Welcher Satellit war das?

  • Meine Beobachtung datiert aus dem Sommer 1970 oder 1971.


    Standort: Kiel, Wilhelminenstraße, Südbalkon.
    Uhrzeit: 17:47 bis 17:49.


    Der Satellit tauchte abrupt links (am noch hallen Himmel) vom Rathaus Turm auf, beschrieb ca. einen Viertelkreis und verschwand kurz vor der Spitze des Rathaus Turms.
    Ich habe das einige Tage beobachtet, danach habe ich ihn entweder nicht mehr gesehen oder das Interesse an weiterer Beobachtung verloren. (Immerhin hatte es noch gereicht, um einen Satellitendurchgang als mein erstes Algol-Programm in einer Schul-AG zu schreiben..).


    Läßt sich nach so langer Zeit noch herausfinden, welchen Satelliten ich damals gesehen habe?

    Sommergräser sind nun noch die Reste der Träume der Krieger.

    Matsuo Basho 1644-1694

  • Hi,


    nun, 1970 ist ein wenig, wie soll ich sagen : historisch! Bahnparameter (sogenannte TLE Tabellen) von damals zu finden wird ein wenig sportlich - aber wenn Du die erst mal hast, rechnet Dir jedes beliebige Programm seinen Standort von Kiel aus gesehen - aus.


    Aber daneben ist Deine Beschreibung etwas unpräzise. Was ist "beschrieb einen Viertelkreis" ? Viertel des Himmels entlang seiner GERADEN Bahn? Aber dann stoß ich mich am: "links vom Rathausturm (das beschreibt einen halben Himmel). Und "kurz vor der Spitze" (das kann wieder alles sein, abhängig davon wo Du stehst).


    Nützlichere Informationen wären, um einen Satelliten festzunageln:


    Tag der Beobachtung
    Genaue Uhrzeit (Anfang, Ende) auf die Minute.


    Standort in geogr. Breite und Länge


    Zuerst gesehen - wo am Himmel?:
    a) Uhrzeit
    b) In etwa Elevation (Höhe) in Grad
    c) Azimuth (mindestens NNO, SWS oder gleich in nautisch benutzten Grad rel. zu Nord, Kurs 270 Grad z.B)


    Zuletzt gesehen
    a)
    b)
    c)


    Satelliten beschreiben immer eine gerade Bahn! Sie kann vom Erdboden aus aber leicht gekrümmt erscheinen.


    Falls das ein Kringel war, kann das nur ein Flugzeug gewesen sein.


    Grüße,
    Walter

  • Hallo Walter,


    vielen Dank für Deine Antwort.


    Nun ja, es war halt mein erster Satellit, den ich als solchen erkannte.
    Gemäß Google maps liegt der Rathaus Turm genau südlich von meinem damaligen Standort. Ich beobachtete vom 2. Stock aus und - nach meiner gegenwärtigen Erinnerung tauchte der Satellit ca. 30 Grad über dem Horizont auf und verschwand ca. bei 45 Grad über dem Horizont. Azimutal würde ich (heute) schätzen: Auftauchen ca. im Südwesten, 225 Grad und Verschwinden ca. bei 190 Grad. Die Bahn schien mir deutlich gekrümmt, daher meine initale Angabe von "Viertelkreis".
    Leider habe ich mir das Beobachtungsdatum nicht gemerkt, aber es war ziemlich sicher in dieser Jahreszeit, also Anfang Juni..

    Sommergräser sind nun noch die Reste der Träume der Krieger.

    Matsuo Basho 1644-1694

  • Hi,


    ja, die Situation ist eine etwas andere als in 2020 ;-). Heute in Internet Zeiten ist der Zugriff auf solche Informationen und Nachrechnungen gigantisch viel größer als damals.


