Astronomieaufgabe im Physikabitur Bayern

  • Im aktuellen Physikabitur Bayern findet man folgende Aufgabe:


    <i>Unter Astronomen ist strittig, ob man aufgrund des in Teilaufgabe d (*) festgestellten Sachverhalts von Jahreszeiten auf Merkur sprechen kann. Stellen Sie diesbezüglich eine Hypothese auf und begründen Sie diese. Berücksichtigen Sie bei Ihren Überlegungen auch die Ursachen, die auf der Nordhalbkugel der Erde zur Entstehung der Jahreszeiten führen, sowie die Tatsache, dass die Rotationsachse des Merkur senkrecht zu seiner Bahnebene steht.</i>


    (*) In Teilaufgabe die wird die stark exzentrische Bahn des Merkurs und die damit verbundene unterschiedliche Bestrahlungsstärke von der Sonne im Perihel und im Aphel thematisiert.


    Das ganze Abitur kann man übrigens hier sehen.


    http://www.isb.bayern.de/downl…hysik_2020_aufgaben_1.pdf
    (Die Astronomieaufgaben sind auf den Seiten 10 - 13)


    Ich frage mich, was ein Prüfling dazu schreiben soll.


    Eine freche Stellungnahme wäre:


    <i>"Die Aufgabe kann ich nicht bearbeiten, weil ich dazu eine präzise Definition des Begriffs 'Jahreszeiten' benötige."</i>


    Man könnte darüber auch eine mehrseitige Erörterung schreiben, in der alle Aspekte beleuchtet werden. Darunter auch den in der Aufgabentext nicht thematisierten Aspekt, dass die Länge eines Tag-Nacht-Zyklus' im Verhältnis zur Umlaufperiode beim Merkur ganz anders ist als auf der Erde. Für eine solch ausführliche Erörterung fehlt aber im Abitur die Zeit.


    Der Aufgabensteller erwartet deshalb vermutlich weder das eine noch das andere, sondern eine vergleichsweise kurze Stellungnahme von ein paar wenigen Sätzen.


    Ich finde es ausgesprochen schwierig, eine für die Problemstellung angemessene Stellungnahme in wenigen Sätzen zu schreiben.




    Die Aufgabe ist ein Beispiel für eine moderne Aufgabenkultur in Physik. Ich habe meine Zweifel, ob eine solche Aufgabenkultur das Schulfach Physik wirklich weiterbringt.

  • <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: Martin_D</i>
    <br />Im aktuellen Physikabitur Bayern findet man folgende Aufgabe:


    <i>Unter Astronomen ist strittig, ob man aufgrund des in Teilaufgabe d (*) festgestellten Sachverhalts von Jahreszeiten auf Merkur sprechen kann. Stellen Sie diesbezüglich eine Hypothese auf und begründen Sie diese. Berücksichtigen Sie bei Ihren Überlegungen auch die Ursachen, die auf der Nordhalbkugel der Erde zur Entstehung der Jahreszeiten führen, sowie die Tatsache, dass die Rotationsachse des Merkur senkrecht zu seiner Bahnebene steht.</i>


    (*) In Teilaufgabe die wird die stark exzentrische Bahn des Merkurs und die damit verbundene unterschiedliche Bestrahlungsstärke von der Sonne im Perihel und im Aphel thematisiert.


    Das ganze Abitur kann man übrigens hier sehen.


    http://www.isb.bayern.de/downl…hysik_2020_aufgaben_1.pdf
    (Die Astronomieaufgaben sind auf den Seiten 10 - 13)


    Ich frage mich, was ein Prüfling dazu schreiben soll.


    Eine freche Stellungnahme wäre:


    <i>"Die Aufgabe kann ich nicht bearbeiten, weil ich dazu eine präzise Definition des Begriffs 'Jahreszeiten' benötige."</i>


    Man könnte darüber auch eine mehrseitige Erörterung schreiben, in der alle Aspekte beleuchtet werden. Darunter auch den in der Aufgabentext nicht thematisierten Aspekt, dass die Länge eines Tag-Nacht-Zyklus' im Verhältnis zur Umlaufperiode beim Merkur ganz anders ist als auf der Erde. Für eine solch ausführliche Erörterung fehlt aber im Abitur die Zeit.


