Wolkenlücke in der letzten Septembernacht.

  • Wolkenlücke in der letzten Septembernacht.

    Hallo,



    Die letzten Tage waren kalt und grau, meist regnete es. In den Nachmittagsstunden vom 30. September 2022 begannen sich die Wolken aufzulösen. Der Wetterbericht sagte eine schmale Wolkenlücke für die kommende Nacht voraus.

    Ich nutzte noch den Nachmittag, um die Sonne im Weißlicht und der H-alpha Linie zu beobachten. Besonders in der H-alpha Linie war die Sonne sehr aktiv. Helle Chromosphärische Fackeln überzogen die Sonne, viele, teils auch lange Filamente standen vor der Chromosphäre.


    Nach der Sonnenbeobachtung packte ich mein Teleskop nebst allen Zubehör ein, um zu meinem Beobachtungsplatz neben einem Windrad zu fahren. Dort angekommen konnte ich den Mond zusehen, wie er sich den Horizont näherte.


    Die Wolken lösten sich weiter auf, und der Himmel klärte vollständig auf. Die Durchsicht in dieser Nacht war gut. Nach ein Uhr zogen vom Westen Wolken auf, die in kurzer zeit den gesamten Himmel überzogen.


    In dieser Nacht beobachtete ich sehr verschiedene Objekte, auch die Planeten Saturn, Jupiter und Mars beobachtete ich.



    Das Teleskop für diese Nacht war der 254/3048mm Cassegrain, aufgebaut auf einer Losmandy G11.

    Zum anpeilen der Sterne und zum aufsuchen der Objekte setzte ich einen Laser und einem 80/400mm Refraktor mit einem Fadenkreuzokular ein. Als Übersichtskarten verwendete ich den "Cambridge Double Star Atlas", die detaillierten Aufsuchkarten erstelle ich mit "Cartes du Ciel".


    Nach der Blauen Stunde konnte es mit den Beobachten losgehen.




    Blaue Stunde.


    Diese Objekte beobachtete ich in dieser Nacht:


    Saturn. Beobachtet bei einer Vergrößerung von 305x.

    Saturn wird nicht so richtig scharf abgebildet. Saturn steht unruhig im Okular.

    Die Cassinische Teilung und die Wolkenbänder kann ich sehen.


    S 740, ein Doppelstern im Sternbild Adler. Abstand A/B: 44". Helligkeit: 7m8/8m1. Beobachtet bei einer Vergrößerung von 76x.

    Zwei mittelhelle weiße Sterne von gleicher Helligkeit. Die Sterne stehen weit auseinander.


    15 H Aql, ein Doppelstern im Sternbild Adler. Abstand A/B: 39,1" Helligkeit: 5m5/7m0. Beobachtet mit einer Vergrößerung von 76x.

    Ein heller und ein wenig schwächerer Stern.

    Der hellere Stern hat einen leicht rötlichen Farbton, beim schwächeren Stern fällt ebenfalls eine leicht rötliche Farbe auf, die ein wenig deutlicher ist. Die Sterne stehen weit auseinander.

    Im 80mm Refraktor sind die Sterne getrennt.


    Palomar 10, ein Kugelsternhaufen im Sternbild Pfeil. Helligkeit 13m2. Größe 4,0' x 4,0'. Beobachtet mit einer Vergrößerung von 234x.

    Wenn ich das Teleskop bewege, dann bewegt sich an der Position des Kugelsternhaufens eine gerade noch erkennbare Aufhellung mit.


    NGC 6819, ein Offener Sternhaufen im Sternbild Schwan. Helligkeit 7m3. Größe 5,0' x 5,0'. Beobachtet bei einer Vergrößerung von 179x.

    Kleiner, etwas schwächerer und kompakter Sternhaufen.

    Der Sternhaufen fällt im Feld gut auf. Die verschieden hellen Sterne stehen im Sternhaufen dicht zusammen.

    Der Sternhaufen hat eine sehr unregelmäßige Form. Die Sterne beschreiben ein "V". Im Osten vom Sternhaufen stehen zwei helle Sterne.

    Im 80mm Refraktor kann ich den Sternhaufen sehen.


    RT Cap, ein Kohlenstoffstern im Sternbild Steinbock. Helligkeit Minimum/Maximum: 8m9/11m7. Beobachtet bei einer Vergrößerung von 76x.

    Im Feld sehe ich einen schwachen Stern der in einem deutlichen orange leuchtet.


    NGC 6864 (Messier 75), ein Kugelsternhaufen im Sternbild Schütze. Helligkeit 8m6. Flächenhelligkeit 11m0. Größe 6,0' x 6,0'. Beobachtet bei einer Vergrößerung von 234x.

    Sehr schwacher Kugelsternhaufen. Der Kugelsternhaufen steht bei der Beobachtung am aufgehellten Südhimmel.

    Kleines nebliges Bällchen das zur Mitte heller wird. Einzelne Sterne kann ich nicht sehen.


    Saturn. Beobachtet bei einer Vergrößerung von 234x.

    Saturn steht nur wenig unruhig im Okular und wird scharf abgebildet.

    Die Cassinische Teilung kann ich deutlich sehen. Die Wolkenbänder auf Saturn sind unterteilt.


    NGC 7078 (Messier 15), ein Kugelsternhaufen im Sternbild Pegasus. Helligkeit 6m4. Flächenhelligkeit 11m0. Größe 12,3' x 12,3'. Beobachtet bei einer Vergrößerung von 381x.

