Emil Busch Rathenow "Preisfernrohr" 68/790

  • Hallo liebe Klassikerliebhaber,


    neben meinen mittlerweile auch schon "klassischen" Vixen-Newtons, die gut und gerne ihre 30 Jahre auf dem Buckel haben sollten, besitze ich seit einigen Monaten ein "Preisfernrohr" von der Emil Busch AG Rathenow, das wohl etwa 80-100 Jahre alt sein dürfte.


    Es kam etwas schmutzig und verlottert aus einer Garage zu mir, der Vorbesitzer war wohl verstorben. Es handelt sich um einen Luftspalt-Achromaten mit altersgemäß unvergüteten Linsen und sehr ungewöhnlicher, innenliegender Fokussiermechanik, an dem ich inzwischen das eine oder andere überarbeitet habe. Der geneigte Leser kann sich hier http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=202465 näher informieren und z. B. mal "hineinblicken".


    inzwischen sieht es auf meiner "New Polaris" montiert so aus:


    Eigentlich ist es für den direkten Einblick ohne Zenitprisma gebaut worden und hatte natürlich keinen 1,25"-OAZ, sondern einen Schraubanschluss. Ich habe ein Drehteil machen lassen zur Adaptierung vom Schraubanschluss an T2 und dann einen kurzbauenden TS T2-1,25"-Adapter eingeschraubt. Damit kann ich ein Zenitprisma mit TS 1,6x-Glaswegkorrektor anbauen und komme mit meinen "sensibelsten" Okularen so gerade eben in den Fokus.




    Außerdem habe ich aus einem 80x2mm Alurohr mit 150mm Länge innen mit Veloursfolie ausgekleidet und außen schwarz gestrichen. Es dient jetzt als Taukappe. Ich musste es Teleskopseitig innen leicht dünner schleifen, damit es mit Verlourfolie passt.


    Richtig gespechtelt habe ich leider immer noch nicht damit, ich konnte nur die Fokussierung testen und einen schnellen "halben" Sterntest machen. An Venus merkt man deutlich die fehlende Vergütung anhand der mehrfachen Lichtpunkte durch interne Reflexion im Objektiv.


    Insgesamt bin ich sehr zufrieden, dass ich das schöne Gerät wieder in einen benutzbaren Zustand bekommen habe.


    Viele Grüße


    Manuel

  • Es funktioniert!


    Heute habe ich das Gesamtkunstwerk am frischen Mond testen können, nachdem die Konjunktion Mars-Venus-Mond ja wirklich nicht zu übersehen war. Mit dem Meade 24-8mm Zoom komme ich überall sehr komfortabel in den Fokus, und bis 8mm (158x Vergrößerung) hat mir das gebotene Bild sehr gut gefallen. Ich hatte einen Farbsaum ähnlich wie an der Venus erwartet, aber das Bild sah wirklich toll aus. Ich bin wirklich gespannt, das ganze mal auf die AVX zu montieren und ein paar Deepskyobjekte zu besuchen.


    Noch ein wenig zum Teleskop: Der Tubus ist aus lackiertem Messing -- einem Stück Messing, kein Blech. Bei Emil Busch hat man das wohl so gemacht. Die Linsen wurden aus Schott-Gläsern bei Busch selbst geschliffen, es gab sogar (illegale?) Absprachen mit Zeiss bezüglich der Konkurrenzsituation. Wer ein wenig Geschichte nachlesen will: https://www.rathenow.de/filead…/Geschichte_der_Optik.pdf sowie natürlich Wikipedia.


    Ab dem 2. Weltkrieg wurde nur noch für die Rüstung produziert, nach dem Krieg wurde der VEB Rathenower Optische Werke daraus, der 1966 dem VEB Carl Zeiss Jena unterstellt wurde. Der abgespaltene Westteil ging nach dem Krieg in den dortigen Zeisswerken auf. Da war wohl einiges an Know-How vorhanden.


    Viele Grüße


    Manuel


    EDIT: Typo
    EDIT2: Peinlicher Typo

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