Pickering's Triangle

  • Hallo Zusammen,


    ich wollte unbedingt Pickering's Triangle in meiner Aufnahme vom Anfang der Woche verbessern und konnte in der letzten Nacht noch 50 x 300s einsammeln. Durch die Integrationszeit von über 8 Stunden hätte ich einen größeren Unterschied erwartet. Ich wusste natürlich, dass bei einer Verdoppelung der Integrationszeit das SNR nur etwa um 40% verbessert wird, jedoch scheint mir der Einfluss auf das Bildergebnis geringer. Es war aber wichtig das auszuprobieren, um nun guten Gewissens ein neues Objekt in Angriff zu nehmen


    Grüße und CS - Oliver


    ( Optolong L-Extreme, 72mm APO, reduziert auf f/4.8, 533MC Pro, 99 Lights je 5min)


  • Hallo Oliver,


    das ist eine tolle Detailaufnahme des Dreiecks. Für mich als Visuellen ist das einer der interessantesten Bereiche des Cirrusnebels, weil sich hier unter guten Bedingungen und längerer Beobachtung immer mehr Details aus dem Hintergrund schälen. Deine Aufnahme gibt sehr schön wieder, wie vielfältig und zerklüftet dieser Nebelfetzen ist.


    Danke fürs zeigen:

    Marcuss

    16" f/4 Dobson, 6" f/5 Dobson, C8, 80/560 ED, 70/700 PST-Mod "Sunlux"


    Zeige mir einen Dobson und ich zeige Dir eine Baustelle

  • Hallo Oliver,


    der Unterschied durch die zusätzlichen 50 Lights dürfte eher im geringeren Rauschen und in der Möglichkeit liegen, mehr schlechte Lights rauszuwerfen. Wenn es weniger rauscht, kannst du das Bild mehr strecken und dunklere, feinere Details aus dem Dreieck herausarbeiten. Bei 8 Stunden Belichtung mit Schmalbandfilter müsste es eigentlich einen sehr sauberen Stack geben und es könnte daher noch Potenzial in der Bildbearbeitung stecken.


    Auf mich wirkt die Aufnahme insgesamt sehr weich. Besonders auffällig sind die "fluffigen" Sterne. Sie haben alle einen dunklen Hof, der von einem weiten, hellen Saum umgeben ist. Den Saum gibt es auch bei den kleinsten Sternen. Insgesamt erscheinen die Sterne dadurch alle netzartig miteinander verbunden. Welche Software verwendest du denn bzw. wie gehst du bei der Bearbeitung mit den Sternen um?


    Viele Grüße und CS

    Peter

  • Hallo Peter,


    vielen Dank, Du triffst es genau auf den Punkt, mit den Sternen bin ich auch nicht zufrieden, das gesamte Post-Processing lief mit PI. Ich habe nach Entrauschen im linear Zustand eine moderate Streckung durchgeführt und dann per Starnet die Sterne getrennt. Der Nebel wurde dann weiter bearbeitet, final gestreckt und zum Schluss habe ich die Sterne nach leichter Schärfung und Farbkorrektur wieder per Pixelmath hinzugefügt. Leider sind die Sternfarben durch den L-Extreme problematisch. Ich sehe hier im Wesentlichen die folgenden beiden Möglichkeiten für mich: entweder es gibt eine Möglichkeit die vorhandenen Sterne zu reparieren oder ich benötige eine Aufnahme ohne Schmallbandfilter aus der ich die Sterne entnehme. Hast Du eine Idee, wie ich vorgehen sollte? Im Voraus vielen Dank für mögliche Tipps zur Bearbeitung.


    Grüße und CS - Oliver

  • Hallo Oliver,


    ich habe in PI keine praktische Erfahrung, arbeite mit APP und PS. Für mich sieht es so aus, als hättest du evtl. in der sternlosen Datei Halos, die von starnet++ übrig gelassen wurden, mit hochgezogen und dann die Sterne mit "Aufhellen " (max. Funktion) eingerechnet. Normalerweise dürften aber überhaupt nur die hellsten Sterne Halos haben.


    Um vernünftige Sternfarben aus den vorhandenen Daten zu erzeugen, hättet ich nur das Rezept, das Ha- und OIII- Signal der Sterne voneinander zu trennen, als HOO abzumischen und dann abzutönen. APP macht das, ich weiß aber nicht, ob und wie das in PI geht. Eine Extrastunde RGB für die Sterne zu investieren und in die fertig bearbeitete sternlose Version einzurechnen ist also sicher am Ende weniger Arbeit und sieht bestimmt auch besser aus.


    Das Einrechnen von Sternen geht nach meiner Erfahrung am besten mit dem Blendmodus, der in Photoshop "negativ Multiplizieren" heißt. Es gibt dann keine dunklen Ringe um die Sterne herum. Man muss in PS danach die Helligkeit des Ergebnisses etwas herunterregeln. Für PI's Pixelmath habe ich für "negativ multiplizieren" die Pixelmath Formel a*(1-(1-top)*(1-bot)) + (1-a)*bot im Netz ausgegraben, wobei a die Deckkraft ist, die zwischen 1 und 0 liegt. Kann aber sein, dass du so oder so nicht umhin kommst, in der sternlosen Datei die von starnet++ übrig gelassenen Halos vor dem Zusammenrechnen mit einem Editorprogramm zu entfernen.


    Es ist aber sehr schwer, gute Tipps zu geben, wenn man die Ausgangsdaten nicht kennt. Wenn du magst, pack den Originalstack in eine Cloud oder Wetransfer und schick mir den Link als PN. Ich schau dann gern mal rein.


