Superthins reloaded

  • Hallo in die Runde,


    da der eine oder andere gerade Superthins ausprobiert, hab ich mich mal animiert gefühlt, in meinen Berichten zu buddeln. Wer ein paar Eindrücke zu den Objekten als Anreiz für die zweite Aprilhälfte braucht, ist herzlich eingeladen hier mal etwas zu schmökern.
    Klingt hier und da vielleicht etwas schnodderig, aber so ist das mit den Berichten die man zunächst für sich selbst schrieb, ich lass es einfach mal so ;)



    <b><font color="limegreen">Tieflandtriplette – drei Nächte zu Fuße der Berge, 10.04. - 13.04.2016</font id="limegreen"></b>


    Ein superlanges Wochenende stand bevor, denn die Wetterprognosen und weitgehende Mondlosigkeit sagten: der Resturlaub aus dem Vorjahr muss jetzt genommen werden! Sonntag auf Montag sollte die beste Nacht werden. Dienstag und Mittwoch auch noch frei genommen. Wo sollten die 12“ am Sonntag ihr Unwesen treiben? Die Prognosen sagten Zirren westlich von München vorher, sodass der sicherere Platz Richtung Sudelfeld lag. Auf den Wendelstein zu kommen fiel aus – hochgekommen wäre ich noch, mit der letzten Bahn der Saison. Am frühen Morgen hätte es geheißen, hinunter zu marschieren. Das wäre natürlich völliger Mumpitz, zumal der Mond noch bis Mitternacht stören würde – also 5 Stunden sinnlos auf dem Berg hocken. Also einfach wieder eine Tieflandsession in Geitau, meinem geliebten Ausflugsziel.



    <b><font color="limegreen">Nacht 1 – 10.04./ 11.04.2016</font id="limegreen"></b>


    Dort angekommen, erwartete mich wieder ein völlig leerer Bahnhof – wie immer, kein Mensch steigt da aus oder ein. Die Sterne funkelten bereits, der Mond leuchtete noch. Es war 22.17 Uhr, der Mond sollte kurz vor Mitternacht verschwunden sein. Ich habe mich bewusst beeilt, noch die Bahn um kurz nach 21 Uhr zu erwischen, um keine mögliche Beobachtungszeit zu vergeuden – es musste ja noch aufgebaut werden...
    Ich konnte mich noch immer nicht entscheiden – gehe ich zu dem schönen Segelflugplatz – der tollen Szenerie mit den Bergen, aber auch mit vermutlich schlechterem Seeing und mit 20 min weiterem Fußmarsch– oder dem kleinen Platz beim Bahnhof um die Ecke, in 5 Minuten zu erreichen. Unschlüssig stand ich an der Weggabelung und setzte mich auch kurz auf die dortige Bank. Ich stand auf und marschierte nach links – dem schneller zu erreichenden Platz. Dort angekommen stellte ich fest, die Horizontsicht war dort gen Süden gar nicht besser wie ich erst dachte. Immerhin standen auch ein paar tiefe Objekte auf dem Plan... Ich fühlte mich auf dem kleinen grünen Fleckchen zwischen Bahngleis und Waldrand auch etwas eingeengt und sehnte mich plötzlich nach dem tollen weiten Platz mit der Bergkulisse – dem freien Gelände mit einer Scheune und Bänken, dem tollen Asphaltweg, der Richtung Süden Spaziergänge zum Entspannen, der Brotzeit, einer kleinen Pause zulässt. Ich hatte meinen Rucksack schon abgestellt, nahm ihn aber bald wieder auf, um zielstrebig zum Segelflugplatz zu stapfen. Wenn schon lange keine Deepskynacht mehr gehabt – dann bitte diesmal endlich mit einer tollen Kulisse. Seeing würde sooo schlecht schon nicht sein hoffte ich. Schon mit bloßen Augen flackerten die Sterne wie wild – bereits am Bahnhof. Das Seeing war also dieses Mal überall nicht der Brüller.
    Glücklich angekommen an meinem alten Lieblingsplätzchen baute ich bald auf. Der Mond war schon hinter den Bergen versteckt, man hätte schon gut beobachten können. Ein leichtes Lüftchen wehte, das kam mir entgegen, denn das würde die Feuchte ggf. von der Optik fernhalten. Ein straffes Programm stand an – die Superthin-Liste wollte weiter abgearbeitet werden. Und Virgo war mit Blick auf die von mir besuchten Superthins diesbezüglich im wahrsten Sinne des Wortes noch ziemlich jungfräulich. Es warteten einige unüblich helle Kandidaten von 13 – 13,5mag auf mich – sonst birgt die Superthin-Liste ja im Schnitt so Knaller mit 14-15 mag. Sonst würde ich die Objekte eher nur auf dem Berg anpeilen bei klasse Transparenz. Aber die helleren Galaxien und die gute Transparenz hier und heute ließen es zu, davon abzuweichen. Der Himmel war wirklich bis hinunter zum Horizont klar und die Sterne funkelten selbst in diesen Tiefen wunderbar hell vor sich hin. Gut, dass ich so früh gestartet bin, denn auf wundersame Weise war ich Punkt Dunkelheit, sprich Mitternacht fertig mit Justieren und Herbereiten. Eigentlich schon etwas zu spät, aber nur kurz nach Ende Monduntergang. Wieder sehr seltsam, wie die Zeit vergeht.
    Am Nachmittag zuvor habe ich ausgiebig meine Objektliste vorbereitet, was-wann-wie-wo. Sowie alles aufgebaut war und ich die Rotlichtlampe rausholte, traf es mich wie ein Stich: Die DSS-Ausdrucke! Die lagen schön zu Hause auf dem Schreibtisch! Zum Glück hatte ich mir bereits jegliche Superthin im Deepskyatlas mit Hilfe der DSS eingezeichnet. Normalerweise reicht das bei den Superthins oft nicht aus, aber dies sollte dieses Mal zum Glück kein Problem sein …
    Der Ruf des Waldkauzes ließ nicht lange auf sich warten – ein an diesem Ort mir sehr vertrautes und heimatlich wirkendes Geräusch. Er blies wohl zum Angriff:
    So war mein erstes Ziel <font color="orange">NGC 4289</font id="orange">, von dieser Superthin aus wollte ich mich zu diversen weiteren umgebenden weiterhangeln. Bei diesem Himmel war diese Galaxie als mittelschwer bis leicht einzustufen, am einfachsten war sie im 8 mm Ethos zu erkennen, wobei der Positionswinkel/ die Auslage nicht so ganz exakt und einfach festzustellen war. Direkt danach ging´s weiter zur direkt gegenüberliegenden <font color="orange">NGC 4197</font id="orange">. Schon im 26 mm Nagler war sie einfach zu erkennen – ein schön dünn erscheinendes Exemplar – eine bemerkenswerte und wirklich mal schön dünne Superthin, gerade wenn man sich die sonst schwächlich daherkommenden 15-mag-Leuchten vor Augen hält, die nur so halblang aufblitzen – qualitativ und quantitativ... Erstaunlicherweise schaut die auf dem DSS sehr unspektakulär und eher kurz aus, ähnlich wie <font color="orange">NGC 522</font id="orange">, die visuell auch ein Kracher ist. So kann sich der Eindruck von Photo zu Visuell unterscheiden!


