Umbau Einsteiger-Reisedobson zu Alltagsdobson

  • Hallo liebes Forum! :)


    Es geht um das Neudesign eines 8 Zoll f/5 Reisedobsons. Dieser soll zu einem bequemen, alltagstauglichen Volltubus umgebaut werden, um wieder Spaß am Hobby zu haben.


    Bevor ich zu meinen Fragen komme (ganz unten), jede Menge Informationen über das Projekt und seine Chronologie:


    Die Vorgeschichte Teil 1: Planung

    Im Jahr 2017 habe ich aufgrund großen Einsteigerinteresses an der Astronomie geplant, ein Teleskop selbst zu bauen. Ich wollte mir dazu einen 8 Zoll-Spiegel (1000mm, f/5) selbst schleifen und einen Reisedobson im 2-Stangen-Design bauen. Ziel war es, die von Stathis auf seiner Homepage gestellte Frage "Wie bekomme ich möglichst viel Öffnung unter einen möglichst dunklen Himmel?" zu beantworten. Der Reisedobson sollte zu einem Koffer mit Griff zusammengeklappt werden können, so dass alle Teile (exkl. Stangen, die zusammenschiebbar sein sollten) komplett darin verstaut werden konnten. Größe und Gewicht sollten bei typischen Airlines als Handgepäck transportiert werden dürfen. Darüber hinaus sollte das Teleskop natürlich auch zuhause eine gute Performance abliefern! Für 8 Zoll habe ich mich entschieden, da es als das klassische "Einsteigergerät" angesehen wird. Das Öffnungsverhältnis von f/5 habe ich gewählt, da ich das Gerät so etwas Deep Sky-tauglicher machen wollte, und die Stangen kürzer gehalten werden konnten.


    Die Vorgeschichte, Teil 2: Durchführung

    Nachdem ich dann mit großer Mühe einen Foucault-Tester selbst gebaut und den Spiegel geschliffen, poliert und parabolisiert hatte, wollte ich ihn vor der Klasse (ich bin Chemielehrer) eindrucksvoll versilbern. Dazu wollte ich ihn kurz vorher mit Scheuermilch gründlich reinigen. Leider hatte ein Kollege zuvor mit Sand experimentiert, so dass sich noch Sandkörner im Spülschwamm befanden. Als Resultat habe ich mir den gesamten Spiegel zerkratzt. || Stathis meinte jedoch, der Streulichtanteil sei nicht so schlimm. Ich versilberte meinen Spiegel dann und habe darum herum die erste Version meines Reisedobsons gebaut. Leider blätterte die Silberschicht nach einiger Zeit ab, immer dort, wo der Spiegel aufgrund von Tau nass wurde. Daraufhin bot mir Stathis an, ihn zu aluminisieren, was auch super geklappt hat - jedoch löste sich in den folgenden Monaten auch die Aluminiumschicht vom Spiegel. || Ich beschloss, den Spiegel durch einen identischen gekauften zu ersetzen. Den Drang, den Foucault-Tester mitsamt Kratzspiegel im hohen Bogen aus dem Fenster zu werfen, konnte ich gerade noch unterdrücken. Gleichzeitig baute ich die zweite Version meines Reisedobsons, da die erste eine mechanische Katastrophe war (Spiegelzelle zu knapp bemessen, dadurch etliche Folgeprobleme; Nachführung zu ruckelig usw.). Diese verbesserte Kombination ist bei mir bis heute im Einsatz.


    Probleme mit meinem Reisedobson

    Warum möchte ich den Reisedobson ersetzen?

    1. Die Einblickhöhe ist viel zu niedrig. Ein absoluter Planungsfehler von mir, von Anfang an. Während es auf Reisen natürlich sinnvoll wäre, kniend auf der Isomatte zu beobachten, so ist das im Alltag der Horror. Die Alltagstauglichkeit des Systems ist dadurch stark herabgesetzt, entspanntes Beobachten praktisch unmöglich. Einen Stuhl kann ich aufgrund der niedrigen Einblickhöhe ebenfalls nicht nutzen.
    2. Die Zielsetzung hat sich zwischen 2017 und heute verändert. Durch meinen Berufseinstieg hatte ich nur wenig Zeit, das Projekt "am Stück" zu verfolgen, sondern musste es über ewige Zeiträume dehnen. Während ich am Anfang die Idee noch cool fand, regelmäßig mit dem 8"-Teleskop zu verreisen, so würde ich das heute nie wieder so planen, da das Gerät viel zu schwer und groß ist (nicht handgepäcktauglich, und im Koffer ist wiederum gleich der halbe Koffer weg!). Anstatt also einen Dobson für beide Fälle (Reisen und Zuhause) zu bauen, habe ich am Ende einen erzeugt, der in beiden Fällen total schlecht funktioniert. :(
    3. Beim Okularwechsel verliere ich immer das Objekt aus dem Blickfeld, da der Dobson aufgrund des geringen Eigengewichts zu leichtgängig ist und bei der geringsten Berührung seine Position verstellt. Man sucht sich also einen Wolf, und wenn man das Objekt aus dem Blickfeld verloren hat, kann man wieder von vorne anfangen...
    4. Die 2-Stangen-Konstruktion ist ein Wackeldackel. Nach jedem Schwenken (und das kommt beim Dobson ja ständig vor) schwingt das System deutlich nach. Bei Wind ist der Effekt noch stärker. Alles wackelt, prinzipbedingt.
    5. Meine Fangspiegelhalterung ist Mist. Die müsste ich sowieso nochmal neu bauen.
    6. Auch wenn es nur ein störender Nebenpunkt auf der Liste ist: Mein Celestron StarPointer Pro hat nicht die Standard-Telradkreise, was für die Reise okay ist, jedoch ansonsten sehr nervig ist. Astronomie-Karten verwenden alle Telradkreise.
    7. Das Gewicht liegt leider mit ca. 9kg über dem, was viele Airlines als Obergrenze für das Handgepäck anführen. Die Idee "handgepäcktauglich" habe ich mit 9mm Birke Multiplex also leider verfehlt. 6mm Birke Multiplex konnte ich hingegen nicht verwenden, da in zwei (!) Baumärkten lediglich bereits deutlich verzogene Platten angeboten wurden. Diese werden anscheinend senkrecht gelagert und verziehen sich durchs Eigengewicht so, dass sie für den Selbstbau nicht mehr verwendbar sind. Durch Corona kann man davon ausgehen, dass die Handgepäcks-Obergrenze bald noch weiter sinken wird.
    8. Der innere Schweinehund fehlte in meiner Gleichung. Der ganze Dobson besteht gefühlt (und damals aufgrund des Packmaßes durchaus beabsichtigt) aus vielen gut zerlegbaren Einzelteilen. Was beim Reisen klug ist, entpuppt sich für den Alltag als Schraubenmikado. ;( Nach dem Berufsalltag habe ich - wenn überhaupt mal keine Wolken am Himmel sind - oft keine Lust, herauszufahren und das Mikado aufzubauen.

