt, dass ich ein wenig Sonnenbeobachtung machen "darf", wenn ich schnell genug fertig bin.

    Viele Grüße

    Christian

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    "In den Sternbildern kommt derart viel poetische Kraft und Phantasie zum Vorschein, dass einem dies fast wieder den Glauben an das Schöne und Gute des Menschen zurückgibt."

    (Raoul Schrott: "Atlas der Sternenbilder und Schöpfungsmythen der Menschheit"; 2024)


  • Danke für deine Ermutigungen! Farbfilter hatte ich bisher nur sehr vage auf dem Radar, bis eben auf die drei Billigsteile, dich halt mal schnell mit in den Warenkorb geworfen habe, weil ich irgendetwas anderes bestellt habe und bei dreimal €1 nicht lange nachgedacht habe. Dass gestern sogar der billige grüne Filter geholfen hat, war eine echte Überraschung. Wenn ich deine Filterliste so durchgehe, scheint ein guter Gelbfilter möglicherweise eine sinnvolle Anschaffung. Gelb war zwar bei den Billigstdingern dabei, aber dass ich damit außer eine gelbe Sonne im Weißlicht noch keine Ergebnisse hatte, liegt sicherlich an der Qualität.

    Und, ach ja, ein Binoansatz. Das würde mich ja wirklich reizen, da habe ich mich auch schon ein wenig eingelesen. Für mein f/4 Newton ist das wohl leider keine Option.


    Hallo Christian,


    versuch mal Sonne mit Grünfilter. Gelb ist das schönere Bild, aber Grün zeigt noch einen Tacken mehr Kontrast. Auch da ist mein Kompromiss Orange.


    Du kannst wohl Gedanken lesen ;) Ich hatte die Vergrößerung schon wieder verworfen, aufgrund meiner eigenen Komfortzone beim Transport. Aber gestern auf dem Balkon hatte ich schon den Gedanken, dass sich ein größeres Teleskop vielleicht auch nur für zu Hause und für die sehr seltenen Gelegenheiten, zu denen ich ein Auto zur Verfügung habe, lohnen könnte. Ich meine, mit etwas Glück habe noch gut 30 Beobachtungsjahre vor mir und so ein Teleskop wird ja nicht schlecht.

    Dass schon 130mm eine deutlich bemerkbare Verbesserung bringen, ist dabei eine wichtige Info. Du hattest mir ja im anderen Thread uneingschränkt zu den 150mm geraten, da war ich mir nicht sicher, ob das eine Zoll im Vergleich zu jetzt so viel bringt. Ich habe jedenfalls eine dauerhafte Suchanfrage für 130 und 150 bei Kleinanzeigen und werde mal sehen, was da so reinfliegt.

    Alternativ hatte ich gestern auch darüber nachgedacht, ob für den Balkon nicht evtl. ein größeres Maksutov ideal wäre, da ja vor allem Planeten und eigentlich Doppelsterne, die ich noch zu wenig auf dem Radar habe, gut gehen. Andererseits reizt es mich natürlich gerade, auch ein wenig die beschränkt mögliche Vielfalt auszureizen. Ich lass das mal in Ruhe sacken, hat ja keine Eile.....

    Ich habe ja einen 114er und einen 150er für den Balkon am Start, MAK und Co scheiden für mich da aus, wegen beschränkung auf höhere Vergrößerungen, ewiger Auskühlzeiten, baulichen Schwächen (Öffnungsausnutzung oft fraglich) und sonstigen Zickigkeiten.

    Was dem Newton an Ausgangsbrennweite fehlt, bringt eine gute Barlow, wenn nötig, genau so hin


    Okay, also 114 oder 150 mm, auf dem Baalkon gewinn meistens der 150er wenn ich auswähle und bezüglich Auflösung und Licht dann sehr deutlich.

    Der Sprung von 100 mm auf 130 mm ist prozentual gesehen sogar größer und 100 auf 150 mm wäre schon extrem.

    Es ist halt die Gretchenfrage für Dich, ob und wie oft Du auch mal mit mehr als nur dem ganz Kleinen verreisen willst/kannst und was da eben noch zumutbar ist, oder ob Du sagst, das größere Teil bleibt immer zu Hause.


    Gruß

    Günther

    Jeder macht sich die Probleme die er haben möchte,

    sei es um sie zu lösen oder um sie zu pflegen.

  • Hi Christian,


    Es geht voran ! ;) :thumbup:


    Ein paar Bemerkungen:

    • ja klar kannst Du am Jupiter die beiden grössten äquatorialen Bänder sehen ! Schau auch mal nach Finsternissen (Mondschatten auf der Scheibe !) - aber hohe Vergrösserung !
    • 6mm ist noch keine extrem hohe V. Rechne aus: f_ok / N = 6mm/4 = 1.5mm =AP. Das ist die Austrittspupille AP, N ist die Öffnungszahl, also wie oft Dein Spiegeldurchmesser in die Brennweite reingeht: N = f/D =400/100 =4.
    • Minimale AP ist 0.5mm (Vmax), besser nur 1mm.
    • M42 ist etwas speziell unter den Nebeln. Er hat nämlich gar so viel Licht im Emissionslinien, sondern viel Reflexionsanteil (Sternlicht, also kontinuierlich). Daher helfen bei ihm Linienfilter nicht sooo viel, wie man naiv erwartet.

    Hinweise für Beobachtung unter hellem Himmel:

    eyes4skies - edu

    (Navigation nach oben mit dem e4s Icon oben rechts)


    Good luck observing ! ;)

    Lg, Peter

  • Danke für das Feedback, PeterSurma

    Ich habe tatsächlich auch das Gefühl, dass es voran geht. Alleine schon, dass die Bedienung des Teleskops und die Orientierung beim Nachschubsen schon deutlich intuitiver passiert, was mentale Ressourcen für andere Baustellen freischaufelt ;)

    Der deutlich bessere Fluid Head trägt seinen Teil dazu bei, ich kann ihn deutlich sanfter bewegen, er sackt nicht nach, hält seine Position. Was für ein Unterschied.

