Wissenschaftsinitiative plädiert für Deutsches Zentrum für Astrophysik in der Lausitz

  • Eine Initiative von führenden Wissenschaftlern unter der Leitung von Prof. Dr. Günther Hasinger, Forschungsdirektor der europäischen Weltraumorganisation ESA, setzt sich für die Gründung des Deutschen Zentrums für Astrophysik (DZA) ein, das in der Lausitz angesiedelt werden soll.


    Die Initiative, die von Wissenschaftlern der Max-Planck-Gesellschaft, dem Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP), der Helmholtz-Gemeinschaft und der Technischen Universität Dresden, getragen wird, reichte ihren Vorschlag für das neue Forschungszentrum beim Ideenwettbewerb „Wissen schafft Perspektiven für die Region!“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Freistaats Sachsen ein. Der Wettbewerb ruft herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf, Vorschläge zur Ansiedlung von Großforschungszentren einzureichen, um die thematische Ausrichtung und den genauen Standort von zwei neuen Großforschungszentren in der sächsischen Lausitz und im mitteldeutschen Revier festzulegen.


    Astrophysik „boomt“. Der Wissenschaftszweig verbindet Hightech mit der Kreativität brillanter Köpfe. Die Hälfte der Physik-Nobelpreise der letzten zehn Jahre gingen an Astrophysikerinnen und Astrophysiker. „Zu den klassischen Methoden der Astronomie, deren ‚Augen‘ elektromagnetische Strahlung empfangen, sind neue hinzugekommen. Zum Beispiel Gravitationswellen-Teleskope, die wie ‚Ohren‘ ins All horchen“, so Hasinger, der führende Kopf des Projekts. „Mit einem deutschen Zentrum für Astrophysik würden wir den Impetus dieses Forschungsfeldes für Deutschland aufnehmen. Wir schlagen daher die Gründung des Deutschen Zentrums für Astrophysik in der Lausitz vor, wo wir Augen, Ohren und Gehirn vereinen“, so Hasinger, der auch als Gründungsdirektor für das Zentrum zur Verfügung steht. Das Deutsche Zentrum für Astrophysik kann den Strukturwandel in der Lausitz nachhaltig prägen und mitgestalten, Arbeitsplätze in diversen Bereichen schaffen und Kooperationen mit Forschungszentren in Tschechien und Polen bilden. Es wäre ein Meilenstein für Forschung und Technologie in der Region in der Mitte Europas.


    „Die Astrophysik strebt danach, dem Universum seine Geheimnisse zu entreißen. Um dieses Ziel zu erreichen, überschreitet sie kontinuierlich die Grenze des technologisch Machbaren. Die entwickelten Technologien finden dann den Weg in die Gesellschaft, wie zum Beispiel Produkte wie Digitalkameras, Gleitsichtbrillen oder das WLAN eindrucksvoll bezeugen“, so Prof. Dr. Matthias Steinmetz, wissenschaftlicher Vorstand des AIP.


    Das Konzept des DZA ruht auf drei Säulen: Erstens sollen die Datenströme zukünftiger Großteleskope, wie dem Square Kilometre Array und dem Einstein-Teleskop, in Sachsen gebündelt und verarbeitet werden. Sie machen ein Mehrfaches des Datenverkehrs im heutigen Internet aus und erfordern neue Technologien. Das Zentrum soll den Daten-Tsunami bändigen und auf diese Weise auch die Digitalisierung Deutschlands beschleunigen.

    Zweite Säule soll ein Technologiezentrum sein, in dem unter anderem neue Halbleitersensoren, Silizium-Optiken und Regelungstechniken für Observatorien entwickelt werden. Aufbauend auf der Erfahrung und dem modernen Umfeld der Industrie in Sachsen, werden so durch Ausgründungen neue Firmen und weitere hochwertige Arbeitsplätze entstehen.


    Drittens soll die Ansiedlung des bereits in Planung befindlichen europäischen Gravitationswellen-Observatoriums „Einstein-Teleskop“ im Granit-Stock der Oberlausitz geprüft werden. „Der Granit-Stock bietet ideale Bedingungen, der Bau des Teleskops unter der Erdoberfläche würde an die Bergbau-Tradition der Region anknüpfen und wäre ein internationales Leuchtturm-Projekt“, erklärt Christian Stegmann, DESY-Direktor für Astroteilchenphysik und Unterstützer des DZA.


    Weitere Informationen: www.deutscheszentrumastrophysik.de

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