    Letztendlich ist es also ein fürchterlich unpraktisches Teleskop, von dem ich ehrlich gesagt nun gar nicht mehr weiß, was ich damit soll. Verkaufen kommt aufgrund handwerklicher Missgeschicke auch nicht in Frage. :(


    Zuerst wollte ich es durch den Einbau einer Dobsonbremse (besserer Okularwechsel), den Kauf eines Planetary Zooms (bessere Reisetauglichkeit, kaum Okularwechsel nötig), und eine austauschbare Rockerbox (niedrig + als Kiste zusammensteckbar für Reise, hoch für Zuhause) verbessern. Stelle aber fest, dass ich mir für den Aufwand auch gleich aus den Einzelteilen ein neues Teleskop bauen könnte. :face_with_tears_of_joy::thumbup:

  • Ideen für die Zukunft


    Ich würde gerne einen alltagstauglichen Volltubus-Dobson bauen. Dieser soll die folgenden Eigenschaften haben:

    • Bequemlichkeit: Angenehmes, bequemes Beobachten über Stunden im gepolsterten, zusammenklappbaren Astrostuhl
    • Ease-of-Use: Geringe Anzahl an Laufvorgängen (Wohnung <-> Auto), schnelle Einsatzbereitschaft (kurzer einfacher Aufbau, geringe Auskühlzeit)
    • Mechanische Qualität: Stabilität der Spinne, Justierstabilität, gutmütiger Okularwechsel, feinfühliger Okularauszug; optimalerweise: Nachführung über EQ-Plattform
    • Optische Qualität: akzeptabler Hauptspiegel, akzeptabler Fangspiegel, Streulichtminimierung, Einsatzmöglichkeit für 2"-Okulare
    • ...alles in allem: So einfach wie möglich in der Benutzung, um maximalen Spaß am Hobby zu haben!

    Die Anforderungen klingen für mich (und ich bin kein Experte, d.h. mir fehlt da massig Erfahrung) nach einem Volltubus.


    Außerdem halte ich den Bau einer EQ-Plattform, die das Groundboard des Dobsons dauerhaft ersetzt, für sehr sinnvoll - denn dadurch könnte man a) den Beobachtungskomfort ganz beträchtlich erhöhen (man stelle sich vor: Ein Dobson, wo nichts schwankt! Jupiter 30 min. am Stück beobachten, während er einfach nur stillsteht, und alle Details mit dem Auge erfassen!), und b) die Notwendigkeit eines großen Gesichtsfelds, welches ja auch immer starke Verzeichnungen mit sich bringt, bei mittleren bis hohen Vergrößerungen stark in Frage stellen. Man könnte stattdessen lieber optisch hochwertigere Okulare nehmen, v.a. da ich als Brillenträger (zumindest sagt die Legende das?) von 100°-Okularen sowieso nichts haben werde.


    Über mich

    Brille: rechtes Auge: -0,50 dpt und -1,00 dpt Asti (90°) / linkes Auge: -1,00 dpt und -1,25 dpt Asti (85°)

    Also Kurzsichtigkeit und leider auch Astigmatismus.


    Mieter mit Treppenhaus, Auto vorhanden

    Region total lichtverschmutzt (Rhein-Ruhrgebiet)


    Handwerklich eher zwei linke Hände, wobei das durch den Bau der zwei Reisedobson-Versionen zumindest besser geworden ist. ;)

    Als Werkstatt dient ein kleiner Raum mit nur dem Nötigsten. Über Bauanleitungen mit Oberfräsen, Standbohrmaschinen, Drehmaschinen etc. können mein Akkubohrer, mein wackeliger Klapptisch und ich nur müde lächeln.


    Zeitrahmen

    Da bald die Sommerferien anstehen, würde ich jetzt bald bestellen wollen, damit ich das Projekt dann in Ruhe über die Ferien umsetzen kann.


    Vorhandenes Material

    Vorhanden ist (leider) bereits eine größere Ausstattung:

    • TS Hauptspiegel 200mm f/5 (Quarzglas, 94%-Beschichtung mit Quarz-Schutzschicht, 25mm Dicke)
    • TS Fangspiegel 50mm (unbekanntes Glas, 94%-Beschichtung mit Quarz-Schutzschicht)
    • TS Planetary HR Okulare 1,25": 25mm, 15mm, 9mm, 5mm, 3,2mm (an meinem Spiegel AP 5,0/3,0/1,8/1,0/0,6 bzw. Vergrößerungen 40x, 67x, 111x, 200x, 313x)
    • Celestron StarPointer Pro, mit Widerständen gedimmt
    • Svbony 1,25" variabler Graufilter
    • Svbony 1,25" OIII-Filter

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    So, kommen wir nun zum heißersehnten Abschluss dieser ausdruckbaren Wandtapete! :rolling_on_the_floor_laughing:


    Meine Fragen an euch (jetzt wo ihr die Situation kennt):


    • Was ist eure generelle Empfehlung an mich, basierend auf der Ausgangssituation? Den 8 Zoll-Spiegel weiterverwenden, oder alles auf dem Gebrauchtmarkt abstoßen und mit 10-12" Volltubus, neuen Okularen usw. neu anfangen?
    • Gehen wir mal vom Volltubus aus. Aufgrund der Krise auf dem Baustoffmarkt ist Kanalrohr praktisch Unobtanium geworden. Als Ersatz habe ich eine Quelle für PVC-Rohr (250mm Außendurchmesser, 237mm Innendurchmesser, 6mm Wandstärke) gefunden. Geht das? Ist das Material empfehlenswert für einen Tubus (z.B. Hitzebeständigkeit gegen Sonne), und ist es bei dieser Wandstärke stabil genug?
    • Das Rohr möchte ich hinten mit einer perfekt runden Buche Multiplex-Scheibe verschließen. Auch dafür habe ich eine Internetquelle gefunden (235mm Durchmesser, 15mm Dicke). Diese Holzscheibe soll eine selbst gefertigte, mit PLOP berechnete 6-Punkt-Spiegelzelle tragen, auf der wiederum der Spiegel befestigt wird. Die Holzscheibe soll mit M4-Schrauben und M4-Einschraubmuttern (für Holz) am PVC-Rohr befestigt werden (6 Schrauben, ringförmig um den Tubus herum). Hält so eine Spiegelzelle, oder ist die Holzscheibe nicht fest genug mit dem Tubus verbunden und daher schwingungsanfällig?
    • Der Tubus soll auf einer ganz klassischen Dobson-Rockerbox getragen werden. Hoch genug, damit man bequem im Sitzen durch den OAZ schauen kann. Darunter dann die EQ-Plattform anstelle des Groundboards. So sinnvoll?



    Gerne könnt ihr mir weitere Fragen stellen, falls euch noch Informationen fehlen. Ich hoffe, euch alles gegeben zu haben, was ihr braucht, um euch ein Bild machen zu können.


    Viele Grüße & mit bestem Dank!

