Gelungener Start ins neue Jahr

  • Bericht vom 01/02.01.2020; 23.10h – 02.10h
    Ausrüstung: Newton-Teleskop, Öffnung 428mm, Brennweite 1830mm, (f/4,25) Adler
    Dobsonmontierung


    verwendete Okulare: 21mm (87-fach) ; 13mm (140-fach), 10mm (183-fach), 8mm (228-fach), 6mm (303-fach) – Ethos-Serie; 5mm Nagler (364-fach)
    Ort: Freies Feld bei Beerbach, ca. 405m üNN
    Temperatur: 23h -2,5 C ; 2.20 -5 C
    Seeing: 3


    Wetter: den ganzen Tag sonnig und wolkenlos


    Beobachtete Objekte:
    Planetarische Nebel: NGC2022, NGC1535, NGC2392, Abell21
    Gasnebel: NGC2355, M42/M43
    Kometen: 2C /2017 T2 Panstarrs
    Planeten: -
    Kugelsternhaufen: -
    Sterne: -
    Galaxien:
    LEO M65, M66, NGC3628
    UMA: M51 NGC5195, M81, M82, HolmbergIX


    Ein guter Start ins neue Jahr: bei traumhaften Sonnenschein setze ich mich Mittags aufs Rennrad (kleine wellige 43km-Runde), Nachts wird gespechtelt. Davor trausche ich die Draht-Fangspiegelspinne gegen die alte aus Alu-Blech, ich bin mit dem Schwingungsverhalten nicht glücklich. Um 22h stelle ich mir eine kleine Objektliste zusammen, bis zur Abfahrt um 22.45h bin ich mit Einladen und warm einpacken und Tee kochen gut beschäftigt. Es geht auf einen Höhenzug südlich des Aischgrunds, für mich in 15 Minuten erreichbar mit 0 Grad-Horizont nach S, W, und SO, im O ist der Waldrand ca 100m entfernt, im N ca. 40m, dort gibt es ab 20 bis 25 Grad freie Sicht.


    Vor Ort wird aufgebaut, justieren dauert merklich länger, hatte ich doch das Teleskop nach dem FS-Spinnenwechsel zu Hause nicht aufgebaut und nicht grobjustiert. Mist – ich habe mein Notebook mit Ciel als Astrosoftware vergessen. Ich habe zwar SkySafari 5 Pro auf dem Smartphone, doch ist mit dort die Anzeige zu hell. Notgedrungen friemle ich herum, stelle im Android-Setup auf Nachtmodus, aktiviere Twilight, stelle SkySafari 5 auf Nachtmodus … müsste gehen. So ist es schon gegen 23.25 als endlich die Beobachtungen beginnen.


    Wow – der Himmel ist gut dunkel. Deutlich besser als vor zwei Nächten, als ich mit Nils an gleicher Stelle stand, da gab es einiges an Schleierwolken. Das SQM (ohne Linse) zeigt 21,22
    Ich starte mit


    <b>NGC2022</b> - PN – ORI (mag 12,4 – sbr 9,6; 0,4' * 0,5') SQM 21,22
    auf einer gedachten Verbindungslinie zwischen Beteigeuze und Lamda Ori gelegen, 2/3 der Strecke hin zum Lamda Ori. Es zeigt sich eine wunderschöne kleiner Scheibe. Im 10er bei 183-fach ist ein blasser Zentralstern gesichert zu erkennen. Der PN-Innenbereich ist – ebenfalls wie die schmale relativ helle Schale - leicht oval. In der Orientierung gegenüber einer länglichen Sternengruppe aus Mag 14-Fünkchen mein ich im Schalenrand eine leichte Verdickung zu erahnen, die Nachbereitung offenbart diese als Feldstern. Sehr interessant!


    Es wird tiefer gepeilt, in Eridianus zu


    <b>NGC1535</b> - PN – ERI (mag 10,4 – sbr 7,2; 0,3' * 0,3') SQM 21,22
    Von Gamma Eri ausgehend ist der Starhop schnell erledigt. Der PN erscheint nochmals um einiges heller und auch konzentrierter mit deutlichem Schalencharakter. Bei Minimalvergrößerung (80-fach) ist der Mag12-helle Zentralstern bereits erkennbar, hebt sich vom hellen, nur leicht ovalen Innenhalo ab. Der Innenhalo ist scharf begrenzt, mit etwas hellerem Ringwulst. Der Außenhalo ist flächig, gleichmäßig hell und zum Hintergrund scharf abgegrenzt. Linkerhand im GF (NO) ca. 1' neben den PN mag 13/14 Vordergrundsterne. Im Außenhalo, knapp innerhalb des Außenrands fällt ein Feldstern auf, ca. mag 13 hell.


