Was macht man, wenn man angeschlagen ist, obendrein die ganze letzte Woche mies gepennt hat und am anderen Ende Deutschlands am Wochenende 20 Prozent Luftfeuchtigkeit in völliger Wolkenlosigkeit angesagt sind?
Genau! Ab auf den Berg mit dem 12"er! Wenn schon Zerstörung,dann richtig.
Also 200 Euro für den Spontantrip nach Bayern locker gemacht, für eine einzige Nacht,von Samstag auf Sonntag.
Also direkt nach der Nacht wieder quer durch Deutschland zurück nach Berlin.
Man könnte über die Effizienz philosophieren, etwa ob der Ausgabe oder entgegen halten,dass dies vielleicht die letzte Berg-Nacht bis April sein wird... In einer der längsten Nächte des Jahres.
Da ich nur 2 h irgendwie halbwach am Berg gedöst habe,bin ich gespannt was hier beim Tippen im Zug jetzt rauskommt.
Bei der Recht gemütlichen Hinfahrt jedenfalls, ICE Sprinter sei Dank mit 4h von Berlin nach München, fiel mir ein sympathischer kleiner Junge auf, der mit seinen Kopfhörern und Tablet befasst war und seine Dinosocken in das Netz vom Sitz vor ihm einfädelte um Halt zu haben. Was ist das denn jetzt von Interesse? Weil ich's knuffig fand und man am Gesicht irgendwie sehen konnte,das ist einfach ein netter Bengel und aus dem wird mal was. Ja und als die Mama ihm in seinen Anzug half vorm Aussteigen,kam ein Sonnensystem Schal um den Hals. Ich wusste es,aus dem Jungen wird was g'scheits, da hom mir's doch den Beweis! ![]()
Auf den letzten Metern im Zug ging es entlang von Gleis begleitenden blätterlosen Bäumen,hinter denen die grelle tief stehende Nachmittagssonne stand. Ich schloss die Augen. Es folgte ein hochfrequentes Farbgewitter durch den raschen Lichtwechsel in rot, grün, gelb, orange hinter meinen Augenlidern, begleitet von einem hohen Beat von drumandbass und Michael Jackson. Pure Disko!
Übermüdet und angeschlagen ging's mit Taxi zur Bergbahn und nicht 30 min zu Fuß mit den 30kg. Null Böcke!
Voll nett wieder die Kassiererin,da bin ich jedesmal beeindruckt, da fühlt man sich gleich wie zu Hause.
Ich hatte meinen Platz wieder ganz für mich,und habe es geschafft in quasi letzter Sekunde den Sonnenuntergang hinterm Berg zu erwischen.
Es sah wieder Recht frostig aus, ich liebe den angepuderten Anblick der Gipfel und Hänge, mehr als das richtig.mit Schnee bedeckte.
Da jetzt die Wintersaison am Berg normalerweise los geht, war bis ca. Mitternacht mit Licht von Pistenraupen und Beschneiungsanlagen zu rechnen.
Super,kann ich ja erstmal 3 Stündchen nachm aufbauen auf meiner Isomatte dösen. Dachte ich. Wollte ich.
Effektiv waren ja aber deutliche Plusgrade,auch die kommenden paar Tage, also nix Skipistenpräparierung und Licht.
Shit. Bin ich also gezwungen, gleich ab 19 Uhr herum zu beobachten,bis morgens um 6 Uhr?!?!???
Hilfe!
Ich war 16 Uhr am Berg und baute rechtzeitig auf. Eben war noch riesen Trubel bei den Gleitschirmfliegern beim letzten Sonnenstrahl, auf einmal war es dunkel und ruhig. Aber erstmal musste ich dringend was essen und.warm werden,denn Schlafmangel und unterwegs wenig gegessen= kalt. Hab mich ewig nicht warm bekommen, trotz 5 Grad Plus und vollster Montur, zusätzlich unterm Schlafsack eingemummelt.
2 Damen wollten an der Hütte einkehren als es schon dunkel war,sie gingen von aus,die haben geöffnet...leider nein. So mussten sie im Dunkeln wieder 2 h runter stapfen. Vorher zeigte ich ihnen noch die ISS,die hoch hereingeflogen kam. Eigentlich hätte ich ihnen noch gern Saturn gezeigt,aber sie waren selber mit UmPlanung beschäftigt und ich mit Essen,um mich selber in die Spur zu bekommen.
Die Beobachtungen
Ihr habt's geschafft,es ist 20 Uhr und die Beobachtungen beginnen. Vorteil dass die Pistenraupen nicht stören: ich kann tatsächlich einmal den Fötus Nebel im Schwan, NGC 7008, zu zeichnen versuchen. Beim HTT und dem letzten Bergausflug ist der Wunsch danach aufgekommen.