    Karbobasti (<-- der Name ist inzwischen fast schon lächerlich, wenn man bedenkt, dass mich mein Erstlingsspiegel wahrscheinlich gerade, zerkratzt und ohne Beschichtung, hinten aus der Zimmerecke auslacht...)

  • Hallo Karboasti,


    mit etwas Geduld kannst Du u.U. einen tauglichen, kommerziellen 8 Zoll F6 Dobson erwerben (GSO, Skywatcher, Galaxy etc). Dort würde ich dann lediglich die meist sehr schwere und sperrige Rockerbox mit gutem Multiplex neu bauen und hier Material an unnötigen Stellen einsparen, so dass diese deutlich leichter ist als das Original. Am Tubus einen Tragegriff anbringen. Dann hast Du schon ein Gerät das man in zwei Teilen bei 8 Zoll einfach tragen kann und darüber hinaus auch ruck, zuck aufgebaut ist und sich dann auch bestimmt sehr gut nachführen lässt. An der Spiegelzelle würde ich selbst nicht soviel verändern, ggf. ein Lüfter. Diese Geräte in dieser Größenklasse haben in aller Regel inzwischen durchaus gute bis sogar sehr gute Optiken verbaut, die man auch als ATM nicht einfach mal so kurz schleift.

    Nur noch selten ließt man in den Foren von irgendwelchen Gurken was die Optik angeht. Denke da hat sich seither viel verbessert. Klar testen solltest Du diese schon (Ronchigitter und Sterntest sollte wohl reichen) aber da kennst Du Dich aus, hast ja schonmal einen Spiegel geschliffen. Den 8er als F6 wegen Einblick im sitzen. 10 Zoll wäre als Volltubus noch OK, als F5 dann aber. Von einem 12er als Volltubus würde ich schon eher wieder abraten, da für meinen Geschmack schon zu groß/schwer.


    Viel Erfolg wünscht Dir

    Gerhard

  • Hallo Basti/Bastian?


    es kommt nun auf Deine weiteren Bedürfnisse an und was Du investieren möchtest.


    Gerhard hat aus meiner Sicht die (heute) bequemste Variante erwähnt, da machst Du nichts falsch und kannst loslegen.

    Wenn Du aber weiterbasteln möchtest (was nicht billiger wird), dann besorge Dir das Buch "The Dobsonian Telescope" von Kriege und Berry. Dort wird, neben den großen Dobson, auch ein 8 Zöller gebaut. Und das mit den einfachsten Mittel. Persönlich würde ich von dem Kanalrohr Abstand nehmen. Du bekommst sicherlich auch noch irgendwo ein Hartpapiertubus für 8 Zoll (also ca. 10 Zoll Innendurchmesser). Die Holzteile kannst Du Dir auch bequem im Internet auf Deine Belange zugeschnitten kaufen. Z.B. hier: https://expresszuschnitt.de, dann brauchst Du auch keine Oberfräse ;)


    Für meinen 8 Zoll Schnellspechteldobson habe ich mir auch eine höhere Rockerbox gebaut. Merke: Selbst ein gekaufter Dobson ist eine ewige Baustelle!


    Zur EQ Plattform: Wenn Du flexibel bleiben willst, baue Dir einen "normalen" Dobson und eine separate EQ Plattform. Dann bist Du flexibel und gewinnst noch etwas Höhe.



    VG und CS

    Thomas

  • Vielen Dank für eure lieben Antworten!


    Mir geht es nicht darum, den letzten Cent zu sparen. Das Teleskop muss vor allem Spaß machen. Schnell einsatzbereit und stabil.


    Ich habe wirklich schon gelesen, wie viele Käufer eines Kaufdobsons dann an diesem weiterschrauben. Die Idee, mit dem Kaufdobson ein gutes Endprodukt zu erwerben, halte ich für einen Trugschluss. Zuerst fängt man damit an, den Tubus innen mit Veloursfolie auszukleiden (wofür meineswissens nach alles Innenleben raus und anschließend wieder rein muss). Dann einen Lüfter nachzurüsten gegen Tubusseeing. Dann den Fangspiegel zu tunen wegen der Obstruktion. Dann die Rockerbox zu verbessern, weil sie nicht richtig ausbalanciert ist. Schnell kommt man glaube ich an den Punkt, an dem man das Teil auch gleich hätte selbst bauen können, mit vernünftigem Konzept von Anfang an.


    Ich stimme euch zu, was die Qualität der optischen Komponenten angeht. Im Foucault-Test erscheint mein Spiegel sehr glatt poliert, mit nur einer minimalen Zonierung. Die Parabel habe ich nicht vermessen, könnte ich aber gerne mal tun. Er reicht für die ersten paar Hundert Objekte, nehme ich an?


    Angenommen, ich würde die bisherigen optischen Komponenten weiterverwenden wollen (also 8 Zoll f/5), dann:

    • Tubusmaterial: Was spricht für Hartpapier bzw. gegen PVC als Tubusmaterial? Geringeres Gewicht ist nicht alles. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass 6mm dickes PVC Stabilitätsnachteile haben soll. So ein Ding müsste doch eigentlich, im Gegensatz zu Papier+Epoxy, wie ein Panzer gebaut sein? Bei Cloudynights finden sich solche Konstruktionen aus den 80-er Jahren und aufwärts.
    • EQ-Plattform: Wieso sollte ich mit der EQ-Plattform überhaupt "flexibel sein wollen"? Ist das stabilisierte Bild zu haben, bei dem z.B. Jupiter still steht, nicht stets von Vorteil? Wenn ja, könnte man doch die EQ-Plattform einfach dauerhaft benutzen.
    • Spinne: Welches Material würdet ihr empfehlen? Ich habe gelesen, dass Metallsägeblätter dünn und stabil sein sollen - weiß aber nicht, wie man diese am Tubus und an der FS-Halterung befestigen soll.
    • Spiegelzelle: Wie genau ist die Spiegelzelle bei einem kommerziellen Dobson mit dem Tubus verbunden? Ringförmig angeordnete Schrauben? Wäre mein Konzept, den PVC-Tubus mit der runden Holzscheibe hinten zu verschließen, also tragfähig?

    Das Design des Dobsons wäre dann "klassisch", z.B. so wie hier: https://forum.astronomie.de/th…8-zoll-f-6-dobson.283309/


    In diese Richtung denke ich aktuell. Mit so einem Teil müsste man doch bequem beobachten können, nichts wackelt, alles vernünftig transportierbar.


    Viele Grüße,
    Sebastian

  • Hallo Sebastian,


    ich bin gespannt was Du aus dem Material machst. Ich grüble nämlich auch über ein Spiegel-Fundstück: 260/1500. Mich reizt der Bau eines stabilen einfachen Dobsons um zu sehen, was dieser Spiegel zu leisten vermag.


    Zu Deinen Punkten:

    - Tubusmaterial: klar Gewicht, Dichte, Schwingungsverhalten, etc. sicherlich alles brauchbar. Meine Äußerung war nur ein Gefühl, jedoch ohne Erfahrung. Vielleicht habe ich auch eine Abneigung zu diesem Material.


