Beobachtungen auf der Vulkaninsel

  • Hallo Freunde,


    wir, Dietmar und ich, hatten schon im Juni eine Reise nach La Palma gebucht und wollten sie nach dem Ausbruch des Cumbre Vieja nicht einfach verfallen lassen.

    Also sind wir letzten Donnerstag hingeflogen, aber nicht als Vulkantouristen, sondern als visuelle Astronomen.



    Beim Anflug sah man rechts oben nur eine Wolkendecke über dem Vulkan, die war aber unspektakulär.



    Die Landung war sanft und von der Vulkanasche und dem Staub war nichts zu sehen.



    Das sah auf der Westseite der Insel bei El Paso schon ganz anders aus! Die hoch aufragenden Wolken und der Ascheauswurf wirkten bedrohlich. Also schnell weitergefahren, bevor uns der Vulkan um die Ohren fliegt!


    Dietmar hat in Puntagorda seinen 18-Zöller stationiert, was eine im wahrsten Sinn des Wortes unbeschwerte Reise bedeutet.

    Etwas oberhalb von Puntagorda bezogen wir unser kleines Ferienhaus mit Blick von Südwesten nach Nordosten auf den Atlantik.

    Der liegt fast einen Kilometer tiefer und ebenso die üblichen Passatwolken.

    Für uns Visuelle eine traumhafte Unterkunft, weil man hier hervorragend beobachten kann.




    Der Dobson wurde auf einer ebenen Fläche aufgebaut und war nur 20m vom Eingang entfernt. Nur 5m weiter war eine Außenküche mit Grill und einem großen Dach, unter dem der Dobson bei Nichtgebrauch geschützt untergestellt werden konnte. Ein Segen, denn nach zwei mäßigen Beobachtungsnächten mit ungewohnter Feuchtigkeit räumten wir alles unter das Dach und gingen schlafen.

    Wir wurden am Samstag Morgen um halb acht von zwei Erdbeben geweckt, eines mit Stärke 5.0! Ein Blick nach draußen:

    ein Chaos ohnegleichen.



    Überall lag zentimetertiefer Vulkanstaub… auf der Terrasse, den Gartenmöbeln, den Dächern und auf allen Pflanzen.



    Der Tag war gelaufen! Jetzt war Fegen angesagt und Dobson reinigen.

    Der hatte zum Glück unter dem Dach nur wenig Vulkanasche abbekommen und der gut abgedeckte Spiegel war noch sauber.

    Weil der Himmel aber immer noch mit schwarzer Vulkanasche geschwängert war, durfte der Dobson ins Wohnzimmer umziehen.

    Montag drehte endlich der Wind aus Süden etwas, so dass nur noch östlich von uns gelegene Gebiete den Staub fressen mussten…

    Pech für die großen Teleskope auf dem Roque, Glück für uns.

    Nach einem Besuch im Restaurant Camu Camu bauten wir den 18er und das Stativ mit dem 16x70 Bino auf.

    Es sah zuerst ziemlich schlecht aus, denn es waren noch Staubreste am Himmel, die sich aber bei zunehmender Dunkelheit verzogen… oder einfach nicht mehr zu sehen waren.



    Dann konnten wir endlich mit dem Beobachten beginnen.

    Zuerst kamen die Planeten Jupiter und Saturn dran und das Seeing war gut genug um schöne Details zu sehen. Etwa der Schatten von Europa oder die Cassiniteilung.

    Planeten waren aber nicht unsere erste Wahl sondern Planetaries und andere Deepsky-Objekte.

    Am Ende waren es 13 Planetaries, aber ich denke, deshalb gibt es kein Unglück:

    Ringnebel, Hantelnebel, kleiner Hantelnebel, Blue snowball, Blue flash, Blinking Planetary, Fötusnebel NGC7008, Flying Carpet NGC7027, Helixnebel, Eskimonebel, Skullnebel NGC248, NGC40 und M1. Halt, da fällt mir ein, dass wir auch IC5148/50, den Little Ghost Nebel gesehen haben. Den findet man im Kranich.

    Also keine Bange wegen der 13 :)

    Wir wechselten uns beim Aufsuchen ab und versuchten auch mit dem Fernglas die Objekte zu finden, was oft bei den größeren Nebeln auch klappte.

