Galaxiennacht zu Ostern

  • Vorbereitung


    Nachmittags baute ich die Lichtschutzplanen und den Achtzöller auf der Plattform im Garten auf und bereitete mich mittels BafK und is DSA(tlas) auf die Nacht vor.


    In der Nacht vom 03. auf den 04. April 2021 gab es einen außergewöhnlich klaren Himmel mit ebenso ungewohnt wenig Luftfeuchtigkeit. Eine feine Reifschicht zeigte die Minustemperaturen an, das Sky Quality Meter sagte 21,7xm als dunkelsten Mittelwert und der Gürtel des Orion versank tatsächlich erst ganz unten am Horizont.


    Einstieg


    Meine Reise begann gegen 22:00 Uhr an Hubbles Veränderlichem Nebel, bei 120x im 10mm Okular schön anzusehen, mit 17mm ein wenig zu klein, aber das brauchte ich für den Christmastree-Cluster nahebei. Auf Filterexperimente stand mir heute der Sinn nicht.


    Hinauf schwenkte der Dobson und der Rigelkreis wies mir den Weg zum Intergalaktischen Wanderer, NGC 2419, 120x, mehr hätte auch nichts gebracht, denke ich, denn dies ist eines der Objekte, wo das Wissen der Fakten darum interessanter erscheint, zumindest mit 8".


    In meinem Kopf spielte unablässig die elektronisch verzerrte Stimme der Beastie Boys: Intergalactic. Cool.


    Die Bärentatzengalaxie, NGC 2537 läutete den Tenor des Abends ein, 10mm, 120x, das Okular rostete fast fest in dieser Nacht und das war mal ein Ausgleich zum wilden Rumgewechsle mit mehr objektdurchmischten Nächten. Ich fand sie, die Galaxie, und war zufrieden, aber unbeeindruckt.


    Bevor Andromeda zu tief in den Nordhimmel runterschwang, rotierte der Dobson noch kurz zu Messier 52 und der dortigen Nova, die ich zuvor mehrmals bereits mit Ferngläsern beobachten konnte. Keine neuen Erkenntnisse trotz höherer Vergrößerung.


    Hauptakt


    Die ganze Nacht über rief eine Unke hinten im Wald, was mich am Ende der Session tatsächlich etwas nervte. Das ist selten.

    Ein Nachtvogel drehte zweimal einen Kreis über mich hinweg und machte dabei ein eigenartiges Klackgeräusch.

    Dann, als ich einmal meinen Beobachtungsplatz verließ und ein paar Meter Richtung Obstbäume ging, schreckte ein nächtlicher

    Räuber auf ein hastete davon in der Dunkelheit. Sein Weg war aber gut durch Laub- und Zweigknacken nachzuverfolgen.


    Nun wurde es Zeit, mein Hauptbeobachtungsgebiet anzusteuern: Die Jagdhunde.

    Messier 94 war mir im BafK aufgefallen und kurzentschlossen sah ich sie mir an, die Catseye-galaxy. 120x, ein heller Flausch mit starkem Kern, der Halo blieb mir indes verwehrt.

    Kurz an Cor Caroli die Dunkeladaption mit Füßen getreten, aber die Orientierung wiedererlangt, und so konnte ich schnell NGC 4618 und NGC 4625 betrachten.

    Dies geschah auf dem Weg zu den beiden tollen Objekten NGC 4490 und NGC 4485, die sich gegenseitig gravitativ verwurschteln. 4490 war der eigentliche Grund, hier zu sein. Wie ein verwischtes Parallelogramm stand sie da, mit knotigem Inneren, diffuse Details flackerten im indirekten Sehen auf.


    Ich versuchte mir vorzustellen, wie sich die Dynamik im Einflussbereich der Galaxien anfühlt, wer dort oben in der ersten Reihe in den Himmel schaut und

    das Schauspiel betrachtet und doch nichts erkennt, denn viel zu langsam wird sich all das abspielen. "Hup.", "Hup.". Die Unke. Tee floss, Handwärmer wurden aktiviert.


