M35, M44, M67 und Epsilon Lyrae

  • Liebe Sternfreunde,


    am Ostersonntag gab es klaren Himmel in Wien und das nutzte ich, um ein drei schöne Messier-Objekte in den Zwillingen und im Krebs zu erkunden. Zudem erfreute ich mich an Double-Double, einem entzückenden Vierfachsystem in der Leier. Die Bedingungen waren typisch für den Stadtbereich, der Himmel relativ hell, Seeing 2, 4 Grad Celsius. Die Grenzgröße bestimmte ich mit 3,1 mag (i Ursae Majoris).

    Meine Beobachtungen habe ich in Zeichnungen festgehalten.


    M35 in Gemini:
    Der 5 mag helle offene Sternhaufen - auch "Shoe-Buckle-Cluster" genannt ist 2800 Lichtjahre entfernt. Mit 94-facher Vergrößerung konnte ich die helleren Sterne gut auflösen. Im Zentrum der Zeichnung steht der 8 mag helle Stern HIP 29148. Alle anderen größer eingezeichneten Sterne leuchten mit 7-11mag, die kleinen Pünktchen sind alle schwächer als 12 mag.



    21:40 MESZ
    Maksutov 127/500, ES Okular f=16mm, V=94x, FOV=0,73 Grad, Zenitspiegel


    M44 im Cancer:
    Die Praesepe ist 580 Lichtjahre von der Erde entfernt und ein herrlicher offener Sternhaufen. Ich eine Zeichnung ohne und eine mit den Sternbezeichnungen erstellt, da ansonst der Eindruck von dem offenen Sternhaufen verloren geht. In M44 befinden sich zahlreiche Doppelsterne: HIP 42497A, HIP 42549, 40 Cnc, 41 Cnc. Der Stern 38 Cnc ist ein Pulsar.
        

    22:30 MESZ
    Maksutov 127/500, ES Okular f=16mm, V=50x, FOV=1,04 Grad, Zenitspiegel


    M67 in Cancer:
    In dem 2700 Lichtjahre von der Erde entfernten offenen Sternhaufen konnte ich mit 94-facher Vergrößerung die helleren Sterne gut erkennen. Das Zentrum des Haufens zeigte sich als ein blasses weißes Nebelgebilde.
    Der Stern im Norden (8,2 mag) diente mir als Referenzstern beim Anfertigen der Zeichnung. Bei HIP 4365 ist leider ein Schreibfehler passiert ;) Die korrekte Bezeichnung des 10 mag hellen Sterns lautet HIP 43465. HIP 43491 ist 10 mag hell und HIP 43519 bringt es immerhin auf 8 mag und ist "nur" 1000 Lichtjahre entfernt. Er steht also der Erde beträchtlich näher als viele andere Sterne in diesem Haufen.



    23:00 MESZ
    Maksutov 127/500, ES Okular f=16mm, V=94x, FOV=0,73 Grad, Zenitspiegel


    Double-Double ε Lyrae:
    Nach 1 Uhr früh ging bereits die Leier im Osten auf. Ich beobachtete zum ersten Mal das spektakuläre Vierfachsystem ε Lyrae, welches auch Double-Double genannt wird. Dieses anmutige, weiß strahlende Sternenquartett hat mich total begeistert.

    Das Vierfachsystem ist 160 Lichtjahre von der Erde entfernt und besteht aus den beiden 209" voneinander entfernten Komponenten ε1 und ε2, die selbst wieder Doppelsterne sind. Der nördliche Doppelstern ε1 ist 5 mag hell und wird in einer Distanz von 2,3" von einem 6 mag hellen Stern begleitet. Das Doppelsystem ε2 besteht aus zwei fast gleich hellen Sternen - 5,2 und 5,5 mag - die sich in einem Abstand von 2,4" umkreisen.



    5.4.21, 01:20 MESZ
    Maksutov 127/500, Omegon Super LE Okular, f=7mm, V=214x, FOV=0,32 Grad, Zenitspiegel

    Liebe Grüße,

    Christian

  • Hallo Christian,


    Nach der Grenzgrösse zu Urteilen hast du aus der Stadt heraus beobachtet. Es sind dennoch schöne Beobachtungen und Zeichnungen geworden.


    Ich weis nicht was du für Teleskope hast und wie dein Zugang zu einem dunklen Standort ist:

    In Messier 44 gibt es Galaxien die theoretisch erreichbar sein sollten. Ich habe diese Galaxien selbst noch nicht aufgesucht da mir derzeit durch Corona der Zugang zu meinem dunklen Standort im Steigerwald verwehrt bleibt.

    Vielleicht ist das ein Ziel für mittlere bis größere Teleskope an einem dunklen Standort.


    Viele Grüße

    Gerd

  • Nach der Grenzgrösse zu Urteilen hast du aus der Stadt heraus beobachtet. Es sind dennoch schöne Beobachtungen und Zeichnungen geworden.

    Ich weis nicht was du für Teleskope hast und wie dein Zugang zu einem dunklen Standort ist:

    In Messier 44 gibt es Galaxien die theoretisch erreichbar sein sollten. Ich habe diese Galaxien selbst noch nicht aufgesucht da mir derzeit durch Corona der Zugang zu meinem dunklen Standort im Steigerwald verwehrt bleibt.

    Hallo Gerd,


    ja, genau, diesmal habe ich von meiner Hinterhof-Dachterrasse im 2. Wiener Bezirk beobachtet. Mehr als 3-3,5 mag Grenzgröße gibt es da leider nicht. Z. Zt. habe ich nur den Maksutov (und einen Mini Dobson für meinen Sohn ;-) ), aber ich bekomme in Kürze einen 200/1000 Newton und eine EQ6-Pro. Dann werde ich bestimmt mehr sehen :-)


    In Österreich darf man trotz Lockdown zumindest (alleine) raus. Bei nächster Gelegenheit werde ich dann wieder aus der Stadt rausfahren. Meist fahre ich nach Großmugl, dort ist bei guten Bedingungen Grenzgröße 5-6. Z. B. war ich dort am 31.3. und konnte M105 und M57 deutlich sehen. Auf meiner Terrasse habe ich vorgestern nur ein winziges weißes Nebelfleckchen von beiden wahrgenommen. Leider hat Corona die Lichtverschmutzung in der Stadt nicht reduziert.


    Wenn du die Galaxien in M44 beobachtet hast, freue ich mich auf deinen Bericht.


    Liebe Grüße,


    Christian

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