    Schau auch mal nach Finsternissen (Mondschatten auf der Scheibe !) - aber hohe Vergrösserung !

    Ja, ich hatte die Mondschatten immer hier im Forum wahrgenommen und interessiert mitgelesen, aber nachdem ich ja bislang nichtmal irgendwelche Strukturen erkennen könnte, war ich der Meinung, dass meine Optik dafür nicht geeignet sei. Bei den nächsten werde ich es auf jeden Fall versuchen.

    6mm ist noch keine extrem hohe V. Rechne aus: f_ok / N = 6mm/4 = 1.5mm =AP. Das ist die Austrittspupille AP, N ist die Öffnungszahl, also wie oft Dein Spiegeldurchmesser in die Brennweite reingeht: N = f/D =400/100 =4.
    Minimale AP ist 0.5mm (Vmax), besser nur 1mm.

    Die Mathematik ist mir sogar bewusst. Ich konnte aber eigentlich schon das 6mm nur sehr selten sinnvoll einsetzen, weil die Bedingungen nie gut genug waren (Seeing etc.). Hier in der Stadt sowieso, aber auch in dunkleren Gegend. Ich glaube, ich habe das 6mm gestern öfter im Teleskop gehabt als bei all den anderen Gelegenheiten zusammen.

    Vielleicht halte ich mal die Augen nach einem 4mm offen, ich schreibs mal auf die Liste ;)

    M42 ist etwas speziell unter den Nebel, er hat nämlich gar so viel Licht im Emissionslinien, sondern viel Reflexionsanteil (Sternlicht, also kontinuierlich). Daher helfen bei ihm Linienfilter nicht sooo viel, wie man naiv erwartet.

    Das war nur völlig neu, danke für die Erklärung. Jetzt macht das auch Sinn mit dem UHC-E. Dann bin ich mal auf den ersten Einsatz unter dunklem Himmel bei "reinen" Emissionsnebeln gespannt.



    Ich musste gestern irgendwann laut auflachen, was meine Nachbarn wahrscheinlich nicht so gut fanden, weil ich an deinen Satz in meinem Schwarzwald-Thread denken musste:

    Von Planeten kann man sich auch in Ffm enttäuschen lassen. :D

    Soll mal keine sagen, ich würde Hinweise aus dem Astrotreff nicht ernst nehmen und umgehend umsetzen ;)

    Schönen Abend,
    Christian


    EDIT:

    Das habe ich gerade unter deinem Link gefunden:

    Quote

    Stellare Objekte profitieren vom Trick des Hochvergrösserns: durch Vergrösserung Vx werden die Photonen des Himmels-Hintergrunds im Okular auf eine immer grössere Fläche verteilt. Damit sinkt dessen Helligkeit pro Rezeptorfläche in unserem Auge. Ein unaufgelöster Stern bleibt auch bei höherer Vergrösserung (jedoch nur bis das Beugungslimit - d.h. AP=1mm...0.5mm - erreicht ist !) praktisch punktförmig (hängt auch vom Seeing ab natürlich).
    Daher wird ein Stern auch bei hohem Vx immer noch auf ein Rezeptorelement abgebildet und bleibt damit annähernd unverändert hell - während der Hintergrund abgeschwächt wird. Bei niedriger Vergrösserung lassen sich im Okular kaum schwache Sterne ausmachen. Je höher man vergrössert, desto mehr schwache Sterne tauchen aus dem Hintergrund auf !


    Das würde ja noch mehr für ein 4mm Okular sprechen, und dafür, dass mein Eindruck, dass ich das 6mm nicht so oft nutzen kann, eher falsch ist, oder?

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    (Raoul Schrott: "Atlas der Sternenbilder und Schöpfungsmythen der Menschheit"; 2024)

    Edited once, last by ChristianFfm ().

  • Servus Christian,


    auch mich freut es für dich, dass es so gut voran geht. Zu den beiden Hidden Treasures 1 & 2 aka NGC 189 & 225:


    Das Sterne-Hoppeln (Star Hopping) muss einfach etwas geübt sein. O'Meara beginnt, richtig, wie ich finde, bei gamma Cas, den man ja mit bloßem Auge ials Teil des "W" sieht. Sein "a" ist HD 5015, mit 4m8 auch schon mit bloßem Auge zu finden. HD 4817 ist dann im Teleskop wunderschön orangegelb, ein toller Anblick für sich allein - das ist "b" in O'Mearas Schatzkarte. Man kann jetzt einfach, wenn man die Himmelsrichtung am Teleskop/Himmel kennt, nach Westen gehen. O'Meara hat aber noch ein kleines Sternmuster eingetragen, südwestlich von HD 5015. Drei etwas hellere Sterne (HD 4561, HD 4442 und HD 4488 – 7m9, 8m7 und 8m7 hell. Westlich davon stehen zwei Sterne mit 9m3 resp. 9m7, die zwei kleinen Pünktchen nebeneinander in der Schatzkarte. Die zeigen direkt zum Haufen. Man muss also nur verlängern. Dann bist du beim Schatz Nr. 2, dem Segelboothaufen.

    O'Meara beschreibt dort ein großes Herz, mit dem man auch Stock 24 finden kann (als Beifang). Das Herz ist hier bei uns auch als HM 4 (Hay-Merting 4) bekannt: https://www.freunde-der-nacht.…e/sternmuster/sm-von-h-i/ Rene ist hier ja auch im Forum aktiv ( ReneM ). O'Meara hat das Buch 2007 rausgebracht. Rene kann uns sicher sagen, wer früher dran war, das Sternmuster zu beschreiben. Christopher und René sehen eher einen großen Kreis, O'Meara noch eine Herzscheidewand.


