Jupiter und Saturn im Dobson

  • Hallo Planetenfreunde,

    endlich konnte ich heute morgen mal meinen 16er Dobson an einem Planeten testen. Die Luft wurde immer ruhiger und aus einem Test wurde eine richtige Aufnahme, die ich heute schnell mal zusammengebastelt habe. Der Ganymed-Durchgang war eine nette Zugabe.

    Das hier sind 4,5 min. als IR(RGB) , quasiderotiert in AS!3. Alles noch nicht wirklich sauber bearbeitet. Das NEB sieht unglaublich weich und unscharf aus, ich bin nicht sicher, ob das so real ist.

    Alles in Allem bin ich mit dem Teleskop am Planeten sehr zufrieden. Weitere Bilder und eine Zusammenfassung kommen natürlich später, hier aber erst einmal mein Planeten-First-Light:


    Die Daten: 16" bei ca. 5500 mm, ASI178 MM (IR) und MC (Farbe) 20 ms Einzelbelichtung, 60% verwendet, geschärft in PS mit unscharfer Maskierung, 2,7 Px.


    Viele Grüße,

    ralf

  • Hallo Ralf,


    sehr schönes Detail – und auch auf Ganymed! Nicht ganz ernsthafte Frage: Warum doktern wir anderen eigentlich noch mit parallaktisch montierten Röhren rum? Du zeigst uns immer wieder, dass so ein 16er Dobson auch fotografisch ein echtes Universalinstrument ist. Ich bin gespannt auf Dein nächstes Glanzstück.


    CS, Jörg

  • Klasse Bild. Und das für einen Dobson. Aber er wurde per EQ-Plattform nachgeführt, oder? Ich habe es heute ohne EQ-Plattform versucht. Aber ehe ich mit 3x Barlow bei 254mm/1270mm und meiner EOS 750d soweit war, dass ich fokussieren konnte, machte aufziehende Bewölkung meinen geplanten Planetenfotos ein Ende.

    Meine Ausrüstung: 254mm/1270mm Newton in Dobson-Montierung + EOS 750d APS-C Kamera + Adapter, sowie 2x, 3x und 5x Barlow und diverse Okulare (inkl. 2" 26mm) und Filter

  • Hallo Jörg und Stefan,

    ob nun Dobson oder nicht, das ist ja bei Planeten nicht soooo der Unterschied. Zumal das ein komplettes GoTo-Gerät ist.

    Die Optik muss aber sehr gut sein und das ist wohl selbst bei der "billigen China-Scherbe" der Fall.

    Optik, Justage, Auskühlung und Seeing machen gefühlt 80% der Qualität aus denke ich, der Rest wie Einzelbelichtungszeit, Verwendungsrate, Schärfetricks, entrauschen, derotieren usw. wird m.M.n. überschätzt.

    Zum "Beweis" hier mal ein minimalistisches Foto:

    30 s belichtet mit Rotfilter, ZWO ADC, Einzelbelichtungszeit 20ms, 50% verwendet, geschärft mit 2,5 Px in Photoshop, fertig! Nichts weiter ! Die Farbe wurde 5 min später aufgenommen und (scheinbar) ohne Verluste hinzugefügt. Das ganze auf 2/3 verkleinert.

    Das Seeing war keinesfalls genial aber der Beugungsring ist links am Planetenrand gut zu erkennen, das bedeutet ich habe die Auflösungsgrenze des Gerätes erreicht.


    Mit mehr Belichtungszeit (oder besserem Seeing) könnte man in den weichen und flächigen Teilen der Planetenoberfläche noch mehr Details herausholen, aber das ging hier nicht, weil ich Ganymed ja mit im Bild habe.

    Viele Grüße,

    ralf

  • Hallo Ralf,


    das sind schon ziemlich beeindruckende Details, sowohl auf Jupiter als auch auf Ganymed. So ein großer Spiegel macht sich gut am Planeten :)

    Die feinen Details in den Wolkenstrukturen des zweiten Bildes finde ich faszinierend. Ich kann mich gar nicht sattsehen. Klasse.


    Viele Grüße

    Michael

  • Hallo Michael,

    extra für dich zum sattsehen :-)

    6 mal 30 Sek. gingen gerade noch so, dass Ganymed nicht unscharf wurde. Bei einem 8er-Stack war schon eine Bewegung zu sehen. Meine Luminanz-Stacks werden jeweils von den Farbstacks "flankiert". Der Abstand war hier über 15 min. aber das geht sehr gut, wenn man nur die Farbe nutzt. Ganymed und sein Schatten haben dadurch aber gar keine Farbe abgekommen.