    - EQ-Plattform: Wenn Du mit anderen Sternfreunden unterwegs bist, dann schauste mal hier, mal da... Ein Standardaufbau bei der Rockerbox ist unkompliziert und meinen stelle ich dann bei Bedarf halt auf eine EQ-Plattform. Weswegen willst Du hier nach Deinen o.g. schmerzlichen Erfahrungen wieder optimieren/rationalisieren? Back to the roots :)


    - Spinne: schau mal hier: http://www.weisenfeld.net/inde…e/selbstbau/11-drum-scope


    - Spiegelzelle: ja, ringförmig angeordnete Schrauben. Bis 10 Zoll und entsprechender Spiegeldicke kann man auch mit 3 "Silikonplobs" arbeiten. Der o.g. 10 Zoll Spiegel hat 40 mm Dicke. Da verbiegt sich zumindest für das "Schnellspechteln" nichts.


    VG und CS


    Thomas

  • Hallo Thomas,


    danke für deine Antworten!:thumbup:


    Die EQ-Plattform hätte für mich den entscheidenden Vorteil, dass sie das Beobachtungsvergnügen bestimmt um den Faktor 10 steigert. Sie löst ja "das" Problem des Dobsons, nämlich die alt-azimutale Montierung und das dadurch bedingte scheinbare Wandern der Objekte! Im Falle eines Fehlschlags beim Bau ist sie schnell durch ein normales Groundboard ersetzt.


    Ich würde dann folgendes Konzept wählen:

    • 8 Zoll f/5, bestehenden Haupt- und Fangspiegel weiter verwenden
    • Tubus aus PVC-Rohr, 6mm dick
    • Spiegelzelle aus 15mm Buche Multiplex Rundscheibe + selbstgebauter 6-Punkt-Auflage (Wippen)
    • hohe Rockerbox, vergleichbar mit Standard-Kaufdobsons
    • EQ-Plattform
    • 2 Zoll-OAZ -> benötigt man hier eine 1:10-Untersetzung?


    Über die Eignung des Materials PVC kann ich leider mangels Fachwissen selbst nicht viel sagen, hoffe da findet sich noch jemand hier im Forum, der da mehr zu sagen kann. Wäre ja auch für dein eigenes Projekt interessant, wenn es dir auf Stabilität ankommt.


    Viele Grüße,
    Sebastian

  • Hallo,


    klar kann man den 8"er nun in ein Kanalrohr quetschen, aber dann wird er unnötig schwer und es kommt nach kurzer Zeit der Wunsch das Ding etwas leichter zu bauen ... ich weiß was ich sage, denn ich habe lange einen 8"f/8 mit einem KG-Tubus genutzt.

    Meine Empfehlung wäre daher den 8"er nochmals als Reisegerät aufzusetzen, dafür aber mit allen Verbesserungen die Du umsetzen kannst. Das sollte ganz gut gehen, wenn Du wenigstens einen kleinen Bohrständer oder eine Ständerbohrmaschine, einen Band- oder Schwingschleifer und eine Oberfräse oder eine Stichsäge hast. Das Material sollte so dünn und so leicht wie möglich gewählt werden um einen niedrigen Schwerpunkt und eine gute Transportabilität zu erreichen. Die niedrige Bauhöhe des Dobsons lässt sich leicht durch ein kleines Tischchen aus zwei Brettchen, welche mit der Bodenplatte der Rockerbox verbunden werden kompensieren.

    Zwei Streben würde ich auch nicht verwenden, denn da braucht man dann eine Verspannung um ein steifes Gerüst zu bauen, aber mit drei Streben klappt es ganz wunderbar. Die Spiegelauflage kann man für einen 8"er übrigens ganz einfach aus einem runden Brettchen mit 9mm Stärke und etwas Luftpolsterfolie bauen. Die Verbindung von Spiegel und Brettchen übernimmt etwas Panzerband. Primitiv aber wirksam.


    Hier mal der Link zu meinem aktuellen 8" Reisedobson. Das soll keine Empfehlung sein, sondern nur ein Tipp, wie man das Problem auch lösen kann. Für mich ist es ganz sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, aber der Stand meines letzten Irrtums.


    https://forum.astronomie.de/th…er-fuer-die-reise.288736/



    MfG


    Rainmaker


    PS.: Ich habe mich aus der Not heraus auf einen Okularauszug mit 1,25" beschränkt und hatte schon gedacht, dass der das erste sein würde, was man unbedingt austauschen müsste, aber im Moment sehe ich einfach keinen Grund dazu. Das Gesichtsfeld ist mehr als groß genug ...

  • Hallo Sebastian,


    hast Du schon mal daran gedacht, den 8" f/5 zu einer vernünftigen Gitterrohrkonstruktion umzubauen und ihn dann zum erreichen einer angenehmen Arbeitshöhe auf ein kleines Stativ zu setzen? Ich habe das so mit meinem 6" f/5 gemacht und es funktioniert hervorragend. Und als Gitterrohrdobson kannst Du ihn auch mit in den Urlaub nehmen und da zum Beobachten auf eine Getränkekiste oder einen kleinen Tisch stellen.


    Bis dann:

    Marcus

    16" f/4 Dobson, 6" f/5 Dobson, C8, 60/360 Apo, 70/700 PST-Mod "Sunlux"


    Zeige mir einen Dobson und ich zeige Dir eine Baustelle

  • Hallo Sebastian,


    Ein 8-Zöller als Volltubus ist auch mit Kanalrohr noch gut handhabbar (wenn auch mit Sicherheit kein Reiseteleskop) und mir im Zweifelsfall sympathischer als die hier jetzt zwei mal verlinkten Konstruktionen mit parallelen Stangen, die nur torsions- und sonstwie steif sind, wenn man sie entsprechend auslegt. Da würde ich eine klassische Gitterrohrkonstruktion mit 6 oder 8 schrägen Stangen bevorzugen, auch wegen des Übungseffekts für ein späteres größeres Teleskop ;)


    Beim Okularauszug würde ich weder auf 2" noch auf die Untersetzung verzichten wollen. D.h. nur wenn Du den Unterschied aus der Praxis kennst und weißt, dass Du damit klarkommst (aber dann würdest Du ja nicht fragen...)


    Viele Grüße, Holger

  • Rainmaker, Mettling:

    Einen Reisedobson bzw. Gitterrohrdobson möchte ich als Konzept nicht in 8 Zoll weiterbauen. Wenn ich so etwas nochmal bauen würde, dann (als Besitzer eines solchen Geräts) eindeutig so wie Stathis:

    • 6 Zoll (150mm) Spiegeldurchmesser
    • Öffnungsverhältnis f/6, da kompatibel mit den gängigen Zoomokularen + genug Brennweite
    • 1,25" Okularauszug, möglichst kurzbauend für maximale 100%-Ausleuchtung
    • 1 Zoomokular (TS Planetary HR 7,2mm-21,5mm; nicht das einfache TS Zoom!)
    • 2-Stangen-Design á la Reiner Vogel, zusammenschiebbare Alu-Vierkantrohre (dadurch Längenhalbierung beim Transport)

    Ein solches Gerät wäre klar auf einen einzigen Zweck ausgelegt und würde diesen besonders gut erfüllen (Spezialisten sind immer besser als Generalisten).

