Temperatursensor für Motorfokussierer - wo am Teleskop anbringen?

  • Hallo zusammen,


    ich habe kürzlich einen ZWO EAF Motorfokussierer mit Temperatursensor angeschafft. Dieser ist bereits montiert und funktioniert grundsätzlich. Der Test unterm Sternhimmel steht noch aus.


    Nun stellt sich mir die Frage, wo genau am Teleskop der Temperaturnehmer installiert werden muss, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Ich nutze einen TS Triplet Apo und habe mal gelesen, dass der Sensor außen am Tubus in Höhe des Objektivs angebracht werden soll. Ist das die richtige Stelle? Dass der Sensor gegen die Außentemperatur isoliert werden soll, ist mir geläufig.


    Was sind eure Erfahrungen oder Tipps? Wie sehen eure Lösungen aus? Ich habe weder in der EAF Anleitung noch anderweitig im Internet konkrete oder verlässliche Angaben gefunden.


    Danke für eure Einschätzungen.


    Grüße,


    Jens

    Zeit ist etwas, das verhindert, dass alles auf einmal passiert!

  • Hallo Jens ...

    eine tatsächlich hilfreiche Info habe ich leider auch nicht.

    Ich selber würde auch sagen "so nah als möglich" am Objektiv ?

    Ich habe eine weitere Frage.

    Woher kennt das Gerät ohne " Temp. Messreihe ? " die veränderte Ausdehnung genau Deiner Optik, bzw. auch anderer bestimtmt sich verändernder und entscheidender " Metallteile ".

    Event. wird die " Softwareentscheidung" zur Verstellung des Fokus auch die Veränderung der " Sterndurchmesser - fwhm ? " heranziehen.

    Dann ist wohl die Sensorposition nicht " ganz so " wichtig ?

    Aber wie gesagt ... es ist eine Frage , keine Antwort oder wissen.

    Gruss

    Marco

  • Hi Marco,

    ich gehe mal davon aus, dass ein Anlernprozess nötig sein wird. In der ASI-App ist auch ein Button für "Auto-Fokus", wobei ich im Internet gelesen habe, dass das nicht ganz so zufriedenstellend funktionieren soll. Ich werde es mal ausprobieren und berichten.

    Grüße,

    Jens

    Zeit ist etwas, das verhindert, dass alles auf einmal passiert!

  • Hallo Jens

    Also eigentlich ist es egal wo du den Sensor anbringst, so zumindest meine Erfahrung.

    Die Temperatur der optischen Elemente ändert sich ja im gleiden Verhältnis wie die Umgebungstemperatur, vielleicht mit einer geringen zeitlichen Differenz.

    Bei der Asiair hast du ja auch div. Möglichkeiten die Überprüfung des Fokus zu wählen.

    Na einer gewissen Zeit, bei Filter wechsel oder einer wählbaren Temperaturdifferenz.

    Ich nutze meist die Kombi aus Zeit und Temperatur.

    Der Autofokus hat bisher immer gut gepasst. Wichtig ist auch das man

    den Bachslash des OAZ einmal ermittelt.

    Zu der Frage wie die Asiair die Temp. Differenz ermittelt kann ich nur vermuten das wenn die Aufnahme Serie gestartet wird der aktuelle Wert gespeichert wird, und dann nach erreichen der gewählten Differenz der Fokus überprüft wird, und dann wieder der aktuelle Temperaturwert neu gespeichert wird.

    Ein Anlernprozess gibt es da nicht.

    Grüße

    Andreas

  • Hi Andreas,

    danke dir. Es ist gerade klar, ich teste die Fokusgeschichte gerade und stelle fest, dass der Autofokus doch in der Tat ganz gut läuft. Ich würde das mal immer wieder mit einer Bahtinovmaske überprüfen, sieht aber wirklich sehr gut aus.

    Wie ermittelt man den Backlash? Da habe ich jetzt nur ein Feld gefunden, in welches man manuell einen Wert eingeben muss?


    Grüße,


    Jens

    Zeit ist etwas, das verhindert, dass alles auf einmal passiert!

  • Und noch eine Frage...: eine Funktion, die die Temperatur ausliest und den dazugehörigen, zu erwartenden Fokuswert einstellt, gibt es nicht?

    J

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  • Hi Jens,

    ich nutze auch den EAF am 90er Triplet.

