Nachtsichtgeräte

  • Hallo Sternfreunde,


    visuell ist z.B. M31 zunächst wenig beeindruckend; auch im 20x80 sieht man nur den Zentralbereich, nur 10% vom Ganzen. Bei Zuschaltung der Fantasie und des Wissens um Größe, Entfernung und dass er 6x so groß wie der Mond erscheinen würde, wenn er heller wäre, empfindet man schon anders...
    Nun werden ja von Astroshops auch Nachtsichtgeräte angeboten. Deshalb hier die Frage, ob jemand damit, eventuell mit geeignetem Vorsatz (Teleskop schwächster Vergrößerung und sehr großer AP) experimentiert hat? Oder sieht man generell am Himmel hauptsächlich helle Flecken auf grünem Hintergrund?
    Ein Bekannter hat nämlich derartiges abzugeben, und ein Probegucken war mir noch nicht möglich. Und "die Katze im Sack" soll's nicht werden.


    es grüßt Lutz

  • Hallo Lutz,


    Ich habe es ein mal ausprobiert. Helle grüne unstrukturierte Kleckse auf dunkelgrünem Untergrund. Für terrestrische Beobachtungen ja noch ganz interessant (Wild und Nachtvögel), aber für Astro nicht wirklich beeindruckend. Probiere es auf jeden Fall aus, bevor Du Geld in die Hand nimmst.


    Bis dann:
    Marcus

    16" f/4 Dobson, 6" f/5 Dobson, C8, 80/560 ED, 70/700 PST-Mod "Sunlux"


    Zeige mir einen Dobson und ich zeige Dir eine Baustelle

  • Hallo,


    ich habe auch mal eine gewisse Zeit mit Restlichtverstärkern experimientiert. Falls Du nachtblind bist ist es definitiv lohnenswert, falls nicht könnten die besten Geräte vielleicht noch was an zusätzlicher Tiefe bringen. Die üblichen einfachen Geräte sind oft recht schwach in der Verstärkung und benötigen eine zusätzliche IR-Beleuchtung. Also erst testen, dann kaufen. Manchmal reicht aber auch schon ein Blick auf den Preis. Gute Geräte kosten leicht einige Tausender ...



    MfG


    Rainmaker

  • Hallo Leute,


    Meine Kenntnisse sind zwar nicht mehr topaktuell, aber ich hatte bereits beruflich mit Bildverstärkern für die Forschung zu tun.
    Restlichtverstärker, die wirklich was taugen, sind für uns Amateure erstens kaum bezahlbar und zweitens nicht frei erhältlich. Mit etwas Nachdenken fallen einem schnell andere Anwendungen als Himmels- und Naturbeobachtung ein.
    Deshalb sind leistungsfähige Typen als Rüstungsgüter eingestuft mit entsprechenden Export- und Handelsbeschränkungen.
    Ich habe gerüchteweise gehört, dass offenbar selbst die Bundeswehr Probleme hatte, an Top-Technologie ranzukommen. Als Astro-Amateur wird das dann auch nicht einfach sein.


    Bei hoher Verstärkung ist auch bei guten Restlichtverstärkern das Bild immer verrauscht. Einfach weil man bei wenig Licht irgendwann nur die einzelnen Photonen aufblitzen sieht.
    Die meisten nach dem Sekundärelektronen-Vervielfacherprinzip arbeitenden Bildverstärker haben hinten einen grünen Phosphorschirm. Einfache Geräte haben nur einen Elektronenbeschleuniger, bessere eine Mikrokanalplatte als Vervielfacher. Weil vorn aus Licht freie Elektronen im Vakuum erzeugt werden müssen, eignen sich nur chemische Verbinungen mit schwach gebundenen äußeren Elektronen als Photokathode, und es ist schwierig, rot- oder infrarotempfindliche Geräte zu bauen, die auch noch eine gewisse Resistenz gegen Überbelichtung haben. Ich habe Bildverstärker noch as empfindliche Mimosen in Erinnerung. Eine ganz kurze Zeit bei voller Verstärkung bei Tageslicht kann einige Typen komplett unbrauchbar machen.


    Ich bin seit einigen Jahren auf diesem Gebiet nicht mehr ganz auf dem Stand der Technik. Aber ich kann mir vorstellen, dass die nach dem SEV-Prinzip arbeitenden Geräte in Zukunft nach und nach durch Systeme mit Kamera und Bildschirm abgelöst werden.


    Gruß,
    Martin

  • Hallo,


    die geräte der generation 3 und höher fallen soweit ich weiß unter das federal arms law, das dürfte also sehr schwer werden sowas außer Landes zu bringen.



    MfG


    Rainaker

  • Liebe Freunde, danke für Eure Antworten!


    Aus der Ahnung, dass es z.Z. wenig sinnvoll ist, sich ernsthaft damit zu befassen, habt Ihr Gewissheit gemacht. Geräte mit erschwinglichen (und von der Gattin akzeptierten) Preisen bringen also zu wenig und die "richtigen" bzw. kaum beschaffbaren Dinger sind außer Reichweite.
    Der ästhetische Eindruck beim Blick durch's Okular auf M31, M45, h u. chi usw. besteht auch ohne Lichtverstärkung!


    es grüßt Lutz

  • Danke Enrico,


    für Deine Antwort. Da kann man wohl einen alten Ausspruch etwas abwandeln: "Auch jedes Nachtsichgerät hat seinen Himmel". Immerhin sieht man nicht nur wabernde Lichter, sondern erkennt Strukturen. Doch im 20x8ß erscheint z.B. M31 mindestens ähnlich. Und weniger "nervös".
    Aber schön, dass Du zum Thema praktisch beitragen kannst!


    es grüßt Lutz

  • Servus zusammen,
    ich konnte Nachtsichtgeräte (3. Generation) und Feldstecher noch nicht unter gleichen Bedingungen austesten und vergleichen, aber bei mäßigem Himmel erzeugt der Restlichtverstärker eben auch verstärktes SDtreulicht, d.h. das SNR wird nicht besser. Der 3. Generation RLV hat mich dabei nicht besonders überzeugt.
    Bevor ich da viel Geld für teure Technik ausgebe, lobe ich mir meinen russischen 10x50mm Feldstecher (Flohmarktpreis damals: 60 DM). Der zeigt unter meinem dunklen klaren Himmel enorm viel am Andromeda-Nebel, u.a. NGC 205. Und groß ist das Biest dann auch: besagte 5 Vollmonddurchmesser erreiche ich eigentlich fast immer, wenn ich draussen bin. Und das ohne die grüne Farbe.


    CDS
    Stefan

    visuell:

    ICS Dobson 14.5" f/4.7


    fotografisch:

    Lichtenknecker FFC 190/760mm f/4

    Galaxy RC 10" f/8

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