Erste DSLR Photometrie - Muniwin

  • Liebes Forum,


    ich habe mich gestern an meinen ersten Photometrie-Messungen an V474 Mon (HADS, m=5,94-6,31, Periode 3,4 h) versucht. Im AAVSO Manual habe ich gelesen, dass der Zyklus mit 10 Messungen in einem Abstand von 5 min zu messen sei. Hier bin ich mir schon unsicher, ob das wirklich stimmt: das wäre ja nur ca. 1/4 des gesamten Zyklus?!


    Die Bilder wurden mit einer Canon EOS 400 D, 50 mm Objektiv, 10 s, f=2,8 im Abstand von 5 min aufgenomme, insgesamt 10 Aufnahmen.


    Für die Auswertung mit Muniwin habe ich mich am youtube-Video von Erik Wischnewski orientiert. Als Vergleichsstern habe ich 1 Mon, als Checkstern 3 Mon gewählt. Meine Messung zeigen Schwankungen von V474 Mon von etwa delta m=0,1. Was mich allerdings total irritiert ist, dass die Helligkeitsdifferenz zwischen Vergleichsstern und Checkstern ebenfalls von -0,01 bis 0,12 schwanken, also fast genau so viel wie die des Veränderlichen. Oder anders formuliert: Ist meine gesamte gemessene Veränderung von V474 Mon nur ein Artefakt, bzw. Messfehler?


    Ich freu mich auf Eure Unterstützung.


    Danke und CS,
    Stefan

  • servus Stefan,


    da musst Du mehr Aufnahmen machen ! Versuche, mindestens einen gesamten Helligkeitszyklus abzudecken, besser mehr. Das wird allerdings beim Einhorn schon schwierig, weil das Sternbild bald nach Westen wandert.
    Schau Dir bitte mal an, welche ADU's Du bei V 474, beim Vergleichs- und Checkstern hast. Vielleicht bist Du nahe der Sättigung bei Deiner Kamera, und da wird diese nicht-linear: eine Verdoppelung des Lichtes führt nicht zu einer Verdoppelung von ADU's. Dieser effekt tritt bei ca. 70% der maximalen Sättigung auf. Danach misst Du Mist (ist mir anfangs auch passiert).


    CDS
    Stefan

    visuell:

    ICS Dobson 14.5" f/4.7


    fotografisch:

    Lichtenknecker FFC 190/760mm f/4

    Galaxy RC 10" f/8

  • Servus Stefan,


    vielen Dank für Deine Tipps. Ich hab mich bisher kaum mit Astrophotographie beschäftigt. Hast Du nen Tipp oder Link für mich wie ich die Sättigung/ADUs bestimmter Pixel im Bild zu messen?


    Vielen Dank,
    Stefan

  • servus Stefan,


    das geht mit Fitswork sehr gut.
    Vielleicht solltest Du Dir das sehr informative manual der AAVSO zur Fotometrie mit der DSLR durchlesen, hat mir sehr geholfen beim Einstieg und Verstehen.


    CDS
    Stefan

    visuell:

    ICS Dobson 14.5" f/4.7


    fotografisch:

    Lichtenknecker FFC 190/760mm f/4

    Galaxy RC 10" f/8

  • Hallo Stefan!
    Der Mon steht ja z.Z. schon recht tief. Generell sollte man keine Sterne photometrieren die tiefer als 30¤ stehen sonst werden die Messungen schnell ungenau.
    Hast du die Rohbilder kalibriert? Also Darks und Flats gemacht?
    Das wäre ebenfalls sehr wichtig.
    Hast du nur den Grünkanal gemessen?
    Gruß und CS Christoph

  • Vielen Dank schon mal für die hilfreichen Tipps:
    - Fitswork habe ich bisher noch nicht im Einsatz. Werde ich mir gleich downloaden und damit die Sättigung überprüfen.
    - Das DSLR-Manual von der AAVSO kenne ich, habs aber im Detail noch nicht gelesen. Kommt aber auf die Liste für demnächst.
    - Das mit den 30° war mir so nicht bewusst, aber klingt sehr logisch, um Extinktion und Schwankungen in Hoizontnähe zu umgehen.
    - Ich hab mich ein bisschen vom Artikel über das Delta Cephei-Projekt von Wolfgang Vollmann in einer älteren SuW inspirieren. Er meinte, dass bei DSLR-Photometrie keine Darks und Flats notwendig wären. Wie seht ihr das?


