Skywatcher ED 72/480, ein etwas anderer Erfahrungsbericht

  • Guten Tag zusammen,


    vor einiger Zeit erschien hier ein Bericht zum obengenannten Teleskop:


    marco@12nm


    Die Bewertung meinte, alles super, nur der Auszug schleift. Der Rest des Fadens erschöpfte sich im Zeigen von Bildern und den Kommentaren dazu. Da meine Meinung zu diesem Teleskop ein kleinwenig anders aussieht, erlaube ich mir, das Thema nochmals aufzugreifen und dabei etwas mehr in die (vor allem mechanische) Breite zu gehen.




    1. Gekauft wurde das Teleskop als kleines und leichtes Reiseteleskop, bei welchem auch ein Totalverlust in bösen Ländern keine große Katastrophe bedeuten würde. Aufgesattelt ist es in der Regel auf eine Vixen Porta II, die, nebenbei bemerkt, ihre Stärken wieder einmal beweisen kann.


    Es gab einen Vorgänger, mit Namen "TS NED 70", das einfach nur grottenschlecht in der Abbildung war. Den Namen kann ich nicht mehr auflösen, aber ich glaube, "TS" muß für "Teleskop-Schrott" stehen.


    2. Am Auszug befinden sich, je nach Verwendungszweck, zwei verschhiedene Ausstattungen:

    a) für die Fälle, wo es wirklich leicht (und billig) sein soll, ein Viertelzoll-Prisma beziehungsweise -Spiegel mit den entsprechenden Viertelzoll-Okularen. Das Zusatzgewicht ist zu vernachlässigen.

    b) für Großfeldbeobachtungen, auch von der heimischen Terrase aus, ein Zweizoll-Prisma und Zweizoll-Okulare Nagler, Panoptic, Delos, Pentax XW und Leica-Zoom, macht bis zu 1,4 kg Zusatzgewicht.


    3. Ach ja, ich beobachte und knipse nicht, da ich mir die Dinge gerne gleich ansehe.


    4. Nun zu meinen Wertungen


    a) Die Abbildungsqualität ist in Ordnung, kaum Farbe, keine auffallenden Störungen. Natürlich keine Oberliega. Schulnote: 2, vielleicht auch nur 2-3. Aber man kann damit leben.


    b) Die mechanische Qualität:


    aa) Die Taukappe ist nicht zum Schieben, sondern zum Aufstecken. Ein Pluspunkt von mir, da ich keine Schiebekappen kenne, die nicht irgendwann hin- und her klappern. Gleichzeitig gibt es einen Minuspunkt, da der Filzstoff, welcher der Fixierung des Deckels auf der Taukappe dient, derart dünn ist, daß nach ca. 20-maligem Ab- und Absetzen nicht mehr viel Haltekraft vorhanden ist. Irgendwann wird sich der Deckel ins Dunkel einer Wiese verabschieden.


    bb) Der Auszug I: Tja, mit dem Viertelzoll-Zenit-Prisma oder -Spiegel (vier verschiedene Exemplare liegen hier) kommt man nicht in den Fokus. Aussage des Händlers "Das Teleskop ist für Zweizoll gerechnet." Was für ein Käse. Die Firma Skywatcher hätte den Auszug zwei Zentimeter länger machen müssen, im Korpus ist genügend Platz. Immerhin hat mir der Händler eine Verlängerungshülse zum Einkaufspreis überlassen.


    cc) Der Auszug II: Beim Zweizoll-Material zeigt der Auszug, wie murksig er ist. Selbst mit allen vorhandenen Justierschrauben so weit angezogen, wie es nur möglich ist, kann man beim Beobachten in Zenithnähe schön beobachten, wie der Auszug bei jeder Bewegung des Teleskops nach unten wackelt.


    dd) Der Auszug III: Die Feineinstellung habe ich auch aus Schina schon wesentlich besser gesehen. Der Eindruck von Minderwertigkeit macht sich breit.


    ee) Der Auszug IV: Von den acht Inbusschrauben an der Unterseite des Auszugs waren einige (unnötig) locker, eine davon bereits dermaßen herausgedreht, daß ein baldiges Herausfallen zu erwarten war. Da hätte dan der Objektivdeckel schöne Gesellschaft bekommen.