    Viele Grüße,

    ralf

  • Hallo Ralf,


    das ist ja eine grandiose Schärfe mit den 16 Zoll - und wie der Zufall es will hatten wir zu selben Stunde den Ganymed Durchgang visuell angeschaut, meine Freundin und ich.

    Der Schatten war gut sichtbar - sonst nicht viel zu sehen im GSO 200 bei 400x !


    Gruß, Andreas

  • Hallo Ralf,


    ich werde gar nicht fertig damit, die vielen Details zu studieren. Das sind absolut großartige Bilder, auch was die harmonische Bildbearbeitung betrifft.


    LG

    Oskar

  • Hallo Ralf,

    Wie gehst Du mit der Bildfeld Rotation um? Nutzt Du eine EQ Plattform, derotierst Du in AS!3 oder kannst Du es komplett vernachlässigen?

    Staunende Grüße,

    Thomas

  • Hallo Andreas, hallo Oskar,

    vielen Dank für eure Rückmeldungen.

    Andreas, wenn du eine Freundin hast, die sich dafür interessiert mit dir den Ganymed-Durchgang anzuschauen, dann bist du doch ohnehin ein Glückspilz, da darf das Seeing auch schon mal schlechter sein.

    Und Oskar, je besser das Material ist um so einfacher wird es so ein Bild "natürlich" wirken zu lassen.

    Zum ´Dank´ noch ein Foto aus der Serie. Nur einige Minuten früher. Dieses mal mit IR Filter und 5 min. belichtet. Es zeigt noch ein wenig mehr Details.


    Der Schatten hat die 5 min. Derotation unbeschadet überlebt. Ganymed nicht, der war in die Länge gezogen. Deshalb habe ich ihn einzeln gestackt und dann eingesetzt. Das Schöne an 16 " ist übrigens, dass die Beugungsringe an den hellen Kanten deutlich kleiner sind. An Ganymed hatte ich sie zwar, aber bei weitem nicht so deutlich wie im C11.


    Viele Grüße,

    ralf

  • Hallo Ralf,


    einfach bombastisch, wenn auch nicht ganz unterwartet :). Du scheinst wirklich regelmäßig sehr gutes Seeing zu haben an Deinem Standort.

    Irgendwie gefiel mir der oberste Jupiter spontan am besten, aber ich glaube, das liegt einfach daran, dass man so viel Detail nicht gewohnt ist...

    Ich freu mich schon auf das erste Video der Ganymedrotation auf den ersten Saturn!


    Viele Grüße, Holger

  • Hallo Thomas,

    sorry, da bist du mir gestern durch gerutscht.

    Thema Bildfeldrotation: Ich suche derzeit noch nach einer guten Lösung. Eine EQ-Plattform nutze ich nämlich nicht. Grundsätzlich stacke ich jeweils immer nur 30 s, da ist die Rotation und die Bildfelddrehung vernachlässigbar. Die Einzelstacks werden dann nochmal gestackt und dabei kann ich die Bildfelddrehung ausgleichen. Entweder in einer PS-Aktion, das funktioniert aber nicht immer, oder in WinJupos, wenn ich ohnehin derotieren muss. Mir ist das aber zu aufwändig, wenn ich viele Stacks verarbeiten muss. Z.Z. teste ich die Funktion in AS!3. Bei Deep-Sky klappt das sehr gut. Da ich aber jedes Video mehrfach stacke müsste ich das hier für jede Version machen, auch nicht unaufwändig.

    Holger,

    ja, zumindest eine "Hemisphäre", westlich des Hauses ist sehr gut. Der Sehstrahl führt fast nur über Felder und Äcker.

    Saturn ist in Arbeit ;-)

    Viele Grüße,

    ralf

  • Hallo,

    hier nun mein Saturn. Es ist wohl der beste, den ich bisher gemacht habe, zumindest hatte ich die Encke-Teilung noch nie so schön drauf.



    Es hört sich in dem Zusammenhang zwar komisch an, aber das Seeing war alles andere als gut. Die Cassiniteilung konnte ich selten durchlaufend sehen und es gab ganze Minuten, da war sie praktisch gar nicht zu sehen, auch nicht an den Rändern. Ich glaube, dass die Abwärme unseres Hause immer mal wieder einen Schwall warme Luft vor Saturn brachte, dann war rein gar nichts zu machen. Drehte sich der leichte Wind, dann war Saturn schön klar und scharf. Alles in Allem konnte ich deshalb nur 5% verwenden und das bei einer Horizonthöhe von durchschnittlich unter 20 °.