    Bei der Auswertung habe ich nur den Grünkanal gemessen. Ich werde mir wohl noch ein geeigneteres Sternsystem suchen (Vorschläge gerne willkommen) und demnächst einen zweiten Versuch starten. Ich werde berichten!


    Gruß und CS,
    Stefan

  • Vielleicht noch ein Zusatz. Ich habe mich oben vertan, ich hab natürlich mit einer Canon EOS 1000D photographiert.
    Fitswork zeigt mir einen DC-Gain von etwa 1300 bei einem Maximalwert von 13.000. Das scheint mir so, als ob ich noch länger belichten sollte, um den dynamischen Bereich noch besser ausnutzen?

  • Hallo Stefan!
    Muniwin arbeitet ja mit der Aperturphotometrie. Da sind gerade gute(!) Flats essentiell wichtig!
    Über Darks lässt sich streiten, schaden tun sie jedenfalls nicht.
    Gruß und CS Christoph

  • Hallo Stefan,


    ich glaube Du hast zu wenig Signal und zu wenige Fotos gemacht.


    Ich habe versucht eine Aufnahmeserie mit Objektiv 1:2,8 f=50mm 13sec ISO400 mit einem konstanten Stern 6,3mag zu messen, ähnlich wie bei Deiner Messung. Dabei machte ich 2 Serien zu je 10 Einzelfotos unmittelbar hintereinander. Hier das Ergebnis in Muniwin:


    Du siehst dass die einzelnen Messungen deutlich streuen, zwischen -0,66 und -0,51mag, ziemlich ähnlich wie bei Dir. Mittelwert ist -0,58mag mit Standardabweichung 0,05mag.
    Grund dafür ist dass das Objektiv einfach zu wenig Licht einfängt um besseres Signal und bessere Genauigkeit zu erreichen. Die Belichtungszeit ist auch noch recht kurz so dass die Szintillation merkbar ist. Flats sind nur ein kleiner Beitrag und sind vor allem bei Vignettierung des Objektivs wichtig.


    Wie kommst Du zu mehr Genauigkeit:
    - hellere Sterne beobachten
    - größerer Durchmesser des Objektivs
    - länger belichten (mit nachgeführter Kamera)
    Das wird im AAVSO DSLR Manual, Kapitel 2.4 genauer gezeigt.


    Ich mache auch bei Sternen mit kurzer Periode immer Serien zu 10 Aufnahmen und mittele die Einzelmessungen der 10 Fotos in einen Messwert. Dann nach 5 Minuten wieder eine Serie. Das klappt gut.


    Ich habe eine Lichtkurve eines etwas helleren Bedeckungsveränderlichen 68 Her = u Her hergenommen bei der ich die einzelnen Fotos gemessen hatte. Da siehst Du dass die Messungen schon noch ordentlich streuen:

    Das Mitteln der je 10 Einzelbilder glättet die Lichtkurve erheblich.


