Venus in oberer Konjunktion 26.03.2021 07:58 MEZ

  • Hallo Sternfreunde,


    heute Morgen (26.03.2021) um 07:58 MEZ stand die Venus in oberer Konjunktion. Das Wetter hat mal so richtig mitgespielt. Zum Zeitpunkt der Konjunktion stand die Venus 81‘ vom Sonnenzentrum und damit 65‘ vom Sonnenrand entfernt.


    Um 07:51 konnte ich sie heute erstmals sehen, so dass ich den genauen Zeitpunkt der Konjunktion visuell beobachten konnte. Danach habe ich noch ein Bild mit einer ASI-ZWO 290MM gemacht, dazu musste ich eine kleine Abschattungsvorrichtung bauen. Als Fernrohr verwende ich eine Baader Travel-Companion 95/560, der anscheinend einen extrem reflexarmen Tubus hat.


    Viele Güße


    Jörg



  • Hallo Jörg,


    das ist schon ein sehr eindrucksvolles Foto, das Du hier einstellst, denn ca. ein Grad Winkelabstand von der Sonne ist ja nun wirklich nicht viel. Zugegeben, vor lauter Erstaunen, im Foto überhaupt ein Planetenscheibchen in Soinnennähe zu sehen, hatte ich anfangs überlesen, dass es sich um die obere Konjunktion handelt und immer gerätselt, weshalb die Venusscheibe heller als der Hintergrund abgebildet ist.

    Eine Frage habe ich aber noch: gehe ich recht in der Annahme, dass die Sonne im Strahlengang zwischen Objektiv und Sensor ausgeblendet worden ist? Eine Blende vor dem Objektiv hätte ja etwas mehr als 5 Meter lang sein müssen, um die Sonne auszublenden, und das wird mit der "kleinen Abschattungsvorrichtung" nicht gemeint sein.


    Eben habe ich mal nachgesehen: am 19. April wird Merkur in oberer Konjunktion stehen, nur wird der Winkelabstand etwa halb so groß sein; vielleicht ist es ja eine nächste Herausforderung für Dich; mir bleibt dann das Staunen ....


    Beste Grüße

    Manfred

  • Hallo Manfred,


    die untere Konjunktion war am 03.06.2020. Da habe ich so einiges gelernt und da ist bei 65' Abstand zum Sonnenrand der Venus-Ring zu sehen. Leider hat 2020 das Wetter nur bis zum Mittag des 02.06. mitgespielt und die Venus war da noch 2 Grad von der Sonne entfernt.


    Für die visuelle Beobachtung am 26.03.2021 war die Ausblendung nicht wendig, für das Foto schon. Bei voller Objektivöffnung müsste die Stange tatsächlich 5 Meter lang sein, wenn man auf 5cm Off-Axis abblendet kann sie erheblich kürzer sein.




    Den Merkur habe ich schon mal am 18.08.2020 ca. 1.8 Grad von der Sonne entfernt beobachtet.


    https://www.baader-planetarium…o-travel-companion-95580/


    Natürlich habe ich den 19.4. (und die Tage davor bzw. danach) im Kalender markiert, allerdings ist dann die Pollensaison im vollen Gange und dann hat man einen "Schneesturm" im Okular.


    Viele Grüße

    Jörg

  • Hallo Jörg,


    ein wirklich bemerkenswertes Ergebnis. Kann mich nicht erinnern, dass schon mal jemand bei einem solchen Nachweis einen noch kleineren Sonnenabstand hatte. Du hast nicht nur sehr gutes Wetter erwischt, sondern auch die nötige Abschattung konsequent umgesetzt. Beim Merkur dürfte es nicht nur wegen des Pollens schwerer werden. Der kleine hat nur 11% Albedo, die Venus dagegen 65%. Aber den Versuch ist es in jedem Fall wert.


    CS, Jörg

  • Hallo Jörg,


    zunächst herzlichen Glückwunsch zu deinen gelungenen Experimenten. Doch ich bin auch etwas verdattert, dass das mit Merkur funktioniert. Im letzten Frühjahr gelang es mir selbst erstmals Merkur während der Dichotomie visuell etwas an Oberflächendetails abzuringen, was sich auf Fotos unserer Planetenknipser später bestätigen und anhand von Albedokarten benennen ließ. Damit aber das Merkurbild nicht am niedrigen Horizont all zu sehr "verschwabbelte", stellte ich auch schon früh am Nachmittag/Abend das Teleskop auf den Merkur ein und ließ es laufen, bis Merkur erstmals erkennbar wurde. Er tauchte dann bei mir als erstes im Hauptteleskop auf, erst 20-30 min später konnte ich ihn erst im Sucher ausmachen. Am Taghimmel vermochte Merkur sich für mich also noch nicht gegen die aufgehellte Atmosphäre durchzusetzen.