    Leistungsdaten wären: 150mm Durchmesser, 900mm Brennweite, 42x - 125x (3,6mm AP - 1,2mm AP), brillenträgertauglich, kein Okularwechsel nötig! Reingucken und loslegen.

    Für die wirklich dunklen Gegenden mit exzellenten Bedingungen (Beispiel: Atacama-Wüste) könnte man ein Plössl mit 40mm Brennweite ergänzen und käme so auf das geradezu physiologische Maximum von 6,7mm AP!


    Das Gerät wäre dabei handlicher und leichter als es ein 8 Zoll Reisedobson jemals sein könnte.

    Da spielt dann auch die Isomatte keine Rolle, da man mit so einem Gerät einmalige Anblicke erhält und Erlebnisse mitmacht.

    Dazu wirklich Einsteigerfreundlich im Selbstbau, aufgrund des minimalistischen Designs.


    So würde ich es machen, wenn das das Ziel wäre.


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    Cleo:

    An diesem Punkt meines Hobbys würde ich noch gar kein weiteres Teleskop einplanen. Ich möchte den Fokus darauf setzen, das Hobby überhaupt auszuüben. Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, hat man nach einem anstrengenden Berufstag i.d.R. einen ganz massiven inneren Schweinehund zu überwinden! Wenn ich als Rentner meinen 24-Zöller aus der Garage meines Eigenheims direkt in den Garten unter den Bortle 3 Landhimmel rollen könnte, würde das sicher anders aussehen.


    Als Mieter im Rhein-Ruhr-Gebiet muss das Teleskop abgebaut, transportiert und am Zielort wieder aufgebaut werden - und das zweimal pro Beobachtungsnacht. Findet das an einem Werktag statt, so muss man am nächsten Tag ausgeschlafen sein und kann nur früh und kurz beobachten. Im Sommer ist es dann noch hell, im Winter wiederum sehr kalt (demnach spielt Bequemlichkeit eine große Rolle). Dank des Klimawandels stehen zudem zunehmend weniger Beobachtungsnächte zur Verfügung, die dann wiederum statistisch gerne auf Werktage fallen. Dank des nicht aufgeklärten Umgangs der Allgemeinbevölkerung mit Licht ist zudem eine Fahrt aus der Lichtglocke heraus unbedingt nötig, die dauert. Alle Faktoren zusammen führen dann dazu, dass man - so geht es mir zumindest - gar nicht regelmäßig beobachtet (z.B. 10 Abende pro Monat zwischen September - April), sondern das Hobby auf seltene Touren begrenzt.


    Das wird der Faszination Nachthimmel m.E. nicht gerecht. Stellt euch mal vor, ihr wärt nochmal 12 Jahre alt und hättet Bortle 1-Himmel direkt unter eurem Dachbodenfenster. Ihr würdet garantiert jede Nacht, auch ohne Erlaubnis eurer Eltern, an eurem Teleskop hängen!


    An diesem Punkt komme ich abschließend nicht darum herum, kurz anzumerken, dass ich mir von der deutschsprachigen Astrocommunity gewünscht hätte, wenn sie - als ganzes Team - während der letzten 50 Jahre (1970-2020):
    a) viel mehr Aufklärungsarbeit über das Thema Lichtverschmutzung in der Allgemeinbevölkerung geleistet hätte,

    b) viel massivere Einflussnahme auf die (Kommunal-)politik betrieben hätte, und

    c) sehr viel aktivere Nachwuchsgewinnung in der jungen Generation betrieben hätte,

    statt über das nächste ultimative 1000€-Okular, den noch tolleren Strehlwert, das teuereste Astrozubehör, und die beste Oberfräse zu diskutieren.


    Man muss eines ganz deutlich sagen: Ein einfaches, simples Ausführen des Hobbys "Astronomie" (Teleskop aus dem Haus tragen, auf den Bürgersteig stellen, loslegen) ist in Deutschland in 2021 für die meisten Menschen gar nicht mehr möglich!


    Das fängt mit den Preisen für das Hobby an (tschüss Jugend!), geht über den Zeit- und mentalen Energiebedarf (tschüss Berufstätige!), bis hin zum Frustrationserlebnis Lichtverschmutzung (betrifft uns alle!) und der geringen gesellschaftlichen Penetration des Hobbys (tschüss Nachwuchs!).


    Wenn ich meinen 12-jährigen Schülern erzähle, dass ich mir ein Teleskop selbst gebaut habe, fallen <10% vom Stuhl, dass so etwas überhaupt mit einfachen Mitteln selbst machbar ist und beharken mich mit Fragen zu Informationsquellen, während die bloße Erwähnung von Astronomie ("Irgendwas mit Sterne, ich glaub' Sternzeichen oder so?!" <X ) bei >90% zu reflexartigem Augenrollen führt.


    Wir haben ein massives Problem! Unsere Städte werden mit Lichtglocken verseucht, die man heute z.T. bereits nicht einmal mehr mit Schmalbandfiltern ausfiltern kann (Stichwort: LED-Beleuchtung, bei uns wird gerade die ganze Straßenbeleuchtung massiv umgestellt - ich wette, die Entscheider wissen nicht einmal, was ein Nanometer ist), während ganze Generationen heranwachsen, die noch nie durch ein Teleskop geschaut haben. In diesem Sinne wirkt die Diskussion über das Tubusmaterial und die Gewichtsoptimierung eines 8 Zoll-Dobsons fast schon wie eine Satire :( : Eigentlich müssten wir jeden Spiegel nehmen, den wir kriegen können, und ihn in rudimentär zusammengezimmerte Sperrmüll-Dobsons einbauen, und davon Hunderttausende (!) gratis in Deutschland verteilen, weil unser Hobby sonst ausstirbt.


    Eigentlich dürften wir an diesem Punkt gar nicht mehr über z.B. die besten Okulare diskutieren, sondern müssten lokale Sternclubs gründen, die im Sinne von Dobsons "Sidewalk-Astronomers" massiv Menschen jeden Geschlechts, Alters und Gesellschaftsschicht in dieses Hobby ziehen. Ansonsten werden wir als absolutes Nischenhobby enden, das aufgrund von gesellschaftlicher Nullrepräsentation von politischen Entscheidungen (z.B. gibt es in jedem Kuhdorf eine Mittagsruhe, aber nirgendwo eine für alle Lebensbereiche geltende Lichtabschalt-Uhrzeit) überrannt wird, bis es schließlich aufgrund von Überalterung ausstirbt.


    In diesem Sinne bin ich mal ganz hart für eine Bauanleitung mit Zollstock und Akkuschrauber...