    Mein Vorgehen war da falsch. Eigentlich kann man nur allgemein versuchen historisch nach zu recherchieren, welche Satelliten oder Raum Stationen (Saljut? Skylab?) groß genug und hell genug waren um sie mit dem bloßen Auge schon bei Dämmerung zu sehen. Abrupt auftauchen ist vermutlich physiologisch. Du wirst ja nicht auf einen Punkt im Himmel gestarrt haben und "Wopp!" da isser. Vermutlich wurde er immer heller beim Kommen aber aus dem Augenwinkel wurde erst ab einer gewissen Schwelle ein Signal an das Gehirn gesendet, oder so. Aufmerksamkeitsschwelle und so. Dagegen ist ein plötzliches Verschwinden durchaus "normal", wenn z.B die ISS (abends) in den Erdschatten einfliegt, dann dimmt sie innerhalb weniger Sekunden weg.


    Morgens kann es natürlich umgekehrt sein, auf poppen und dann langsames dahinsegeln bei laaaangsam abnehmender Helligkeit.


    Versuch doch mal die ISS zu beobachten, ob das ein ähnlicher Eindruck ist. Heute geht das ja ganz einfach. Es gibt aber Sichtbarkeitsperioden. Näheres z.B bei HeavensAbove.


    Grüße,
    Walter

  • Bei der Angabe der Jahreszahlen bin ich mir aufgrund der damaligen Eckpunkte recht sicher: wir zogen erst '69 in die damalige Adresse und ab '72 hatte ich mit der Schule zuviel zu tun, um noch Zeit für den Himmel zu haben. (Natürlich: In der Rückschau denke ich mir, daß ich damals mit (Wert- oder waren es Wahn-)Vorstellungen gefüttert wurde, die ich mir danach mühsam wieder abgewöhnen mußte..)
    Ich hatte in den 90ern zweimal die Gelegenheit, einen direkten Überflug des Satelliten ERS-1 - den ich damals als Spacecraft Controller selber bei der ESOC in Darmstadt steuerte - mit eigenen Augen zu sehen, diesmal bei schon dunklem Himmel. Das "Flight Dynamics team" schickte Stunden vorher extra eine Mail an alle, damit sie die Gelegenheit hatten, den Satelliten zu sehen. Zum Glück herrschte klarer Himmel. Er tauchte abrupt auf, zog eine gerade Bahn über meinen Kopf und verschwand ebenso abrupt - das Spektakel dauerte höchstens eine Minute.

    Sommergräser sind nun noch die Reste der Träume der Krieger.

    Matsuo Basho 1644-1694

  • ESOC? Hast Du irgendwasin Richtung Luft & Raumfahttechnik studiert? Nur dass man Deine Frage richtig einordnen kann.
    Das früheste wo ich an TLE Bahnelemente heran kam um Computerprogramme zu füttern, war in den frühen Neunnzigern. Die Quelle war NORAD und das ging über FTP oder Gopher, ich weiss es nicht mehr so genau. Das sind aber schon 20 Jahre nach 1970. Damals kamen die TLE vielleicht per Telegramm ;-) nach Europa. Wenn es im Internet keine historischen TLE gibt, dann kannst Du nur versuchen Basis Informationen der damals größten Objekte zu finden, vielleicht sogar Stufen der Saturn. Die dritte blieb ja längere Zeit im Orbit und sie war groß und weiss. Usw. ist echt eine kleine Wühlarbeit.


    Helfen kann ich da leider nicht.

  • Hallo "asa",


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: asa</i>
    <br />Meine Beobachtung datiert aus dem Sommer 1970 oder 1971.


    Standort: Kiel, Wilhelminenstraße, Südbalkon.
    Uhrzeit: 17:47 bis 17:49.
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    öhmmm ... Sommer ... 17:47 Uhr ... [:0] ... Visuell ein Satellit am Taghimmel (!)? Über 2 Minuten zu sehen? ... Sorry, aber das wird selbst mit der ISS nix, die um ein Vielfaches größer ist als alle Satelliten, die bisher die Erde umkreist haben ... [B)]


    Gruß und klaren Himmel
    Heiko

  • Mensch Heiko,


    da hab ich wieder nur mit dem Kleinhirn gelesen. Im Kopfkino gab es eine halbwegs fortgeschrittene Dämmerung.


    Stimmt ja: Sommer, Kiel, 17:45 ; da steht die Sonne noch recht hoch am West Himmel (selbst erlebt). Da geht nicht mal die ISS...


    CS,
    Walter

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