    Hast du entweder einen so transparenteren Taghimmel als ich ihn bei meinen Merkurbeobachtungen vom Ruhrgebiet aus hatte (wobei hier ja seit 20-30 Jahren auch gar keine Schwerindustrie mehr ist) oder kann es sein, dass du deine Beobachtung fotographisch unternommen hast.


    Würde mich interessieren,


    CS.


    Hubertus

  • Hallo Hubertus,


    wenn du die Venus, den Merkur (und auch andere Planeten) am Taghimmel visuell beobachten möchtest, dann muss der Himmelshintergund dunkel genug sein und das Objekt muss sehr gut scharf gestellt sein.


    Hier meine Vorgehensweise :


    "Montierung (AZ-EQ6) mit Hilfe der Sonne kalibrieren (daytime alignment), dann visuell die Sonne scharf stellen. Beobachtung mit einer Baader 3.8 Sonnenfotofolie + Baader Cool Ceramic Herschelprisma (natürlich ohne die zusätzlichen ND-Filter) + Okular mit 0.3 ND-Filter + Beloptik UV/IR auf KG3 Filter. Die Folie darf man normalerweise nicht visuell nutzen, mit dem Herschelprisma (HP) plus dem Beloptik Filter geht es allerdings schon, da dann UV und Infrarot komplett ausgefiltert werden, das HP sorgt zusätzlich für eine angenehme Helligkeit der Sonne.


    Dann Fernrohr auf die Venus einstellen und den Front-Filter abnehmen. Auf dem Projektionsschirm des HP‘s sieht man genau, wo die Sonne steht (nicht mehr im Zentrum). Bei entsprechender Vergrößerung steht die Sonne ausserhalb des Bildfeldes und die große Helligkeit wird durch das HP (ca. ND 1.4) und den 0.3 ND-Filter abgedämpft. Und dann sieht man die Venus."


    Merkur funktioniert analog. Wenn der Abstand zur Sonne größer als 4 Grad ist, kannst du den 0.3ND Filter weglassen. Der Merkur ist allerdings nur rund um die obere Konjunktion wirklich hell. Ich würde es so ab dem 08.04.2021 versuchen, dann hat er noch mehr als 10 Grad Abstand, aber bereits -1.0 mag.


    Für weitere Hinweise siehe : Merkur nahe der oberen Konjunktion 18.08.2020


    Viele Grüße


    Jörg


    P.S. Ich habe heute es wohl auf die spaceweather Titelseite geschafft : https://www.spaceweather.com/a…day=28&month=03&year=2021

  • Hallo Jörg,


    ein wirklich bemerkenswertes Ergebnis. Kann mich nicht erinnern, dass schon mal jemand bei einem solchen Nachweis einen noch kleineren Sonnenabstand hatte. Du hast nicht nur sehr gutes Wetter erwischt, sondern auch die nötige Abschattung konsequent umgesetzt. Beim Merkur dürfte es nicht nur wegen des Pollens schwerer werden. Der kleine hat nur 11% Albedo, die Venus dagegen 65%. Aber den Versuch ist es in jedem Fall wert.


    CS, Jörg

    Hallo Jörg,


    es gab am 03.06.2020 zur unteren Konjunktion Nachweise mit Abstand < 1 Grad.


    https://www.spaceweather.com/a…day=03&month=06&year=2020

    https://spaceweathergallery.co…load.php?upload_id=163103

    https://spaceweathergallery.co…load.php?upload_id=163111


    Den "Rekord" hält meiner Meinung nach Martin Elsässer , aufgestellt am 04.06.2016, Venus 25' vom Sonnenrand entfernt.


    https://www.mondatlas.de/venus/2016-06/


    Zitat : "Kurz vor der oberen Konjunktion konnte die Venus am 4. Juni nochmal beobachtet werden. Mit einer Art Protuberanzenansatz war das trotz eines Abstandes von nur 25 Bogenminuten vom Sonnenrand recht gefahrlos möglich.
    Durch einen Orangefilter war die Venus mit dieser Konstruktion auch visuell noch gut genug zu erkennen."