  • Jetzt (gerade für diejenigen Leser, die kaum Zeit haben und nur schnell überfliegen) zurück zu meinem Projekt.


    Mein Dobson soll wie gesagt v.a. folgende Anforderungen erfüllen:

    • möglichst bequemes, komfortables Beobachten (z.B. wetterfest gepolsterter Astrostuhl, stillstehendes Beobachtungsbild im Okular, Tubuslüfter gegen Tubusseeing, evtl. rot beleuchtete kleine Buchablage/Mini-Zeichentisch, ...)
    • möglichst schneller, einfacher Aufbau, Transport und Abbau
    • hohe optische Performance bei gleichzeitig preiswertem Zubehör
    • mechanische Stabilität
    • einfacher Bau ohne Spezialwerkzeug


    Da finde ich einen 8 Zoll f/5 im Volltubus auf EQ-Plattform eine sinnvolle Lösung. Auf 25% Obstruktion gerechnet hat der zudem tolle Deep Sky-, aber auch Planeteneigenschaften.


    Natürlich kann man mit Carbontubus, 8-Stangen-Fachwerkmikado, 14 Zoll-Selbstschliff und Nagler-Okularen noch deutlich mehr optische Performance herausholen - die Frage für mich ist, ob das überhaupt Sinn macht. Das sind für mich Hochleistungsgeräte, die einem einsteigertauglichen und frustrationsarmen Hobbyeinstieg eher im Weg stehen. Vielleicht ist das als Lehrer 'ne Berufskrankheit von mir, aber ich würde mir wünschen, einerseits ein Gerät mit den eigenen Händen zu bauen (weil man es nur dann wirklich versteht, was gewissermaßen mit den Kick ausmacht) - andererseits aber möglichst schnell und zügig zu tollen Beobachtungserlebnissen zu kommen.


    Ich habe mir z.B. jetzt, entgegen der häufigen Empfehlung des "Deep Sky-Reiseatlas", stattdessen das Buch "Die Messier-Objekte" von Koch/Korth geholt - weil darin schön der Reihe nach alle Infos über jedes Objekt des Messier-Katalogs mit Foto, Hinweisen und Aufsuchkarte eingetragen sind. Vom Format her kann man es gut zum Beobachtungsort mitnehmen. Statt schwerer Atlanten benutze ich die Handy-App "Stellarium", die auch über Telradkreise verfügt. Das ist für mich schon ein sehr schlagkräftiges, einsteigertaugliches Set.


    Mein Fehler war wie gesagt, mit einem Teleskop die beiden Nutzungsfälle "Reiseteleskop" und "Hobbyteleskop" gleichermaßen abdecken zu wollen - DAS geht in die Hose, da sich (und das ist mir jetzt klar) sehr viele der Anforderungen bereits auf Papier widersprechen. Ich kann kein wackelfreies optisches Hochleistungsgerät mit bequemer Einblickhöhe auf Flugzeug-Handgepäckmaße zusammenschrumpfen. Am Ende wird das Teleskop in beiden Anwendungsgebieten versagen.

  • Hallo Sebastian,


    jetzt hast Du viel geschrieben :) , aber ich glaube, mit dem letzten Absatz hast Du recht - das überhaupt hinzubekommen, ist eine Kunst, und auf Anhieb sehr unwahrscheinlich...


    In puncto sofortige Einsatzbereitschaft und Justagestabilität liegst Du mit dem Volltubus auf jeden Fall richtig. Der Aufbau- und Justageaufwand ist entscheidend dafür, wie oft man tatsächlich loszieht. Ich hab irgendwann meinen 12"-Gitterrohrdobson einfach unzerlegt ins Auto gestellt. Zum Glück ging das.


    So, und jetzt mal los ;)


    Viele Grüße, Holger

  • Hallo,


    @ Holger,


    ich würde nicht sagen, dass ein 8" Newton mit KG Tubus noch gut transportabel ist. Allein das Rohr mit einer Länge von 1000mm wiegt zwischen 8,2 und 9,4kg. Da man den Tubus wohl gern ein klein wenig länger nehmen wird um Streulicht sicher aus dem Okularauszug fern zu halten wird ein 8"er dann wohl knapp das wiegen was der Tubus eines üblichnen 10" China-Dobsons auf die Waage bringt. Für das Bodybuilding sicher nicht schlecht, aber es geht auch angenehmer.

    Dir mag ein Stangensystem mit parallelen Stangen unsympatisch sein, aber glücklicherweise sagt das nichts über die vorhandene Steifigkeit aus. Ich mochte ein Solches Stangensystem auch nicht, bis ich für einen Freund den ersten Reisedobson gebaut habe. Während des Baues habe ich ihn sogar gewarnt, dass es ein Wackeldackel wird der vielleicht bis 30x funktioniert. Herausgekommen ist dann glücklicherweise bei sehr steifes Teleskop, das das gut bis zur Maxiamlvergrößerung funktioniert und das nach dem Aufbau nur um maximal eine halbe Schraubenumdrehung, also einen halben Millimeter vom optimalen Justegezustand entfernt ist. Es geht halt nicht darum was man meint was gut ist, sondern darum was in der Praxis gut genug ist und das ist glücklicherweise oft mehr als man sich vorzustellen wagt ...


    @ Sebastian,


    wobei Du mit einem 6" f/6 wieder ein weiteres Gerät mehr "herumliegen" hast und die Beschaffung vielleicht auch nicht ganz so einfach ist. Deshalb meine Anregung es vielleicht mit einem Neubau zu versuchen. Auf einer Isomatte brauchst Du übrigens auch nicht herumknien. Mit dem erwähnten Tischchen aus zwei 9mm Brettchen kommt mein Dobs, z.B. auf eine größere Einblickhöhe als ein 10" Chinadobson und kann ganz normal genutzt werden und wackeln tut da auch nichts. Nein, ich will dir nicht mein Gerät verkaufen. Was ich will ist dich anregen über deine Bedürfnisse beim Beobachten und über die Möglichkeiten der Umsetzung ganz genau nachzudenken. Natürlich scheint es zunächst einfacher einen leichteren Weg zu gehen und ein KG Rohr zu kaufen, aber das hat halt wieder Folgen, gerade wenn man erst das ganze Geraffel einpacken und zum muss Beobachtungsort fahren muss. Klar, man spart ein paar Stunden beim Bau, aber das Fluchen bei der Gerätenutzung nimmt halt zu.


    Was die Sache mit der Lichtverschmutzung angeht, so gebe ich dir recht, da passiert hier in der deutschsprachigen Szene nahezu nichts. Den Leuten ist es viel wichtiger mit ihrem neuen Apo für x Kiloeuro posen zu gehen oder sich über kleinste optischen Fehler in die Köppe zu kriegen. Ich habe damals die Sache mit der Petition schon mitgemacht und es war mehr als traurig zu sehen wie selbst Volkssternwarten sich geweigert haben auf eine Petition gegen übermäßige Lichtverschmutzung aufmerksam zu machen, bzw. mit zu machen. Noch übler fand ich aber das Gerede einiger "Größen" darüber wie schädlich so eine Petition für ihre bisherigen, für mich nicht erkennbaren, Bemühungen das Thema auf politischer Ebene anzugehen.

