25 Jahre 10" Tetra-Schiefspiegler

  • 25 Jahre 10“ Tetra-Schiefspiegler


    Guten Abend,


    Die diesjährige Marsopposition hat mir wieder einmal die Vorzüge dieses Fernrohrs vor Augen geführt und ist folglich der Anlass für eine kurze Reminiszenz.


    Der Tetra-Schiefspiegler wurde in den 90er Jahren von Michael Brunn entworfen. Er hat den Vorteil, dass auch grössere Optiken bis zu 1m auf relativ einfache Weise präzise realisierbar sind.Er wurde vor allem in Amerika gemacht, hier in Europa existieren nur wenige Exemplare.


    Nach einer gewissen Unzufriedenheit mit dem 20cm Kutter (dauernde Turbulenzen im offenen Strahlengang) entschloss ich mich einen 25cm f:12 Planeten-Newton zu machen. Die Herstellung des Hauptspiegels gelang problemlos, aber immer mehr kamen Zweifel auf wegen der Rohrlänge, möchte ich tatsächlich so einen Saurier haben wollen… Wie eine Bombe schlug dann der Artikel in Sterne und Weltraum 8-9 +11/ 1993 ein, wo Brunn den Tetra-Schiefspiegler der Oeffentlichkeit erstmals vorstellte. Ich kontaktierte ihn sofort, ob man aus dem fertig gestellten Hauptspiegel einen Tetra-Schiefspiegler machen könne. Fast postwendend präsentierte er mir 2 Designs, die er mit einem selbst entwickelten Programm gerechnet hatte: Eine f14 Variante mit 4 aktiven Spiegeln und eine f15.7 Variante mit 3 aktiven Optiken und einem Planspiegel. Ich entschlosss mich für die letztere Variante.






    Die Herstellung der Optik


    Ich konnte günstig Zerodur-Rohlinge ergattern. Das hatte den Nachteil, dass das Auspolieren mühsamer war. Mit obendrein noch ziemlich stumpfem Poliermittel dauerte das eine Ewigkeit. Dem gewölbten Spiegel verpasste ich eine konkave Rückseite und konnte so die gewölbte Seite mit dem Foucault vermessen. (Ob das mit Borofloat auch geht?!) . Spiegel 3, ein Winzling und einfachster Kugelspiegel machte die meisten Probleme. Es nervte besonders, nachdem die gelungene grössere Optik mir vortäuschte, ich hätte das Spiegelschleifen im Griff. Den Planspiegel prüfte ich über den Hauptspiegel. Ich erreichte einen Radius im Kilometerbereich. Bei einer der letzten Retouche erwischte ich einen schweren Kratzer. ==> Feinschliff. Capitis deminutio maxima, würden die Römer sagen. Kommt halt davon, wenn man die Prüfung am Boden macht, wo sich die Carbo-Viren tummeln, und das Händewaschen zu rasch erledigt wurde.




    Gitter- Tubus


    Der Gitter-Tubus bekam eine innwändige Umhüllung, eine Verklebung von Velour mit einer Rettungsfolie. Das war eine überaus gute Idee. Das Zeugs sieht nach 25 Jahren noch wie neu aus und ergibt vor allem ein sehr gutes Tubus-seeing. Während der Mond im Kutter immer rauchte beim Blick durch den Okularstutzen und zwar bis in die Morgendämmerung, habe ich hier null Probleme. Der geschlossene Strahlengang mit wenig Baumasse und die Unterdrückung der Abstrahlung durch die Rettungsfolie sind die Lösung.






    Die Justierung der 4 Spiegel


    Um einen Schiefspiegler einfach justieren zu können, müssen die Mittelpunkte der Spiegel ( und auch die Meridionaljustierschraube) in der Zeichnungsebene sein. Bei einem 2-Spiegler bilden Fokus und die beiden Spiegelmittelpunkte zwangsläufig eine Ebene. Wenn es mehr Spiegel sind, ist das nicht mehr automatisch der Fall. Ein Mathematiker würde sagen, die liegen nie exakt in einer Ebene. Die Frage ist, wie gross ist die Toleranz? Weiss ich nicht.
    Praxis: die Spiegel werden mit Kartonscheiben und Mittenmarkierung sukzessive abgedeckt. Zuerst wird der letzte Spiegel ausgerichtet und zuletzt der Hauptspiegel. Dann beginnt das Prozedere am Stern. Man hat eine Ellipse am afokalen Stern. Durch Drehen der Sagittaljustierschrauben bringt man die Ellipsenachse in die Meridionalebene. Anschliessend wird durch Justierung der Meridionalschraube die Ellipse zum Kreis gemacht. (Bei einem Baufehler dreht sich immer die Ellipsenachse, an welcher Justierschraube man auch dreht. )
    In einem weiteren Schritt wird dasselbe anhand des Beugungsbildes des Sterns gemacht. Oder noch einfacher man nimmt das Geisterbild (Schattenbild des Planeten) und dreht an den Schrauben, bis dieses konzentrisch und nicht mehr seitwärts in das Planetenbild läuft bei einer Fokussierung.