    Der Aufgabensteller erwartet deshalb vermutlich weder das eine noch das andere, sondern eine vergleichsweise kurze Stellungnahme von ein paar wenigen Sätzen.


    Ich finde es ausgesprochen schwierig, eine für die Problemstellung angemessene Stellungnahme in wenigen Sätzen zu schreiben.




    Die Aufgabe ist ein Beispiel für eine moderne Aufgabenkultur in Physik. Ich habe meine Zweifel, ob eine solche Aufgabenkultur das Schulfach Physik wirklich weiterbringt.
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Wieso durfte man den Artikel eigentlich tagelang nicht lesen?
    Ich weiss als Physiker auch nicht, ob sowas ins Fach Physik gehört. Für mich ist das eher Astronomie.
    Freche Zusatzfrage: was soll denn Auswirkung eventueller Jahreszeiten auf Merkur sein? Nicht-Verflüssigung von dieser und jener Legierung?

  • Naja, ich denke in der Wissenhschaft geht es eben nicht nur um 1+1=2. Ich denke, bei der Aufgabe könnte es darum gehen, wissenschaftlich zu arbeiten. Das Ziel ist, eine Hypothese zu formulieren und zu begründen. Ich fand solche Aufgaben immer klasse. Denn es gab keine "falsche" Lösung. Man musste sein erlerntes Wissen auf Sachverhalte anwenden.

  • Hey Martin,


    Also ich definiere Jahreszeiten als eine regelmäßige durch die Sonneneinstrahlung definierte Klimaänderung mit der folge einer Wetterveränderung.

    Jahreszeiten haben nichts mit Veränderungen durch die Erde zu tun, also ein Vulkan bricht jedes Jahr zur selben zeit aus, und durch die Verdunkelung wird es kälter.


    Durch die Schräglage der Achse, wie bei der Erde, kann es beim Merkur schonmal nicht kommen, da sie mit 0,03° beim Merkur nicht merkbar ist.
    Durch die elliptische Umlaufbahn kommt ein Sonnen gemachter Temperatur unterschied von ca 200 C ( 427C zu 250C ) zustande.
    Hier ergibt sich eine klimatische Veränderung, aber keine Wetterveränderung, zumal es ja auf dem Merkur auch "keine" Atmosphäre gibt, und es somit auch "kein" Wetter/Klima gibt, das sich durch die Temperaturänderung verändern könnte.


    Fazit:
    auf dem Merkur gibt es Jahreszeiten im sinne von Temperatur Änderung.
    Ob man hier dann eindeutig von Jahreszeit im Sinne der Dominanz der Veränderung des Klimas wie auf der Erde zu sprechen ist, denke ich dann eher nicht.






    Mehr wird nicht gefragt, und mehr muss im Prinzip denke ich auch nicht beantwortet werden. Wobei meine Ausführung für ein Abi doch noch zu kurz ist.


    Ich denke mit max einer knappen A4 Seite Text, ist das locker beantwortet.


    Gruß Jogi

  • Hi,


    ich weiß leider nicht, auf welche Art und Weise die Fragen beim Abitur gestellt werden oder interpretiert werden müssen. Allerdings würde ich naiv an die Aufgabenstellung herangehen und nach der einfachsten möglichen Lösung suchen. Wenn ich dann diesen Hinweise lese -


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote">Berücksichtigen Sie bei Ihren Überlegungen auch die Ursachen, die auf der Nordhalbkugel der Erde zur Entstehung der Jahreszeiten führen, sowie die Tatsache, dass die Rotationsachse des Merkur senkrecht zu seiner Bahnebene steht.<hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    würde ich davon ausgehen, dass die einfach nur hören wollen, dass es keine Jahreszeiten wie auf der Erde gibt.


    Viele Grüße
    Dominik

  • Hallo Martin_D,


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: Martin_D</i>
    <br />...


    ...


    Das ganze Abitur kann man übrigens hier sehen.


    http://www.isb.bayern.de/downl…hysik_2020_aufgaben_1.pdf
    (Die Astronomieaufgaben sind auf den Seiten 10 - 13)


    Ich frage mich, was ein Prüfling dazu schreiben soll.