    Entweder direkt danach oder nur wenig später peilte ich in Richtung einer schönen Kombi, wo zwei helle interessant geformte Galaxien ein helleres Sternchen in ihre Mitte nehmen. Passt alles prima in das Sehfeld vom 26er, 13er weiß ich jetzt nicht mehr: <font color="orange">NGC 4527 und NGC 4536</font id="orange">. Bei letzterer habe ich mir notiert, dass da Struktur zu beobachten sein soll, hab diese aber nicht in dieser Nacht vorgehabt zu überprüfen. Eine gewisse Strukturiertheit abseits von einfacher Ellipsengestalt ist mir schon aufgefallen, aber nichts genaueres. Sollte auch nur ein schneller Abstecher für einen Ersteindruck sein. Praktisch in einem Sehfeld beim 26er müsste da noch die Superthin <font color="orange">IC 3474</font id="orange"> mit auftauchen, ist aber leider zu schwach mit ihren 14m9 um sie bei diesen Flachlandbedingungen auf die Schnelle aufzuspüren (nachstehendes Bild oben rechts).



    Als Grenze hatte ich mir ohnehin schlimmstenfalls 14m2 gesetzt für die Nacht, es warteten einfach zu viel hellere leichtere. Ich probierte aber entgegen dieses Vorhabens aufgrund der Nähe noch die <font color="orange">IC 3608</font id="orange"> (14m6), wo direkt in der Nähe zwei helle Balkenspiralen warten: <font color="orange">NGC 4608 und 4596</font id="orange">, wo ich so auf die Schnelle aber nicht viel an Balken erkennen konnte, mich aber leider auch nicht in dem Moment dran aufhielt. Das runde Glimmen um die Balken wird auch enorm von der Transparenz abhängen... Eine Sichtung der Dünnen gelang mir erwartungsgemäß heute nicht, aber wenn man schon mal da ist, kann man ja mal anklopfen...ein paar Minütchen verweilte ich und probierte – ohne Erfolg (das Corpus Delicti ist im nachstehenden Bild wieder oben rechts zu suchen). In jedem Fall ein paar richtig helle attraktive Teile direkt in der Nähe von ein paar sehr hellen Sternchen! Die Spiral- bzw. Balkenstrukturen versuche ich ein anderes Mal rauszuarbeiten.




    Diese Objektkombi ist ca. 4 Grad entfernt von der hellen Spindel <font color="orange">NGC 4526</font id="orange">, welche traumhaft von zwei 7mag-Sternchen eingerahmt wird und gleichzeitig <font color="orange">NGC 4535</font id="orange"> als großer heller runder Schmadder mit in einem Sehfeld zusammen mit der Spindel zu bewundern ist. Diese große Runde wirkte unruhig, ich beschäftigte mich planungsbedingt aber erst mal nicht tiefgehender damit... ein erster Eindruck sollte auch hier zunächst reichen. Die Spindel ist als „lost galaxy“ im Deepsky-Atlas verzeichnet, Recherchen im Netz deuten aber darauf hin, dass hier u. U. die Spirale NGC 4535 gemeint ist (ESO). In jedem Fall ein wahnsinnig schönes Feld, welches ich unbedingt nochmal mit Zeichenbrett und Bleistift besuchen muss...




    Leider waren diese schönen Felder heute nur Leuchttürme zum Finden von unscheinbarerem Gewusel – bescheuert eigentlich... Die Ecke erschien mir heute besonders brillant, wo ich sie vor eins zwei Jahren schonmal besucht hatte, vom gleichen Plätzchen aus. Aber zuerst wartet die Arbeit, gemalt wird ein anderes Mal ... Selten genug hatte ich bisher Gelegenheit, den Frühjahrshimmel zu durchstöbern, immer war irgendwas dagegen. Ich wollte vorankommen.
    So ging es aber schnell weiter zur <font color="orange">IC 3322a</font id="orange"> – einfach schon im 26 mm Okular zu erkennen und supersuperschön im neuen 13 mm Ethos – zusammen stehend mit der rundlichen <font color="orange">NGC 4365</font id="orange"> und der noch schwächeren aber noch sehr gut sichtbaren<font color="orange">NGC 4370</font id="orange"> in einem Sehfeld, dreieckig in +/gleichgroßen Abständen zueinander angeordnet. Letztere entpupppte sich in der Nachbereitung als Kandidat für Staubbandextremisten...
    Die Superthin selbst von gleichmäßiger Helligkeitsverteilung. Passte alles angenehm in ein Sehfeld, ein schlicht toller Anblick, den man auch mal zeichnerisch festhalten sollte bei Gelegenheit. Ein wahres Highlight! Im weiteren Umfeld fanden sich noch zahlreiche weitere Galaxien. Unfassbar, dass es solche tolle Exemplare gibt von den Dünnen. Daran glaubt man ja gar nicht mehr, wenn man erstmal dutzende von den schwachen Augenverbiegern besucht und kennengelernt hat! Dieser Virgohaufen ist wirklich eine feine Sache, muss man mal so festhalten.


    Die <font color="orange">NGC 4356</font id="orange"> war auch leicht gefunden und einfach im 13er zu erkennen. Diese Gx hat ein Begleitsternchen etwas abgesetzt von der Mitte. An dieser Stelle wirkte die Galaxie auch etwas breiter. Insgesamt kam der Superthin-Charakter nicht so stark heraus.


    Als richtiger Kracher entpuppte sich <font color="orange">UGC 7321</font id="orange"> – superlang, superdünn, einfach klasse. Am besten im 13mm Okular zu sehen, das 8er passte wohl auch schon wegen der Objektgröße nicht so gut.


    Die Bomben nahmen kein Ende – alles dicht auf dicht: <font color="orange">NGC 4183</font id="orange"> zeigt sich schon wahnsinnig auffällig im 26 mm-Okular. Ich murmelte nur noch vor mich hin „WOW!“: sehr lang, sehr dünn, einfach schön. Ein schwaches im 13mm aber noch gut zu sehendes Sternchen lag dicht an der Galaxie, etwas von der Mitte versetzt, in Richtung dieses Sternchens zeigt sich am Ende der Galaxie, jedoch auf der anderen Seite, ein helleres Sternchen. Solche Kracher dermaßen dicht aufeinander gedrängt, das muss man erstmal sacken lassen... dafür braucht man sonst 5 Nächte, um so viele tolle Beispiele dieser Objektgruppe zu sammeln!