    Wie auch immer, der Sternhaufen sieht auf den ersten Blick wie ein Segelboot aus. Lohnt sich, den nochmal aufzusuchen.


    Für Hidden Treasur 1 aka NGC 189 kann man nun entweder zu dem kleinen Sternmuster zurückkehren und die beiden helleren HD 4561 und HD 4442 nach südwesten verlängern. Dann kommt man zu NGC 189. Das kleine Sternmuster "c" kann da helfen, ein kleines Viereck aus Sternen 9ter und 10ter Größenklasse.


    Das nette an Schatzkarten ist ja, dass der Weg zum Ziel nicht ganz so einfach ist, wie man zunächst denken mag. NGC 224 ist aber hell und markant, also leicht zu finden. Und das Gefühl, wie man das Teleskop geschmeidig in welche Richtung bewegt, kommt sicher noch.

    „[T]he best way to find NGC189 is to first locate brighter and larger NGC22.” Wieso finde ich dann das schwerere Objekt, scheitere aber am einfacheren? Hab ich da etwas durcheinander gebracht?

    Sowas kann immer mal passieren. Man startet bei einem Stern und bewegt das Teleskop im falschen Winkel. Im schlimmsten Fall fängt man an "zu rühren", in der Hoffnung, so etwas zu finden. Und wenn dann zufällig NGC 189 im Bild ist, o.k., passiert. Ich hätte dann nach dem Sternenviereck geschaut (denk dran, alles auf dem Kopf und spiegelverkehrt, also das Buch einfach drehen). Die westliche Kante zeigt direkt auf NGC 224. Und schwupps, hättest du das auch gehabt.


    Ich achte beim Sterne-Hoppeln immer nach erkennbaren geometrischen Figuren, die mir die Richtung weisen. O'Meara zeichnet die auch gerne in die Karten ein ;-).


    Ich fange an, offene Sternenhaufen immer mehr zu mögen und ich muss wirklich mal anfangen, mich am Zeichen zu versuchen.

    Das lese ich doch sehr gerne und ja, unbedingt: Das Zeichnen zwingt einen, genauer hinzusehen. Und im Nachhinein kann man dann auf Sternkarten oder bei wikisky.org die gezeichneten Sterne wiedererkennen und so auch die gesehene Grenzgröße bestimmen.


    Ich wünsche dir weiterhin viel Freude am Hobby, liebe Grüße,

    Christoph

    Mein Verein: Astronomische Gesellschaft Buchloe e.V.

    Meine Ausrüstung:

    Teleskope: "Dino" 22" (560 mm)  f/3.5 Dobson (Martini / Oldham Optical)  –  Omegon Ritchey-Chretien Pro RC 203/1624; Montierung: iOptron CEM40G  –  Ferngläser (9 x 42, 20 x 60)

    Kamera: Canon EOS 6D Mark II (Vollformat, unmodifiziert); Kameraobjektiv: meist Canon EF-200 mm f/2.8 Teleobjektiv

  • Danke für den Zuspruch und die Erläuterung zum O'Meara und seinen Karten, Lucifugus

    Ja, das mit dem Star Hopping wird noch eine größere Baustelle bleiben. Ich bewege inzwischen das Teleskop beim Nachschubsen meist intuitiv in die richtigen Richtungen, aber die Orientierung am Nachthimmel, zumal mit der spiegelverkehrten Darstellung, bleibt schwierig. Ich weiß auch nicht ganz, ob der Stadthimmel da eher stört (weniger Sterne zur Orientierung), oder vielleicht sogar hilfreich ist (weniger Sterne, um mich zu verwirren ;) ) Auch das mit den Himmelsrichtungen am Teleskop werde ich mir nochmal genauer ansehen müssen. Und dieses "Rühren" kenne ich natürlich zu gut.

    Meine eigene "didaktisierte" Vorgehensweise ist aktuell die, dass ich mir Objekte aussuche, die recht leicht zu finden sind, da man das Teleskop von markanten Stellen aus größtenteils in ein oder zwei geraden Linien bewegen muss, sowas wie M13 oder M31 - wenn der Himmel das hergibt, dass ich aber gleichzeitig versuche, schon "unterwegs" markante Sternenkonstellationen zu identifizieren. EInfach um das Erkennen solcher Muster zu üben und ein Gefühl für die spiegelverkehrte Darstellung zu bekommen. Dafür beschäftige ich mich jetzt auch mehr mit Cartes du Ciel, was mir für diese Zwecke besser erscheint als Stellarium, allein schon, weil man die Karten ausdrucken kann.

    Aber ich bleib auf jeden Fall dran, am Star Hopping allgemeinen und natürlich an NGC189 und NGC225, so schnell gebe ich nicht auf.

    Viele Grüße nach Bayern,
    Christian

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    (Raoul Schrott: "Atlas der Sternenbilder und Schöpfungsmythen der Menschheit"; 2024)

  • Ich hatte vage auf dem Schirm, dass Uranus auch gerade gut steht, hab es aber gar nicht erst versucht, bzw. mich gar nicht erst orientiert, wo er genau steht, weil ich immer lese, dass man für Uranus (und Neptun) einen dunkleren Himmel und eigentlich auch eine größere Öffnung braucht.

    Hey Christian,

    schön zu lesen, daß es mit den Wolkenbändern auf Jupiter nun geklappt hat.

