Sonnenbeobachtung

  • Hallo, ich habe mir jetzt ein h Alpha teleskop gegönt ( Lunt LS60MT/B600R&P ). Bin sehr zufrieden mit dem teleskop, da erweitern sich ganz andere welten als die weißlichtbeobachtung. Ich hatte heute first light und hatte mit 12,5mm und 9mm morpheus sowohl mono als auch bino beobachtet. Nun hatte ich aber jedes mal abschattungen bzw kidney beaning beim beobachten, was ich aber bei nachtbeobachtungen mit den selben Okularen nie hatte. Gibt es da irgendwelche Tipps oder brauche ich andere okulare oder warum ist das so? Danke lg

  • Hallo Patrick,


    es ist normalö, dass sich das Einblickverhalten der Okulare bei Tag und bei Nacht unterscheidet.

    Die Morpheus Okulare haben einen recht langen, also angenehmen Augenabstand, was aber sehr häufig dazu führt, dass man die Augen nicht genau über der AP und im gleichen Abstand positionert, weil man keinen oder wenig Kontakt zur Augenmuschel hat.

    Beim Bino-Ansatz muss man sehr genau auf die Einstellung der "Augenweite" also den Abstand zwischen den Augern achten, damit die Pupille genau passt.

    Mir helfen dabei die Gummiaugenmuschel mit seitlichen Fahnen, welche auch gegen Störlichteinfall zwischen Okular-Augenlinse und Auge helfen.

    Wenn ich das bei Baader richtig sehe, sollten diese Teile im Lieferumfang enthalten sein!?


    Gruß

    Günther

  • Hallo Patrick,


    ... dies könnte vielleicht auch am kleinen B600mm Blockfilter liegen, obwohl dieser für Brennweiten von f 600mm angegeben ist. Trotzdem sind die nur 6mm Durchmesser des Filters ein Engpass.


    Versuche mal am Tag die Sonne ohne Blockfilter, mit Filterfolie davor o.ä. aber voller Eintrittsöffnung des Binos, zu benutzen. Wenn da der Effekt auch auftritt, liegt es nicht am Blockfilterdurchmesser.


    cs Harald

    Unigraph – Die Sonnenseite von Harald Paleske

  • Hallo Patrick,

    Nun hatte ich aber jedes mal abschattungen bzw kidney beaning beim beobachten, was ich aber bei nachtbeobachtungen mit den selben Okularen nie hatte.

    bei Tagbeobachtungen beobachtet man mit viel kleinerer Pupille als bei Nacht. Da zeigen auch mal Okulare, bei denen man Kidney-Beaning nicht gewohnt ist, diesen Effekt. Anfällig bei Tagbeobachtungen dafür sind z.B. auch die Nagler 7mm und 5mm vom Typ 6. Nachts merkt man gar nichts. TeleVue gab seinen Naglern vom Typ 4 und den Radians die "pupil guides" mit, kleine Kunststoffscheiben, die ein zentrales Loch für die Pupille hatten und die man in die verstellbare Augenmuschel einlegen konnte. Vlt kannst du sowas mit Pappe machen? Mit den pupil guides und richtig eingestelltem Abstand war das Auge immer am richtigen Ort.


    lg, volker :hot_beverage:

  • Ich hatte das TeleVue Plössl 32mm lange als Übersichtsokular. Toller Kontrast, gar kein Vergleich zu günstigeren Plössls! Bauartbedingt nimmt halt der Augenabstand mit der Brennweite ab (ca. 0.8*f). Kidney-Beaning hab ich da nie gesehen.

  • Schau mal in diesen Thread. Dort habe ich mit dem gleichen Problem viel Hilfe bekommen:

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    "In den Sternbildern kommt derart viel poetische Kraft und Phantasie zum Vorschein, dass einem dies fast wieder den Glauben an das Schöne und Gute des Menschen zurückgibt."

    (Raoul Schrott: "Atlas der Sternenbilder und Schöpfungsmythen der Menschheit"; 2024)

  • mal leicht abseits von der gestellten Frage im Eingangspost, gibt es grundsätzlich einen Unterschied in der Abbildung der Sonne in einem speziellen Sonnenteleskop und der Abbildung der Sonne in einem Teleskop mit Sonnenfilter?


    KH Winfried

  • Wenn du mit einem "normalen" Teleskop mit Sonnenfilter (Folienfilter; Glasfilter; Herschelkeil) beobachtest, siehst du die Sonne im "Weißlicht".

    Hier siehst du sie im Wesentlichen als weißte Scheibe mit schwarzen Sonnenflecken, die oft in Gruppen auftreten. Auch eine sog. Penumbra, eine Art schattiger Rand um größerer Flecken oder "Lichtbrücken", also wenn Sonnenflecken durchbrochen sind und das weiße Licht wie eine schmale Brücke zu erkennen ist, sind zu sehen. Mit besseren Teleskopen kann man evtl. auch andere Strukturen leicht erkennen, das ist mir mit meinem beschränkten Setup noch nicht gelungen.


    Die speziellen Sonnenteleskope haben einen H-alpha Filter. Dieser blendet alles Licht aus, mit Ausnahme des Lichts, das durch den Wasserstoff erzeugt wird. Die Sonne erscheint deshalb rot. Hier kann man zusätzlich Filamente (dunklere Stellen) und Filamente (hellere Stellen) erkennen und sieht auch Protuberanzen, was natürlich sehr eindrucksvoll ist. Halpha-Teleskope können aber nur zur Sonnenbeobachtung verwendet werden und sind sehr (!) teuer.

    Viele Grüße

    Christian


    Disclaimer: Ich habe mich dieses Jahr vermehrt mit Sonnebeobachtung beschäftigt, aber beanspruche keinesfalls, dass ich alles immer korrekt verstanden habe. Ergänzungen und Richtigstellungen sind also jederzeit willkommen.

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  • Noch eine Ergänzung:

    Ich empfehle das Buch "Astro Praxis: Die Sonne" von Jürgen Banisch.

    Ein hervorragendes Buch, in dem sehr anschaulich und gut verständlich erklärt wird, wie die Sonne als Himmelskörper "funktioniert", also astrophysische Grundlagen, und das ebenso sehr gute und leicht nachvollziehbare Hinweise zur Beobachtung gibt.
    Für die Sonne gilt aus meiner Sicht das gleiche, das für alle astronomischen Beobachtungen gilt. Spektakukär und eindrucksvoll wird der Blick durch das Okular (auch beim Halpha Teleskop) eigentlich erst dann wirklich, wenn man weiß, was man da genau beobachtet und was da genau passiert:

    Oculum | Astronomie neu erleben

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