    All diese Feinjustierung kann am Hauptspiegel vorgenommen werden, dessen Schrauben eben noch bedienbar sind beim Blick durchs Okular.
    Was einem entgegenkommt bei dieser Prozedur, ist die Gutmütigkeit der langen Brennweiten. Wenn keine Baufehler vorliegen, ist die Feinjustierung am Stern eine Freude, mache ich lieber als am Newton mit dem Filmdöschen oder Laser.
    Ob aber der Mathematiker nicht doch recht hat, dass bei ganz ruhiger Luft letzte Feinjustierschritte nicht doch in einem Vexierspiel enden, so weit bin ich in der Praxis noch nie gekommen, der Stadthimmel sorgt schon dafür, dass einem das erspart bleibt.
    (Der Kutter-Schreckling vermeidet dieses Problem, er kommt auch bei grösseren Optiken mit 2 Spiegeln aus. Allerdings ist durch die einseitige Handretouche beim Primärspiege l die Meridionalachse nicht mehr eindeutig definiert, sagt der Mathematiker.)




    Die Praxis
    Trotz schierer Grösse ist das Beobachten ohne viel Aufwand möglich: Das Teleskop steht als schmuckes Mobiliar in der Stube direkt neben dem auch oben offenen Südbalkon. Dort verbringt es 99,99% seiner Lebenszeit. An zwei geeignet angebrachten Griffen wird es gepackt und nach 30 Sekunden steht es bereits auf dem Dobsonuntersatz. Zwei Türen mit Magnetverschluss erleichtern die Wegnahme der 4 Spiegeldeckel und sorgen für die Durchlüftung. Dank Zerodur stimmt die Spiegelkurve immer und die Spiegel sind an der Oberfläche rasch genügend * angekühlt*, dass sie keine störenden Schlieren mehr erzeugen. Nach ca. 30 Minuten ist das der Fall.
    Der Einblick ist bei hoher Gestirnslage bequem, man sitzt. Bei tiefer Deklination wird es obermühsam, man ist gebeugt wie in einer unangenehmen Gymnastik-Turnübung. Aber das Balkongeländer verhindert sowieso solche Beobachtungen. Es ist christlich gesprochen, ein ausgesprochen keusches Teleskop, ins Schlafzimmer der schönen Nachbarin sieht man damit nicht. Da wäre ein Refraktor geeigneter. Ich habe keinen.



    Kritische Würdigung


    Der schädlichen Auswirkung der Obstruktion kann man begegnen, indem man den Hauptspiegel einfach etwas grösser macht, so gesehen ist ein Newton die viel praktischere Lösung. Auf der andern Seite hat der Schiefspiegler 3 Vorzüge gegenüber dem Newton:


    1. Der Planet ist einfach sauberer im Schiefspiegler. All diese Reflexe, welche der Fangspiegel mit seiner Aufhängung erzeugt, hat man nicht. Das fiel mir besonders auf beim Vergleich mit meinem neuen 40cm Dobson: Was da alles an Geisterbildern und Reflexen zu sehen ist, selbst im guten Ethos-Okular, wenn man den hellen Mars eingestellt hat, ist einfach unschön. Besser man bleibt beim Deep-sky. Das liegt eben auch daran, dass Okulare überfordert sind bei einer schnellen Optik. Das führt zu Punkt 2.