    Der Sensor hängt bei mir direkt am EAF,

    gesteuert wird das ganze per APT wo ich einen Backlash eingegeben kann,

    die Temperatur-Kompensation aktiviert ist und natürlich einen Wert für Steps/°C eingetragen habe.


    Fokussieren tu ich ausschlieslich per Bahtinov-Maske,

    obwohl APT mittlerweile anscheinend über eine tolle Autofokus - Routine verfügt (muss ich mal noch ausprobieren).


    Mir ging es nur um den Fokus - Drift,

    bei mir bleiben seither die Sterne vom ersten bis zum letzten Foto gleich :thumbup:


    Bei Bedarf kann ich ja mal die Werte raussuchen.


    MfG

    Chris

    TS APO 90/600 / Riccardi Red. 0,75 / Nikon D5600a / CEM25P / MGEN II am 60mm Sucher ;)

  • Hi Chris

    und danke für deine Antwort. APT habe ich auch mal eine Lizenz erworben, da ich aber komplett weg von Laptop und auf Tablet schwenken möchte, wäre das nur die zweite Wahl. Ich hoffe, die ASI AIR App wird da noch nachgerüstet. Deine Driftwerte wären aber in der Tat mal interessant.


    Die Autofokusfunktion klapt doch ganz gut, wie ich gestern festgestellt habe. Die Fokusdrift allerdings mus snoch versorgt werden. Ich habe mal angefangen, eine Tabelle zu erstellen, Fokuslage in Abhängigkeit von der Temperatur. Hilfsweise habe ich voreingesellt, dass bei jedem Grad Änderung eine neue AF-Routine gestartet wird. Die zwei Minuten Dauer dafür kann man entbehren.


    Auf jeden Fall ergeben sich dadurch neue Möglichkeiten bzw. der Komfort nimmt deutlich zu. Feine Sache!


    Grüße,


    Jens

    Zeit ist etwas, das verhindert, dass alles auf einmal passiert!

  • Hallo Jens

    Den Backslash kannst du folgendermaßen ermitteln.

    Als erstes am OAZ Drehknopf (einer ist ja noch vorhanden)

    eine gut sichtbare Markierung anbringen, z.B eine kleine Fahne aus Klebeband.

    Dann den EAF manuel in eine Richtung tippen bis du eine Bewegung erkennst. Jetzt diese Positionswert vom EAF merken.

    Dann die Schrittweite auf 10 Steps stellen und den EAF manuel in die andere Richtung bewegen bis du wieder eine Bewegung an dem Fähnchen erkennst.

    Jetzt hast du einen zweiten Positionswert.

    Die Differenz beider Werte ist dein Backslash.

    Zur Sicherheit macht man dies in beide Richtungen, am besten zwei Mal, dann hast du einen sicheren Wert .

    Grüße

    Andreas

  • So,

    hab hier die Werte,

    der Backlash ist direkt am EAF mit 30 eingetragen,

    im Bild die Werte von APT (also 15 Steps/°C),

    kannst ja ausprobieren ob die Werte bei Dir klappen 8o

    TS APO 90/600 / Riccardi Red. 0,75 / Nikon D5600a / CEM25P / MGEN II am 60mm Sucher ;)

  • Hallo Jens,


    ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, den Sensor etwa in der Tubusmitte anzubringen, ausreichend weit von der Tauheizmanschette entfernt. Die sitzt zwar auf der Taukappe, aber trotzdem...


    Zur Isolierung habe ich eine ordentliche Lage Verbandmull und selbsthaftende Mullbinden (Elastomull) verwendet. Das hinterlässt keine Kleberspuren und passt auch von der Farbe.


    Was den Backlash angeht, hilft, vor allem, wenn man mit Filtern und Offsets arbeitet, nach meiner Erfahrung eigentlich nur die "overshoot" Methode, wie sie z. B. in NINA oder im MFOC implementiert ist. Alle anderen Methoden haben bei mir nur unzureichend funktioniert.


    Eine Anmerkung noch zur Methode. Den Gradienten (steps/°C) kann man anhand der mit Bahtinovmaske kontrollierten Werte einer Nacht mit ausreichend Temperaturunterschied ermitteln. Die Werte in Excel eingeben und die Formel für die Steigung der Ausgleichsgeraden ermitteln lassen (heißt in Excel "Trendlinie"). Oder grafisch auswerten, oder Lineare Regression mit Taschenrechner machen. Es reicht aber nicht, Werte am Anfang und am Ende der Nacht zu nehmen, da man erst einmal absichern muss, dass das jeweilige Gesamtsystem aus Linse/Spiegel und Tubus sich auch linear verhält.



