• Guten Abend,


    nachdem ich hier jede Menge durchgelesen habe – danke an die Foristen für die viele Arbeit und Mühe – schwirrt mir erstmal der Kopf. Für den Anfang habe ich drei Fragen und hoffe, jemand kann sie mir beantworten.


    Ich bin Anfänger, bringe eine (nicht astromodifizierte) DSLR mit und möchte hauptsächlich fotografieren. Planetenfotografie finde ich durchaus interessant, möchte mich später aber überwiegend Deep Sky widmen. Standorte sind ein Drittel heimischer Garten (Bortle 5), ein Drittel Umgebung (Bortle 4) und ein Drittel Region im Ausland (Bortle 4 und 3).


    Frage 1: macht die folgende Ausrüstung hinsichtlich Einstieg (und späterer „Erweiterung“) in ihrer Kombination Sinn?


    Skywatcher 150 / 750 PDS

    Mgen 3

    HEQ 5 Pro SynScan GoTo



    Frage 2: Sollte ich mich zunächst mal mit der DSLR vortasten und das Terrain erkunden oder gleich eine gekühlte Astrokamera verwenden?



    Frage 3: Thema Okularsatz.


    In den/Euren Beiträgen wird immer wieder die Wichtigkeit von Montierung und Okularen betont. Bzw. der Rat gegeben, insbesondere das zur Verfügung stehende Budget hauptsächlich in diese beiden Kernelemente zu investieren.

    Wenn es also um hochklassige Okulare geht, die ich vielleicht noch in 10 Jahren an einem anderen Teleskop anwende, lande ich qualitativ z.B. bei der Ethos-Serie von Televue. Das ist finanziell ja nicht ganz ohne (aber machbar). Ich möchte aber auch nicht alle paar Jahre einen Satz mittelprächtiger Okulare erwerben, statt es einmal richtig zu tun.

    Darüber hinaus habe ich hier im Forum gelesen, dass die Abbildungsleistung dieser Okulare tatsächlich einen himmelweiten Unterschied machen soll.


    Wie ist diesbezüglich Euer Rat?


    Danke vorab für Eure Zeit,


    Holger

  • Servus Holger,


    zu Frage 2:

    ich fotografiere selber mit einer nicht modifizierten DSLR und erziele (finde ich) ganz ordentliche Ergebnisse. Nur für Planetenfotografie ist die nicht geeignet (da nimmt man Filme auf, um dann aus den vielen Einzelaufnahmen per Software ein ideales Bild herauszuholen und zu stacken. Für Deep Sky hingegen spricht nichts dagegen, erstmal mit einer DSLR zu fotografieren. Du brauchst halt einen Fernauslöser und brauchst Spiegelvorauslösung.


    Frage 3:

    Je geringer das Öffungsverhältnis, umso besser müssen die Okulare sein. Ich selber habe ein f/8-Teleskop und da kann man mit Okularen, die nicht ganz so teuer sind, gute Ergebnisse erzielen. Ich selber habe Omegon-Okulare, z. B. das SWAN 38 mm - 70° (2") als Übersichtsokular, dann ein Omegin SWAN 20 mm (70°) und ein Omegon Cronus WA 8 mm (60°) - beide 1,5" und bin mit denen zufrieden. Hätte ich einen f/4-Newton oder noch drunter, dann bräuchte ich wohl teure Okulare. Wenn du aber fotografieren willst, sind dafür die Okulare ja egal, denn Okularprojektion ist schwierig. Leichter ist es, das Teleskop als "Teleobjektiv" zu nutzen.


    Was das "einmal richtig" angeht, ist das eher die Montierung. Wenn du später mal ein größeres Teleskop haben willst, dann brauchst du auch eine Montierung, die mehr trägt. Das meiste Geld steckt in der Montierung.


    Ich selber habe zum Beispiel die Montierung so gekauft, dass ich auf kein größeres Teleskop umrüsten kann, weil ich mobil sein muss und nicht zu viel Gewicht schleppen will. Für das Fotografieren reichen mir meine 8" gut aus. Wenn ich mir später was größeres zulegen sollte, dann als Dobson, um das Geld in die Optik zu stecken und würde das dann eben nur visuell nutzen. Teuer ist primär die Fotografie, denn dafür muss die Montierung was taugen.


    Zur Frage 1 sage ich nichts, denn da kennen sich andere viel besser aus. Ich habe nur das eine Teleskop und kenne als Vergleich sonst nur den guten, alten C8.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Mein Verein: Astronomische Gesellschaft Buchloe e.V.