    Auch an M 61, der schönen face-on-Spirale bin ich vorbeigestolpert und musste innehalten. Leider keine Zeit – bis später Süße! Die muss auch nochmal extra besucht werden... Als nächstes ging es zu der von mir im Atlas markierten <font color="orange">NGC 4013</font id="orange">. Diese Galaxie wirkte eher breit, sehr einfach und hell schon im 26mm, und sein sehr helles Vordergrundsternchen zeigte sich. Etwas versetzt zum Zentrum. Insgesamt wirkte die Galaxie ungewöhnlich für eine Superthin. Eher recht breit. Ha! War auch gar keine Superthin, wie ich zuhause feststellt habe... Das war die von mir als zu besuchen markierte Galaxie, weil die ein Staubband hat! Diesbezüglich ist mir leider nichts aufgefallen. Nur in der Erinnerung kam die Galaxie schon undefinierbar seltsam daher, wo das Staubband sicher auch eine Aktie dran hatte, wenn auch hier unbewusst. Muss ich unbedingt nochmal bei Bergbedingungen und höherer Vergrößerung probieren. Das 8er kam meines Erachtens nach nicht zum Einsatz, bin mir aber nicht sicher.


    Auf dem Weg zur<font color="orange">UGC 7125</font id="orange"> habe ich mich etwas verlaufen und zunächst etwas anderes skizziert. Dann war ich endlich an der richtigen Stelle und konnte notieren: relativ breit/ dick und schon wieder an einem Sternchen liegend, diese mal aber am Ende der Gx und mit etwas Abstand zur kurzen Achse. Diese war eine der heute etwas schwierigeren Galaxien aber noch sehr gut machbar. Zwischendurch machte immer mal wieder der FS Anstalten zu beschlagen, gleiches gilt für die Okulare. So ist leider nicht ganz auszuschließen, dass während der Beobachtung ohne Wissen irgendein Schnodder die Sicht getrübt hat und die Beschreibung sonst ggf. anders ausgefallen wäre... Dann und wann gönnte ich mir mal was – denn das neue 13er Ethos wollte ja gegen das noch im Okularkoffer befindliche 12er Nagler verglichen werden. So steuerte ich die Paradegalaxie <font color="orange">NGC 4565</font id="orange"> an. Also bei dem Anblick mit dem klaren Staubband fragt man sich wirklich, warum nicht alles Objekte so sein können, einfach wunderschön.
    Hier kam das Quentchen mehr Sehfeld im 13er gut zum Tragen, auch bei M 13 wirkte der Anblick viel mehr, da die Begleitsternchen schön Unterschlupf im Sehfeld fanden. Irgendwann hielt ich auch zwischendurch so mehr oder minder aus der Hüfte ich Richtung Markarians Galaxienkette, also mitten in den Haufen hinein. Dann kam wieder das 13er Ethos zum Einsatz. Meine Güte, was es da wimmelte. Traumhaft. Von einer Kette konnte hier gar keine Rede mehr sein. Den Anblick muss ich mal in einer Extra-Nacht irgendwie festhalten. So hieß es nur kurz ein paar Minütchen genießen und schnell weiter vorankommen. Die Zeit war wirklich zu kostbar für Sightseeing.


    Es stand noch so viel auf dem Plan, aber erwartungsgemäß war das alles einfach nicht zu schaffen. Ich warf mir zwischendurch immer mal wieder ein paar Katjes Joghurt-Gums ein oder schlenderte kurz, einen Noname-Schokomüsli-Riegel kauend, die tolle Asphaltstraße Richtung Süden und genoss die tolle Szenerie. Wie will man so eine schöne Ecke beschreiben, das Wort Szenerie muss man hier einfach immer wieder bemühen. Zwischendurch blökte unweit ein Reh, wohl kaum 30m von mir entfernt und ein meckernder Kauz flog auch irgendwo lang. Es war einfach wieder unheimlich gemütlich an diesem Plätzchen und ich ließ die ersten Bahnen Richtung München gewähren, ich wollte lieber die Ruhe der Dämmerung genießen und entspannt in den Morgen gleiten. So fuhr ich statt mit der ersten Bahn kurz vor 5 Uhr mit der 6-Uhr-Variante. Beim Abbau stellte ich fest, ich hatte nur meinen dünnen Wollpullover druntergezogen - das hatte vollkommen die ganze Nacht gereicht! Sonst kommt ja mindestens noch ein dicker Fleecepulli drunter. Und das, wo mein Eistee schon tatsächlich zu frieren begonnen hat! Und der Streulichtschutz meines Dobsons war komplett mit Reif überzogen. Erstaunlich, wie ich Frostbeule das durchgehalten habe, ohne dass mir die doch eher geringe Bekleidung auffiel. Der Atlas lag am Boden, mit einer Art Eisschicht drauf, leider mit diesem Dreck vom Boden, hätte auch als gefrohrener Kuhmist durchgehen können. Doof auch, wenn man sich an einen Platz begibt, der asphaltierte und befestigte Ablagemöglichkeiten bietet, man aber ausgerechnet alles in den Dreck daneben packt und sich natürlich auch in selbigen hineinkniet... Nach dem Abbau bekam ich ein Wesen zu Gesicht, welches mir hier noch nie begegnet war – eine Hirschkuh! Allerdings ca. 200m entfernt. Zur Morgenstunde bekommt man schon einiges zu Gesicht...


    Ich stapfte durch die mittlerweile aufgehellte Landschaft, die Berggipfel wurden in erstes leuchtend-orangenes Sonnenlicht getaucht. Man sieht hieran schon – diese Nacht war wirklich klar, nicht wolkenlos, sondern klar. Dem tat auch nicht der zuweilen sich aufbäumende Nebel Abbruch – ein kleines Schauspiel zum Morgen, wo ohne Wind eine Nebelschwade sich einen entfernten Garten flugs einverleibte, oder auf anderer Seite über dem Feld sich eine Nebelblase auftürmte, um bald wieder in sich zusammenzufallen... Ich nutze auf dem Rückweg die Bänke die mir unterwegs begegneten – man wird alt. Ich glaube die Dinger haben sich in der letzten Zeit vermehrt in Geitau... Eine Bank stand richtig dumm an der Hauptstraße. Wer setzt sich denn freiwillig da hin? Ich! Eine Wohltat, mal ein paar Sekunden den Rücken zu entspannen – sonst nutze ich da immer irgendwelche Zäune oder Geländer an zu überquerenden Bachgräben...


