ISS heute abend (2022 Mai 20): Zwei Punkte

  • Eine Frage in die Runde der visuellen ISS-Beobachter:

    Ich wurde heute abend (20. Mai 2022) gegen 23 Uhr englischer Sommerzeit von der ISS ueberrascht. Flugs griff ich ein herumliegendes 70/350er Celestron Travelscope, das ich gerade instand gesetzt hatte, und beobachtete die ISS mit einem 25er Ortho bei 14x. Natuerlich was das keine ernsthafte Beobachtung und entsprechend zittrig. Aber ich sah einen gleissend hellen Punkt, der flaechig wirkte und heller wurde. Im Osten vor diesem Punkt, in Bewegungsrichtung, war sehr nah ein zweiter Punkt, der nicht so hell war und auch nicht ausgedehnt wirkte.

    Ich habe mal auf der NASA/ISS-Seite geschaut, aber nichts dazu gefunden, dass z.B. ein altes Progress-Raumschiff abgedockt haette. Ich vermute, dass ich die beiden Cluster von Solarzellen gesehen habe, und ein Cluster das Licht zu mir reflektierte waehrend der zweite mich verfehlte und deswegen schwaecher war. So ganz sicher bin ich mir dabei aber nicht.

    Was habe ich da gesehen? Ich bin kein erfahrender ISS-Beobachter, aber neugierig bin ich jetzt schon.

  • Ich habe gerade herausgefunden, dass vorgestern (19. Mai) ein unbemannter Boeing Starliner zur ISS geschickt wurde. Das wird wohl die Erklaerung sein.

    Aus dem UFO ist dann wohl ein BFO geworden. ;)

  • Hallo Jürgen,


    Man mag von dem ganzen Gossip über Elon Musk, Boeing und Konsorten halten, was man will. Aber während die ewig hadernden hier unten am Mosern sind, fliegen da oben ganz real Maschinen und Menschen rum und für mich zählt unterm Strich, dass da die Zukunft gestaltet wird. Deshalb ertrage ich auch das oft Nervige und sich wiederholende in den Diskussionen und freue mich an dem Fortschritt, der sich dann als Lichtpunkt am Himmel zeigt. Ich sah schon die ISS mit Progress, dann die Dragonkapsel, und das bildet auch das Weltgeschehen ab. Sind wir gespannt, welche Fort- und Rückschritte da noch zu beobachten sein werden. Solange unterm Strich die Richtung stimmt, wird doch alles gut.


    CS,

    Henning

  • ... oder anders gesagt: ich finde es auch faszinierend, was technologisch alles möglich ist (potentiell auch zum Wohle der Menschheit), aber Technologie liefert per se noch keine Antwort auf gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Fragen*. Das von alleine alles gut wird, wenn man nur genug Technologie zur Verfügung hat, darf bezweifelt werden. Ich teile diese Sicht nicht.


    Jürgen, gratuliere noch zur Sichtung!


    Herzliche Grüße, Holger


    * beliebter Fehler. Drum diskutieren wir beim Thema Verkehr viel über Antriebsarten und nicht über Mobilitätsverhalten...

  • Hallo Holger,


    Das habe ich doch garnicht behauptet.

    Aber umgekehrt ist der sich einfach durch das Zeitgeschehen immer wieder aufbauende Berg an irdischen Problemen mit noch soviel Müh' und Geld nicht abzutragen. Da kann man in meinen Augen getrost mit einem bißchen Raumfahrt etwas Positives gestalten. Das will doch überhaupt keine Probleme lösen, tut es aber oft genug sogar im Nebeneffekt. Es wäre so, als schlösse man alle Kultur, um das Geld gegen den Welthunger einzusetzen. Das hat einfach nichts miteinander zu tun.

    Vielfalt und Aufbruch bringen uns weiter, denke ich. Ich mähe das Gras um meine PV-Module mit der Sense, versuche also den jeweils besten Weg in einer Sache zu gehen. Aber die Welt rette ich damit nicht.


    CS,

    Henning

  • Hallo Henning,


    Alles klar, Raumfahrt zur Erbauung - bin ich sofort dabei :) Ich möchte auch keineswegs alles verteufeln, was nicht unmittelbar der Rettung der Menschheit dient. Sonst dürfte ich heute Abend auch nicht mit dem Teleskop rausfahren.


    Schönen Tag noch!


    Holger

  • Eine Frage in die Runde der visuellen ISS-Beobachter:

    Ich wurde heute abend (20. Mai 2022) gegen 23 Uhr englischer Sommerzeit von der ISS ueberrascht. ....

    Hi Juergen,


    da hast Du aber Glück gehabt. Die Boeing Kapsel war nur mehr hunderte Meter von der Station weg zu der Zeit. Annäherung auf 10m bis 3:00 MESZ. ich hab das im Internet Stream verfolgt. Was würdest Du denn sagen, wie war die Winkelentfernung? Durch das SGF und WGF kannst Du das ja ganz gut abschätzen...