    Zwischen durch besuchten wir auch die üblichen hellen und ein paar schwierigere Galaxien:

    M31 und die Begleiter, M33 mit kräftiger Spiralstruktur, NGC891 mit deutlichem Staubband, NGC404 bei Mirach,

    im Cetus waren das NGC247, 253 und die südlichste davon bei fast bei -40° Süd, NGC55.

    Ein Dutzend offenen Haufen waren auch dabei:

    M52 mit dem vergeblichen Versuch, den Bubble-Nebel zu sehen, daneben den Pfeilspitzen ähnlichen NGC7510, sehr schön auch Carolins Rose, NGC7789, dann M37, M38 mit NGC1907, M36, im Fuhrmann, M35 mit 2158 in den Zwillingen und natürlich Ha und Chi.

    Im Schwan waren die hellen NGC6888, Crescentnebel, dann der Sturmvogel, NGC6960, und der Cirrusnebel NGC6992 und zuletzt NGC7000, der Nordamerikanebel dran.

    Bei den guten Bedingungen und trotz der Staubreste am Himmel waren alle sehr gut mit vielen Strukturen zu sehen.

    Natürlich durften auch die Kugelhaufen nicht fehlen, waren aber gestern nicht so wichtig. Der hellste und schönste war M2, besonders mit hoher Vergrößerung bei 280fach eine Augenweide.

    Die intergalaktischen Wanderer, der 130 000 Lichtjahre entfernte NGC7006 und der 250 000 Lichtjahre entfernte NGC2419 wurden schnell gefunden und auch der viel näher stehende NGC288 im Bildhauer in der Nähe von NGC253, der Sculptor-Galaxy, war gut zu sehen.



    Gegen Mitternacht stand der Orion über dem Hang hinter unserem Platz und endlich konnten wir in die Vollen gehen.

    Zuerst kam der Flammennebel NGC2024 dran, der schön strukturiert sichtbar war, wenn man Alnitak aus dem Gesichtsfeld hielt.

    Dann folgte mit H-Beta-Filter der Dunkelnebel B33, der Pferdekopfnebel, der sich bei einigem Einsehen langsam aus dem zarten Hintergrund herausschälte.

    Ein Kracher dagegen war der Orionnebel! Unglaublich, was man da sehen konnte. Dieser Detailreichtum haut einen glatt aus den Socken. Man konnte auch wieder zarte Grün- und rotbraune Farbe erkennen, leider nicht so markant wie im 28-Zöller.

    Ein schöner Abschluss gegen 1 Uhr war dann der wunderschöne M78, der für mich das kleine Gespenst heißt.


    Der Kaminofen war noch warm, als wir die tolle Nacht mit einem Glas Vega Norte XX, einer limitierten Edition eines hervorragenden Rotweines, beendeten.


    Das war eine gelungene Beobachtungsnacht… wir hätten gerne noch ein paar mehr davon!


    cs

    Timm

  • Hallo Timm,


    Die ersten vier Bilder fehlen leider - musst Du vermutlich nochmal einfügen. Sonst schon sehr eindrucksvoll! Gutes Beobachten noch!


    Viele Grüße, Holger

  • Hallo Timm, Dietmar


    na ihr macht Sachen, Tanz auf dem Vulkan zum 5 Richter Takt. ich schau mir aus der Ferne seit Wochen abends (gelegentlich) den Live Stream des Kanarischen(?) Fernsehens an (bei YT). Faszinierendes Feuerwerk und so lange schon ununterbrochen aktiv.


    Mit dem Vulkanstaub, seid mal vorsichtig. Aber der Dietmar wird es wissen, das Zeug frisst Titan-Flugzeugturbinen...


    Noch ein paar Very Clear Skies Nächte wünsche ich Euch


    LG,
    Walter

    LLAP

  • Hallo Timm,


    sehr schön, da hast du eine tolle Ausbeute gehabt 8) . Und zu diesem exotischen Südobjekt ...


    Halt, da fällt mir ein, dass wir auch IC5148/50, den Little Ghost Nebel gesehen haben. Den findet man im Kranich.