    Etwas südwärts schwebt die Silbernadelgalaxie, NGC 4244. Mit einem 10:1 Größenverhältnis hatte ich sie ausgewählt, um der "echten" Nadelgalaxie ein wenig Ruhm abzugewöhnen. Im BafK erstrecken sich die Enden dieser relativ homogenen Galaxie im indirekten Sehen auf der einen Seite bis fast zu einem optischen Doppelsternchen,

    und am Anderen etwas unsymmetrisch in den leeren Raum. Ich schenkte dem Objekt einiges an angestrengter Aufmerksamkeit.


    Es wurde Zeit für den herausragenden Star des Abends: Die Nadelgalaxie NGC 4565. Nur grob drückte ich das Gesichtsfeld mittels Rigel und dann per Suchfernrohr mit eingeschaltetem Leuchtfadenkreuz in die Region. Als erstes schwenkte ich NGC 4494 ins Okular, verweilte nur kurz, denn nun wusste ich, dass ich gleich am Ziel sein würde.

    Als die Nadelgalaxie auftauchte, stand sie erhaben im Raum, und augenblicklich zeigte sie sich im direkten Sehen in all ihrer Anmut. Der kleine Stern direkt über dem hellen Zentrum, die feinen, unendlich langen Nadelenden, und, ohne daran gedacht zu haben, tauchte auch der übers Zentrum laufende Staubstreifen auf.

    Der Gipfel war erreicht.


    Ausklang


    Messier 51 und 101 waren überaus beeindruckend, einfach zeigten sich deren Spiralarme, die Drehrichtung war sicher erkennbar. Messier 51 zeigte diesen winzigen Stern nahe dem Galaxienzentrum. Diese Eindrücke hätten einen Nacht allein krönen können.


    Noch immer zeigte sich vom Mond wenig bis nichts, es musste bereits 01:30 Uhr sein. Zufrieden für heute ging ich mit Okularkiste und Kartenordner in mein Sternenzimmer und legte mich hin, so dass ich den Himmel noch durchs Glasdach betrachten konnte, bis die Gedanken mich in den Schlaf davontrugen.


    CS,

    Henning

  • Hallo Henning,


    Das ist ein schön geschriebener Bericht.


    Die Bärentatze habe ich in 8" auch nicht anders gesehen. Etwas besonderes zu dieser Galaxie habe ich bei meiner Beobachtung auch nicht vermerkt. Messier 94 habe ich tatsächlich noch nicht beobachtet, fällt mir gerade so auf...

    Die beiden Nadelgalaxien sind immer wieder schön im Okular und einem Besuch wert.


    Von Messier 51 konnte ich mit 8" Öffnung ebenfalls die Spirlarme sehen, eine Beobachtung mit 12" steht noch aus. Auch bei Messier 101 konnte ich mit 8" Spiralarme sehen, die Beobachtung mit 12" war deutlich detaillierter. Ebenso konnte ich mit 8 und 12" die HII Regionen in Messier 101 sehen.


    Viele Grüße

    Gerd

  • Danke, Gerd.


    Natürlich musste ich an Dich denken, als ich in den Jagdhunden unterwegs war.

    Ich bemerke, dass man auch ohne Messier-Seepferdchen zu einer Beobachtungsgröße werden kann.

    Du bist immer so fleißig am berichten, dass ich mir garnicht vorstellen kann, wie Du nicht jedes sich anbietende Objekt schon

    mehrmals angsteuert hast.

    HII-Regionen hast Du mit dem H-Beta-Filter beobachtet?

    Ich habe OIII, Quasi-UHC (breiter OIII von ES) und recht neu einen Kometenfilter.

    Lohnt sich Deiner Ansicht nach die visuelle Beschäftigung von HII-Regionen mit 8"?


    CS,

    Henning

  • Hallo Henning,


    Du bist immer so fleißig am berichten, dass ich mir garnicht vorstellen kann, wie Du nicht jedes sich anbietende Objekt schon

    mehrmals angsteuert hast.