    2. Die lange Aequivalentbrennweite sorgt dafür, dass weniger Streulicht * im Okular selbst* erzeugt wird. Bei einer schnellen Optik wird es für den Okularhersteller extrem schwierig, Randreflexe völlig zu unterdrücken. Das ganze Okulargehäuse wird mehr illuminiert, als wenn der Strahlenwinkel flach ist.( Im Strassentunnel dürfte es ja auch heller sein, wenn die Nebellampen brennen bei den Fahrzeugen.) Man unterschätzt die Vorteile einer langen Brennweite heute. Weil die gesamte Lichtmenge die durch den Hauptspiegel auch durch das kleine Okular geht, ist die Streulichtunterdrückung im Okular entscheidend. Und das kommt in keinem Spotdiagramm zum Ausdruck.
    Ich habe festgestellt, dass der Okulartyp keine grosse Rolle spielt beim Schiefspiegler. Ob das Okular aus vielen Linsen besteht, spielt keine Rolle, selbst im Bino sieht man keine Verschlechterung. Einzige Ausnahme ist das Mittenzwey-Okular. Hier ist das Bild wahrnehmbar dunkler, kontrastreicher und schärfer. Das dürfte daran liegen, dass das Bild im Okularinnern entsteht und dort eine Blende eingebaut werden kann, welche Reflexe an den Linsen und Okularwandung unterdrückt. (Bei einem Nagler z.B. ist das alles viel schwieriger.) Es ist ein super 50° Okular, perfekt, wenn das Oeffnungsverhältnis deutlich über f10 ist. (Was nützt ein 100° Gesichtsfeld, wenn der Planet bereits nach 40° chromatisch wird). Leider ist es nicht mehr erhältlich. Ich hab nur 2 davon von Lichtenknecker. Lieber die Golduhr weg als dieses Okular, bei einem Hauseinbruch.



    3. Die Unterdrückung des sekundären Streulichtes gelingt beim Tetra-Schiefspiegler sehr gut. Wenn man durch den leeren Okularstutzen schaut, ist es einfach pechschwarz, auch beim lichtüberfluteten Zürcherstadthimmel. Man sieht nur die aufgehellte Eintrittspupille, sonst nichts. Beim Newton sieht man jedes geschwärzte Schräubchen am Fangspiegel etc. Das wirkt sich fatal aus beim hellen Stadthimmel. Ich staune immer wieder, wie schön der Orionnebel im Mittenzwey-Okular daherkommt, wenn er sich überhaupt noch gegen den Stadtsmog durchsetzen kann.



    Man beachte die Okularblende, die hinter der Feldlinse angebracht ist. Gibt es sonst nur noch im Huygensokular.





    Fazit: Wer die Vorteile der Hausastronomie, der Pantoffel-Balkon- oder Gartenastronomie zu schätzen weiss, und das Wenige, was man im Wohngebiet überhaupt noch sehen kann, optimal erleben möchte, fährt gut mit dem Tetra-Schiefspiegler. Man hat viel Oeffnung wie beim Newton und den Kontrast des Refraktors. Der Mehraufwand ist klar gegeben, aber wenn man das Fernrohr gemacht hat, dann hat man es.


    Mit freundlichen Grüssen
    Emil

  • Hallo Emil


    Da hast Du ein sehr interesantes und anspruchsvolles Teleskop gebaut ,
    ATM typisch genau für den eigenen Bedarf .
    Mit den Angaben in Layout Nietlispach 2 komme ich nicht klar .
    Wenn Du das so angibst das man das in Winspot eingeben kann (AP , CC, Winkel, Abstand)können wir auch die Spotdiagramme ploten .
    Von der Herstellung eines konvexen Spiegels mit Prüfung durch die konkave Rückseite habe ich schon gehört , eine kurze Beschreibung des Verfahrens wäre hilfreich .


    Weiter viele schöne Beobachtungen mit deinem Supertelescop wünscht Rainer

  • Hallo Emil,


    schön, mal ein paar Bilder vom Tetra zu sehen! Die Konstruktion sieht sehr durchdacht aus. Wie lang ist das Gerät jetzt? Das ist fast noch vergleichbar zu einem normalen 10"-Newton, oder?


    Das Design finde ich auch interessant - es erinnert an ein Stevick-Paul-Teleskop, allerdings abweichend von der reinen Lehre ohne kollimierten Strahl zwischen zweitem und drittem Spiegel und daher ohne dessen exzessive Länge. Das scheint mir ein guter Kompromiss zu sein. Hast Du Angaben, wie die Abbildungsqualität abseits der optischen Achse ist?


    Die Justage hört sich an wie bei jedem Schiefspiegler; dass Du ins Okular schauend an die Schrauben kommst, ist sehr praktisch. Das fehlte mir beim Chiefspiegler nach Jones.


