die dunkle Seite der Venus+++ und schmale Sichel

  • Hallo,
    wenn auch etwas holprig, so hat es im 3. Versuch geklappt die dunkle Seite der Venus im IR darzustellen.



    Das Bild ist alles andere als gut. Schlimm sind die Reflexe, die vermutlich vom geklemmten und nicht plan liegenden Filter stammen. ich möchte es auch gar nicht hier in den Vordergrund stellen, aber vielleicht hat der ein oder andere ja auch Lust an solchen Bildern und sucht nach Parametern. Meine hier sind sicher nicht optimal, bilden aber vielleicht eine erste Info zum abschätzen.
    Teleskop war ein C11 fokal
    Kamera ASI178MM
    Filter RG1000. (26€)
    Einzelbelichtungszeit 50 ms bei schlechtem Seeing (würde in Zukunft aber höher gehen ca. 200 ms und auch Experimentieren im Sekundenbereich machen.
    Belichtet habe ich 100 mal 30s nachdem es schon recht dunkel war. Die gestackten Bilder wurden in einer PS-Aktion gestreckt und geschärft (mit großem Radius) und erneut gestackt.
    AS! hatte Probleme mit der überstrahlten Venus, deshalb Verwendungsrate jedes mal 100% und nur einen Ausrichtungspunkt gesetzt.
    Natürlich werde ich versuchen das noch besser hin zu kriegen, aber über diesen kleinen Teilerfolg freue ich mich schon.
    Viele Grüße,
    ralf

  • Hallo Ralf,


    auf cloudynights gibt es gerade eine Diskussion über das "aschgraue" Licht der Venus.


    Man kann das tatsächlich visuell beobachten, auch wenn es wahrscheinlich nur Einbildung ist.


    Es muss eine optische Täuschung sein, denn von wem oder was sollte die dunkle Seite der Venus beleuchtet werden? Ist aber schön anzusehen.


    Gruß Robert

  • Hallo Robert,
    visuell ist natürlich immer ein subjektiver Faktor dabei. Es gibt aber Beispiele bei denen im Einzelbild von unter 1s schon möglicherweise etwas zu sehen ist, das würde dann sogar passen.
    1000 nm Wellenlänge ist aber natürlich für uns pechschwarz. Das Licht selber ist wohl keine Reflexion sondern stammt aus der Atmosphäre selber. Wobei auch die "helle Erde" evtl. ihren Beitrag leistet. Man bedenke, dass die Venus auf der Erde einen Schatten werfen kann.
    Dieses Licht bei 1000 nm korreliert sogar mit Oberflächendetails. Das heißt nicht, dass diese direkt abgebildet werden, sondern vielleicht nur, dass sich bestimmte Wolken vermehrt über Gebirgen bilden oder es dort mehr Blitze gibt usw. Allgemein wird das leuchten als Airglow bezeichnet, also ein schwaches Leuchten aus sich selber heraus.
    Viele Grüße,
    ralf

  • Hallo Zusammen,


    irgendwie hatte es sich so ergeben, dass Ralf und ich gleichzeitig das Thema "IR-Glow" und Venus im Kopf hatten.
    Nicht zuletzt auf Grund der Gemeinschaftsprojekte zu M64 und dem aktuellem Projekt standen wir regelmäßig im Kontakt.


    Das Thema Nachtseite der Venus und oprimalerweise das Dedektieren von Bodenstrukturen ist sehr spannend.
    Während ja Ralf den Filter RG1000 benutzt hat, hatte ich mir einen Kantenfilter 1000nm von Torlabs besorgt.
    Der erste Test gestern war nett - es kam aber noch nichts Befriedigendes heraus:



    Nur ansatzweise lässt sich die "dunkle" Seite erkennen.
    Aufgenommen fokal mit C8 und der ASI224MC bei 0,5s Gain 54%, gestackt 70% von 546 frames.