    Es kam eben im Laufe der Jahre so einiges zusammen. Inzwischen ist es auch so, und ich möchte damit nicht überheblich wirken, das ich durch meine Erfahrung und Vorgehensweise am Teleskop die Objekte am Himmel in sehr kurzer Zeit finde. So geht bei mit wenig Zeit vom Aufsuchen der Objekte verloren und ich habe mehr Zeit für das eigentliche Beobachten.


    HII-Regionen hast Du mit dem H-Beta-Filter beobachtet?


    Nein, mit einem [OIII] Filter. Den Hβ hatte ich damals noch nicht.



    Lohnt sich Deiner Ansicht nach die visuelle Beschäftigung von HII-Regionen mit 8"?


    Ja, meiner Meinung unbedingt.

    Ich konnte mit 8" die HII Regionen in der Galaxie Messier 33 und Messier 101 sehen. Wenn ohnehin schon ein Filter vorhanden ist, dann setze ihn einfach mal ein.

    Bei meiner Beobachtung zu Messier 33 habe ich vermerkt das ich die HII Regionen ohne Filter beobachtet habe:


    Beobachtet mit 8"/f4.


    Die HII Regionen in der Galaxie Messier 101 habe ich ohne Filter beobachtet.

    Meine Beobachtung mit 8"/f4 bei einer Vergrößerung von 91 und 119x:


    Quote

    Große und helle Galaxie. Heftig Strukturiert.

    Helle und dunkle Gebiete wechseln sich auf der Scheibe ab. Kleinerer, etwas hellerer Kern.

    Den Süd– Ostarm kann ich mit einem dunklen Zwischenraum zur Scheibe verfolgen. Nach längeren beobachten kann ich auch den Ost– Nordarm und Teile vom West– Südarm erkennen.

    Die H II Regionen NGC 5447, NGC 5461 und NGC 5462 kann ich als deutlich flächige Aufhellungen erkennen. NGC 5471 ist eine runde, flächige Aufhellung.

    Mit 91x ist die Galaxie besser zu sehen, und auch die Arme sind besser definiert.


    Die Beobachtung mit 12" mit Vergrößerungen von 136 und 179x gab dazu mehr her:



    Ich kann dir nur raten an einem dunklen Ort auf die HII Regionen in diesen Galaxien zu achten.

    Für Messier 33 kann diese Karte eine Hilfe sein, für Messier 101 diese Karte. Für Messier 101 gab es es eine bessere Karte im Net, diese existiert aber nicht mehr.


    Viele Grüße

    Gerd

  • Hallo Henning,


    gratuliere zur schönen Nacht da oben. Ich denke auch Du hast das Maximum eines 8" raus geholt. Die Beschreibung der 4565 Nadel ist so, wie ich sie an meinem 8" schon lange nicht mehr erlebt habe - erinnere mich aber dunkel daß es so geht: lange Zipfel und schönes Dunkelbändchen. Beim letzten mal im März war es irgendwie ohne die langen Zipfel und vom Bändchen nur mit Selbsthypnose was "gesehen".


    Auch diese Nacht auf Ostersonntag wollte ich, wie Du eigentlich raus auf den Acker. Hab schon Montierung und Geraffel Mittags zum Auto runter getragen. Aber den ganzen Tag und auch Abends zogen hohe, breit verfederte Zirren quer durch die Gegend, und mein innerer Schweinehund hat spät abends dann gewonnen. Wozu der Aufwand (2h für Packen, Fahrt, Umziehen, Aufbau) wenn sowieso nur ein wahrscheinlich verzirrter Himmel lockt? Und gestern abend war es sogar gleichmmäßig weißlich eingemilcht, diesmal tiefer Diesigkeitsschmodder, dafür ohne jegliche Bewölkung. Heute hol ich alles wieder vom Auto hoch in die Wohnung...


    CS,

    Walter

  • Hallo Gerd und Walter,


    Gerd:

    Danke für die Aufklärung. Ich werde das mal angehen, insbesondere auch mit Filtern. Messier 33 war bisher immer ein zurückhaltendes Objekt, ich sehe, dass sie erst im Herbst am höchsten steht. Wetterthematik siehe unten.