    ff) Die Prismenschiene ist lächerlich kurz. Mit dem häßlichen grünen Teil kann das Teleskop niemals ins Gleichgewicht auf der Montierung gebracht werden. Also größere Prismenschiene mit Langlöchern besorgt, die ragt nun nach hinten hinaus. Je nach Länge ist es nötig, den Tubus so in den Rohrschellen zu drehen, daß man an das Feineinstellungsrad kommt.


    gg) Jetzt kommen wir zum Höhepunkt und zum absoluten Murks. Die Schraube, welche die Sucherhalterung am Tubus befestigt, ist ein Krüppel von genau drei Gewindegängen und somit dermaßen kurz, daß sie mit einem einzigen Gewindegang im Teleskop verbleibt - oder eben nicht, denn beim ersten Wackler verabschiedet sich die Schraube samt Sucherhalterung mit aufgesetztem Sucherfernrohr. Ach, wie ist das schön, wenn sich bei der leisesten Bewegung Sucherfernrohr, nicht ganz billiges Sucherokular und die Sucherhalterung vom Teleskop verabschieden und mit lautem Knall auf dem Granitboden der Terrasse landen.



    Mein Fazit: Soweit ich informiert bin, hatten die schinesischen Geräte früher den Ruf, murksige Optik mit stabiler Mechanik zu kombinieren. Bei diesem kleinen Refraktor verhält es sich umgekehrt. Die Abbildungsqualität ist besser, als es der billige Preis erwarten läßt, die mechanische Qualität ist, in der Summer der Fehler, nichts anderes als Murks.


    Mein Eindruck: Da hat sich die Entwicklungsabteilung unter Drogen gesetzt, um dann, den Vorgaben der Geschäftsleitung gemäß, bei der Konstruktion zu sparen, daß es kracht. Die Qualität des Gerätes wurde dadurch nicht besser, daß es offensichtlich von betrunkenen Schimpansen zusammengebaut wurde. So, wie es aus der Schachtel kommt, sind größere Lateralschäden nicht auszuschließen. Nach Beheben des Murkses kann man das Teleskop wenigstens einsetzen. Der Eindruck des Minderwertigen beim Auszug bleibt allerdings. Mein Vierzöller hat einen Feathertouch-Auszug, den würde ich mir für dieses Teleskop auch wünschen, bei den aktuellen Feathertouch-Preisen wäre das aber wohl eher Unsinn.


    Schönen Gruß


    Hans

  • Kann ich leider bestätigen. Optische Qualität super, OAZ u. a. Murks.


    Mann muss auch unterscheiden zw. Vor- und nach Corona. Die Qualität nach Corona scheint nach unten zu gehen.


    ED80, vor Corona: Super Optik, knackscharf. OAZ schleift aber und hakelt bei Last und Zenitnähe.


    ED120: Optisch auch gut, kein Farbfehler! Aber OAZ = Murks, in Richtung Zenitnähe musst du mit der Hand nachschieben, der greift nicht. Prismenschiene: hier auch grün, vor allem wird die immer hässlicher je öfter man klemmt, weil das hinterlässt Abdrücke und deutlich sichtbare Druckspuren, die auffallen, genau auf der Seite zudem, die einem beim Öffnen des Koffers entgegenspringt. Da war mir die alte schwarze Prismenschiene noch lieber ... der "hochwertige" Transportkoffer ist instabil, verzieht sich, innen wenig wertig. Hatte mal Fotos gesehen vom seligen Equinox 120, da war der Koffer noch richtig toll ausgepolstert.


    Ähnliches hört man auch von den Montierungen, z.B. die EQ-6, die soll nach Corona auch nicht mehr so toll sein.


    Fazit: Preise steigen, Qualität sinkt. Optiken super (Linse, Spiegel), Mechanik und außenrum na ja ...

  • Ich hatte den kleinen Sxywatcher auch mal, und habe damit sogar fotografiert, mit einer Vtech1600 .


    Die oben angefügten Negativ Beispiele traten bei mir nicht auf. Für ein kleines und günstiges ED Teleskop war ich Rundrum zufrieden. Ich hab es nur verkauft, weil ich irgendwann auf ein APO umgestiegen bin.