    Viele Grüße
    Wolfgang

  • servus Stefan,


    vielleicht hilft es Dir, wenn ich Dir meinen Workflow schildere, den ich aus vielen Tipps hier im Forum und dem AAVSO DSLR manual entwickelt habe:
    - Testaufnahme des Sterns mit der Aufnahmeoptik und der ISO-Einstellung
    - ADU mit Fitswork messen: Deine 1000D hat "nur" 12 bit Tiefe, also pro Farbkanal nur 4096 ADU's
    - jetzt kannst Du entweder rechnen oder ausprobieren: der ADU-Wert im Maximum des Sterns sollte nicht mehr als 70% von 4096 = 2800 ADU's sein. Wenn's nicht reicht, entweder Belichtungszeit oder ISO-Wert hochsetzen (optimaler ISO-Wert für die 1000D: 800, da ist das Ausleserauschen am geringsten).
    - Dann die Aufnahme-Serie machen, dabei sollte bei schnell veränderlichen Sternen ein kompletter Helligkeitszyklus abgedeckt sein (geht natürlich nicht bei Perioden > 0.5 Tagen)
    - Anschließend musst Du deine Aufnahmen kalibrieren: (gemitteltes Dark - BIAS) abziehen, BIAS abziehen, (gemitteltes Flat-BIAS) dividieren, in RGB-Bild wandeln
    - Zerlegung in die Farben R,G,B --> nur die G-Bilder (entspricht annähernd der visuellen Helligkeit)zur Messung benutzen
    - Messung mit Fitswork (manuell) oder automatischen Programmen (MuniWin, SIPS...); dabei achten, der Vergleichs- und der Checkstern dürfen natürlich ebenfalls nicht >70% der Sättigung haben !
    - Lichtkurve mit Excel o.ä. erzeugen.


    Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht, wenn man sich die Abläufe überlegt und mal ausprobiert hat.
    Die Kalibrierung und Farbzerlegung macht bei mir Fitswork in einem einzigen Ablaufschritt.


    Für die automatisierte Vermessung hat sich bei mir bewährt, dass ich aus den Messaufnahmen den relevanten Teil ausgeschnitten habe -> beschleunigt das Messen, da die meisten Bereiche im Bild ja nicht interessieren.


    Hoffe, ich konnte helfen


    CDS
    Stefan

    visuell:

    ICS Dobson 14.5" f/4.7


    fotografisch:

    Lichtenknecker FFC 190/760mm f/4

    Galaxy RC 10" f/8

  • Vielen Dank für Eure unkomplizierte Unterstützung und die zahlreichen hilfreichen Tipps!
    Ich komme langsam zu der Überzeugung, dass ich bei meinen ersten Versuchen schon vieles richtig gemacht habe, aber sich im Detail doch viele kleine und entscheidende Fehler eingeschlichen haben.
    Bei meinen nächsten Versuchen werde ich versuchen Folgendes zu ändern:
    - Helleren Stern wählen, der höher steht (ich denke im Moment an del Cep oder Algol). Tipps sind gerne willkommen.
    - ISO-Wert und Belichtungszahl hoch setzen (ISO 800, t bis zu 20 s). Auf meinen Aufnahmen hatte V474 Mon einen ADU-Wert von nur etwa 400-500.
    - Stärker defokussieren: der FWHM-Wert meines Veränderlichen liegt im Durchschnitt bei 4-5 px, laut AAVSO Manual sollte es mindestens 8-10 sein.
    - Darks und Flats aufnehmen. Flatfieldfolie von Gerd Neumann ist bereits bestellt.
    - Zur Nachführung habe ich im Moment noch kein Equipment. Derzeit will ichs mal mit mehreren Aufnahmen probieren, die ich immer noch mitteln kann. Frage an Wolfgang: welche Zeit nimmst Du zur Dokumentation für den Mittelwert aus mehreren hintereinander aufgenommenen Bildern?


    Gruß und CS,
    Stefan

  • <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: Stefan_Rgbg</i>
    Frage an Wolfgang: welche Zeit nimmst Du zur Dokumentation für den Mittelwert aus mehreren hintereinander aufgenommenen Bildern?
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Hallo Stefan,


    ich mittele die Helligkeitsmessungen und auch das JD für jedes Foto. In der Kamera habe ich immer MEZ eingestellt, auch bei Sommerzeit. Muniwin teile ich mit dass die Kamerazeit aus dem EXIF 1 Stunde nach UT liegt. Es rechnet dann das JD aus.