    So gesehen freue ich mich auf die Zukunft, da ist nämlich sicher noch deutlich mehr drin.


    Viele Grüße,

    ralf

  • … und noch etwas zur Bildfelddrehung:

    das klappt in AS!3 sehr gut. Wichtig dabei ist, dass alle Teil-Bilder gleichmäßig hintereinander liegen. Also muss man zunächst auch die schlechten Filme mit stacken und es darf keine größeren Lücken geben. Die Teilstacks wurden dann vorgeschärft und beim erneuten Stacken konnte man die Feldrotation korrigieren und erst dann die unbrauchbaren Bilder entfernen.


    Gruß,

    ralf

  • Hallo Ralf,


    der Saturn ist auch ganz fein geworden, die Encke-Teilung ist für den ersten Versuch sehr ansehnlich :)


    Wie Du weißt, schaue ich gern genau hin - das ganze rauscht ein bisschen, aber stört gerade noch nicht. Die Beugungsartefakte hast Du auch gut im Griff - merkst Du da einen Unterschied zum SC früher? Die sollten ja eigentlich mit der kleineren Obstruktion etwas schwächer sein.


    Viele Grüße, Holger

  • Hallo Holger,

    in der Tat stören die Beugungsartefakte weniger. Vielleicht wegen der geringeren Obstruktion, vielleicht auch einfach wegen der größeren Öffnung, denn die "Ringe" sind dann ja näher an den Kanten.(oder beides zusammen)

    In vielen Teilstacks sehe ich gar keine Artefakte. Das wiederum ist ein Zeichen, dass noch viel mehr gehen könnte. Dass meine Kollimation nicht sonderlich gut war hast du sicher auch entdeckt ;-). Ein interessanter Aspekt war der, dass die Beugungsartefakte bei geringerer Verwendungsrate schwächer wurden. Ich hatte das am C11 schon mal ausführlich getestet, da war der Effekt nur minimal (bei gutem Seeing allerdings)


    Hallo Alle,

    diesen Jupiter bin ich euch noch schuldig. Er stammt aus der besten Serie aus der ich oben nur mal ganz kurz 3 min. gestackt und (viel zu grob) bearbeitet hatte.


    Interessant finde ich die "Zirren"-Wolken, die nach oben aus dem NEB ragen. Diese sehen so ganz anders aus als die übrigen Jupiter-Wolken.

    Hier habe ich nun das volle Programm an Bildbearbeitung durchgezogen. Alle Stacks wurden 7 mal mit versch. Parametern gestackt. Aus einer Serie von 30 mal 30s habe ich dann die besten 21 ausgesucht und derotiert. Super war, dass Ganymed sich kaum bewegte und ich ihn einfach mit derotieren konnte. Auch habe ich Stacks mit 10% Verwendungsrate und Stacks mit 60% Verwendungsrate gemeinsam genutzt. Über einen Randerkennungs-Algorithmus sind die kontrastreichen Gebiete vornehmlich aus den 10%-Daten gemittelt während die flächigen Bereiche aus den 60er Stacks stammen und deshalb etwas mehr und mit größerem Radius geschärft werden konnten. Auch stört mich oft das typische IR-Bild. Braue Gebiete werden dabei oft zu leuchtend orangen Flächen. Langfristig möchte ich sowieso zu reinen RGBs kommen oder G (RGB)s. Hier aber habe ich das IR-Bild erst etwas überschärft und dann das RGB-Bild (deutlich weniger geschärft, so dass darin überhaupt kein Rauschen zu sehen war) zur Rauschreduktion überlagert. In der Überlagerung hat nun das RGB Bild nicht nur das Rauschen reduziert, sondern auch (zumindest zu 50%) den RGB-Charakter ins Bild gebracht. Wenn man so will, dann sind die kleinsten Details im IR dargestellt und die größeren, zu Teilen im RGB.

    Viele Grüße,

    ralf

  • 03sec

    Changed the title of the thread from “Jupiter im Dobson” to “Jupiter und Saturn im Dobson”.
  • Hallo Ralf,


    klingt kompliziert und wohlüberlegt, die Bearbeitung. Jetzt weiß ich wieder, weshalb ich keine Astrofotos mache... Deine anschauen ist viel besser :) Die Detailfülle ist schon überwältigend - was war ich als visueller Beobachter begeistert, als ich zum ersten Mal beim Jupiter die weißen Flecken im Süden gesehen habe! Allerdings habe ich nur vier in Erinnerung, waren das mal weniger? Ich finde es auch immer wieder erstaunlich, wie verschieden die beiden Hemisphäre sind.