    Für Diejenigen, die noch nichts zum Thema gehört haben, empfehle ich mal folgende Links:


    Bernd Gaehrken hat schon vor längere Zeit etwas dazu gemacht:
    http://www.astrode.de/venus15a.htm


    Phil Miles und Anthony Wesley:
    http://www.astrogem.com.au/Venus/nightside/


    Und etwas aktuelles - ein netter Link (Bild), den Ralf mir gestern gesendet hat:
    https://twitter.com/SkyInspector/status/1254532171794124800


    LG
    Mario

  • Hallo allerseits,
    hier mein Versuch von gestern:



    Die Belichtungszeit betrug 200ms (ggü. 50ms war das aber kein wesentlicher Vorteil) Die Gesamtbelichtungszeit betrug 25 min. Das Seeing war besser, die Durchsicht schlechter.
    Die Reflexe sind … ja, wenn ich das wüsste. Ich tippe auf die Mikrolinsen. Wenn da einer eine Idee hat, gerne her damit.
    Viele Grüße,
    ralf

  • Hallo Ralf, hallo Mario,


    interessantes Thema. Würde mich auch mal mit meienr EM-CCD daran versuchen, wenns demnächst mal passt.
    (==>)Ralf: Würde auch sagen, dass die Mikrolinsen die Reflexe verursachen, aber vermutlich nicht alleine, sondern im reflektiven Zusammenspiel mit dem Sensorglas.
    Ich denke mal, dass die Entspiegelung das Hauptproblem ist. Was im VIS noch gut funktioniert, machts dann im NIR eher schlechter. Wenn man den entsprechenden Mut aufbringt,
    könnte man das Deckglas ggfs. abknupeln. ;)
    Der RG-1000 Kantenfilter ist wahrscheinlich auch nicht sonderlich gut geeignet. Lässt halt schon vorher ziemlich viel durch und man sollte sich wohl schon recht stark auf das schmale
    Durchlassfenster um die 1010nm konzentrieren. Hier könnte ein Linien-Interferenzfilter, beispielsweise für 1064nm, aber möglichst nicht ganz so schmalbandig,
    funktionieren. Wenn man diesen entsprechend schrägstellt, kann man die Durchlasswellenlänge in gewissen Grenzen zu kürzeren Wellenlängen verstimmen.
    Siehe auch hier: https://forum.astronomie.de/th…hlen.242769/#post-1266134
    Ich kann ja mal schauen, ob ich was passendes Auftreiben kann.


    Vg Tino

  • Ich habe nochmal schnell nachgeschaut und ich habe 2 IF Metallinterferenzfilter von Zeiss (Siehe Seite 6 in http://optik-online.eu/Mikroko…tallinterferenzfilter.pdf)
    für 1000nm und für 1025nm mit einer Halbwertsbreite von jeweils 22nm gefunden. Das könnte vielversprechend sein. Ich könnte den 1025nm Filter übrigens auch gerne leihweise zur Verfügung stellen.
    Wenn genug Licht da ist, könnte man ja auch nochmal einen schmalbandigen (FWHM 3nm) 1064er Filter ausprobieren.


    Vg Tino

  • Hallo Tino,
    was du alles so in der "Kramkiste" findest, schon beeindruckend. Das Schutzglas kann man relativ leicht entfernen bei der 178er, das wäre auch mein nächster Schritt gewesen. So einen Interferenzfilter ... oh ja, sehr, sehr gerne, würde mich sehr freuen.
    LG,
    ralf

  • Hallo Ralf,


    ich schicke dir den Filter zu.
    Ich habe mal noch ein bisschen recherchiert und um 1010nm WL ist die Atmosphäre wirklich recht transparent, man kann also praktisch die heiße Oberfläche sehen.


    Siehe hier:
    https://earthweb.ess.washingto…ce/ESS495/venus_arney.pdf
    und ein bisschen Ausführlicher hier:
    https://www.mps.mpg.de/phd/the…here-using-vmc-images.pdf


    War mir so nicht geläufig, man lernt halt nie aus. ;)
    Das Signal sollte aber ziemlich schwach sein und die 178er hat vermutlich auch nur noch eine unterirdische Empfindlichkeit bei der WL.
    Zumindest das Seeing ist im IR etwas gutmütiger.
    Bin gespannt und drücke die Daumen.


    Vg Tino

  • Hallo Freunde der dunklen Seite,
    hier mein Versuch von gestern. Jeweils 30s belichtet 125 ms.




