"Klassischer Cassegrain" von TS wer kennt ihn ?

  • Hallo Roland,


    Wie ist denn die Abbildung eines CC im Vergleich zum SC? Du schreibst von oben von einer verbesserten Feldkorrektur, aber wie kommt die beim CC im Gegensatz zum SC zustande?


    den Vergleich CC (klasisches Cassegrain) und SCT (Schmidt Cassegrain Teleskop) hatte ich hier doch schon gebracht und auch noch ein DK (Dall Kirkham) mit F3 HS dazugekommen.



    Das SCT zeigt die deutliche Koma weil die Schmidtplatte hier nicht im Krümmungsmittelpunkt des HS steht so wie bei einer SC (Schmidt Camera).

    Die SC hat ja eine vollständige Korrektur der Koma, man könnte das Gleiche auch beim SCT erreichen nur hätte man dann die doppelte Baulänge und würde auch eine Spinne für den SP benötigen.

    Man wählt also beim SCT aus rein praktischen Gründen die kurze Bauweise mit der Möglichkeit den SP direkt an der Schmidtplatte zu befestigen und nimmt dafür die Koma im Feld in Kauf.


    Beim klassischen Cassegrain wird sowohl SA als auch Koma über die konische Konstante von HS und SP korrigiert.

    Im Unterschied zum RC hat man hier aber für den HS eine Parabel mit cc-1 (cc= Conic Constant) festgelegt so das eine geringfügige Restkoma bleibt.

    Beim RC ist auch die cc des HS freigegeben so das hier die Koma vollständig korrigiert werden kann.

    Dafür ist der HS hier schwieriger zu fertigen und zu prüfen und auch der SP benötigt eine noch stärkere Retusche (kleinerre cc) als beim klassischen Cassegrain so das auch dieser aufwendiger zu fertigen ist.

    Das klassischen Cassegrain stellt also einen sehr guten Kompromiss zwischen Fertigungsaufwand und Koma Korrektur im Feld dar.

    Und wie man oben sieht ist bei einem F12 System die Koma auch hier schon so gut korrigiert das man in der Praxis keinen Unterschied zum RC feststellen wird.

    Die Koma eines klassischen Cassegrain ist von der Öffnungszahl des Systems abhängig.

    Bei einem F8 System wie bei den RCs von GSO gibt es noch einen spürbaren Unterschied zu einem klassischen Cassegrain mit F8.

    Bei einem F12 System ist auch beim klassischen Cassegrain die Koma so gut korrigiert das man in der Praxis keine Unterschied bemerken wird.


    Grüße Gerd

    Edited once, last by Gerd-2 ().

  • Hallo John,


    Ist zwar Off-Topic, aber ich frage mich schon länger: wie macht es die Meade ACF Serie eigentlich? Ist das ein RC mit planer Glasplatte als Fangspiegel-Halter?

    Ich glaube es nicht.

    Oder ist es ein RC-ähnliches System, bei dem zwar der SP hyperbolisch ist, aber die Hyperbolizität des Hauptspiegels in die Korrektorplatte gesteckt wird, bei sphärischem Hauptspiegel?

    Der SP ist bei den Meade ACF eine prolate Ellipse ( cc größer -1) typisch ist eine cc von etwa -0,8 und der HS ist eine Sphäre.

    Das macht es erforderlich die SA genau wie beim einfachen SCT über die Schmidtplatte zu korrigieren.

    Die Korrektur von Koma und SA kommt bei den ACF durch das Zusammenspiel von Schmidtplatte und cc des SP zustande.


    Grüße Gerd

  • In Mikes Zeichnung ermittelt er die Brennweite des HS anhand der Krümmung, und dieses Ergebnis ist für ihn wahr und Grund genug, mir zu widersprechen


    Nur noch mal zur Klarstellung.

    Ich habe nie die Brennweite des HS anhand einer eingezeichneten Krümmung aus einer Zeichnung bestimmt.

    Das hatte Ich auch schon mal deutlich gemacht.

    In der bunten Zeichnung wird aber der Krümmungsradius in einer Tabelle angegeben.

    Und natürlich weiß man dann auch die Brennweite

    Für mich ist hier aber nur die originale GSO Zeichnung relevant


    Die Brennweite des HS habe ich anhand der Abstände in der GSO Zeichnung für das System berechnet.

    Ein Cassegrain System lässt sich mit 3 Parametern eindeutig definieren.

    Die übrigen Parameter ergeben sich dann zwingend.

    Die GSO Zeichnung liefert bemaßt den Abstand HS – SP und den Fokus hinter HS.

    Der 3. Parameter ist die Systembrennweite.

    Hier gibt es eine kleine Unsicherheit von 1800mm glatt bis 1848mm.

    Damit lässt sich die Brennweite des HS auf 480mm bis 486,7mm eingrenzen.


    Die 2. Möglichkeit ist die Brennweite des HS direkt der GSO Zeichnung zu entnehmen da hier ja der Primärfokus eingezeichnet ist und man anhand der Relation dieser Länge zu einer bemaßten Länge auch die Brennweite des HS aus der GSO Zeichnung direkt entnehmen kann.

