OdM Juni 2020: Es wird Dunkel!

  • Dunkelwolken, Dunkelnebel bzw. Absorptionsnebel sind ja bisher eher eine unterrepräsentierte Objektkategorie bei den OdM. Deshalb möchte ich das OdM im Juni mal dieser spannenden Kategorie widmen und weil es zur Jahreszeit passt, ist nicht der wohl bekannteste Vertreter – der Pferdekopfnebel – am Start, sondern 5 Dunkelnebel im Sternbild Adler:


    B 133 / LDN 531
    Position: RA: 19h06m10s DEK: -06°53'45" Opacity: 6


    Diese Dunkelwolke liegt nahe des „Schwanzes“ des Sternbild Alders und bedeckt Teile der Schildwolke, die bis ins Sternbild Alder reichen. Mit einer Opazität von 6, dem höchsten möglichen Wert ist sie wirklich komplett schwarz, sozusagen ein „Loch“ in der Schildwolke. Wie weit dieser Dunkelnebel von uns entfernt liegt, ist unbekannt, allerdings deutet der Mangel an Vordergrundsternen daraufhin, dass er doch eher in unserer näheren Umgebung liegt.



    B142 / B 143
    Position: RA: 19h39m41s DEK: +10°31'12" Opacity: 6


    Barnards E liegt ca. 2° nordwestlich von Altair. Auch sie gehören der höchsten Opzitätsklasse an und zeichnen daher sehr deutlich vom Hintergrund ab. Die Entfernung wird mit 1100 – 2000 Lichtjahren angegeben.



    B 330 / LDN
    Position: RA: 19h19m35s DEK: +07°28'01" Opacity: 4


    dieser auffällige Dunkelnebel mit Opazität 4 liegt 1° nord-nordöstlich vom PN NGC 6781



    B340 / LDN
    Position: RA: 19h48m43s DEK: +11°24'01" Opacity: 5


    1° östlich von Barnards E findet sich dieser unregelmäßig gebogene Dunkelnebel. Visuell dürfte hier nur der nödrliche Ausläufer zu beobachten sein. Eine Besonderheit sind einige gleichhelle Sterne am Rand des Nebels, die ihn sozusagen einrahmen.



    Bilder: Digitized Sky Surves: Poss II red


    Doch was eigentlich sind diese dunklen Gebiete? Im Prinzip unterscheiden sich die Dunkelwolken nicht sehr von Ihren leuchtenden Verwandten unter den galaktischen Nebeln. Sie bestehen hauptsächlich aus Wasserstoff, eben auch aus einer gewissen Menge ca. Silikatstaub (max 10%). Die Staubpartikel sind bedeckt mit gefrorenem Stickstoff und Kohlenstoffmonoxid und diese Kombination macht es möglich, dass die Nebel das Licht absorbieren und so als undurchdringliche schwarze Flecken im Sternenband der Milchstraße erscheinen. Ihre Temperatur beträgt nur wenige Grad Kelvin, so dass sich in Ihrem Inneren Moleküle bilden können, die sich aufgrund Ihrer Mikrowellenstrahlung nachweisen lassen. Dazu gehören: Molekularer Wasserstoff, Kohlenmonoxid, CS, Ammoniak, Formaldehyd (H2CO), Cyclopropenylidene (c-C3H2) und N2H+ (Diazenyllium).
    In den Kernbereichen solcher Dunkelwolken können sich bei ausreichender Dichte neu Sterne bilden.
    Erforscht und kartographiert wurden diese dunklen Flecken in der Milchstraße hauptsächlich von 2 Astronomen: Edward Emerson Barnard (1857 – 1923) und Beverly T. Lynds


    Barnard war ein Pionier der professionellen Astrofotografie und ein begnadeter visueller Beobachter, veröffentlichte seinen ersten Dunkelnebel-Katalog mit Einträgen von Nr. 1 bis 175 im Jahre 1919 unter dem Titel „Catalogue of Dark Markings in the Sky“. Im Nachgang dazu produzierte er einen zweiten Katalog mit Einträgen von Nr. 201 bis 370. Das bedeutet, dass es Barnard 176 bis einschließlich Barnard 200 nicht gibt!
    Beverly T. Lynds veröffentlichte Ihren Dunkelnebel-Katalog 1962 unter dem Titel "Catalogue of Dark Nebulae". Der Katalog mit der Bezeichnung LDN - Lynds‘ Dark Nebulae (nicht mit LBN - Lynds’ Bright Nebulae - zu verwechseln! ;-)) basiert auf einer Durchmusterung der roten und blauen Platten des Palomar Observatory Sky Atlas und deckt den Himmel von Deklination +90° bis -33° ab. Der Katalog subsumiert alle Barnard-Objekte, das heißt zu jeder Barnard-Nr. gibt es eine entsprechende LDN-Nr.
    (Quelle: Freunde-Der-Nacht.net)


    Ich poste das OdM schon jetzt, damit ihr schon zum Maivollneumond die Gelegenheit zur Beobachtung habt, in den weißen Nächten ist ja die Zeit nur kurz!