Ich dachte, das helle Ding wird eher einfach, aber irgendwie war das dann doch alles schwieriger zu fassen...
Zeichnung ohne OIII,aber testweise hinterher mal reingemacht: ok, Form kommt etwas besser aber auch noch schwer zu fassen.
Das Ergebnis überzeugte mich zunächst selbst jetzt nicht so ganz,aber nach'm Invertieren gefällt es mir doch ganz gut. Jedenfalls freue mich,es mal probiert zu haben.
Ist jetzt auch nicht groß bearbeitet,da ich noch auf'n neuen Rechner warte. Ist nur aufm Handy bisl nachgefummelt nach'm invertieren. Ging zum Glück sehr fix.
Zu bemerken ist noch, dass der hellste Stern am Nebel ganz dezent rötlich erschien, was sich schönerweise mit Blick auf Bilder bestätigt hat. Ist mir leider zeichnerisch aus technischen Gründen gerade nicht möglich angemessen darzustellen.
Bei der angesagten Transparenz gingen meine dicken Okulare für die Nebel mit.
In der Nähe von Carolines Haystack, NGC 7789 - auch im Dobson mit 25mm Okular ist der große, dichte offene Haufen hübsch -befindet sich Abell 82, also ein PN. Kräftig im Atlas eingezeichnet,aber anspringen tat mich das Teil nicht. Kleine schwache Scheibe,aber mit 2 auffälligen Sternchen am Rand.
Auf der anderen Seite von Carolines Haystack wartete mit St19 ein neues Ziel, allerdings konnte ich nicht erkennen was oder wo da ein Haufen sein soll. Kurz vermutete ich ein ganz kleines schwaches Häufchen,könnte es aber nicht reproduzieren.
Hier ist die Nacht noch jung...
Die Chronologie bekomme ich jetzt nicht mehr hin,aber natürlich kam der H-beta wieder am Pferdekopfnebel zum Einsatz, gleichzeitig mit Flammennebel im Gesichtsfeld wunderschön gerahmt und dann sogleich erstmalig an Barnards Loop,der tatsächlich einfach zu sehen und abzufahren war im 25mm Okular. Auf den Tipp von Ronny hin hab ich mal den Flaming Star Nebula IC 405 im Fuhrmann mit H-beta besucht und tatsächlich kam der damit viiiel besser raus als mit OIII. Es zeigte sich ein großflächiger Nebel, der in etwa den Umrissen aus dem Atlas entsprochen haben wird.
Aggressiv entspanntes indirektes Vermuten
Eine der ersten Schandtaten war jedoch der wiederholte Versuch, Hinds Variable Nebula, NGC 1555 zu erhaschen. Wie kann ein Objekt mit NGC Nummer so abartig schwer sein? Ich knauple mit DSS Ausdruck die richtige Ecke aus und teste mit 8mm, Powermate Gestänge zu 5mm bestimmt anderthalb Stunden dran herum und betreibe Augenjoga,gepaart mit Kniebeugen,um Sauerstoff in die Netzhaut zu bekommen und den festgefahrenen Blick zu lockern.
Immer wieder,aber nur mit großen Abständen und ausnehmend schwach zeigte sich an der richtigen Stelle eine vage Aufhellung, manchmal eher kleinflächig rund, manchmal sogar länger und leicht gebogen. Aber nie so, dass ich gesagt hätte, JAWOLL! DA ISSER!
Es tauchte ein Stern wiederholt auf,die laut dss eigentlich zu schwach sein müssten,evt. ein Veränderlicher. Unzählige Male ließ ich das Zielgebiet von oben rechts im Sehfeld un die Mitte wandern und machte den Stoiker. Angestrengt unangestrengt Gucken ist die Devise. Unterm Strich ploppte zu oft an der richtigen Stelle was auf, um es als nicht gesehen zu bezeichnen,aber "gesehen" wäre auch wieder geprahlt.
Erholungsphase
Die Bedingungen? Mittelmäßiger Berghimmel, Seeing vielleicht 2-3, meistens 3. Irgendwie war es nicht recht dunkel. Zu Beginn der Nacht durch Skigebiete in Österreich vermutlich und später auch, vermutlich wieder Airglow.
Jetzt aber genug mit Hinds Variablem. Sagte ich mir,nahm einen Schluck Tee und setzte mich nochmal ne halbe Stunde ran... Wenn eine Nacht 12h Deepsky zulässt, öffnet das neue Möglichkeiten,dem Hobby wieder so richtig militant zu fröhnen und die Brechstange auszupacken;-)
Nach dieser Session sagte mein Rücken,ey Leg dich hin man! Zu Befehl. Mein Körper ließ sich mit einem undefinierbaren Seufzer,der vielleicht an einen gedrückten Teddybären erinnert,auf der Isomatte nieder, gefolgt von " Oah! Uahhhh."
