Jupiter 14.09.2021 mit 12" Newton

  • Hallo Planetenfreunde,

    hier ein Jupiter ohne Impact oder Impactfolgen. Aufnahmeort Aussichtsplattform am Trattberg bei Hallein (1560m Seehöhe). Hab diesmal Saturn ausgelassen und mich gleich und auschließlich auf Jupiter konzentriert. Hab ab 21:20 bis Meridiandurchgang 62 Filme reinlaufen lassen. Seeing war variabel, aber manchmal sehr gut. Die Nachführung lief ziemlich perfekt bis auf den besten Seeingmoment. Da lief mir Jupiter aus dem Bild und ich konnte nur 30 Sekunden des Filmes verwerten - ist trotzdem auffällig gut, dieser einzelne Film. Endstanden ist er, nachdem ich in der Mitte der Sitzung nochmal alle Einstellungen in Frage gestellt habe und faktisch meinen ganzen Optikaufbau nochmal frisch justiert habe. Es hat sich wohl gelohnt. Der ZWO ADC ist leider nicht so toll gefertigt und erfordert bei größeren Drehungen Nachjustage der Optik - alles ziemlich heikel.


    Einstandsbilder:



    Jupiter 14.09.2021 MESZ 22:54 28° über Horizont, Einzelfilm, keine Derotation, Durchmesser 47.92"

    12"f5.3 Newton bei 5400mm Brennweite (f18)

    Filter=R

    CMI=180.7° CMII=151.2° CMIII=341.6°

    ROI=560x524

    FPS (avg.)=292

    Shutter=3.418ms

    Gain=345 (57%)

    Histogramm=55%

    75% der Bilder verwendet (30 Sekunden des Films), davon 70% gestackt (ca. 4700 Bilder)

    Mit 5-er Giotto-Filter geschärft => Zeichen für sehr gutes Seeing

    Der Rand und das Rauschen gehen durch Verwendung von mehr FIlmen und Derotation wahrscheinlich gut weg.


    Spätere Blaufilme sehen ganz passabel aus:



    Jupiter 14.09.2021 MESZ 23:26 (28° über Horizont) kurz nach Meridiandurchgang (5 min Derotation)

    Filter=B

    CMI=200.3° CMII=170.7° CMIII=1.0°

    Shutter=4.493ms

    Gain=367 (61%)

    Histogramm=67%

    5 gute Filme a 40 sec addiert



    Jupiter 14.09.2021 MESZ 23:15 (28° über Horizont) L-RGB bei Meridiandurchgang (15 min Derotation)


    Zum Höchststand hatte ich leider nur miese Grün- und passable Rotkanäle. Seening war wechselhaft mit Bodenturbulenzen. RGB-Bild lebt von brauchbaren Blaukanälen und Rotkanälen. Es ist ein rotlastiges Bild. Dieses Farbbild ist deutlich schwächer als die Farbbilder vom 07.09.2019 (Gaisberg 1260 m), zeigt im Äquatorbereich ähnliche Region, nur schlechter aufgelöst. Man muss also nicht unbedingt auf den höchsten Berg fahren. Trotzdem darf ich nicht Jammern.


    Weitere Ausarbeitungen folgen.


    N1:


    Jupiter 14.09.2021 MESZ 22:58 28° über Horizont, R-Bild aus 4 Rotfilmen bzw. 22.000 Rotbildern, Derotation 6 min

    Der beste Rotkanal - 20 Minuten vor Höchststand.

    CMI=182.4° CMII=152.9° CMIII=343.2°


    N3



    Das L(R)-RGB Farbbild von oben optimiert. Es fehlt ein richtig guter Grünkanal.


    LG

    Robert

    Edited 11 times, last by RobertR: Bilder eingefügt ().