    Aber, das war auch noch vor Corona ;)

  • Hallo zusammen,


    schade dass da so sehr gespart wird und der Endverbraucher in krumme, wacklige Röhren schaut.

    Der mechanische Mangel meines " Preis" Fernrohrs SKW ED 80/600 wurde durch die Nachrüstung eines besseren Okularauszugs behoben.

    Ein Baader Okularauszug mit Untersetzung, der durch M88 Überwurfmutter abnehmbar ist. 8)

    Zerlegt ( + Taukappe abgenommen ) lässt sich das Fernrohr in einem Werkzeugköfferchen transportieren.

    Bin damit sehr zufrieden.


    Grüssle Gerd

  • Hallo, ich bin mit meinem 72ED sehr zufrieden, hab ihn im April dieses Jahres gekauft. Richtig ist, dass die Skywatcher OAZ alle nicht erstklassig sind. Meiner ist okay, der rutscht nicht durch und läuft auch ganz gut, aber er könnte besser sein, ich kann mir vorstellen, den im nächsten Jahr durch einen besseren zu ersetzen, da muss ich mich mal erkundigen, was da dranpasst. Visuell und fotografisch lass ich aber nix auf das Teil kommen.


    LG Olaf

  • Kann ich leider bestätigen. Optische Qualität super, OAZ u. a. Murks.


    (...).

    ED120: Optisch auch gut, kein Farbfehler! Aber OAZ = Murks, in Richtung Zenitnähe musst du mit der Hand nachschieben, der greift nicht. Prismenschiene: hier auch grün, vor allem wird die immer hässlicher je öfter man klemmt, weil das hinterlässt Abdrücke und deutlich sichtbare Druckspuren, die auffallen, genau auf der Seite zudem, die einem beim Öffnen des Koffers entgegenspringt. Da war mir die alte schwarze Prismenschiene noch lieber ... der "hochwertige" Transportkoffer ist instabil, verzieht sich, innen wenig wertig. Hatte mal Fotos gesehen vom seligen Equinox 120, da war der Koffer noch richtig toll ausgepolstert.

    Hab den ED120 mal überprüfen lassen:


    - Optik: Die Optik ist sehr gut. Keine Verspannung, keine Dezentrierung , kein Astigmatismus. Chromatische Aberration ist sehr gering. Strehl 95 %.


    - Verarbeitung: mau. Es ist im Tubus in Objektivnähe ein Fusel, der beim Streichen der Tubusinnenseite an einem Ring hängen geblieben und angetrocknet ist. Die Farbe verklebt den Fussel so stark, dass man ihn nur entfernen könnte, wenn man die Optik zerlegt.


    - OAZ: Katastrophe! Mit Zenithspiegel und Okular dreht der durch je mehr es in Richtung Zenith geht! Keine Kraft. Kamera dran hängen unmöglich. OAZ konnte noch minimal nachgezogen werden, ist aber schon an der Grenze, er muss gewechselt werden (!) Das liegt auch an dem OAZ-Rohr, das aus Aluminium ist und wenig Andruck verkraftet. Die besseren Crayfords sind wohl aus Edelstahl.


    Fazit: Wie schon oft gehört, erlebe ich es nun selber: Optische Qulität super bei SW, das Drumherum, Verarbeitung, weniger gut.

  • Hallo Beisammen,


    Zum Skywatcher kann ich nichts sagen, aber ich habe neulich beim Amazon ein Svbony (wie spricht man das aus?) SV503 80mm F7 gekauft (Black Friday Deal zu $379).


    Zweizoll Auszug mit Getriebe. Da habe ich nur für den Fokussierer bei Feathertouch schon mehr bezahlt als hier für das ganze Scope.


    Die Linse ist ED Doublett. Halt kein Takahashi.


    OK, wer von Euch hat beim ersten Durchgucken nicht auch schon Nachbars Abluftschornstein angeguckt? Wenn ich so ein Abluftschornstein wäre würde mich wundern warum mich diese verrückten Leute ständig mit ihren Teleskopen angucken. OK, das Foto ist mit Handy-hinters-Okular-gehalten.



    Und noch mit dem 3.5mm Nagler (Kostet da das Okular mehr als der Rest?)