    Eine freche Stellungnahme wäre:


    <i>"Die Aufgabe kann ich nicht bearbeiten, weil ich dazu eine präzise Definition des Begriffs 'Jahreszeiten' benötige."</i>


    ...
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">
    Laut Lehrplan PhA12, LB 1, Inhalte zu den Kompetenzen: * scheinbare Bewegung der Sonne, wird man wohl zwangsläufig Jahreszeiten auf der Erde und eine entsprechende (astronomische) Definition behandelt haben.
    Wer eine sehr gute Leistung attestiert bekommt haben möchte (z.B. auch 15 Punkte), sollte die Aufgabe dann auch auf eine angemessene Art und Weise einschätzen und bearbeiten können; meine Meinung.



    Grüße,
    Torsten Hansen

  • Hallo,


    nachdem die Fragestellung der Aufgabe relativ unbestimmt ist würde ich erwarten, dass der Verfasser auf den Sachverhalt abzielt, dass die Rotationsachse des Merkur senkrecht auf seiner Bahnebene steht. Damit wäre im Gegensatz zur Erde die Voraussetzung der terrestrischen Jahreszeitenbildung nicht gegeben. Da die Fragestellung keine Details zur gewünschten Argumentationstiefe beinhaltet und die erzielbaren Punkte endlich sind wäre dies mein Ansatz für einen minimalistisch dimensionierten Zeiteinsatz.


    CS
    Jörg

  • <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: Martin_D</i>
    <br />Im aktuellen Physikabitur Bayern findet man folgende Aufgabe:


    <i>Unter Astronomen ist strittig, ob man aufgrund des in Teilaufgabe d (*) festgestellten Sachverhalts von Jahreszeiten auf Merkur sprechen kann. Stellen Sie diesbezüglich eine Hypothese auf und begründen Sie diese. Berücksichtigen Sie bei Ihren Überlegungen auch die Ursachen, die auf der Nordhalbkugel der Erde zur Entstehung der Jahreszeiten führen, sowie die Tatsache, dass die Rotationsachse des Merkur senkrecht zu seiner Bahnebene steht.</i>


    (*) In Teilaufgabe die wird die stark exzentrische Bahn des Merkurs und die damit verbundene unterschiedliche Bestrahlungsstärke von der Sonne im Perihel und im Aphel thematisiert.


    Das ganze Abitur kann man übrigens hier sehen.


    http://www.isb.bayern.de/downl…hysik_2020_aufgaben_1.pdf
    (Die Astronomieaufgaben sind auf den Seiten 10 - 13)


    Ich frage mich, was ein Prüfling dazu schreiben soll.


    Eine freche Stellungnahme wäre:


    <i>"Die Aufgabe kann ich nicht bearbeiten, weil ich dazu eine präzise Definition des Begriffs 'Jahreszeiten' benötige."</i>


    Man könnte darüber auch eine mehrseitige Erörterung schreiben, in der alle Aspekte beleuchtet werden. Darunter auch den in der Aufgabentext nicht thematisierten Aspekt, dass die Länge eines Tag-Nacht-Zyklus' im Verhältnis zur Umlaufperiode beim Merkur ganz anders ist als auf der Erde. Für eine solch ausführliche Erörterung fehlt aber im Abitur die Zeit.


    Der Aufgabensteller erwartet deshalb vermutlich weder das eine noch das andere, sondern eine vergleichsweise kurze Stellungnahme von ein paar wenigen Sätzen.


    Ich finde es ausgesprochen schwierig, eine für die Problemstellung angemessene Stellungnahme in wenigen Sätzen zu schreiben.




    Die Aufgabe ist ein Beispiel für eine moderne Aufgabenkultur in Physik. Ich habe meine Zweifel, ob eine solche Aufgabenkultur das Schulfach Physik wirklich weiterbringt.
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    "Unter Astronomen ist strittig....", das sagt eigentlich schon alles, hier geht es eher um eine Art Besinnungsaufsatz mit naturwissenschafltichen Kern als um Physik. Sicher ist es gut Wissenschaft und besonders auch Physik in einen Kontext zu stellen, aber doch bitte nicht in einer Prüfungssituation. Was im Unterricht besprochen wurde und was die bewertende Lehrkraft erwartet kann extrem von Ort zu Ort varieren. In schriftlichen Prüfungen sollte in erster Linie klar umrissenes Handwerkzeug abgefragt werden.


    beste Grüße


    Thomas

  • Vielen Dank, dass sich doch so viele dazu geäußert haben.