    Generell bin ich bisher leidiglich bei der Andromedagalaxie der Herausforderung nachgegangen, den dortigen Kugelsternhaufen G1 zu beobachten. Wenn ich das verallgemeinere, dann erweitert sich das Potenzial des Himmels, insbesondere mit mehr Öffnung, enorm.

    Nicht nur mehr Objekte werden erreichbar, die bestehenden Objekte selbst "öffnen" sich einem nochmal ganz unerwartet.

    Das lässt mich wieder nach mehr Öffnung schielen.

    Messier 101 war durchaus gut zu sehen, das bedeutet bei mir aber eher das Äquvalent zu einem mit Fingerfarben und Daumen angefertigten Schwarzweissbild. Wie gesagt, Spiralarme sind da, hinreichend für die Drehrichtungsbestimmung. Diese kondensierten Knoten wie im Bild sind aber bisher nicht herausgekommen. Ich werde da dennoch mal dranbleiben.


    Walter:

    Nicht jede Nacht bringt solche Anblicke und das Berichten über herausragende Nächte verzerrt den Eindruck der Beobachtungsrealität.

    Die Anmerkung, die Nadelgalaxie halbwegs problemlos gefunden zu haben, deutet ja darauf hin, dass ich dort schön öfter vorbeigeschaut habe. Ich drehe mich auch teilweise im Kreis, Inspiration ist also immer gern gesehen.

    Jedenfalls habe auch ich dieser Tage nur diese eine Nacht nutzen können, davor und danach war es hier bewölkt.

    Gerade vergangenes Jahr wars hier auch ewig total feucht. Wir wohnen hier nur 75m über NN.

    Ich schätze, so 3 bis 5 sehr gute Nächte hab ich pro Jahr, und ansonsten "ist immer irgendwas".


    CS,

    Henning

  • Hallo Henning,


    Generell bin ich bisher leidiglich bei der Andromedagalaxie der Herausforderung nachgegangen, den dortigen Kugelsternhaufen G1 zu beobachten.


    Konntest du den Kugelsternhaufen sehen? Mit 8" schaffte ich es, mit 12" steht dieser Kugelsternhaufen noch aus.


    Nicht nur mehr Objekte werden erreichbar, die bestehenden Objekte selbst "öffnen" sich einem nochmal ganz unerwartet.


    Ich sehe es an meinem Beobachtungen das die größere Öffnung so manche Objekte besser sichtbar machen und vor sich vor allem weitere Strukturen herauslösen lassen.


    Ich werde da dennoch mal dranbleiben.


    Mach das unbedingt. Das lohnt sich.

    Ich habe mir für diese Beobachtungen am Okular viel Zeit gelassen. Sehr sinnvoll ist es auch unterschiedliche Vergrößerungen einzusetzen.


    Viele Grüße

    Gerd

  • Hallo Gerd,


    Ja, G1/Mayall habe ich finden können und beobachtet! Hab das auch in einem meiner Berichte dokumentiert.


    Öffnungsfieber: Chronisch, latent. Bisher noch nicht akut.


    Habe mir heute Nachmittag die Karten der HII-Gebiete von Messier 33 und 101 ausgedruckt.

    120x empfnde ich als gewinnbringend bei "Standard"-Galaxien. Messier 31 ist eher eine Kandidatin für 33x.

    Ich erinnere mich noch an die Filterdiskussion für Galaxien. Quintessenz war, das Filter nichts bringen.

    HII-Regionen sind da sicher wieder ein Sonderfall.


    Danke für die Inspiration!


    CS,

    Henning

  • Messier 31 ist eher eine Kandidatin für 33x.

    Hallo,


    Gerade die Staubbänder oder besser gesagt, die einzelnen Spiralarme dieser Galaxie konnte ich mit höheren Vergrößerungen besser herausarbeiten als wie mit niedrigen.


    Viele Grüße

    Gerd

  • Post by Henning81 ().