    ... hab ich schnell mal meine Aufzeichungen von unserem Südafrikatrip zu Hottie ausgekramt:

    "Da ist einmal der 12 mag helle planetarische Nebel IC 5148, ein interessanter, ziemlich kreisrunder Ringnebel mit zentralem Loch - oder wie Haley schreibt (9. Nacht, 16-Zoll): ' ... das ist ein hübsches Ringerl, lohnt im O III.' "


    Lass es dir da unten weiter gutgehen !


    Servus

    Ben

  • Hallo Timm,


    die ersten vier Bilder wurden irgendwie nicht hochgeladen. Über Beitrag bearbeiten kannst Du es noch einmal versuchen und sie neu einbinden. Es sind aber nur zehn Bilder pro Beitrag erlaubt und sieben hast Du schon. Es wären also noch drei möglich.

    Oder Du packst sie alle in einen neuen Beitrag.


    Auf jeden Fall ein toller Bericht von der feurigen Insel. Hoffentlich bleibt Ihr von weiteren Ascheregen verschont.


    Bis dann:

    Marcus

    16" f/4 Dobson, 6" f/5 Dobson, C8, 80/560 ED, 70/700 PST-Mod "Sunlux"


    Zeige mir einen Dobson und ich zeige Dir eine Baustelle

  • Hallo Holger,


    bei mir sind alle zu sehen.

    Ich weiß nicht, warum du sie nicht sehen kannst.


    cs

    Timm


    P.S. Jetzt hab ich es doch geschafft.

    Edited once, last by Timm ().

  • Hallo Timm,


    liegt nicht an mir, ist irgendein Astrotreffproblem, das sie nicht in den Griff bekommen. Einfach nochmal hochladen und neu einbinden hilft jedenfalls. Man kann das meines Wissens selbst auch nicht testen (vielleicht, indem man sich ausloggt).


    Viele Grüße, Holger

  • Ja, jetzt passt alles.


    Wir haben immer noch nicht herausgefunden woran es liegt, dass manche Anhänge auf dem Weg auf den Server verloren gehen. Das fatale ist, dass der Ersteller sie sehen kann, weil sie irgendwie wohl im Cache seines Rechners liegen und angezeigt werden. Deshalb merkt er es nicht. Die Software erstellt eine Adresse für das Bild, der Speicherplatz bleibt aber leer.

    Das seltsame ist, dass es in den allermeisten Fällen klappt. Aber dann auf einmal aus heiterem Himmel bei einzelnen Beiträgen und einzelnen Bildern nicht mehr.


    Ich gebe zu, ich habe überhaupt keine Ahnung von so etwas. Aber ich bin auch nur Mod, kein Admin. Ich spreche das Mittwoch noch mal an, da haben wir Zoomtreffen der Moderatoren.


    Bis dann:

    Marcus

    16" f/4 Dobson, 6" f/5 Dobson, C8, 80/560 ED, 70/700 PST-Mod "Sunlux"


    Zeige mir einen Dobson und ich zeige Dir eine Baustelle

  • Es kommt selten vor, weil für das Auftreten dieses Fehlers die Seite beim Schreiben neu geladen worden sein muss - dann gehen Dateianhänge, die bis dahin schon im Beitrag waren, verloren.

    Das trifft manchmal längere Beiträge, wenn der Browser zwischendurch verlassen oder die Seite aktualisiert/ gewechselt wurde.


    Tipp:

    Lange Beiträge vorab in irgendeinem Programm schreiben, leicht auffindbare Platzhalter für die Bilder reinpacken.

    Dann mit Copy/ Paste und Einbetten der Bilder an den richtigen Stellen den Beitrag binnen Minuten zusammensetzen.

    Absenden - fertig.

  • Hallo Tim,


    ein schöner Bericht und es ist sehr interessant deine Eindrücke zu lesen. Gestern waren in der Zeit und im Spiegel sich sehr ähnelnde Berichte, mit ich denke identischen Fotos die doch sehr nachdenklich stimmen, in Puerto Naos alles mit einer dicken Ascheschicht überlagert. Ich bin überrascht, dass die Luft doch recht klar ist.


    Für die Insel scheint mir dies nach dem Corona_Jahr die noch sehr viel größere Katastrophe zu sein. Irgenwo sah ich ein Foto von der Hauptstrasse in La Laguna, eine Palme bis fast zur Krone in der Lava veschwunden, ebenso das Caffee vor dem Sie stand. Die Insel lebt von Landwirschaft und Touristen, mir tut es für die Leute furchtbar leid. Wie ist die Stimmung auf der Insel?