    Klar ist der Zweilinser ED blaue Rand zu sehen. Der ist nicht im Handy, sieht man auch so beim reingucken ins Okular. Der Lichtspalt da am Abluftschornstein ist schon radikal.


    Später am Abend beim Blick auf den Mond (das 3.5mm Nagler macht 160x also 0.5mm Austrittspupille, schon am Limit was man der armen kleinen Linse zumuten sollte) war das Bild ganz OK. Klar hat der Mond einen Rand aber die Details bei 160x waren klar, scharf und kontrastreich.


    Wenn man bedenkt, dass bei dem Preis noch Tubusringe (aus Metall! und mit Scharnier), und eine kurze Vixenformat Schiene dabei waren, kann man über das Paket nicht meckern. Prima Preis/Leistungsverhältnis. Den Svbony Flattener/Reducer gab es auch noch dazu ($115). Klar durch den guckt man nicht mit 3.5mm Okular, sondern irgendwann mal mit der Camera. Das wird bei mir eh nur APS-C Sensor sein.


    Beste Grüße & Clear Skies,

    Gert

  • Guten Morgen, da scheine ich ja bei meinem 72er absolutes Glück mit dem OAZ zu haben, der ist mir noch nie durchgerutscht, auch nicht mit DSLR. Er hält auch den Fokus. Allerdings hab ich ihn noch nicht bei großer Kälte benutzen müssen, weiß nicht, ob das eine Rolle spielt. Trotzdem spiele ich mit dem Gedanken, einen besseren OAZ nachzurüsten. Welcher würde denn passen? Dieser hier?


    TS-Optics Monorail 2" Refraktor Okularauszug mit 1:10 Mikrountersetzung, Anschluss 96mm D-Innen, für Skywatcher, Orion, Celestron, MonorailR96
    TS-Optics Monorail 2" Refraktor Okularauszug mit 1:10 Mikrountersetzung, Anschluss 96mm D-Innen, für Skywatcher, Orion, Celestron, MonorailR96
    www.amazon.de


    Den gibt es auch mit 86 mm Anschluss, da müsste ich beim Händler nachfragen, welchen ich benötige. Oder sind beide zu groß? Hat jemand Erfahrung mit den Monorails? Sind die das richtige Upgrade?


    Danke und einen schönen Tag!

    LG Olaf

  • Hallo Olaf,

    ich habe an meinem Kometensucher 120/600 nachträglich

    einen 3" Monorail Okularuszug verbaut.

    Der stammt ursprünglich vom TS RC Teleskop eines Freundes.

    Mein Erfahrungwert:

    Wackelige Billigausführung, Lagerung und Antrieb sind unterdimensioniert, deshalb nicht empfehlenswert!


    Grüssle Gerd

  • Hallo Olaf,


    ich habe meinem 3" Monorail von meinem Cassegrain entfernt und gegen einen anderen Okularauszug ersetzt. Der Monorail war nicht von guter Qualität. Nicht nur die Lagerung ist unterdimensioniert. Mein Monorail Okularauszug hatte auch ein rückfedern beim fokussieren: ließ man den Fokusknopf los, so federte der Okularauszug wieder ein wenig zurück.

    Wie die Lagerung bei meinem Monorail aussah, ist im diesem Beitrag zu sehen: Woran hast du heute gebastelt.


    Viele Grüße

    Gerd

  • Hallo,

    Was würdet Ihr denn stattdessen empfehlen? Hab echt null Ahnung von der OAZ-Technik.

    Oft wird in den Foren der "Baader Diamond Steeltrack" empfohlen. Der scheint brauchbar zu sein. Im Beitrag #4 wurde ebenfalls ein Baader Okularauszug verbaut.

    Bei meinem Cassegrain habe ich den 3" Monorail Okularuszug gegen einen 3" Zahnstangen-Okularauszug getauscht. Der ist deutlich stabiler und läuft auch besser.



    Viele Grüße

    Gerd

  • aber ich habe neulich beim Amazon ein Svbony (wie spricht man das aus?)

    gute Frage ^^ Finde das einen sehr interessanten Hersteller, die haben gute Ideen, hab mir auch was geholt von denen, werde nach first light davon berichten.

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