    Viele Grüße
    Wolfgang

  • <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: Stefan_Rgbg</i>


    - Helleren Stern wählen, der höher steht (ich denke im Moment an del Cep oder Algol). Tipps sind gerne willkommen.
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Hallo Stefan,


    wie wärs mit Beta Lyrae? Da hatte ich schon mit meiner alten Canon Powershot G3 eine schöne Lichtkurve erhalten, siehe http://www.waa.at/bericht/2011/04/20110422wvo00.html


    Clear skies,
    Wolfgang

  • Ich habe mir mittlerweile Aurora Flatfield-Folie von Gerd Neumann besorgt und erste Flatbilder aufgenommen (ISO 800, 1/30 s, f 2,8). Wenn ich die Bilder betrachte wirken sie recht gleichmäßig weiß. Was mich irritiert ist die Ansicht in Fitswork in unterschiedlichen Zoomstufen.


    Hier zeigen sich komische schachbrettartige Strukturen:
    17 % Zoom

    25 % Zoom

    400 % Zoom


    Besonders die schwarzen Pixel irritieren mich, ich hätte nur weiße Pixel erwartet. Ist das, was ich hier sehe ein Artefakt oder kann das wer von Euch deuten?


    Gruß,
    Stefan

  • Hallo Stefan,


    das Fitswork zeigt Dir in diesem Fall das echte schwarzweisse RAW Bild an (nicht debayert = nicht farbinterpoliert). Das Muster ist einfach die Bayer-Matrix des Chip. Falls Flats von Fitswork selbst abgezogen werden empfiehlt sich das so. Natürlich kannst Du die Flats auch farbinterpolieren lassen dann verschwindet das Muster.


    Auch ein normales CR2 RAW-Bild sieht so aus wenn Du in Fitswork bei den "Einstellungen" "Datei laden" bei "Raw Bilder farbinterpolieren" das Häkchen entfernst.


    Viele Grüße
    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,
    ich befürchte ich bin gerade etwas schwer von Begriff. Folgendes ist mir unklar:
    - Bezieht sich Deine Aussage bzgl. der Bayer-Matrix auf alle drei Screenshots von mir oder nur auf einen?
    - Wenn ich meine Bilder in Fotswork farbinterpoliert öffne sind sie hellblau. Sie müssten doch weiß sein, oder?
    - Könntest Du mir nochmal einen Arbeitsablauf bzgl. der Flat/Dark-Korrektur skizzieren. Im Moment plane ich die Masterframes in Fitswork zu erzeugen. Ich gehe im Moment davon aus, dass diese (nicht-interpoliert) in Fitswork erzeugt werden und dann (nicht-interpoliert) in Muniwin zur Photometrie geladen. Ist das soweit korrekt?


    Falls es zu der ganzen Thematik gute Literatur gibt bin ich über Links dankbar.


    Viele Grüße,
    Stefan

  • Hallo Stefan,


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: Stefan_Rgbg</i>
    <br />
    - Bezieht sich Deine Aussage bzgl. der Bayer-Matrix auf alle drei Screenshots von mir oder nur auf einen?
    - Wenn ich meine Bilder in Fotswork farbinterpoliert öffne sind sie hellblau. Sie müssten doch weiß sein, oder?
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    So gut kenne ich das Fitswork nicht aber ich denke auf allen 3 Bildern siehst Du die Bayer-Matrix. Die Farbinterpolation macht glaube ich keinen Weissabgleich also könnte das Hellblau schon passen.


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote">
    - Könntest Du mir nochmal einen Arbeitsablauf bzgl. der Flat/Dark-Korrektur skizzieren. Im Moment plane ich die Masterframes in Fitswork zu erzeugen. Ich gehe im Moment davon aus, dass diese (nicht-interpoliert) in Fitswork erzeugt werden und dann (nicht-interpoliert) in Muniwin zur Photometrie geladen. Ist das soweit korrekt?


    Falls es zu der ganzen Thematik gute Literatur gibt bin ich über Links dankbar.
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Wie das mit Masterdarks und Masterflats aus Fitswork geht würde mich auch interessieren, ich habe die mit Fitswork gemittelten und als FITS gespeicherten Bilder in Muniwin nicht verwenden können.