  • Nx: frühere Bilder in Originalgröße wie aufgenommen:



    Jupiter 14.09.2021 MESZ 21:35 (24° über Horizont) L(RG)-RGB (10 min Derotation)

    CMI=132.3° CMII=103.2° CMIII=293.5°



    Jupiter 14.09.2021 MESZ 21:57 (25° über Horizont) L-RGB (15 min Derotation)

    CMI=145.7° CMII=116.5° CMIII=306.8°


    Rotkanäle waren am Anfang der Sitzung erheblich besser als Blau. Farbe der Bilder gefällt mir nicht wirklich. Auflösung der Farbbilder geht für den niedrigen Stand, kommt aber bei weitem nicht an den besten Rotkanal heran. Geschenkt bekomme ich bei der Aufnahmesitzung auch nichts.


    LG

    Robert

    Edited 3 times, last by RobertR ().

  • Robert,

    Wiedermal gute Aufnahmen und besser als meine mit 16 zoll :thumbup:


    Bei deinen umfangreichen Daten wäre eine Auswertung der Bewegungen einzelner Objekte sicher äußerst lohnend


    Cs Harald

  • Grüsse Harald,

    Mein Name ist Bob King und ich schreibe für Sky & Telescope und deren Website. Ich würde gerne Ihr Foto und Ihren Account in einen Beitrag aufnehmen, den ich über die Wirkung verfasst habe. Dar ich Ihr Foto Bob Jupiter verwenden? Birkenhead dank!

  • Hallo Bob,

    meinst Du die Bilder von Harald oder meine? Interessanter sind sicher die Bilder von Harald mit dem Einschlag. Ich habe keine Probleme mit Veröffentlichung, aber bitte informiere mich vorher, welche Bilder Du bringen willst und bitte immer meinen Namen dazu. Du kannst mich auch gerne anmailen. Ich spreche Englisch.


    robert.reitsam[at]yahoo.de


    LG

    Robert

  • Hallo Harald,

    Vermessung ist ein eigenes Thema. Driftkarten zu erstellen, geht am besten mit kurz aufgenommenen Bildern. Da braucht man dann auch keine schöne, sondern eher eine scharfe Darstellung. Es gibt Sternfreunde, die sich dabei gerne auch an fremden Material bedienen und daraus schöne Abhandlungen machen. Die schaue ich mir immer gerne an und freue mich, wenn ein spannendens Ereignis wie Überholung des GRF durch einen WOS ansteht.


    Ich muss ehrlich sagen, dass ich diese Aufgabe selbst momentan nicht übernehmen will. Bin lieber am Berg und nehme gute Filme auf. Ich schätze da auch das Naturerlebnis drumherum, wenn mich mal wieder Kühe belästigen oder mir neugierige Vögel und Fledermäuse auf den Peltz rücken. Deshalb bin ich auch kein Fan von Remote.


    Die Ausarbeiterei ist was für schlechtes Wetter und freut mich nur, wenn gute Ergebnisse herauskommen. Das ist bei der Verfolgung von WOS, GRF und Co gar nicht nötig. Da zählt, regelmäßig dran zu bleiben und sauber auszuwerten . Ist dann vielleicht was für Rente, wenn man mehr Zeit und weniger Energie hat?


    LG

    Robert

  • Hi Robert,


    deine Aufnahme sieht toll aus. Vor allem hast du trotz relativ hohen Gain wenig Rauschen. Bei 4-5ms Belichtungszeit hätte ich wohl mehr Rauschen als Details.


    Mein Histogramm Balken liegt beim Jupiter meistens bei 80-90%. Weniger geht aber auch :)


    Viele Grüsse,

    Raul

  • Hallo Raul,

    die Frage zum Histogramm kann man gut beantworten. Ich behaupte, dass bei meinem recht dunklen Himmel im Voralpenland bei Jupiter derzeit 55% Histogramm laut Anzeige Firecapture reichen.


    Beweis:


    Das ist das Originalhistogramm aus Fitswork nach Stackung 60% der Bilder meines besten Filmes. Mond war noch am Himmel, aber Milchstraße schon gut zu sehen. Der Himmelshintergrund um Jupiter ist nach Stackung bereits heller als 0, also unnötig hell.