    VG und CS Peter

  • Hallo Peter,


    vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Es schaut also so aus, als ob ich wirklich am besten zusätzliche Daten für bessere Sternfarben aufnehmen sollte. Der Hinweis auf das negative Multiplizieren ist ein toller Tipp. In PI gibt es ein Blend-Script, das die verschiedenen PS-Modi nachstellt und damit werde ich einmal experimentieren. Was die Halos betrifft, da hast Du vollkommen recht. Bisher ist es mich nicht gelungen, diese bei der Anwendung von Starnet zu vermeiden. Um Dir einen Eindruck zu geben hänge ich 'mal die sternlose Variante unten an. Wenn Du einen Blick auf den Stack werden könntest, dann wäre das super. Vielleicht fällt Dir ja noch etwas in den Daten auf, der Kontakt kommt dann per PN. Danke Dir für Deine Mühe.


    Grüße und CS - Oliver



  • ...schau ich mir sehr gerne an. Den Email-Link habe ich dir als PN geschickt.


    Die Sternresiduen sehen seltsam aus. Die bekommt man so einfach nicht wegretuschiert. Man müsste versuchen, sie gar nicht erst hochkommen zu lassen. Mich irritiert auch insgesamt an der sternlosen Version, dass alles ein wenig verwaschen aussieht. Die Strukturen im Sichelnebel sind in Ha und OIII eigentlich sehr gut definiert. Ich hatte die gleiche Ecke im letzten August fotografiert: https://astrob.in/full/79wqmc/C/


    Womit fokussierst du denn eigentlich, mit Bahtinovmaske oder benutzt du eine Software?

  • ...schau ich mir sehr gerne an. Den Email-Link habe ich dir als PN geschickt.


    Die Sternresiduen sehen seltsam aus. Die bekommt man so einfach nicht wegretuschiert. Man müsste versuchen, sie gar nicht erst hochkommen zu lassen. Mich irritiert auch insgesamt an der sternlosen Version, dass alles ein wenig verwaschen aussieht. Die Strukturen im Sichelnebel sind in Ha und OIII eigentlich sehr gut definiert. Ich hatte die gleiche Ecke im letzten August fotografiert: https://astrob.in/full/79wqmc/C/


    Womit fokussierst du denn eigentlich, mit Bahtinovmaske oder benutzt du eine Software?

  • Die Strukturen im Sichelnebel sind in Ha und OIII eigentlich sehr gut definiert. Ich hatte die gleiche Ecke im letzten August fotografiert:

    Das ist toll, was Dir mit deutlich geringerer Belichtungszeit gelungen ist, einfach beeindruckend diese Definition. Zur Fokussierung verwende ich eine Bahtinov-Maske und das Bahtinov-Tool in APT. Meistens lasse ich das Tool 10min laufen um sicher zu stellen, dass die Fokuslage stabil ist. Hast Du in Deiner Aufnahme die Sternfarben ausschließlich aus Ha und OIII rekonstruiert?


    CS - Oliver

  • Sehr gut, lieber Oliver,


    das Triangel ist bei mir immer auf der Liste, wenn ich den Cirrus anschaue.

    Leider sehe ich es nicht so bunt, obwohl ich mit 28" schaue.

    Aber jetzt kann ich mir die Farbe hineindenken :)


    cs

    Timm

  • Zur Fokussierung verwende ich eine Bahtinov-Maske und das Bahtinov-Tool in APT. Meistens lasse ich das Tool 10min laufen um sicher zu stellen, dass die Fokuslage stabil ist. Hast Du in Deiner Aufnahme die Sternfarben ausschließlich aus Ha und OIII rekonstruiert?


    CS - Oliver

    Es macht viel Sinn, sich dabei Zeit zu lassen bzw. auch nachzukorrigieren. Bei den aktuellen Temperaturen kann es je nach den Umständen sehr lange dauern, bis das ganze System inkl. der dicken Linsen auf Umgebungstemperatur ist und der Fokus nicht mehr wandert.


    Zu deiner Frage...ja, bei HOO baue ich mir fast immer auch eine Extraaufnahme, die ich gezielt auf möglichst "natürliche" Sternfarben hin kalibriere. Diese Sterne blende ich am Ende in die sternlose Bearbeitung ein. Mit deinem Dualbandfilter könntest du das Gleiche machen. Mit der Monokamera habe ich ja von vorneherein getrenntes Ha und OIII. In APP kann man die beiden Bänder aber auch schon vor dem Debayern auffsplitten und ich glaube, mit dem Prozess SplitCFA geht in PixInsight das Gleiche.


    CS Peter

  • Es macht viel Sinn, sich dabei Zeit zu lassen bzw. auch nachzukorrigieren. Bei den aktuellen Temperaturen kann es je nach den Umständen sehr lange dauern, bis das ganze System inkl. der dicken Linsen auf Umgebungstemperatur ist und der Fokus nicht mehr wandert.

    Ja, genau, der gesamte Aufbau steht dann auch mindestens schon 90min draußen zur Temperaturstabilisierung bevor ich mit der Bahtinov-Maske die Feinfokussierung vornehme.


    Zu deiner Frage...ja, bei HOO baue ich mir fast immer auch eine Extraaufnahme, die ich gezielt auf möglichst "natürliche" Sternfarben hin kalibriere. Diese Sterne blende ich am Ende in die sternlose Bearbeitung ein. Mit deinem Dualbandfilter könntest du das Gleiche machen. Mit der Monokamera habe ich ja von vorneherein getrenntes Ha und OIII. In APP kann man die beiden Bänder aber auch schon vor dem Debayern auffsplitten und ich glaube, mit dem Prozess SplitCFA geht in PixInsight das Gleiche.

    Danke Dir, das muss ich unbedingt auch probieren, denn Deine Sternfarben in der Schmalbandaufnahme sind viel besser als bei mir. Da ist also noch Potential.


    Grüße - Oliver

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