    Das Hobby wird übrigens nicht aussterben, aber es wird wohl immer mehr ein Hobby werden bei dem es trotz immer besserer technischer Möglichkeiten immer schwieriger wird das zu sehen was früher mit viel weniger Technik zu sehen war. Allein schon die Menge an Satelliten die jetzt und in naher Zukunft den Orbit vollmüllen, damit ein paar Reiche und das Militär weltweit Internetzugang haben wird in kürzester Zeit die Astronomie verändern. Vielleicht gibt es dann ja auch hier auf den Teleskoptreffen Lasershows, ähnlich wie in Japan. Verdammt wo ist der Kotzsmiley?



    MfG


    Rainmaker

  • Hallo Rainmaker,


    Ob Sebastian das Gewicht des KG-Volltubus rumschleppen mag oder nicht, soll er selbst rausfinden... den von Dir zum Vergleich genannten Zehnzöller kann man durchaus noch mit Vergnügen durch die Gegend tragen... Ich würde selbst aber auch zu einem anderen Material greifen.


    Ich halte auf jeden Fall nix davon, hier auf Biegen und Brechen zu etwas anderem zu raten als dem, was Sebastian sich vorgenommen hat, wenn er mit einfachen Mittel etwas bauen will, was in Konstruktion und Handhabung möglichst einfach ist - die Warnung vor dem Gewicht des KG-Rohrs ist sicher angebracht, die vor dem höheren Aufwand und Fehlschlagrisiko alternativer Konstruktionen aber auch. Da ist etwas, bei dem man nicht viel falsch machen kann, manchmal der bessere Ansatz, zumal Sebastian da ja schon gebranntes Kind ist mit seinem ersten Versuch.


    Viele Grüße, Holger

  • Hallo Holger,


    ich habe nichts gegen einfache Lösungen, außer dass einfache Lösungen oft alles andere als einfach zu erreichen sind. ;) Die Lösung von John Dobson für seinen 24er war einfach, aber der Bus den er für den Transport benötigte und die Menge an Leuten die man für den Aufbau benötigte schränkte die Nutzbarkeit doch etwas ein. Aber zugegeben, zu der Zeit war es trotzdem eine Quantensprung, besonders wenn man an die Menge des eingesetzten Geldes denkt.

    Ich will ihm nicht auf Biegen und Brechen zu einer bestimmten technischen Lösung raten. Was ich will ihn dazu ermutigen länger über seine Bedürfnisse und die Möglichkeiten diese zu erreichen etwas länger nachzudenken und nichts vorschnell auszuschließen. Klar, wenn das Teleskop nicht bewegt wird, nichts kosten darf und nur ein Fuchsschwanz und ein Schraubendreher vorhanden ist und Alter und Gesundheit gegeben sind, dann darf es auch gern eine "zu einfache" schwere und grobe Lösung sein. Jenseits davon ist viel möglich und es muss nicht mehr Geld und wird nur wenig mehr Zeit kosten, aber durchdacht will es sein.

    Die Sache mit dem gebrannten Kind sehe ich ein klein wenig anders. Man kann es negativ sehen und vielleicht gibt es auch dafür gute Gründe, aber ich würde eher sagen er hat Erfahrung und Fähigkeiten gewonnen. Natürlich kann das nächste Fernrohr auch suboptimal ausgeführt sein, aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist in meinen Augen deutlich gesunken. Außerdem, sind nicht alle Selbstbauten Fehlschläge und sei es nur, weil man es nachher immer ein klein wenig besser weiß? ;)



    MfG


    Rainmaker

  • Um den Streit um die Tubusmasse beizulegen:


    Es gibt (gab) von Celestron einen Stahltubus für den Selbstbau 8" f/5. Dieser ist momentan nicht verfügbar, Lieferzeit unbekannt.


    Diesen Tubus mit 235mm Durchmesser vergleiche ich nachfolgend mit dem PVC-Rohr. Dabei nehme ich die gegebene Länge des Celestron-Tubus (860mm) und verlängere sie aufgrund des Streulichtschutzes moderat auf 900mm. Die Wandstärke lasse ich beim Stahlblech auf 2mm, während ich für das PVC-Rohr die vom Hersteller gegebenen 6mm nehme - die Rohre sind ja nur in genau diesen Dicken verfügbar. Als Dichten nehme ich 7,86 g/cm³ für Stahl und 1,39 g/cm³ für PVC-U.


    StahlPVC-U
    Radius r
    11,75cm11,75cm
    Länge l
    90,0cm90,0cm
    Wandstärke0,2cm0,6cm
    Volumen (gedachter Außenzylinder)
    V = Pi * r² * l
    3,14159 * (11,75+0,2)² * 90,0
    = 40376 cm³
    3,14159 * (11,75+0,6)² * 90,0
    = 43125 cm³
    Volumen (gedachter Innenzylinder)3,14159 * (11,75)² * 90,0
    = 39036 cm³
    3,14159 * (11,75)² * 90,0
    = 39036 cm³
    Volumen des Tubus
    40376 cm³ - 39036 cm³
    = 1340 cm³
    43125 cm³ - 39036 cm³
    = 4089 cm³
    Masse
    m = V * ρ
    1340 cm³ * 7,86 g/cm³
    = 10532g
    4089 cm³ * 1,39 g/cm³
    = 5684g


    Beim Vergleich "Volltubus vs. Volltubus" kann ich also keine Nachteile von PVC erkennen. Beide liegen im Bereich einer 5kg bis 10kg-Hantelscheibe.


    Allerdings ist das E-Modul von PVC mit ca. 3000 N/mm² um Größenordnungen kleiner als das von Stahl mit ca. 200000 N/mm². Dafür ist das PVC-Rohr allerdings auch dreimal dicker, und nicht so leicht plastisch verformbar, was beim Transport hilfreich ist. Vielleicht könnte man auch einfach aus der Erfahrung argumentieren, dass das E-Modul von PVC "reicht", da es viele erfolgreiche Selbstbauten aus diesem Material gibt, wo nichts wackelt. Aber das müsste jemand beurteilen, der mit Teleskopen mehr Erfahrung hat als ich.


    Mein Reisedobson wiegt übrigens im "Transportzustand" (d.h. komplett, minus die Alu-Stangen) insgesamt 9kg.

    Addiere ich die Masse des Hauptspiegels (1,7kg) und der Spiegelzellen-Holzscheibe (0,5kg) auf den PVC-Tubus (5,7kg), so erhalte ich unter Vernachlässigung von Spinne und Fangspiegel eine Tubusmasse von ca. 7,9kg. Spinne und FS dürfen also noch 1,1kg wiegen, was realistisch ist - dann sind Reisedobson und Volltubus gleich schwer.