    Filename=2021-09-14-2054_8-R-Jup_45.avi (also der beste Rotfilm wie oben gezeigt)

    Camera=ZWO ASI290MM

    Filter=R

    Shutter=3.418ms

    Gain=345 (57%)

    Histogramm(min)=0

    Histogramm(max)=141

    Histogramm=55%


    Detailanalyse:


    Geschärft und abgeschnittenes Histogramm

    Die dunkleren Stellen sind nun schwarz, also abgeschnitten. Hellste Stelle lag wohl in der Mitte des Planeten im EB. Durch Schärfung wird diese noch heller. Man muss also mindestens 10, besser 20% unter dem maximalen Histogramm bleiben, damit nichts ausbrennt.



    Geschärft und hochgezogenes Histogramm


    Die Kanten im Bild zeigen deutlich, dass ich Jupiter für Präsentation gedreht habe und Jupiter während der Aufnahme im knappen ROI gewandert (und schließlich ausgewandert) ist. Dadurch ist der Himmelshintergrund unterschiedlich hell, aber immer heller als schwarz. Das Histogramm war also völlig ausreichend für Jupiter und läßt sich durch anderen gain auch nicht wesentlich spreizen. In Praxis hab ich dann für Präsentation das Histogramm auf beiden Seiten beschnitten und nutze nur noch < 6 bit von den aufgenommenen 8 bit pro Einzelpixel Helligkeitsinformation. Mit der richtigen Kamera könnte man hier noch etliches an unnötiger Information einsparen oder mit breiterer Kontrastspreizung Information im Einzelbild gewinnen.


    Alles, was ich hier zeige, gilt nur für die ASI290 und 8 bit Aufnahmen. Mit mehr bit aufnehmen ergibt gar keinen Sinn. Das ist dann nur leere Information.


    Das mag mit anderen Chips etwas anders aussehen, gilt dort ähnlich auch. Länger Belichten ist meiner Meinung nach Unfug, wenn der Himmel im Einzelbild bereits aufgehellt ist. Bei gutem Seeing mit hohem Kontrast muss man eher aufpassen, dass einem nicht Ministürme beim Schärfen ausbrennen wie uns das auf La Palma an Mars passiert ist. Das ist dann nicht mehr zu retten und sieht sehr unschön aus.


    LG

    Robert

  • Bessere Bildbearbeitung:


    Im Hintergrund läuft der Rechner heiß. Hier mal als erstes der beste Rotkanal optimiert:



    Im ersten Schritt vor Schärfung Bild um 1,2x vergrößert, dann erst geschärft. Dadurch wird der Giotto Filter kleiner.

    Hab einen guten Rotfilm zur Glättung addiert. Das Bild zeigt viele Details und ist vermutlich das beste R-Bild, das ich in der Saison aufgenommen habe. B und G sind zeitlich zu weit weg, als dass ich vernünftige Farbe erzeugen könnte. Den Rand kann ich vermutlich noch wegrechnen, wenn ich das ganze nach später drehe. Die Fime dazu laufen derzeit durch AS3!.


    LG

    Robert

    Edited once, last by RobertR ().

  • Hier der Versuch, Videos einzustellen, die den Seeingverlauf zeigen:



    Jupiter MESZ 21:25....22:11 alle Kanäle, 40% Verwendung direkt aus AS3! conv Schärfung



    Jupiter MESZ 22:48....23:19 alle aufgenommenen Rot und Grünkanäle 45% Verwendung direkt aus AS3! conv Schärfung