    Ich peile nun mehr Richtung O. Vom deutlich blinkenden Sirius über Gamma Cma hin zu NGC2359. Auf dem Weg dorthin dient der OS OCL584 der Orientierung; es funkelt da so schön, dass ich kurze Zeit verweile.


    <b>NGC2359 </b> – GN – CMa– (mag 11,5 – sbr ?; 8,0' * 6,0') SQM 21,3
    bekannt als Thors Helm ist ein unregelmäßig geformter Emissionsnebel. Bekannter Maßen reagiert dieser Nebel stark auf Filtereinsatz; ohne UHC wollte ich den einfach nicht finden, dann jedoch Scharf abgegrenzt: die Wikingerhelmschale mit betont kräftigem Randstreifen, das hellere, kürzere rechte „Horn“, das zartere, lange auslaufende linke Horn, mehrere Feldsterne im Nebelkomplex. Ob jener im Helm wohl der anregende ist? Das Gesichtsfeld ist – da im Michstraßenband voll von schwachen und schwächsten Lichtfünkchen.


    Schon kurz nach der Kulmination folgt nun


    <b>M42/M43 </b>- GN - ORI (mag 4 – 11; 90’ * 60’) SQM21,3
    ... (fast) ohne Worte. Die Region steht gut 30 Grad über dem Horizont. Ich konzentriere mich zunächst aus Trapez, bei 140-fach. Sehr hell die 4 Komponenten, Ich merke: das Seeing ist nicht so gut wie vor zwei Nächten. klar und deutlich stabil die E- Komponentee; verschwindet ab und an im dann aufgeblähten Theta1 Orionis. Der Nebelkomplex wolkig, voller feinster Strukturen. Im Nebel mehrere haarfeine Vorder/Hintergrundsterne, Genuss pur, auch ohne Nebelfilter. Das Ganze mit schwach grünlichem Farbeindruck.


    Ich lasse den Blick schweifen, halbhoch in NW steht Perseus; vor zwei Nächten hatten wir dort einen Komet beobachtet, auf den peile ich nun wieder


    <b>C2 / 2017 T2 Panstarrs </b> (mag 9,5) SQM 21,4
    ob der Helligkeit sehr einfach zu erkennen, schon bei Minimalvergrößerung ist deutlich der rundliche Halo (geschätzter Durchmesser 2-3‘) mit seitlich versetzten hellem Kern erkennbar, grob parallel einer dicht gelegenen 3er Kette mit hellen mag 8 .. 9 Sternen. Der Schweif ist deutlich ausgeprägt. Der Komet hatte seine erdnächste (ca. 1,5 AE) Position am 28.12. passiert und bewegt sich weiter Richtung Sonne, der er jedoch nicht näher als 1,4 AE kommen wird.


    Mir fehlt die Routine vergangener Jahre, habe lange Zeit wenig beobachtet, auch ist das fehlende Notebook ein echtes Handicap. Trotzdem macht es spass, die Kleidung ist ausreichend warm, setze mich ab und an einfach zum Blicke Schweifen auf den Beobachtungsstuhl und genieße die Nacht, die sonst völlige Stille wird ab und an von einem Käutzchen unterbrochen. Das SQM beweist, es wird immer dunkler. Hier gibt es noch Dörfer, die um Mitternacht oder um 1h die Straßenbeleuchtung abschalten. SQM 21,51 – wow! Das habe ich sehr selten!


    UMA in NO steht auf der Deichsel, ich peile in die M81-Gruppe, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur Lokalen Gruppe steht.