Auch wenn man am Dobson sitzt,da stundenlang hochkonzentriert Hinterhocken...das zehrt,zumal Gliederschmerzanflüge da gewesen sein dürften. Mein Kapuze raschelte vom Puls. Mein Gott wie hoch IST der? Ich nahm die Stoppuhr aufm Handy und kam bei 120 raus.
Jetzt brauchte ich erstmal was Schönes. Also einfach wieder M 31 im dicken 25mm Okular mit den beiden Staubbändern und den Begleitgalaxien in einem Sehfeld.
Auf einmal war standen M 81 und 82 schon voll hoch. Jedesmal erwische ich erst irgendeinen anderen Schmadder,immer denselben,habe jetzt aber hoffentlich die Eselsbrücke verfestigt, dass ich gleich ans Ziel komme.
Der Anblick war seltsam. Auf jeden Fall beide Spiralarme bei Bodes Galaxie,aber so seltsamer schmadder zwischen den beiden Galaxien. IFN? Konnte ich mir nicht vorstellen. Ich checkte Bilder im Netz konnte aber nichts stichhaltig es finden. Vermutlich ganz komisches Airglow,wie schön gesagt.
M15 fing ich noch mit meinem 10mm Okular ein,aber schon besser gesehen,steht auch schon etwas tief.
Um etwas zu entspannen,kam nun der Rosettennebel dran,wo ich finde,dass sowohl der Anblick in 25mm wie auch 17 mm eigene Vorzüge haben..mit 25 sieht man natürlich den ganzen Nebel im f/4,5 12"er,aber mit 17mm schwebt man quasi vor einem außerirdischen Tor, wie eine Eintrittspforte in eine andere Welt.
Thor's Helm war im 17mm auch dran,mit allem was dran sein muss,aber auch schon besser gesehen.
Mit OIII versuchte ich, M33 einen sinnvollen Anblick zu entlocken, brachte für mich aber keine neuen Erkenntnisse oder bessere Ansichten der Sternentstehungsregionen. Interessant aber,dass ich dieses Mal, natürlich ohne Filter wieder, die Spiralarme durchgängiger sah als bei meiner Zeichnung,die eher nur benannte Regionen zeigt denn Spiralen.
Wieder etwas mehr Geknaupel - die OdM's
Zunächst einmal das OdM im Widder, hier habe ich NGC 772 neben dem eierigen Erscheinungsbild einigermaßen gut noch den ausladenden Arm entlocken können,aber hat etwas gedauert,war nicht gleich offensichtlich. Vergrößerung muss so 170fach gewesen sein,das nehme ich für Details am meisten her.
Bald kam das OdM Dezember 2024 dran,also NGC 1023/A und so eine IC- Galaxie. Auch das wollte ich einmal zeichnen, zuvor aber vor allem gucken,ob A geht.
Das folgende Bild zeigt mich hier original in Aktion, Einzelaufnahme aus Zeitraffer...
Bevor ich es vergesse, die IC 239 - Galaxie war recht gut zu sehen, aber sprang nicht ins Auge. Ein silbriger Recht großer Flatsch, eingerahmt von hellen Sternchen. Nett!
Ich versuchte mich am Hauptobjekt, der NGC 1023 zunächst mit 8mm, was mir als richtige Vergrößerung erschien,um das dicht anliegende schwache Etwas "A" herauszuloesen.
Auch hier tat ich mein Bestes, es fiel aber recht schnell auf,dass die Galaxie im Okular einen scheinbaren schwachen Bogen macht, der sicherlich aus der Summe der schwachen Sternchen und eben tatsächlich dem Nebelblobb NGC 1023A gebildet wird. Ich nahm ein Bild hinzu,um genau zu wissen wo ich gucken muss. Auffällig auch 2 Sternchen in der Galaxie,das dritte auf Photos fiel mir hingegen nicht auf. Generell waren die Sternchen in der Galaxie recht schwach. In der Zeichnung viel zu hell geraten. Man kann sie sich real als ca. 0m5 heller vorstellen als der schwächste mögliche Stern. Ich muss das Auftippen mit dem Fineliner noch üben. Generell finde ich die Arbeit damit sehr komfortabel. Die Galaxie ist natürlich mit Bleistift gemacht.
Am besten kam die Ausdehnung der Galaxie mit 10mm Okular rüber, also mit AP 2 herum, obwohl vorrangig mit 8mm beguckt wegen dem A- Anhängsel.Dieses ist sicherlich zu deutlich in der Zeichnung dargestellt, so klar war das nicht, sondern seeehr subtil, natürlich mit indirektem Sehen.