    Die GSO Zeichnung ist mit CAD erstellt und damit Pixelgenau.

    Es lässt sich das fragliche Maß damit also auch Pixelgenau bestimmen.


    Ich und 2 weitere Leute kommen so auf 486,7mm.

    In der optische Rechnung mit 486,7mm Brennweite für den HS ergibt sich mit den in der GSO Zeichnung angegebenen Abstand HS-SP 322,4mm und Fokus hinter HS 285mm eine Systembrennweite von exakt 1800mm.

    Wer eine Vorliebe für runde Werte hat der wird sehen das runde 1800mm und runde 150mm Öffnung runde F12 ergeben.

    Ganz offensichtlich hat GSO also einen 150mm F12 gerechnet und dabei einen HS mit 486,7mm Brennweite verwendet.


    Grüße Gerd

    Edited 4 times, last by Gerd-2 ().

  • Hallo zusammen,


    wie zu Beginn dargestellt, können die Designwerte nur durch mehr oder weniger aufwändige Systemengriffe erreicht werden. Gönnt man anderen Teleskopen in der 150er Klasse auch mehr oder weniger aufwändige Systemeingriffe, wird der Quervergleich spannend.


    So konnte ich das Meade M6 150/1800 von seiner Konusblende am Meniskus befreien und so seine Obstruktion auf effektive (!) ~28,5% bringen. Ohne Eingriff liegt es mit meiner Meßmethode bei ~33,5%.


    Preislich ist das M6 OTA deutlich höher angesiedelt. Optisch kann ich die Unterschiede beider optimierter Teleskope nicht benennen.


    Der GSO- oder TS-CC6 sind ein reines Zwei-Spiegelsystem und können alle damit verbundenen Vorteile mitnehmen. Und schneiden nach Optimierung aus Obstruktionssicht visuell rein rechnerisch für mein Empfinden passabel ab.


    Grüße

    Reinhold

  • Hallo zusammen,


    damit hier nichts falsches rüberkommt.

    FS ist geklebt, braucht angeblich keine zusätzliche Sicherung. Sonst kann man einen Faden drüber spannen: Kann ja machen, wer das toll findet. Ich sicher nicht.

    Ob der SP beim 150mm geklebt ist weiß ich nicht, beim 200mm ist es jedenfalls so.

    Einen Faden drüber spannen hab ich nie vorgeschlagen!

    Selbstverständlich wird die kleine Sicherungsschnur von hinten an den SP geklebt.

    So wie ich es auch glasklar und unmissverständlich geschrieben hatte.

    Das ist eine aktbekannte und bewährte Methode die auch schon in älterer Literatur beschrieben wird.

    Sollte sich ein SP oder FS der so gesichert ist tatsächlich mal lösen dann fällt er nicht auf den HS sondern hängt dann immer noch an der Sicherungsschnur.

    Heutzutage kann man bei modernem Aquarium Silikon oder doppelseitigen Klebepads aber auf so eine zusätzliche Sicherung durchaus verzichten.

    Ich selbst habe den FS meines 8“ Newton vor etwa 20 Jahren mit 3 Punkten Aquarium Silikon so wie hier geklebt.


    Womit Fangspiegel kleben?
    Hi, eine kurze Frage in die Runde: Es geht darum, einen FS auf einem geschrägten Rohr zu befestigen - also keine plane Fläche, sondern quasi nur ein "Ring" als…
    forum.astronomie.de


    Auf eine zusätzliche Sicherung habe ich verzichtet.

    Auch viele Newton mit geklebtem FS kommen mittlerweile ohne die hier früher übliche „Angstklammer“.


    Teleskop-Express: TS-Optics Newton Fangspiegel D = 62.5 mm mit Halter


    Was beim FS eines Newton funktioniert funktioniert beim SP eines Cassegrain natürlich genauso.

    Der SP hat dann halt noch den Becher zum Schutz vor Falschlicht für das System drum und liegt nicht so frei wie der FS beim Newton.


    Grüße Gerd

  • Hallo zusammen,


    ich benutze aktuell einen STP-Kleber, um Glasscheiben in einen Stahlrahmen zu kleben. Die Wahl fiel darauf, weil er angemessen dauerelastisch ist und gut unterschiedliche Wärmeausdehnungen abfangen kann.


    Da ich eine Scheibe wieder entfernen musste, weiß ich um die Klebekraft auf einer polierten Glasfläche. Andererseits lässt sich der Kleber sehr gut mit einem Skalpell oder sehr scharfem Cutter gut durchtrennen.