    Wie seit ihr den überhaupt nach Punta Gorda gekommen? Über die östliche Rute am Rouqes vorbei?


    beste Grüße


    Thomas

  • Hallo Thomas,


    ja, erstaunlicherweise konnten wir richtig gut beobachten.

    Die Bewohner der Insel haben es wirklich schwer und viele, viele haben alles verloren.

    Die Leute in Los Llanos müssen jeden Tag zentimeterdicke Ascheschichten von ihren Grundstücken beseitigen.

    Das kann echt zur Plage werden.


    Heute Abend waren wir am Mirador el Time, der Luftlinie 8 oder 9 km vom Lavastrom entfernt liegt.

    Ein lautes Donnern und Rumoren begleitet den Ausbruch und den hellen Lavastrom.

    Der Himmel ist voll von rot beleuchten Wolken, die aussehen, als sei ein Inferno ausgebrochen.

    Das ist echt bedrückend, wie nahe die Lava an der Stadt Los Llanos vorbeifließt.

    cs

    Timm

  • Lieber Timm und Dietmar,


    Lasst es Euch gut gehen auf der trotzdem immer noch schönen Insel da unten!

    Schön, dass Ihr trotz Vulkanausbrüchen Gelegenheit zum Sternegucken habt.

    Bin gespannt über noch weitere schöne Beobachtungs- Berichte von Euch.

    Mich hat beim letzten Besuch NGC 55 sehr fasziniert,

    was für ein grosser Flatschen am Himmel!

    Und das Lustwandeln zwischen den Galaxien im Sternbild Fornax :D

    Viel Freude weiterhin!


    LG von Gerd aus dem Schwabenländle

    LG von Gerd

    ein Backnanger Sterngucker

    Edited once, last by GerdHuissel ().

  • Liebe Timm und Dietmar, ;)

    vor allem vielen Dank für diesen ersten astro-vulkanischen Bericht !

    Diesmal ärgert es mich besonders dass ich nicht dabei sei, nicht nur wegen der Astro sondern vor allem weil ich diesen spektakulären Vulkanausbruch verpasse.

    Als ihr diese Reise im Juni geplant hattet, war die Corona Krise bei uns noch akut und ich musste drauf verzichten. Und jetzt könnt'ich mir in den A... stossen ! Die Vulkane haben mich schon immer fasziniert, weil ich im Juli 1976 das Glück hatte oben auf dem Ätna zu sein als er kräftig spuckte. Solches Spektakel bleibt immer im Kopf. Und dazu habt ihr auch noch ein starkes Erdbeben gespürt...was für ein Glück ! :P


    Passt nur gut auf Dietmars 18-Zöller!

    Last minute information: der Flughafen liegt wieder unter Asche und alle Flüge werden abgestrichen, also bleibt euch nur übrig uns schöne Berichte zu schreiben und tolle Lavastrom Bilder zu schicken !

    Viel Vergnügen an Euch beide


    Patrice

    Patrice S.

  • Hallo Timm und Dietmar,


    danke für euren Bericht und den Katzenpfotennebel auf der Terrasse ;) Aber Spaß bei Seite, ich finds gut, dass ihr trotz Vulkanausbruchs auf die Insel geflogen seid, somit wird der lokale Tourismus weiterhin unterstützt und damit auch eine wichtige Lebensgrundlage der Menschen dort! Ich werde wenn irgendmöglich nächstes Jahr auch wieder hinfliegen. Der Vulkanausbruch ist ja schon spektakulär, hoffe aber, dass er euch bei euren Beobachtungen nicht allzusehr einschränkt. Ich denke bei einem guten NO-Passat wird die Wolke von euch weggeblasen, drücke die Daumen. Auf welcher Finca seid ihr denn, CA und PV belegt?


    Viele Grüße

    Thomas

  • Hallo Thomas,


    nein, CA und PV waten belegt und deshalb sind wir nach ET (El Topo).

    Siehe oben im Bericht, denn dort kann man auch gut beobachten ohne große Lichtverschmutzung.

    Nur die Südsicht ist etwas eingeschränkt.


    cs

    Timm

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!