Mars 14.11.2020 14" mäßiges Seeing

  • Hallo Planetenfreunde,
    Wettervorhersage war zu gut, um zu Hause zu bleiben. Angesagt war niedrige Jetstream Geschwindigkeit, leichte Nordströmung und trockene Höhenluft. Angetroffen habe ich dann Außentemperatur +5°C, Bodentemperatur -1°C, teilweise auffrischenden Wind aus diffuser Richtung mit +8°C und leider mäßiges Seeing mit wenigen ruhigeren Momenten. In den ruhigen Momenten war Bewölkung auf Mars auszumachen, die Aufnahmen trotzdem lohnend machten. Nach Durchgang Höchststand hab ich dann auf deep sky umgesattelt. Die Durchsicht war auf hohem Niveau, mindestens 8/10.


    Diesmal hab ich mir vor Aufnahme im Detail die Verspannung der Spiegel und die Justage angeschaut. Der Hauptspiegel war komplett frei und ist eher zu lose. Der Fangspiegel ist aufgeklebt mit Silikon. Die Justage war trotz Transport unverändert und perfekt. Hab ein bischen an den Schrauben hin- und hergedreht, um auch hier Freigängigkeit zu haben. Beugungsbilder ohne Barlow mit 180x waren gut. Mit 3x Barlow sah das ganze dann nicht mehr hasenrein aus (580x). Intra- und extrafokales Bild waren nicht ident. Extrafokales Bild hat einen harten Rand, der dann auch noch astigmatistisch aussah. Man hätte vermutet: Schrottoptik. Die Tempertur der Rückseite des Spiegels betrug dabei 5°C, war also ident zur Lufttemperatur. Das Teleskop ist ein Isotubus, was den Spiegel von der kalten Bodenoberfläche abschirmt. Lüfter sind die ganze Zeit mitgelaufen - testhalber in verschiedenen Geschwindigkeiten und auch mal ohne (das war am schlechtesten). Das Seeing und damit das Beugungsbild war sehr beweglich und zeigt, dass man bei schlechtem seeing keine Optik einschätzen kann. Das einzige, dem ich auf den ersten Blick nicht traute, war das Barlowelement. Das Barlowelement sitzt in einer Hülse, die mit einer weiteren Hülse verschraubt ist, die ich mit einer Schraube klemme (alle Teile original Televue). Damit kann kein Druck auf die Linsen der Barlow entstehen. Barlow könnte theoretisch ganz leicht verkannten, da die Hülsen Luft im OAZ haben.Die restlichen Element in meinem Aufbau sind alle verschraubt und werden bei der Justage mit berücksichtigt, nur die Barlow muss ich herausnehmen, da ich mit Laser arbeite. Die Grundjustage der optischen Elemente (OAZ, Spinne, Spiegelzellen) ist dabei wirklich perfekt und sauber markiert. Das Gerät (Tubus) selbst ist ja Referenz ONC von TS, den ich selbst aufgebaut habe, um die Baureihe zu optimieren. Alle Komponenten sind auf "perfekt" überarbeitet. Ich hab Barlowelement gedreht, konnte aber keine Änderung in der Abbildung erkennen.
    Nachdem die Optik auf La Palma 2018 und 2020 bei sehr gutem seeing perfekt funktioniert hat (und sogar Torsten überzeugt hat[;)]) und der Fangspiegel die einzige Komponente war, die nicht auf La Palma mit dabei war, werde ich das nächste Mal noch den LOMO Fangspiegel mitnehmen, damit ich ganz sicher bin, dass es da keine Probleme hat.