    Eine temperaturgesteuerte, kontinuierliche, softwaregesteuerte Nachführung zwischen den Frames, wie es NINA und wohl auch APT erlauben, ist auf jeden Fall besser als wiederholte Nachfokussierungen mit Autofokus z. B. je 1 Grad Temperaturänderung. Nicht nur, weil man Belichtungszeit verliert, auch wandert der Fokus immer erst bis zu einer Toleranzgrenze, bevor er korrigiert wird. Das kostet Bildqualität. Es besteht auch das Risiko, dass zu dem Zeitpunkt gerade eine Schleierwolke oder etwas anderes den Autofokus beeinflusst, was dann die folgenden Bilder bis zum nächsten Autofokus verschlechtert. Schließlich ist 1 ° zumindest für Systeme wie meines (TS 130/910) zu viel Spanne. Mein Gradient für das 130/910 beträgt 64 micron/°C und meine Toleranz für einen scharfen Fokus etwa 25 micron. Das bedeutet, dass ich jede 0.3°C nachfokussieren müsste, wenn nicht temperaturgesteuert kontinuierlich nachgeführt würde. Das wären eine Menge Autofokus-Runs jede Nacht.


    Mit einer wie auch immer realisierten, kontinuierlichen Anpassung kann der Fokus die ganze Nacht halten. Wenn man Filter verwendet und eine Software benutzt, die auch mit Offsets und Backlash gut umgehen kann, geht das sogar bei beliebig vielen, sequenzgesteuerten Filterwechseln. Als Beispiel ein Screenshot, den ich gestern morgen nach einer vollautomatischen Ha/R/G/B Aufnahmenacht von M 106 gemacht habe.






    Man sieht an den anfangs ansteigenden und am Ende abfallenden Sternanzahlen (gelbe Linie), dass von nautischer Abenddämmerung bis zur nautischen Morgendämmerung fotografiert wurde. Es gab nur einen einzigen automatischen Fokus am Ende der astronomischen Abenddämmerung (weißes Dreieck). Die grüne Linie zeigt die Sternqualität (HFR). Leider fehlt hier die linke Achsenbeschriftung. Der HFR liegt so bei 2,6-2,8 und bleibt bis auf die Schwankungen durch die unterschiedlichen Filter die ganze Nacht konstant. Auf den jeweiligen Filter bezogen liegt die Schwankung deutlich unter 10% . Diese Schwankungen sind allein auf atmosphärische Änderungen (Transparenz, Seeing) und das Guiding zurückzuführen.


    Diskontinuierliches Nachfokussieren, z. B. nach Temperaturgrenzen oder HFR-Toleranzwerten verursacht zwangsläufig einen Sägezahnverlauf der HFR-Kurve oder halt sehr viele Fokus-Runs. Jetzt kann man sagen, man möchte das tolerieren. Aber Fehler addieren sich und wenn man schon einen Motorfokus mit Temperaturgeber besitzt, wäre mein Rat, den auch optimal einzusetzen.


    Viele Grüße

    Peter

  • Ui, ein Haufen Input. Danke dafür euch allen. Ich führe mir das mal zu Gemüte und versuche das bestmöglich zu verarbeiten.

    Peters 130/910 dürfte ja nicht so unähnlich zu meinem 130/860 sein. Ich habe auch mal 1,0 Grad als Toleranzgrenze eingestellt. Die ersten Tests gestrn abend waren vielversprechend, für Freitag ist eine klare nacht vorhergesagt. Der helle Mond dürfte zwar "ernstzunehmenden" Erwartungen entgegenstehen, aber für Fokustests ist das perfekt.

    Bleibt auch abzuwarten, was ZWO noch an zukünftigen Optimierungen in die App packt. Scheinbar ist schon eine Beta raus, die zumindest Multistarguiding erlaubt.


    Danke nochmal.


    Grüße,


    Jens

    Zeit ist etwas, das verhindert, dass alles auf einmal passiert!

    Edited once, last by kopfgeist ().

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