    Für die untere Konjunktion am 03.06.2020 hatte ich mir ebenfalls eine Spezialkonstruktion (Protuberanzenansatz mit variabler Filterung) anfertigen lassen, die leider wegen des schlechten Wetter damals nicht zum Einsatz kam.


    Interessant ist auch folgender Film :

    External Content www.youtube.com
    Content embedded from external sources will not be displayed without your consent.
    Through the activation of external content, you agree that personal data may be transferred to third party platforms. We have provided more information on this in our privacy policy.


    In diesem Film werden für den Venustransit 2012 selbstgebaute "spezielle Koronographen" gezeigt. Mit einem der Astronomen dort (Paulo Tanga) stand ich in Kontakt, denn ich wollte eines der Geräte für meine Beobachtungen kaufen. Die niederschmetternde Antwort : Die liegen mit einer Archivnummer versehen irgendwo in einem Institut in einem Schrank und verstauben, verkaufen dürfen wir die leider trotzdem nicht, obwohl sie nie wieder zum Einsatz kommen werden.


    Viele Grüße


    Jörg

  • Ja danke Jörg für die Hinweise. Mein "daylight aligment" mit einer nur mit purem Synchronmotor ausgestatteten Monti funkionierte auch so, dass ich die Sonne anpeilte und per Teilkreisen die Diffenrenz zu Merkur oder Venus mit selbstverständlich vom Vortag noch vorfokusiert einstelltem Teleskop einstellte und offenbar ja auch traf, denn Merkur tauchte ja bei 62.5fach im Hauptteleskop auf, aber bei mir eben bei Dichotomie doch noch nicht am hellen Tag, sondern später, als die Sonne zwar auch noch am Himmel war, aber Mittags hatte ich keine "Fortune".

    Merkur möglichst noch (oder schon) am Tage visuell zu beobachten habe ich aber zugegebenermaßen erst dreimal aus dem Ruhrgebiet und einmal von meiner Sternwarte in Medebach aus beobachtet (in letzterem Fall an dem Tage, als Venus und Merkur möglichst nahe beieinander gewesen waren, um einfach von Venus auf Merkur rüber zu schwenken. Im Sauerland muss man längst nicht so früh anfangen, weil ich da nur über Wald hinweg beobachte. Da schwabbeln die Planeten in Horizontnähe eh nicht so viel, wie vom Ruhrgebiet aus.


    Verstehe ich das richtig so, dass du dein Herrschelprisma ohne Neutralfilter verwendest, um dann auch abseits der Sonne ohne Filterfolie an einem auf diese Weise verdunkelten Himmel Merkur zu sehen? Reicht das für einen Mag-1-Merkur?

    Mein Herrschelprisma habe ich bislang nur dazu zweckentfremdet, um ohne Neutralfilter den Mond um Vollmond anzuschauen.


    CS.


    Hubertus


    PS.: Nachtrag zum anderen Jörg: "Venus bei 25´ vom Sonnenrand" entfernt beobachten, da gruselt´s mich aber deutlich. Du willst uns doch nicht etwa zu einem Wettrennen des puren Leichtsinns anstacheln? Mir stünde noch ein heute eher veralteter Protuberantenansatz zur Verfügung für derlei riskante Experimente, aber (Igitt!) da verzichte ich lieber, den Rekord noch zu unterbieten zu wollen.

  • "Verstehe ich das richtig so, dass du dein Herrschelprisma ohne Neutralfilter verwendest, um dann auch abseits der Sonne ohne Filterfolie an einem auf diese Weise verdunkelten Himmel Merkur zu sehen? Reicht das für einen Mag-1-Merkur?"


    Ganz genau. Für einen -1.0mag Merkur funktioniert das ganz sicher, aber ich werde es morgen Mittag hier mal probieren, da sind es 19 Grad Abstand und -0.3mag.


    Viele Grüße


    Jörg

  • Ja, das Wetter wird schön und als "Pauker" habe ich Osterferien. Da weiß ich jetzt eine schöne "corona-kompatible" Beschäftigung.


    CS. Hubertus

  • So, ich hab jetzt mal Sonnensystem-Hopping mit dem Teleskop + HP von Ost nach West gemacht : Venus, Merkur, Jupiter...alle 3 Planeten gut zu erkennen.

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!