Frühlingsstimmung: Orion (M42), Hydra (M48, NGC 3242), Leo (Vesta, M105, NGC 3384, NGC 3389), Hercules (M13, M92), Xi UMa, 25 CVn

  • Hallo Sternfreunde,


    am 31. 3. ging es wieder einmal raus aus der lichtverschmutzten Großstadt (Wien) in eine dunkle Gegend (Großmugl), um mich an einigen Prachtobjekten des Universums zu ergötzen. Teleskop, Montierung, Okularkoffer, Klapptisch, Astro-Stuhl, PowerTank, Bücher und Sternkarten, Laptop etc. erfordern drei Gänge von der Wohnung in die Garage zum Auto, doch die Vorfreude ist so groß, dass ich den Aufwand gerne betreibe.


    An meinem gewohnten Beobachtungsort in Großmugl (16,2 Grad O / 48,5 Grad N) - einem abgelegenen Feldweg - angekommen, beginne ich mit dem Aufbau der Ausrüstung, richte die Montierung waagrecht und gen Norden aus, setze das Teleskop darauf und schließe alle Kabel an. Keine 10 Minuten später kommt doch glatt ein Bauer mit dem Traktor - oh Schreck! Zum Glück ist es ein freundlicher Landwirt und er weicht durch den Acker aus.


    Um 20:30 Uhr MESZ strahlen schon Sirius, Prokyon, Castor & Pollux, Bellatrix, Rigel, Capella, Regulus etc. um die Wette. Hey, da bewegt sich ein helles Objekt langsam ostwärts ... es ist die ISS, die über mir vorbeifliegt. Ca. 1,5 Stunden später wird sie wieder über mich hinweg ihre Bahn ziehen.


    Es ist heute angenehm warm (13 Grad), Seeing 2, Bortle 6, Eta Ursa Minor (5 mag) und auch Vesta (6 mag) kann ich mit bloßem Auge sehen.


    Als erstes richte ich mein Teleskop auf M42. Orion steht schon tief im Westen, aber der Orionnebel ist wie immer ein Augenschmaus. Mit V=94x und dem Astronomik OIII-Filter kommt die Nebelstruktur herrlich zur Geltung. Schön aufgelöst ist auch das Trapez.


    Danach gilt meine Aufmerksamkeit der Hydra. Zwei Objekte habe ich mir in diesem Sternbild vorgenommen: M48 und NGC 3243.


    Um 22:20 beobachte ich den schönen offenen Sternhaufen M48, der 2000 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, und fertige eine Zeichnung an.


    Maksutov 127/1500, AZ Star Discovery GoTo Montierung

    Explore Scientific Okular, f=10mm, V=150x, FOV: 0,35 Grad, Zenitspiegel



    Für NGC 3242 (Jupiters Geist) setze ich auf 214-fache Vergrößerung unter Einsatz eines Nebelfilters. Ich kann den 1500 Lichtjahre entfernten Planetarischen Nebel als weißes, aber leider nicht als blau-grünes, Fleckchen erkennen.


    Von der Hydra wandere ich in den Löwen, wo ich um 23:45 mein Objektiv auf den Asteroiden Vesta richte. Der nur ca. 500km große Himmelskörper ist mit freiem Auge sichtbar und bildet mit Zosma (Delta Leo) und Chort (Theta Leo) ein spitzwinkeliges Dreieck. Die nachstehende Zeichnung zeigt Vesta (6,2 mag) im Sternenumfeld von HIP 53413 (8,7 mag) und anderen Sternen mit scheinbaren Helligkeiten zwischen 9 und 10 mag.


    Maksutov 127/1500, AZ Star Discovery GoTo Montierung

    Explore Scientific Okular, f=16mm, V=94x, FOV: 0,73 Grad, Zenitspiegel



    Inzwischen ist es Mitternacht geworden und das Datum hat auf den 1. April gewechselt - kein Scherz! ;-)


    Es wird dem Mak 127/1500 ja immer nachgesagt, dass er für Deep Sky Objekte zu lichtschwach ist. Das Galaxien-Trio M105, NGC 3384 und NGC 3389 konnte ich um 00:15 Uhr MESZ aber klar als weiße Wölkchen mit einem hellen Zentrum erspähen. Bestimmt mit größerer Öffnung ist das Aha-Erlebnis sicherlich imposanter.