    Uranus sollte ebenfalls funktionieren. Ich sehe ihn aus der Großstadt im 25x100 Fernglas als "matten blauen Stern", der sich bei längeren Hinsehen als winziges Scheibchen in der für Uranus typischen blauen Farbe zeigt, so ein samtsattblau. Ich finde allein die Farbe interessant. Aber mit Farbe habe ich da sowieso einen eigenen Fetisch in der visuellen Beobachtung. ^^


    Viele Grüße

    Johannes

  • Nachschlag, 19. Januar 2025

    Heute war nicht ganz so ausufernd, auch weil ich bis in den Abend rein einiges zu tun hatte, aber ein paar nette Momente waren doch drin, die ich nutzen konnte, um das Feedback aus diesem Thread zum Teil umsetzen zu können. Der Bericht wird nicht ganz so ausführlich und detailliert, ich will ja eure Geduld nicht strapazieren ;), außerdem bin ich ziemlich müde.


    Nachmittags, so zwischen 14 Uhr und 15 Uhr konnte ich ein wenig Sonnenbeobachtung reinschieben, auch weil die Sonnenflecken, die Gerd K. angepriesen hatte, mich gereizt haben. Das Seeing war eher schlecht. Ich habe aber mit dem 100/400 Newton und dem 13mm Hyperion 19 Flecken in 8 Gruppen gezählt, wobei ich nicht weiß, ob ich hier immer die "richtige" Zählweise habe. Die beiden großen Sonnenflecken mit den Penumrien waren sehr schön anzusehen.

    Im H alpha, mit dem Coronado PST und einem Zoom-Okular, das für das PST das angenehmste Einblickverhalten hat, konnte ich schön ein paar Fackeln und Filamente beobachten, der Rand der Sonne war ein wenig durch Protuberanzen gekräuselt, aber das konnte ich eher erahnen. Das PST hat aber auch einen korrdierten Filter, den muss ich mal auswechseln lassen.

    versuch mal Sonne mit Grünfilter. Gelb ist das schönere Bild, aber Grün zeigt noch einen Tacken mehr Kontrast. Auch da ist mein Kompromiss Orange.

    Das habe ich natürlich auch gleich ausprobiert. Beim ersten Blick hat die Sonnenoberfläche durch den Grünfilter hat die Sonnenoberfläche ein wenig gekräuselt gewirkt und ich dachte erst, das wäre vielleicht ein Effekt des Seeings. Beim nochmaligen Wechsel zwischen 13mm Hyperion ohne und dann mit Grünfilter hatte ich den Eindruck, dass da vielleicht doch ganz schwach ein wenig die Granulation erahnbar war. Aber das kann auch Wunschdenken gewesen sein. Der Orangefilter scheint aber ja wirklich viele verschiedene Anwendungsgebiete zu haben, ich hab ihn mal auf meine "irgendwann mal" Shopping Liste gesetzt. Erfahrungsgemäß ist "irgendwann mal" gar nicht so weit entfernt...


    Abends bin ich dann immer mal wieder raus, heute nur für Planeten. Um 18.30 Uhr Venus, wieder sehr schon halbmondförmig im 6mm zu sehen. Ich muss ich echt mal genauer mit der Tagebeobachtung beschäftigen, die Sichelform möchte ich mir nicht entgehen lassen - und wenn ich mogeln muss und das GoTo der Skywatcher AZ Gti verwende, um sicher zu gehen, nicht plötzlich in die Sonne zu starren. Ich hänge irgendwie an meinen Augen, an beiden.

    Nach dem Erfolg mit den Wolkenbändern am Jupiter wollte ich mal sehen, ob beim Saturn vielleicht auch mehr an Struktur geht. Das war leider nichts, die Himmelsqualität war aber auch deutlich schlechter als gestern. Dafür habe ich zum ersten Mal auch beim Saturn darauf geachtet, ob ich Monde sehen kann. Ganz schwach war da ein kleiner Punkt, allerdings recht weit vom Saturn entfernt. Ich war mir erst nicht ganz sicher, aber eine Überprüfung in Stellarium später hat ergeben, dass es eigentlich nur Titan gewesen sein kann. Auch eine schöne Überraschung!

    Das verdammte ACS3 Sonnensegel sollte auch wieder einen Überflug haben. Na ja, für den Bruchteil einer Sekunde meine ich, eine schnelle, nicht blinkende Bewegung aus dem Augenwinkel wahrzunehmen, aber das zählt irgendwie nicht. Mal sehen...


    Und jetzt zum Schluss nochmal der Jupiter. Ich wollte sehen, ob ich beim Jupiter die Wolkenbänder wieder sehe: Es hat im 6mm Goldkante und im 13mm Hyperion auf Anhieb geklappt. Es stimmt schon, wenn man einmal etwas erkannt hat, ist es beim nächsten Mal so viel einfacher. Die vier galileischen Monde, wie gewohnt in einer Reihe, sind sowieso immer ein schöner Anblick. Und die Entfernung von Callisto zum Jupiter hat mich davon überzeugt, dass ich vorher am Saturn tatsächlich Titan gesehen hatte.

    In der Zeit, wo Du auf Mars gewartet hast, hättest Du Dir auch noch Uranus anschauen können. Der steht nämlich prachtvoll und hell deutlich rechts oberhalb von Jupiter!

    Uranus sollte ebenfalls funktionieren. Ich sehe ihn aus der Großstadt im 25x100 Fernglas als "matten blauen Stern", der sich bei längeren Hinsehen als winziges Scheibchen in der für Uranus typischen blauen Farbe zeigt, so ein samtsattblau.

    Den Uranus hatte ich kurz vor dem Jupiter versucht. Laut Stellarium heute recht direkt unter den Plejaden. Aber irgendwie habe ich ihn nicht gefunden. Der einzige hellere "Punkt", dort wo ich Uranus vermutet hätte, war sehr klar gelblich, nicht bläulich. Wahrscheinlich wieder so ein Star Hopping Fail. Aber den erwische ich auch noch. Der Uranus ist der einzige Planet, den ich noch nicht gesehen habe - und Neptun bisher nur in einem Fremdteleskop, aber ich fürchte, bei Neptun wird das erstmal noch so bleiben.