    Der Bahnhof Geitau war noch weitgehend leer, bis auf zwei, drei Schüler, von denen man meist mit Guten Morgen begrüßt wird – hier ist die Welt noch in Ordnung! Sehr angenehm. Aber das änderte sich zwei Stationen später. Der Zug wurde von Schülern gestürmt – vornehmlich Mädels – und es war fortan eine Geräuschkulisse bis Miesbach, von welcher ich heute noch staune, dass ich nicht aus dem Zug gesprungen bin. Rappelvoll war die Hütte. Und irgendwelche jungen Damen hinter mir hatten offenbar noch keine Zahnbürste gesehen. Das konnte man wunderbar auch mit geschlossenen Augen feststellen... Was war ich froh, wieder in München anzukommen. Aber: es hat sich brachial gelohnt – für meine Verhältnisse ein Mords-Durchmarsch in der Objekteliste innerhalb der 4 Stunden Beobachtungszeit, und das ohne DSS-Hilfe und trotz Behinderung durch Beschlagen des Fangspiegels und aufwändigem Aufwärmgefummel! Da sieht man mal was es ausmacht, wenn man nur in einer Region herumstochert und nicht in vielen verschiedenen – und nicht zuletzt: die Objekte endlich mal schnell sichtbar sind!


    <b><font color="limegreen">Nacht 2 - 11.04./12.04.2016</font id="limegreen"></b>


    In der Nacht von Montag auf Dienstag konnte ich es ruhiger angehen lassen – die Prognosen schauten auch für diese Nacht ganz gut aus... aber der Mond würde eben eine weitere Stunde später erst untergehen. Wow – sollte das wirklich stimmen - zwei vollständig beobachtbare Nächte hintereinander? Das hätte ich lange nicht mehr gehabt. Ein Jahr um genau zu sein. Auch kam es überraschend: Vor wenigen Tagen schaute nur die Nacht von So auf MO gut aus, alles andere war noch ziemlich offen bis unwahrscheinlich in punkto Nutzbarkeit. Das Schöne: ich war dieses mal nicht auf die Bergbahn angewiesen und konnte entspannt die Satellitenfilmchen beobachten, was sich denn nun tut. Und einfach auf den letzten Pfiff losfahren oder auch ggf. gar nicht. Hinzu kam, dass der Mond noch eine Stunde länger stören würde. Dennoch würden 4 Stunden Deepsky-Zeit verbleiben! Um 1 Uhr wäre der Mond offiziell weg und gegen halb 5 käme die Dämmerung. Etwas intelligent gestretched, mit rechtzeitigem Beginn und helleren Objekten in der Dämmerung, kam man da noch locker auf 4 Stündchen... Und das ganze ohne unnützes Hocken und Warten auf dem Berg – dem Warten auf Dunkelheit und dem Warten auf die erste Gondel wieder hinunter. Die Zugfahrzeiten fielen prima zusammen mit dem Ende der Nacht... Kurz vor 5 Uhr morgens würde die erste Bahn von Geitau fahren. Wie gehabt, war die Zirrengefahr Richtung Westen größer... ich komme schlicht nicht von Geitau weg! Länger schon plane ich, mal Richtung Benediktbeuern was zu versuchen, aber immer kommt was dazwischen – komische Wetterprognosen oder Schienenersatzverkehr. Soll mir recht sein – in Geitau kenne ich mich aus und fühle mich wohl.


    Also dieses Mal ging es mit dem Zug um 23.07 Uhr los. Auf den letzten Pfiff entschieden (0 Uhr war noch in Überlegung), gerade noch geschafft wie immer... Der Plan war heute tatsächlich der nahe Beobachtungsplatz an den Gleisen in Bahnhofsnähe von Geitau. Schon etwas zu kaputt von der Nacht zuvor – das Geschleppe musste ich nicht unbedingt nochmal haben zu dem schönen Platz beim Segelflugplatz. Szenerie/ Stimmung hatte ich die Nacht davor, jetzt hieß es beobachten pur. Hat einfach auch den Vorteil, dass ich mehr von der Nacht habe wenn ich weniger Weg bewältigen muss... das macht schon eine gute halbe Stunde aus... (wenn man den gleichen Zug anvisiert)... u. U. Gold wert. Zudem war es mir den Versuch Wert, ob hier vielleicht der Tau weniger problematisch ist und das Seeing evt. auch. Die Nacht war ohnehin trockener vorhergesagt auf meteomedia.de. Ob es an der richtigen Prognose oder dem Standort lag – es war jedenfalls trockener. In der letzten Nacht hatte ich noch den größeren Fangspiegel dabei, der war jedoch schon sichtbar kontaminiert. Vermutlich auch der Grund, weshalb das den Tau so angezogen hat. So nahm ich dieses mal den kleineren und sauberen mit. Der blieb die ganze Nacht klar. Gut, ich hatte auch neue Batterien in die eigentlich nicht funktionierende FS-Heizung gemacht – unfassbar viele Variablen, ich schätze es war schlicht weniger feucht als die Nacht davor. Denn die Isomatte blieb auch die ganze Nacht trocken wenn ich mich recht entsinne.
    Wer soviel labert, hat sicher nichts beobachtet. Nunja, etwas doch, denn die Nacht war tatsächlich wolkenlos – zunächst zeigten sich aus Westen wieder einmal so verdächtige Wolken, die sich aber verzogen. Erst kurzfristig riss es auf – kurz vor dem Losfahren zeigten die Webcams noch Wolken. Man kann da schon wirklich von perfektem Timing reden. Pünktlich wo der Mond weg war, hatte ich aufgebaut und justiert. Dieses Mal todesmutig ohne Streulichtschutz! Nur die Gegenlichtblende habe ich installiert. Sogar auf die Stützstreben am Okularauszug habe ich verzichtet. So würde der Abbau auch schneller gehen.


    Die Ziele waren weiterhin Superthins, es musste schlicht vorangehen, ich will die alle killen verdammt! Und dann geht’s endlich mit was anderem weiter... Aber ehrlich, die Teile machen schon Spaß, gerade nach einer Nacht wie der vorigen mit den hellen schönen Exemplaren – und das Vorankommen bildet einen Sog wie beim Läufer Richtung Ziel: Je mehr Gegner eingesammelt werden, umso schneller wird man zuweilen....



    Natürlich habe ich mich wieder vorbereitet, um die Zeit bestmöglichst zu nutzen. Die Nacht war bei weitem nicht so schön klar wie die Nacht zuvor, aber dennoch trotzdem gut, wenngleich man das mit Blick auf die Webcam-Bilder nicht so recht glauben mag. Immer wieder überraschend, wie sich die Dinge widersprechen können. Nur eins ist sicher: wenn´s auf der Webcam genial ausschaut, war es die Nacht auch... alles andere heißt da einfach selber probieren.



    Die Galaxien im Leo die ich vorhatte, musste ich wieder sein lassen wegen Zirren undoderund Lichtverschmutzung/ Unterschreitung der zulässigen Höhe - also einfach konsequent in der Virgo weiter herumwühlen... <font color="orange">NGC 5496</font id="orange"> war glaube ich die erste Sichtung der Nacht: mit 13m4 ein nettes Einstiegsobjekt, allerdings trotzdem kein Reißer, obwohl schon im 26 mm Okular sichtbar. Die Galaxie erschien gleichmäßig hell und eher mitteldick.