    Sehr großer und heller Kugelsternhaufen.

    Der Kugelsternhaufen hat einen deutlichen Kern und eine leicht unregelmäßige Form. Er ist bis in das Zentrum in einzelne Sterne aufgelöst.

    Im 80mm Refraktor ist der Kugelsternhaufen zu sehen.


    Enif, ε Peg, ein rötlicher Stern im Sternbild Pegasus. Helligkeit Minimum/Maximum: 0m7/3m5. Beobachtet bei einer Vergrößerung von 76x.

    Der helle Stern leuchtet leicht orange.


    Jupiter. Beobachtet bei einer Vergrößerung von 305x.

    Jupiter habe ich kurz beobachtet und viele Strukturen erkennen können.


    Mars. Beobachtet bei einer Vergrößerung von 305x.

    Mars steht unruhig im Okular.

    Auf Mars kann ich deutlich dunkle Strukturen sehen. Die Phase von Mars kann ich deutlich sehen.


    Zwischen diesen Beobachtungen machte ich immer mal wieder eine Kaffee und Kekspause oder schaute einfach so in den Himmel.

    Inzwischen habe ich mit dieser Nacht 1.581 verschiedene Objekte in 2.775 Beobachtungen beobachtet, nur Deep-Sky, ohne Planeten gerechnet.

    Ich hoffe, das es dieses Jahr noch ein paar Gelegenheiten gibt, um am Nachthimmel zu beobachten.


    Viele Grüße

    Gerd

  • Hallo Gerd,


    schöner, strukturierter Bericht, wie immer.

    Und immer ein mindestens ein Karbonstern dabei. So muss es sein. In Ferngläsern finde ich selten welche, die hell genug strahlen, um Farbe zu zeigen.

    Palomar 10 ist eine starke Leistung. Den habe ich schon mehrfach mit 12,5" probiert. Nix zu holen bislang.


    Beste Grüße


    Rene

  • Hallo Rene,


    Danke für die netten Worte.


    Und immer ein mindestens ein Karbonstern dabei. So muss es sein.

    Die gefallen mir. ich habe in meine Karten einige Karbonsterne mit eingemischt. Es kommt fast bei jeder Beobachtungsnacht auch immer ein Karbonstern in das Okular. Inzwischen habe ich über 100 Beobachtungen in meinem Aufzeichnungen zu diesen Sternen, die ältesten Beobachtungen stammen aus dem Jahr 2006.



    Palomar 10 ist eine starke Leistung. Den habe ich schon mehrfach mit 12,5" probiert. Nix zu holen bislang.

    Dieser Kugelsternhaufen war nicht leicht und leicht habe ich es mir mit dieser Beobachtung nicht gemacht.

    ich bin mit dem Teleskop ein paar mal von der Stelle des Kugelsternhaufens weg gegangen, um mich selbst zu vergewissern, das ich keinem Wunschdenken oder einer Täuschung aufliege. Der Kugelsternhaufen ist mit Hilfe der auffälligen Sternkette gut zu lokalisieren. Ausgehend von Collinder 399 und dieser L-förmigen Sternkette konnte ich den Ort vom Kugelsternhaufen gut finden und mit der langen Sternkette zweifelsfrei identifizieren.

    Als ich das erste mal die schwache (!) Aufhellung wahrnehmen konnte, habe ich mich nochmals genau in der Karte orientiert, ob ich auch richtig bin und keiner Täuschung aufliege. Diese schwache Aufhellung konnte ich wiederholt sehen und vor allem ging sie im Feld mit, wenn ich das Teleskop bewegte.

    Es -kann- sein, das ich beim Beobachten mit der parallaktischen Aufstellung einen leichten Vorteil habe. Das Objekt bleibt einfach immer genau an der gleichen Position, auch wenn ich auf die Karte sehe, die Augen "ausruhe" oder die Vergrößerung wechsle. ich muss beim Beobachten auch nicht das Teleskop berühren und kann mich voll und ganz auf das Objekt konzentrieren.


    Viele Grüße

    Gerd

  • Hallo Gerd,

    Zu Pal 10:

    Dieser Kugelsternhaufen war nicht leicht und leicht habe ich es mir mit dieser Beobachtung nicht gemacht.

    ich bin mit dem Teleskop ein paar mal von der Stelle des Kugelsternhaufens weg gegangen, um mich selbst zu vergewissern, das ich keinem Wunschdenken oder einer Täuschung aufliege. Der Kugelsternhaufen ist mit Hilfe der auffälligen Sternkette gut zu lokalisieren. Ausgehend von Collinder 399 und dieser L-förmigen Sternkette konnte ich den Ort vom Kugelsternhaufen gut finden und mit der langen Sternkette zweifelsfrei identifizieren...

    Vor allem sieht er auf Fotos schon sehr gerötet aus, vermutlich durch interstellaren Staub verursacht. Das allein finde ich schon sehr einschüchternd.

    Ich denke auch, dass Du montierungstechnisch einen Vorteil hast, auch die Technik/Herangehensweise klingt interessant. Ich bin zumindest stark motiviert, es doch noch einmal zu probieren, wenn ich mit meinem 12,5"er in der Nähe beobachte. Die Aufsuchkarte steckt nach wie vor in meinem Ordner.


    Beste Grüße


    Rene

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