    Damit beende ich mein Astrowochenende und gehe endlich mal schlafen. Vielen Dank für die vielen netten Rückmeldungen, Ermunterungen und Tipps. Ich weiß das wirklich sehr zu schätzen.

    Ich wünsche euch einen schönen Wochenstart.

    Christian

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    (Raoul Schrott: "Atlas der Sternenbilder und Schöpfungsmythen der Menschheit"; 2024)

  • Hallo Christian,

    habe ich die Schattendurchgänge zwar immer interessiert zur Kenntnis genommen, aber für meine Bedingungen (Ort/Setup) als utopisch verworfen. Aber wenn es gerade so läuft, kann ich am Montag natürlich mal ausprobieren, ob ich beim Durchgang von Ganymed etwas erkennen kann

    Die Schattendurchgänge sind einfach zu sehen, denn der Schatten vom Mond hebt sich kontrastreich vor dem Planetenscheibchen ab. Die Schatten fallen schon bei niedriger Vergrößerung als dunkler Punkt vor dem Planetenscheibchen auf. Die Durchgänge der Monde selbst sind deutlich schwieriger zu sehen, denn hier ist der Kontrast zum Planetenscheibchen nicht so hoch. Da ist es am besten, den Mond vor dem Durchgang zu beobachten und den weiterzuverfolgen wenn er in Jupiter "eintaucht".


    Das habe ich natürlich auch gleich ausprobiert. Beim ersten Blick hat die Sonnenoberfläche durch den Grünfilter hat die Sonnenoberfläche ein wenig gekräuselt gewirkt und ich dachte erst, das wäre vielleicht ein Effekt des Seeings.

    Das ist schon das Netzwerk der Granulation.

    Mit einem Grünfilter oder noch besser mit einem SolarContinuum kann der Kontrast auf der Photosphäre erhöht werden. Nicht nur die Granulation ist dann besser zu sehen, sondern auch die randnahen photosphärischen Fackeln.


    Viele Grüße

    Gerd

  • Hi,


    Wegen Hochvergrössern bei stellaren Objekten.

    Würde ich erstmal nichts weiter kaufen. Der Benefit von viel Equipment (für den Kunden, nicht für den Verkäufer) wird weit überschätzt i.a.


    Dein Problem ist hauptsächlich der Himmel in Ffm, da macht der Schritt von 6 auf 4mm auch nicht mehr die Welt aus. Und ja, Okulare mit geringer Brennweite braucht man als DeepSkyler eher immer weniger (in punkto Zeitanteil, den man sie benutzt).


    Starhopping ?

    eyes4skies - edu

    (Navigation in der Seitenhierarchie nach oben mit dem e4s Icon oben rechts, da gibt es noch viele weitere Artikel... ;) )


    Ausserdem kannst Du den Effekt des Okulars hier checken:

    Telescope Limiting Magnitude Calculator


    Good luck,

    Peter

  • Wegen Hochvergrössern bei stellaren Objekten.

    Würde ich erstmal nichts weiter kaufen. Der Benefit von viel Equipment (für den Kunden, nicht für den Verkäufer) wird weit überschätzt i.a.


    Dein Problem ist hauptsächlich der Himmel in Ffm, da macht der Schritt von 6 auf 4mm auch nicht mehr die Welt aus. Und ja, Okulare mit geringer Brennweite braucht man als DeepSkyler eher immer weniger (in punkto Zeitanteil, den man sie benutzt).


    Starhopping ?

    eyes4skies - edu

    Hallo Peter,

    Rückmeldungen, die mich davon abhalten, öfter Astro-Zubehör zu kaufen als tatsächlich zu beobachten, sind eine Wohltat für meinen Geldbeutel :)
    Deine Seite zum Starhopping und die von Cateye habe ich tatsächlich schon gründlichst studiert. Beide sehr gut verständlich und sehr hilfreich! Die Theorie ist mir also klar, allein es fehlt die Übung. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich mich bisher vor schwierigeren Objekten "gedrückt" habe, wenn die Beobachtungsbedinungen mal gut gewesen wären. Irgendwie war dann der Drang nach Erfolgserlebnissen und damit nach einfacheren Objekten immer größer. Es wird also Zeit, diesen inneren Schweinehund mal ernsthaft zu überwinden.

    Viele Grüße

    Christian

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  • Servus Christian,


    am Anfang brauchst du einfach Geduld und Muße. Du wirst öfters beim Ausgangspunkt erneut beginnen müssen, denn man kann sich eben auch beim Starhopping verlaufen. Ich habe zum Beispiel für UGC 3374, eine lichtschwache Galaxie, deren Kernregion 15m4 hell ist, locker eine Dreiviertelstunde gebraucht, denn ich musste in einer sehr sternreichen Gegend (Milchstraßenebene in der Nähe) wirklich jeden einzelnen Lichtpunkt mit der Karte vergleichen, um zu sehen, welcher der vielen Punkte der Galaxienkern ist. Dabei war der Weg nicht sehr weit. Nur ist das Objekt eben erst beim Hochvergrößern als solches zu erkennen. Da zeichnete sich dann diffus beim indirekten Sehen noch was Längliches ab, was der Balken der Balkenspirale ist.

    Und glaube nicht, dass ich beim zweiten Ankauf viel schneller war – etwas schon, aber ich habe eine detailliertere Karte genommen, um zu verifizieren, dass ich wirklich am Objekt bin und mir nichts ein´bilde. Ich habe das Objekt dreimal per Star-Hopping aufgesucht und dabei am Ende dann die SDSS-Fotografie als Vorlage genommen. Jedes Mal kam ich wieder zum gleichen Lichtpunkt und jedes Mal habe ich was Nebeliges erahnt.