    This post was deleted by the author themselves: Doppelt gesandt. ().
  • Moin,


    Das ist interessant.

    Bei höherer Vergrößerung fehlte mir an Messier 31 immer der Kontrast.

    Ich kann sogar sagen dass sie bei mir zwischen meinem 20x80 Fernglas und 33x im Achtzöller am besten erschien.

    Wir wollen aber festhalten, dass das Detailerkennen bei Dir ein ganz anderes zu sein scheint.

    Will sagen, ich sehe bis zu zwei Staubbänder, erinnere aber an den Fingermalfarbenvergleich.

    Am anderen Ende der Skala wäre dann beispielhaft der Cirrusnebelkomplex oder der Orionnebel, was Detailsicht angeht.

    NGC 4565 stellt eine von wenigen Ausnahmen bei den Galaxien dar. Aber auch hier: Ich kann nicht zu hoch vergrößern, maximal 120x.


    CS,

    Henning

  • Hallo Henning,


    Wir wollen aber festhalten, dass das Detailerkennen bei Dir ein ganz anderes zu sein scheint.

    Eine Theorie dazu von mir, die wahrscheinlich nicht zu halten ist:


    Eventuell sehe ich mehr Details da ich mich mit meinem auf einer Montierung aufgebauten und damit nachgeführten Teleskop komplett auf das Objekt konzentrieren kann.

    Selbst wenn ich hohe Vergrößerungen anwende muss ich zum einem mein Teleskop nicht nachführen, zum anderen nicht berühren und kann auch noch mit den Händen sämtliches Streulicht das zwischen dem Okular und dem Auge eindringt abschirmen.


    Wenn ich die Vergrößerung wechsle oder eine Pause mache muss ich auch nicht das Objekt zurückholen sondern ich kann an der gleichen Stelle weiter machen.


    Eventuell unterstützt mich das nachgeführte Teleskop in der Erkennung schwacher Strukturen.

    Wie geschrieben, das ist eine sehr graue Theorie.


    Viele Grüße

    Gerd

  • Hallo Henning,


    Um Gerd's grauer Theorie noch ein paar Punkte hinzuzufügen:


    - Dunkeladaption. Bei mir war am Dobson ein Auge für den Blick durchs Okular reserviert und das andere für Karte/Sucher etc. Ich finde, das macht einen Unterschied, auch mit Rotlicht. Eine Augenklappe kann dabei hilfreich sein.

    - Geduld. Eine halbe oder auch ganze Stunde selbst mit einem relativ überschaubaren Objekt ist nicht ungewöhnlich. Details brauchen Zeit, bis sie oft genug über der Wahrnehmungsschwelle waren, dass man sie auch greifen kann.

    - Übung. Diese Art des Detailsehens muss man sich erarbeiten, wenn man über die schnell erfassbaren Strukturen hinauskommen will - obwohl auch diese Spaß machen und man sich auch damit zufriedengeben kann, ohne dass es langweilig wird.

    - Wiederholung. Details, die man schon gesehen und beschrieben oder gezeichnet hat, findet man auch schneller wieder. Das ist dann auch zuverlässiger als das, was man nach ausführlicher Betrachtung von Astrofotos anschließend an Himmel zu sehen glaubt.


    Die Unterschiede zwischen verschiedenen Beobachtern sind da teils recht groß - aber trotzdem macht es doch allen irgendwie Spaß. Wie immer bei den Amateuren hat das Vergleichen wenig Sinn, sonst müsste ich ja auch sofort das Klavierspielen aufgeben...


    Viele Grüße, Holger

  • Hi,


    da es speziell um M31 geht. Und mit 8". Und bei mir ist es auch nachgeführt.


    Im 38mm TSWA (26x) sehe ich Andromeda am Besten was den Umfang angeht, also die Außenpartien, die 3-Grad Größe.

    Von den Staubbändern ist noch wenig zu sehen. Vielleicht diese NGC Region noch als Detail.


    Im 27mm Panoptic (37x) ragt die Galaxie schon über die Okulargrenzen hinaus, aber ein Staubband wird deutlich. Das andere noch nicht. Die Staubkurven "rechts im Okular" (also Osten) eher angedeutet.