    Ich wünsche Dir jedenfalls viel Freude bei den Beobachtungen in den nächsten 25 Jahren [;)]


    Viele Grüße


    Holger

  • Hallo Rainer, Hallo Holger


    Vielen Dank für das Feedback.
    Die Daten habe ich absichtlich etwas unterschlagen, weiss ja nicht,was Herr Brunn dazu meint.Andererseits sind es 25 Jahre her,eine lange Zeit, wenn ein Interesse besteht, kann ich Spots und Zahlen am Freitag nachliefern.
    ==>Holger
    Das Gerät ist etwa 180cm lang, es schlägt jedenfalls am oberen Fenstertürrahmen nie an, wenn es hinaus muss auf den Balkon.Es ginge auch noch 30cm kürzer mit 4aktiven Spiegeln, aber dann wird es dicker


    ==>Rainer: Prüfung des gewölbten Spiegels über die Rückseite:1. Versuch war über die plane Rückseite monochromatisch. In der CH hat das Dalphy so gemacht am Kutter.Eine Durchrechnung mit dem Taschenrechner (!) hat mir gezeigt, dass ein Randstrahl und eineraus der Mittelzone nicht mehr genau am selben Ort zurückkommen an der Messerschneide. Also bräuchte man eine konische Konstante. Die konnte ich nicht rechnen.
    2. Versuch war dann die Rückseite auf R-d zu schleifen,um die Strahlenbrechung zu eliminieren. Das hat funktioniert, man muss alles umgekehrt deuten, ein Berg ist dann ein Loch. Leider muss die Fläche gut auspoliert sein, sonst erhält man ein weiches Foucaultbild.Das war etwas das Problem.
    Die meisten prüfen mit den Interferenzstreifen,wenn der Hauptspiegel den identischen R ha twie der Prüfling.


    Gruss Emil

  • Hallo zusammen.


    Emil, vielen Dank dafür, dass du dein Instrument hier vorstellst. Ich habe mich schon oft gefragt, wie er wohl aussieht! Und es freut mich, dass du nach wie vor mit diesem Instrument so zufrieden bist.


    Michael Brunn hat sicher nichts dagegen, die Daten zu veröffentlichen; eine Zeit lang war eine Sammlung einiger seiner Entwürfe mit seiner Zustimmung im Internet verfügbar, bis die Seite eingestellt wurde.


    Ich war auch von den Entwürfen begeistert, und habe Ende der 1990er Jahre einen 150mm f/15,7 gebaut; wahrscheinlich war es sogar der selbe Entwurf. Ich kann die Gutmütigkeit dieser Systeme bestätigen: Nur sphärische Optik und ein kleiner planer Umlenkspiegel waren notwendig. Ich habe, damals noch Anfänger, den Konvexspiegel im Interferenztest geprüft, und das ging ohne größere Probleme. Die Prüfung durch die plane Rückseite ist auch möglich, und bei diesen langen Radien problemlos. Bei den viel stärker gekrümmten Sekundärspiegeln der gewöhnlichen Cassegrains gilt das nicht mehr.
    Weil bei meinem Instrument der Sekundärspiegel und der Tertiärspiegel den gleichen Krümmungsradius haben, musste keine Testplatte hergestellt werden; sehr praktisch und arbeitssparend.
    Das Design:


    http://spider.seds.org/scopes/dstevick/lampert/disp_br.gif


    So sah die Sperrholzkonstruktion aus:


    http://spider.seds.org/scopes/dstevick/lampert/Brunn12.html


    Auch das Justieren ist ein Kinderspiel. Wie du schon geschrieben hast, war nach dem Vorjustieren nur noch der Astigmatismus zu entfernen, und das geht sehr einfach, wenn man während dem Justieren das Auge am Okular haben kann.


    Der Bildkontrast war beeindruckend. Das einzige, was mich noch gestört hat, war die Bildfeldneigung. Ein kleiner Konkavspiegel, den ich herumliegen hatte, wurde schließlich als vierter Spiegel verwendet, um das Instrument nach etwa zehn Jahren so umzubauen, dass die Feldneigung auch noch korrigiert wurde. Die Lichtstärke stieg dadurch von f/15,7 auf f/12,2 an. Auch diese Inkarnation funktionierte, und begeisterte auch Alois Ortner, sowohl beim Beobachten als auch im Prüfkeller.


    Ich denke, dass viele Amateure gegen die Anwendung von vier Spiegeln schwere Bedenken hatten und haben, und die Entwürfe aus diesem Grund nicht oft verwirklicht wurden.


    Auch ich sorgte mich anfangs deswegen. Diese Bedenken wurden mittlerweile widerlegt!
    Aufbauend auf die Erfahrungen mit den ersten zwei Tetras baute ich dann 2009 den 200mm f/12, ebenfalls mit korrigierter Feldneigung.


    (==>)Holger: Ja, abweichend von der reinen Lehre, aber um den Preis von ein ganz klein wenig Astigmatismus u. Koma im Feld (geht sowieso in der Feldneigung unter) bekommt man eine deutlich kürzere Baulänge, und ausreichend Schnittweite, was für mich viel wichtiger war.