Habe die Zeichnung mit rudimentären Mitteln aufm Handy nach dem Online-Invertieren noch etwas angepasst, bis mir der Hintergrund einigermaßen getaugt hat. Die Weihnachtszeit lässt hoffentlich mal Ruhe für ne Laptop Recherche zu...
Irgendwie geriet ich in eine gewisse Hektik. 2 h noch hat die Nacht! Ich stopfte mir schnell 2 scheußlich süße Bounty Riegel rein, vermutlich in der gleichen Frequenz wie mein Puls und weiter ging's. Keine Zeit und Lust für das kalte belegte Brot mit noch kälteren Paprika... Schnell mit Tee nachspülen und weiter...
Hinter meinem Rücken und vor meinen Augen
Zu meiner Überraschung habe ich im gleichen Setting gleich drei helle Sternschnuppen erwischt während der Zeitraffer brav lief....
Die erste 0.16 Uhr, die nächste schon 0.27 Uhr und die andere, ach, Zettel verlegt. Fehlerhafte Exif Daten Minus 1h 5 min ![]()
Was sonst noch so los war, verlinke ich mal intern...
Erstes Auftauchen um 18:43
Verblasst um 18:47
astrotreff.de/index.php?attachment/92271/
LG Jens
Der Abschied von der letzten Berg-Nacht des Jahres naht
Mit dem Beobachten ist mir zum Glück warm geworden. Zu warm fast, immerhin hatte ich die Hardcore-Kluft an, die sonst minus 10 standhalten soll. Die ganze Nacht waren es aber +5 Grad!
Krass wie empfindlich man ist, wenn man schwächelt.
Gegen 3 Uhr legte ich mich,wie schon mehrfach zuvor,mal wieder zum Ausruhen hin und merkte...das wars. Ich quälte mich aus dem Schlafsack, räumte das gröbste zusammen,damit statt 4 belegten Tischen nur noch 2 okkupiert sind,etwas Füsse vertreten zum warm werden und Stimmungsphotos, u.a. vom Berg oben machen...
... und als Rausschmeißer Leo's Triplett im 17 mm LER eingestellt. Wunderbarer Anblick ... wenngleich komisch aufgehellter Hintergrund. Staubband in der NGC dieses Mal eher schwierig.
Irgendwie musste ich noch probieren zu schlafen, wenigstens 2 h...sonst wird die Heimreise von so 7 h unangenehm.
Naja,hat so halbwegs geklappt mit dem Doesen. Mit am Start waren wieder die Fuß-Schlafsäcke:-)
Bis auf vereinzelte Bergsportler war es still am Berg. Kein Lüftchen. Was für eine Ruhe.
Das aufgefüllte Wasser aus der Bergstation habe ich zu 1l umsonst hochgeschleppt, ebenso ein dickes belegtes Brot und paar Riegel,aber so hab ich jetzt immerhin Verpflegung für den Rückweg.
Es war erstaunlich wenig los für einen sonnigen Sonntag am Berg. Vermutlich einfach,weil man weder Ski fahren noch richtig wandern kann. Die vorhandene Schneedecke reicht für nix halbes,nix ganzes. So ließ ich auf dem Berg noch eine halbe Stunde den Blick schweifen und wartete auf die richtige Zeit zum Runterfahren fürs Taxi. Ein Trupp Bergfinken hoppste durch die markante Lärche an der Bergstation, nachstehendes Bild der Lärche zeigt aber den Abend davor.
Das letzte Bild zeigt unmissverständlich, München naht...
Das Taxi zuvor kam zum Glück rechtzeitig,denn Zug-Bindung ist so eine Sache. Ein bisl hab ich da gezittert, die telefonische Zusage dass es zeitlich klappt war nicht so überzeugend... Weil mich München anscheinend nicht so schnell wieder gehen lassen wollte, kam mein Zugwaggon extra am hintersten Ende vom Bahnsteig in München an, und zum Umsteigen in meinen Anschluss-ICE war wiederum ein U- Turn in voller Länge zum allerletzten Waggon ( Reservierung) nötig. Also in einfachen Worten: 2 mal einen Bahnsteig in voller Länge ablatschen, der zu Zeiten gebaut wurde, wo ein paar Meter mehr Bahnsteig oder weniger nicht groß in die Geldbörse gegangen zu sein scheinen. Heißt: völlig im Eimer mit 30 kg einen ganzen km Bahnhof Rundtour ( ja, ich hab's in Google Maps gemessen!).
Naja, dafür sitze ich jetzt ja auch eine kleine Ewigkeit zur Erholung, die es ermöglicht,dass der Bericht zeitnah den Weg hierher gefunden hat. Schlafen funktioniert eh nicht,kann/ konnte ich also gleich tippen.
Hat mal wieder großen Spaß gemacht, auch, mal wieder zu zeichnen.
CS
Norman