    Zurück zum Mars:


    Hab mal wieder alle Varianten von R und IR-Filtern durchgespielt. Auffällig besser waren bei den schlechten Bedingungen der Astronomik Proplanet IR642 Bandfilter und meine R610&UVIR-cut Variante. Hab auch Proplanet mit R gekreuzt, da fehlt das Licht (wäre sehr schmaler R-Bandfilter im Tiefrot). Durch den Proplanet IR642 Bandfilter geht deutlich mehr Licht als durch den R610&UVIR-cut. Er ist wohl im IR etwas weiter offen. Belichtungszeiten dank f15 und ASI290MM weit unter 1ms (kürzeste lag bei 0,4ms). FPS Raten vorsichtshalber diesmal nur ca. 645 fps. Eine 2x Barlow hatte ich nicht dabei. Nach Jan´s Theorien hätte ich da ja wenigstens nochmal Belichtungszeit sparen und dafür den gain etwas rauschfreier einstellen können - das hilft ja auch. Dafür hatte ich den ADC dabei, der die Brennweite erheblich verlängert hätte - nobody is perfect. Angesagt waren ja gute Bedingungen.


    Quick and dirty ist diese Bild direkt nach der Sitzung entstanden:



    Mars 14.11.2020 UT20:45 R(R610&UVIR-cut)-G(synth) - B
    ohne winjupos - keine Derotation


    Das geht sicher noch etwas besser. Links dreht sich am Terminator Gewölk herein. Nordpol ist mit dichter Wolkendecke verhangen. Sieht man am besten im Blaukanal. Da muss ich noch einen sauberen herrichten und hier zeigen. Den derzeit angesagten Sturm bekommt man erst wesentlich später zu sehen.


    N3:



    Mars 14.11.2020 UT20:41 R(R610&UVIR-cut)-G(synth) - B
    mit winjupos Derotation (als N3 optimiert, N1 und N2 aus Intro entfernt)


    LG
    Robert

  • Hallo Robert,
    das Bild ist trotz der widrigen Bedingungen schön geworden. Das Bild wirkt von den Farben und Kontrasten sehr natürlich. Schön ist auch die Bewölkung, die links ins Blickfeld wandert.
    Zum Optiktest: Möglich wären auch interne Verspannungen während des Abkühlens der Spiegel. Das Ganze müsste man aber bei guten Seeing prüfen. An wirklich schlechte Optik denke ich nicht, da Du vermutlich auch schon früher Sterntests mit hoher Vergrößerung gemacht hast?


    Die Justage hast Du vermutlich bei ähnlicher Neigung des Teleskops getestet. Die kann sich Neigungsabhängig leicht verändern, aber Dein Sterntest belegt ja auch die gute Justage.


    Wenn der Sterntest bei gutem Seeing einmal gut ist und ein anderes Mal Astigmatismus und andere Probleme zeigt, dann Tippe ich auf Auskühleffekte mit internen Spannungen in einem der Spiegel. Da würde ich eher an den Hauptspiegel denken, da der dicker ist. Hoffen wir, dass es nur das Seeing war.
    Servus,
    Roland

  • Roland,
    um den Spiegel hab ich keine Angst - der ist gut und hat schon einiges hinter sich. Ich glaub nicht, dass der noch ein neues Eigenleben bekommt.


    Hier noch ein Blick von heute Mittag vom Schwarzerberg (1579 m) nach Norden auf meinen Beobachtungsort Trattberg, der momentan über private Mautstraße noch anfahrbar ist:



    Bild ist im Rahmen einer 5 stündigen Wanderung entstanden. Der schwarze Pfeil zeigt auf die Aussichtsplattform, auf der auch eine fixe Säule der Kuchler Sternfreunde steht. Die ist für mein Gerät zu klein und auch schon ziemlich zugewachsen. Der Standort am Rossfeld ist günstiger, da er fast direkt am Gipfel des Rossfeldes liegt. Meinen 8"er trag ich zum Gipfelkreuz des Rossfeldes hoch - 30 Höhenmeter und 300 m Strecke. Auf den Trattberg wäre das schon eine andere Aktion - sind über 200 Höhenmeter.


    Der Trattberg ist 1757 m hoch und liegt in den nördlichen Kalkalpen in der Osterhorngruppe. Die Beobachtungsplattform liegt auf 1540 m. An der Aussichtsplattform des Trattberges kann natürlich vom Berg alle mögliche Luft herunterkommen. Hab auch schon am Gipfel mit kleinem Gerät beobachtet. Schön ist es da oben schon. Leider kommt jetzt Ausgangssperre in Österreich und Wintersperre der Mautstraße zum Trattberg, die nicht geräumt wird.