    Im 12mm Nagler (83x) sind die Formen am deutlichsten, also auch das zweite Staubband ist klar, das erste sowieso, die NGC Region, und auch deutlich die kurvigen Dunkelwolken. Das ist auch mein Arbeitsokular. Da kann ich an M31 20min und mehr mit verbringen.


    Im 9mm Bereich habe ich leider nur ein Ortho, da wird nix besser, das enge Gesichtsfeld bei dann schon großen Strukturen ist ein Nachteil.


    ers mit 7mm Delos (140x) hab ich wieder ein Weitwinkel, aber da zerläuft schonn alles. Allenthalben für G1 gut.


    Die Nachführproblematik sehe ich bis zum 12mm nicht, umgekehrt ich schalte die Nachführung zeitweise aus, damit(!) es wandert. Die Strukturen werden dann deutlicher. Oder Anstupsen am Teleskop hilft auch.


    Bei M51 ist es mit dem 7mm am Schönsten, die Spiralarme kommen am Besten raus trotz niedriger AP. Ich schätze es ist wichtig das schwächere Licht auf möglchst viele Stäbchen fallen zu lassen, statt hell und konzentriert auf wenige. Das merke ich auch immer wieder an kleinen PN wie dem Carpet Nebula (7027) oder Turtle Nebula (6210), die ich bis zum Maximum (300x..400x) treibe und dann fast schon indirekt schauen muss, so schwach wird die Flächenhelligkeit. Aber es hilft Formen auszumachen. Hier ist die Nachführung natürlich Pflicht, aber auch hier spiele ich mit dem sekundenweisen Abschalten der Nachführung.


    CS,

    Walter

  • Hallo Holger und hallo Walter,


    Das sind interessante und wichtige Punkte für die Visuelle Beobachtung die ihr anspricht.


    Dunkeladaption ist sehr wichtig, gleich danach kommt die Geduld am Okular. Mit einem schnellen hinsehen erschließen sich kaum kleine und schwache Strukturen, die schälen sich erst mit der Zeit heraus.


    Das was Walter schreibt, das anstupsen vom Teleskop oder das "wandern" lassen vom Objekt sind für mich ganz große Hilfsmittel um sehr schwache Galaxien oder Nebel überhaupt wahrnehmen zu können.

    Ich drücke dazu ganz bewusst gegen den Hut vom Teleskop und lasse den wieder langsam zurückfedern. Durch die Bewegung vom Bild im Okular ist so manches schwaches Objekt auf einmal zu sehen. Und einmal gesehen oder wahrgenommen verliere ich das auch nicht wieder.

    Ich schalte allerdings meine Nachführung nicht aus sondern bewege mit dem Handtaster und langsamer Geschwindigkeit das Bild im Okular in sämtliche Richtungen. Auch so finde und erkenne ich so manches sehr schwache und auch kleine Objekt.


    Weitere Methoden die ich anwende sind zum einem die Benutzung einer Irisblende. Mit der lässt sich Streulicht blockieren damit der Hintergrund im Okular dunkler wird. Dadurch steigt der Kontrast vom Objekt zum Hintergrund und sie werden besser sichtbar.

    Zum anderen verwende ich ein Blaze-Gitter Spektroskop um Stellare Planetarische Nebel aufzuspüren. Während die Sterne im Okular zu Fäden auseinander gezogen werden bleibt der Planetarische Nebel wegen seiner Emission in engen Linien ein mehr oder weniger runder und heller Punkt und verrät sich damit eindeutig im Feld.


    Viele Grüße

    Gerd

  • Hallo Gerd,


    das ist ja interessant mit dem Blaze Gitter, gibt es das beim Astro Händler, oder was aus dem medizinischen Bereich oder so? In 2" und auch am Übersichtsokular eingesetzt?