    Erstes Star-Hopping erfolgte mit dem ausgedruckten TriAtlas. Das zweite per ausgedrucktem Kartenausschnitt der Pretty Deep Maps. Das dritte Star-Hopping dann mit dem SDSS-Foto wie beschrieben. Letzteres nehme ich nur in Notfällen, da dort auch sehr lichtschwache Galaxien wie helle Sterne wirken und einen sehr verwirren können.


    Umso schöner war es dann, auf allen drei Wegen das Objekt gefunden zu haben. Star-Hopping ist einfach wie eine Schnitzeljagd oder Schatzsuche. In dem Fall eine extrem aktive Seyfertgalaxie mit für den Galaxientyp extremem Gammastrahlenoutput. Im Prinzip ein nicht mehr quasistellarer Quasar, da ich mit 22 Zoll noch Galaxie drumrum sah.


    Und genau das finde ich so schön am Sternen-Hoppeln: die Schatzkarte (Sternkarte) lesen, sich über geometrische Formen langsam aber sicher ranpirschen, dann den Schatz entdecken und das Erfoilgserlebnis genießen. Und wenn man den Schatz nicht entdeckt hat, nicht aufgeben und an einem anderen Abend suchen. Wäre es so einfach, wäre es ja kein versteckter Schatz.


    Dass Normalmenschen annehmen können, dass da jemand einen an der Klatsche hat, mit einem großen Teleskop nach einem Lichtpunkt zu suchen, um den indirekt noch etwas grau schimmert, mal ganz außen vor gelassen. 8o


    Liebe Grüße und viel Erfolg beim Üben,

    Christoph

    Mein Verein: Astronomische Gesellschaft Buchloe e.V.

    Meine Ausrüstung:

    Teleskope: "Dino" 22" (560 mm)  f/3.5 Dobson (Martini / Oldham Optical)  –  Omegon Ritchey-Chretien Pro RC 203/1624; Montierung: iOptron CEM40G  –  Ferngläser (9 x 42, 20 x 60)

    Kamera: Canon EOS 6D Mark II (Vollformat, unmodifiziert); Kameraobjektiv: meist Canon EF-200 mm f/2.8 Teleobjektiv

  • Hallo Christoph,

    Und genau das finde ich so schön am Sternen-Hoppeln: die Schatzkarte (Sternkarte) lesen, sich über geometrische Formen langsam aber sicher ranpirschen, dann den Schatz entdecken und das Erfoilgserlebnis genießen. Und wenn man den Schatz nicht entdeckt hat, nicht aufgeben und an einem anderen Abend suchen. Wäre es so einfach, wäre es ja kein versteckter Schatz.

    Der Vergleich mit der Schatzkarte gefällt mir sehr gut. Stimmt schon, ein bisschen ist das schon so, ja. Ich werde das als Einstellung für das Starhopping übernehmen.

    Dass Normalmenschen annehmen können, dass da jemand einen an der Klatsche hat, mit einem großen Teleskop nach einem Lichtpunkt zu suchen, um den indirekt noch etwas grau schimmert, mal ganz außen vor gelassen.

    Das sowieso :) Die Freude, die man über Lichtpunke, verwischte Flecken und kleine farbige Scheibchen empfindet, kann man wohl niemandem vermitteln, der das nicht selbst erlebt. Viel hängt, zumindest für mich, natürlich auch daran, dass man weiß, was man da sieht. Was da Unvorstellbares passiert in unvorstellbarer Entfernung und in unvorstellbar langen Zeiträumen. Und das kann man mit eigenen Augen sehen, das ist schon phänomenal.

    Viele Grüße

    Christian

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    "In den Sternbildern kommt derart viel poetische Kraft und Phantasie zum Vorschein, dass einem dies fast wieder den Glauben an das Schöne und Gute des Menschen zurückgibt."

    (Raoul Schrott: "Atlas der Sternenbilder und Schöpfungsmythen der Menschheit"; 2024)

  • Hi! Der Januar ist mein Einsteiger-Monat in die Astronomie und welch Wunder sammle ich meine ersten Erfahrungen entlang der Beobachtung der Planeten und des Mondes. Bislang habe ich den Mond, Venus, Mars, Jupiter und Saturn vors Okular bekommen, mithin jene leicht auffindbaren weil mit bloßem Auge sichtbaren Objekte.


    Heute möchte ich anlässlich der Parade gern erstmals Uranus und Neptun einfangen, wohlwissend dass ich da mit meinem 8Zoll Dobson nicht viel mehr als ein grün- bzw. blau leuchtendes Scheibchen sehen werde.


    Das bedeutet aber auch, dass ich erstmals richtig mit Sternkarte und Sternbildern arbeiten muss! Habt Ihr vllt Tipps für dafür?


    Liebe Grüße!

  • Okay,


    in Stellarium oder einem sonstigen Programm findet man Uranus auf aktuellen Ansichten, jetzt, also 20.10 Uhr vor dem Stier, zwischen den Plejaden und dem Stern 1 TAU, ziemlich mittig, aber etwas vom Stier weg versetzt.

    Auf der gedachten Verbindunglinie mittig ist ein Rechteck aus schwachen Sternen (6 bis 7 Mag zu sehen), welches im Fernrohr auffällig und leicht zu identifizieren sein sollte.

    Die oberen beiden Sterne der Schmalseite des Rechtecks sind nun von Interesse (im Newton unten, denn die Verbindungslinie zwischen ihnen 3,5 mal vom Stier weg verlängert, führt zu Uranus, der als bläulichgrünerer Stern (es gibt keine visuell blaugrünen Sterne) aus dem Rahmen fällt und beim Hochvergrößern schnell Fläche zeigt.