    <font color="orange">NGC 5073</font id="orange">mit seinen 13m8 zeigte sich ebenfalls schon im 26mm Nagler gut, ein ziemlicher Brocken, in der Mitte breiter wirkend. <font color="orange">UGC 7774</font id="orange"> mit 14m2 war nicht ganz so einfach, zeigte sich auch erst im 13er Ethos – die Gx wirkte länger als auf dem DSS ersichtlich, evt. wegen einem in Richtung der langen Achse befindlichen schwächeren Sternchen, was eine Verlängerung suggeriert hat. Ein markantes schwächeres Sternchen war knapp über der Gx sichtbar. Ich versuchte mich einmal an der <font color="orange">NGC 4217 </font id="orange">wegen dem Staubband. Außer einem länglichen Glimmen direkt an attraktiven hellen Sternchen ist mir nichts aufgefallen, da müsste man sicher noch einmal mit höherer Vergrößerung und v.a. besserer Transparenz ran.


    Wobei letztere nicht schlecht gewesen sein kann, denn: auch die <font color="orange">UGC 9977</font id="orange"> war für mich sichtbar, wenngleich sehr schwer. Uwe berichtet von einer grenzwertigen Sichtung im 16“er und der Notwendigkeit von gutem Himmel. So richtig gut war meiner auch nicht, insofern eine spannende Vergleichsgeschichte. Möglicherweise hatte Uwe damals noch keine DSS-Ausdrucke dabei – denn dieser war in diesem Fall tatsächlich essentiell. Ohne absolut exakte Positionskenntnis ist man bei dieser Gx mit diesem Durchschnitts-Himmel und 12“ sonst aufgeschmissen. Aber es ging, inkl. richtigem Erkennen des Positionswinkels. Es war nicht die schwächste der bisher gesehenen, aber unter den 15 schwersten der bisher ca. 80 Dünnen würde ich die gefühlt durchaus einordnen.



    Eine Schönheit war dieses Objekt mit 12" entgegen der Aufnahme des DSS nicht, wirkte auch tendentiell breit, sofern man vom Erkennen einer Form abseits eines länglichen, schwach aufblitzenden Etwas sprechen konnte. Die Orientierung bei der Beobachtung versteht sich natürlich um 180 Grad gedreht – wie bei den anderen Bildern auch.


    Als Schönheit kommt vielmehr <font color="orange">UGC 9242</font id="orange"> mit 13m9 in Frage: eine schöne langgestreckte, dünne Galaxie, wo der Superthin-Charakter tatsächlich super herauskommt.



    So oft hatte ich das bisher nicht! Und ich habe mehr als die Hälfte der Liste durch... Da merkt man schon, dass der superdünne Charakter oft erst durch die schwachen Ausläufer/ Enden gebildet wird, welche nur auf Photos oder in Riesengeräten herauskommen... Insofern kann man dieses Objekt wirklich als Geheimtipp werten! Die Galaxie erschien zwar erst im 13mm-Okular und ist als mittelschwer bei gegebenen (nicht perfekten) Bedingungen zu bezeichnen, aber absolut einen Besuch wert! Auch hier war die Positionskenntnis welche man durch den DSS-Ausdruck erhält von hohem Wert, wennauch vielleicht nicht so essentiell wie bei dem vorher beschriebenen Objekt.
    Es war nicht zu fassen – dieses Mal blendete fortwährend so eine bescheuerte Bewegungsmelder-Lampe eines 200 m entfernten Anwesens am Bahngleis, weil so ein schlafwandelnder Volltrottel die ganze Zeit draußen aufs Plumpsklo musste – oder aus ähnlichen Gründen. Vielleicht hing da nur ´ne tote Katze über´m Zaun, wo der Marder ständig dran hoch gesprungen ist, man weiß es nicht. Jedenfalls ging ungelogen zu der beschissensten Zeit der Welt – zwischen halb 2 und halb 5 Uhr morgens dauerhaft locker ein Dutzend mal das Licht an! SAKREMENT! Und das, wo ich mal keinen Streulichtschutz drumhatte... aber irgendwie ging es doch, es war nur nervig. Witzig ist auch, wenn die BOB langgefahren kommt. Keine Ahnung, was sich der Zugführer denkt, wenn er da eine dem gleißenden Kegel abgewandte Gestalt am Boden kauern sieht und daneben so ein mannshohes Gestell stehen hat... Aber die kommt zum Glück ja nicht oft in der Nacht...einmal am späten Abend, einmal am Morgen, das war´s auch schon...


    Ich hatte nun noch ein knappes Stündchen übrig und überlegte, wie es weitergehen sollte. So ganz zielstrebig war das Ganze nicht mehr nach meiner Erinnerung – ich schwankte zwischen beinhartem Weiterarbeiten und einfach Surfen. Der Himmel wurde auch ein klein wenig schlechter. Glaube ich...Am Ende war die Sache klar – gearbeitet hatte ich genug, ich wollte auch mal ein wenig den Himmel genießen...So zielte ich in den angehenden Sommerhimmel in Richtung M 13, M 5 und auch M 51 – aber auch M 71 und M 56, zwei meiner Lieblings-Kugelhaufen. Sogar den Hantelnebel hab ich mal anvisiert, entschuldigend ist da sicherlich, dass ich natürlich NUR ausprobieren wollte, wie der sich im neuen 13er Ethos macht... Das Seeing war nich so der Hit, bei 200fach herum war wie in der Vornacht sinnvolle Vergrößerung maximal erreicht. Maximal erreicht war auch die Beobachtungszeit – es lohnte nicht mehr, die Beobachtungen hinauszudehnen, so gut war der Himmel nicht mehr. Und: Null Böcke auf so ein Tohuwabohuu im Zug wie den Morgen zuvor...


    Also zusammengepackt und gefühlt rechtzeitig und gut vor der Zeit losmarschiert. Ohschreck – ich kam 3 Minuten an, bevor es die Bahn tat. Meine Güte – wo ist die Zeit geblieben? Ich hatte doch konsequent beim Aufbau mit Material gespart und nich lange herumgemacht – eine halbe Stunde hat das Packen gedauert? Versteh ich bis heute nicht. Wenn´s richtig fix geht, ist in 15 min. alles abgebaut und verpackt. Geitau das Zeitloch. Nicht nur ein Kälte- und Seeing- sondern auch ein verdammtes Zeitloch. Aber Juhuu! Es wurde doch tatsächlich erneut eine brauchbare, prima genutzte Nacht! Ohne Feuchte! Mit klarem Blick, die ganze Nacht durch! Und man kann wohl zusammenfassend sagen, der fehlende Streulichtschutz war am Ende kein Problem... Immerhin hatte ich finstersten Wald im Genick, aus welchem hin und wieder zudem irgendwas geblökt oder geraschelt hat.