    Mach doch die Dark- und Flatkorrektur direkt in Muniwin. Gute Anleitungen dazu hat Erik Wischnewski gemacht:


    Artikel:
    https://www.bav-astro.eu/rb/rb2011-4/270.pdf


    Videos, insbesondere "Photometrie mit Muniwin" und "Photometrie verbessern":
    http://www.astronomie-buch.de/astronomietelevision.htm


    Wenn Du Fitswork verwenden willst: vielleicht mit Fitswork Batchverarbeitung die Vorbereitung machen (Dark/Flat/Grünbilder herausziehen/speichern als FITS) und die entstandenen FITS dann mit Muniwin messen.


    Viele Grüße
    Wolfgang

  • Ich möchte das Thema nochmal aus der Versenkund holen.
    In der Zwischenzeit habe ich erste Ergebnisse von del Cep und bet Lyr erzeugt, die ganz vernünftig aussehen.
    Ich wollte nur nochmal meine Vorgehensweise beschreiben, mit der Bitte um kritische Überprüfung durch Erfahrene:
    1) Aufnahme von 10 Lightframes mit 13-15 s Belichtungszeit bei ISO 800
    2) Aufnahme von 10 Darkframes mit der gleichen Belichtungszeit
    3) Aufnahme von 10 Flatframes mit Flatfieldfolie bei 1/30 s, ISO 800
    4) Aufnahme von 10 Flatdarks mit 1/30 s, ISO 800


    Bei der Auswertung mit Muniwin gehe ich folgendermaßen vor:
    Alle Bilder werden jeweils nur im Grünkanal ausgewertet:
    1) Erzeugen eines Masterflatdarks
    2) Erzeugen eines Masterflats, von dem das Masterflatdark abgezogen wird
    3) Erzeugen eines Masterdarks
    4) Auswertung der Daten mit Dark- und Flatkorrektur durch das Masterdark und Masterflat.


    Vielen Dank für Eure Unterstützung!
    Stefan

  • Servus Stefan (Namensvetter),


    ich glaube, dass Du da für die Kalibrierung an einigen Stellen zuviel machst, und an anderen Stellen zu wenig.


    - Ein Flatdark würde nur etwas bewirken, wenn Dein Flat so lange belichtet wird, dass es thermische Elektronen enthält. Bei Deiner Belichtungszeit von 1/30 sec dürfte das nicht der Fall sein, kann aus meiner Sicht also entfallen.


    - Das Masterdark kann, muss aber nicht aus Einzelaufnahmen bestehen, die die gleiche Belichtungszeit haben wie Deine Lights. Zumindest nicht, wenn Du Fitswork benutzt. Dort kannst Du das Dark entsprechend der Temperatur anpassen lassen (Haken bei "Temperaturausgleich" setzen). Der Vorteil ist, dass Du Deine Darks gabnz bequem irgendwann mal machen kannst. Ich habe sie irgendwann in einer kühlen Wolkennacht bei geschlossenem Objektivdeckel gemacht, und verwende immer wieder das gleiche Masterdark - spart kostbare Zeit am Fernrohr in klaren Nächten.


    - Da Fitswork das Rauschen des Masterdark ermittelt und dann dem Rauschen des Lights anpasst, skaliert Fitswork das Masterdark. Da dieses auch das BIAS-Signal und das BIAS-Rauschen enthält, musst Du ein Master-BIAS machen, und dieses mit verwenden: und zwar so, dass Du es vom Light abziehst, und auch vom atserdark und Masterflat. Bei den Masters macht man das einmal beim erstellen des Masters: MarsterdarkBIAS = Masterdark - MASTERBIAS; MasterFlatBIAS = Masterflat - MasterBIAS.