    Damit werde ich den Cassegrainspiegel meines CC8 auf seine neue Unterlage kleben.


    https://www.yachtcare.de/fileadmin/Technische_Merkblaetter/DE/YC_Uniflex_Marine_2019.pdf


    Grüße Reinhold

  • Wir waren stehengeblieben bei unklaren Brennweiten. Hier gibt es wohl Einige, die besser wissen, wie so Spiegel hergestellt werden. Deshalb die Frage:


    Kann es sein, dass bei der Produktion, wenn es auf eine bestimmte Oberflächenqualität ankommt, es leichter ist, eben diese Qualität zu erzeugen und dabei inkauf zu nehmen, dass am Ende der Spiegel nicht f/3,3 sondern nur f/3,2 oder f/3,4 hat. Und, wollte man genau f/3,3 herstellen die geforderte Qualität schwerer oder gar nicht herzustellen ist.

    Das würde erklären, warum GSO so viel Spielraum beim Spiegelabstand vorsieht, um eben Spiegel mit etwas variierenden Brennweiten leicht optimal korrigieren zu können.

    Das würde auch erklären, warum die Dinger mit verschiedenen Spiegelabständen geliefert werden.

    Das ließe sich auch auf Newtons übertragen, dass also ein f/4 oder f/6 auch ein f/3,9 etc sein kann, was ja nicht kriegsentscheidend ist. Ich glaube, die Meisten hätten lieber einen f/3,9 perfekt geformt als einen mit genau f/4, der Zonen- und andere Fehler hat.

  • Hallo Stephan,

    leider kann ich dazu keine eigene Erfahrung schreiben. Ja, die perfekte Oberfläche wäre den meisten wohl lieber, solang es noch gut mit dem Tubus nutzbar wäre.


    Aus Ingenieursicht wird in der Massenproduktion bei GSO sicher nicht auf die Oberflächengenauigkeit optimiert. Ich erwarte, dass das Ziel eine bestimmte Brennweite ist und dass nach einem Verfahren die Spiegel geschliffen und poliert werden um dieses Öffnungsverhältnis mit einer Durchschnittsgenauigkeit zu erreichen. Wie groß da das bei der Brennweite Spiel ist, weiß ich nicht. Wenn es zu Brennweitenschwankungen kommt, dann aber bestimmt nicht zu Optimierungszwecken, sondern im Rahmen von kleinen Ungenauigkeiten.


    Ich hab ja einen GSO 153/1200 Parabolspiegel. Leider hab ich mir nicht die Mühe gemacht, dass ich die Brennweite genau mess. Groß dürfen die Brennweiten der 153/1200 (wenn man die Phase am Spiegelrand abzieht, dann ist man bei 150/1200) nicht schwanken, da man schnell nicht mehr in de Fokus kommt.

    Servus,

    Roland

  • Hallo zusammen,


    Der Krümmungsradius und damit die Brennweite eines Spiegels wird bereits beim Schleifen definiert.

    Durch die anschließende Politur wird er nicht mehr nennenswert verändert.

    Aber erst mit der Politur wird die Qualität bestimmt.

    Außerdem ist es heutzutage maschinell kein Problem Krümmungsradien sehr exakt einzuhalten.

    Man kann daher davon ausgehen das es keine nennenswerte Streuung bei den Krümmungsradien der Spiegel und damit natürlich auch bei der Brennweite gibt und diese sehr genau der Designvorgabe entspricht.

    Das also im Falle des HS vom CC6 die Brennweite recht genau bei 486,7mm liegt und zwar bei allen Exemplaren.


    Ganz anders verhält es sich bei dem Abstand HS –SP.

    Der ist ja ganz einfach verstellbar und es wird sich keiner die Mühe machen den ganz exakt nach Design einzustellen weil das so exakt auch gar nicht nötig ist.

    Entscheidender ist das die Justage ordentlich passt und es zu keiner Koma auf der Achse kommt.

    Hier dürfte es daher mehr oder weniger Zufall sein welcher Wert sich nun ganz exakt bei dem jeweiligen Exemplar ergibt.


    Grüße Gerd

  • Das ließe sich auch auf Newtons übertragen, dass also ein f/4 oder f/6 auch ein f/3,9 etc sein kann, was ja nicht kriegsentscheidend ist.

    Das ist sehr wohl kriegsentscheidend. Ein 200 f/4 hat 800mm Brennweite, ein 200/ f/3,9 hätte dagegen nur 780mm- also würden diesem Spiegel satte 20mm Brennweite fehlen. Der Tubus sowie OAZ sind in den mechanischen Maßen jedoch fest bestimmt, damit läge die Fokusebene des f/3,9 um diese 20mm zu tief und über solche Problemen wäre längst was zu lesen gewesen.


    Und die korrekte Pfeiltiefe und damit die richtige Brennweite zu erreichen ist beim Anfertigen eines Spiegels vermutlich noch die einfachste Übung.

  • Hallo Roland,

    ich meine nicht die Fase aber die Brennweite. Die müsste man beim einfachen Newton einfach direkt messen können, als Entfernung HS-Okular. Ich hab keinen, aber vielleicht hat der nur 1170 oder 1230 mm Brennweite. Das könnte man vergleichen, indem man guckt, ob die Fokussierer aller gleichen Newtons mit dem selben Okular gleich weit ausgezogen sind im Fokus.

    Gruß

    Stephan

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