    Viele Grüße,


    Guntram

  • Hallo Guntram,


    Die Bildfeldneigung ist bei mir ca.8°. Brunn rechnete für meinen Hauptspiegel auch eine Version mit 4 aktiven Spiegeln. Bessere Spots am Rand und ca. 0 Grad Bildfeldneigung.Ich wollte aber einmal im Leben einen Planspiegel machen.Die 8° stören aber nicht am Mond mit dem Nagler.


    Dein Instrument sieht erfolgreich aus. Du hast die Höhenräder 90° verschoben angeordnet und hast damit eine konstante Okulareinblickshöhe. Wie ist es da mit dem Nachschubsen? Geht das genauso gut oder ist es etwas gewöhnungsbedürfig?


    Mein Traum war und ist der BuchroederII mit 31-40cm Oeffnung.Aber ob das noch Platz hätte auf dem kleinen Balkon? Eher nicht.
    Grüsse Emil

  • Hallo Emil.


    Die Nachführung war genau so problemlos möglich, wie bei jeder anderen ordentlichen Dobson-Montierung. Die Bildqualität im Instrument hing eigentlich nur davon ab, gut die Angleichung an die Aussentemperatur erfolgt war. Wenn das richtig gepasst hat, lieferte das Instrument Bilder von einer geradezu unwirklichen Klarheit.


    Der Buchroeder II bringt keinen nennenswerten Vorteil, wenn man davon absieht, dass man mit einem Spiegel weniger auskommt. Die Feldneigung liegt bei 10 Grad. Ich hatte einmal einen ähnlichen Tri hier, und fand die Feldneigung mit einem 65° Okular für mich nicht akzeptabel.


    Viele Grüsse,


    Guntram

  • Hallo Guntram,


    Der Buchroeder hätte fast f20. Die Mittenzwey-Okulare gehen nicht kürzer als 15mm, sonst klebt das Auge an der Linse. Somit hätte man die kleinst mögliche Anzahl optischer Elemente im Strahlengang:
    2 einfache Linsen im Okular und 3 Spiegel und das bei hoher Vergrösserung und Apertur und bequemem Einblick. Das geht bei meinem Gerät nicht ganz.
    Aber eben typisch Buchroeder: Ein optisches Element ist immer schwierig. Wie prüft man ein Kugelspiegelchen mit 50m Krümmungsr.?


    Michael Brunn hatte immer auch einen praktischen Blick für das Machbare. Wenn ich als Anfänger einen ersten Spiegel machen möchte und das erste Problem ist die Besorgung der Linse für das Bath, dann.....


    Grüsse Emil

  • Hallo Emil.


    Dann ist es also die lange Brennweite, die dich reizt. Ja, der sehr langbrennweitige Tertiärspiegel war schon immer ein Stolperstein für uns Selbstbauer.



    Viele Grüsse,
    Guntram

  • Hallo Emil , Guntram


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote">Wie prüft man ein Kugelspiegelchen mit 50m Krümmungsr.?
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Näherungsweise kann man so einen Spiegel als Planspiegel betrachten .
    Zum prüfen kann man eine aluminisierte Referenzsphäre mit Mittenbohrung verwenden . Spiegel vor der Referenzsphäre , Foucaultester hinter der Mittenbohrung .
    Ein anderes Model ist ein koachsialer Yolo (Kippwinkel 0) .
    Gegenüber dem normalen Foucaulttest reflektiert der zu testende Spiegel 2x , die Fehler verdoppeln sich .
    Der Radius der Referenzshpäre ist frei wählbar , als Durchmesser sollte 2-3x zu prüfender Spiegel ausreichen .


    Viele Grüße Rainer

  • Guntram,
    Herzlichen Glückwunsch zum Betriebsjubiläum dieses sehr raren Teleskops.
    Auch bewundere ich Dein Können und die Innovation zur Herstellung dieses Unikats.
    Danke für den Tip mit dem Mittenzwey Okular. Habe zwar leider keines mehr,
    aber noch 2 Huygens von Zeiss Jena mit 25 und 16mm. Brennweite.
    Mit denen werde ich bei nächster Gelegenheit versuchen Deine Erfahrungen dazu mit meinem alten 110mm Schiefspiegler nachzuvollziehen.

  • Hallo Emil,


    ich schliesse mich hier gerne den anderen Voten an: ein sehr schönes Gerät.