    LG
    Robert

  • Hallo Robert,
    gutes Marsbild. Besser als mein gequältes. Na ja, ich übe ja noch.


    Mich würde mal interessieren, wie sich die Höhe von 1700m so auswirkt. Schädliche Luftschichten sind ja meist noch darüber, d.h. es dürfte da keinen geoßen Unterschied machen, ob auf 500m oder 1500m beobachtet wird. Ich beobachte auf 156m parmenent. Mein bevorzugtes Urlaubsziel sind die Nockberge. Wenn ich mir da so die Sterne anschaue, hui die flimmern im Juli auch ganz schön und Bad Kleinkirchheim liegt auf rund 1000m.


    cs Harald
    http://www.unigraph.de

  • Hallo Harald,
    Höhe alleine ist nicht alles. Klar ist man auf 1500 m meist über Nebel und Inversionsschicht. Das ist schon mal ein riesen Vorteil gegenüber Lage im Tal oder in den den Alpen vorgelagerten Ebenen. Unterhalb oder gar in der Inversionschicht wabbelt es im Winter gewaltig. Die Schicht liegt bei uns meist auf 800m und kommt selten über 1100 m. Da liege ich komfortabel darüber. Die Dunstschicht läßt man auch aus. Tau kenne ich auf 1500 m nicht wirklich. Durchsicht ist um einiges besser bis zu 1m. Sterne bis 6,5 m sind sichtbar. Das hilft natürlich bei der Belichtungszeit, die kürzer als in niedrigen Lagen ausfällt.


    Man sollte aber auf jeden Fall auf dem Gipfel eines Berges beobachten, damit man den Fallwinden entkommt, die sich Nachts immer ausbilden. Inneralpin muss man auf höhere Berge in der Nähe aufpassen. So ist Seeing auf der Edelweißspitze an der Glocknerstraße selten perfekt, da hohe schneebedeckte Berge ringsum. Von der Nockalmstraße hab ich auch nichts gutes gehört (Fallwinde). Funktionieren tut definitiv die Gerlitze mit 1909 m - liegt auch in den Nockbergen und ist über Mautstraße anfahrbar. Dort sitzen auch die Profis mit Sonnenobservatorium. Der Standort am Gipfel ist deutlich besser als der am Sporn. Der Standort Gerlitzen in den Nockbergen ist sicher für einen alpinen Standort nicht schlecht.


    Mein bester Standort ist das Rossfeld in Berchtesgaden. Das ist eine den höheren Bergen vorgelagerte Kuppe, die manchmal aus Norden laminar angeströmt wird. Dann ist Seeing spitze und 2 Klassen besser als im Tal. Bei Südwind kann man den Standort aber völlig vergessen. Der Wind streicht dann über die hohen Berge und heizt sich auf => Fön.


    Das ganze ist komplexer als man denkt. Der beste Standort für Planetenbeobachtung liegt in den Pyrenäen (Pic du Midi) und ist ein hoher Gipfel (2877 m), der manchmal von Norden laminar angeströmt wird. Unser La Palma Standort Mirador de los Andenes (Lat 28,76° Long -17,87° 2276m) liegt ähnlich und sogar südlicher - zwischen seeing am Gipfel und auf Athos (ca. 1000 m) liegen Welten. Dafür hat man an solchen Gipfeln meist Wind und Kälte, was auch Nebeneffekte hat....


    Grundsätzlich sollte sich der Standort auch nicht aufheizen und über einen langsamen oder gar keinen Temperaturgang verfügen. Das ist am Berg meist auch günstiger als im Tal.


    LG
    Robert

  • Hallo Planetenfreunde,
    Vorteil von schlechten Aufnahmen ist, dass man die meisten Filme gleich wieder löschen kann und sie den Speicher nicht belasten[;)]. Für den Winter hab ich genug Material aufgenommen, das der guten Ausarbeitung harrt.