    So saß ich dann 5.38 Uhr nach meiner Erinnerung im Zug, ohne Schüler, aber sehr bald mit ordentlich Berufsverkehr. Maney – warum müssen die Bänke so dicht beieinander sein, dass der Gegenübersitzende mit den Knien herumschwulen kann? Einfach beschissen dieses Design, das muss man einfach mal sagen. Da is nix mit entspannt sitzen, ständig muss man seinen Körper unter Spannung halten, um nicht dem Gegenüber zwischen die Knie zu rutschen. Und wie das dann aussieht, wenn sich einer sitzend nach vorne beugt, um sich die Schuhe zu binden, das überlasse ich der Fantasie...



    <b><font color="limegreen">Nacht 3 - 12.04./ 13.04.2016</font id="limegreen"></b>


    Bis zum Schluss sahen die Prognosen prima aus, der Gammel sollte schön südlich von Deutschland bleiben. Also rein in die Bahn, dieses Mal ging es aber nach Warngau – unweit südlich von Holzkirchen, nur eine halbe Stunde von München entfernt.


    Für diese kurze Beobachtungszeit sollte dieser Aufwand reichen. Ein nettes Plätzchen auf dem Feld hatte ich anvisiert, mit gut 10 min Fußmarsch zu erreichen. Bahn: Ich hatte mal wieder das Gespür dafür, mich genau dort hinzusetzen und auszubreiten, wo keinen Luftmeter entfernt ein ziemlich verlotterter Suffkopp saß, einer mit tätowierten Fingern. Spitzenplatzwahl! Umsetzen war mir zu umständlich, meine Nase versuchte die wenigen Minuten durchzuhalten.


    Ich wollte endlich raus aufs freie Land, mit frischer Luft in der Nase, mit der Weite über meinem Kopf und dem Rauschen einer leichten Brise in meinem Gehör! Und das ganze am besten mit freier Sicht auf den Sternenhimmel, und wenn´s noch mit Mond ist! Also die Bahn um kurz nach 23 Uhr genommen, obwohl der Mond erst gegen 2 Uhr untergehen sollte. Knapp drei Stunden Beobachtungszeit würden da schon noch hergehen, des pooooßt! Bahn da, Rucksack geschultert, los ging´s. Nach ziemlich genau 15 Minuten war ich an Ort und Stelle und ich wurde von Kuhglockengebimmel empfangen! Geil – ich bin auf einer Alm! Nicht schlecht für 30 min Fahrt von München weg. Es zeigte sich eine schöne Kulisse, vom Mond angestrahlt, leider aber auch mit Indizien für Nebel! Und das, obwohl der Weg die ganze Zeit ganz leicht hinauf ging!



    Ich war pünktlich am Platz, 5 Minuten vor Mitternacht. Es war schon durchaus etwas frisch und ich begann mich fix umzuziehen. Noch war es vergleichsweise wolkig, es wurde nämlich schlechter. Der Mond verblasste immer mehr hinter Wolkenschleiern und wurde nach und nach soweit weggedimmt, dass ich zusätzliches Licht zum Photographieren brauchte.
    Ein bissel Knipserei zum Zeitvertreib. Dann oh Wunder – pünktlich mit Fertigwerden wurde der Himmel frei! Doof nur, dass ich genau jetzt Hunger bekam. Es war halb 2 – also eine halbe Stunde vor offiziellem Mondverschwinden. Mein Gewissen war also rein, da ich früh dran war und genehmigte mir ein paar Leberwurstbrote. 15 Minuten lang.


    Ich war noch am Kauen auf dem vorletzten Happen, da kam auf einmal mitten vom Acker aus Norden und ein paar hundert Metern Entfernung ein Auto mit Fernlicht auf mich zu – genau auf meine Kreuzung auf der ich stand? Ja Zefixxx! Watt is DATT denn? Die Landschaft wurde erleuchtet und jetzt sah ich, dass ich wirklich tendentiell im Nebelgebiet stand. Extremseltsamsterweise war die Isomatte aber praktisch trocken... Ich stellte mich hinter das Feldgehölz und wartete dass das Auto kam. Als es an der Kreuzung ankam, schritt ich Richtung Auto um gesehen zu werden und der Wagen hielt. Kein Mux. Stand ein paar Sekunden da. Dann winkte ich, mich zum Fenster beugend Richtung Fahrer. Dann wurde mir klar, das Fenster war offen. Aber der Kerl da drinne sacht nüscht! Dann sprach ich den an „Achso, hast Fenster offen – servus!“ . Der Gruß wurde irgendwie erwiedert und ich bemerkte, das war ein junger Bursche. Was macht der denn hier? Der fragte mich – was machstn – oder so ähnlich „sterneguckn!“ „Achso!“ - „Und selber?“ „Und selbeeer....(mehr oder minder lautes Nachgrübeln)“ Dann fing er irgendwas an zu labern mit Maibaum und dass er/ sie da Runden drehen - „Immer hier so die Runde rum“ - ein alter Brauch, den Burschen den Maibaum zu klauen. Naja, keine Ahnung, der war jedenfalls alleine und solange er niemandem im Kofferraum versteckt hat, werden die geplanten Aktivitäten, sofern vom angegebenen abweichend, ja nicht allzu schlimm gewesen sein. Zumindest fuhr er dann grüßend weg, Musik aufdrehend, und ich war wieder alleine.


