Aufbruch in eine neue Phase mit EQ6-R

  • Hallo Zusammen,


    nachdem ich nun mehr als 15 Jahre auf meiner treuen und zuverlässigen GP allen Widrigkeiten unseres Hobbys getrotzt habe (z.B. ständige Überlastung der GP mit 8er Newton ohne nennenswerte Probleme), habe ich mich nun doch mal dazu entschieden, in eine zweite Montierung zu investieren.


    Geworden ist es am Schluss eine EQ6-R. [8D]




    Jetzt bin ich natürlich auch an Erfahrungen interessiert und natürlich habe ich auch ein paar Fragen.


    Eine stelle ich mal direkt: Ab wann brauch man eigentlich einen Autoguider? Da ich auf einer Dachterrasse in Stadtrandnähe beobachte, sind 3 - 4 Minuten Belichtung nahezu immer das höchste der Gefühle. Da ich keine großen Ausflüge mit der Ausrüstung plane, frage ich mich schon, ob ein Autoguider dafür nicht etwas übertrieben ist?


    Ich wäre für eurer Erfahrungen und Tipps mit der EQ6-R sehr dankbar.


    Viele Grüße und CS
    Micha

  • Hallo Micha,


    Glückwunsch zu deiner neuen Monti! Sie wird dir viel Spaß bereiten: Der Achter sitzt da fotografisch bombenfest drauf :) Besonders angenehm fand ich vor allem das sehr leise Laufgeräusch durch den Einsatz der Zahnriemen.


    Zu deiner Frage: Autoguiding benötigst du ja sobald die Nachführgenauigkeit der Montierung nicht mehr hundertprozentig gegeben ist. Je größer die Brennweite deiner Optik, desto schneller tritt dies ein. Du hast da einen f/5 mit 1.000mm Brennweite, oder? Da wirst du (wenn es länger als ein paar Sekunden pro Bild werden soll) meiner Meining direkt einen Autoguider nutzen müssen. Der hilft dir ja auch bei einer (nicht ganz hundertprozentigen) Einnordung, als auch bei der Korrektur bei leichten Windstößen. Insgesamt für mich eher ein "Muss" statt einem "Kann".

  • Hallo Micha,


    Glückwunsch!


    Gelesen bei vielen und real auch bei meiner EQ6-R waren im Handcontroller noch "Encoder" aktiviert (obwohl sie keine hat), was nach meiner Erinnerung zu Problemen bei Alignment und Goto führte. => Deaktiviere sie.

  • Hallo Frank, hallo Peter,


    danke für die Tipps. Ich bin zur Zeit unterwegs, daher kann ich das erst nächste Woche in Ruhe nachschauen, wie sie eingestellt ist. Ich habe sie bisher nur aufgebaut, ein paar Fotos gemacht und musste dann los. Es fehlt mir auch noch ein Adapter mit Zigarettenanzünder für das Netzteil, damit die Steuerung überhaupt beleuchtet ist. :)


    Mit dem Autoguider weiß ich es halt nicht, weil ich bisher keinen genutzt habe. Gut 2 Minuten hatte ich schon immer mit dem F5-Newton und 1000 mm Brennweite auf der GP ohne Guiding auf meinem Balkon und nur mit grober Einnordung (konnte Polaris bisher nicht sehen). Das ist aber jetzt anders, da ich jetzt Zugang zu unserer fantastischen Dachterrasse mit Blick in alle Richtungen habe. Und deswegen habe ich auch die EQ6 gekauft, v.a. mit dem Ziel mehr Zeit zum fotografieren zu haben und nicht soviel mit Aufsuchen zu verplempern.:)


    Viele Grüße
    Micha

  • Hallo Micha, ich würde sofort auf Autoguiding umsteigen.
    Du wirst sehen:
    Du möchtest nicht mehr ohne Autoguiding fotografieren!
    Ich denke das geht jedem Astrofotografen so.
    Es ist wirklich eine extreme Erleichterung.
    Rainer

  • Hallo Rainer


    dann komm ich wohl nicht rum [:p]


    Ich muss jetzt aber erstmal Weihnachten überstehen. [:)]


    Ich schiele natürlich auf das M-Gen. Da ich den Newton auch schon mal allein lasse, wenn es mir zu kalt ist, möchte ich das auch meinem Notebook nicht zumuten.


    Nur die Leitrohrfrage ist noch nicht geklärt.


    VG und klare Nächte
    Micha

  • Hallo Micha,


    die EQ6-R läßt sich prima guiden und ist ein treues Arbeitspferd. Der M-Gen ist sicher prima, aber wenn Du Netzstrom oder eine starke Batterie hast, würde ich einen Laptop bevorzugen. Ich habe einen Lenovo T60 den es heute für ca. 60-80€ geben sollte. Er ist schnell genug für phd2, APT und CdC und hat bisher auch Frostnächte mit -15 Grad klaglos überstanden. Sollte das mal nicht mehr so sein ist das dann aber auch nicht tragisch.