    Es sind trotzdem ein paar Filme übrig geblieben, die mit niedriger Verwendungsrate 8% verwertbar sind. Die hab ich mit winjupos zusammenrotiert.



    Mars 14.11.2020 UT20:41 R(R610&UVIR-cut)-G(synth) - B
    mit winjupos Derotation 10 min


    Zu 8" Zeiten wäre ich auf ein solches Bild wohl stolz gewesen. Die Ansprüche steigen mit der Zeit und Teleskopgröße. Heute freue ich mich, dass überhaupt ein herzeigbares Bild entstanden ist. Insbesondere die Wolken sind sehenswert siehe auch Blaukanal:



    Mars 14.11.2020 UT20:38 Blaukanal
    Derotation 6 min


    Nachtrag2b:
    Auf meinem zweiten Bildschirm sehe ich gerade, dass aus dem Blaukanal kommend am scharfen Terminator noch ziemlich viel überhängt. Das gehört noch entfernt (Maske oder sauberere Bearbeitung Blaukanal). Hab das Material im Beitrag belassen, da diskutiert.


    LG
    Robert

  • <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote">R(R610&UVIR-cut)<hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">Anstelle einer solchen Kombi benutze ich sehr gerne das 35 nm breite H-alpha von Baader. - Gruß Jan

  • Jan,
    ja, das ist ähnliche Absicht. Bei lichtstarken Teleskopen sind Bandfilter mit schmalem Durchlaß sicher eine Möglichkeit, seeing Einfluß zu unterdrücken. Die Athmosphäre ist ja leider ein pumpender ADC - man bräuchte also einen aktiven ADC zur Korrektur oder muss Farbverschiebung über schmale Bandfilter möglichst weit ausschalten.


    Hier mal ein Versuch, über L den Blausaum etwas wegzudrücken. Leider geht auch etwas Kontrast verloren, da ich gegenglätten mußte. Trotzdem kommen Details am Nordpol besser zur Geltung. Mit mehr Aufwand hat das Bild sicher noch Potential, wird aber nicht in die C11 Liga aufrutschen.




    Mars 14.11.2020 UT20:44 L-R(R610&UVIR-cut)-G(synth) - B
    Ziel: Unterdrückung das Blausaumes


    Einfacher wäre sicher eine Maske zur simplen Abblendung. Probiere ich auch noch.


    LG
    Robert

  • <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: RobertR</i>
    Mit mehr Aufwand hat das Bild sicher noch Potential, wird aber nicht in die C11 Liga aufrutschen.<hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">Hallo Robert,


    ja, das geht halt leider nicht bei jedem Seeing.


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote">Ziel: Unterdrückung das Blausaumes
    Einfacher wäre sicher eine runde Maske.<hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">Da vermisse ich inzwischen "Picture Publisher"! Kennst Du eine gleichwertige Software für Win10 64bit, oder muss man tatsächlich erst eine Win98 Emulation dafür installieren?


    Gruß Jan

  • Hallo Jan,
    viele Probleme löst Fitswork, manche GIMP. Für die Maske nehme ich in Fitswork die Funktion "Ebnen", Unterfunktion "Hintergrund ebnen variabel". Da kann man so häßliche Überhänge schnell beseitigen und den Terminator mit einer handgezeichneten Maske vor Bearbeitung schützen. Sieht dann so aus:



    Mars 14.11.2020 UT20:41 R(R610&UVIR-cut)-G(synth) - B
    mit winjupos Derotation 10 min
    linker Rand maskiert



    Mars 14.11.2020 UT20:38 Blaukanal
    Derotation 6 min
    maskiert


    So einen Überhang mit weniger Helligkeit als Planetenscheibe zu entfernen ist leichte Übung. Schwieriger ist der scharfe Beugungsrand. Da hab ich in fitswork noch keine hilfreiche Funktion gefunden. Da bräuchte man ein ringförmiges lokales Glätten. Mit GIMP kenne ich mich nicht so gut aus, hat aber auch viele, viele Möglichkeiten.


    LG
    Robert

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