    Die Abhängigkeit der Beugungsartefakte von der Verwendungsrate erscheint mir sehr logisch, denn mit einsetzendem Wellenfrontfehler durch Seeing kommt zunächst der erste Beugungsring hoch. Bei besserem Seeing ist der Anstieg mit der Verwendungsrate deutlich flacher. Diese spiegelt ja die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines gewissen Wellenfrontfehlers wieder. Allerdings hast Du die guten Bilder immer mit drin, so dass der Unterschied zwischen 40% und 60% Verwendungsrate kleiner ist, als wenn Du nur das anschauen würdest, was zwischen 40 und 60% dazukommt.


    Viele Grüße, Holger

  • Hallo Holger,

    in der Tat ist das logisch, sehe ich auch so. Ich war nur überrascht, dass mit einem größeren Spiegel der Effekt so viel deutlicher wird. Das wiederum deutet darauf hin, dass noch einiges mehr gehen müsste.

    Die weißen Ovale wandern mit der Zeit innerhalb des STB-Bandes, ich kann mir gut vorstellen, dass sich da mal 2 gegenseitig auslöschen oder sich vereinen oder auch, dass da eines dazu kommt. Über eine feste Anzahl ist mir nichts bekannt. Übrigens war das auch bei mir, im Lifebild, ein Qualitätsmerkmal, ich konnte sie in guten Momenten deutlich sehen.

    Fremde Bilder anschauen ist sicher ganz schön ;-), aber selber machen ist cooler. Ist schon das zweite mal, dass du davon sprichst, also irgend etwas reizt dich doch, oder? Der Aufwand muss nicht groß sein, siehe oben mein 30-s-Bild. Kennst du die 20/80 Regel? Mit 20% Aufwand erreichst du 80% der Qualität. Für die restlichen 20% benötigst du 80% Aufwand. Diese Regel hat sich mehrfach bei mir bestätigt. Bei den 20% helfe ich dir dann auch noch .

    Viele Grüße,

    ralf

  • Hallo Ralf,


    das sind ja Wahnsinns-Bilder, die die Du da zeigst! Hervorragende Bearbeitung, danke fürs Zeigen!


    Ich bin grade ziemlich frustriert von meiner gestrigen Aufnahme. Es war mein erster nach langer zeit, aber da hat nichts gepasst. Außerdem ringe ich noch mit der Technik, nachdem ich auf die ASI 290MM + ADC umgestiegen bin: An meinem C11 bekomme ich nicht wirklich die richtige Abbildungsgröße hin. Wie montierst Du denn Dein Zubehör, damit das passt?


    Ohne Barlow war mein Saturn 250 Pixel breit. Mit 1,7x Barlow 590 Pixel. Im Vergleich: Mit meinem alten Setup und der DMK 618 kam ich auf etwa 280.


    Viele Grüße!


    Paddy

    Celestron C11 XLT :small_blue_diamond: Vixen GP-DX :small_blue_diamond:ZWO ASI 290 MM :small_blue_diamond:Televue 1.8x Barlow :small_blue_diamond: Astronomik L-RGB-Filter :small_blue_diamond:ZWO ADC

  • Hallo Ralf,


    ich hab mal ältere Jupiterfotos durchgeklickt - da sind eigentlich immer nur 4 oder weniger von diesen weißen Flecken drauf. Dass sich 5 Stück so wie hier innerhalb von vielleicht 90° Länge drängeln, ist schon was Besonderes.

    Die Astrofotografie fange ich mal an, wenn die Kinder aus dem Haus sind... so wie viele andere Dinge auch... Du hast sicher recht mit der 20/80-Regel, aber die gilt für visuelles Beobachten vs. Astrofotografie genauso. In puncto Aufwand und Ergebnis finde ich das visuelle Beobachten im Moment dankbarer.


    Viele Grüße, Holger

  • Hallo Holger,

    tatsächlich sind die z.Z. alle sehr nah beieinander, aber es gibt auch mal mehr. 2. Bild im Link, da sind es sogar 7.

    https://www.deutschlandfunk.de…ml?dram:article_id=459982

    Das mit den Kindern und dem Aufwand verstehe ich gut. Genieße es. Denn wenn die aus dem Haus sind, dann kann es auch schnell mal langweilig werden, und dann hängt man wie so ein Nerd die ganze Zeit am Teleskop weil man sonst nichts zu tun hat …

    Viele Grüße,

    ralf

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