    M105 ist 32 Mio Lichtjahre von der Erde entfernt und hat eine scheinbare Helligkeit von 9,5 mag, die gleich weit entfernte Galaxie NGC 3384 bringt es nur noch auf 10 mag und die gar 80 Mio Lichtjahre entfernte Galaxie NGC 3389 scheint nur noch mit 12,8 mag (die errechnete Grenzgröße für den Mak liegt übrigens bei 12,1 mag). Die Harmonie dieses Trios habe ich in einer Zeichnung festgehalten. Sehr hübsch ist auch die vertikale Sternenkette in NS-Richtung. Im NO steht HIP 52915 (9 mag) und darüber ein Stern mit 11 mag.


    Maksutov 127/1500, AZ Star Discovery GoTo Montierung

    Explore Scientific Okular, f=16mm, V=94x, FOV: 0,73 Grad, Zenitspiegel



    Vom Löwen wandere ich um 01:00 MESZ weiter zum Hercules und M13 und M92. Den 22.000 Lichtjahre entfernten Kugelsternhaufen M13 nehme ich mit V=94x als weißes Wölkchen wahr und mit indirektem Sehen kann ich rund um das Zentrum einige schwächere Sterne auflösen.


    Der Kugelsternhaufen M92 hat eine scheinbare Helligkeit von 6,5 mag und ist 27.000 Lichtjahre von unserer Erde entfernt. Im sehr dichten Zentrum kann ich mit V=150x die Sterne nicht gut auflösen, rund um das Zentrum ist ein Halo sichtbar, wie auch aus der nachstehenden Zeichnung hervorgeht.


    Maksutov 127/1500, AZ Star Discovery GoTo Montierung

    Explore Scientific Okular, f=10mm, V=150x, FOV: 0,35 Grad, Zenitspiegel



    Zum Abschluss meiner Beobachtungsnacht untersuche ich um 02:00 MESZ noch zwei interessante Doppelsterne.


    Xi Ursae Majoris, der auch den klangvollen Namen Alula Australis trägt, ist 25 Lichtjahre von der Erde entfernt. Der 4,3 mag helle Hauptstern wird in einer scheinbaren Distanz von 1,8" von seinem fast gleich leuchtstarken Begleiter (4,8 mag) umkreist. Das Doppelsystem wurde 1803 von William Herschel entdeckt. Die Position der beiden Komponenten wurde 1837 von dem deutschen Astronom Friedrich Georg Struve vermessen. Dadurch konnte zum ersten Mal überhaupt ein Orbit für einen Doppelstern berechnet werden.


    Den gelb strahlenden Doppelstern in einer an Sternen armen Umgebung kann ich mit V=50x noch nicht trennen, aber mit V=150x bzw. V=250x gelingt mir das problemlos. Von einem Doppelstern mit so einer interessanten Geschichte muss ich natürlich auch eine Zeichnung anfertigen.


    Maksutov 127/1500, AZ Star Discovery GoTo Montierung

    Explore Scientific Okular, f=30mm, V=50x, FOV: 1,04 für Umfeld;

    Baader Ortho Okular, f=6mm, V=250x, FOV: 0,21 Grad zur Trennung des Doppelsterns, Zenitspiegel


    Das 190 Lichtjahre entfernte Doppelsystem 25 Canum Venaticorum besteht aus einem 5 mag hellen Stern, der von einem um 2 Größenklassen schwächeren Begleiter in nur 1,7" umkreist wird. Mit 250facher Vergrößerung konnte ich den Doppelstern gut trennen. 25 CVn ist bis dato der engste Doppelstern, den ich mit meinem Mak (max. Auflösungsvermögen lt. Dawes 0,9") bislang trennen konnte.


    Um 02:15 MESZ überstrahlt der Mond bereits die meisten Sterne am Himmel. Es ist Zeit zum Abbauen. Die kleine Flasche Heineken im Kofferraum ist schön kalt und erfrischt herrlich unter dem Himmelszelt. Um 3 Uhr komme ich zu Hause an. Ich freue mich, dass ich wieder ein paar neue Objekte entdecken konnte.


    Viel Spaß beim Lesen,


    Christian

  • Hallo,


    Das ist ein interessanter Beobachtungsbericht.

    Deine Zeichnungen gefallen mir sehr. Auf Kleinplaneten sollte ich auch mal wieder gehen. Die habe ich bisher sehr vernachlässigt.


    Viele Grüße

    Gerd

  • Sehr schöner Bericht . Habe mit deshalb gestern auch mal VESTA angeschaut .Danke für die Inspiration.


    Clear skies


    Markus

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