    Ich Guide mit einem 9x50 Sucher und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Auch bei 1000mm Brennweite ist das kein Problem. Als Kamera nutze ich eine QHY5. Da der Sucher recht Lichststark ist, gibt es keine Probleme einen passenden Leitstern zu finden. Zusammen mit phd eine feine und günstige Sache.


    Viele Grüße
    Michael

    per aspera ad astra ...


    Skywatcher Explorer-150PDS

    Eigenbau Newton 200/1000

    EQ-6R

    Meine Bilder

  • Hallo Michael,


    danke für die Hinweise. Das ist wirklich eine Überlegung wert. Den Sucher, den du dazu benutzt, hat dann aber einen 1.25 Anschluss, oder?


    Im Prinzip kann ich ja erstmal mit meinem PC zu Hause in Ruhe mit solch einer Lösung üben, bevor ich wieder zu viel Geld ausgebe. Die nächsten Wochen regnet es vermutlich sowieso [}:)]


    VG, Micha

  • Hallo Micha,


    ich nutze am Sucher einen Parfokal Adapter mit dem die QHY5 (oder jede andere Kamera mit T2 Anschluss) mit dem Sucher verschraubt wird. Das klappt sehr gut, ich musste nur den Konterring am Objektiv des Suchers entfernen um in den Fokus zu kommen. Etwas Dichtungsband im Gewinde sorgt dafür, dass sich der Fokus trotzdem nicht verstellt. Wichtig ist nur, dass es ein gerader Sucher ist. Mit Suchern mit 90° Einblick klappt das nicht.


    Statt eines Laptops kann man auch einen Raspberry PI mit Indi nehmen. Ich finde den Laptop mit Windows allerdings sehr viel praktischer. Mit VNC kann ich den auch von Sofa aus steuern und ab und zu schauen ob noch alles so läuft wie es soll. Die EQ6-R hängt per RS232 am Laptop. Ein T60 mit Dockingstation hat sogar noch eine 'echte' RS232 [:)]. Mit der Montierung im PC Direkt Mode und EQDIR klappt das sehr stabil.


    Viele Grüße
    Michael

    per aspera ad astra ...


    Skywatcher Explorer-150PDS

    Eigenbau Newton 200/1000

    EQ-6R

    Meine Bilder

  • <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: _Frank_</i>
    <br />Hallo Micha,


    Zu deiner Frage: Autoguiding benötigst du ja sobald die Nachführgenauigkeit der Montierung nicht mehr hundertprozentig gegeben ist. Je größer die Brennweite deiner Optik, desto schneller tritt dies ein. Du hast da einen f/5 mit 1.000mm Brennweite, oder? Da wirst du (wenn es länger als ein paar Sekunden pro Bild werden soll) meiner Meining direkt einen Autoguider nutzen müssen. Der hilft dir ja auch bei einer (nicht ganz hundertprozentigen) Einnordung, als auch bei der Korrektur bei leichten Windstößen. Insgesamt für mich eher ein "Muss" statt einem "Kann".




    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Sign
    Plus du kannst dir die darks sparen wenn du ditherst

  • Hallo Micha,


    Zum Dithern muss das Steuerprogramm der Kamera mit dem Autoguider synchronisiert werden. Da fährt das Teleskop nach jedem Bild an eine geringfügig andere Position und der Guider macht das mit.
    Wenn du mit DSLR fotografierst klappt das mit dem MGEN sehr gut, da er auch die DSLR auslöst.
    Wenn du eine Astrokamera hast brauchst du einen PC der geht natürlich auch mit dem MGEN aber in dem Fall ist eine Lösung mit empfindlicher Kamera und PHD2 günstiger.
    Wenn du ZWO ASI Kameras hast gäbe es auch noch ASI Air. Das scheint ganz gut und einfach zu funktionieren. Aber halt nur mit ASI Kameras.

  • Danke für die vielen tollen Tipps!


    ich hab heute den ganzen Tag im Zug gesessen und erstmal nachgelesen, was denn dithern schon wieder ist. [:)]


    Bisher habe ich mit meiner unmodifizierten 1200d fotografiert. Planeten früher mal mit einer ToUCam 1. Die habe ich immer noch, inklusive IR-Sperrfilter. Läuft aber nicht mehr ohne größeren Aufwand, weil der Treiber dafür nicht mehr existiert.


    Ich habe auch noch eine 1000d, die wollte ich mal umbauen lassen, aber ich habe sie vorher dauerhaft verliehen.


    Ich schau mich auch bei den aktuellen Planetenkameras um, vllt gibts da ja eine in Farbe, die man auch zum guiden benutzen kann? Bei Planeten ist guiden ja eher überflüssig.


    Leider habe ich einen 90 Grad Sucher. Bisher war ich allerdings froh da drüber [:o)]


    Ich hab auch noch den originalen geradlinigen Sucher von meinem Vixen 102M, aber der ist mit 30mm Öffnung wohl deutlich zu klein.