    Und der Himmel? Ja, der wurde sehr zeitnah wieder schlechter. So sollte es fortan bleiben – ein übles Heckmeck und Hinunderhergezeter... Überwiegend Wolken da - urplötzliche Lücke: Alarm! Messier-Hopping, um auch nur irgendwas vor den Spiegel zu bekommen. Zum Glück hatte ich mir von der Vornacht die genaue Position von M 5 gemerkt, sodass ich innerhalb von 5 Sekunden nicht nur M 13 ansteuern musste... DAAAA! Auf einmal der gaaaanze Himel frei! Bald darauf hörte ich ein seltsames Klackern. Das kam von meiner Isomatte... Regentropfen!?! Wo zum Geier kamen DIE denn her? Die trieb offenbar der Wind aus Westen heran – das ließ nichts gutes Hoffen... Hektisch nach der Superthinliste gegrabbelt und was im Draco rausgesucht. Richtig fix die Ecke von <font color="orange">NGC 5965</font id="orange"> gefunden – und jaaaaa! Genauuu! Exakt in der Sekunde wo ich die dünne Gx eingestellt hatte, kam der Schnodder dahergewabert! Dankeschööön! Also in die entgegengesetzte Richtung gepeilt und irgendwo wild zwischen M 13 und M 51 herumgemacht – mehr war schlicht nicht drin. Bald kam das Glockengebimmel auf mich zu und ich begann große Schatten zu sehen. Ich prüfte nochmal den Einzäunungsdraht – ob der hoch genug ist? Aber wenn Strom drauf ist, muss der wohl nicht so hoch sein. Aber war welcher drauf? Das habe ich nicht geprüft. Vorsorglich lieber auf der anderen Ackerseite gepinkelt. Soll ja nur so mittelangenehm sein, auf einen stromführenden Draht zu ... Zum Glück verschwanden die Schatten bald wieder und ich musste mir keine Gedanken mehr machen, wie ich große, schwanzwedelnde Schatten von meinem Hauptspiegel fernhalte.
    Eine Stunde muss vergangen sein – keine Ahnung wie... etwas spaziert, Müsliriegel gekaut – und auf einmal – ein klares Loch! Genau im Draco oben! Ich peilte Richtung <font color="orange">NGC 5777</font id="orange">, weil es da zuerst frei wurde. Ja heiliger Bimbam – das war wirklich ein klaaares Loch! Schön fast im Zenit zeigt die Gx trotz 14m2 schnell und einfach ihre Schönheit, am Ende einer kleinen Sternkette gelegen. Aufsuch-Stern, kleine Strecke zu etwas schwächerem Stern, gleiche Strecke dieses Abstands nochmal in gleicher Richtung – schwupps! Da war die Galaxie. Und mit den beiden Aufsuchsternchen hübsch in einem Sehfeld des 13er Ethos – schöner Anblick! Schön schwarzer Himmel! Ein deutlicher kleiner Streif im Okular. Fein! Wahnsinn – das erste richtige Objekt der Nacht! Und wieder sieht man, was man verpasst, wenn man nicht genug Zeit hat, auf den DSS-Ausdruck zu schaun, oder sogar gar keinen dabei hat:


    Die schwache rundliche Begleitgalaxie habe ich nicht in Erinnerung, die Zeit war für eine eingehende Beobachtung dann doch zu knapp. Gerne hätte ich diese kleine Galaxie noch als Bonus probiert.... Wird nachgeholt! Dann folgte bald noch ein Versuch in Richtung <font color="orange">NGC 5965</font id="orange"> – erneut kam pünktlich der Gammel daher... ich konnte noch wie vorhin einen Blick auf die Gx und die Begleitgalaxie <font color="orange">NGC 5963</font id="orange"> werfen, quasi sehen, da ist was lohnenswertes... und dann war es vorbei.


    Für eine richtige Beobachtung muss diese schöne Kombination unbedingt nochmal besucht werden. Es wurde zuweilen richtig windig! Das hielt immerhin die Hoffnung bei der Stange, sodass es nicht zu deprimierend wurde. Leider riss es die folgende Stunde nicht mehr sinnvoll auf. Es war alles dicht. Ein guter Zeitpunkt, um dieses mal die allererste Bahn anzupeilen, und pünktlich um 6 im Bettchen zu liegen. So erfolglos diese Nacht auch war – der Ausflug hat trotzdem Spaß gemacht. Immerhin hatte ich atmosphärisches Kuhglockengebimmel und eine Quotengalaxie erwischt!


    Die Triplette kann somit als vervollständigt gelten - und der Rücken durfte sich nun ausruhen. In München wartete schon der Regen ...



    Soweit meine kleine Rückblende zu meiner Superthin-Zeit vor 4 Jahren :)


    Schöne Grüße und CS
    Norman

    12" Dobson - 72mm Apo - 12x42 Fernglas
           

    - who stands the rain deserves the sun! -

  • Hallo Norman,


    ich habe alles gelesen! Ganz!! [:p]
    Jetzt habe ich alles ausgedruckt zum Stöbern.
    Es sind sehr viele unbekannte Objekte dabei, die ich noch nie versucht habe, aber nun mit 28" angehen werde.
    Danke für die Anregungen [:)]


    cs und bleib gesund!
    Timm

  • Mensch Norman,


    der Hammer ... nur leider viiiiel zu lang [;)]
    Dein Vortrag zum Superthin-Projekt beim DSM war doch auch 2016, oder?
    Genau nach diesem Treffen habe ich auch damit begonnen. In der Zeit habe ich fast nix anderes gemacht.
    Wie ich sehe, bist Du ab und an in den drei Nächten zu anderen Hinguckern abgewichen. Ich habe das damals stringent durch gezogen und mir war nie langweilig dabei, weil die Beobachtungen doch immer sehr unterschiedlich waren.


    Einige Beschreibungen habe ich gleich mal verglichen. Sie decken sich weitestgehend.
    Die IC´s in Virgo habe ich auch vergeblich gesucht.
    Leider habe ich mir im Gegensatz zu Dir aber bis jetzt mehrfach die Zähne ausgebissen an UGC 7774 und UGC 9977.


    Dafür kann ich mich nach gut an eine Nacht erinnern, in der ich nur mal schnell raus wollte, drei bis vier Superthins machen.
    Es wurden am Ende mehr, weil ich auch mit NGC 5777 und 5965 begonnen hatte. Beide super einfach, NGC 5777 sprang mir schon ins Auge, das war der Himmel noch nicht richtig dunkel und ich auch noch nicht dunkeladaptiert.


    NGC 4183 habe ich auch als besonders sehenswert notiert, da habe ich allerdings nur ein Sternchen gesehen.


    Norman, bei Dir muss man ja dazu sagen, Du bist eigentlich schon durch mit dem Beobachtungsprojekt und hast zumindest alle 133 Superthins probiert. Klar, die noch nicht gesehenen kann man ja immer wieder probieren, wirst Du auch wie ich Dich kenne.
    Ich habe noch gut 40 Galaxien komplett offen, die werde ich jetzt mal wieder verstärkt angehen.
    Das war 2016 übrigens mein erstes richtiges Beobachtungsprojekt ... dank Dir und Deinem sehr inspirierenden Vortrag.


    Viele Grüße


    Rene

  • Hallo Timm,


    danke Dir sehr, freut mich, dass Du Dir diesen langen Text so schnell und ausdauernd übergeholfen hast und sogar noch ausgedruckt [:D]


    Bleib auch schön gesund!


    Hi Rene,


    wo Du recht hast haste recht - brutal lang das Ding :)
    Gut, dass das schon getippt war von damals...
    Jetzt stell Dir vor, ich hätte da noch Bilder eingefügt ;)


    Freut mich sehr, dass ich Dich da so anstacheln konnte damals. Der Austausch zu unseren Sichtungen mit der fast gleichen Öffnung war/ist auch superinteressant. Wann der Vortrag war... hm...ich glaube fast 2015 war´s. Der hat mir jedenfalls auch riesigen Spaß gemacht da rumzubasteln.


    Bei mir wars auch das erste richtige Projekt - Danke an Stathis und Uwe hier nochmal für die tolle Zusammenstellung der Liste.