    Ein eventuell einfacherer Weg wäre, auf einem zur Grenzgröße im Sucher passenden Sternkartenausdruck (oder eben mit der passenden Einstellung der Grenzgröße im Programm) die Sterne 1 TAU und 5 Tau sowie 57 ARI zu identifizieren. Mit 3,4 und 4,1 sowie 4,3 Mag könnten sie oft schon freiäugig auffallen, Bildet man aus ihnen ein Dreieck. steht Uranus gerade genau auf der "Sehne" zwischen 57 Ari und 35 TAU, etwa auf einem fünftel der Strecke von 57 ARI aus gesehen.....wieder das komische blaue Sternchen suchen und höher vergrößeren



    Gruß

    Günther

  • Das bedeutet aber auch, dass ich erstmals richtig mit Sternkarte und Sternbildern arbeiten muss! Habt Ihr vllt Tipps für dafür?

    Ja der Tipp ist natürlich: verstehe und lerne StarHopping ! ;)


    Nur 4 Posts weiter oben steht ein Link dafür:


    Lg


  • Das bedeutet aber auch, dass ich erstmals richtig mit Sternkarte und Sternbildern arbeiten muss! Habt Ihr vllt Tipps für dafür?

    Jou,


    da gibts unter Suchen und Finden auf meiner Seite ein paar Ideen.


    Das Buch der Starhopper von Thomas Jäger ist m.E. sehr gut, aber leider nur noch schwer zu finden,


    Gruß

    Günther

    Jeder macht sich die Probleme die er haben möchte,

    sei es um sie zu lösen oder um sie zu pflegen.

  • Ich schreib mal meine Balkonbeobachtungen weiterhin alle in diesen Thread, um das Forum nicht mit Beobachtungsthreads zuzuspammen. Vielleicht ein Luxusproblem, aber im Moment gibt es zwischen längeren Phasen mit drückender, grauer Wolkendecke tatsächlich immer mal wieder wunderbare Beobachtungsnächte und -tage. Am Samstag war es wieder so weit, nachdem ich schon am Freitag kurz Gelegenheit hatte, das neue Svbony Zoomokular erfolgreich an Mond, Venus, Jupiter und Mars auszutesten.


    1. Februar 2025


    Schon beim Aufstehen ist der Himmel wolkenlos und strahlend blau. Es ist Samstag, ich habe sonst keine Pläne, also gibt es keine Ausrede, nicht ein wenig Sonnenbeobachtung zu machen.

    Ich zähle im Weißlicht im 100/400 Newton durch das 13mm Baader Hyperion (also 30x Vergrößerung) 31 Sonnenflecken in fünf Gruppen. So ganz passt die daraus entstehende Sonnenflecken-Relativzahl von 81 nicht zur Angabe auf Spaceweather, aber das ist ja nicht so wild. Ich berechne sie eher, um mich dazu zu zwingen, genau hinzusehen und über das Beobachtete auch nachzudenken. Ich probiere wieder meinen billigen Grünfilter und sehe trotz des schrecklichen Seeings wider ganz schwach eine leicht kriselige Oberfläche, von der mir hier zugesichert wurde, dass es wohl die Granulation sein muss. Der Orange Filter, den Cateye empfohlen hat, kommt auf jeden Fall auf die Wunschliste, die immer länger wird.

    Im H alpha durch das Coronado PST und das Baader Zoom Okular bei ca. 15mm (also ca. 26x Vergrößerung) bin ich heute das erste Mal sehr beeindruckt. Ich sehe zwei dunkle breite Scharten, vermutlich heftige Filamente, wie mir Gerd K. später in seinem Thread erklärt. Das hatte ich so noch nicht, hatte aber das PST auch noch nicht so oft im Einsatz. Ich erkenne auch eine logeslöste Protuberanz recht deutlich, allerdings ist mir bei der Beobachtung nicht klar, dass sie wirklich losgelöst ist. Ich dachte, mein PST bildet einfach die Verbindung zur Chromosphäre nicht deutlich genug ab. Erst später lese bei Gerd K., dass es wirklich eine losgelöste Protuberanz ist. Das ist vielleicht meine bisher eindrucksvollste H alpha Beobachtung; der Tag geht also gut los. Das Newton bleibt auf dem Balkon stehen, damit es abends dann gut ausgekühlt ist.


    Der Abend beginnt dann gegen 18 Uhr, als endlich die Mondsichel mit der Venus in mein Blickfeld rückt. Der Saturn ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu sehen, da der Himmel noch zu hell ist. Er kommt später dazu, bleibt aber schwach und verschwindet schnell hinter Bäumen.

    Im Nikon Action Ex 8x40 sind Mond und Venus ein sehr schöner Gesamtanblick. Die Venus zeigt dann schon im 13mm Hyperion deutlich, dass sie immer mehr zur Sichel wird. Die perfekte Gelegenheit das neue Svbony Zoom Okular auszutesten. Die 3mm bringen mich mit 133x Vergrößerung noch lange nicht an die (theoretische) Maximalvergrößerung meines 4“, also auf 200x, aber vom Balkon aus und mit den Häusern um mich herum ist der Anblick trotzdem nicht gerade angenehm. Aber schon 4mm (100x) sind eine deutliche Verbesserung, bei 5mm (80x) ist die Venusphase ganz gut erkennbar.