    Bei mir sieht das auf Bildschirm ganz vernünftig aus. Die Anfangsequenzen waren nicht so toll. Seeing wurde zwar besser, aber Ergebnis war nicht befriedigend. Darum hab ich den ganzen optischen Aufbau noch mal frisch hergerichtet zwischen 22:20 und 22:45, d.h. den ADC nochmal optimal eingestellt, dann wieder auf 0 gestellt, so Optik justiert und dann wieder ADC in optimale Stellung gebracht. Diesmal mit Kamera 90° gedreht, um die Breite des Chips zu nutzen. Ergebnisse waren dann erheblich besser, unklar, ob der Justage oder dem Seeing geschuldet. Es gab ein deutliches Optimum beim Seeing kurz vor Höchststand. Daraus werde ich einen guten Rotkanal bauen. Wie es danach weiterggegangen wäre, hab ich nicht mehr verfolgt. Teleskop wäre dann bald mal zum Umschlagen gewesen und Batterie des Laptop war am Ende. Gleichzeitig war ich mir nicht ganz sicher, ob die ganze Aktion überhaupt ein Erfolg war. Das war am Gaisberg eindeutiger. Man sieht es leider immer erst zu hause, was man da genau eingefahren hat, wenn seeing so stark schwankt.


    LG

    Robert

    Edited 2 times, last by RobertR ().

  • Hallo Planetenfreunde,

    mein Ziel war, den besten Rotfilm durch Optimierung nochmal zu steigern. Leider befinden sich die besseren Rotfilme vor dem Besten. Zum Rand wegdrehen brauche ich aber spätere Filme. Wenn man schlechtere Filme zu einem guten rotiert, dann glättet das das Ganze etwas, hilft aber sonst nicht viel. Hab jetzt einen früheren und zwei spätere Filme dazuaddiert. Dazu mußte ich passende stacks machen. Jeder Film brauchte auch seine eigene Schärfung, die schlechteren etwas mehr. Hab dann immer wieder mit dem bisher gezeigten verglichen. Man kann ein Bild ja auch schnell totbearbeiten.


    Das ist jetzt das Endergebnis:



    Jupiter 14.09.2021 MESZ 22:58 28° über Horizont, R-Bild aus 4 Rotfilmen bzw. 22.000 Rotbildern, Derotation 6 min


    Kontrast konnte ich noch holen, was dann auch Details im NTB zeigt, und Rand links nach links herausrechnen. Der kleine Wirbel im NEB rechts kommt auch deutlicher heraus. In Summe keine Riesensteigerung, aber viel Arbeit. Dafür sieht es jetzt so aus, wie ein gutes Rotbild mit einem 12" aussehen soll :) , und das trotz der Höhe von 28° über Horizont. Früher war ich immer der Meinung, dass gescheite Bilder erst mit einer Höhe von > 45° enstehen. Auf La Palma war die kritische Grenze für den 14" 30°. Darunter wurde es auch auf 2300 m Höhe schlechter. Und jetzt geht das mit 12" schon unter 30° dank ADC.


    LG

    Robert

  • Hallo Planetenfreunde,

    nachdem der obige Rotkanal so schön geworden ist, habe ich versucht, spätere Rotkanäle ähnlich herzurichten wie oben und damit das L(R)-RGB Farbbild von oben etwas zu optimieren. Das Seeing war aber definitiv etwas schlechter, die gute Auflösung im Rotkanal nicht zu erreichen. Es fehlt zudem ein guter Grünkanal. Somit ist kein großer Unterschied zum Einstandsbild entstanden. Der Kontrast ist etwas höher und das Rauschen weniger - Ergebnis von Verwendung von mehr Bildern und anderer Schärfung.



    Jupiter 14.09.2021 MESZ 23:15 (28° über Horizont) L-RGB bei Meridiandurchgang (15 min Derotation)

    Das L(R)-RGB Farbbild von oben etwas optimiert.


    Das Bild vom 07.09.2021 ist definitiv besser und zeigt zufällig dieselbe Region, so dass man schön die Veränderung sieht:



    Jupiter 07.09.2021 MESZ 23:14 L-RGB


    LG

    Robert

    Edited once, last by RobertR: Bild durch farboptimiertes Bild ausgetauscht ().

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