    Meine Ausrüstung

    Teleskop: Omegon Ritchey-Chretien Pro RC 203/1624

    Montierung: iOptron CEM40G

    Kamera: Canon EOS 6D Mark II (Vollformat, unmodifiziert)

    Kameraobjektiv: meist Canon EF-200 mm f/2.8 Teleobjektiv

    wenn gepäckarm mobil: Omegon Mini Track LX3 (für Kamera plus Objektiv)

  • Servus Holger,


    die angedachte Montierung mit dem Tubus drauf- passt und hat sogar noch gut Luft.


    Planetenfotos- nicht mit der DSRL, die kleinen Murmeln belegen auf dem großen Chip nur einen Bruchteil, irgendwo im Bereich von so 200x200 bis vielleicht 350x350 Pixel, je nachdem welche Barlow noch genutzt wird. Und mit Einzelbildern kommst du nicht weit, also Videos aufnehmen. Nur ist da eine DSRL auch nicht hilfreich, deren Videos sind bereits von der Kamera vorverarbeitet. Man nutzt dazu CCD- oderCMS Kameras wie z.B. die ASI120 oder ähnliche.


    Okulare- Ethos sind die oberste Klasse, man kann da durchaus günstigere nehmen bzw. man schafft sich gute Okulare über die Zeit verteilt an und nutzt dabei Möglichkeiten, auch mal vor einem Kauf verschiedene Okularversionen auszuprobieren.


    Gruß Stefan

  • Hallo Christoph und Stefan,

    vielen Dank für Eure Antworten.

    Okay, also vielleicht zunächst 2 hochklassige Okulare zum Einstieg in die reine Betrachtung.


    Die Kombination 150/750 samt Mgen 3 passt. Plus eine Astrokamera.
    Mit der HEQ 5 hätte ich rund 7kg Reserve nach "oben" (obwohl ich jetzt schon von den vielen Vorteilen Deiner - Christoph - iOptron CEM40G - lese ...)

    Ich schätze, ich muss mich neu sortieren :)

    Danke Euch & schöne Grüße,

    Holger

  • Hallo Holger


    Ich fotografiere auch hauptsächlich, war ja dein Wunsch, mache das Aligment über den Telrad, das Teleskop hat schon 1 Jahr lang kein Okular mehr gesehen, wenn du meinst dafür hochwertige 9kulare zu benötigen, das Geld wird dir schnell woanders fehlen.

    Die Orientierung am Himmel, falls man nicht ohnehin Goto hat kann man auch mit einfachen Okularen lernen.

    Es ist ja gerade Galaxiensaison, da passt eine DSLR bzw. Farbkamera ganz gut, muss auch nicht modifiziert sein. Mehr Brennweite wäre zwar schön aber als Anfänger weniger zu empfehlen, da bieten sich dann ganze Galaxie Gruppen schön lang belichtet an.

    Wenn denn schon der Mgen bei ist, der nützt mal gar nichts wenn der Korrektor und der Adapter für die Kamera nicht auch bei ist.

    Die Kamera für Halpha zu modifizieren ist günstiger wie ein gutes Okular und sollte wohl passiert sein wenn die Sommermilchstraße wieder hochkommt.


    Astro Kamera? In SW? Dann kostet sie oft 20% mehr, dafür dann noch Filterrad für 300€, und Filter für 1500€ oder mehr, bin ich so gewohnt, aber hatte schon die Idee eine Farb und eine SW Kamera zu kaufen😣

    Mit Halphatauglicher Farbkamera und Dualbandfilter ist man heute schon Ganu gut aufgestellt.


    Gruß Frank

  • Guten Morgen Holger,


    zu deinem Setup, das wird schon gehen für den Einstieg.

    Ich weiß auch warum man gerne mit beidem Einsteigen möchte.

    Das kann man auch, aber wie Frank schon geschrieben hat, meist bleibt man bei einem hängen - Visuell oder Fotografie.

    Es ist ein sehr kompliziertes Thema und visuelle Beobachtung und Fotografie haben nur das Grundmaterial ähnlich.

    Wenn man beides betreibt, dann oft mit zwei unterschiedlichen Setups oder an unterschiedlichen Nächten.


    Unterschiede sind z.B. das Öffnungsverhältniss; es ist für die Fotografie sinnvoll einen kleinen Blendenwert zu haben, visuell ist die Öffnung wichtiger.