    Dann ist der Mond an der Reihe. Dafür, dass der Mond ein gutes Objekt für meinen Beobachtungsstandort ist, beobachte ich ihn viel zu selten, also lass ich mir diesmal Zeit mit ihm. Erst in seiner Gesamtheit im 13mm Hyperion (30x Vergrößerung), wodurch der Erdschein wunderbar zur Geltung kommt. Dann mache ich mit dem Svbony Zoom einen Spaziergang entlang des Terminators, erst bei 3mm, dann bei 4mm (100x). Beim Mond geht das ganz gut, vor allem mit einem Svbony Mondfilter. Ich betrachte in Ruhe das Mare Crisium und wandere weiter zu Langrenus und dann zu Petavius. Vor allem bei Petavius ist der Zentralhügel schon sehr eindrucksvoll, mir gefallen aber auch die Einschläge in den Kratern sehr gut. Leider lese ich erst danach im Kosmos Mondführer nach und merke, dass ich nicht auf die „Geisterkrater“ in Langrenus geachtet habe. Na ja, nächstes Mal.

    Zwischendrin nehme ich gegen 18.40 Uhr mal den Blick vom Okular und sehe mit bloßem Auge nach oben, als ich einen mittelhell gelblich leuchtenden Punkt recht schnell und ohne Blinken über den Himmel ziehen sehe. Das wird doch wohl nicht wirklich mal dieses verdammte NASA ACS3 Sonnensegel sein, das ich schon so oft vergeblich beobachten wollte? Hektisch krame ich meine Handy heraus, öffne HeavensAbove und tatsächlich, es gibt gerade einen Überflug und der Punkt liegt genau entlang der Flugbahn. Ich bemühe mich ja sehr, meine Beobachtungen nicht mit einer „Abhak-Mentalität“ anzugehen, aber hier mache ich mental einen großen Haken und fühle mich kein bisschen schlecht dabei.


    Als auch der Mond hinter Bäumen verschwindet, ist es nach 19 Uhr und so langsam dunkel genug für DSO. Nachdem ich beim letzten Mal an zwei offenen Sternhaufen in der Cassiopeia, NGC225 und NGC189, so ein wenig gescheitert bin, habe ich mir vorgenommen, mich heute vor allem an diesem Sternbild ein wenig abzuarbeiten – mit Schwerpunkt auf den verschiedenen offenen Sternhaufen dort. Das „Himmels-W“ steht um 90° im Uhrzeigersinn verdreht hoch über der Häuserreihe gegenüber von meinem Balkon. Leider etwas zu hoch, denn der obere Zacken des W wird durch die Balkonkante des Nachbarn über mir verdeckt. Zum Glück sind NGC225 und NGC189 im unteren Zacken angesiedelt.

    Ich bin heute besser vorbereitet. Ich habe mir im Deep Sky Reiseführer die Objekte herausgesucht, die ich (vermutlich) mit meiner Optik beobachten kann, dann habe ich mir bei Stellarium und mit dem Deep Sky Reiseatlas angesehen, wo ich sie finde und schließlich bei Cartes du Ciel Auffindkarten in verschiedenen Maßstäben ausgedruckt, in die ich mit einem Zirkel möglichst genau auf Basis der Okularansicht bei Stellarium das Gesichtsfeld des 24mm Hyperion eingezeichnet habe, um darin markante Sternenkonfigurationen für das Starhopping zu erkennen. Eigentlich kann also nichts schiefgehen.

    In der Praxis ist es ein etwas ambivalenter Erfolg. Ich verliere beim Starhopping im Prinzip direkt beim ersten Blick durch das 24mm Hyperion die Orientierung. Mir fehlt hier sehr deutlich die Geduld und ich habe echte Schwierigkeiten, die spiegelverkehrte Ansicht durch das Okular mit meiner Vorbereitung in Einklang zu bringen. Ich werde hier noch sehr viel mehr Übung benötigen.

    Trotzdem hat sich die Vorbereitung ausbezahlt. Mit Hilfe der Auffindkarten aus Cartes du Ciel und dem Rotpunktsucher und allgemeiner Orientierung am Nachthimmel von Navi ausgehend finde ich recht schnell NGC225, den Segelboothaufen. Ich versuche, mit dem 13mm Hyperion bei 30x Vergrößerung Formen zu erkennen, um den visuellen Anblick später mit Stellarium abgleichen zu können und identifiziere eine markante y-förmige Sternenformation. Außerdem habe ich mich durch die aktuelle Ausgabe des VdS Journals für Astronomie dazu anregen lassen, offene Sternenhaufen beim Blick durch meine Optik in das Trumpler Klassifikationsschema einzuordnen. Es hilft mir, mir Zeit beim Beobachten zu lassen und ein Objekt besser auf mich wirken zu lassen, wenn ich meinen Blick durch solche Kriterien fokussieren kann, ähnlich wie auch bei den Sonnenflecken. Ich lege mich auf II2m fest.

    Weiter zu NGC189. Ehrlicherweise ist hier bei der Suche ein wenig mehr „Herumrühren“ involviert, als mir selbst recht ist, aber ich finde ihn durch Orientierung an Navi, Shedar und Caph trotzdem im 24mm und wechsle wieder zurück zu 13mm. Wieder versuche ich, Formen zu erkennen – was schwieriger ist als bei NGC225 –identifiziere schließlich aber zwei Sternenreihen, die vage trichterförmig aufeinander zulaufen. In der Trumpler-Klassifikation lege ich mich auf III2p fest.

    Beide Sternenhaufen kann ich später in Stellarium eindeutig wiedererkennen, so dass ich dies erstens als absoluten Beobachtungserfolg, zweitens immerhin als befriedigenden Vorbereitungserfolg aber drittens als völligen Misserfolg beim Starhopping verbuche. Zwei von drei, das ist ja schon mal nicht schlecht.

    Neuer Benutzername; vorher "Yorick"

    "In den Sternbildern kommt derart viel poetische Kraft und Phantasie zum Vorschein, dass einem dies fast wieder den Glauben an das Schöne und Gute des Menschen zurückgibt."

    (Raoul Schrott: "Atlas der Sternenbilder und Schöpfungsmythen der Menschheit"; 2024)

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