    Natürlich ist die Sache so gedacht, dass der Schüler zwei verschiedene Möglichkeiten hat, die Aufgabenstellung zu beantworten:


    (1) Er definiert Jahreszeiten sehr unspezifisch als periodische Schwankungen in der Sonneneinstrahlung: Die gibt es dann sowohl auf den Merkur (verursacht durch die Exzentrität seiner Umflaufbahn als auch regional auf der Erde (verusacht durch die Neigung der Rotationsachse zur Umlaufbahn). Demnach gibt es auf dem Merkur Jahreszeiten


    (2) Er definiert Jahreszeiten präziser als periodische Schwankungen der Sonneneinstrahlung an einen bestimmten Ort, die von der Neigung der Rotationsachse zur Bahnebene verusacht sind. Demnach gibt es auf dem Merkur keine Jahreszeiten, da hier die periodische Schwankung durch einen anderen Sachverhalt verursacht wurde.


    Aber es besteht definitiv die Gefahr, sich zu verbeißen und wesentlich genauer auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede einzugehen als es vom Aufgabensteller her gedacht war. B


    Ich bin da bei Thomas. In schriftlichen Prüfungen ist so etwas kritisch zu sehen. Die Formulierung "Besinnungsaufsatz mit naturwissenschaftlichen Kern" ist sehr gut und muss ich mir merken, da sie meine Kritik an solchen Aufgabenstellungen auf den Punkt bringt.


    Diese Aufgabe ist ja nur ein Beispiel für die meiner Ansicht nach verunglückte neue Aufgabenkultur. Sie ist meiner Meinung nach hauptverantwortlich dafür, dass nur noch wenige Schülerinnen und Schüler in Bayern ein Schriftliches Abitur in Physik ablegen. 2019 waren das nur etwa 2,7 % aller Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs, also nur gut einer von 40 oder nicht einmal einer pro Schulklasse.


    Viele Grüße
    Martin

  • Hallo Martin,


    die möglichen Antworten 1 und 2 hast Du gut beschrieben.


    Über die Sachinhalte hinaus sollte man im Unterricht auch gelernt haben, was die Operatoren "stellen Sie eine Hypothese auf und begründen sie diese" bedeuten. Wer sich hier in langen Diskussionen ergeht, hat nicht gut aufgepasst.


    Insofern finde ich die Aufgabenstellung sehr klar und das insgesamt wirklich eine nette Aufgabe.


    Viele Grüße, Holger

  • Ein Aspekt blieb bisher unerwähnt, weil über die Frage hinaus gehend. Aufgrund der gebundenen Rotation und der exzentrischen Bahn gibt es auf Merkur eine Tag- und Nachtgrenze die im Jahresrytmus wandert und eher dem Phänomen der Polarsommer/-winter ähnelt.


    Oder anders gesagt: Der Vollständigkeit halber sollte man Tag-Nachtwechsel und Jahreszeiten auch voneinander abgrenzen.

  • Hallo Holger,


    inzwischen habe ich erfahren, dass in Bayern nur etwa einer von 20 Schülerinnen und Schülern, die Physik belegen, schriftliches Abitur in Physik gemacht haben (beziehungsweise etwa einer von 45 Schülerinnen und Schülern insgesamt). Das ist eine erbärmliche Bilanz und ich bin sicher, dass eine verunglückte moderne Aufgabenkultur zwar der einzige, aber doch ein wesentlicher Grund für dafür ist.