    Leider zeigten auch 10 oder 20 dieser Bilder nicht mehr Details. Das Schutzglas bei der 178er habe ich entfernt. Die Reflexe bleiben. Tinos Filter konnte ich nur vor den OAZ klemmen, weil zu groß, die neuen Reflexe sind natürlich zusätzlich blöd.
    Evtl. kann man in beiden Fällen durch kippen der Filter etwas erreichen.
    Der 1025er zeigte die überstrahlte Venus etwas schmaler, also dunkler. der Hintergrund war aber gleich hell, keine Ahnung warum.
    Das Seeing war sehr schlecht und es war auch noch nicht sonderlich dunkel. Beim nächsten Versuch werde ich wohl mit meinem Teleskop wieder wandern müssen.
    Viele Grüße,
    ralf

  • Hallo,
    mit diesem Bild möchte ich nun für mich das Thema beenden



    Am 17.5. waren die Bedingungen relativ gut. will sagen, das Seeing war in etwa so, wie kurz nach dem Föhnen der Schmidtplatte bei Tau.
    Mit ziemlichem Aufwand bin ich an den Rand der Pferdeweide umgezogen. Im Ergebnis hatte ich länger etwas von der Venus und vor allem die Zeit, in der der Himmel schon recht dunkel war.
    Die Reflexe waren nach wie vor da. Es ist anzunehmen, dass diese durch Beugung und Streuung am Sensor entstehen. Und zwar offensichtlich besonders stark bei den rückwärtig belichtenden Sensoren. Im Grunde sieht das ja auch so aus, als ob ich durch ein Fliegengitter fotografiert hätte. Ich hatte nun versucht durch jeweiliges drehen der Kamera die Reflexe zu "verschmieren", hat aber nicht so gut geklappt.
    Ich bin nicht sicher, ob ich bei glattem Hintergrund ein paar Strukturen erwischt hätte. Nun gut, immerhin habe ich das Airglow erwischt.
    Den Schmalbandfilter habe ich dann gar nicht mehr getestet. Ich war auch überrascht, dass das Bild damit nicht dunkler wurde. Die Sichel ja, ein bisschen, aber der Hintergrund nicht. Man darf nicht vergessen, im Verhältnis zu einer Weißlichtaufnahme ohne Filter kommen nur 0,25% Licht an, und das wird dann leider auch noch gestreut und auch nicht zu vergessen, der Chip, bzw. das Silizium wird bei 1025nm schon durchsichtig.
    Ich persönlich hatte interessante Stunden, hatte nette Kontakte und wirklich gute Kommunikation mit vielen Leuten, auch hier. Ein ganz besonderer Dank geht an Tino, der mal so eben einem "Wildfremden" so einen Schmalbandfilter schickt.
    Und, es gab auch noch eine nette Anekdote. Auf dem Bildschirm wurde Venus kurz vorm Untergang plötzlich dunkler, auch das Seeing wurde rapide schlechter. Ich schaute, ob aus der Sicht des Teleskops vielleicht schon Äste der Bäume im Bildfeld waren. Von hinten peilte ich das Teleskop an und schaute in die gleiche Richtung. Ich sah 2 Dreiecke! Pferdeohren! Unser Pferd hatte sich ganz leise herangeschlichen und schaute von vorne ganz interessiert auf den Spiegel.
    Viele Grüße,
    ralf

  • Hallo Ralf,


    tja, Strukturen sind leider nicht so gut auszumachen. Wie hast du denn die Orientierungen miteinander verrechnet, hast du sie einfach aligned und gestackt? Dies würde dann nur eine Abschwächung bewirken. Falls die Möglichkeit besteht, kannst du mir bitte mal die gestackten Daten für die jeweiligen unterschiedlichen Orientierungen bereitstellen. Ich würde gerne mal schauen, ob sich die Mehrfachbilder etwas besser herausrechnen lassen. Ich würde hierzu die Differenz der jeweilig unterschiedlichen Orientierungen, nachdem diese korrekt Aligned sind, extrahieren. Diese sollte dann hauptsächlich die Mehrfchbilder aufgrund der Beugung enthalten. Das könnte man dann explizit abziehen. Ist zumindest einen Versuch wert.
    Ich denke aber, dass die Pferdeohren sich nicht so leicht entfernen lassen. Hier ist vllt ein Leckerli zielführender. ;)


    Vg Tino

  • Hallo,
    hat nicht wirklich mehr etwas mit dem Thema zu tun, aber ich zeige meine Venus bei 742nm von gestern Abend mal hier:



    das Schärfen war kaum möglich, da nur die Beugungsringe kontrastreicher wurden. das Seeing war natürlich grottig. Das Ergebnis kommt dem visuellen Eindruck recht nahe.
    Viele Grüße,
    ralf

  • Hallo Piotr,
    Danke für deinen netten Kommentar. Als kleines Dankeschön hier die Venus von eben.