    Natürlich muss man noch das Gewicht der Rockerbox mit EQ-Plattform (vermutlich beide zusammen ca. 10kg?) dazu addieren. Dabei handelt es sich aber um zweites Kombi-Einzelteil, das separat getragen werden kann.


    Im Moment sieht es also für mich so aus, als ob ich zwei ~10kg Teile anstatt einem tragen muss, dafür aber keinerlei Aufbau mehr durchführen muss. Richtig so?

  • Ist ein sehr vergleichbares Konzept mit meinem eigenen Reisedobson, d.h. die Einblickhöhe scheint mir da auch nahe Fußboden zu sein. Für regelmäßiges Beobachten halte ich den für ähnlich unbequem wie meinen eigenen. Dazu recht teuer.


    Er ist halt ein Reisedobson, genau auf den Zweck optimiert.

  • Hallo,


    mit einem Tubus von 900mm wirst du bei einer Brennweite von 1000mm wohl nicht ganz hinkommen, denn die Spiegelfassung mit Träger und Spiegel wird wohl noch mal knapp 75mm benötigen. Dazu käme dann auch noch das Stück am vorderen Ende, welches notwendig ist um Streulicht aus dem Okularauszug auszublenden. Ich denke der Tubus wird knapp über einen Meter lang sein. KG ist übrigens nur mit einem Durchmesser von 250mm zu bekommen und die Dichte liegt wohl um 1,6 g/cm³. Die Wandstärke liegt wohl zwischen 6,5 und 7,5mm.

    Wie schon gesagt, ich habe einen 8"f8 davon rumliegen und es gibt angenehmeres, obwohl die Optik echt gut ist. Deshalb ja der Tipp mit dem Überdenken. Die Wandstärke des Stahltubus nimmst du übrigens wohl zu dick an. Ich schätze es wird vielleicht ein Millimeter sein. Mein 10" Skywatcher wiegt mit Schelle, Sucher, selbstgebauten Höhenrädern und allem anderen Drumherum jedenfalls was bei 14,irgendwas kg. Die 8" sind nochmal eine ganze Ecke leichter.

    Eine Rockerbox für einen 8" sollte auch nicht 10kg wiegen, es sei denn die muss aus irgendeinem Grund bedingt beschuss- und ansprengfest sein. Die selbstgebaute Rockerbox meines 10"ers, aus 15er Multiplex, bringt es auf 6,8kg und die ließe sich sicherlich noch abspecken.



    MfG


    Rainmaker

  • Hallo rainmaker,


    bezüglich der Maße und Wandstärke bin ich gerade total verwundert. Einen Stahltubus mit genau den von mir genannten Maßen hat Celestron bislang angeboten, er ist nur aktuell nicht lieferbar.


    https://www.teleskop-express.d…-5-Newton-Teleskopes.html


    Die Rockerbox muss natürlich nicht ansprengfest sein :rolling_on_the_floor_laughing:

    Wenn ein Volltubus dann (wie oben berechnet) ca. 8-9kg wiegt, und die Rockerbox im Bereich 5-6kg wiegt, liegen wir bei insgesamt ca. 13-15kg. Im Vergleich zu meinem 9kg Reisedobson wäre das gar nicht sooo viel schwerer, insofern frage ich mich, ob das relevant ist? Keines der beiden Einzelteile wiegt mehr als der Reisedobson. Dafür "einhängen und losgucken".


    Das PVC-Rohr ist übrigens kein KG-Rohr. Diese sind wie gesagt aktuell anscheinend seltener als das Unobtanium aus "Avatar".

    Es hat aber dieselben Maße (DN 237,6mm Innendurchmesser, D 250mm Außendurchmesser). Ich bräuchte wie gesagt nur eine alternative Möglichkeit, es hinten zu verschließen, da es ja die typischen Kanalrohr-Endkappen dafür nicht gibt. Es ist wirklich nur ein gerades PVC-Rohr.

  • Hallo,


    die Stärke des Tubus ist mit ziemlicher Sicherheit falsch angegeben. Woher ich das weiß? Das Tubusgewicht eines 8" f/5 wird mit 10,8kg angegeben. Außerdem habe ich mal kurz geschaut wie es sich bei den hier liegenden Tuben verhält. Die haben jeweils knapp einen Millimeter, selbst bei 10".

    Sorry, ich hatte jetzt KG angenommen, weil es das üblicherweise verwendete Rohr ist. PVC-U, ich hoffe nicht, dass es das schwarze Schlabberzeug ist, was bei der Verrohrung im Straßenbau eingesetzt wird. Hier mal Maße und Aussehen.


    https://www.pvc-welt.de/PVC-U-Rohr-250mm_1


    Das Gedöns ist eher ein sehr steifer Schlauch und so flexibel, dass die Justage des Gerätes wohl lageabhängig sein dürfte ... Selbst mit Verstärkungsringen wird das wohl nichts. Es gibt leider schon Gründe warum KG relativ oft verwendet wird.


    Die runden, bzw. vielleicht auch ringförmigen Teile der Spiegelzelle würde ich ganz einfach mit der Stichsäge aus Multiplex aussägen und dann passend schleifen. Besser wäre natürlich die Verwendung einer Oberfräse.



    MfG


    Rainmaker

  • Vielen Dank, damit hat sich das Projekt wohl erledigt - das wäre exakt das Rohr von exakt dem Versender gewesen, das ich beabsichtigt hatte!


    Die orangenen Kanalrohre scheinen aus Polypropen zu sein. Diese sind aktuell wie gesagt nicht verfügbar.

  • Hallo,


    nicht gleich Pipi in die Augen kriegen, es gibt immer eine Lösung. Such mal nach einem Händler für Baubedarf in deiner Gegend, die werden das Material bestimmt haben oder in absehbarer Zeit beschaffen können. Sollte es wirklich auf lange Sicht nicht zu bekommen sein, dann würde ich aus Aluprofil einen Gittertubus oder aus Multiplex Birke einen sechs- oder achteckigen Tubus bauen. Dazu einfach die passenden sechs- oder achteckigen blenden mit einer Stichsäge oder besser einer brauchbaren Kreissäge aus quadratischen 15mm Multiplexplatten aussägen. Die runden Öffnungen lassen sich relativ leicht mit einer Stichsäge aussägen. Diese dann mit 4mm oder maximal 6,3mm Multiplex beplanken. An den Kanten wird das etwas kritisch, aber man kann das noch gut mit einem Band- oder zur Not auch Schwingschleifer anpassen. Was nicht passt wird mit etwas Holzpaste in der Farbe "Fichte" passend gemacht (die Farbe "Birke" ist bei mir immer zu hell.). Der Rohbau sollte sich ganz bequem an einem Nachmittag bewerkstelligen lassen. Nur keine Angst haben, das klappt schon und wenn es nicht ganz perfekt aussieht, dann sagt man halt, dass Fernrohre nicht zum ansehen, sondern zum Durchsehen sind. ;)



    MfG


    Rainmaker

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