    Die Kalibrierschritte in Fitswork für jedes Bild sind also in der Stapelverarbeitung:
    1) MasterBIAS subtrahieren
    2) MasterDarkBIAS subtrahieren (mit Temperaturausgleich)
    3) MastrerFlatBIAS dividieren (mit automatischer Skalierung)
    4) RGB Wandelung
    5) Auftrennen in R, G, B


    Dann kannst Du die G-Bilder weiter zur Fotometrie verwenden.
    Ich hoffe, ich hab's nicht zu verknorkst dargestellt.


    CDS
    Stefan

    visuell:

    ICS Dobson 14.5" f/4.7


    fotografisch:

    Lichtenknecker FFC 190/760mm f/4

    Galaxy RC 10" f/8

  • Servus Stefan,


    vielen Dank für Deine Anmerkungen, das ist sehr hilfreich. Deine Vorgehensweise werde ich mal testen.
    Du schreibst, ich mache an einigen Stellen zu viel, das verstehe ich, aber auch an einigen Stellen zu wenig, das ist mir so nicht klar. Geht man davon aus, dass ein Frame immer aus Bias (konstant), Dunkelstrom (abhängig von der Belichtungszeit) und Signalstrom besteht sollte man m.M.n. darauf verzichten können, Bias-Aufnahmen zu machen, da sich der Biasstrom stets raushebt. Klar der Aufwand ist höher, da ich stehts ein Dark mit der gleichen Belichtungszeit aufnehmen muss. Stimmst Du da überein oder habe ich einen Denkfehler?
    Noch eine praktische Frage: Welche Belichtungszeit sollte für den Darkframe gewählt werden? Bei den Lights wähle ich 10-15 sek.


    Gruß und CS,
    Stefan

  • Servus Stefan


    also nach meinem Wissen ist ein Bild wie folgt aufgebaut:
    BIAS + BIAS-Rauschen
    Signal + Signalrauschen
    Dunkelsignal + Dunkelrauschen


    Dazu kommt dann noch das Ausleserauschen und ein paar andere blöde Effekte (ungleiche Ausleuchtung etc).
    Das BIAS musst Du deswegen von allen Bildern vorher abziehen, weil Du ein skalierbares Dark in Fitswork verwendest.
    Sollte das Dark das BIAS noch beinhalten, wird es ebenfalls mit skaliert, und entspricht dann nicht mehr dem normalen konstanten BIAS. Im Resultat ziehst Du mit dem (Dark + BIAS) x Skalierungsafaktor also zuwenig oder zuviel ab.
    Mein Master-Dark besteh übrigens aus ca 30 Darks mit jeweils 90 sec Belichtungszeit bei ISO 2500. Wichtig ist, dass Du BIAS, Darks und Flat mit der gleichen ISO-Einstellung machst, wie Deine Belichtungszeit ist. Natürlich ist das Dunkelsignal bei 90 sec (Masterdark) viel größer als bei 15 sec (Belichtungszeit am Himmel), aber bei Fitswork wird das ziemlich gut ausgeglichen. Der Vorteil ist neben der Tatsache, dass ich nicht kostbare Belichtungszeit für Dark-machen verwenden muss, dass ich EIN Masterdark für jede Belichtungszeit (kurz bei Veränderlichen, lang bei DeepSky) verwenden kann - und das ohne ständige Änderung. Ich wer demnächst mal ein neues Masterdark machen, um neue Hotpixel auszumerzen, aber sowas mache ich 1x pro Jahr.


    CDS
    Stefan

    visuell:

    ICS Dobson 14.5" f/4.7


    fotografisch:

    Lichtenknecker FFC 190/760mm f/4

    Galaxy RC 10" f/8

  • Hallo zusammen,


    ich bin auch absoluter Anfänger was Veränderlichen Photometrie angeht. Finde das Thema sehr interessant und möchte das gern selber mal ausprobieren. Aus diesem Forum konnte ich schon einiges für mich mit nehmen, schon mal vielen dank dafür!


