Das Jahr 2025 meint es astronomisch gesehen bisher sehr gut mit mir. Nach dem für mich sehr erfolgreichen Jahresausklang im Schwarzwald (siehe mein anderer Thread) war heute bereits die vierte Gelegenheit, an der ich von meinem städtischen Balkon aus beobachten konnte. Das liegt natürlich vor allen an der guten Sichtbarkeit der Planeten zur Zeit, die meinen Bedingungen sehr entgegen kommt. Entsprechend ging es bei den anderen der eher kurz gehaltenen Gelegenheiten immer nur um Mond oder Planeten oder ihre Stellung zueinander (Venus, Mars, Vollmond und Mars, Saturn, Saturn mit Venus).
Aber heute war einiges mehr möglich. Wochenende, klarer Himmel und gar nicht mal so kalt. Also habe ich bereits am Nachmittag den 100/400 Newton auf den Balkon gestellt, damit er gut auskühlt, und gegen 18.30 Uhr ging es dann los. Das war der Zeitpunkt, an dem die Venus endlich in das schmale, dreieckförmige Stück Himmel gewandert ist, das gut von meinem Balkon einsehbar ist. Zuerst war das Seeing für das 6mm Goldkante noch zu schlecht, aber im 13mm Baader Hyperion war die „Halbmondform“ schön erkennbar.
Ich habe also die Venus genossen, bis auch der Saturn in ihrem Schlepptau endlich weit genug in mein Himmelstück gekommen ist. Zuerst das Zusammenspiel der beiden im 8x40 Nikon Action EX. Ich mag solche Konstellationen und die letzten Wochen waren ja wirklich voll davon. An dieser Stelle vielen Dank an Gerd K. , der hier immer darauf hinweist, das hat mir inzwischen einige schöne Beobachtungsmomente beschert. Dann auf den Saturn, und plötzlich ging es auch mit dem 6mm Goldkante. Strukturen waren keine zu erkennen, aber der Ring in seiner Kantstellung als schmaler Strich quer über das Planetenscheibchen in seinem satten Ockerton. Auch wieder ein schöner Anblick. Da der Saturn so ruhig im 6mm Okular stand, dachte ich mir, ich probiere es doch nochmal mit 6mm an der Venus. Und tatsächlich, für ein paar Minuten stand auch hier der Halbkreis klar und ruhig im Gesichtsfeld. Ein voller Erfolg also.
Zwischendrin konnte ich noch die ISS bei ihrem Überflug von 18.48 Uhr bis 18.52 Uhr im Fernglas verfolgen. Das ACS3 Sonnensegel der NASA, das eine knappe halbe Stunde später auch kommen sollte, habe ich mal wieder nicht gesehen Na ja, egal. Zum Abschluss nochmal beide Planeten zusammen im Fernglas, dann war es Zeit für eine Pause zum Aufwärmen. Außerdem hatte ich nicht mit so guten Bedingungen gerechnet, so dass ich erstmal planen musste, was ich vielleicht später noch beobachten könnte. Auf dem Programm stand sonst nämlich nur noch für später der Jupiter und noch später der Orion-Nebel, um meinen neuen UHC-E Filter zu testen.
Ich meine, es bleibt natürlich schwierig. Auch bei guten Bedingungen ist es halt immer noch ein Großstadtbalkon, eingerahmt von Mehrfamilienhäusern und nahe wachsenden Bäumen. Aber Cassiopia, die ist ja immer zu sehen – dazu brauche ich nicht mal mein kleines Stück Himmel, da sie fast im Zenit über den Nachbarhäusern thront. Also habe ich mir die mal vorgenommen. Das Buch „Hidden Treasuers“ von Stephen O’Meara , das mir Saabo freundlicherweise geschenkt hat, beginnt direkt mit zwei offenen Sternenhaufen, NGC 189 und NGC225. Im Deep Sky Reiseführer und bei Burnham werden beide Objekte gar nicht erwähnt. Also ein echter verborgener Schatz, im Sinne des Buches. Die Auswahl der Objekte und die Beschreibungen in „Hidden Treasure“ sind hervorragend, allerdings sind die abgedruckten Sternenkarten nicht ideal. Ich habe es deshalb erstmal sehr vergeblich gesucht, als ich so gegen 21.30 Uhr meinen ersten Versuch gestartet habe. Also Dunkeladaption aufgegeben, wieder rein und Stellarium an. NGC189 sollte einfach genug zu finden sein, wenn man sich an Navi, Caph und Shedar orientiert und auch NGC225 sollte kein Hexenwerk sein. Ich glaube, ich war dann bei NGC189 mit dem 13mm Hyperion erfolgreich, allerdings bei NGC225 nicht. Was mich ein wenig verunsichert, ist dass O’Meara schreibt „[T]he best way to find NGC189 is to first locate brighter and larger NGC22.” Wieso finde ich dann das schwerere Objekt, scheitere aber am einfacheren? Hab ich da etwas durcheinander gebracht? Keine Ahnung. Ich werde da also nochmal ran müssen. Überhaupt war hier die „Jagd“ das Hervorstechende, denn im Stadthimmel war der Sternhaufen nett anzusehen, aber eben auch nichts Besonderes. Und es waren auch nicht genügend sichtbare Sterne zu erkennen, dass ich meine Beobachtung später bei Stellarium sicher verifizieren konnte. Aber immerhin, ein neues Objekt, an dem mich abarbeiten kann und, so wie immer, wird die Sicherheit, ob ich es gefunden habe, und die Detailfülle mit jeder Beobachtung zunehmen.
Vor dem Versuch an den Sternenhaufen in der Cassiopeia hatte ich noch einen Klassiker ins Visier genommen, die Plejaden M45. Immer wieder schön, sogar von der Stadt aus. Und so schön einfach zu finden. Ein erster Versuch mit dem UHC-E Filter hat erwartungsgemäß nichts gebracht, die Nebel um die Sterne herum, die man von den Fotos kennt, sind halt auch keine Emissionsnebel. Aber manchmal versucht man halt etwas, auch wenn man es eigentlich besser weiß.