    Dass Du bei den Superthins da so agil dabei warst, muss man wirklich loben - denn wenn man ehrlich ist, sind die meisten sehr schwer, und da hast ja immer mit Feuchte zu kämpfen. Insofern sind Deine Sichtungen nochmal besonders hervorzuheben, gerade vor dem Hintergrund, dass sich unsere Ergebnisse unterm Strich kaum unterscheiden. Immerhin hast ja 0,5" mehr Öffnung gehabt dafür, das macht ein bissel Tau wieder wett ;)


    Schöne Grüße und CS
    Norman

    12" Dobson - 72mm Apo - 12x42 Fernglas
           

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  • Hallo Norman,


    ein langer und trotzdem sehr interessanter Bericht!
    Ich habe meine Notizen auch gleich mal mit Deinen Beschreibungen verglichen.
    Die meisten Beschreibungen stimmen gut überein, außer natürlich bei der 7321. [;)]


    Ein paar eventuell machbare Superthins habe ich mir jetzt noch zum Beobachten rausgesucht.
    Bei den Nicht-Sichtungen war Rene schon 3x fleißiger als ich, da muss ich noch aufholen. [8)]


    Viele Grüße,
    Ronny

  • Hallo Norman,


    das ist wieder ein sehr schöner Bericht, wie gewohnt mit viel anschaulich geschildertem Drumherum. Für mich auch in einem besonderen Maße live, weil ich die Gegend um Geitau auch gut kenne, und ich die zugehörige Landschaft gleich vor mir sehe [:)].


    Superthins finde ich auch sehr interessant, ich kenne aber längst nicht alle aus deiner Liste. Ich zitiere mal aus einem eigenen Bericht, als ich bei Haley zu Besuch war, und in seinem 16-Zöller auch Superthins im Visier hatte:"Diese Nacht habe ich auch speziell nach extra schmalen Galaxien gesucht, den 'Superthins', darunter auch lichtschwächere: Etwa NGC 3044 (im Sternbild Sextans), NGC 4183 und NGC 5023 (beide Jagdhunde); alle gut als sehr dünn zu erkennen, besonders reizvoll fand ich NGC 5023 - dazu Haley:' ... eine Superthin, die wie eine etwas kleinere und schwächere Kopie von 5907 wirkt, kommt schon feist im 9er, dort dann fast bildfüllend.' "


    UGC 7321 ist mir von Ralph's 20-Zöller her - in einer klaren Nacht an der Winterstube - auch als eher subtil in Erinnerung: "... habe ich unterwegs noch die ganz schmale 'Superthin'-Galaxie UGC 7321 mitgenommen - mit indirektem Sehen taucht ein dünner, geisterhafter Strich auf."


    Servus
    Ben

  • Hallo Norman,


    wau, da hast Du Dich aber ins Zeug gelegt - der Bericht ist auch sehr interessant, weil wie aus anderen Zeiten :-). Ich bin immer wieder platt, was man an schwierig zu findenden Objekten so abarbeiten kann in einer Nacht. Ich werde es wohl wie Timm machen - ausdrucken. Dann damit an den Triatlas gehen und die brauchbarsten für eine etwaige April Neumondnacht markieren. Die NGCs sollten auf der Karte sein, die UGC's muss ich selbst nachtragen. Falls Coma im April zu tief im Lichtsumpf steht brauche ich ein paar Alternativen :-).


    CS,
    Walter

  • Hallo Ronny, Ben und Walter,


    danke euch für eure netten Rückmeldungen :)


    Die 7321 werd ich demnächst, wenns das Wetter zulässt, nochmal anschauen/versuchen, vielleicht sogar vom Balkon Ronny, bin gespannt ;)


    Ja Ben, Geitau ist super - landschaftlich. Als Beobachtungsplatz hat sich dann aber an sich bald gezeigt, dass das seeingbedingt keine gute Wahl ist. Muss aber irgendwann aus Nostalgie heraus da nochmal beobachten :)


    Super Walter, die NGC sind übrigens nicht zwingend alle in einem Atlas drin - selbst im ISDA nicht. Dafür sind dort einige der UGC drinnen...


    Sonnige Grüße
    Norman

    12" Dobson - 72mm Apo - 12x42 Fernglas
           

    - who stands the rain deserves the sun! -

  • Servus Norman,


    WOW ... hab Deinen Bericht mit Begeisterung gelesen, es kann nicht lang genug sein, wenn es um so einen ausführlichen und informativen Bericht geht und nebenbei konnt' ich auch ein Müsli kauen.


    Eine Superthin-Liste? Gibt es unter uns Hobbyastronomen auch einen Superthin-Marathon, so ähnlich wie den Messier-Marathon? Habe die Beiträge über die Begeiserung diese Edge-On Galaxien gelesen und wurde neugierig.


    Hab Dank für den Berich,


    klaren Himmel, Anar

  • Hallo Norman,


    danke für den damaligen Bericht zu den Superthin-Galaxien. Hab das ja schon eine Weile verfolgt, dass Du die als Beobachtungsprojekt hast.
    Mal eine Frage: Ab welchem Längen/Breiten-Verhältnis definiert man das eigentlich als "superthin"?


    Neulich habe ich IC 2233 im Sternbild Luchs angeschaut. Die ist ja auch ein Strich in der Landschaft. :)


    Clear skies


    Robin

  • Hallo Anar,


    danke für Dein liebes Feedback, freut mich. Sorry, habs komischerweise jetzt erst gelesen, obwohl ich die letzte Zeit öfter reinschau...


    Ein Messiermarathon ist da weniger treffend, denn für die Abarbeitung dieser Liste hab ich Jahre gebraucht ;) Die meisten von diesen dünnen Galaxien sind einfach superschwer, erfordern super Himmel. Es gibt aber auch sehr schöne und einfache Exemplare.


    Stathis hat Dir ja schon den treffenden Link gesetzt...



    Hallo Robin,


    danke Dir, Definition siehe Stathis :) Die IC 2233 ist tatsächlich eines der schönsten Ziele der Liste, schön dünn, wegen dem Sternchen am Ende und der Kombination mit der Bärentatzengalaxie.



    Hallo Stathis,


    danke Dir, ja, das war mal eine Galaxiensaison mit hoher Ausbeute. Sonst war mein Schnitt 2-3 Dinger der Sorte pro Nacht...mehr ist eigentlich eine Zumutung ;) Ich kanns selbst kaum glauben wenn ichs heute lese...
    Da war ich noch jung und unverbraucht ;) Nein, der Frühling ist immer schwierig finde ich, da finde ich nur wenige gute Gelegenheiten. Dieses Jahr haben mich z.B. die Prognosen genarrt... bin aus Schiss vor Zirren zu Haus geblieben... was sich dann als die beste Nacht der Saison entpuppt hat wider Erwarten. Ich war schon mit einem Fuß aufm Berg...


    Schöne Grüße und CS für euch drei
    Norman

    12" Dobson - 72mm Apo - 12x42 Fernglas
           

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