    Bei Deiner folgenden Aussage aber muss ich mich mal outen [:)] :


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: Emil Nietlispach</i>
    ==&gt;Rainer: Prüfung des gewölbten Spiegels über die Rückseite:1. Versuch war über die plane Rückseite monochromatisch. In der CH hat das Dalphy so gemacht am Kutter.
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Dalphy? Nein, Delphy, Fritjof Delphy [:p] . Er hatte den ersten Kutter in der Schweiz gebaut und war durch die Musik meinen Grosseltern bekannt.


    Nachdem ich den Bericht über sein Instrument im Orion gelesen hatte (war in der Bibliothek des damals noch existierenden astronomischen Instituts der Uni Basel verfügbar) hatte ich ihn direkt angerufen und gefragt, ob er allenfalls sein Teleskop verkaufen würde.


    Das wollte er aber nicht - er wollte es nur kostenlos abgeben [8D] und hat sich gefreut wie ein Kullerkeks, dass sein in der hintersten Ecke des Kellers vor sich hingammelndes Teleskop wieder aktiviert werden soll. Er war da schon ein eher gebrechlicher alter Herr und nicht mehr in der Lage, das Instrument einzusetzen.


    Leider kam es dann wie es kommen musste:
    - die Mechanik des Teleskops war in (für meine Fähigkeiten zum Restaurieren, Gymnasiast, zwei linke Hände) schlechten Zustand, Unterstützung und Verständnis von zu Hause: Null. Ausser ein paar kurzen Spechtelabenden im Garten mit einem ausgeliehenen Okular (besten Dank noch heute an meinen Physiklehrer am Gymnasium, You got me hooked) war's das dann. Auf- und Abbau war zu mühsam, die Bedingungen in Stadtnähe zu enttäuschend.
    - Studium, mehrere Umzüge und der Druck der Eltern, den alten Müll doch bitte endlich zu entsorgen, haben dann den wenigen noch existierenden Teilen der Montierung den Rest gegeben. Ich denke, als praktisches Instrument wäre die alte Konstruktion nicht mehr zeitgemäss gewesen. Innovativ war sie aber allemal!


    <b>ABER:</b>


    die Optik und eine Handskizze der Masse des OTA schlummern bis heute bei mir im Keller [;)] Ich hätte diese auch mit Klauen und Zähnen gegen Entsorgung verteidigt. Auch wenn ich dies Herrn Delphy nie mitteilen konnte (als er noch gelebt hatte, war ich zu beschäftigt mit anderem), ich hatte immer mal wieder die Idee, daraus wieder ein brauchbares Instrument zu bauen.


    Ich glaub, ich muss die Teile mal bei Gelegenheit hervorkramen und schauen, was es braucht, um sie wieder aufzumöbeln. Eine geeignete Montierung dafür zu bauen (Delphys Idee mit Beton und Metallplatte einer "Palomar-Style" Hufeisenkonstruktion und Abwasserrohren würde ich nicht anstreben, eher eine relativ leichte Holzkonstruktion im Stil von Ed Jones und einer geeigneten Montierung) würde diesem historischen Gerät aber ein würdiges zweites Leben geben.


    Ich könnte mir vorstellen, dass eine Neubeschichtung der Spiegel und der Keillinse notwendig sein könnte. Insbesondere bei Letzterer kann ich mich schwach erinnern, dass die Beschichtung schon damals fleckig war.


    Ha, das bringt mich auf Ideen [:D]


    Sorry für das Kapern Deines Threads, aber ich wollte euch die Geschichte dieses Instruments nicht vorenthalten.


    Herzliche Grüsse


    Robert

    Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig. (Albert Einstein)

  • Hallo Rainer,
    Wenn man so eine Referenzsphäre hätte.....Ginge es nicht auch so,dass man den Hauptspiegel statt der Referenzsphäre nähme, den Prüfling zwischen zwischen Lichtquelle und Hauptspiegel so positioniert, dass er nicht im Strahlenkegel der Lichtquelle steht. Durch Rechnung findet man die Verkippungswinkel,der beiden Spiegel, dass der Asti im Foucault verschwindet oder zumindestnicht mehr stört. Quasi das Schiefspieglerprinzip angewendet auf den künstlichen Stern.Ginge das?



    Hallo Gerd,
    Wäre interessant, der Vergleich mit dem Huygens Okular.Es ist aber wichtig,dass die Vergleichsokulare möglichst dieselbe Brennweite haben, schon geringste Unterschiede in der Vergrösserung können Welten ausmachen.
    Habe nicht gewusst,dass Zeiss solche Okulare macht(e).Haben die eine Blende zwischen der Feld- und Augenlinse? Steckdurchmesser 31mm?