    <b>M81 </b> – GX – Uma (mag 6,9 – sbr 13,2' 24,9 * 11,5) SQM 21,5
    Auch von mir schon dutzende mal beschrieben, trotzdem immer wieder schön. Vor allem bei diesen Bedingungen. Ca. 60 Grad hoch, ein SQM-Wert von 21,5 – hier bei mir geht es kaum besser. Selten kann ich bei M81 die beiden zarten, weit umlaufenden Außenarme deutlich erkennen, diesmal ist es wieder so weit. Wunderbar die dunklen Bereiche dazwischen, die feinen Helligkeitsunterschiede im inneren Halobereich. Markant die beiden Doppelsternsysteme mit jeweils um Mag9-Komponenten. Das weiter entfernte mit ca. 1 Bogensekunden Distanz, das näher an M81 gelegene mit knapp 10 Bogensekunden Lücke. Die weiter entfernten m.E. Mit etwas wärmeren Farbton.


    Die super Bedingungen ausnutzen wollend habe ich nach Holmberg IX gesucht, im GF oberhalb der quer liegenden GX dient ein leicht spitzwinkliges Dreieck aus mag 12 ..13 Feldsternen der Orientierung. Von dort im GF nach links soll die liegen. Hmm .. Ich beobachte im 10er bei 183-fach, fahre mehrfach darüber, hmm … Gesehen wäre gelogen, vielleicht ein schwacher 2‘ großer Schemen. In alten Unterlagen gekramt finde ich: die GX hatte ich in 2008 gesichert gesehen, bei 21,33er Himmel. Damals jedoch mit reichlich Beobachtungspraxis.


    <b>M82 </b> – GX – Uma (mag 8,4 – sbr 12,5' 10,5 * 5,1) SQM 21,45
    entschädigt. Und wie! Im 8er Oku bei 228-fach zu über der Hälfte das Nagler-GF-füllend, voller Strukturen, Lichtknoten. Die auf Farbaufnahmen auffälligen roten 'Auswüchse' fallen mir visuell nicht auf, dafür einige Feldsterne parallel zur langgestreckten GX die für mich ca. 1:4 elongiert erscheint. Supergut!


    Ich versuche mit an Abell21in Gemini, dem Medusa-Nebel. Brauche etwas, bis ich gesichert im Zielgebiet bin. Das Bild im Winkelsucher erscheint mir flau, die Rotlichtlampe zeigt Eiskristalle auf der Okularlinse, mit dem Taschentuch wird gewischt. Aufsuchen mit Smartphone stört die Dunkeladaption immer wieder etwas, vielleicht liegt es mit daran: ich kann den doch recht großen PN einfach nicht erkennen. (vor Jahren bei nicht besseren Bedingungen schon deutlich gesehen)


    Zum Trost nun Richtung SO; LEO macht sich auf Richtung Kulminationspunkt, ist davon aber noch einiges entfernt. Nun – so gegen 01.40h steht das prominente GX-Triplett knapp 40 Grad hoch.


    Ich peile auf die M65/M66-Gruppe, trotz tollen Anblicks kommt keine Begeisterung mehr auf. Meine Batterie ist leer, ich will es noch nicht wahr haben. Einen versuche ich noch:


    <b>M51 </b>- GX- CVn - (mag 8,4 – 12,9; 10,8 * 6,6’) SQM 21,5
    <b>NGC5195 </b> - GX- CVn - (mag 9,6 – 12,9; 5,9 * 4,6’) SQM21,5
    Wow! Richtig guten Himmel zeigt sich vor allem am von NGC5195 wegweisenden, weit fassenden Spiralarm. Wenn man zwischen diesem und dem GX-Körper noch deutlich eine Aufhellung sieht, dann passt es. Bin mit dem 10er Oku bei 183-fach eingestiegen, belasse es dabei – höhere Vergrößerungen wären durchaus gewinnbringen möglich gewesen. Gut in Gesamtheit mit viel Dunkel herum ist M51 mit. NGC5195 erkennbar, Eine Schau! 4 nadelfeine Lichtpünktchen – Vordergrundfunken – im GX-Körper, NGC5195 in einer zarten Außenhalowolke. Markant die Dicke- und Helligkeitsvariationen in den Spiralarmen.


    Das kurze Strohfeuer verblasst, ich kann nicht mehr habe leichte Kopfschmerzen und baue ab. Das Auto ist in einen dicken Rauhreifpanzer gehüllt. Nach lästigem Scheibenkratzen fahre ich um 2h20 vorsichtig heim, stellenweise ist die Fahrbahn komplett mit einer dicken Reifschicht bedeckt. Die Restnacht ist unruhig, gesehenes will verarbeitet werden.