    Viele Grüße
    Martin Dauser

  • Hallo Martin,
    aus meiner Sicht überschätzt du den Einfluss einer solchen "Laberaufgabe" auf die Entscheidung sich in Physik prüfen zu lassen.
    Konkret zur jetzigen Situation in Bayern kann ich nichts sagen, da ich meinen Physik-LK (16% meines Jahrgangs) vor über 10 Jahren nördlich des "Weißwurstäquators" hatte. [;)]
    Ich möchte aber bezweifeln, dass sich die Schüler vor ihrer Kurswahl mit alten Abituraufgaben beschäftigen, geschweige denn wegen einer solchen Aufgabe, die 4 von 120 Punkten der Abiklausur wert ist, ihre Kurswahl ändern. So deutest du das ja im letzten Post an.
    In erster Linie muss doch über die Schuljahre ein Interesse am Fach geweckt werden, ansonsten habe ich doch wenig Lust mich 2 Jahre damit zu beschäftigen. Dass es in Bayern anspruchsvoller zugeht als in den anderen Ländern, ist diesem Interessewecken vielleicht auch nicht immer zuträglich. Daneben spielt natürlich auch die Lehrerpersönlichkeit eine große Rolle.
    Außerdem implizierst du, dass es in anderen Fächern solche Aufgabenstellungen nicht geben würde. Ich könnte mir solche Aufgaben aber auch gut für andere Fächer vorstellen, z.B. Chemie und Mathe, habe das jetzt aber nicht weiter überprüft, wüsste aber nicht warum nur das Fach Physik davon betroffen sein soll.
    Die "verunglückte moderne Aufgabenkultur" kann ich persönlich beim Überfliegen der anderen Aufgaben nicht entdecken. Gut möglich, dass ich hier schon entsprechend vorgeschädigt bin!
    Eine solche Aufgabenstellung entspricht sicher nicht der Wunschvorstellung eines zahlenaffinen Menschen, aber 4 von 120 Punkten für halbwegs schlüssiges Argumentieren halte ich für vertretbar.

  • <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: Martin_D</i>
    <br />
    inzwischen habe ich erfahren, dass in Bayern nur etwa einer von 20 Schülerinnen und Schülern, die Physik belegen, schriftliches Abitur in Physik gemacht haben (beziehungsweise etwa einer von 45 Schülerinnen und Schülern insgesamt). Das ist eine erbärmliche Bilanz und ich bin sicher, dass eine verunglückte moderne Aufgabenkultur zwar der einzige, aber doch ein wesentlicher Grund für dafür ist.
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Was? Nur Einer von 20 schreibt noch ein schriftliches Abitur in Physik in Bayern? Das ist aus meiner Sicht als Physiker ja ein starkes Stück.

  • Es ist tatsächlich so, dass in Bayern nur einer von 20. die Physik belegen, eine schriftliche Abiturprüfung in Physik ablegen. Dabei war in den letzten Jahren zu beobachten, dass die Schüler bayernweit im schriflichen Physikabitur klar schlechter abschneiden als in den Jahresfortgangsnoten. Es ist naheliegend, anzunehmen, dass das eine etwas mit dem anderen zu tun hat. Denn das spricht sich natürlich herum und hält Schüler davon ab, Physik für das schriftliche Abitur zu wählen.
    Das kann man auch daran erkennen, das inzwischen die Zahl der Schüler, die im Abitur eine Kolloqiumsprüfung in Physik machen, fast dreimal so hoch ist wie die Zahl der Schüler, die ein schriftliches Abitur in Physik machen.
    Das war bei Beginn des G8-Abiturs 2011 noch anders.


    Jedenfalls scheint es mir schon angebracht zu sein, bei einer solch unbefriedigenden Entwicklung mal Aufgabenstellungen kritisch zu hinterfragen.


    Viele Grüße
    Martin

  • <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: Martin_D</i>
    <br />Es ist tatsächlich so, dass in Bayern nur einer von 20. die Physik belegen, eine schriftliche Abiturprüfung in Physik ablegen. Dabei war in den letzten Jahren zu beobachten, dass die Schüler bayernweit im schriflichen Physikabitur klar schlechter abschneiden als in den Jahresfortgangsnoten. Es ist naheliegend, anzunehmen, dass das eine etwas mit dem anderen zu tun hat. Denn das spricht sich natürlich herum und hält Schüler davon ab, Physik für das schriftliche Abitur zu wählen.
    Das kann man auch daran erkennen, das inzwischen die Zahl der Schüler, die im Abitur eine Kolloqiumsprüfung in Physik machen, fast dreimal so hoch ist wie die Zahl der Schüler, die ein schriftliches Abitur in Physik machen.
    Das war bei Beginn des G8-Abiturs 2011 noch anders.


    Jedenfalls scheint es mir schon angebracht zu sein, bei einer solch unbefriedigenden Entwicklung mal Aufgabenstellungen kritisch zu hinterfragen.
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Das ist ja ein starkes Stück. Dann nehmen also nur noch wenige Schüler Physik als Leistungskurs? Wo sollen dann Naturwissenschaftler und Ingenieure herkommen?
    In bezug auf diese Aufgabe muss ich allerdings zustimmen, selbst wenn diese vermutlich kein hohes Gewicht haben wird. Da gäbe es doch bessere Aufgaben.