    Gruss Emil

  • Hallo Robert,
    Danke für die Blumen.


    Sehr amüsant. Wie klein doch unser Land ist: Selbst so ein rarer Schiefspiegler verbleibt unter Bekannten, kann gar nie verloren gehen. War Herr Delphy technisch versiert vom Beruf her,weiss man etwas Näheres,wie er die Optik gemacht hat oder nur das was im Orion stand?


    Grüsse Emil

  • Hallo Emil,


    schönes Gerät, hast Du da gebaut!
    Dieter Lichtenknecker sagte mir damals in Hasselt am 250mm Kutter, das die Bilddefinition der "Obstruktionsfreien" im Vergleich zu gleich goßen Newton, nach seiner Erkenntnis proportional mit der Öffnung ansteigen würde und Er mal durch einen 1m Großen Schief schauen möchte!


    An dem 25cm Kutter fand ich das alte Vixen 36,4mm Schraub - Kellnerokular noch ein Tick besser, erst beim Zweiten hinschauen, konnte ich die winzigen nadelscharfen Sterne in M45 erkennen, dann mit Augenklappe für das freie Auge und nach 20 Minuten entspanntem Einblick, konnten dann Sterne bis weit in der 15. Größe und mehr ausgemacht werden!


    Das habe ich mit dann auch direkt noch bei Hans Vehrenberg bestellt
    und ist heute mit 2" Adapter immer noch bei mir im Okularkoffer!

    Gruß Günter


    GSO 12"+ 8" Skywatcher Dobson, Celestron 8" Scmidtkamera; C8 Orange + 5,5" Comet-Catcher; MAK 100/1000 + 127/1500; ED 80 PRO,

    Edited once, last by G2-Astro: Fehlende Null eingesetzt ().

  • Hallo Emil,


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: Emil Nietlispach</i>


    Sehr amüsant. Wie klein doch unser Land ist: Selbst so ein rarer Schiefspiegler verbleibt unter Bekannten, kann gar nie verloren gehen. War Herr Delphy technisch versiert vom Beruf her,weiss man etwas Näheres,wie er die Optik gemacht hat oder nur das was im Orion stand?
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Hab sein Kutter-Schiefspieglerbuch hervorgekramt. Total vergilbt und vollgekritzelt mit Notizen [:D]


    Delpy (ohne h, steht jedenfalls so im Buch) war Geigenbauer. Handwerklich war er also sicher versiert.


    Ich werde mal im Verein fragen, ob jemand etwas über die Entstehungsgeschichte der Optik weiss. Weisst Du, in welcher Orion Ausgabe der Artikel drin war?


    Herzliche Grüsse


    Robert

    Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig. (Albert Einstein)

  • Hallo Günter,


    Wenn das Kriterium die Bodennähe des Beobachters ist, hängt der Schiefspiegler den Newton mit zunehmender Oeffnung immer mehr ab.Man muss ja den Newton immer schneller und damit obstruktionslastiger machen,wenn man als Beobachter daran interessiert ist nicht zu verunfallen.


    Gruss Emil

  • Hallo zusammen.


    Hier noch das Spotdiagramm für den 255mm Tetra von Emil. Es mag sein, dass bei seinem Teleskop ein paar Details anders sind, aber im Großen und Ganzen stimmts.


    Das Bildfeld misst 35mm im Durchmesser, bzw. 0,5 Grad. Die Feldneigung ist berücksichtigt. Der schwarze Kreis bezeichnet den Durchmesser des Airy-Scheibchens für 589nm (d-Linie).



    Viele Grüße,


    Guntram

  • Hallo Robert,
    Werde am Freitag im Estrich schnell nachschauen, ob das Heft noch vorhanden ist. Warum ich frage: Wenn man den gewölbten Spiegel rückseitig ohne viel Aufwand testen kann, gewinnt man bei der Planung des Instrumentes einen Freiheitsgrad, weil dann zwei Spiegel nicht dieselbe Krümmung haben müssen,wie es der Interferenztest verlangt.Man könnte den 3 Spiegel etwas bastelfreundlicher positionieren.Nach meiner rechnerischen Abschätzung wagte ich es nicht den Spiegel über die plane Rückseite zu prüfen.


    ==&gt; Guntram
    Danke,wir können das dann mit Brunns Spot-Diagrammen vergleichen.


