Mondspaziergang Nummer 5

  • Hallo Mondfreunde,

    Am 24.3. konnte ich mit meinem 16" Dobson mal wieder etwas auf dem Mond belichten. Viele alte Bekannte waren dabei, das war kein Zufall, denn mit einem neuen Teleskop will man ja einen Vergleich haben

    Hier also Mondkrater Gassendi. (ich schreibe die Namen aus, damit Google die besser finden und zuordnen kann ;-))

    Mondkrater Eratosthenes, unten links ein "Geisterkrater"

    Mondkrater Copernicus, ganz links noch die Dome.

    Mondkrater Bullialdus

    Mondkrater Clavius

    Mondkrater Herschel, diese "körnige Struktur" im, und um den Krater herum, finde ich komisch, aber ich habe das Bild genau so bearbeitet wie die anderen auch.

    Mondkrater Plato


    und wie immer, wenn irgend möglich, das Alpental auf dem Mond. Die Rille ist für 16" natürlich Pflicht.


    Gefilmt habe ich bei f/10 mit der ASI178MM und 685er Rotfilter. Das Seeing schien nicht sonderlich gut, alles sehr stark in Bewegung aber blickweise konnte ich im Livebild doch recht feine Details ausmachen. Außerdem hatte ich keine Probleme scharf zu stellen, das ist auch immer ein gutes Indiz dafür, dass zumindest teilweise das Seeing gut war. Belichtet habe ich 5 mal 1 min. und pro Bild 10ms Einzelbelichtunszeit. Die Bildfeldrotation habe ich bei den 1 min. Filmen ignoriert. Die Verwendungsrate lag bei 10 und 50% (wurden später kombiniert) Die 5 fertigen Bilder habe ich dann in PS weiter gestackt und nach Augenmaß gewichtet. Geschärft habe ich nur in PS mit unscharfer Maskierung mit 2 versch. Radien. Damit die Endbilder etwas "knackiger" rüber kommen habe ich die Darstellungsgröße auf 80% reduziert.

    Es gibt noch kleinere Justageprobleme, die ich aber mittlerweile erkannt habe. Die Doppelkanten an den kontrastreichen Kraterrändern sind dem Seeing geschuldet, aber andererseits auch ein Zeichen dafür, dass das Gerät an seiner Auflösungsgrenze "knabbert". Trotzdem geht noch mehr, da bin ich sicher.

    Meine "aktive Teleskopkühlung" konnte übrigens noch nicht viel beitragen (da hatte ich wohl einen Gedankenfehler, denn der Kühlkörper vereiste und konnte so nicht mehr viel kühlen)

    Das war mein erster Mondbesuch, bei dem nicht das Testen im Vordergrund stand, sondern wirklich das "wandern" und fotografieren. Ich hätte auch noch mehr Objekte filmen können, keine Ahnung, warum ich das nicht weiter gemacht habe. Aber es wird ja bald einen neuen Mondspaziergang geben …

    Bis dahin und viele Grüße,

    ralf

  • Hallo Ralf,


    das sind tolle Fotos. Da bekomme ich richtig Lust doch wieder in die Astrofotografie einzusteigen. Wenn nur die Bildbearbeitung nach der eigentlichen Beobachtung und Fotografie nicht wäre... :grimacing_face:


    Zu dem Krümelkram bei Herschel: ich kenne so etwas von früher, wenn ich stark strukturierte Gebiete stärker geschärft habe, als das Seeing zugelassen hat. Man sieht bei dem Bild an ein paar Kratern auch Doppelränder, ebenfalls ein Schärfungsartefakt das ich immer bei schlechtem Seeing oder zu langen Belichtungszeiten hatte. Ich habe das hauptsächlich zu Webcam-Zeiten erlebt, aber vereinzelt auch später noch mit der ALccc5L-IIm.


    Bis dann:

    Marcus

    16" f/4 Dobson, 6" f/5 Dobson, C8, 80/560 ED, 70/700 PST-Mod "Sunlux"


    Zeige mir einen Dobson und ich zeige Dir eine Baustelle

  • Hallo Ralf,

    komisch, irgendwie ist mir dein Thread durch die Lappen gegangen, obwohl ich mehrmals täglich hier reingeschaut habe.
    Das Seeing war eindeutig weniger optimal. Trotzdem sehe ich schnell, dass du viel feinere Strukturen aufnehmen konntest, als ich mit meinem C9.25 bei guten Bedingungen.
    Das Fokussieren scheint wirklich prima zu funktionieren.
    Vielleicht klappts ja noch demnächst mit einer perfekten Nacht und funktionierender Kühlung.

    Danke fürs Zeigen!