    Verwendungsrate 1% und Grünfilter. Im Grünen sind diese starken Beugungsringe fast weg und es scheint auch so, als würde es weniger streuen.
    Viele Grüße,
    ralf

  • Hallo Ralf.


    Was soll man da noch sagen?! Exzellent aufgenommen und bearbeitet. Die Schönheit der Venus! Es freut mich, dass du gute Bedingungen hattest.
    Hast du ein Interferenzfilter (RGB-G)verwendet, oder ein Grünfilter aus gefärbtem Glas?


    Hier war das Seeing dermaßen schlecht, dass ich auf die weitere Bearbeitung der Bilder verzichte und auch nichts veröffenliche- das soll der Venus erspart bleiben. Das hat sie nicht verdient.




    Viele Grüße,


    Guntram

  • Hallo Guntram,
    was schert es die Eiche (Venus) wenn die Sau (Astrofotografen) sich an ihr reibt ;-)
    Ich habe einen Kantenfilter von Baader benutzt. die Farbe ist natürlich künstlich.
    das Seeing war kurz von Sonnenuntergang besser, aber ob ich das als gut bezeichnen würde, weiß ich nicht. Na ja , im Unterschied zu Jupiter, den ich um 4.00 Uhr aufs Korn genommen habe wars dann doch gut.
    Nach der Venus hatte ich mich noch an Merkur versucht, die Ergebnisse kommen noch.
    Bei 0,9 % Beleuchtung, -das ist ja schon an der Beugungsgrenze des C11-, gibt es bei Venus interessante Effekte, weil sie wie ein Lichtspalt wirkt. Ich brauche noch einige Zeit für die Auswertung, aber dann zeige ich hier mal ein paar Dinge.
    Viele Grüße,
    ralf

  • hallo,
    0,6% beleuchtet und der Beweis, Venus ist eine Kugel. Und dabei hätte/habe ich mir heute selbst ins Knie geschossen, denn nach dem Aufsuchen war ich vom visuellen Eindruck im Okular so sehr begeistert, dass ich ein oder 2 Minuten darauf verwendete nur zu schauen. Dies im Glauben, dass ich ähnlich wie gestern etwa 15 min. Zeit hätte bis sie hinter dem Baum verschwindet. Dumm gelaufen, denn Venus "rast richtig schnell" am Himmel. Es blieben: 60 Sek. davon 20 Sek. mit Blättern im Bildfeld. Ein normales Stacken ging auch nicht, also musste ich 100% Verwendungsrate nehmen. Und dafür bin ich sehr zufrieden.



    Viele Grüße,
    ralf

  • Hallo,
    hier meine neueste Venus von gestern Abend durch dichte Zirren hindurch:



    5 mal 1min., 100% Verwendungsrate und auf Surface gestackt. So langsam komme nicht nur ich an meine Grenzen, sondern auch AS3!
    Viele Grüße,
    ralf

  • Hallo Christian und Sven,
    Danke, ... und jetzt wird sie langsam rund. Sieht sehr ästhetisch aus Sven. Aufgrund des stahlblauen (bzw. coronablauen) Himmels wolle ich es gegen Nachmittag doch auch nochmal versuchen. Nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf (hatte gestern Venus, Merkur, Mond, Jupiter und Saturn gemacht) sind nun aber überall Zirren, in gewisser Weise bin ich dankbar ;-)
    Mal sehen, was noch kommt, ihr könnt weitere Bilder gerne hier einstellen.
    LG,
    ralf

  • Hallo,


    hier eine von mehreren Aufnahmen der Venus-Oberfläche mit 1010 nm Filter:


    Die dunklen Strukturen sind reproduzierbar und als Hochländer der Venus identifizierbar (mit WinJUPOS). Sie rotieren mit der richtigen Geschwindigkeit und Richtung.


    Die volle Serie ist hier zu finden:
    https://flic.kr/p/2j9k8nZ

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