    Viel Spaß beim Spechteln und natürlich einen klaren Himmel!



    Bilder: Digitized Sky Surves: Poss II red

  • Hallo Stefan,


    na, Du willst den weißen Nächten wohl dunkle Wolken entgegen stellen. Prima, die Dunkelnebel sind bislang ja sehr unterrepräsentiert hier.


    <font color="orange">Barnards E</font id="orange"> kennen sicherlich die meisten. Bei Deinem DSS-Ausschnitt hast Du für meinen Geschmack den südlichen Bogen fast schon etwas zu weit an den Rand gesetzt.
    Guter Himmel vorausgesetzt, sind beide Nebel schon im Kleinfernglas sichtbar.
    Meine Beobachtung mit 8":
    30-fach - B 142 ist sehr deutlich erkennbar und schön zusammen mit B 143 im GF sichtbar - der nördliche Bogen B 143 ist besonders stark ausgeprägt und man hat das Gefühl, das unfassbare Schwärze das Auge umfängt - die westlichen Ausläufer ragen wie Krakenarme in das Sternumfeld hinein
    40-fach - hier werden die Unterschiede zwischen Sternumfeld und Nebel noch ausgeprägter


    <font color="orange">B 340</font id="orange"> ist in der Tat in mittleren Teleskopen mindestens genauso interessant. Hier war mein 8" f/4 Spiegel am besten geeignet:
    30-fach - es bricht kaum Sternlicht durch diesen leicht rundlich wirkenden Nebel - 8 hellere Sterne sind rund um den Nebel herum sichtbar
    40-fach - nun wirkt der Nebel leicht dreieckig und im Norden bricht ein Stern mit seinem Licht etwas durch


    Bei <font color="orange">B 133</font id="orange"> habe ich mir im 4" Refraktor noch schwer getan, der Nebel kam bei 12,5" dann aber richtig schön hervor.


    Und für <font color="orange">B 340</font id="orange"> meine Beobachtung mit 12,5":
    40-fach - der DN ist sofort auszumachen
    70-fach - eindeutigere Grenzen - vor allem bei dem helleren den Nebel begrenzenden Stern im Norden werden die Unterschiede zwischen DN und unbenebeltem Sternumfeld deutlich - das Hauptfeld des DN liegt innerhalb eines Sterndreiecks hellerer Sterne - nordwestlich ist eine breite schnell schwächer werdende Nebelflanke erkennbar, in der einige Sterne mehr durchschimmern - beim Hin- und Herschwenken wird nach SO ist ein schmaler Nebelausläufer erkennbar


    Viele Grüße


    Rene

  • Hallo,


    Zu diesen Dunkelnebeln habe ich einige Einträge in meinem Aufzeichnungen gefunden:


    Barnard 133:


    Beobachtet mit einem 12"/f4 Newton, auf einer Losmandy G11 montiert, Vergrößerung 40x:


    Ich kann im Feld eine auffällige kleine Stelle ohne Sterne sehen.

    Wenn ich das Teleskop bewege, bewegt sich diese Stelle im Feld mit und fällt dadurch besser auf. Rings um dem Dunkelnebel stehen viele schwache Sterne.



    Barnard 142 und Barnard 143:


    Diese beiden Dunkelnebel habe ich in der gleichen Nacht mit einem 80/400mm Refraktor und einem 12"/f4 Newton beobachtet, die ich Seite an Seite auf meiner Losmandy G11 montiert hatte.

    Mit dem 80mm Refraktor habe ich 13x vergrößert:


    Bereits im 80mm Refraktor ist der Dunkelnebel sehr auffällig.

    Durch das große Feld ist er besser zu sehen, als im Newton.

    Der Nebel zieht sich wie ein breiter Balken in Nord- Südrichtung durch das Feld.

    An der Süd- Westecke vom Balken ist der Nebel deutlich dunkler. Hier knickt der Nebel in "L-Form" nach Osten ab und setzt sich dort ein kurzes Stück weiter fort.

    Südlich vom "L" kann ich noch weitere Stellen ohne Sterne sehen.


    Mit dem 12" Newton habe ich 38x vergrößert:


    Im Newton muss ich den Nebel abfahren, um ihn voll zu erfassen.

    Er ist aber hier sehr viel mehr verästelt zu sehen.

    Der Nebel hebt sich durch seine "Dunkelheit" und den fehlenden Sternen zum Teil richtig plastisch vom Hintergrund ab.

    Teils kann ich in den Nebelteilen keinen einzigen Stern sehen.


    Viele Grüße

    Gerd

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