    Käme dieser hier vielleicht in Frage?


    https://www.teleskop-spezialis…xen-GP-Schiene::3900.html


    VG und Danke nochmal! Ich lern gerade richtig dazu. [:)]
    Micha


    PS: zur Stromversorgung wollte ich noch sagen, dass ich ein Standardnetzteil, 12 V, 3 A, benutzen wollte. Funktioniert auch. Habe ich gerade getestet.

  • Wenn der 90° Sucher eine 1,25" Kamera aufnehmen kann ist das vollkommen OK für Guiding.


    Dithern ist recht einfach.


    Das Teleskop fährt nach jedem Bild zufällig eine geringe Distanz. Dadurch wird das Bild auf anderen Pixeln der Kamera dargestellt.
    Sollte ein Hotpixel am Sensor sein ist es in den Bildern an verschiedenen Stellen. Beim Stacking werden die Bilder ja pixelgenau ausgerichtet und die geringe Verschiebung wird wieder rausgerechnet.
    Da die Chipfehler (Hotpixel/Coldpixel) dann beim Stacking an verschiedenen Stellen sind werden sie im gestackten Bild deutlich schwächer.

  • Hallo Roger,


    super erklärt. Danke. Es soll auch Satelliten- und Flugzeugspuren vernichten, habe ich heute gelesen. Bisher sortier ich solche Bilder immer von Hand aus. Aber das man dann auf Darks ganz verzichten kann, da sind sie sich im Netz nicht so ganz einig drüber. ;)


    Mein Sucher ist einer normaler Winkelsucher von TS, ich glaub 9x50, der ist ohne Anschluss. Also muss ein neuer Sucher her.


    Eben habe ich die EQ6-R das erste Mal angeschaltet [:p] [8D]


    Beste Grüße
    Micha

  • Hallo Micha,


    die Flugzeug- und Sattelitenspuren entfern man nicht per Dithern sondern beim Stacken mittels 'Kappa-Sigma Clipping' (im DeepSky Stacker) bzw. 'Outliner Rejection' (im Astro Pixel Processor). Aussortieren muss man sie daher (Gott sei dank) nicht.


    Ob durch Dithern auf Darks verzichten kann ist in der Tat oft und kontrovers diskutiert worden. Aus eigener Erfahrung muss ich sagen, man kann durchaus darauf verzichten, wenn die Kamera schön kalt war und man viele Bilder gemacht hat. In der Regel mache ich aber auch Darks.


    Der 'Sucher' von ZWO ist schon eine sehr luxuriöse Ausführung und bestimmt nicht schlecht. Allerdings halte ich ihn nicht für nötig. Ein einfacher 8x50 oder 9x50 tut es genau so gut. Zumal die oft gebraucht günstig zu bekommen sind. Beim Guiden soll die Sternabbildung ja gar nicht super scharf sein. Damit hat es die Software leichter Verschiebungen zu detektieren die kleiner sind als die Pixel der Guidingkamera (Stichwort 'subpixel guiding'). Zudem nutze ich Sharpcap zum Einnorden der Montierung und das ist schlichtweg genial einfach, schnell und genau. Da passt das Blickfeld der QHY5 zusammen mit dem Sucher genau. Das einzige was ich mir gegönnt habe ist eine etwas bessere Halterung des Suchers. Sie sieht etwa so aus wie die von ZWO. Monochrome Guiding Kameras haben natürlich den Vorteil empfindlicher zu sein als ihre farbigen Pendants. Mit zwei Sekunden Belichtungszeit habe ich immer einen Leitstern gefunden. Evtl. können andere hier mal ihre Erfahrungen mit farbigen Guidingkameras beisteuern.


    Viele Grüße
    Michael

    per aspera ad astra ...


    Skywatcher Explorer-150PDS

    Eigenbau Newton 200/1000

    EQ-6R

    Meine Bilder

  • Hallo Michael.


    Danke.


    Eure Anmerkungen bzw. Argumente haben mich nun doch dazu gebracht, erstmal ohne M-Gen und mit einem PC loszulegen. Klingt alles sehr spannend [:)]


    Einen PC habe ich eben für 70 Euro für diesen Zweck erworben, auch ein Lenovo, mit denen ich früher auch immer nur gute Erfahrungen gemacht habe. Mal schauen, ob er mir einfriert.
    Dazu eine Frage: welches Betriebssystem nutzt man denn denn am besten?



    Ich wollte es dann erstmal mit APT probieren. Fehlt halt die
    1. Kamera
    2. Leitrohr


    Nachdem ich mir ein paar aktuelle Kameras angeschaut habe, finde ich v.a. die ASI120MC-S für mich interessant. Ich glaube ich werde mit der das guiden mal ausprobieren und dann kann ich ja hier berichten. [:)]


    Als Leitrohr nehm ich dann einen geraden Skywatcher 9x50-Sucher mit Parfokal-Adapter.


    Alles in allem ist das jetzt deutlich günstiger als M-Gen. D.h. ich muss nicht drauf sparen. [:D]


    Passt das so zum Start? Oder habe ich irgendwas vergessen?


    VG, Micha

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