  • <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: Martin_D</i>
    <br />Es ist tatsächlich so, dass in Bayern nur einer von 20. die Physik belegen, eine schriftliche Abiturprüfung in Physik ablegen. Dabei war in den letzten Jahren zu beobachten, dass die Schüler bayernweit im schriflichen Physikabitur klar schlechter abschneiden als in den Jahresfortgangsnoten. Es ist naheliegend, anzunehmen, dass das eine etwas mit dem anderen zu tun hat. Denn das spricht sich natürlich herum und hält Schüler davon ab, Physik für das schriftliche Abitur zu wählen.
    Das kann man auch daran erkennen, das inzwischen die Zahl der Schüler, die im Abitur eine Kolloqiumsprüfung in Physik machen, fast dreimal so hoch ist wie die Zahl der Schüler, die ein schriftliches Abitur in Physik machen.
    Das war bei Beginn des G8-Abiturs 2011 noch anders.


    Jedenfalls scheint es mir schon angebracht zu sein, bei einer solch unbefriedigenden Entwicklung mal Aufgabenstellungen kritisch zu hinterfragen.
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Hallo Martin!


    Das ist ja ein starkes Stück. Dann nehmen also nur noch wenige Schüler Physik als Leistungskurs? Wo sollen dann Naturwissenschaftler und Ingenieure herkommen?
    In bezug auf diese Aufgabe muss ich allerdings zustimmen, selbst wenn diese vermutlich kein hohes Gewicht haben wird. Da gäbe es doch bessere Aufgaben.

  • Schön, dass mein Beitrag nach einigen Wochen oder Monaten dann doch noch auftaucht. Dachte schon der wäre nach dem etwas länger dauernden Verfassen im Nirvana gelandet. Soll ab und an ja vorkommen.


    Da ich mich mit Martins Argumentation überhaupt nicht anfreunden kann, habe ich ein bisschen recherchiert: https://www.km.bayern.de/epape…downloads/publication.pdf ist über Abi 2020, aber sollte auf den relevanten Seiten 9 und 26 mit den letzten Jahren identisch sein.
    In Deutsch und Mathe sind in Bayern schriftliche Prüfungen Pflicht.
    Gemäß der Stundentafel bleiben 8 zusätzlich zu belegende Fächer übrig (vielleicht mag es hier noch irgendwelche Ausnahmen geben, also +-1), von denen 3 geprüft werden. Von diesen 3 Prüfungen ist nur eine schriftlich, 2 also mündlich.
    Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schüler, der Physik belegt, sich auch in Physik prüfen lassen möchte, ist also im Mittel 1/8.
    Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Prüfung dann eine schriftliche ist, beträgt 1/3.
    Insgesamt ergibt sich also eine Wahrscheinlichkeit von 1/24, dass ein Schüler, der Physik belegt, sich in Physik schriftlich prüfen lässt.
    Zu 1/20 ist es dann nicht mehr sehr weit; damit relativiert sich die ganze Angelegenheit schon deutlich!
    Physik wird also heute immer noch etwas überdurchschnittlich oft als schriftliches Prüfungsfach gewählt. Vielleicht ist also die naheliegendere Fragestellung, weshalb in der Vergangenheit noch häufiger als heute und als naiv erwartet, Physik als schriftliches Prüfungsfach gewählt wurde; anstatt nach Gründen zu suchen, weshalb die Quote bloß von Jahr zu Jahr sinkt. Diese nähert sich ja nur dem zu erwartenden Mittelwert!


    Zur Diskrepanz von Jahresfortgangsnoten und Noten im schriftlichen Physikabitur:
    Das klingt fast wie ein Naturgesetz und somit nicht zu ändern. Man könnte hier auch zu dem Schluss kommen, dass die Vorbereitung der Lehrkraft auf die Abschlussprüfung noch zu verbessern ist. Ich weiß nicht wie üblich das unter Lehrern ist (möglicherweise sogar verpönt) und mit G8 mag nun weniger Zeit dafür zur Verfügung stehen, aber unser Physik-Tutor hat uns gerne mal mit Aufgaben aus dem bayrischen Abitur versorgt, soweit das thematisch gerade passte und vielleicht auch nicht gerade als Hausaufgabe zur nächsten Stunde. Mittlerweile sind die Aufgaben ja auch mühelos im Netz zu finden. Hier könnte man also kurz auf solche Aufgabenstellungen und Anforderungen an deren Beantwortung eingehen. Ich habe leider keinerlei Erfahrung beim Korrigieren von schriftlichen Abiturprüfungen, vermute aber dass der Lehrkraft Lösungen zur Verfügung stehen und dort nicht nur Ergebnisse von Berechnungen stehen, sondern auch Bewertungsmaßstäbe für genau solche Aufgaben. Damit hat sich das Problem dann erledigt (wenn es denn beim Blick auf die zu vergebenden Punkte in der Prüfungssituation überhaupt eins ist).