    Clear Skies wünscht Achim

  • Servus Achim,


    erstmal ein Guads Neues. Schöner, farbenfroher Bericht. Toll, daß Du so gute Bedingungen hattest. Ich habe gestern auch mit dem 16 Zoll "Hodor" gespechtelt und kann das bestätigen. Die Transparenz war wirklich gut und das Seeing hat gepaßt, der 5. und 6. Trapezstern waren problemlos zu sehen. SQM habe ich keins, aber die Wintermilchstraße hatte echt bärigen Kontrast und der Pferdekopf ist auch gegangen, im UHC sogar richtig gut. Lustig, wir hatten stellenweise deckungsgleiches Programm, Ich habe einige der Sachen von Dir gestern auch gesehen, z.B. den NGC 2359. Der kam gut im 20er Nagler mit UHC Filter, sehr kontraststark mit ausgreifenden Armen, fast wie ein Krake.
    NGC 1535 habe ich ebenfalls gesehen, aber wegen Tiefstellung und Lichtweg durch Himbeersträuchern nicht höher vergrößert, mich also nur an dem hellen, leicht türkisenen Pflatschen erfreut, der Zentralstern hat sich bei mir nur zart angedeutet. Erstaunlich, wie viel da bei entsprechenden Bedingungen zu sehen ist.
    Am Ende meiner Nacht hat die Performance bei mir ebenfalls nachgelassen und eines der letzten Objekte war auch M51. Der Anblick war wirklich atemberaubend. Trotz Standort aufm Land war der Himmel fast wie im Gebirge, schon toll.


    Gruß und CDS,


    Haley

  • Hallo Achim
    Sehr schöner Bericht und eine super Website. Die werde ich noch öfter besuchen. Tolle Selbstbauten und gut beschrieben, auch deine Beobachtungsberichte.


    Gruß Alex

  • Hallo Achim,


    ein wirklich schöner und detaillierter Bericht ! Ich erinnere mich noch heute an eine hervorragende Nacht aus dem Januar 1992 am Sudelfeld, als sich die "Zigarre" von M82 im 16-Zöller von Ralph bei 400x in ein ungeheuer eindrucksvolles, in viele Hell- und Dunkelstrukturen "zerfetztes" Gebilde verwandelt hat. Die Arme von M81 kann ich bei besten Bedingungen schon im 10-Zöller ausmachen, oft aber nicht einmal im 16-Zöller - das hängt wirklich ganz von Dunkelheit und Transparenz ab.


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"> Ich versuche mit an Abell 21 in Gemini, dem Medusa-Nebel ... ich kann den doch recht großen PN einfach nicht erkennen.<hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Hattest du den OIII-Filter drin ? Der Medusanebel ist ohne Filter kaum zu erkennen, mit OIII kann ich in guter Nacht schon im 5-Zöller sehr gut eine breite Sichel sehen.


    Servus
    Ben

  • Hallo,


    vielen Dank für die Rückmeldungen.


    (==&gt;) Haley: ja, an meinem Standort war die Tranparenz deutlich überdurchschnittlich, gegen Ende der Beobachtung schon rekordverdächtig nur meine Kondi- und Konstitution leider nicht.
    (==&gt;) Alex: meine Website ist ganz schön angestaubt, vor allem was die Aktualisierung von Beobachtungsberichten betrifft. Es sind auch sehr viel weniger pro Jahr geworden. Das gute ist: die veralten nicht, der Himmel ist immer noch der selbe.
    (==&gt;) Ben: ich hatte erst ohne Filter, dann mit dem 1. in meinem Filterschieber gesucht, eben nachgesehen, es ist der OIII. Um so mehr wundert es mich, nichts gesehen zu haben. Den Medusanebel hatte ich vor Jahren mit gleichem Teleskop und weniger Transparenz sehr deutlich gesehen, schwach ohne Filter, sehr deutlich damit. Ich sollte es beinm nächsten Neumond nochmals versuchen.

  • Hallo Achim,


    schön mal wieder einen Bericht von dir zu lesen! Eine nette Tour hast du da unternommen.
    Und das mit der Müdigkeit läßt mit dem Training nach. Also bald wieder ran ;)


    viele Grüße und ein neues Jahr mit wolkenfreien Neumond
    Dirk

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