    Die Fokuspunkte von Kamera zum Okular sind sehr groß, gerade bei DSLR, weshalb der wechsel vom Okular zu Kamera nicht nur umstecken ist,

    Viellicht erstmal in ein Gebiet einsteigen und für mich wirkt es wie sehr fotografisch orientiert, wegen dem MGEN und DSLR.



    Wegen Astrocam oder DSLR würde ich sagen es liegt am Geld und an der Automatisierung die man Anstrebt.

    Für eine DSLR benötigt man den Fernauslöser und eine SD Karte und los geht's, bei einer Astrocam mus der Laptop mit.

    Wenn man aber Richtung starker "automatisierung" geht, hat man sowiso den Laptop schnell dabei.

    Da ist dann auch die Frage ob man einen MGEN benötigt oder via NINA oder PHD2 guidet, es spart Geld im Einkauf.

    Ob Astromodifieziert oder nicht? Ich würde sagen, wenn man sie nur für Astro nimmt, ideal direkt modifiziert mit UV/IR sperrfilter.

    Es geht aber nur um die H-alpha Regionen (die Roten Nebel) die dann besser dargestellt werden, alles andere bleibt gleich.



    Was viel Geldspart ist eine Beratung, ideal von nicht-Verkäufern.

    Vielleicht hast du ja einen Astroverein in der Nähe oder so.

    Da kann man gute Tipps bekommen ohne das es teurer wird durch Fehlkäufe.

    Der Einstieg ist wirklich Aufwändig, da es ein sehr Umfangreiches Thema ist und ich würde sagen,

    man braucht mindestens ein Jahr um die Grundlagen verstanden zu haben.

    Das funktioniert aber nur wenn man sich aktiv reinhängt und viel selber auch am eigen oder mitgenutzem Material erfährt.


    Im großen und Ganzen:

    - Setup funktioniert

    - Vielleicht besser erstmal nur Visuell oder Fotografie

    - Informationen von "alten Hasen" einholen um Fehlkäufe zu reduzieren

    - DSLR für Deepsky Fotos, kleine Astrocam für Planeten (dann aber mehr Brennweite) oder eine dicke Astrocam wenn man das Geld investieren möchte



    Dann viel Spaß an dem Hobby, Sven

  • Hallo


    Was noch zu sagen ist der Stromhunger der Astro cams ist auch noch mit ordentlich Mehrpreis zu finanzieren und macht eine Menge Gewicht zusätzlich.

    Der Mgen macht bei Asrocam und Notebook nur unnütze Kosten und Probleme, für DSLR ist er aber gut, stromsparend und beinhaltet den Auslöser für die DSLR.

    8zoll F/5 ist fotografisch so ziemlich Ende und wäre auch visuell vertretbar und genug Öffnung, größer dann visuell eher Dobson.

    Die Montierung wird dann eher fotografisch weiter Sinn machen, parallel aber sehr schwer, ständige Treiberprobleme die um so mehr werden um so mehr über Computer automatisiert und gesteuert wird machen visuelles Parallel beobachten nahezu unmöglich, vielleicht fest aufgebaut im Garten wo es immer gehegt und gepflegt wird, aber da ist die Helligkeit eher zu störend. Man mag wenn man es Detailiert und in Farbe bekommt dann unter Schlechtem Himmel auch wahrscheinlich nicht.


    Gruß Frank

  • Hallo Sven und Frank,


    nun habe ich mich hier schon so viel im Forum umgesehen und den freundlichen und zugewandten Umgang untereinander und explizit mit Anfängern beobachten können, und jetzt erlebe ich das selbst. Vielen Dank für Eure Zeit und Eure Erläuterungen. Ich lese mich weiter ein und ... melde mich in einem Jahr wieder :)


    Schönen Sonntag,


    Holger

  • Hallo Holger,

    Es braucht keine Televue Okulare.

    Gerade vor kurzem erst habe ich mein 13 mm Ethos gegen ein 13 mm von Lunt/Apm vergleichen können, bei f 4,5.

    Bei gutem Landhimmel kein Unterschied für mich erkennbar, bei nur einem Drittel/ Viertel des TV- Preises...


    Schöne Grüße

    Norman

    „Imagination will often carry us to worlds that never were. But without it we go nowhere.“


    Carl Sagan.

  • Hallo Holger,


    Frage 2 ist einfach und eindeutig zu beantworten, ausser Du willst Planeten jagen: Starte mit der DSLR. Eine normale ohne astromodifikation ist vollkommen OK. Eine Astrokamera brauchst Du erstmal nicht.


    CS

    Dirk

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