    Aber eine Frage hab ich. Im Internet, u.a. auch bei der BAV, findet man viele gute und nützliche Anleitung aber ich finde es für mich etwas schwierig, einzuschätzen wann ein Stern nun zu sehr gesättigt ist oder zu kurz belichtet wurde. Gibt es einen Richtwert wie z.B. bei mag 5 Sternen ISO 800 und max 15s oder bei mag 2 Sternen ISO 800 und max 5s usw. Wie sind eure Herangehensweisen.
    Möchte gern den Stern Cep VV beobachten, Equipment: 18-55mm, f3,5-5,6 Objektiv / EOS 450D / auf Tripod.


    Vielen Dank!
    Gruß Piotr

  • <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: HNSolid</i>
    <br />
    Aber eine Frage hab ich. Im Internet, u.a. auch bei der BAV, findet man viele gute und nützliche Anleitung aber ich finde es für mich etwas schwierig, einzuschätzen wann ein Stern nun zu sehr gesättigt ist oder zu kurz belichtet wurde. Gibt es einen Richtwert wie z.B. bei mag 5 Sternen ISO 800 und max 15s oder bei mag 2 Sternen ISO 800 und max 5s usw. Wie sind eure Herangehensweisen.
    Möchte gern den Stern Cep VV beobachten, Equipment: 18-55mm, f3,5-5,6 Objektiv / EOS 450D / auf Tripod.
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Hallo Piotr,


    für VV Cep würde ich 55mm Brennweite bei 1:5,6 nehmen. Du kannst gut 15 Sekunden belichten ohne zu lange Strichspuren zu haben. ISO 400 oder 800 würde passen, musst Du ausprobieren.


    Das Signal (Pixelwert der hellsten Pixel des Sterns) reicht bei der Canon von 1000 bis 16000 ADU auf den Raw Bildern (CR2). Du schaust einfach mit Software (z.B. Muniwin) auf den Grünbildern was Dein Veränderlicher, Vergleichsstern und Prüfstern da liefert bei Deiner Einstellung. Nicht über ca 12-14000 da sonst überbelichtet (da wird das Signal abgeschnitten), es kann runtergehen bis knapp über den 1024. Die Messung wird bei den schwachen Sternen einfach ungenauer, das liefert Dir die Photometrie Software auch.


    Hier ein Beispiel VV Cep mit Objektiv 1:2,8 f=50mm ISO400 13 Sekunden Canon 450D mit Muniwin Grünbild:


    Probiers einfach einmal mit je 10 Bildern bei ISO400 und 800. Du musst ohnehin mehr Bilder machen um die Ergebnisse zu mitteln.


    Viele Grüße
    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,


    vielen Dank für deine ausführliche Beschreibung und das gute Beispiel. Ich werde das mal mit den Belichtungszeiten/ISO ausprobieren und mir das in Muniwin anschauen mit den ADUs. Meinst du bei Mitteln der Bilder, dass man z.B. 10 Bilder in DSS stackt (mit Korrekturbildern darks/flats..) und hinterher das Summenblid vermisst oder ist damit gemeint, dass man die 10 Bilder vermisst und das den Mittelwert errechnet? Das ist mir leider noch nicht so ganz klar.


    Danke schon mal für die Geduld!


    Gruß Piotr

  • <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: HNSolid</i>
    <br /> Meinst du bei Mitteln der Bilder, dass man z.B. 10 Bilder in DSS stackt (mit Korrekturbildern darks/flats..) und hinterher das Summenblid vermisst oder ist damit gemeint, dass man die 10 Bilder vermisst und das den Mittelwert errechnet? Das ist mir leider noch nicht so ganz klar.
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Hallo Piotr,


    ich hab Stacking und vermessen des Summenbilds und Vermessen der Einzelbilder ausprobiert und keine wesentlichen Unterschiede in den Ergebnissen gefunden. Ich denke verwende was für Dich besser passt.
    DSS (Deep Sky Stacker) habe ich dafür nicht benutzt sondern mit AIP4WIN gestackt. Gemessen habe ich mit AIP4WIN sowie mit Muniwin.


    Viele Grüße
    Wolfgang

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