    LG Mario

  • Hallo Ralf,


    Gratulation! Wieder allererste Sahne. Mir gefällt besonders das Gassendibild. Da sind die Rimae Herigonius mit drauf, die laut Virtual Moon erst ab 500 mm Öffnung sichtbar sein sollen. Sie sind aber unter günstigem Lichteinfall und bei ruhiger Luft schon mit 180 mm zu erkennen. Und videografisch klappt das auch:



    Zugegeben, bei meinem Bild sind sie nur angedeutet, und man muss ein bisschen „hinein kriechen“, während sie auf Deinem richtig deutlich herauskommen. Für 7“ sind solche feinen Details eben an der Grenze der Auflösung und entsprechend von der Beugung beeinflusst.


    CS, Jörg

  • Hey Ralf ,


    wieder zugeschlagen.. 8)

    Für mich absoluter Höhepunkt in dieser Serie ist Plato.

    Habe ich noch nie so fein hinbekommen.


    LG

    Markus

  • Hallo Ralf,


    kleiner Hinweis: das Bild von Clavius ist spiegelverkehrt. Ansonsten schließe ich mich den vorigen Kommentaren an. Die Auflösung ist beeindruckend und die Bearbeitung gefällt mir sehr gut.


    Viele Grüße


    Oskar

  • Hallo in die Runde,

    vielen Dank für eure netten Kommentare.

    Marcus, meine Bildbearbeitung wird immer weniger, auch in dem Sinne, dass sie einfacher wird. Ich lasse meist über Nacht im Batch stacken. Dann werden die Ergebnisse in eine PS-Aktion im Batch geschärft. Das ist es fast schon. In diesen Fällen habe ich noch die 10% Stacks und die 50% Stacks per Hand kombiniert, der Nutzen ist aber marginal. Dann passiert aber z.T. so etwas wie bei Herschel, der vermutlich wirklich aufgrund der Morphologie überschärft wirkt.

    Was die Ausrichtung der Bilder angeht so werde ich das demnächst sorgfältiger nach ästhetischen Gesichtspunkten machen. Keinesfalls möchte ich einfach Norden immer oben oder unten haben. Ich verstehe mich als "Bildermacher" und da ist es schon ein Unterschied, ob man von oben auf eine Landschaft schaut oder von der Seite. Clavius hatte ich deshalb einfach gedreht.

    Jörg, das ist schon beeindruckend dein Bild. Allerdings auch eine erlesene Ausrüstung. Ich würde gerne mal eine PSF mit dem Gerät sehen.

    Viele Grüße und (natürlich) bis zum nächsten Mondspaziergang.

    Frohe Ostern wünscht, ralf

  • Hallo Ralf,


    Quote

    Was die Ausrichtung der Bilder angeht so werde ich das demnächst sorgfältiger nach ästhetischen Gesichtspunkten machen. Keinesfalls möchte ich einfach Norden immer oben oder unten haben. Ich verstehe mich als "Bildermacher" und da ist es schon ein Unterschied, ob man von oben auf eine Landschaft schaut oder von der Seite.

    Verstehe. Ich habe diesbezüglich vor einigen Jahren mit Bildern vom östlichen Mondrand experimentiert. , Das war verblüffend.


    Frohe Ostern.


    Oskar

  • Hallo Zusammen,

    ich denke, wir alle verändern gelegentlich die Bildausrichtung aus ästhetischen Gründen.

    Typische Beispiele beim Mond wären da doch:

    - der Mondrand ist oben
    - Die Schatten zeigen nach oben.


    Typisches Beispiel: Schattenspiele (Mare Nubium / westlich Fra Mauro)

    Das Bild wirkt in "Normalposition" völlig anders. Auch wirkt die Schärfung beim gedrehten Bild dezenter.

    Aber ist ja cool, wenn man aus einem Bild zwei völlig untersdchiedliche Eindrücke gewinnen kann.

    LG
    Mario

  • Hallo Jörg,

    dein Beispiel ist schon sehr beeindruckend. ich hätte nicht gedacht, dass die Unterschiede so groß sind. Unabhängig vom ADC ist das auch eine beeindruckende PSF, kaum Streulicht im ersten Beugungsring. Refraktoren haben schon etwas für sich.

    Hallo Oskar und Mario,

    das mit der Ausrichtung der Bilder habe ich deshalb so hervorgehoben, da ich (nicht hier im Forum) schon mal gebeten wurde die Bilder doch "richtig herum" zu drehen.

    Für mich gibt es zwei grobe Richtungen in der Amateurastronomie. Da gibt es die "kleinen Wissenschaftler" und die "reinen Bildermacher". Die meisten von uns bewegen sich sicher irgendwo dazwischen, aber es ist eben für´s Bildermachen nicht ganz unwichtig wie so eine Bild positioniert ist. Um so mehr freue ich mich, dass ihr das auch so empfunden habt. Ich hatte mich mit der Erfahrung da eher einsam gefühlt. Jetzt nicht mehr :)

    Viele Grüße,

    ralf

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