    Edit (die Verzögerung hier im Schulforum hat auch ihr Gutes [;)]):
    Schade, die Zahlen schienen so schön zu passen, aber bei den oben genannten Wahrscheinlichkeiten hat sich ein Fehler eingeschlichen. [:D] Es stehen den Schülern nicht 8 Fächer zur freien Auswahl bzgl. Prüfungen. Wenn man Physik belegt, landet man in einem Block mit 4 Fächern. Das würde dann die Prüfwahrscheinlichkeit von 1/8 auf 1/4 erhöhen.
    Damit ist die Wahrscheinlichkeit einer schriftlichen Prüfung in Physik nicht 1/24, sondern mindestens 1/12.
    Mich würde jetzt interessieren, ob die höheren Zahlen von 2011 (wie hoch war die Quote überhaupt damals?) ein einmaliges Ereignis waren; die Zahlen ab 2012 also schon auf einem ähnlichen Niveau wie heute liegen. Und natürlich ob die Zahlen der schriftlichen Physikprüfungen aus 2010 über- oder unterdurchschnittlich sind. Dass Bio oder Chemie ganz allgemein beliebtere schriftliche Prüfungsfächer sind, könnte ich mir schon vorstellen.


    Ich bleibe dabei: Dass sich eine nennenswerte Anzahl Schüler, die prinzipiell Interesse an einer schriftlichen Prüfung im Fach Physik haben, wegen solch einer Aufgabe ihre Wahl überdenken, halte ich für vollkommen abwegig.
    Dass sich diejenigen Schüler, die sich eine schriftliche Prüfung in Physik oder in Kunst, Musik oder Sport vorstellen können, und wegen der zusätzlichen Wochenstunden schon in der 10. Klasse ihr schriftliches Prüfungsfach verbindlich festlegen müssen, sich überhaupt mit Abituraufgaben der 12. Klasse beschäftigen und dort wiederum auf allerlei noch unbekannte Themen stoßen, sich dann aber nur wegen einer solchen Aufgabe für eine schriftliche Prüfung in Kunst, Musik oder Sport entscheiden, halte ich ebenfalls für nahezu ausgeschlossen.
    Kommt man als Schüler überhaupt an solche Statistiken mit den schlechteren Prüfungsnoten heran oder soll sich das rein über Mundpropaganda von weniger als 1/20 der Schüler (nicht jeder belegt ja überhaupt Physik) in die nachkommenden Jahrgänge verbreiten?


    Die Naturwissenschaften haben in Bayern auch das Problem in einem Block mit 4 Fächern zu sein. Schülern, die nichts mit Naturwissenschaften am Hut haben, wird hier die Möglichkeit gegeben sich in Kunst, Musik oder Sport schriftlich prüfen zu lassen (mit dem Nachteil 1-2 mehr Wochenstunden machen zu müssen).
    Die beiden anderen Blöcke bestehen nur aus einem einzigen Fach (!) und immerhin noch 3 Fächern.
    Eine geringe Anzahl schriftlicher Physikprüfungen oder in den Naturwissenschaften allgemein ist also offenbar durchaus gewollt. Hat natürlich ein gewisses Geschmäckle, wenn man bedenkt, womit unsere Volkswirtschaft zu einem nicht ganz unerheblichen Teil ihr Geld macht. Aber das hat ja Amateurastronom auch schon angedeutet.

  • <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: Chertan</i>
    <br />Schön, dass mein Beitrag nach einigen Wochen oder Monaten dann doch noch auftaucht. Dachte schon der wäre nach dem etwas länger dauernden Verfassen im Nirvana gelandet. Soll ab und an ja vorkommen.