    Draussen waren leider Wolkenreste von der Kaltfront. Aber ess wäre schon zu dicht für ein 10x50 Fernglas gewesen, würde ich vermuten. Aber heute abend werde ich die ISS mal zu schnappen versuchen vom Balkon - in etwa einer Stunde,


    Grüße,

    Walter

  • Hi Walter,


    das ist schwierig. Das Ploesslokular hat um die 50 Grad, was bei 14x etwa 3.6 Grad am Himmel entspricht. Den Bruchteil der Separation jetzt aus der Erinnerung abzuschaetzen, ist eher Astrologie. Sagen wir mal 1/20, das waere dann 0.18 Grad. Wenn die ISS, die am hoechsten Punkt ca. 60 Grad Zenitdistanz hatte, am Nahpunkt 600km entfernt war, ist das 1.9 Kilometer. Da ich das aber nur aus der Erinnerung abschaetze, und die wahre Zenitdistanz nicht kenne, und auch die Hoehe der ISS nicht parat habe, ist das eine Abschaetzung, wo das Fehlergebaelk knarrt. Astrologie eben. ;)


    Zum Stellenwert der Raumfahrt: Da bin ich gespalten. Was ich 100% unterstuetze, ist das Betreiben von Weltraumteleskopen, die uns die Turbulenz umschiffen lassen und uns Wellenlaengenbereiche erschliessen, die mit bodengebundener Astronomie nicht erreichbar sind. Auch Raumsonden im Planetensystem liefern uns Informationen, die mit optischen Hilfsmitteln von der Erde aus nicht erhaeltlich sind. Man kann einfach "hinfliegen".


    Die menschengebundene Raumfahrt nun ... das "Space Race" muss wahnsinnig interessant gewesen sein. Leider bin ich 1970 geboren und habe das verpasst. Eines der ersten grossen Ereignisse aus der bemannten Raumfahrt, das ich erlebte, war dummerweise gerade die Challengerexplosion. Damals als Teenager fing ich auch davon an zu traeumen, mal Astronaut zu werden obwohl das Ereignis ja tragisch war. Heute sehe ich es so: Menschengebundene Raumfahrt ist ein Abenteuer, aber der wissenschaftliche Nutzen ist mir nicht ganz klar. Biologische Experimente auf der ISS koennen aufgrund der anderen Umgebung Denkanstoesse liefern, wie der menschliche Koerper funktioniert und vielleicht laesst sich da auf medizinischer Ebene was erreichen. Aber zum Beispiel Menschen zum Mars zu schicken empfinde ich als sehr riskant und unnoetig, da Roboter in der lebensfeindlichen Umgebung besser zurechtkommen und sich ersetzen lassen. Als grosses Abenteuer, das die Menschheit vereint und mehr junge Menschen dazu bewegt, ein Interesse in MINT-Faechern zu entwickeln, ein grosses JA. Aber gemessen am Aufwand und Risiko, eher nicht. Auch, weil auf unserem Planeten dringende Probleme anstehen, die geloest werden muessen: Das Klima, die Explosion unserer Spezies, die Armut - um nur mal drei zu nennen.

  • Hi,


    ich fürchte hier ist mit der kommerziellen Raumfahrt, die die USA angestoßen haben, die Pandorra Box geöffnet. Angesichts des Klimawandels und Energie Knappheit (weil Energie sparen das einzige nachhaltige Zukunftskonzept ist) für bald 10 Mrd Menschen - sehe ich das auch mit Sorge.

    Erneuerbare Energie ist halt sehr begrenzt. Kann mir keiner sagen, daß es folgenlos ist wenn wir den Globus mit Windrädern und Solarzellen/Spiegeln zukleistern. Was ist mit der Strahlungsbilanz, die Rohstoffe/Energie für die Produktion/Transport/Aufbau/Verdrahtung - etc. Die Energieentnahme aus dem Wettersystem? Und dann mit miserablen Wirkungsgrad, Sauerstoff aus der Atmosphäre per Lindeverfahren auskondensieren, cryo-kühlen, Methan durch CO2+H2O elektrisch synthetisieren und auch kühlen? Und das für 1000 Starships/a die zum Mars sollen zur Mars City Aufbau?


    Alles sehr bedenklich. Übrigens auch der massenhafte Einflug von außerhalb in die Atmosphäre im großindustriellen Maßstab mit all den Asteroiden-abgebauten Nickel, He3 und Photonium. Was macht das mit der oberen Atmosphäre all die Ionisation, Verglüstaub, Hitzeschild-Rauch? Nee, nee erfinden wir lieber erst den Raum-Geradebieger (= Antigravitation) ...


    Sorry, bin in Schwung geraten :zipper_mouth_face:


    CS,

    Walter

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