    Grüsse Emil

  • Hallo Emil


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote">Ginge es nicht auch so,dass man den Hauptspiegel statt der Referenzsphäre nähme, den Prüfling zwischen zwischen Lichtquelle und Hauptspiegel so positioniert, dass er nicht im Strahlenkegel der Lichtquelle steht. Durch Rechnung findet man die Verkippungswinkel,der beiden Spiegel, dass der Asti im Foucault verschwindet oder zumindestnicht mehr stört. Quasi das Schiefspieglerprinzip angewendet auf den künstlichen Stern.Ginge das?<hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Den Asti kompensieren kann man meiner Vermutung nach (mit rotaionsymetrischen Spiegel) nur mit einem gleich großen Asti in er 90° dazu liegenden Ebene . Das ist ds Prinzip des 3D Schiefspieglers von Gerd-2 das ich gebaut habe . Zumindest fällt mir keine andere Lösung dazu ein . Der vom Hauptspiegel zurückkommende Strahl würde den Prüfling allerdings nicht im gleichen Punkt wie der eingehende Strahl treffen , aber gehen sollte es trotzdem . Die dazu nötige Verkippung des HS in der zweiten Achse läßt sich mit "OSLO" ermitteln oder ausprobieren. Die Werte für mein 3D Design hat Gerd-2 freundlichereise ermittelt .
    Da dein HS einen sehr viel kürzeren Radius hat wie der Buschroeder Tertiärspiegel wird die Verkippung des HS in der zweiten Ebene nur minimalst sein .
    Störend bleibt dann immer noch die CC ungleich Null des HS was die Interpretation nicht erleichtert .


    Das von Guntram gepostete Spotdiaramm ist beeindruckend !


    Viele Grüße Rainer

  • Hallo Rainer,
    Das wird schwierig, wenn noch eine 2.Ebene bei der Aufstellung berücksichtigt werden muss.Weil der Prüfling einen grossen R hat,muss er stark verkippt werden, um den Fehler des Hauptspiegels zu kompensieren, man sieht ihn also elliptisch, nicht rund im Foucault,wenn dann noch Restfehler durch die Anordnung dreinspielen, dürfte eine sichere Vermessung so schwierig werden.


    Gruss Emil

  • Hallo Guntram,


    danke für das Spotdiagramm. In Anbetracht der Feldgröße ist das ja perfekt, da lohnt es sich jedenfalls nicht, ein echtes Stevick-Paul-Teleskop zu bauen. Es sei denn, man hat einfach Lust darauf, was Besonderes zu machen (was ja sowieso oft die beste Motivation ist...)


    Viele Grüße, Holger

  • Hallo Emil


    Hier noch mal das Verfahren mit der zweiten Ebene :


    Test extrem langer Radius Sphäre
    Den langbrennweitigen Spiegel kann man zunächst durch einen Planspiegel anähern . So konstruiert man die Hauptebene .
    Danach kann man die genauen Abstände mit den Formeln für den Yolo (zwei sphärisch konkave Flächen) berechnen .


    Die optische Achse des HS liegt zunächst auf der optischen Achse der Testanordnung . In der Hauptebene ist der HS also nicht gekippt , gekippt ist nur der Prüfling , der trotz kleinem Kippwinkel und extem langem Radius etwas Asti produziert .


    Nun wird der HS in der zweiten Ebene (senkrecht zur Hauptebene)minimalst verkippt was etwas Asti verursacht .
    Asti Hauptebene und Asti 2. Ebene heben sich zusammen auf . Für die Koma gilt das leider nicht , aber bei den großen Radien und kleinen Winkeln sollte das nicht stören .
    Das Verfahren der zweiten Ebene beim Foucaulttest habe ich allerdings weder gerechnet ,simuliert oder ausprobiert .
    Deshalb meine Frage an unsere Optikexperten zB. Holger und Gerd-2 :
    Wird das bei den vorgegebenen Radien Prüfling 34m bis50m und Referenzsphäre ca. 4m ein brauchbarer Test ?



    Test konvexer Spiegel:
    Beim Buschroeder ist der zweite Spiegel konvex . Eine gute Methode für einen Foucault Nulltest solcher Spiegel wird von Texereau für den Test des Sekundärspiegels beim Cassegrain beschrieben .
    (Jean Texereau How to Make a Telescope)
    Die Herstellung dieser Referenzsphäre ist sicher etwas aufwendiger wie die Rückseite (des zweiten Spiegels)sphärisch zu machen , aber mit dieser Referenzshäre lassen sich dann auch Spiegel mit extrem langen Radius Foucault nulltesten .
    Außerdem ist diese Referenzsphäre ideal zum testen von Planspiegeln (Radius unendlich) .


    Viele Grüße Rainer

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