    Da ich mich mit Martins Argumentation überhaupt nicht anfreunden kann, habe ich ein bisschen recherchiert: https://www.km.bayern.de/epape…downloads/publication.pdf ist über Abi 2020, aber sollte auf den relevanten Seiten 9 und 26 mit den letzten Jahren identisch sein.
    In Deutsch und Mathe sind in Bayern schriftliche Prüfungen Pflicht.
    Gemäß der Stundentafel bleiben 8 zusätzlich zu belegende Fächer übrig (vielleicht mag es hier noch irgendwelche Ausnahmen geben, also +-1), von denen 3 geprüft werden. Von diesen 3 Prüfungen ist nur eine schriftlich, 2 also mündlich.
    Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schüler, der Physik belegt, sich auch in Physik prüfen lassen möchte, ist also im Mittel 1/8.
    Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Prüfung dann eine schriftliche ist, beträgt 1/3.
    Insgesamt ergibt sich also eine Wahrscheinlichkeit von 1/24, dass ein Schüler, der Physik belegt, sich in Physik schriftlich prüfen lässt.
    Zu 1/20 ist es dann nicht mehr sehr weit; damit relativiert sich die ganze Angelegenheit schon deutlich!
    Physik wird also heute immer noch etwas überdurchschnittlich oft als schriftliches Prüfungsfach gewählt. Vielleicht ist also die naheliegendere Fragestellung, weshalb in der Vergangenheit noch häufiger als heute und als naiv erwartet, Physik als schriftliches Prüfungsfach gewählt wurde; anstatt nach Gründen zu suchen, weshalb die Quote bloß von Jahr zu Jahr sinkt. Diese nähert sich ja nur dem zu erwartenden Mittelwert!


    Zur Diskrepanz von Jahresfortgangsnoten und Noten im schriftlichen Physikabitur:
    Das klingt fast wie ein Naturgesetz und somit nicht zu ändern. Man könnte hier auch zu dem Schluss kommen, dass die Vorbereitung der Lehrkraft auf die Abschlussprüfung noch zu verbessern ist. Ich weiß nicht wie üblich das unter Lehrern ist (möglicherweise sogar verpönt) und mit G8 mag nun weniger Zeit dafür zur Verfügung stehen, aber unser Physik-Tutor hat uns gerne mal mit Aufgaben aus dem bayrischen Abitur versorgt, soweit das thematisch gerade passte und vielleicht auch nicht gerade als Hausaufgabe zur nächsten Stunde. Mittlerweile sind die Aufgaben ja auch mühelos im Netz zu finden. Hier könnte man also kurz auf solche Aufgabenstellungen und Anforderungen an deren Beantwortung eingehen. Ich habe leider keinerlei Erfahrung beim Korrigieren von schriftlichen Abiturprüfungen, vermute aber dass der Lehrkraft Lösungen zur Verfügung stehen und dort nicht nur Ergebnisse von Berechnungen stehen, sondern auch Bewertungsmaßstäbe für genau solche Aufgaben. Damit hat sich das Problem dann erledigt (wenn es denn beim Blick auf die zu vergebenden Punkte in der Prüfungssituation überhaupt eins ist).


    Edit (die Verzögerung hier im Schulforum hat auch ihr Gutes [;)]):
    Schade, die Zahlen schienen so schön zu passen, aber bei den oben genannten Wahrscheinlichkeiten hat sich ein Fehler eingeschlichen. [:D] Es stehen den Schülern nicht 8 Fächer zur freien Auswahl bzgl. Prüfungen. Wenn man Physik belegt, landet man in einem Block mit 4 Fächern. Das würde dann die Prüfwahrscheinlichkeit von 1/8 auf 1/4 erhöhen.
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Hallo!


    Das mit der Moderation (wieso eigentlich?) dauert hier etwas.


    Das ist ja eigenartig. Ich musste damals auf Druck meiner Eltern alle Fächer bis auf Sport und die Zwangsfächer Literatur und dieses Sozialwissenachaftsmischfach schriftlich nehmen, um negativen Noten durch das Argument zu weniger Beteiligung am Unterricht vorzubeugen.
    Das war so eine Masche einiger Deutschlehrer in der Mittelstufe hier.
    Deshalb erstaunen mich diese Zahlen so sehr. In fast allen Fächerk Klausuren zu schreiben, war allerdings auch damals schon ungewöhnlich.
    Im Abitur war das natürl7ch im mündlichen Fach nicht möglich.

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