    Ich tue mich immer sehr schwer mit dem Auffinden sehr kleiner PN. OIII Filterblinken im Übersichtsokular bringt bei mir nix, weil ich den OIII vor dem Auge halten muss. Auch die Gefahr den teueren Filer so zu beschädigen (am Okular oder Brille) oder vice versa (Okular, Brille zerkratzen). Und manche PN sind ziemlich schwer aufzufinden selbst mit Detailkarte oder DSS Ausdruck. Der IC...? bei

    epsilon* Cassipeia ist so ein Kandidat an dem ich mir lange die Zähne ausgebissen habe.


    CS,

    Walter


    * Wie gehen im neuen Forum eigentlich die Griechischen Buchstaben?

  • Hallo Walter,


    Die Blaze Gitter gibt es im Teleskophandel. Ich habe meines gebraucht erworben.

    Ich habe so eines: Blaze Gitter bei TS.

    Die gibt es so viel ich weis nur in 1,25".


    Ich kann morgen mehr dazu schreiben, auch zu den Griechischen Buchstaben. Jetzt muss ich in die Spät/Nachtschicht.


    Viele Grüße

    Gerd

  • Sammelantwort:


    Von mir angewandte Technik ist

    -Okularauge rechts, Aufsuch- und Rumtapsauge links

    -Antippen

    -Rigel blinken lassen, Sucherfadenkreuz nur wenn wirklich nötig spärlichst beleuchten

    -Vollständige Dunkeladaption mittels Lichtschutzplanen=null Fremdlicht

    -Velourierte Skibrille mit Okularloch (letztens nicht mehr wegen neuen 2" Okularen und Beschlagsproblemen)

    -linkes Augenlid mit Finger zuhalten, um das Gesicht zu entspannen

    -Zeit lassen (vielleicht noch immer nicht genug)

    -eher behutsam vergrößern (fehlt mir Öffnung?)

    -warm und bequem sitzen


    -zufrieden sein und mich begeistern lassen von dem, was ich demütiger Hansel so alles bestaunen darf,

    aber immer weiter streben.


    CS,

    Henning

  • Hallo Henning,


    das klingt doch alles prima, an den Voraussetzungen soll es wohl nicht scheitern. Bitte nimm mir meine Anmerkungen von oben nicht krumm...

    Wenn Du mit der gleichen Hingabe beobachtest, wie Du Deine Ausrüstung optimierst, kann das doch nur gut werden!


    Was ich immer ganz hilfreich fand, um die eigenen Beobachtungen ein bisschen einzuordnen, sind Zeichnungen mit gleicher Öffnung. Da lässt sich einiges ergoogeln.


    Viele Grüße


    Holger

  • das ist ja interessant mit dem Blaze Gitter

    Hallo Walter,


    Auf meiner Seite habe ich etwas über das Blaze Gitter zur Beobachtung Stellare Planetarischer Nebel geschrieben:

    Das Blaze Gitter Spektroskop "Star Analyser 100"


    Wie gehen im neuen Forum eigentlich die Griechischen Buchstaben?

    Entweder zu kopierst die Griechischen Buchstaben direkt in den Text hinein, oder du schaltest den Editor auf "Quellcode" um und schreibst den HTML Name oder den HTML Code in den laufenden Text hinein.


    Viele Grüße

    Gerd

  • Hallo Holger,


    Neinnein, ich wollte nur den "Stand der Technik" bei mir beschreiben.

    Ich finde es wichtig, dass in den Diskussionen der Wissensrahmen ausgelotet wird und oft ergeben sich dann

    noch Details, die man vorher nicht wusste.

    Der Werdegang im astronomischen Sehen ist wirklich beeindruckend, ich meine, ich konnte mir anfangs

    nicht vorstellen, mehr als einen grauen Fleck bei M31 zu erkennen und war total begeistert.

    Ich bin da nun schon etwas weiter, und immer noch total begeistert und ganz sicher brauche ich noch oft

    die Tips der alten Hasen, um mich weiterzuentwickeln.


    A la: Gesehen, ja/nein, wiedererkannt, Details ja/nein, mehr Details, Wissen über die Objekte, etc, etc.


    CS,

    Henning

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